Lvhkzulagr ttt brr 1. und 2. Wvche 800, in der 3. Woche 1200 Mark. Infolge der Lohn-- erhöung, in Verbindung mit den enorm gestiegenen Preisen an Materialien und De- triebsunkosten erhöhen sich die D r u ck p r e i s e vom 18. September ab um 60 Prozent.
Aus Stabt und Land.
Vieh en, den 18. Sept. 1922.
Die Portosätze ab L Oktober.
Die wesentlichsten Gebühren, die vom 1. Oktober 1 9 2 2 an im Post-, Postscheck-- und Tele- gvapherwerkehr
innerhalb Deutschlands
gelten, sind folgende:
Po st karten im Ortsverkehr 1,50 Mk., im Fernverkehr 3 Mk.
Briefe im Ortsverkehr bis 20 Gramm 2 Mk., über 20—100 Gramm 4 Mk., über 100 bis 250 Gramm 6 Mk.: Briefe im Fernverkehr bis 20 Gramm 6 Mk., über 20—100 Gramm 8 Mk., über 100—250 Gramm 10 Mk.
Für nicht oder unzureichend freigemachte Postkarten und Briefe wird daS Doppelte des Fehlbetrags, mindestens aber ein Betrag von 50 Pf. nacherhoben.
Drucksachen bis 20 Gramm 1 Mk., über 20—50 Gramm 1,50 Mk., über 50—100 Gramm 3 Mk., über 100—250 Gramm 6 Mk., über 250 bis 500 Gramm 8 Mk., über 500 Gramm bis 1 Kilo 10 Mk.
Ansichtskarten, auf deren Vorderseite Grütze oder ähnliche Höflichkeitsformeln mit höchstens fünf Worten niedergeschrieben sind 1 Mk., Ansichtskarten, die weitergehende schriftliche Mitteilungen enthalten oder bei denen sich Mitteilungen auf der Rückseite befinden, unterliegen der Posikortengebühr.
Geschäftspapiere und Mi sch sen- dun gen bis 250 Gramm 6 Mk., über 250 bis 500 Gramm 8 Mk., über 500 Gramm bis 1 Kilo 10 Mk.
Warenproben bis 250 Gramm 6 Mk., über 250—500 Gramm 8 Mk.
Richt freigemachte Drucksachen, Geschäftspapiere und Warenproben werden nicht befördert. Für unzureichend freigemachte Sendungen dieser Arten wird das Doppelte des Fehlbetrags mindestens aber ein Betrag von 50 Pf., nacherhoben.
Päckchen bis 1 Kilo 12 Mk.; Pakete in der Rahzone bis 5 Kilo 30 Mk., über 5 bis 71/, Kilo 40 Mk., über 772—10 Kilo 60 Mk, über 10—15 Kilo 100 Mk., über 15—20 Kilo 140 Mk.
Pakete in der F e r n z o n e bis 5 Kilo 80 Mk., über 5-Z*/2 Kilo 120 Mk, über ZV» bis 10 Kilo 160 Mk., über 10—15 Kilo 280 Mk, über 15—20 Kilo 360 Mk.
Wertsendungen (Wertbriefe und Wertpakete). Die Gebühr für eine gleichartige eingeschriebene Sendung und die Versicherungsgebühr beträgt für je 1000 Mk. der Wertangabe 3 Mk. mindestens bei einer Senduvg 5 Mk.
Postanweisungen bis 100 Mk. 6 Mk über 100-500 Mt. 10 Mk.. über 500—1000 Mk 12 Mk.. über 1000—2000 Mk. 16 Mk., über 2000—5000 Mk. 20 Mk. (Meistbetrag ist von 2000 Mk. auf 5000 Mk. erhöht.)
Die Einschreibgebühr ist auf 4 Mk festgesetzt.
Für die Eilbestellung sind bei Voraus- Eählung zu entrichten für eine Driefsendung: nach pem Ortsbestellbezirk 6 Mk., nach dem Land- Jestellbezirk 18 Mk., für ein Paket: nach dem Ortsbestellbezirk 12 Mk., nach dem Landbestell- Bezirk 24 Mk.
