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OarauT ytn, Vay es sich nur um drrngende, un­aufschiebbare Vorlagen handelt.

Die Regierungsvorlage, Umbau der Konzert- hausbühne in Bad-Rauheim betreffend, empfiehlt der Ausschuß mit sechs gegen vier «Stim­men zu genehmigen. Der Kostenaufwand ist auf 30 bis 40 Millionen veranschlagt. Abg. Ebner (Kom.) wendet sich gegen die Vorlage, auch Aba. Widmann (Soz.) hlät diese nicht für unbe­dingt notwendige Ausgabe angesichts der finan­ziellen Lage des Staates für nicht gerechtfertigt. Wenn der Abg. Ebner meine, in Vad-Rauheim vermehrten nur Wucherer und Schieber, so mache er ihn darauf aufmerksam, daß dort auch russische Voltsbeauftragte verkehrten. Abg. Ebner bestrei­tet das. Finanzminister Henrich weist darauf hin, daß die Ausgabe den Etat nicht belaste, sondern sich gut verzinse. Die Gefahr der Kon­kurrenz anderer Bäder foime im Falle der Richt­ausführung des Projektes für Rauheim verhäng­nisvoll werden. Der bisher benützte Raum sei für Vorstellungen baupolizeilich geschlossen wvr- oen. Abg. Kindt (Dtn.): Man könne nicht warten, bis ein Schaden für Rauheim entstehe. Denn dann sei es zu spät. Die Ausgabe sei eine rentiecliche, wie der Finanzminister erklärt habe. Vor allem aber werde auch das Gießener TheaterinseinerExistenzgefahrdet, wenn man ihm die Gelegenheit nehme, in Rau­heim zu spielen. Dbg. Scholz (D. Vv.) schließt sich dem an. Man müsse sparen, aber nicht an derart werbenden Ausgaben. Abg. Werner (Dtn.) fordert entsprechende Eintritts­preise und Hebung des künstlerischen R i v e a u s. Die Geschichte mit den Russen, die nicht immer Russen seien, sondern nur mitpol­nischem" Akzent sprachen, fei für die Kommu­nisten peinlich. Der Antrag des Ausschusses wird mit großer Mehrheit abgelehnt.

Die Genehmigung zu einem vorbereitenden Verfahren gegen den Wg. Sturmfels wird ver­sagt: ein Antrag, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß die Landbrief­träger entsprechend der Geldentwertung höhere Geldbeträge bisher bis 3000 ML) anzunehmen und mitzuführen ermächtigt werden, wird ge­nehmigt.

Die «Sitzung wird abgebrochen.

Abg. Reiber (Dem.) erklärt, daß er nur versehentlich gegen die Regierungsvorlage Dad- Rauheim bett. gestimmt habe.

Schluß der Sitzung LIO Uhr.

Deutscher Reichstag.

Berlin. 14. Dez.

Zu Beginn der Sitzunn ttfcrb der Gesetzent- tourf Mr Reuregelung gewisser im Handels­gesetzbuch und in der Gewerbeordnung vor- gesehrre>: Gebaltsgrenzen (Kündinungs- besch änkuna, Konkurrenzktausel) in dritter Lesung einem sczralöemok otischen 'Antrag entsprechend umgestaltet. Darauf folgt die zweite Lefong der

Novelle z»m Emkommensteuergrsetz.

Ten Ausschaßbericht erstattete Abg. Dr. Hertz lSoz.).

Abg. Dr. Helfferich (Dtn.): 3m Gegen­satz zu den Behauptungen der Dvzialdemotratie gehe der Prozeß der Kapitalzertrümmerung und der Vernichtung der selbständigen Existenzen mit Riesenschritten weiter. Bei der Anrechnung der Körperschaftssteuer aus die @i7rftmtm<risteuer wirkt die Geldentwertung gegen die Teilhaber sowie der steuerpflichtigen Gesellschaften Die Körper« schaftsstcuer wird in gutem Gelbe gezahlt, cmge- tcdynCT wird sie in schlechtem Gelbe. Die Regeluna der Abzüge für Familienmitglieder bewirkt, daß tatsäc^ich im Iachre 1923 die niedrigeren Ein- kommtzn außerordentlich entlastet werden, so daß eine Familie mit vier Kopsen erst bei einem Ein­kommen. über 400 000 Mark steuerpflichtig wird und bei einem Einkommen von 800 000 Mark nur 5 Prozent Steuern

