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krschemt glich, trauer Sonn» und Fei erlag«, mH derSamstagsbeilage: BietzenerFamilienblütter Monatliche vezngrprelfe: WO Mark und 20 Mark Trügerlohn,durch dieDost 400 Mark,auch bei Nicht- erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer (Bemalt - Fernsprech- Luschlüsse: ftirdieSchrist- kttung 112; für Nerlog und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger ftkfien.

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172. Zahrgcmg

Freitag, 15. Dezember (922

GießenerAnMger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvck nnö Derlag: »rühl'sch« Univtrsttitr-Vuch- und Steinörudtrei B. Lange in Sieben. Schrifileitnng unö Seschöstrftelle: Schulftratz« 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Berdlndlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigenv 27 mm Breite örtlich 12 Mk, auswärts 15 Mk.; für Rekl ame- Anzeigen von 70 mm Breite 40 Mk. Bei Platz- vorschrlft 20 u/e Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumichein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Die Rede Lord. Greys im englischen Oberhause.

London, 14. Dez. (WTB.) Grey führte gestern im Oberhaus u. a. aus: Wenn man er­kläre, bah, solange England seine Schuld an die Vereinigten Staaten ^ahle, es nicht Me Schulden erlassen könne, die Ihm von den europäischen Alliierten geschuldet Mürben, so sei das sehr einleuchtend. England habe jedoch in Wirklich­keit mehr Interesse ba ran, politische Sicherheit und wirtschaftliche Wiederherstel­lung in Europa zu erzielen, als die Barzah­lung der ihm geschuldeten Summen zu erlangen. (Hört! hört!) Zweifellos seien die Fragen der interalliierten Schulden und der Re­paration so eng verbunden, bah eine Erlassung der interalliierten Schu'den von der Regelung der Reparationsfrage innerhalb der möglichen Gren­zen abhängig gemacht werden könne. Einer der 5rohen Fehler bei Behandlung der Reparativns- frage war, bah der interalliierte Dankier- ausschuh, der in Paris zusammentrat, so ent­mutigt wurde, bah er sich vertagte. Er glaube, es war die französische Regierung, die dafür verantwortlich sei, bah dieser Ausschuh seine Ar­beiten nicht fortsetzte. Wenn ein Fortschritt in der Frage der Regelung der Reparationsf -age ge­macht werden solle, müsse die französische Re­gierung in Betracht ziehen, bah es wünschens­wert wäre, einen nejien berartigen inter­nationalen Dankierausschuh. in dem die Vereinigten Staaten vertreten wären, einzu­berufen. Die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas könne nicht erreicht werden, wenn nicht eine gröbere politische Sicherheit ge­schaffen werbe. Er sehe die Entwicklung und Stärkung des Völkerbundes als das beste und einzig sichere Mittel zur Wiederherstellung des Friedens in Europa an. Es sei jedoch vollkommen klar, bah, wenn ber Völkerbund nicht umfassender werde. Europa wieder in zwei bewaffnete Lager geteilt würde. Der nächste und wichtigste Schritt sei, dah, wenn die Reparationsfrage geregelt sein werde, Deutschland sich bereit erklären solle, dem Völkerbünde beizutreten, und bah die anderen Mächte sich damit einverstanden ercklären. Zur Rüstungsfrage übergehend wies Grey dar­auf hin, bah der Washingtoner Vertrag axter von Frankreich noch von Italien ratifiziert würde. Wenn nach Erlassung der interalllterlen Schulden an England und nach Sicherung der nur zeit­weiligen Regelung der Reparationsftage eines der Länder, deren Schulden von England erlassen wurden, beginnen sollte, Ausgaben für Rüst­ungen zu machen, so würde In England eine sehr scharfe Kritik laut werden. Selbst wenn Frankreich und Italien in der Lage wären, die Bezahlung der England geschuldeten Beträge morgen zu beginnen, so würde dennoch England ter verlieiende Teil sein, da dadurch dah es Geld erhält, die Wiederserileltung in Europa von dem augenblicklichen Zustand der politischen und wirt­schaftlichen Rot verzögert wird. Wenn durch einen Verzicht, nicht auf tatsächliche Dnrzah.un- ?[en, sondern auf die Aussicht, eines Tages viel­eicht eine Zahlung zu erhalten, Endland irgend etwas wesentliches tun könnte, um die Sicherheit des Friedens und die wirtschaftliche Wiederher­stellung der Länder in Europa, die Abnehmer für englischen Handel sind, zu fördern, so würde England in riesigem Mabe der gewinnende Teil ftin. Wenn England daher die interalliierten Schulden erlassen solle, so müsse es, wenn auch nicht als unmittelbare Folge, so doch als mittel­bare övlge das Gefühl haben, bah die Gefahren künftiger politischer Unruhen und wirtschaftlicher Rot in Europa wenigstens schr vermindert wor­den seren, und bah die Hindernisse, die gegen- wartrg ledem tatsächlichen Fortschritt entgegen- stehen, besertlgt seren.

