Ausgabe 
16.11.1922
 
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ich als Zeichen des Danke- de- dem- scheu Volke- diesen schlichten deutschen Adler über- reiche old ein Symbol dafür, dah ern großes, ringendes Volk Kraft und Mut aus den Werken seiner Meister schöpft. Mir persönlich aber ist es eine besondere Freude, Ihnen an diesem Sage meine aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche zu sagen, denen ich hiermit Ausdruck gebe als Ihr Ihnen stets ergebener Ebert.

Berlin, 16. Rov. In der gestrigen F e st- Vorstellung im Drohen Schauspiel' Haufe zu Ehren Gerhart Hauptmanns kam es zu stürmrschrn Huldigungen für den anwesenden Dichter. Es wurdeFlorian Geyer" ge­geben. Der Darsteller der Titelrolle Eugen Klöp­fer überreichte am Schluß des Spiels dem Dich­ter, der sich immer wieder auf dem Podium zeigen muhte, einen goldgezierten Lorbeerkranz. Reichsminister des Innern Dr. Köster stattete in einer Ansprache Gerhart Hauptmann den Dank des jungen Staates ab und schloß mit dem Ruf: Sang lebe Gerhart Hauptmann, lang lebe die deutsche Kunst, lang lebe das Vaterland!

Eine Ehrung in der Berliner Universität.

Berlin, 15. Rod. (Wolff.) Unter BeteM- gunq der Behörden, aller Kreise der Berliner Bevölkerung, der studentischen Jugend und der Männer aus Kunst und Wissenschaft wurde in Gegenwart des Reichspräsidenten heute nachmittag in der Universität eine Feier zum 60. Geburtstag Gerhart Hauptmanns ver­anstaltet, wobei dec Dichter und seine Gattin persönlich anwesend waren.

Roch Einleitung des Festaktes durch einen Madrigal-Chor feierte Ilniversitätsprofessor Jul. Petersen namens des Rektors der Llniversität den Jubilar als den Dichter der Jugend. Pro­fessor Max D e s s o i r brachte den Dank der Berliner dar und zeigte, was Berlin dem Dichter war und ist, danach sprachen ein Student für die deutsche Jugend und die Berliner Studentenschaft, ein Vertreter der Goethegesellschaft, des Deutschen Theaters und des Schutzbundes deutscher Schrift- steller, der dem Jubilar die Ehrenmitgliedschaft des Bundes antrug. Reichstagspräsident L o e b e überbrachte den Dank des deutschen Volkes dem Dichter des deutschen Volkes. Dann betrat Hauptmann, lebhaft begrübt, das Podium, und drückte in bewegten Worten feinen innigen Dank für diese grobe Ehrung aus. Mit Beet­hovens Appasionat, das Eugen d'Albert auf dem Flügel vvrtrug, fand der feierliche Akt seinen Aus klang.

Dor dem Llniversitätsgebäude wurden dem Jubilar herzliche Huldigungen dargebracht.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 15. Rov.

Präsident Löbe eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung, dah der Vertreter Chiles dem Reichstag seinen Dank für die teilnehmeiche Kundgebung zu der Erdbebenkatastrophe aus­gesprochen habe.

Der Initiativantrag der groben Parteien, welcher das Entschädigungsverfahren f-ür die verdrängten Kolonial- und Ausländsdeutschen verbessert, wird in allen drei Lesungen angenommen.

Sodann begründet Aba. Dr. Schreiber (Zentr.) die Interpellation seiner Partei, welche Abhilfe der Rot der deutschen tD i s s e n s ch a f t verlangt. Drohe Forschungs- instirute blühten aus Geldmangel ihre Arbeit Hinstellen, und der Ankauf wissenschostlicher Werke aus dem Ausland werde immer schwieriger. Füh- fcenbe wissenschaftliche Zeitschriften mühten ein- Zehen. Auch die Rotlage der geistigen Arbeiter fordere dringend Abhrlse, wenn die ideellen Grundlagen unserer Kultur nicht noch mehr er­schüttert werden sollten.