Abg. Kahmann (Soz.): Unseren Abande- rungsantrag zur Einkommensteuer hätte man nach­träglich ansetzen können, damit er noch ab 1. Ro- vember Gesetzeskraft erlangt hatte. Roch gestern ist mir mitgeteilt worden, daß ein Großindustrieller um Stundung seiner Steuerschuld aus dem Jahre 1921 gebeten hat, die ungefähr anderthalb Dutzend- Millionen beträgt. (Hort! hort! links.) Dieser ab­scheulichen Steuersabotage muh mit allen erdenk­lichen Mitteln entgegenqearbeitet werden. Aber auch diejenigen, die über Riesmvermögmr verfügen, und die ihre Zahlung«! für 1821 und ihre Vo-au.s- zahlungen für 1922 pünktlich leisten, haben ge en- über den Lohn- und Gehaltsempfängern geradezu riesigen Vorteil. Sie bezahlen erst jetzt ihre Stcu n-n für ein «Sintornnten, das im Jahre 1921 erzielL worden ist. Die Zwangsanleihe sollte ur-

Die HerWeghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.

62. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Zum Beispiel behauptet man, Laß die Russen nicht sauber seien," fuhr Kottenhan fort, indem er Lutz von der Seite anfchaute,meine Russen, mein Herr, haben sich gewaschen von morgens bis abends, und täglich gebadet, während mein französischer Äammerbtener, dieser Gauner, den ich in derTrocaderv" hatte, nie zu bewegen war. das Bad zu benutzen, well er yämlich viel zu faul dazu war. Die Russen streich«! jedes Hahr ihr Häuschm zweimal an, im Frühjahr wird die Tenne erneuert und mit frischem Lehm belegt, selbst in den ärmsten Hütten. Wie Oftereter glänzten diese Häuschen, gelb, grün bemalt blink­ten sie einem schon von weitem entgegen, wenn man durch die Dörfer fuhr. Ich habe die Straßen dort niemals zu Fuß betreten, man würde in dem zähen, lehmigen Boden einfach fteckengs- blieben sein tote in einem Sumpf."

Ernst malte Helme in den Saud, Artillerie- Helme mit dicken Knöpfen, Infanteriehelms, llassi- sche antike Ulanentschakos und Husarenmützen.

Diese Stulpstiefel," fuhr Kvttenhan fort,fer­tigt man von einem Schnitt an und einer Qualität, von der unsere Schuster keine Ahnung haben."

Weshalb inb Sie eigentlich aus Rußland fortgegangen?" fragte Luy.

Kottenhan hatte den Schlapphut abgenommen, denn die Sonne schien warm.Man kann nicht ewig an derselben Scholle kleben Ich lvollte auch nach Aegypten. Leider habe ich von der Re'se nicht viel mehr gehabt wie die Platzkrank- hait. denn ich bekam auf einem miserablen öster­reichischen Schiff, während der Rllfahrt Typhus, mutzte wochenlang in einer engen Kabine liegen, davon blieb ein Angstgefühl zurück vor großen

sprünglich ehre Gvldmilliarde etnbringen un 6 wurde dann auf 70 Milliarden Papiermark firierü. Statt nun von sich aus diese Steuersumme aus eine Goldmilliarde zu erhöhen, will man fogair denen, die sofort gezahlt haben, diese «Summ*, doppelt oder eineinhalbfach anrechnen. Welche «Schlußfolgerung wird das Ausland aus dieser Steuerpolitik ziehen?

Abg. Höner (Ztr.): Wenn man die Geld­entwertung bei den Lohn- und Gehaltsempfän­gern berücksichtigt, uruß sie auch bei den übrigen Steuerzahlern zur Geltung kommen, die allerdings dem Steuerabzug nicht unterliegen, dafür aber erhebliche Vorauszahlungen zu leisten haben.

