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derMeinungen erfolgen werde, ein Zustand, wie wir ihn in anderen Ländern bereits kennen, wie er aber glücklicherweise im deutschen Geistes­leben noch nicht eingetreten sei. Die gesetzlichen Handhaben, die die Regierung zur Milderung der Rot besitze, seien in ihrer Wirksamkeit recht be­grenzt. 3m Gegensatz zur Ansicht mancher Inter­essenten sei die Ursache der Preissteigerungen weniger in der Politik der Kartelle zu suchen als im Steigen des Holzpreises. Diese Schwie­rigkeiten würden sich vielleicht noch verstärken Als mögliche Abhilfsmittel bezeichnete der Staats­sekretär die eventuelle Einflußnahme der Reichs­regierung auf die Preisgestaltung, sobald der interfraktionelle Ausschuß und der Reichstag hierzu Stellung genommen haben. Vielleicht könne dann zum mindesten die sprunghafte Steigerung der Papierpreise hintangehalten werden. Ein barer Zuschuß könne bei der schweren Finanz­lage des Reiches nicht in Aussicht gestellt werden. Zugeständnisse bei der Tarifierung des Druck­papiers .könnten nur in Frage kommen, wenn damit eine fühlbare Ermäßigung des Preises er­reicht werde. Die Frage der möglichen Ein­wirkungsmittel solle demnächst mit den Inter­essenten und nötigenfalls mit dem interfraktio­nellen Ausschuß des Reichstages erörtert werden.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 15. März 1922.

Der Gesetzentwurf über die Bereinigung von Pyrmont mit Preußen wird nach kurzer Aus­sprache dem Rechtsausschuh überwiesen.

Im Laufe der Aussprache verlangt Abge­ordneter Ko eh en (Ä.), daß endlich mit der Kleinstaaterei Schluß gemacht werde und fordert eine groß.ügige Vorlage auf Zusammenlegung von Landesteilen.

Abg. Koch (Dem.) gab dem Wunsche Aus­druck. daß auch der Waldecksche Gebietsteil gleich mitübernommen hätte werden sollen, da ja tat­sächlich das ganze Waldecksche Verwaltungsgebiet in preußischer Hand sei.

Abg Dr. K a h l (D. Vpt.) und Abg. A e u - Haus (D.-Datl.) stimmen der Vorlage ebenfalls zu, meinten aber, daß noch einige wichrige Rechts­fragen im Ausschuß zu klären seien, während Abg. Schulz (D.-Ratl.) namens eines Teiles seiner Fraktion erklärte, der Vorlage auch ohne Ausschußberatung zustimmen zu wollen.

Preuß. Ministerpräsident Braun: Durch eine längere Ausschußberatung würden die gegen­seitigen Verträge hinfällig werden. Die preußische Regierung steht durchaus auf dem Standpunkte, daß die Entwicklung der staatsrechtlichen Dinge sich in der Richtung auf den deutschen Einheits­staat bewegen soll. Diesem Ziele würde nicht ge­dient durch Erhaltung von Kleinstaaten auf Kosten Preußens, das durch den Gebietsverlust infolge des Friedensvertrages schon erheblich ge­litten hat.'

Rach Erledigung einer Reihe kleinerer Vor­lagen wird sodann die

zweite Lesung des Deichswehretats fortgesetzt.

Preußischer Ministerpräsident Braun. Es ist nicht so, als ob Preußen mit einem Federstrich die weitere Verleihung des Eisernen Kreuzes, dieses Tapserkeitszeichens. abgestoppt hät'e Mil derDerleihung von Kriegsorden muß endlich einmal . Schluß gemacht werden. Schon dreimal ist der Endtermm hinausgeschoben worden. Jetzt blei t r er mit dem 31. Dezember 1922 bestehen. Unter den unerledigten Gesuchen auf Verleihung des Eisernen 7 Kreuzes 1. Klasse befinden .sich solche von sechs Geheimen Hofräten, die im Militärkabinett des Großen Hauptquartiers im warmen Rest gesessen haben. (Hort, hörtl) Diese Auszeichnung kommt aber mir Frontkämpfern zu.