Staatssekretär Schulz: Die erste Llrsache der Rotlage der deutschen Wissenschaft reicht in die Kriegszeit zurück. Rach dem Kriege war die deutsche Regierung gern bereit, die Äotgemein- schast der deutschen Wissenschaft mit der damals beträchtlichen Summe von 100 000 Mk. zu finan­zieren. Infolge der ungeheuren Geldentwertung reichten aber alle damals ausgeworfenen Be­träge nicht entfernt zur Erfüllung ihrer Zwecke aus. Immerhin war es dem Eingreifen der Reichsbehörde gelungen, den Zusammenbruch der deutschen Wissenschaft aufzuhalten. Dies ist auch von der Wissenschaft anerkannt worden. Die in lden Etat für 1923 «eingesetzten Summen sind durch die anhaltende starke Geldentwertung als überholt zu betvachten. Wir rechnen mit ihrer Erhöhung durch den Reichstag und den Reichs- nat (Beifall.)

Ruf Antrag des Abg. Dr. Pfeiffer (Ztr.) wird die Besprechung der Interpellation ge­schlossen und um V-6 Ähr auf Donnerstag 2 Ähr vertagt.

Dertin, 15. Rov. (Wolff.) Der Seltenen* rat des Reichstages entschied sich heute mittag dahin, dah auch während der Regierungs­krise die Sitzungen des Reichstage- fortgesetzt werden sollen, da die Parteien so­wieso zu den Besprechungen über die Besetzung des Kabinetts tn Berlin versammelt bleiben. Es sollen jedoch nur solche Gegenstände beraten wer­den, die eigne Angelegenheiten des Reichstages betreffen.

Aus dem Reiche.

Die ErwerbSlosemmterstüßrmg.

Berlin, 15. Rov. (Wolff.) Die Er* Höhung der GrwerbSlvsenunterstüt* jung, um die daS RelchSarbeitSminlstenum im Benehmen mit den übrigen beteiligten Stellen seit längerer Zeit bemüht war, wird die Vollsitzung des Reichsrats am 16. Ro- vember beschäftigen. Es ist mit einer namhaf­ten Steigerung der Unterstützungssätze für die Erwachsenen, insbesondere für die Fa­milienväter, zu rechnen, die voraussichtlich be­reits am 20. Rovember tn Wirksamkeit tritt.

Dir Ausübung deS Stimmrecht- gesetzliche «?

ch einer Meldung der Dosstschen Zeilu.ig" ist dem Reichstag von der Deutschnativnalen BolkSpartei ein Initiativantrag zug«zangen, der die Reichsregierung verpflichten will, bis zum 1. Fe­bruar 1923 ein Reichsgefetz vvrzulegen, wonach die Wahlberechtigten bei den Wahlen zum Reichstag und zu den DolkSvertietungen der Länder Ihr Stimmrecht auszuüben verpflichtet fink

Aus Hessen.

Die Reise des Finanzausschüsse- nach Dad-Aauchrtm.

rm. Darmstadt, 15. Rov. Der Finanz- a u S f ch u h des Landtags besuchte am Montag, wie vorgesehen, Dad-Rauheim, um unter Führung des Finanzmintsters Henrich eine Be­sichtigung der Gebäude vorzunehmen, für welche die Regierung zwecks Senberungen oder Um­bauten die Mittel anforderte. 3m Bade Haus 9 sollen zwei Wohnungen eingerichtet und im Kur­saal eine raue feste Bestuhlung dorgenommen wer­den. Es ergab sich, dah die vorgeschlagenen Ver­besserungen notwendig sind, auch werden In einer darauf folgenden Sitzung für die Bestuhlung usw. etwa 1 Million Mark, für die Errichtung der bei­den Wohnungen etwa 2,1 Million Mark gut- geheitzen. Eine toeUere Vorlage der Regierung ist vorgesehen für den Umbau der hn e, der aus Gründen der Sicherheit für die Theater­besucher gleichfalls als nicht zu umgehen anerkannt wurde.