Finanzminister Dr. Hermes: Die Vorlage der ^Regierung soll der Geldentwertung Rechnung j tragen. Die «Mnkdmmensteuer fließt nur zum 1 kleinsten Teil in die Reichs lasse. Bei den starken Interessen der Länder und Gemeinden muß der Tarif so gestaltet werden, daß Erträge heraus- kommen, die eben noch erträglich sind. Ich bin der Meinung, daß diesen Zwecken die Regierungs­vorlage genügt.

Abg. Hölle in (Komm.) protestiert bagagen, datz das Kapital, das bei 6er Ausbeutung brr Arbeiterschaft über Leichen geHtz, hier bestrebt sei, für sich Vorteile heran szaschLagan.

Abg. Dr. Herz (Soz.) wchrt sich gegen den Vorwurf der parteiischen Berichterstatlang. Die Ausführungen des Abg. Hühner widersprä­chen den Ansichten der christliche i Gewerkschaften. Der Redner protestiert sodann dagegen, daß die Demokraten im SteuerauZschaß den Grvßkapita- listen Fischer-Köln als Vertreter hätten. Dieser Wann könne trotz lauterster Absichten die Inter­essen der Arbeiterschaft nicht richtig vertreten.

Abg. Fischer (Dem.) erwidert: Wozu die | Erwähnung meines Berufes und meiner Tätig­keit V Werfen wir diesem oder jenem Sozial­demokraten vor, daß er Arbeiterfekretär ist und also nicht die Interessen des gesamten Volkes vertreten konnte? Die ganze 'Debatte scheint mehr auf Propaganda Hinauszulaufen, als auf eine vernünftige Praxis in der «Steuerpolitik.

Rach einer Anzahl persönlicher Bemerkungen der Abag. Dr. Helfferich (Dtn.) und Dr. Herz (Soz.) werden unter Ablühmrng der sozial- demokratischen und fommunisttschm Anträge die Bestimmungen des Artikels 1 in dec Ausschuß- fassung angenommen.

Demgemäß beträgt die Ein kommen- steuer für 1923 für diu erste Million des steuerbaren Einkommens zehn Prozent, für die nächste Million 15 Prozent.-für die nächste Million 20 Prozent, für die nächste Million 25 Prozent, für die nächsten zwei Millionen 30 Prozent, für die nächsten zwei Millionen 35 Prozent, für die nächsten zwei ollionen 40 Prozent, für die nächsten zwei Millionen 45 Prozent, für die nächsten drei Millionen 50 Prozent, für die nächsten drei Millionen 53 Prozent und für weitere Beträge 60 Prozent.

Der Rest des Gesetzes wird nach dem Kom- promitzanttage der Regierungsparteien, dem alle Parteien zustimmen, angenommen.

Die Grenze für die Besteuerung (10 Prozent) wird demgemäß für 1922 auf 400 000 Mark statt der vom Ausschuß geforderten 300 000 Mark hinauf gesetzt.

Die Abänderungen zum Gesetz gegen die Kapitalflucht werden sodann in zweiter und dritter Lesung angenommen. Der Entwurf einer Reichshaushaltsordnung wird in zweiter ßefung nach den Ausfchußbeschlüsssn an­genommen, ebenso die Etats Rechnungshof, Reichs- schuld und allgemeine Finanzverwaltung.

Freitag 12 Uhr: Kleine Anfragen, Leine Vorlagen, weitere Rachtragsetats.

Schluß gegen 8 Uhr.

Aus dem besetzten Gebiet.

Dre Verurteilung PraugeS.

Berlin, 14. Dez. (Wolff.) Regierungs- assessor Prange ist, wie gemeldet wurde, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wor­den wegen Beleidigungen der Truppen der Be­satzungsmächte und wegen Vergehens gegen die Verordnung 71 der interalliierten Rheinland- kommissivn. Den Blättern wird dazu gemeldet, das erstere Delitt besteht in beut in feiner Woh­nung aufgefunbenen Briefentwurf, worin er die schwarzen Desatzungstruppen, die sich sittliche Ver­gehen hatten zuschulden kommen lassen, mit nicht gerade schmeichelhaften Romen benannte. Das zweite Vergehen ist bedingt durch die Verord­nung 71 der sogenannten Spionagevrganisation der Rheinlandkommission worin es heißt: Wer zu einem die Sicherheit ter Besatzungsarmer be­nachteiligenden Zwecke sich an einer Verschwörung