Abg Brüninghaus (D. Dv.): Hätte der Ministerpräsident die Resolution gelesen, so hätte er die Tatsachen nicht so verdrehen können. (Hört, hört!). Es handelt sich darum, daß die in Feindes- - land zurückgehaltenen Krieger noch nachträglich zr ihrem Rechte kommen sollen.

Reichswehrminister Gehler: Die sechs Ge^ Heimen Hofräte haben Mobilmachungsar'eiten ge­leistet. Vom letzten Kriegsminister ist ihnep das Eiserne KreuH versprochen worden.

Dreuh. Ministerpräsident Braun: Zurück­gehaltenen Kriegsgefangenen soll das Eiserne Kreuz auch jetzt noch verliehen werden. Es muh aber einmal Schluß gemacht werden.

Aba. von Dallwitz (D.-D.) verweist darauf, dah noch 20 000 Gesuche vorliegen. Der Minister­präsident hätte sich nicht in so animoser Weise über das Eiserne Kreuz aussprechen sollen.

Ministerpräsident Braun bestreitet das. (Ruse rechts: Sie haben von Possenspiel ge­sprochen. Das wird Ihnen nicht vergessen wer­den.) Die Massenverleihung des Eisernen Kreu­zes empfinde ich als bitterstes Unrecht gegen alle, die es wirklich verdient haben. Es bleibt aber beim 31. Dezember 1922, es sei denn, dah Ansprüche von zurückgekehrten Kriegsgefangenen an uns kommen.

Dach weiterer Debatte, in deren Verlauf der Abg. Külz (Dem.) ebenfalls für die Währung berechtigter Interessen eintrat, als Demokrat und Kriegsteilnehmer aber seiner tiefen Beschämung darüber Ausdruck verlieh, wie das Thema des Eisernen Kreuzes hier behandelt wurde, schließt die Aussprache.

Beim KapitelMilitärbildungswesen" for­dert Abg. Weiß (Dem.), dah in den Militär­schulen nicht einseitig auf die Beamtenbildung hingearbeitet werde. Die Leute mühten vielseitiger ausgebildet werden, so daß sie jederzeit in einen gewerblichen oder technischen Beruf zurückkehren rönnen.

Dachdem noch die Abg. Moses (U.S.) und Thomas (Komm.) ihre Wünsche auf Erziehung der Soldaten zur sozialen Verständigung Aus­druck verliehen hatten, erklärte Reichswehrminister Gehler: Die Bildungsvorschläge, wie sie der Abg. Weiß gemacht hat, werden nach Möglichkeit in die Tat umgeseht werden. Die heutige Offi­ziersausbildung sei anders als bisher. Die An­wärter haben zunächst zwei Jahre als Soldat gedient. Das Heiratsalter beim Militär wurde auf das 27. Lebensjahr festgesetzt. Dazu zwingt schon die Wohnungsnot. Dachdem der Minister sich noch für die energische Bekämpfung des Mkoholmihbrauches ausgesprochen und erklärt hatte, daß die Soldatenheime für diesen Zweck ausgebaut würden, wird das Kapitel bewilligt und eine Entschließung angenommen, in d-w ein parlamentarischer Beirat für Erziehungs- und Dlldungswesen beim Reichswehrministerium ge­fordert wird.

Der Etat des Landheeres wird nunmehr be­willigt.

Beim Marineetat spricht Abg. H ü n l i ch (Svz.) seine Bedenken darüber aus, daß in der Marine noch kein verfassungstreuer Geist herrsche.

Reichswehrminister Gehler entgegnet: Der 1 Dienst in der Marine, die im Rigaschen Meer- busen Heldentaten verrichtete, ist heute ein ganz anderer als früher. Kohlen- und Finanznot er­lauben es uns kaum, ein Schiff ins Ausland au schicken. Daher muh die Marine vielfach Land- oienst tun.

Abg. Kuhnt (U.) legt in längerer Rede die Gründe dar, aus denen seine Partei das System bei der Marine bekämpfe und den Etat ablehne. Der Redner verteidigt sich gegen die Angriffe, die gegen ihn in seiner Eigenschaft als Minister­präsident von Oldenburg gerichtet wurden.

