Ausgabe 
16.6.1922
 
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Zreitag, 16. Juni 1922

172. Jahrgang

Eröffnung der Haager Vorkonferenz

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sein könne, Problem Rußlands

i polnischen Teil: valther.

Die erste Sitzung im Haag.

Haag, 15. Juni. (Wolff.) (HaagerKor- spvnden^bureau.) Gelegentlich der Eröffnung

Die französischen Kredite für die Haager Delegierten.

Paris, 16. Juni <WTB.) Wie das ..Echo Paris" mitteilt, hat die Regierung in der

der Haager Vorkonferenz begrüßte der niederländische Minister des Aeußern oan K a r n e b e e k die Teilnehmer im Namen der niederländischen Regierung mit einer 2ln- sprache, in der er das Ziel der Konfe­renz in Erinnerung brachte. Die niederlän­dische Regierung habe den Vorschlag ange­nommen, die in Genua unentschieden gebliebe­nen Probleme einer Lösung näher zu bringen. Sie ist der Meinung, daß es sehr vorteilhaft

Äflmmci den angekündigten Gesetzen twuri etn- gebracht, der die Kredite für die Entsendung der Sachverständigen nach dem Haag vor­dem. Dem Blatt erscheint es für sicher, das) bei Gelegenheit der Besprechung dieser Kredite eine giofie D ebat te über die Außenpol i» t i t stattfinden toirb.

Paris. 15. Juni (WEB.) Rach derßt * bert 6" hat man am Quai d'Orsay den Ein­druck, das» die Konferenz im Haag sich eine begrenzte Aufgabe stelle und tvas Rußland anbelange, nicht den Ehrgeiz der Konferenz von Genua haben werde. Sie werde sich daraus beschränken, kommerzielle Massnahmen im Hinblick auf die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen ,-.i treffen. Die ersten französischen Sachverständigen sind nach dem Blatt heute vormittag abgereist

berg hat man wohlweislich nicht noch dem Recht dieser unzweifelhaft deutschen 'Bevölke­rung gefragt, die einfach vom Deutschen Reich obgetrennt wurde.

Dir haben die Pflicht, immer wieder diese Vorgänge ins rechte Licht zu stellen. Wir sind ti einer so schnellebigen Zeit, daß man die Durch und durch verlogene Hand­habung der feierlich st verkündeten Grundsätze in einer aus den Fugen ge­gangenen Welt nur allzu leicht vergißt.

3n England, Italien und 2lmerüa däm­mert es, daß das deutsche Volk belogen und betrogen wurde. 2lber unsere Diplomatie muh den Dillen und die Kraft haben, diese Dinge so darzulegen, wie sie sind, und nicht die Wahrheit aus übertriebener Vorsicht ver­schweigen. Ans hilfd niemand, wenn mir uns nicht selbst helfen. Stellen mir uns völlig auf den Boden des Selbst­bestimmungsrechtes der Völler und protestie­

mindestens als zweifelhaft deutsch galt. Man könnte mit demselben Recht in Paris oder irgend einer französischen Stadt eine Abstim- rnung für Frankreich vornehmen lassen und würde zu keinem anderen Ergebnis kommen, wie in diesen Deutschland bestrittenen Gebie­ten. Gin noch größeres Fiasko erlebte die En­tente in Oberschlesien. das sie als völlig Dolntfcf) aller Well gegenüber bezeichnete. Wie sie mit den unsauberen Mitteln und einem leichtfertig angezettelten Aufstand Polen zu stärken suchen, mühte demDeltgewissen" stündlich vorgehalten werden. Bei der ruch­losen Teilung dieser Provinz sollten wir immer wieder an die Worte Lloyd Ge­orges erinnern: Mit demselben Recht könnte .e Normandie Frankreich abgesprvchen wer-

aufs neue zu versuchen, das der Wiederaufrichtung und des Wiederauf-

Bufen WuWirctfiitoed' jfstraße 5 l. LmA

Ein französisches Gelbbvch über Genna.

Paris, 15. Juni. 'WTB.i'Dw französische Regierung veröffentlich' ein Gclbbuch über die Konferenz von Denno Rach dem .Temps" sind sämtliche darin enthaltenen Dokumente betannt.

.einem llcbcreinlommmcn zu gelangen, keinen folg haben werde, werde die Verantwortung für nicht auf Rußland fallen.