beteiligt oder ein MnvernanvntS mu atwercn als an der Besatzung tellnehmenden Mächten unterhält, wird mit einer bis lebenslänglichen Gefängnisstrafe bedacht. Dieser Paragraph ist natürlich ein sogenannter Kautschukparagraph. Die Auslegung des Begriff- Einverständnis mit an­deren als an der Besatzung teilnehmenden Mäch­ten wird auch auf Deutschland ausge­dehnt. Gegen diese Verordnung ist vom Aeichs- kommissar Einspruch erhoben worden und die Reichsregierung wird natürlich alle möglichen Schritte für Prange unternehmen.

fpd. Mainz, 14. Dez. Gegen das Urteil des französischen Kriegsgerichts gegen den Re­gierungsassessor Dr. Prange und Kriminalkom­missar Stein wurde Berufung eingelegt

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 15. Dezember 1922.

Krediterhöhnng für den Ankauf von Domanialerzcugnisien.

Infolge der weiter gestiegenen Holz- und Graspreise hat das Finanzministerium, Ab­teilung für Forst- und Kameralverwaltung, nnterm 1. Dezember d. I. beschlossen, die nach­stehenden Kredite wie folgt zu erhöhen:

1. (Zeder Famllie und jeder selbständigen einzelnen Person, die im Vollsstaat Hessen toohnt, wird gegen Stellung sicherer Bürg­schaft für den Ankauf von Domanialerzeug- i rissen aller Art (Holz, Gras, Obst, Waldstreu, Holz- und Grassamen usw.) ein Kredit von zusammen 100 C00 Mark bewilligt.

2. Im Vollsstaat Hessen wohnenden Ge- b^erbetre'beTlden (auch Holzhändlern und Holz- Schneidereien) uns solchen Käufern, die Reu- I) nuten und bauliche Herstellungen beabsichti- <1 en, wird neben dem Kredit unter 1 für Au­fruf des zu ihrem Gewerbe bzw. ihren Bauten erforderlichen Holzes ein weiterer Kredit von ChOO 000 Mark gegen Stellung sicherer Bürg- f^aft bewilligt. Darüber, daß diese Steigerer d<lS Holz zum Betrieb ihres Gewerbes bzw. zll Bauzwecken nötig haben, muß Bescheini- gümg der Bürgermeisterei bei den einschlägi­gen Kassestellen hinterlegt werden.

*

Vovnotizerr-

TageSkalender für Freitag. S didttheater, 7 Ahr:Der Vulkan.- Kath. Ve.reinShaus, 81/., Ahr: Vortrag über.Bier ober Brot?". Lichtspielhaus, Bahnhofftratze, ab heute:Das schwarze Gesicht" undDer Zechpreller."

Der RuderklubHassia" bringt die fett seinem Bestehen errungenen 63 Preise am kommenden Sonntag im Bootshaus zur Aus- stel Lung. Abends 8 -U&r findet ein Vortrag übtn: die Sportgeschichte des Vereins durch den Vocpsitzenden statt. («Siehe Anzeige.)

.Wettervoraussage

für SarnStag:

iAebelbildung, sonst trocken, Frost, schwache südwestliche Winde.

.SInfor BeobachtungSgebiet verbleibt wei­ter ?! nter dem Einfluß eines im «Süden liegen­den ^Hochdruckgebiets.

*

Militärpersonalien. Laut Ver- vrdituug des Reichspräsidenten wurde Herr AmüSgerichtSrat I. K e l l e r hier, Hauptmann d. L^ hier, zunr M a j o r d. L. a. D. befördert.

** Erfolgreiche Prüfung. Die Prüflting als Steuersekretär haben folgende Herren des Finanzamts Gießen bestanden: Hein r ich May, Theodor MöbuS, Hans Schmitz und ,9.'arl Sommer.