Bebürfnis Frankreichs nachvicherHerten erllärte Grey, die Richt­annahme des französisch-englischen und des fran­zösisch-amerikanischen Vertrages, in dem festgesetzt war, bah rm Falle eines d e u t s ch e n A n - grifft auf Frankreich das britische Reich und die Bereinigten Staaten Frankreichs it ihrer gan­zen Macht unterstützen würden, feb-auf^rft ver­hängnisvoll geworden und habe dem Frieden den Boden eingeschlagen. Das Verschwinden dieser beiden Verträge sei zum groben Teil für bie Erscheinung verantwortlich bie als »aggres­siver Geist in Frankreich" tezeichnet werde. Er, Grey, glaube, bah diese Verträge nicht mehr aufleben konnten, er glaube aber nicht, bah die scharfen Massnahmen, die Frankreich im Sinne habe, Geld zutage fördern würden, viel eher würden sie den Zusammenbruch Deutschlands und damtt eine Katastrophe für bie Welt herbei­führen. Grey erklärte weiter: Ich glaube nicht, bah bie Sicherheit auf diese Weise erzielt werden rann, ich glaube nicht, bah eine Ration ihre Sicherheit auf bie Dauer erhöht, wie sicher sje sich auch für den Augenblick fühlt, indem sie grohe Gebietsteile beseht, bie von einem anderen Volke bewohnt sind Ich halte es für verhängnis­voll, bah die Konferenz, die im Januar wieder ?u,l9CPit)mrnc^ to^ben soll, zu Maßnahmen führen soll, die nach meiner Ansicht nicht die wirklichen Reparationen fordern, und wie ich glaube, bie politischen Unruhen Europas verstärken würden, statt die wirtschaftliche Wiederherstellung zu unter- stühen.

,. ord Sa lisburh erklärte, jedermann, der die Rede Greys gehört habe oder lesen werbe, werde erkennen, bah Grey als überzeugter und grober Freund Frankreichs gesprochm habe Er hoffe, bah. ti>?nn bie französische Staatsmänner die Rebe lesen und erkennen, bah sie von einem groben Frc-unb komme, sie ben Rat beherzigen werden, ben er in fo fremidscchrftlichem Geiste

gebe. Die Politik der Regierung sei eine Vermeh­rung der Stabilität und des Vertrauens in der ganzen Welt. Er sehe es als sehr wesentlich an, bah bie engen Beziehungen, die gegertoärtig zwischen England, Frankreich und Italien herr­schen, aufrechterhalten werden. Die Regierung hoffe zuversichtlich, bah, wenn die Konferenz arte- ber zusammentrete, Vorschläge erzielt werden, die im Interesse der französischen Regierung seien und ihre Zustimmung finden werden.

Amerikanische Vermittlungs- Vorschläge ?

London, 14. Dez. (Wolfs.) Die .^Ti­mes" meldet aus Washington vom 13. De­zember: Das Weihe HauS lieh gestern mit­teilen, bah die amerikanische Regierung alles Mögliche tue, um eine befriedigende Lö­sung der Schwierigkeiten in Europa zustande- dubringen. Präsident Harding wünsche dar­auf hinzuweisen, bah seine Regierung sich nicht untätig verhalte. Er habe weiter mitgeteilt, dahvordem 2. IanuarnächstenIah- reS bie nötigen biplomatischen Schritte getan sein würben, um bie englische, bie französische und die anderen be­teiligten Regierungen über die Haltung der Bereinigten Staaten zu verständigen. Dcps Weihe Haus und das Staatsdepartemeirt wollten vorläufig lediglich diese allgemein« Erklärung abgeben. Sie hielten die Lage für so heikel, daß die größte Zurückhaltung notwen^» big sei.