Eine englische Stimme.

ren wir gegen die ungeheuerlich, in der Ge­schichte bisher beispiellose Art, wie die­ses Recht der Nationalitäten von der Entente, insbesondere von Frankreich, tagtäglich in schamlosester Weise mit Füßen getreten wird. Cs kommt nicht darauf an, daß wir das wissen, sondern die Welt muß es immer wieder hören. Ommer und immer wieder müssen die einfachen Tat­sachlichkeiten der letzten Jahre den Völkern der Erde zu Gemüt geführt werden. Aber da­zu bedarf es einer A u S l a n d S Propa­ganda, die in anderem Geiste geführt wird, als bisher. Diese pedantisch langweiligen Er­güsse des Auswärtigen Amtes find das Ge­

ben wie Oberschlesien Preußen. 3n Elsaß Lothringen, im Saargebiet, in Danzig, im Me ndgebtet und in der urdeutschen Stadt Brom

London. 15. Onni. (WTB) cn i n g Standard" schreibt, die Haager Konferenz be­ginne unter einer Wolke. 2kach den Pa­riser Berichten, wonach Belgien in Aeberein- ftimmung mit Frankreich für die Wiederher­stellung des Privateigentums ein treten werde, was die Genueser Konferenz fast zum Scheitern gebracht habe, seien die Anzeichen nicht sehr aussichtsreich. 2luch die Ereignisse in Moskau seien dunkel und entmutigend, Ka­menew. der an die Spitze eines Triumvirats treten und die Regierung übernehmen solle, sei bekannt

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genleU von hem, was man Aufklärung Des Auslandes nennen darf. Dickleibige Bücher, die fein Mensch ^eft, mit Ausnahme (viel­leicht!) eines Vortragenden Rates im Aus wär - ttgen Amte, nüyen uns gar nichts. Es kommt auf eine richtige, kurze Formulierung in sym­pathischer Form an, die Rücksicht nimmt auf die Besonderheiten der Völler.

Reißen wir endlich die Maske diesen DvllSerpressern vom Gesicht und zeigen sie un- verhüllt als die größten Lügner und Betrü­ger, die bisher die Kulturmenschheit gesehen hat. Die K u l t u r w e l t soll diese Vernich­ter des Selb st bestimmungsrechtes der Völler kennen lernen.

Ur. 139

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Kein Anleihevorschlag des Garantiekomitees.

Paris, 15. Juni. lWTB.) DerT e m p s" dementiert die Berliner Nachricht, daß das Garantiekomitee Deutschland eine An­leihe in mäßiger Höhe Vorschlägen werde, der als Sicherheit der sequestrierte deutsche Besitz in den Vereinigten Staaten dienen soll.

DerTemps" über die neue Note.

Paris, 15. Juni. (WTD.) Außer dem .Temps" bespricht kein Blatt die 2lote der Reparationskommission. Das halbamtliche Blatt sagt, daß die deutsche Regierung sich bei der Durchführung der in der Note vom 28. Mai von ihr übernommenen DerpsliHtungen weiterhin von der Einschränkung der schwebenden Schuld durch den Fehlschlag der Pariser An­leiheverhandlungen nicht beeinflussen lassen werde. Es rechnet dagegen mit der Möglichkeit, daß die deutsche Regierung eine Erweite­rung des Moratoriums vom 31. März verlangen werde, falls die Mark weiter falle. Nach dem Blatt kann sich in einem solchen Falle Deutschland nicht daraus berufen, daß es durch die weitere Einschränkung oder durch den Fortfall feiner Reparationszahlungen in aus­ländischen Devisen der Möglichkeit überhoben werde, feine schwebende Schuld zu erhöhen. Die Ziffern würden das beweisen. Es würde Deutsch­land noch nicht wohl fein, wenn es in allen seinen Verpflichtungen versagte. Deshalb sei auch vom Standpunkt des Schuldners der Bankerott keine Lösung. Es gelte, den Ärebit Deutschlands wieder auszubauen, eine Anleihe zu verwirk­lichen und sie durch die eigene Anstrengung der deutschen Regierung im Sinne der finanziellen Sanierung zu erleichtern. Wenn die deutfche Re­gierung dies versichere, werde sie in der Kon­trolle des Garantiekomitees hierbei eine Unter* stühung finden. Wenn die deutsche Industrie tatsächlich weiter die wachsende Entwertung der deutschen Mark ausbeute, werde sie damit nicht in eine Krisis geraten, in der sie von der Kon­kurrenz der Länder mit gesunder Währung er­drosselt werden, und werde sie bann nicht zur Einschränkung ihrer Tätigkeit, fei dies in der Wahl der Absatzmärkte, fei dies in den Fabri­kationszweigen, sei dies in der Preisbestimmung, gezwungen werden?