** EinsPrücheaegenGemeinde- ratSL.wahlen. Der Kreisausschutz wird sich am n Lchsten Dienstag vormittag 9 Mr in einer offen. Mchen Sitzung mit mehreren Einsprüchen gegen «KemeinderatSwahlen beschäftigen. Die Tageikjordnung laufet: 1. Wahl zum Cemeinde- rat d«v: Gemeinde Klein-Linden; hier: Einspruch des Schriftsetzers Jak. Hofmann da­selbst. '2. DeSgl. der GemeindeLang-GönS; hier: «Zünfpruch des Ioh. Hch. Müller II. da­selbst. :3. Desgleichen der Gemeinde Reis- kirch« n ; hier: Einspruch des Ioh. Stish- ler IL und des Hch. «Schön V. daselbst. 4. Des-

freten Plätzen, deshalb habe ich mit ja den Kammerdiener gehalten," sagte Kottenhan.

®r hat ihn leider sehr betrogen," warf Ernst hin.

Ha! Wahrend ich Orgel spielte, hat er den Apachen mein Haus geöffnet. Tag unb Rächt habm diese Gesellen bei mir gewohnt, ich Habs Wand an Wand mit ihnen geschlafen und es nicht geahnt. Bestohlen unb ausg!:plündert haben sie mich, aber diese Kerls werden ja bei uns ge­züchtet. Das sind die HÄden mit Öen roten Halstüch.m und Samtwesten, für die sich das F^enzimmer begeistert, well sie so schön tanzen." llnd Kottenhan fügte ein vernichtendes Urteil über die Frauen hinzu.

Ulan darf nicht so verallgemeinern," warf Ernst ein,es gibt auch edle Frauen mit großen, gutem Anlagen, und viele sind nur deshalb nicht gut, well sie rn falsche Hände geraten.

Theorien," sagte Kottenhan, und setzte den Hut wieder auf,ich kenne die Sorte. Für Sie ist die Liebe wahrsch inlich noch von jenem benga­lisch m Lichte bestrahlt, tote es der große Spring­brunnen verbreitet, der an Sornmerabenden im Kurgarten aufsteigt. Ich habe immer eia Gleich­nis darin erblickt, daß man das flehte Lichter- männchm auf dem Funkensell über das Wasser wandern laßt, bis es die Fontäne erreicht, die das Wäimchen anlockt mit ihrem sanften Ge­plätscher. Hat es sie aber erreicht, dann er­bleichen die Sterne, und das Männchen purzett vornüber in das Waster, das nur ein schmutziger Teich ist. Die Siebe ist ein chemischer Pro.zetz, der durch eine von den Keimdrüsen geblldete, Substanz im Gehirn veranlaßt wird. DaS ist das ganze Geheimnis."

©ebr rich ig " Emst köpfte eine Margerite, nach der er lange mit der «Stockkrücke geangelt hatte.

.Als er herkam," fuhr Kottenhan fort, glaubte er, das Leben sei für ihn zu Ende. Hab

dieses ffii der letzte Akt. Aber ich habe ihn eines anderen: belehrt, berat für ihn beginnt es erst jetzt."

Hz itürlich," Pflichtete Lutz bei, erleichtert, endlich «ruf das 3id loszusteuern. Gr fragte sich nur, ob dieses neue Leben in Rußland, Aegypten oder Au stralien beginnen sollte.

Cßkg mit dem Ballast alberner Rücksichten und Vbeurteile!" fuhr Kottenhan fort.Für mich gi.bt es feine Rangunterschiede," er warf einen TMck nach dem Ordensbändchen.Was kann ich dafür, Daß ich einen Bruder oder eine Schwester habe? 3 Ran lebt doch zunächst sich selbst. Wie­viel« Otp'fer hat schon die Famllie gefordert! Wieviel wertvolles Material ist in ihrer Enge erstickt, und meist wird zu spät erkannt, was der Verlor^!«! der Famllie wert war."

Aha. dachte Luy, darauf geht es hinaus.

.Schon die Historie lehrt es. Wie hat man über eine t Henri quatre gezetert zu seinen Leb­zellen? &c sagte fünf Tage vor seinem Tode er wurde? bllänntlich von einem gewissen Subjekt Fian^vis Racaillas ermordet auf einer Ausfahrt in der offenen Karosse:Vous ne me connaissez pas main V cnant, vous autres Aber eines Tages werde ichsterben und dann werdet ihr erkennen, was ich teert war."