Aus dem besetzten Gebiet.

Die amerikanische« Desutzmigstruppen.

Paris, 15. Rov. (Wolff.) Wie dieChi­cago Tribüne" mitteilt, hält sich zur Zeit der Obcrkommandierende der amerikanischen De- satzungStiuppen am Rhein, General Allan, in P a r i s aus. Er hat dem Blatt zufolge gestern mit dem amerikanischen Vertreter tn der Repa­rationskommission verhandelt, angeblich über die amerikanischen Desatzungskosten in Verbindung mit den kürzlich vom Staatsdepartement in Wa­shington abgegebenen Versicherungen der Alli­ierten, die amerikanischen Desahungskosten wür­den von den deutschen. Reparationszahlungen be­stritten werden.

Aus Stabt und Land.

Giesten, den 16. Rovember 1922.

Anzeigen-Annahme.

Die Entgegennahme den Anzeigen findet bis zmn Abend vor dem Aufnahmetag statt; An­zeigen für die Samstagsnummer müssen spä­testens bi- Freitag mittag aufgegeben sein.

Geschäftszeit

von 812Vz Uhr und von 2573 Uhr.

Die DeuernnstSzalften

in den fünf größten hessischen Städten auf Grund der Preise vom 8. Rovember 1922 (25. Ok­tober) ausschließlich Cte-Litung betrug für Mainz 33 0*9 (22 682), Darmstadt 34 115 (21119), Ossen- bach 32 192 (22 648). Worms 31 909 (21 872), und Gießen 33 710 (20 903).

Die DurchschncttsteuerungSzahl für die fünf großen Städte beträgt für Ernährung 30 236 (19 649), für Heizung und Deleuch ung 2631 (2026),

Wohnung 250 (170), zusammen 33117 (21 845) und ist seit 11. Oktober um 123 Prozent und seit 25. Oktober um 54 Prozent gestiegen.

Verteuerung der Eisenbahn-Mouats- und Wochenkarten.

Die Monatskartenpreise werden mit Wirkung vom 1. Dezember nach 18 (bisher 14) Fahrten berechnet, wobei der abgerundete einfache Fahrpreis zugrunde gelegt wird. Für Schüler- MonotSrarten und Wochenkarten ver­bleibt es bei dem bisherigen Grundsatz, dem­zufolge die Schülermonatskarten zur Hälfte und Die Wochenkarten zum vierten Teil des Monatskartenpreises unter ordnungsmäßiger Auf- rundung berechnet werden. Von demselben Tage ab werden als Mindestfahrpreis für Einzelreisekarten und Zeitkarten Sähe erhoben, die sich nach einer Entfernung von 11 Kilometern ergeben. *

Amtliche Persvnalnachrichten. Ernannt wurden am 9. Rovember die Derwal» tungspraktikcrnten: Ludwig Alles aus Fried- b.-rg, Georg Biedenkapp aus Rodenbach Jo­hannes Christ aus Dieburg, Johann Escher aus Mainz, Rudolf Werner F r e i l i n g aus Darmstadt, Karl H a n i t s ch aus Alsfeld, Atel- bert Holzhäuser aus Michelstadt, Martin Höll aus Wleseck, Karl Kneifes aus Alsfeld, Richard Michel aus Bruchenbrücken, Josef Müller aus Mainz, Georg Ludwig Schäfer aus Worms, Wilhelm Scheid aus Wvhnbach, Georg Schilling auS Heppenheim a. d. D, Karl S ch ü h l e r aus Büdingen, Heinrich Stein aus Darmstadt, Anton Trapp aus Dingen, Hermann Wassern aus Offenbach a. M.» Philipp Zell aus Oppenheim zu Derwaltungsobersekretären. In den Landesfinanzamtsbezirk Köln wurden unter Ernennung zu Obersteuersekretären über­nommen: die Steuerpraktikanten: Simon Bäcker (Land - inanzamt Da mstadt), Philipp D ö r s a m (Finanzamt Offenbach-Stadt), Wilhelm Hed- rich (Finanzamt Grünberg), Wilhelm Illert (Finanztasse Mainz II), Franz Maier (Finanz- kasse Yber-Ingelheim), Fritz Roll (Fincmzkasss Offenbach), Karl Schäfer (Steueramt Pfung­stadt), Ludwig S ch e e r e r (Finanzkasse Worms), Friedrich Stock (Finanzkasse Dreifelden), Hans Weihheimer (Finanzkasse Duhbach).