Dar eingezahlte Za hl karten bis 100 Mk. einschl. 3 Mk.. über 100—500 Mk einschl 5 Ml., über 500—1000 Mk. einschl. 6 Mk über 1000—2000 Mk. einschl. 8 Mk., über 2000—5000
Baalstempel
Boman von Margarete v. Oerhen- F ü n f g e l d.
25. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Cs war ein kleinbürgerlicher Flur, die Tür zur Küche immer offen, eine Erinnerung an verflossenes Sauerkraut immer in der Luft.
Die Clahen dachte träumerisch: „Wenn das der Königliche Obertertianer ist, so wird er aus allen seinen Himmeln stürzen."
In der nächsten Minute brannten ihre Wangen wie Granatblüten hell: auf der Schwelle verbeugte sich Herr Direktor Steinmann, der offene Pelz lieh den tadellosen Anzug frei, in seiner Rechten glänzte die spiegelglatte Fläche des Zylinders, der von ihm unzertrennlich war.
Keine Blume deutete an, dah hier ein Kavalier einer bekannten Dame einen Krankenbesuch abstattete.
Der Direktor erkundigte sich einfach persönlich nach dem Befinden eines Mitgliedes, an dessen Genesung ihm aus geschäftlichen Gründen sehr viel liegen muhte.
Ein wenig spöttisch musterte er den Aufbau um das Sofa herum.
„Ah — Sie haben Geburtstag heute?"
Die Clahen streifte mit der Hand das arme Beilchensträutzchen von dem einen Stuhl und bot ihn dem Direktor mit einer ironischen Geste.
„Ja — wenn Sie gekommen sind, um mich zu beglückwünschen, Herr Direktor!"
Gr setzte sich, stellte den Zylinder rechts zu seinen Fühen nieder und fragte: „Haben Sie die Zeitungen gelesen?"
„Ich verzichte. Ich kann mir ungefähr denken, was Sie hineingebracht haben! Ich will nichts davon wissen!"
„Verzeihung, ich habe nichts hineingebracht."
Er zog ein Blatt aus der Tasche.
«Es wird Sie doch interessieren. Hier heiht es: „Liebcstragödie auf offener Szene . . ."
Die Platzen strampelte ihr Plaid mit zwei wütenden Fühchen zu Boden, sprang in die Höhe rih dem ruhmvollen Herrn das Blatt auS der Hand.
„Infamie! Und so etwas Rieüerträchtiges — bas wagen Sie mir zu bringen?"
Herr Steinmann schloß kmlb die Augen.
„Ob es wahr ist — das nur möchte-ich wissen."
Da war sie wieder, die sinnlose Freude von gestern — der Triumph.
Sie war jetzt wieder dicht an seiner Seite. Wit einer unbeschreiblich anmutigen Bewegung ka rerte sie halb kniend auf dem weihen Fellteppich und sah ihn mit ihren Augen einer indischen Prinzessin an — ihre goldklare Wange leuchtete so
Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden: Am 9. September der Privatdozent für Forstwissenschaft an der hessischen Landesuniversität Giehen Forstasteffor Dr. Heinrich Wilhelm Weber zu Giehen mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 zum planmäßigen außerordentlichen Professor für Forstwissenschaft an der Landesuniversität Giehen; am 11. September: der auher- ordentliche Professor an der Technischen Hochschule Hannover Dr. Hans Rau mtt Wirkung vom 1. Oktober 1922 zum ordentlichen Professor für Physik an der Technischen Hochschule zu Darmstadt. — Ernannt wurde am 8. September 1922 der Erwin Wendt aus Giehen mit Wirkung vom 1. April 1922 an zum Dersuchsfeldinspektor beim Landwirt- schattlichen Instttut der Landesuniversität Giehen. — Ernannt wurde am 9. September 1922 der Stadtbaumeister Albert Conrad zu Reu-Isenburg mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts ab zum Fachlehrer an der gewerblichen Abteilung der all- gemeinen Fortbildungsschule in Reu-Isenburg, Kreis Offenbach. — Ernannt wurden am 11. September 1922: Der Lehrer Otto Da ab zu Lollar, Kreis Giehen, zum Rettor an der Volksschule daselbst; der Lehrer Heinrich Daniel Schmidt zu Heuchestheim, Kreis Gießen, zum Rektor an der Volksschule daselbst. — Dem Oberzollsekretär Lud
wig Rausch zu Friedberg wurde die nachgesuchte Entlassung aus dem Reichsdienst erteilt.