Ja, solche «Erkenntnis kommt meistens zu spat," gaif- der geschmeidige Lutz zuJedenfalls finb Sie um Ihr Wissen zu ben eiben, das Sie auf Ihren Reisen bereichern konnten"

Ich habe Geschichte studiert, das ist alles, und habe die Welt nicht zu meinem Vergnügen durchquert, denn was das betrifft," setzte Kotten­han verä chtlich hinzu,tote manchen mühsamen Weg mutz man machm, um Dinge zu sehen, die man trockenen Fußes alle hätte daheun ebensogut sehen formt« So ist eS auch mit den Höfen. In der Rähe verblaßt die Pracht manches Hermelin­mantels. ai vu le rot! sagte bekanntlich Ma­dame de Signier,mais je nai pas vu Sa majesUT

Ich Eiamte die Dame nicht," sagte 2uij.

u3d) ai ch nicht," sagte Kotten^ra,denn sie

gtelcyen der Gemeinde Beuern; hier: Ein­spruch 1. des W. PH. Sommerlad» 2. des Phil. Sommerlad VL daselbst.

Ein Frühlingsbote, der sich et­was vorzeitig hervorgewagt hat, wurde uns heute morgen in Gestalt eines Maikäfers von Annelies H o f überbracht.

Keine Luxus st euer vom Elend. Die rüuxuSstcuer wird zum Llnrecht, wenn sie von verarmten Kleinrentnern und anberen Angehöri­gen des Mittelstandes gezahlt werden soll, kveil sie ihre Gegensla^rde des Luxus aus einer besseren Zeit jetzt zur Befriedigung der dringendsten Be­dürfnisse verkaufen. Der Reic^minister der Fi­nanzen hat deshalb die Finanzämter daraus hin« gewiesen, daß sie berechtigt sind, die Luxussteuer unmittelbar von dem Käufer einzuziehen. Der Verkäufer haftet zwar in erster Reihe für dir Steuer, darf sie aber dem Erwerber in Rechnung teilen. Aus diese Weise ist zahlreichen Ein­gaben von fleinen Rentnern um Erlaß von Luxus- teuer entsprochen worden, nachdem der Reichs- inan^hos dieses Verfahren gebilligt hatte. Ferner will Der Reichssmänzminisier in weitem Ämsang von seiner Befugnis Gebrauch machen, die Steuerschuld Den kleinen Rentnern z u erlassen. Auch für Verarmte, die nicht einmal ehre kleine Rente besitzen, dürfte sich dieses Verfahren empfehlen.

* Der Dienenkvrbbasardes Alice» Frauen-Vereins, der gestern abend in den Räumen des Gesellschaftsrereins stattfand, gab einer außerordentlich starken Besucherschaft gute Gelegenheit, ihre Sympathie mit den fleißigen Dienlein" des Vereins zum Ausdruck zu bringen. Wie in einem Bienenhaus quirlte und wimmelte es in den nett hergerichteten Räumen durcheinan­der, es toar kein «Schreiten me!hr, das dort das Vorwärts kommen ermöglichte, sondern nur noch ein langsames Hin- und Herschieben und Schlan­geln durch die dichtbesetzten Stähl- und Tisch- reihen. Farbenfroh war das Bild, das sich über* all entrollte. Geschäftig regten fich die Hände der zahlreichen hilfsbereiten.Damen in den Ver- kaufsständen, diensteifrig waren die für die Mit­arbeit gewonnenen Herren am Werke. Für das Wohlbehagen der Gäste hatte die Dasarleitung unter der Fahrung der Frau Iustizrat Rosen­berg trefflich gesorgt.und der Kauflust derDamen und Herren war im reichsten Maße Gelegenhell zur Betätigung geboten. Reben den Grfrischungs- ständen, die besonders stark in Anspruch genommen wurden, erfreuten sich auch die Tische mit reizenden Handarbeiten des größten Interesses des Publi­kums. ileberad war der llmsatz recht gut, ja er hat, wie uns gesagt wird, die Erwartungen der Basar- leitung weit übertroffen. Ein recht abwechslungs­reiches llnterhaltungsprvgramm hielt die Fest­teilnehmer in angeregtester Stimmung. Mit einem allerliebst ausgeführten Kinderreigen eröffnet, bot die Vortragsfolge eine Fülle der schönsten De- nüsse, die sämtlich einzeln aufzufohren hier zu weit führen würde. «Sämtliche Mitwirkenden stell­ten sich mit Feuereifer in den Dienst des edlen Werkes, unb reicher Beifall zeigte ihnen, daß sie sich die dankbare Anerkennung der Besucher er­worben hatten. Besonders erwähnt seien jedoch die ausgezeichneten Vorträge der Opernsängerin Gisela Wanner-älzielli, die imKabarett zum grünen Kakadu" mit Gesängen erfreute, denen sich famose Vortragsdarbietungen weiterer Damen und Herren in reicher Zahl und gar viel­seitiger Art würdig zur Seite stellten. Lobende Anerkennung verdient auch ein flott gespieltes Theaterstückchen, das auf derBühne" im Haupt­saal seineUraufführung" erlebte. Um die ge­schmackvolle Herrichtung des Saales und der übrigen Raume haben sich die Herren Müller- Leutert, Steinbach und Heinrich Walter verdient gemacht, die Gießener Geschäftswelt und Handwerkerschaft hat das wohltätige Unternehmen durch kostenlose Gestellung von Gegenständen und kostenfreie Leistung von Arbeiten trefflich geför­dert. Der Erfolg des Abends war mehr als voll­kommen, er überraschte durch seine Größe selbst die Festleitung, die sicherlich nicht zu niedrig kalkuliert batte. Die Arrangeure des Abends und die vielen Helferinnen unb Helfer aller Funk­tionen, die aufrichtigsten Dank verdienen, können mit voller Befriedigung auf dieses schöne Resul­tat ihres eifrigen Mühens im Interesse der Bienlein" zurückblicken.