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Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeigern,. 34 mm Breite örtlich 150 Ps. auswart > 180 'Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mir Breite 500Pf. Bei Platz- Vorschrift20 Aufschlag Hauptschriftleiler: Äug Boeh. Verantwortlich für Politik. Aug. Boey. für den übrigen Teil Äarl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen

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ygc für Polen; in dem Regierungsbezirk Ma­rienwerder 92 Prozent für Deutschland, 8 Pro­zent für Polen. Das ist bas Stimmergebnis in einem Lande, das als polnisch oder doch

baues des Friedens auf einer gemein­samen Grundlage zu lösen. Die niederländische Regierung habe es als ihre Pflicht betrachtet, ihrer Tradition getreu sich mit allen Mitteln in den Dienst der Sache zu ststellen.

Van Karnebeek wies die Delegierten auf die Schwierigkeiten hin, die sich aus dem tiefgehenden Unter fd)icö in den Prinzipien und Methode^ Svwjetrußlands unb ber Verwaltung der übrigen Staaten ergeben, und daß das in Rußland herrschende System gerade hindernd für den ökonomischen Wieder­aufbau des Landes zu wirken scheine. Trotz­dem müsse in ruhiger Aeberlegung ein Weg zur Lösung der Schwierigkeiten gefunden wer­den. Van Karnebeek schloß mit einem herz­lichen Willkommen.

Die Versammlung wählte darauf van Karnebeet einstimmig zum Vorsitzen­den ber Vorkonferenz.

Erklärungen Tschitscherins.

London, 15. Juni. (WTB.) Tschitsche­rin crllärte in einer Unterredung mit dem Ber­liner Berichterstatter desManchester Guardian", tocim man unparteiisch an das russische Problem herantrete, müsse man dieTlnmöglichkeitder in Genua vorgeschlagenen Lösung ein- sehen. Die Haager Konferenz müffc die russische Frage gründlich und ohne Haß unter­suchen. Rußland wünsche, mit den übrigen Natio­nen zusammenzuwirken, es müsse fedoch sein neues System im Innern aufrecht erhallen. Die russischen Vertreter gingen nach dem Haag, um zu einem für beide Seiten vorteilhaften Uebercinfommen zu ge­langen. Es sei daher unvereinbar, von diesen neuen Friedensbemühungen einen Erfolg zu erwarten, wenn man von Rußland die Zurückziehung des Memorandums fordern werde, das seine Grund­sätze enthalte. Eine solche Forderung Vorbringen, bedeute von vornherein, die neue Konferenz zum Scheitern zu verurteilen. Kein ernster Mann könne gegenwärtig an die Möglichkeit eines Sturzes der russischen Regierung glauben. Sie werde an der Macht bleiben. Jede Regierung, die die Interessen ihrer Untertanen zu fördern wünsche, könne dies nur tun, indem sie zu einer Vereinbarung mit der jetzigen russischen Regierung komme. Das brin­ge n b ft c Gebot der Stunde sei der Friede, die allgemeine Eintracht und der PZie- beraufbau. Der Friede mit Rußland und der Wie­deraufbau Rußlands seien nur ein Teil des Pro­blems des allgemeinen Friedens unb Wiederauf­baues. Die Leute, die den Frieden mit Rußland zum Scheitern brächten, fügten den Interessen der Massen bei allen Völlern den größten Schaden zu. Das russische Volk werde sein politisches und so­ziales System nicht aufgeben. Es hoffe jedoch, unter voller Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit mit den anderen Völkern bei dem Werke des Wieder­aufbaues rnitzuhelfen. Denn der neue Versuch, zu

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unsterblich lächerlich für alleZei - ten. 3n Ostpreußen wurden 98,2 Prvz. Stim­men für Deutschland, ganze 1,8 Prozent für Polen abgegeben. 3n Masuren kamen aus tausend Stimmen für Deutschland eine ein-

MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Vnch- und Zteindruckerei R. ränge. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schlllstratze 7.

Lloyd George über Rapallo.