** Die Warenpreisauszeichnung in den hiesigen Geschäften wird, entgegen den bestehenden Vorschriften, vielfach außer acht gelassen. Wie wir hören, wird im Lause der nächsten Tage eine polizeiliche Revision der Geschäfte nach dieser Richtung hin vorgenommen werden. Wer Wetterungen vermeiden will, sorge beizeiten für die entsprechende Preisauszeichnung seinerWaren.
*’ Das Giehener Bataillon und der Regiments-Stab des Inf.- Rgts. R r. 1 5 werden, von den Herbstübungen auf dem Truppenübungsplatz Münsingen kommend, übermorgen, am 20. September, nachmittags um 4.29 älhr wieder hier eintreffen.
** Eine Bürgermeister-Versamm- lu n g hat das Kreisamt Giehen auf Mittwoch, 2 0. September, in das Regrerungsgebäude dahier ernberufen. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Besprechung über das Reichs- ml.tengefctz Weh.ungsbauabga.e. Vergüt ng der Bürgermeister für vorwiegend im Interesse Privater erfolgende Amtsgeschäfte. Santtätspoltzei- liche Fragen für die Ortspolizeibehörden und Standesbeamten. Feuerlöschwesen. Die Reform der Derwaltungsgefehe. Die Belastung der Bürgermeister mit Arbetten im Staatsinteresse. Bargeldloser Verkehr. Sonstiges.
** Falsche Reichsbanknoten z u 100 Mark. Von den Reichsbanknoten zu 100 Mark der Ausgabe vom 1. Rovember 1920 ist eine weitere Fälschung im Verkehr aufgetaucht, deren Hauptmerkmale folgende sind: a) Papier: Dicker, doch weicher im Griff. Das auf echten Roten auf dem rechten und linken unbedruckten Rande befindliche natürliche Wasserzeichen * 100 * M 100 * M *, und zwar auf einem Rande in Heller, auf dem anderen in dunkler Ausführung, ist durch Druck nach geahmt. Es ist beim Betrachten einer Rote in der Durchsicht weniger, in der Aufsicht deutlicher zu sehen. Das echte Wasserzeichen ist in der Durchsicht gut wahrnehmbar. Kupferbrauner Faserstreifen der Rückseitenmitte durch braunen Strichaufdruck auffällig vorgetäuscht. (Striche lassen sich mit einer Radel nicht ab heben.) Die Falschstücke sind vorsätzlich beschmutzt oder in leichter schmutziger Tonung überstrichen, um sie echten, verbrauchten Roten im Aussehen näher zu bringen, b) Vorderseite: Kräftiges Allgemeinbild. Auffallend dickes und fleckiges Hervortreten des gelben Musters im Außenrand. Dickes, sehr großes Ziffernblld der roten Rummern. Der vor den Rummern stehende Buchstabe ist kleiner. Aus echten Roten sind Buchstaben und Ziffern von einheitlicher Größe. In der 3., 5., den Buchstaben i kaum wahrnehmbar gedruckt. 6. und letzten Unterschrift sind die Punkte über c) Rückseite: Gesamtbild kräftig, etwas verschwommen. Die gelben und blauen Degrenzungs- linien des mittleren Ovalfeldes sind gleichlaufend eingefügt. Hntlare Wiedergabe der Wertziffern „100" in den Seitenfeldern. Die falsche Rum- merthpen .zeigen die gleichen Fehler wie auf der Dorderfette. — Vor Annahme dieser Fälschung wird gewarnt.