** Eine gute Hilfe für die Klein­rentner. Wie uns mitgeteilt wird, ist das finan­zielle Ergebnis der Wohltätigkeitsveranstaltung der deutschnationalen Dvlkspartei zum Besten not- leidender Kleinrentner am 29. Oktober als ein recht erfreuliches zu bezeichnen. Da noch Rechnungen ausstehen, hat sich die Schlußabrechnung ver­zögert. Inzwischen ist aber ein Betrag von 6 5 0 0 0 M a r k an den Vorsitzenden des Rentner­bundes überwiesen und auch bereits an bedürftige Kleinrentner verteilt worden.

** Die neuen Aebengebühren der Post vom 15. d. M. an sind, außer denen für Einschreiben und Rachncchme, noch nicht mitgeteilt. Sie betragen für jede post- laaernde Sendung oder Zahlungsanweisung 2 Mk^ Nachfrage nach postlagernden Sendun­gen außerhalb der Schalterstunden 12 OHL, Paketlaaergebühr 2 QKL, Abholungserklärun­gen 8 QzlL, die gewöhnliche Abholung jähr­lich 24 Mk., bei Prüfung der EmpsangSberech- tigung des Abholenden 72 Mk^ Schließfach 120 und 240 2RL, Zeitungsüberweisung 8 Mk., ^nbestellbarkeitSmeldungen 12 Mk^ Laufzettel 12 Mk., Nachlieferung von Zeitungen 6 Mk., Zeitungsbeilagen je 25 Gramm XU Mk., Be­scheinigung über die Einlieferung eines ge­wöhnlichen Paketes 6 Mk., BahnhofSbriefe Monat 360 Mk., Woche 120 Mk., Zustellung 6 Mk^ Rückscheine 6 Mk., nachttäglich 12 Mk., Rückgabe nicht abgegangener Sendungen 4 Mark, Stundung für jede volle oder ange­brochene Mark 20 Pf., mindestens 10 Mark monatlich, Umtausch einer verdorbenen Marke, auch auf Postkarten, 20 Pf. usw.

** Sine Tapezierer- und Sattler- Zwangsinnung für die Stadt und den Kreis Gießen ist von Angehörigen dieser Handwerkszweige beim Kreisamt beantragt worden. Dieses hat daraufhin die Bürgermei­stereien ersucht, die in Betracht kommenden Handwerker zu befragen, ob sie für oder gegen die Errichtung einer Zwangsinnung sind.

♦♦ Die Preisauszeichnung für Gegen stände des notwendigen Lebens- b e o a r f s, insbesondere Lebens- und Futtermit­tel, betrifft eine Bekanntmachung des Oberbürger­meisters in unserem heutigen Anzeigenteil, die wir ihrer Wichtigkeit wegen der besv.rd.ren Be­achtung unserer Mitbürger empfehlen. Die An­ordnung tritt am 1. Dezember in Kraft.