Reuyvrk, 14. Dez. (WTB.) Fnnkfprucj > Die »Renyork World" meldet aus Washington: Ueber ben Gegenstand ber Unterrebung, welche Morgan am Mittwoch gelegentlich eini .'s Besuches im Staatsdepartement hott e, ist keine Information zu erhalten. Angesichts b<>r Erklärungen aber, die Morgan in Paris abge­geben hat, findet bie Vermutung Glauben, bah Amerika nach einer Grundlage für elr en Vorschlag über eine Anleihe Deuts »h- lands sucht, den eS ber Konferenz der Premierminister im 3anuar vv.p- legen will.

Die Reu York Times" meldet aus Waschjhrg- fon, bah Brmar Pan** Wunsch bk Repn'-ntivxs- frage mit einiger Aussicht auf eine endgültige Lösung zu erledigen, mit den Ansichten Eier Regierung Hardings überein ft imine, o>elche von Anfang an sich ben Wilsonsc-hcm Standpunkt angeeignet habe, bah die Reparatio­nen auf ber Grundlage der Zahlungsfähigkeit Deutschlands endgültig festgesetzt iner­ten sollten. Aus Regierungskreisen verlautet, bah ter Einfluh ber amerikanischen Regierung, auf jede ihr zulässig erscheinende Weise weiterht.i in ter Richtung eines Ausgleichs ber Ansichten in ber Reparationsfrage geltend gemacht wirb..

Die Haltung

der deutschen Industrie.

Berlin, 14. Dez. (WTB.) In ter heutigen Sitzung des vorläufigen Reichswirtschafts,. ites gab vor Eintritt in die Tagesordnung ter Vor­stand des Reichsverbantes ber deutschen Industrie Dr.-Ing. Sorge folgende Erklärung ab:Ich er­greife die Gelegenheit, hier im Plenum des Reichswirtschaftsrates gegenüber den wirren Zei­tungsnachrichten über die Stellung der In­dustrie zur Regierung festzustellen, was diesen Gerüchten an Tatsachen zugrunde liegt. Die Rachiicht über einen von mir nachgeL achten bzw. ausgeführten Besuch beim Reichskanzl er ist unrichtig. Ebenso sind bie Einzelheiten ber rmgeb- lichen Unterhaltung, die gelegentlich dieser Be­suches fiattgefunten haben soll, nicht oder inenig- stens nur zum geringen Teile zutreffend. Eine Unterredung zwischen dem Reichskanzler ui ;b mir fand gelegentlich ter ersten Plenarsitzun,; des Reichswirtschaftsrates vorgestern hier statt. In dieser Unterredung wurde auch die befanrj e erste Rotiz angeschnitten. Ich erllärte, bah ber ?Leichs- terbanb ber deutschen Industrie dieser Rotiz vollkommen fernstehe und fügte hinzu, teih ter Reichsverband es für seine Pflicht halte, bie Re­gierung in der jetzigen schweren Lage TteUsch- landS zu unterstützen. Die Industrie sei auch be­reit, an jeder Lösung, die eine dauernde Gesun­dung der politischen und wirtschaftlichen 1s'»erhält- nisse Deutschlands verspricht, mitzuwirkim. Ich halte mich verpflichtet, diese Erllärung fiter ab- Zugeben, weil ich die Gerüchte, welche ein e Disso­nanz zwischen der Regierung und ber 5 fnbuftrie konstruieren wollen, nicht nur für vei terblich, sondern geradezu für ein Verbrechen am Dater- lante halte. (Lebhafter Beifall.)

Die Lausanner Konferenz. Eine Entspannung.

L a u s a n n e, 14. Dez. (Wolff.) 'S He Erste Kommission ist heute vormittag 10 Uh r 30 zu- fammengetreten, um bie Diskussion über bie Minderheitenfrage fortzusetze.n. Is­met Pascha beantwortete Punkt scjr Punkt bie Erllärung von Lorb Curzon in bur gestti- gen Sitzung. Er legte bar, bah bie Stellung ber Türkei in der Minderheitensrcv;e burch ben nationalen Pall festgelegt sei. Loi:b Cur­zon betonte in seiner kurzen Antwort ben versöhnlichenGeist, von dem ?jie Worte OSmet Paschas getragen seien, und > rntersttich besonders die Absicht der türkischen 2 Regierung, die von OSmet Pascha zum AuSdrui k gebracht

I wurde, bah sie, sobald der Frieden abgeschlos­sen sei, den Einttitt in den Völkerbund nachsuchen werde. Darröre und Garvni gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeiten in der Unterkommission von Erfolg gellönt fein möchten.