" In den Räumen des Kunstver- erns eröffnete am Samstag das Fröbel- Seminar eine Ausstellung von Arbeiten seiner Schülerinnen. Fröbel- Beschästtgungen aller Art zeigt uns die reichhaltig? Schau. Ausschneidebilder aus Buntpapier, selbstgefertigte Woll- und Stoffbälle, aus Ton modellierte Gegenstände, Körbe und sonsttge praktische Gebrauchsgegenstände aus Bast und Rohr, Kalender, verziert mit Buntpapier, Laub- sagearberten, Tiere aller Art zum Fortbewegen, selbsterfundene Geduldspiele, Puppenwagen und Puppenwiegen, hergestellt aus allen Marktkörben zusammenlegbare Puppenstuben, hergestellt aus wertlosem Material von Streichholzschachteln. Garnrollen und bergt Auch sieht man Verkaufs- laden, darunter Modesalons und andere, selbst-
nah, ganz nah bei seiner krampshaft auf dem Knie geballten Hand.
Er atmete tief auf und hob sie dann ganz ruhig zu sich empor, immer höher und höher, bis mcht mehr als eines Zolles Breite sein weißes Gesicht von ihrem lächelnden Mund trennte.
„Ich lege keinen Wert mehr darauf, daß Sie das neue Engagement antreten. Ich zahle die Konventionalstrafe aus meiner Tasche. Sie werden der Bühne Lebewohl sagen."
„lind weiter nichts?" flüsterte die Clahen mit einem kleinen seltsamen Kichern.
«... And meine Frau werden. So und nicht anders muh es zwischen uns geschehen. Sie — Sie — Sie Panther! . . . Ich habe mir mein ßeiben auf der Basis der Korrektheit zurechtgelegt."
Der Panther sprang wieder zurück
„Ich nicht — ich nicht!"
-Das weih ich, meine Liebe," sagte der Direktor leise und bestimmt. „Ich habe mich ja genug gewehrt. Run tragen Sie die Folgen."
„Rufen Sie sofort den Pastor!" sagte die Clahen mit unbeschreiblichem Ausdruck.
»Sie — Sie spotten meiner?“
„Durchaus nicht."
Die Clahen suchte nach Worten. Endlich huschten sie ihr über die LippM, übersprudelnd, Immer mehr und mehr, wie eine Quelle, die aus Felsen bricht.
„Ihren blutlosen Antrag nehme ich an! Weil ich ganz ungerechtfertigterweise eine Schwäche für Ihre steifleinene Persönlichkeit hege — warum? Wer kann dies Rätsel lösen? . . Denn mir beide Passen zusammen wie ein Panther und ein aus Elsenbein geschnitzter Götze eben zusammenpassen."
Leise, atemlos fügte sie hinzu: „Warum fanden Sie nicht das Wort, das höher ist als alle Vernunft? Sie fordern von mir ganz einfach die Aufgabe meines mir liebgewordenen Berufs! Der mit tausend Fasern in mir Wurzel geschlagen hat, aus dem ich meine Lebenskraft sauge! Was tausch' ich denn dafür ein?"
„Mich," sprach der Direktor und sah ihr voll ins Gesicht, so daß sie zum ersten Male die Farbe seiner Augen erkennen konnte.
Die Clahen hätte fast gelacht. Wie hatte sie sich vach diesem Ziel gesehnt! Run erschien es ihr plötzlich gar nicht mehr so begehrenswert.
Ihre Hand fuhr nach der verbundenen Schulter.
„Soll ich Ihnen sagen, bis zu welchem Mah ich vom Theater besessen bin? Als mich Gülde- win gestern hier traf — das war wie eine letzte Erfüllung einer zur Wahrheit erhobenen Kunst! Ich empfand es nicht als Schmerz — es gehörte dazu — war echt. Erst später — na ja."
„Verrückt, schöner Panther" sagte Direktor
Mark einschl. 10 Mk., über 5000—20 000 Mk. einschließlich 12 Mk., für je weitere 10 000 Mk. ober einen Teil dieser Summe mehr 6 Mk.; für ba r- geldl o s beglichene Zählkarten dieselbe Gebühr, höchstens jedoch 30 Mk. für eine Zahlkarte; für Kassenschccke, die bargeldlos beglichen werden, 1/2 vom Tausend des Scheckbetrags, für Barauszahlungen mit Postscheck 2 vom Tausend des Scheckbetrags.