** Die Pflicht zur Reinigung des Bürgersteiges im Winter. Eine

wichtige Entscheidung, die für alle Haus­besitzer sehr interessant ist, wurde von der Strafkammer Darmstadt gefällt.Das Schöffengericht sprach einen Hausbesitzer frei, der vor seinem Hause eine dünne Schneeschicht nicht entfernt und einen Strafbefehl dieser- halb angefochten hatte. Der Staatsanwalt je­doch verfolgte aus prinzipiellen Gründen Be­rufung wegen der unterlassenen Reinigung des Fußsteiges. Die Schneemenge war nur ge­ring, aber nachträglich war auch eine ältere, vereiste und nicht bestreute oder gereinigte Stelle festgestellt worden. Entgegen dem Schöffengericht faßte das Berufungsgericht die einschlagliche Vorschrift in ihrer generellen Fassung als auf Schnee und Eis bezüglich auf, und der Hausbesitzer wurde zur üblichen Geld­strafe nebst den Kosten der zwei Instanzen ver­urteilt.

* 900 Mark beim Silbergeld-Ein. tausch mehr herausgegeberuchat ein Be­amter des hiesigen Hauptpostamtes. Er wendet sich in unserem heutigen Anzeigenteil an die un­bekannte' Empfängerin mit der Ditte, ihm den Drtrag zurückzugeben.

* * Silberne Hochzeit feiern die Ghe^ leute Heinrich Jung (»Zum Mer") und Frau am Freitag, dem 17. ds. Mts.

** Deutsche Volkspartei. Am Mon­tag, den 13. November, fand in der .Stadt Wetzlar" eine sehr gut besuchte Versamm­lung de r Frauen der D. D. V. statt. Zu "Beginn der Veranstaltung wies die 1. Vorsitzende auf die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen hin und forderte zu reger Betätigung auf. Rach längeren Besprechungen über die Vorbereitungen für den Wahltag erteilte die 1. Vorsitzende dem Gast der Partei, Frau Prof. Z y ch a, das Wort, die ein eZchütterndes Bild von den augenblick­lichen traurigen Zuständen in Oesterreich bzw. Wien gab. Rach Ansicht der Rednerin wird die Oesterreich gewährte Lbileihe nur eine vorüber­gehende Besserung herbeiführen, eine endgültige Hilfe könne nur der Anschluß Oesterreichs an Deutschland bringen.

Bornotizen.

Ta g es ka l e n de r für Donners­tag. Postkeller, 8V2 4lhc: Mitgliederversamm­lung der Deutschen Demokratischen Partei, Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:.Unter den Goldgräbern von Dawson-City" undSchuld und Sühne". Palast-Lichtspiele, ab heute: Durch Kerker und Paläste von San Marco", 2. Teil,Das Fest der Venus" undDie Liebe und der Suff".

Die Mädcheyabteilung des Wartburgvereins veranstaltet für alte W- teilungen des Vereins am Samstag und Sonntag, jedesmal abends 8 Uhr, im Markussaal, Kirch- stratze 9, einen Familienabend, in küssen Mittel­punkt ein Lichtbildervorttag des Garteninspektors R e h n e l t über Ceylon stehen wird. Die Gesamt­einnahme der Abende ist dazu bestimmt, den Kindern der Kleinkinderbewahranstalt eine Weite nachtsfteude zu bereiten. Räheres hn Anzeigenteil.

* * *

Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen.

Verhandlung vom 14. Rovember.

Die Damenschneiderei Herr L Ggly tn Gießen soll den ersten Arbeiterinnen vom 1. bis 11. Rovember 1922 entsprechend ihrem Angebot 36 Mk. und vom 13. Rovember 1922 entsprechend dem Antrag des Dekleidunasarbetterverbandes 48 Mk. Stundenlohn zahlen und die übrigen Löhne entsprechend erhöhen. Der Bekleidungsarbeit er- verband hatte 48 Mk. ab 1. November 1922 gefordert.

Mit der Wollstrickerei Steinmetz in Gießen schloß der Dekleidungsarbeiterverband nach öffentlicher Verhandlung einen Tarif­vertrag ab.