Abg. Brüninghaus (D. Vpt.) erklärt diese Selbstentschuldigung rieche stark nach Selbst- antlage. Es stehe fest, dah Herr Kuhnt eine Aufwandsentschädigung von 12 000 Mk. monat­lich bezogen habe.

Der Marineetat wird sodann bewilligt.

Donnerstag mittag 1 Uhr: Branntweinmono­pol, Mantelgesetz und Steuervorlagen. Schluh 7 Uhr.

Aus Hessen.

Aus dem Finanzausschuß.

rm. D a r m st a d t, 15. März. Der Finanz­ausschuß des Hess. Landtages nahm heute in Fortsetzung seiner Beratungen die Regierungsvor­lagen über die Einrichtungen von Wohnungen in der östlichen Abteischeune, die Errichtung einer Scheune für die Veterinärklinik in Gießen, die Errichtung eines Verkaufshäuschens an der Usa- brücke in Bad-Dauheim und die Errichtung eines Luft- und Lichtbades in Bad Salz­hausen ohne Debatte einstimmig an. Auch der Antrag betr. die Vertretung bei der Zentrale für Säugilngs- und Mutterschutz findet Annahme. Eine eingehende Aussprache veranlaßte der An­trag Bornemann betr. die Preistreibereien bei den Brennholzversteigerungen. Sch ieß ich wird ein abgeänderter Antrag Bornemann an­genommen, wonach die Regierung ersucht wird durch gesetzliche Dotstandsmahnahmen und durch Einwirkung auf die Waldbesitzer dafür zu sorgen, daß den Gemeindeangehörigen die Beschaffung des dringlichsten Brennhvlzbrdarfs zu angemessenen Bedingungen gesichert wird. Für die größeren Städte wäre eine stärkere Zufuhr von Kohlen an­zustreben. Dann wird die Verlängerung des Fi- nanzgesetzes auf vier Monate angenommen. In Verfolg des Antrags Dingeldey und Gen. hob der Ausschuh seinen früheren Beschluß, die Heber- teuerungszulage den Beamten mit einem Einkorn men von über 50 000 Mk. nicht zu gewähren, wieder auf.

Aus Stodt und Land.

G i e h e n, den 16. März 1922.

** Amtliche Personalnachrich- ten. Oberregierungsrat Weihenbruch in Darmstadt wurde zum Abteilungs-Präsiden­ten der Abteilung für Zölle und Verbrauchs­steuern des Landesfinanzamts Darmstadt er­nannt. Hebertragen wurde am 9. März dem Schulamtsanwärter Theodor Dierbauer aus Ober-Erlenbach eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Ober-Wöllstadt, Kreis Fried­berg.

** Zahlkarten für Steuerentrich- tu n g und Kapitalertrag.steuer werden demnächst einge.ührt werden, um einen bequemen und billigen Weg für die Abführung der Ein­kommen-, Hnstah-, Besitz-, Erbscha.ts- usw. Steuer, des Rcichsnotopsers sowie der Kapi:ale.tragsti.uer für Hypothe'enzinsen an die Finanz- und Steuer­kassen zu schaffen. Für Buchungszwecke bei diesen Kassen sind die Abschnitte auf der Rückseite mit einem Vordruck versehen worden, den der Ab­sender aus ufüllen hat Einen gleichen Vordruck, der eben al s cu^ufüllen ist, trng! die Rück eite des Posteinlieferungsscheins. Durch Vorlegung des von der Post anst alt vollzogenen Posteinliefe­rungsscheins kann der Absender der Zahlkarte die Entrichtung der Steuer jederzeit nachweisen. Damit die Kapitalertragsteuer für die am 1. April fälligen Hhpothekenzinsen an die Finanzkasse mit Zahlkarte abgeführt werden farm, werden die Vordrucke schon vom 20. März ab bei den Post- anstalten vorrätig gehalten werden. Die Zahl­karten für die Entrichtung der übrigen Steuern werden von Ende März ab bei den Postanstalten abgegeben werden.

** Eine Bismarckfeier wird von der Deutfchnativnalen Dolkspartei am 31. März ver­anstaltet. Die Gedenkrede hat Professor Dr. Gramzow -Berlin übernommen. Däheres wird noch bekanntgegeben.