Gewöhnliche Telegramme: für jedes Wort 5 Mk., mindestens 50 Mk., im Ortsver- k eh r jedoch 3 Mk. für jedes Wort, mindestens 30 Mk.
Die Inlandsgebühren für Briessendungen, Wertsendungen, Postanweisungen und Pakete gelten auch nach dem Saargebiet (je- doch Päckchen nicht zugelassen) sowie nach dem Gebiet der Freien Stadt Danzig und dem Memelgebiet. Die Inlandsgebühren für Driefsendungen gelten ferner nach Luxemburg und Oesterreich (Päckchen nach beiden Ländern nicht zugelassen).
Die
Auslandgrbührrn
betragen für P o st k a r t e n 12 Mk., jedoch nach Ungarn und Tschechoslowakei 9 Mk.; für Driese bis 20 Gramm 20 Mk., jede weiteren 20 Gramm 10 Mk. (Meistgewicht 2 Kilo), jedoch nach Ungarn und Tschechoslowakei bis 20 Gramm 15 Mk., jede weiteren 20 Gramm 10 Mk.; für Drucksachen für je 50 Gramm \ Wk; für Geschäftspapiere für je 50 Gr. 4 Mk., mindestens 20 Mk.; für Warenproben für je 50 Gramm 4 Mk., mindestens 8 Mk; Silbestellgebühr für Driefsendungen 40 Mk; Einschreibgebühr 4 Mk.; Rückschein- gebuhr 3 Mk.; Vorzeigegebühr für Rachnah men auf Driefsendungen (vom Absender zu entricht«:) 4 Mk.; Gewichtgebühr für W e r t kä st chen für je 50 Gramm 8 Mk., mindestens 40 Mk. (dazu Einschreibgebühr von 4 Mk); Versichern ngsgebühr für Wertbriefe und Wertkästchen für je 3000 Mk. 5 Mk , Postan - Weisungsgebühr bis 500 Mk. 5 Mk., über 500—1000 Mk. 10 Mk., jede weiteren 1000 Mk. 5 ML, jedoch nach England, den brittschen Kolonien und den britischen Postanstalten im Ausland für jede wetteren 1000 Mk. 10 Mk.; Behänd - lungsgebühr für Wertpakete 4 Mk (Dersicherungsgebühr unverändert); Rach - nähme gebühr für Pakete 5 Mk. für je 500 Mk. des Rachnahmebetrags, jedoch nach Frankreich, französische Kolonien usw. 4 Centimen sumzurechren nach dem Gegenwert für Paket- gcbüfjren) für je 10 franz. Franken, mindestens 5 Mark.
Steinmann langsam. „Llebrigens — Herr Gülde» tDtn ist beurlaubt."
„Was?" fuhr die Clahen auf.
ftl, "Sw haben doch nichts dagegen? Mein Institut ist feine Arena."
®r und die Clahen mähen einander mit flammenden Dlicken. Sie warf sich zurück auf ihr Sofa.
„Das — das sieht Ihnen ähnlich! Aber — ich Datt es Ihnen dennoch nicht zugetraut I Entlassen! Wegen eines Augenblicks der -Unbe formen» bett! Wissen Sie denn nicht, wie Sie ihm schaden? Beim Publikum — den Agenten — überall?"
„Er hat sich selbst geschadet. Rücksichten gelten einer gewissen Grenze, dann kommt das liebe Ich. Solche Vorkommnisse, wie die ge- strlgeki, leeren mir die Logen und füllen höchstens die Galerie. Rein, nein, meine liebe Clahen — mein Theater ist einer edleren Kunst geweiht, als Herr Güldewin sie zu begreifen scheint."
„Sehr schon gesagt. Herr Direktor, und Ihr künstlerisches Glaubensbekenntnis interessiert mich ungemein! Rur, dah ich Ihnen leider sagen muh —"
Eie erhob sich wieder und lächelte dem blassen Herrn mit einem seltsam schleichenden Lächeln in die Augen.
Rur dah Sie mich nicht täuschen können Der arme Güldewin wird geopfert! Richt, weil er Ihr hohes Kunstgefühl beleidigt, sondern — weil Sie eifersüchtig auf ihn sind!"
«Sie wagen viel, mein Fräulein."