In der Lohnstreitsache dreier Arbeiter des Dreschmaschinenunternehmers Hch. Wolf II. in Ranstadt schlug der Schlichtungsausschuß für die Zeit vom 2.-28. Ottober 1922 3500 Mk Wochenlohn für den Heizer und 3000 Mk. für die anderen Arbeiter vor (Kost und Wohnung find außerdem gewährt worden).

Dem Antrag eines Arbeiters der Als« felder Möbelfabrik aus Wiedereinstellung gab der Schlichtungsausschuh nicht statt, denn tote sich herausstellte, hatte der Antragsteller sich mit der Entlassung einverstanden eriläit.

In zwei weiteren Sachen verständigten sich die StreitteÜe, ohne öffentliche Verhandlung.

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags.

Berlin 8050, Frankfurt a. M. 8100.

Die Herweghs.

Tine rechtsrheinische Geschichte von Liesb e t Di TI.

V. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Am Schreibtisch seiner Mutter sah Lutz, in Gedanken versunken über einem Brief, den er zu schreiben begonnen hatte, auf dem aber vorläufig nichts weiter stand alsLiebe Grete". Und das war wieder ausgestrichen.

Er schaute auf die kahle, entlaubte Kastanien­reihe vor dem Hause, der Herbstwind trieb die roten Blätter wirbelnd vor sich her dem Bahn­hof zu. Es war Bußtag, ein grauer, melancho­lischer Himmel hing über der Welt, und die ein­zigen Farbenflecke in diesem eintönigen Grau bildeten die grünen Blusen der Dienstmänner, die mit ihren Karren hinter dem Taunusbahnhof warteten.

Richt der Einfluß seiner Schwester und nicht die Erkenntnis, dah er leichtsinnig eine Verant­wortung auf sich geladen, hatten seinen Eiitschluh gereift. Es waren vielmehr diese hastigen Ver­abredungen, die ewigen Verfehlungen mrd alles, was mit den umständlichen, geheimnisvollen Vor­bereitungen ihrer Zusammenkünfte verbunden war, das Warten bei Regen und Kälte an zugigen Ecken, vor allem aber waren es die vielen Briefe, die seit diesem Sommer täglich auf feinen Schreib­tisch regneten, die Szenen, toenn er nicht bereit war, Einladungen bei Vorgesetzten abzusagen ober seinen Dienst zu versäumLN, um herüdeczu ahren i jxrs Motto: Du liebst mich nicht mehr, war ihm in letzter Zeit allzuoft erklungen. Mit einem Wort, es war aus.

Es war eigentlich damals schon zu Ende, als sie in dem kühlen Gartenzimmer das Begräbnis den Berg Heraufziehen sahen, und er batte der Stadt den Rücken gekehrt in der Erkenntnis, dah der Höhepunkt ihres Glückes überschritten war. denn jedes Glück hatte seinen Givfel, von dem es dann bergab ging. Manchmal langsam, oft aber auch rasch

Wenn er nur gewußt hätte, wie er sie anreden sollte! Liebe kleine Kröte, das war nicht dem Ernst der Situation angemessen, und teure Grete sah sehr nach abgetühlter Leidenschaft aus. Das pätte Tränenströme verursacht, und er wollte ihr nicht wehtun . . . Auch nicht in diesem letzten Bries. Er zündete sich eine Zigarette an und be­gann endlich entschlossen . . .Liebe Grete. Waö Ich Dir heute zu sagen habe, wird mir unendlich schwer . . ." Ach nein, so konnte man doch nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Er warf den Dogen fort. Es kam jetzt nur barauf an, sie zu überzeugen, dah sie sich trennen muhten, denn sie durfte um Himmel- Willen nicht den Gedanken fassen, sich etwa scheiden zu lassen, in der Hosfnugn auf ihn. Rein, danke! Die Auseinandersetzungen mit Ernst und seiner Familie, und was eine solche erzwu.rgene Ehe bann alle- im Gefolge hatte? Gr konnte den Ab­schied einreichen . . . und so weiter. . . Also lieber andere Saiten aufgezogen, ilnb er nahm einen neuen Briefbogen