** Diebstahl. On 6er Zeit vom Sams­tag, dem 11. bis Dienstag den 14. März d. I. wurde eine Feldscheune hinter derSchö­nen Aussicht" erbrochen und 4 Sack schtoe- felsaurer Amoniak und verschiedene Werk­zeuge entwendet. Die Säcke sind auf einem Wägelchen weggebracht worden. Mitteilung nimmt die Kriminalabteilung entgegen. Der Geschädigte sichert Belohnung zu.

** Der erste Maikäfer wurde uns heute überbracht. Die Temperatur der verflossenen Dacht bewies aber, daß man den Optimismus dieses ver­frühten Lenzesboten noch nicht teilen darf.

ra. Schuh den Hecken! Beim Beginn des trockenen Frühjahrswetters sei gewarnt vor dem Abbrennen des trockenen Grases unter den Büschen und Hecken. Dicht nur werden die nützlichen Vögel ihrer Brutstätten dadurch beraubt, da vielfach die Büsche durch das Feuer zerstört werden, sondern es werden auch oft nützliche Tiere, die im Laube den Winterschlaf halten, wie Igel, Blindschleiche, Eidechsen ufw. getötet. Man sollte mit allen zu Gebote stehenden Mitteln diesem Hnfuge steuern. Wie leicht kann doch Feuer überspringen auf einen angrenzenden Wald. Die groben Waldbrände, von denen so häufig im Frühjahr berichtet wird, sind meist aus diese Weise entstanden.

Bornotizcn.

Tageskalender für Donnerstag: Kath. Bereinshaus, 8 Hhr: Klassischer Lustspiel- und Liederabend. Astoria-Lichtspiele, ab heute: Der Zirkuskönig" undCharly Im Warenhaus".

Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Aus den Akten einer anständigen Frau".

Wettervoraussage

für Freitag:

Wolkig, meist trocken, tags mild, nachts kühl, wechselnde Winde.

DaS bottnische Ties dehnt sich in südlicher Richtung aus und wird bis morgen Einfluß auf unsere Wetterlage gewinnen. Wir können mit wol­kigem, doch meist trockenem Wetter rechnen. Dachts wird wieder Frost eintreten.

Landkreis Giesten.

X W i e s e ck, 15. März. Leicht ist es, Über die sich mehrenden Steuern und die zunehmende Neuerung zu schimpfen; leicht war es, bei dem Lichtbildervortrag der Liga - zum Schuhe der deutschen Kultur zu sehen und hören eine, vielmehr die Antwort, die Dr. Falken berg gab auf die Frage:Was treibt unser deutsches Wirtschaftsleben in den Bankerott?" Aber wieder einmal brachte es nur eine kleine Schar fertig, diese Gelegenheit fern von aller vergiftenden Parteipolitik zu nutzen zu einer gründlichen Beschäftigung mit dem Frie­densvertrag in Wort und Bild. Gar trefflich wußte der Redner zu schildern die 14 Punkte und ihre seltsame Auslegung, Völkerbund und Ab­rüstung, aber auch den deutschen Michel in der be­kannten Haltung, die Zipfelmütze über den Ohren und die Hände in den Hosentaschen, der den Feind nicht sehen teilt Dem Dank der Hörer gab Pfarrer Sattler Ausdruck, und in der Aussprache konnte der Hauptredner noch manche Frage beantworten. Der Abend brachte die hiesige Ortsgruppe weiter in ihrem langsamen, aber sicheren Wachstum und auch durch verkaufte Schrif­ten den Hörern inneren Gewinn.

tt. Treis a. d. 26a., 15. März. Die dies­jährigen Winterversammlungen des hiesigen Frauenvereins wurden gestern abend mit einem Vortrag des Missionars Walther (Beuern) über unsere frühere Kolonie Kamerun, wo er kurze Zeit gestanden hat, geschlossen. Er veranschaulichte seine Ausfüh­rungen durch Gegenstände des täglichen Gebrauchs der dortigen Einwohner, getrocknete Früchte und präparierte kleinere Tiere und legte dar, welche reichen Schätze wir Deutsche dort church den Raub unserer Kolonien verloren hoben.

Kreis Büdingen.