„3a! Weil ich mir in dieser Welt der Komödie noch meine Ehrlichkeit bewahrt habe! Und weil wir beide — Sie und ich — ja dabei sind, unfer Los unter einen Hut zu bringen — Fritz! Rimm die„ Kündigung zurück!"
„?eln," stieh er hervor und blh sofort wieder die Zahne zusammen.
„Sie wollen nichts'
Er trat auf sie zu und erfaßte energisch ihre Hand.
. „Werfen Sie sich's ein für allemal! In meine Engagements- und sonstigen ge',«äftltchen Angelegenhetten lasse ich mich von keiner Frau dreinreden — auch von meiner eigenen nicht!"
„®ut“ sagte die Clahen und machte sich gemächlich frei „So nehme ich den armen Jungen eben mit nach Amerika."
Der Direktor griff nach seinem Hut.
„Ah — ich sehe," sprach er spöttisch.
— nichts sehen Sie!" rief die Clahen und warf ihm ihr Spitzentaschentuch vor die Füße. „Rein, mein Freund, Sie und sch — unbegreiflich — wie konnte ich nur jemals — Sie sind mir so fremd — und Sie tun mir so leid — so gren- zenlos leid —
„3ch brauche Ihr Mitleid nicht," sagte der Direktor heiser. „Ich fühle mich ganz wohl in meiner Haut! Rlemand kann mir oas Geringste
gefertigte Dllderbücher mit Illustrationen zu Dollsreimen. Ebenso ist der Fuhrpark reich vertreten mit Autos, Möbelwagen. Postwagen, Schub- und Ziehkarren. Auch ein Vergnügungspark kommt zur Geltung. Karussells, Schiffs- und Kettenschaukeln, sogar ein Zirkus „Trulla" ist mit all seinen Künstlern und Künstlerinnen zu sehen Desondere Aufmerksamkeit verdienen aber auch die Handarbeiten wie Kinderwäsche, Kinderkleidchen, Schürzen, Schuhe und anderes mehr. Der Besuch der Ausstellung, der am Samstag und gestern Sonntag ein sehr reger war, kann aufs angelegentlichste empfohlen werden. Geöffnet ist sie täglich bis einschließlich Mittwoch von vormittags 11—1 41hr und 3—5 Ahr nachmittags.
** Die Gebühren für die Arbei- t &cr DermessungSämter. Das hessische Ministerium der Finanzen gibt be- kannt, daß der Teuerungszuschlag zu den Gebühren für die Arbeiten der Bermessungsäm- ter mit Wirkung vvm 16. September ab bis auf weiteres von 280 v. H. auf 600 v. H. erhöht worden ist.
** Wiederaufnahme des Post- anweifungsverkehrs mit Groß- brttannien usw. Der Postanweisungsver- kehr mit Großbritannien und Irland, den britischen Kolonien und britischen Postanstalten in fremden Ländern ist seit 1. September wie. der ausgenommen worden.
** Die Aenderungen des Frachtbrief m u st e r s, die zum 1. Oktober in Aussicht genommen waren, können zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchgeführt werden. Die am 30. September ablaufende Frist für die Verwendung der letzt gültigen Frachtbriefe wird deshalb bis zum 31- März 1923 verlängert. Lediglich der Reu- druck doppelseittg bedruckter (verkleinerter) Frachtbriefe wird nicht mehr genehmigt, weil sich dieses nur vorübergehend eingesührte Muster nach den uberern sttmmenden Berichten der Reichsbahn- direktionen nicht bewährt hat.
Wettervoraussage
für Dienstag':
Wolkig bis heiter, trocken, kühl, nordwestliche Winde.
Ein kräftiger Tiefdruckwirbel ist über Rord- euroba hinweggesaust und beeinflußte gestern und heute unsere Witterung. Seine Einwirkungen werden morgen nachlassen und eine zeitweilige Aufheiterung des Wetters wird eintreten.