Die Unterkommission beginnt ihre Sitzung morgen, Freitag vormittag. Rach einer per­sönlichen Aussprache zwischen Lord Curzon und Ismet Pascha scheint festzustehen, bah ber Lösung ber Minderheitenfrage keine großen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen und dah man bald zu einer Einigung kommen wird.

Der Weltfriedenskongreß.

Haag, 14. Dez. (Wolff.) In der gestrigen Rachmittagssihung des Weltfriedenskon­gresses hielt Wels- Deutschland eine längere Rete, in ter er unter anderem ausführte, das deutsche Volk habe sich bei ter Annahme des Waffenstillstandes auf Grund ter 14 Punkte Wil­sons nicht träumen lassen, wie ungerecht die Frie- tensbebingungen ausfallen würden. Gegen alle früheren Zusagen werte die junge deutsche Demokratie dauernd auf die Folter gespannt. Die deutsche Arbeiterklasse sei de­mokratisch und friedlich gesinnt, und die gröhten Feinte ter deutschen Demokratie seien nicht tmier» halb Deutschlands zu suchen. Es seien vielmehr die Hetzer vom Schlage Poincarös. Die deutsche Arbeiterllasse sei bereit, bei der Wiederherstellung des Friedenszustandes soweit als möglich zu helfen. Schliehlich protestierte Wels gegen eine weitere Besetzung deutschen Gebietes unb gegen die Art und Weise, wie in London und Lausanne die deutschen Interessen als Tauschmtttel benutzt werten.

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Die Führung der Reichswehr.

Berlin, 14. Dez. (WTB.) Der Vertreter des Reichswehrministeriums teilte mit: Vom 1. Januar 1923 ab sind u. a. folgende Personalveränderungen zu verzeichnen: General ter Artillerie v. Beh­ren d, bisher Oberbefehlshaber ter Gruppe 2 (Kassel) wurde zum Oberbefehlshaber der Gruppe 1 (Berlin) ernannt. An seine Stelle tritt General ter Infanterie Ritter von M o e h l (Bayern). An dessen Stelle tritt General v. Lossow, bish«: Kommandeur ter Infanterieschule in München und an dessen Stelle Generalmajor Linde­mann.

Das Urteil im Prozeh Harden.

Berlin, 14. Dez. (WTB.) Im Prozeh Haiden lautete nach mehr als vierstündigen Be­ratungen ter Wahrspruch der Geschwo­renen für beide Angeklagte auf Beihil f e zur Körperverletzung. Dem Angeklagten W e i ch a r d t wurden mildernde Umstände zu- gebilligt, dem Angeklagten G e n z dagegen nicht. Der Staatsanwalt beantragte darauf für Wei- chardt zwei Jahre elf Monate Gefängnis, für ©cenADier Jahre elf Monate Gefängnis, wovon vier Monate für die Untersuchungshaft angerech­net werten sollen. Der Staatsanwalt begründete diese Strafe damit, bah die Tat hart an ver­suchten Meuchelmord streife.

Das Urteil lautet bet dem Angeklagten Genz wegen Beihilfe zur Körperverletzung auf vier Jahre neun Monate Gefängnis, gegen Wei chardt wegen Deihllse zur Körper­verletzung auf zwei Havre neun Monate Gefängnis. Beiten Angellagten werden zwei Monate Untersuchungshaft angerechnet. Die An­gellagten erflärten, sich bei dem Urteil beruhigen zu wollen.

Aus dem Reiche.

Das Arbeitszeilgesetz.

Berlin, 14. Dez. (WTB ) Der vorläu­fige Reichswirtschaftsrat stimmte dem Arbeitgeberantrag auf Richteinkerechnung ber Arbeitsbereit fchaft in bie Arbeits­zeit mit 102 gegen 100 Stimmen zu. Die Mehr­beschäftigung ter Lehrlinge wurde mit 103 gegen 97 Stimmen ebenfalls beschlossen. Damit sinb die grundlegenden Paragraphen des Arbetts-- zeitgesehes im Sinne ber Arbeitgeber beschlossen worden.

Hessischer Landtag.

37. Sitzung. Donnerstag, 14. Dez. 1922.

Präsident Adelung eröffnet bie Sitzung 9.40 Uhr mit ter Mitteilung, bah Abg. Müller (Db.) infolge Wohnsihwechsels und beruflicher Inanspruchnahme fein Amt als Vizepräsident zur Verfügung stellt. Für morgen wirb die Reu- Wahl eines Vizepräsidenten auf die Tagesord­nung gesetzt.