** Fe st genommen und in Antersuchungs- haft abgeführt wurde der Täter, ein Handlungs- gAllse von Frankfurt a. M., der vor einiger Zell

Heutiger Staub des DoLars

10 Uhr vormittags:

Berlin 7500, Frankfurt a. M. 75007550.

ist feit mehreren Jahrhunderten tot. Was be­deuten mir Orden! Fürstlichkeiten haben mir ent halbes Dutzend angeheftet, ich trage sie nie. Stehe auf dem Standpunkt Friedrichs des Großen: Mon Cordon bleu est comme la gräce efficace. II se donne et ne se m^rite pas.

Sehr fein," bemerkte Lutz, unb sah zu, wie Ernst seine Margerite sorgfältig im Sand begrub.

Ja, dieser König," fuhr Kottenhan fort. Kennen Sie sein Sonett über den rechten Ge­brauch der Glücksgüter? Rein? Dann kennen Sie gar nichts von ihm, denn er hat ja nicht nur Kriegsgeschichte geschrieben. Das größte Traum­bild ist für mich verblaßt. Stiller Beschaulichkeit ganz hinzugeben, meid' ich der Menschen Zu­drang, Lärm unb Hast" beginnt es, ich kann es Ihnen nicht vvrbeklamieren, es ist zu lang. Das Glück," sagt er ein andermal,ist ein schlim­mes ®i|t, kann es den Geist mit Hirngespinsten nähren, so muß es auch des Besten Sinn ver­kehren." Da reden sie immer von Goethe! Ich lese nut Friedrich den Großen. Wer war Goethe? Ein Minister, der Steine sammelte."

Er hat uns aber den Faust geschenkt," warf Ernst ein unb zog Kreise um seine tote Margerite.

In feinen Werken, ich spreche natürlich von dem König, können Sie alles finden, Wissenschaft, Kunst, bis zu den einfachsten Kriegsregeln, und alles betrieb er, unb nicht als Dilettant, sondern als Meister. Er hat sich auch nichts aus Shake­speare gemacht, er war ihm zu roh."

Shakespeare?"

Jawohl, auch Byron ist meiner Meinung, denn er schreibt bekanntlich an seinen Freund Mor, als er sich über die blasierte englische Ge­sellschaft belustigte:Sie treiben Bilder, Ge­schmack Shakespeare und Glasharmonika, haha! In demWintermärchen" bin ich noch immer eingeschlafen, wie in Dramen von Schiller."

Lutz brach eine Lanze fürDon Carlos", der eben im Königlichen Theater mit Kainz als Marquis Posa gegeben wird. (Fortsetzung folgt)