London, 16. Juni. (WTB.) 3m U n ter­bau f c fragte William Thome den Pre­mierminister. ob der Reichsminister Rathen au in Genua vor der Unterweid: ming des Vertrages von Rapallo drei Versuche gemacht habe, eine private Zusammenkunft mit Lloyd George zustande zu bringen, und ob die 3ufantmcniunfi zustaitde gekommen sei, bevor Ratpenau unb die Russen den Vertrag von Rapallo unterzeichnet hätten Lloyd George antwortete: Die Genueser Kon serenz wurde am 10. April eröffnet, der Vertrvg von Rapallo am 16. 2lpril unterzeichnet. Der Premierminister erflärte fobami wörtlich: 3ch habe Rathenau in den ersten Tagen der Woche wenige Minuten gesehen, und da ich den Sinn von zwei Mitteilungen, die mir durch die Vermittelung einer neutralen Macht zugegangen sind, wohl zu deuten wußte, so fagte ich, ich würde mit Ra thenau und dein Reichskanzler zusammentreffen, sobald die erste anstrengende Periode der Äon serenzarbeiten vorüber sei. Dem Vermittler wurde auch völlig Har gemacht, daß keinerlei Fragen, die Deutschlands besondere 3ntereffen berührten, in Abwesenheit der deutschen Vertreter behandelt tvurben. Ich versuchte nunmehr, zu Ostern ?tn Zusammentreffen mit dem Reichskanzler und Ra thcnau zustande zu bringen, aber die 2lbwesenheit Ratyenaus, der sich in Rapallo befand, verhin­derte dies. Shirley fragte, ob der Premierminister eine Information erhalten habe, daß das Ab kommen vor der Genueser Konferenz zustand- gekommen sei. Lloyd George antwortete wörtlich: Ich hatte Informationen, daß derartige Verhandlungen in Berlin geführt worden traten, und daß in Rapallo lediglich das letzte Stadium abgeschlossen wurde.

Die Unzulässigkeit eines neuen französischen Einmarsches.

Gutachten eines italienischen Juristen.

Die römische Nachrichtenagentur Volla ver­breitet das Gutachten eines der ersten italienischen Juristen über die Frage der Zulässigkeit eines ge sonderten militärischen Vorgehens Frankreichs gegen Deutschland, wenn dieses feiner Wiederher stellungsverpslichtung nicht nachkommen sollte Der befragte Fachmann hebt bernpr, daß es sich hie> um eine rein j u*r i ft i f d>c Frage handelt, deren Beurteilung nach politischen Gesichtspunkten durchaus unzulässig ist.

Der Italiener verweist auf fcie Paragraphen 17 und 18 der Anlage II zu Teil III des Versailler Vertrages und zieht aus deren Wortlaut folgende Schlußfolgerungen:

1. daß die Reparationskvmmission feftstellen müfse^daß Deutschland seine Verpflichtungen ^vor­sätzlich' nicht erfüllt habe: 2. daß die beteiligten Mächte den Bericht der Reparationsiommission zu prüfen und über die zu treffenden 2Naßnahmen zu entscheiden haben: 3. daß die möglichen Maß­nahmen wesentlich wirtschaftlicher und finanzieller Natur sind.

Buchstabe wie Geist der angeführten Stellen geftatten also keiner der beteiligten Mächte ein getrenntes militärisches Vorgehen gegen Deutschland.

Frankreichs Gelüste aus das Saargebiet.

Berlin. 15. Juni. Wenn eine Informative der »Neuen Berliner Ztg." aus Paris zutrifft, so beschäftigt man sich in gewissen französischen Krei fen insgeheim mit dem Gedanken, die Anschluß­bestrebungen Deutsch-Oesterreichs dazu auszu- nutzen. uni einen neuen Vorstoß ,jur Angliederung des Saargebiets an Frankreich zu machen. Nach der genannten Meldung gehen diese Bestrebungen darauf hinaus. Frankreich möge dem Anschluß Deutsch-Oesterreichs an Deutschland unter der Bedingung zustimmen, daß Frank reich dafür das Saargebiet endgül­tig als Ko m p e n f a t i v n s o b j ek t zuge sprochen erhält 2lmtlich ist über derartige Bestrebungen nichts bekannt geworden, es ist je­doch nicht ausgeschlossen, daß gewisse Kreise ber stan-ösischen Politik diesen Plan betreiben, da bekannt ist, daß Frankreich alle Mittel und Wege versucht, um sich widerrechtlich in den Besitz dös Eaargebiets zu setzen. In beiden Fällen handel' es sich um eine französische Mißachtung des Selbli- bestimmungsrechts der Völler: Deutsch-Oesterreich" hat wiederholt in seiner Gesamtheit den Willeir zur Vereinigung mit den deutschen Stammes­brüdern im Deutschen Reich bekannt gegeben Frankreich läßt diese Selbstbestimmung des Deutschösterreichischen Dolles nicht zu. Unb dir Saaraebietsregierung hat mehr wie ein Dutzend mal uar* und deutlich erklärt, daß sie deutsch |c: und deutsch bleiben wolle Frankreich aber geht über diesen Willensausdruck der Bevöllerung mißachtend hinweg und versucht, ein Volk zu verschieben wie Figuren auf dem Schachbrett' Die 5aargebietSbcrotferung ruft daher diesen ^ge­wissen französischen Kreisen" erneut energisch zu: Hände weg vom Saargebiet!"