)( Ortenberg, 15.März. Gestern feierten unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde die Ehe­leute Jakob Walther und Karvline geborene Wagner und Spenglermeister Wilhelm G o l d ° stein und Katharina geborene Traumüller das Fest der silbernen Hochzeit.

)( Ortenberg. 15.März. Am Sonntag­abend veranstaltete der hiesige V.H.C. einen wohlgelungenen Lichtbilderabend. Bau­ingenieur I e ck e l führte die Erschienenen in prachtvollen Lichtbildern, die er z. T. während feines Aufenthaltes als Austauschgefangener in der Schweiz selbst ausgenommen hatte, in die großen und kleinen Städte der Schweiz, an ihre schönen Seen und die wundervollen Berge bis hinauf zu den höchsten Gipfeln mit ihrem ewigen Schnee und Eis. Reicher Beifall, den V. H. C.- Druder Haas noch in besondere Dankesworte kleidete, lohnte den Vortrag.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 15. März. Die Stadtverwal­tung hat den Erlaß eines Ortsstatuts betr. Um­legung von Grundstücken einstimmig an­genommen. Für die Stadt wird dieses Gesetz in nächster Zeit von besonderer Bedeutung sein, auch die Projekte am Bahnhof, in der Deustadt und in Diedergirmes. Auch die Errichtung einer Be­amt en s ch u le hat die vorbehaltliche Geneh­migung des Kollegiums gefunden.

Starkenburg und Rheinhessen.

tob. Mainz. 15. März. Die gestrigen Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern der Metallindustrie haben in der Lohnsrage zu einer E i n i a u n g ^geführt. Die Einigung kam ungefähr auf der Basis des Spruches des Schiedsgerichts zu­stande u>.d sieht entsprechende Lohnerhöhun­gen für die Arbeitnehmer vor. Gleichzeitig wurde eine Einigung bezüglch der Lohn­erhöhung für den Monat April erzielt. Zu den neuen Lohnsätzen kommt für den Monat April ein nach Klassen gestaffelter Stunden- lohnzuschlag, und zwar: für die erste Hälfte des Monats April in Klasse 1 0.75 Mk., Klasse 2 0.60 Mk., Klasse 3 0.40 Mk.; Frauen und Mädchen 0.40 Mk. In der zweiten April­hälfte erfolgt zu diesem Zuschlag noch ein wei­terer. und zwar von I Mark in Klasse 1, 0.80 Mk. in Klasse 2. 0.55 Mk. in Klasse 3. 0.50 Mk. für Frauen und Mädchen. Jugend­liche erhalten entsprechend weniger. Da über verschiedene Punkte noch keine Einigung zu er­zielen war. werden die Verhandlungen heute unter dem Vorsitz des Ministers Raab fort­gesetzt. Ein befriedigendes Ergebnis wird er­wartet, so dah zum Wochenende mit der Wie­deraufnahme der Arbeit gerechnet werden kann.

tob. Worms, 14. März. Die heutige St a b t° berorbnetenoerfammlung genehmigte zur Erbauung von weiteren Wohnhäusern ben Betrag von 11 394.000 Mk. Es sollen 104 Woh- nungen erstellt werben. Dach ben neuesten Auf­stellungen bes Wohnungsmarktes fehlen in Worms 700800 Wohnungen. Wollte man biefe in 5 Jahren erbauen, so mühten jährlich rund 150 Wohnungen erstellt werben. Dach der Heirats- statistik mühten im Jahre 1922, wenn man allen Qlnforberungen gerecht werben wollte, 300325 Wohnungen erstellt werden. Der angeforberte Be­trag würbe einstimmig genehmigt.

Schwurgericht»

(Sieben, 13. März 1922.