»Geliebte. sei tapfer, nimm alle Kraft zujammen, aber wir dürfen nicht länger an einem Abgrund hlnwandeln dessen Tiefe Du nicht ahnst . ." Gott, wie trivial, dachte er, fällt mir denn nichts Besseres ein? Gr stand auf und begann im Zimmer auf und ab zu wandern, als

er plötzlich auf ter Chaiselongue eines jener Bücher liegen sah, die von Liane herum chhrsn. Er sch>lug es auf. Seine düstere Miene hellte sich auf. Ah, Mirabeau. Seine Briese an Sophie Mvnnier aus dem Gefängnis rn Vincennes ... die kamen ihm gerade recht.

Gr batte von Miraboau eigentlich bisher nicht viel mehr gewußt als seine Worte, mit denen er die Revolution begann, und den königlichen Lakaien anherrschte: .,Va dire a ton maitrc, que nous sommes ici par la volontd du peuple et que nous nen sortirons que par la force des baionnettes1 und einige seiner erotischeri Bücher, die er während seines Exils in Holland ge- sch icben hatte, wo er ohne Geld mit feiner Geliebten sah Da schrieb er, um zu leben, und nachher im Gefängnis zu Vincennes schrieb er, um nichtzu verrecken". In solche bcneidenswerte Lagen kam man, wenn man anderen die Frauen entführte, und Grete kam in letzter Zeit immer wieder damit. Entflieh mit mir und fei mein Weib Ach nein, dazu muhte man noch viel mehr Illusionen haben, tote sie Lutz geblieben toa en. Der entzückende Sommer hatte ihn nur tn neue Schulden gestürzt, und Goldenberg kam immer wieder mit ter reichen Frau, auf bie er und die ganze Mainzer Straße wartete. Einmal muhte er aus diesen elenden Geldgeschichten heraus.

Während er die Briese MirabeauS an seine heißgeliebte Sophie durcholätterte, überzeugte er sich daß selbst diese große Liebe kaum zwei Zähre gebautrt hatte. Dafür waren ater auch die (Briefe um so heißer. . .

Donnerwetter, einmal wurde selbst Lutz ganz rot

-11 nb einmal rief er laut Bravo!Was ist Tugend? Eine glückliche Gemütsanlage, die uns treibt, unsere Pflichten gegen die Gesellschaft zu unserem eigenen Vorteil zu erfüllen. Großartig, dachte Lutz.

Mirabeau war gerade zur rechten Zeit ge­storben, nach einem opulenten Souper mit drei Damen, oder vielleicht deshalb. Er hatte sich auch zu viel vorgenommen, wie sein Bruder Ernst. Rur auf anderem Gebiet. Er frühstückte mit den Republikanern, dinierte mit den Jakobinern und soupierte mit dem Prinzan Orleans, und eines Tages fragte La Mark den Prinzen spöttisch: Hni> wann dient Mirateau dem Hose?^'

Das wäre etwas für Herrn Kollin, diese sprühende Abhandlung über die Könige, die mit verbundenen Augen hinter Mauern lebten, statt aus der Weltgeschichte zu lernen.

Mais oti sont les rois qui lisent?

Das müßte man ten Generälen vorlesen, bie neulich noch über Mirabeau vernichtende Urteile gefällt. Rein, es gab Charaktere, die selbst der Gemeinheit noch einen Schein von Gröhe gaben .Ünb einen solchen hatte er unter den Händen.

Alles war vergessen, selbst die Zigarette während er die glühenden Liebesgestandnisse las, die aus dem feuchten moderigen Kerker Vin- ceyncs' aufstiegen und sich ihren Weg, unter Lebensgefahr für die ilebcrbringer, zu der Ge­liebten hinter deren dicke Klostermauern suchten. War Mirabeau an seinem Schicksal selber schuld?

(Fortsetzung folgt)

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