’-t*ünua;7ciu
— Tageskalender für Montag: In den Räumen des Kunstvereins, 11—1 und 3 bis 5 älhr: Ausstellung des Fröbelseminars. — Slng- saal der Oberrealschule, 8 Ülhr: Vortrag des Gießener Hausfrauenvereins. — Astoria-Licht- spiele: Von dem Film „Der Eid des Stephan Hüller" werden beide Teile von heute bis einschließlich Mittwoch zur Vorführung gelangen. — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Das Mädchen ohne Herz". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Der schwarze Montag".
Kreis Büdingen.
)( Bergheim, 15. Sept. Eines der vielen Diebes paare, die in letzter Zelt die Obstbäume der Kreisstraßen plündern, wurde endlich erwischt. Sieben Landwirte aus Obermovs hatten hier Zwetschen gekauft und wollten nachts mtt ihrem Wagen nach Hause fahren. Unterwegs zwischen Orienberg und hier, liehen sie den Wagen, angeblich weil die Bremse nicht in Ordnung sei, unter den bestbehängten Bäumen halten und füllten so auf einfache Art ihren Wagen und hätten ihn wohl voll geladen, wenn ihnen nicht plötzlich der Oberwachtmeister Buchhorn- mer und Kreisstrahenwart Fahrenbruch Halt geboten und sie zur Feststellung ihrer Personalien mitgenommen hätten. Der nachfolgende Strafzettel wird Wohl den Obstpreis beträchtlich erhöhen.
vorwerfen! Ich stehe da als Ehrenmann! Es wird unS oft schwer genug gemacht, liebes Fräu- lem — ich wollte Sie heiraten, während es mir vielleicht ein leichtes gewesen wäre . . ."
Er stockte. Eie richtete sich starr auf und sah chn an.
„Was. . .“
Da knöpfte der Direktor seinen Pelzmantel zu unb verbeugte sich.
»Ach — Ich bitte um Verzeihung."
, „Was?!" wiederholte sie drohend und näherte sich ihm langsam.
Gr war kreidebleich.
.. • ■ Ein leichtes gewesen wäre, auch einmal
dle Selbstbeherrschung zu verlieren — ohne daß ©tc mich darob gesteinigt hätten," schloß er bitter. „Sie mögen es nun glauben ober nicht — diese ganje Zeit hab' ich Ihnen gegenüber eine Maske getragen . . ."
„ilnb diese Maske lieb' ich nicht mehr," sagte die Clahen, die Arme mit einer weiten Bewegung in die Luft reckend. „Gott sei Dank — Gott sei Dank! Ich bin genesen! Uebernwrgen schwimme ich auf dem blauen Ozean —"
Der Direktor verbeugte sich noch einmal stamm und verlieh das Zimmer.
Die Clahen rannte ans Fenster.
Da ging er hin. Eine Weichheit überkam sie Er war doch ein sehr anständiger Mensch — sie hatte ihn gern, obwohl er sehr unangenehm sein konnte — aber. . .
„Der Käfig ist nichts für dich, Panther," flüsterte sie.
Heinz Güldewin nahm aus der seifigen Hand seiner Wirtin eine Karte, die ein sonderbares Mischding von Besuchs- und Rellamekarte war.
„Karl Hans Forster-Brand, Direktor. London, Berlin, Petersburg, Wien."
„Ein sehr nobler Herr," erläuterte Frau Müller. „Vorn an der Krawatte hatte er so einen großen Brillanten —", sie gab mit Daumen und Zeigefinger die Gröhe an, wie ein gutes Fünfmarkstück etwa.
Heinz lachte so ein bihchen. „Ra, denn immer 'rin — ich lasse bitten!"
Die «Seifige verschwand.
„Komisch, dachte er, die Karte ansehend. Der Herr mit den Brillanten entledigte sich drauhen mit großer älmständlichkelt seines Pelzes, bann sprang die Tür weit auf, und er trat mit dem langwiegenden Schritt einer Majestät über die Schwelle.
„Donnerwetter," dachte Heinz schmunzelnd and machte eine schneidige, furxe Verbeugung. •
(Sin spiegelblanker Zylinder — spiegelblankes Haar. Beides gleich schwarz, mit demselben glän- zendweihen Reflex. Spiegelblanke Stiesel mit Reflex. Eine Persönlichkeit aus Lack und Rickeb
(Fortsetzung folgt)