Heute hatte sich ber Agent Otto Scheel von (Sieben wegen Meineibs vor bem Schwurgericht zu verantworten. Den Vorsitz führte wiederum Lanbgerichtsrat Schabe; die Anklage vertrat Staatsanwalt Locher; mit der Verteidigung war Rechtsanwalt Dr. Spohr betraut worden. Folgender Tatbestand lag der Anklage zugrunde: Der Zeuge Schte. wollte im Sommer 1920 sein Anwesen Kirchenplah 12 verkaufen und beauf­tragte den Angeklagten mit der Vermittlung, wo­bei er ausdrücklich zur Bedingung machte, dab das Haus nicht an einen Drogisten verkauft wer­den dürfe. Ein Angebot des Zeugen D. lehnte, daher auch Echte, ab, weil dieser in bem Haus ein Drogengeschäft aufmachen wollte. Trohbem versuchte es bet Angeftagte, bas Haus doch, und zwar burch Vorschieben eines Strohmannes, in bie Hänbc bes Drogisten D. zu spielen. Den Strohmann fanb er in ber Person des Schlosser­meisters Sch. Dieser erklärte dem Zeugen Schte., er wolle in bem Haus eine Sisenhanblung er­richten. Am 16.8.1920 wurde bas Haus am Schlossermeister Sch. aufgelassen und am gleichen Tage von bWem wieder weiter an den Drogisten D. verkauft. In beiden notariellen Kaufverträgen war ber Kaufpreis mit 75 000 Utart festgesetzt worden. Als der Zeuge H.» der ebenfalls mit

Schte. in Unterhandlungen wegen Ankaufs deS Hauses gestanden und 85 000 Mark geboten hatte, hiervon erfuhr, fühlte er sich von Sch. an der Rase herumgeführt, argwöhnte, dab ber Kauf­preis um 10 000 Mark zu gering angegeben wor­den sei, unb erstattete Anzeige bei ber Staats­anwaltschaft. Diese leitete ein Verfahren gegen Schte. wegen Hinterziehung ber ©runbertoerb- fteuer ein unb lieb bie beteiligten Personen burch bas Polizeiamt vernehmen, barunter auch ben jetzigen Angeklagten als Zeugen. Dieser sagte ba= mals aus, ber Schlossermeister Sch. habe bas Haus für *75 000 Mark gekauft; irgendwelche Schiebungen unb unreelle Hanblungen seien nicht vorgekommen. Er würbe bann auf Antrag ber Staatsanwaltschaft burch das Amtsgericht Gießen zum Zwecke ber Herbeiführung einer wahrheits­gemäßen Aussage eidlich vernommen, wiederholte seine frühere Missage unb fügte an, daß das Haus für 75 000 Mark von Sch. an den Dro­gisten D. weiterverkauft worden sei. Diese Aus­sage stand nun im Gegensatz zu den Aussagen des Zeugen Schw., ber befunbete, bah ber Kaufpreis in Wirklichkeit 85 000 Mark betragen habe, unb des Zeugen D., ber aussagte. Scheel habe mit ihm 75 000 Mark unb 10 000 Mark Hnnbgeld ausgemacht. Auch sonst sprach alles dafür, baß in ben beiben Kaufverträgen bie Kaufsumme um 10 000 Mark zu niebrig angegeben worben sei. Die Staatsanwaltschaft erhob baher gegen Scheel Anklage wegen Meineibs. In ber Hauptverhanblung behauptete der Qlngeflagte, er habe bei Schw. ben ursprünglichen Kaufpreis von 85 000 Mark auf 75 000 Mark heruntergehanbelt, unb bei D. sei nie etwas von 10 000 Mk. Hand- gelb gesprochen worben. Die Hauptbelastungs­zeugen liehen in ihren heutigen Bekunbungen Die Bestimmtheit, mit der sie in der Voruntersuchung ausgesagt hatten, vermissen, und darauf ist es auch wohl zurückzuführen, dah die Geschworenen die Schuldfrage verneinten. Der Angeklagte muhte daher freigesprochen werden.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Dr. 35 vorn 14. März enthält: Bekanntmachung, die Beiträge der Hebammenschülerinnen und Wochenpflegeschülerinnen in der Hniversi'äts- Frauenklinik zu Giehen und an ber Hebammen- Lehranstalt Mainz betreffenb. Feuerlöschwesen; hier: Abhaltung ber Hebungen. Ansteckenber Scheidekatarrh in Dorf-Gull. Dienstnachrichten Feldbereinigungen Treis an ber 2u.nba unb Allenborf an ber Lumda.

earbmirttofift.