Zwischenfalle auf einem französischen Kriegsschiff.

Amsterdam. 15. Zuni Von dem im hie­sigen Hasen liegenden französischen Panzer kreuzerJean ne d'A r e" vernimmt man, daß es während eines fünftägigen Aufenthalts im Hasen von Rotterdam zu einigen Zwischenfälller gekommen ist In Rotterdam war ?s aufgc fallen, daß sich unter den Matrosen, die an Land gehen dursten, sehr viele deutschsprechende Leute befanden. Diese Merkwürdigkeit erklärte sich damit, daß unter der Mannschaft 210 Elsässer waren. Als nun die Mannschaft auf einer Vergnügungsfahrt nach Dortrecht kam, stich man auf eine Mufik-

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Selbstbestimmungsrecht der Völker und deutsche

Auslandspropaganda.

Don Dr. Hans Siegfried Weber.

Den Gedanken des SelbstbestimmungS- rechtS der Völker hat die Entente während des Krieges als ihr hehres Ziel in die Welt po­saunt. Noch niemals ist aber in der Weltgeschichte das Selbstbestimmungsrecht der Völker ärger mit Füßen getreten worden, als durch die Sieger von Versailles. Sie haben aus Europa einen Herd der Unruhe geschafs- sen. 25 Millionen Angehörige der verschiedensten Nationalitäten haben sie durch die Balkanisierung des Ostens ver- sklavt und rechtlos gemacht. In Danzig, im Saargebiet, in Posen, Westpreuhen, Elsaß- Lothringen. im Memelland und in Cupen- Malmedy schmachten Millionen Deutscher, die niemals nach dem Rechte ihrer Selbstbestim­mung gefragt wurden, sondern einfach, wie ^Steine auf einem Schachbrett", nach Wilson verschoben wurden. Die neu entstandenen Staaten von der Entente Gnaden: Die Tschechoslowakei, Jugoslawien, das vergrö­ßerte 2htmänien und Polen sind Na­tionalitätenstaaten schlimmster Sorte. Hier werden Millionen Angehöriger von 2Iatwnalitäten durch rücksichtslose Re­gierungen jeden Rechtes auf Selbstbestimmung beraubi.

Bekannt sind die jüngsten Vorgänge tu Prag, wo die Vertreter der kleinen En­tente und Polens einen 2lntrag auf Schutz der Minderheiten als einen Eingriff in die Souveränität des Staates bezeichneten und die Konferenz der V ö l ke r b un d l i - gen sprengten. Der Friedensstörer der Welt Frankreich war natürlich der Ur­heber dieses Vorgehens.

Mit den rafffiniertesten Mitteln des 'Be- lmgeS hatten bereits in Versailles die fran­zösische Regierung und ihr Schütz­ling Polen zum 2lusdruck gebracht, daß m den Abstimmungsgebieten West- und Ost­preußens (in dem Regierungsbezirk Marien­werder. in Ermland und Masuren) eine un­zweifelhaft polnische Bevölkerung wohne, die von einigen verschwindend geringen deutschen Minderbeiten durchsetzt sei. Von welchen Kenntnisien der Oberstx Rat in Paris aus­ging, geht daraus hervor, daß er den Mit­gliedern der Ententekvmmission für die 2lb- stimmungsgebiete Ost- und Weststpreuhens die Erlernung der polnischen Sprache empfahl. Die 2lbstimmung am 11. Juli 1920 machte d ie Entente in aller Welt

wegen feiner Feindschaft gegen England unb Frankreich. Diese Tatsache sei ein schlechtes Vorzeichen für den Erfolg der Haager Kon­ferenz.

Italiens Stellung.

Paris, 15. Zuni. (WTB.) Wie Havas mitteilt, hat der italienische Botschafter gestern im Quai d'Orsay die Antwort seiner Regierung auf das fvaryösische Memorandum über die Haager Konferenz übergeben. Die italie­nische Note ist eine kurze Empfangsbestätigung und stellt im übrigen nur fest, daß fein Anlaß vor- liege, die VorauLsehung^n. inter denen die Haager Sachverständigenkvnferenz stattfinden solle, abzu­ändern.