Hb. Leihgestern, 15. März. In gut be­suchter. Versammlung des Obst- unb Garten­bauvereins sprach Herr Kreis-Obstbautech­niker H e b e r e r über bie Anpflanzung, Pflege unb Düngung ber Obst bäume. Die Lage unseres Dorses unb seine Dobenverhältnisse würben in reger Aussprache erörtert. Die Anpflanzung von Spätblühern, von Steinobst und vielleicht auch Birnen auf feuchten Grunbstücken würbe empfoh­len. Eine Freiverlosung von Gartensämereien be- schloh ben Abend.

bs. AusdermittlerenWetterau, 15. März. Dank der guten Witterung wurde heute mit der Aussaat von Hafer be­gonnen. Infolge Auswinterung eines großen Teiles Winterweizen wurden auch schon Aecker mit Sommerweizen ausgestellt.

Vermisstes.

Kampf mit einer Räuberbande.

Hindenburg, 15. März. (WTB.) Zwischen der Gemeindewache von Sw s n i tz a und etwa 40 bewaffneten Ein­brechern ist es einem lebhaften Gefecht gekommen, das über eine halbe Stunde Dauerte. Die Banditen zogen sich nach Ver­lusten zurück.

Kirche und Schule.

Der neue Bischof von Trier.

Trier, 15. März. (WTB.) Das Dom­kapitel hat den Weihbischof Dr. W. Born- wasser 'm Aachen zum Bischof von Trier gewählt. Der Papst hat die Wahl bestätigt.

Hessischer Evangelischer Landeskirchenlag.

rm. S a r m ft a b t, 15. März. Die Sitzung wirb um 83A Hhr durch Präsident Dr. 0. D i e h l eröffnet; das Gebet verrichtet Abg. Pfr. Lehn. Es wird mit dem 4. Abschnitt der Kirchenver- assung: Die evangelische Kirche im be­erbe r en, deren 1. Abschnitt die Landes­ynode betrifft, fortgefahren. Er bestimmt, dah die Landessynode die verfassungsmäßige Vertre­terin der Ev. Landeskirche unb Die Trägerin aller Rechte ist, die sie durch die Kirchenregierung und bas Lanbeskirchenamt ausübt.

Abg. Dernbeck gibt als Berichterstatter Kenntnis von ben Verhandlungen im Derfassungs- ausfchuh. Die Frage deS Wahlverfahrens sei da­hin erledigt worden, dah mit 9:2 Stimmen der Ausfchuh sich für die Hrwahlen nach Maßgabe der Verhältniswahl ausgesprochen hat. Den Vor­schlag des Oberkvnsistoriums, die Wahlen durch bie Gemeindevertreter vornehmen zu lassen, habe man abgelehnt, da man zu starke Parteikämpfe befürchtete. Man habe sich für die Provinzwahleii ausgesprochen, da hier durch die größeren Wahl­bezirke den Verhältnissen besser Rechnung getragen werden kann. Redner bringt noch bie verschiedenen Aenderungen zu den §§ 82, 84, 88, 89, 96, 97 fund 98 vor. Dann beginnt die Einzelberatung. § 82 wird nach kurzen Bemerkungen angenommen. § 81 bestimmt, daß die Landessynode aus 18 geist­lichen unb 36 nichtgeistlichen gewählten Abgeord­neten bestehen soll, ferner aus 6 von der Kirchen­regierung berufenen Abgeordneten, darunter je ein Vertreter des Lehrkörpers des Predigerseminars in Friedberg und der Theologischen Fakultät der Landesuniversität, wenn diese nicht schon unter ben Gewählten sind. Geheimrat B e r n b e ck führt aus, daß man ursprünglich nur 52 Abgeordnete im ganzen vorgesehen hatte, da diese Zahl gegen­über den viel größeren Staaten Baden, Württem­berg, Sachsen usw. ausreichend schien, man habe aber schließlich dem Verfassungsausschuß nach­gegeben. Abg. Dr. .Walger bekämpft bie ir bem Entwurf enthaltene außerorbentliche Decstär- tung des nichtgeistlichen Elementes gegenüber den Geistlichen. Abg. Prof. Dr. Dr. Berger ver­breitet sich über den Wahlmodus unb empfiehlt, j dah die Wahlen durch die freien kirchlichen Ar-