Den Antrag ber Abg. Birnbaum zu Kap. 54 des Staatsvoranschlags, die Einstellung von Lehrerinnen st eilen als Beraterin bes Leiters an den Mädchenschulen bett., beantragt ter Ausschuh abzulehnen. Abg. Birn­baum (D. Vp.) und Ha t tem er (Dtn.) treten für verstärkten weiblichen Einfluh an allen Mädchenschulen ein und bitten, den Antrag nicht abzulehnen, sondern gemäh ber bereits münteich erfolgten Zusage der Regierung höchstens für er­ledigt zu erklären. Abg. Reiber (Dem.) fordert weitergehend die Ernennung weiblicher Schul­leiter. Abg. Kaul (Soz.) bätt den Antrag für überflüssig, da das Vvllsschulgesetz einen Unter­

schied zwischen weiblichen und männlichen Lehr- träften überhaupt nicht kenne. Der Antrag teS Ausschusses wird abgelehnt; ter Antrag Birn­baum wird einstimmig angenommen.

Den Antrag ter Abg. Birnbaum, Hattcmer und Steinhäuser, die weibliche Fortbil­dungsschule bett., beantragt ter Ausschuh für erledigt zu erklären, da er von Irrigen Vor­aussetzungen ausgehe. Abg. Hattemer (Ztr.) wendet sich gegen diese Auffassung der Regie­rung. Der Antrag des Ausschusses wird gegen drei Stimmen angenommen.

Die Vorstellung des Rechtsanwalts Dr. Otto Pflaum zu München als Vertreter tes Prof Koh- mann (des bekannten Herausgebers ter "Süd­deutschen Monatshefte") in München, Zustim­mung zur Strafverfolgung des Land­tagsabgeordneten Kaul betreffend, be­antragt ter Ausschuh aus prinzipiellen Grünten abzulehnen. Abg. Kindt (Dtn.) macht dar­auf aufmerksam, wie unhaltbar dieser Brauch sei. ter es Abgeordneten gestatte, als Redakteure periodisch erscheinender politischer Druckschriften andere Personen zu beleidigen, ohne bah sic dafür xur Verantwortung gezogen roerten können. Ein teutschnationaler Antrag, ter diesem Mihstand vorbeugen wolle, fei bei ter letzten Sitzungs­periode abgelehnt Worten. Und doch müsse ein­mal diese üble Erscheinung bejwitigt werden. Der Antrag des Ausschusses.wird angenommen.

Es stehen weiter auf ter Tagesordnung eine Reihe von Anfragen, auf die schriftliche Regie- rungsantwvrten erteilt find. Eine Besprechung wird von dem Abg. Ebner (Kom.) bei dem Antrag Rink und Ebner, die Aushebung der Zwangswirtschaft betreffend, beantragt und in einer längeren Rete entwickelt er ein kom­munistisches Wirlschaftsprvgrainm und schli cht mit ter Hoffnung auf einen baldigen Sieg des revo­lutionären Proletariats. Zu ter Anfrage Jost und Stein, die Getreideumlage betreffend, schildert Abg. Host (Bb.) die Verhältnisse, die durch die Mihernte in diesem Jahr in dem oberen Vogelsberg entstanden fei. Q3ei dem ungünstigen Verhältnis von Acker und Wiefen fei die Be­lastung für bie kleineren Besitzer (bis zu 25 Mor­gen) unerträglich. Erschwerend kämen die be­deutend günfligeien Verhältnisse im benachbarten Preuhen in Betracht. Wenn vom Reich das Um­lagesoll ermäßigt werde, solle man doch in erster Linie die Besitzer im hohen Vogelsberg berück­sichtigen.

Den Antrag der Abgg. Glaser und Genossen, Verwendung des im Staatsvorcinfchöag vorge­sehenen Ausgleich st ocks tetr., beantragt ter Ausschuh einstimmig ter Regierung als Ma­terial für die bevorstehende Aenterung des Lan- tessteuergefehes zu Überwelfen.

Abg. Glaser (Db.): Bei ter Verteilung bet Mittel aus dem Ausgleichsstock werte das flache Land gegenüber ben groben Städten be­nachteiligt. Das düffe nicht so weiter gehen. Der Ausschmhantrag wird einstimmig angenommen.

Der Antrag des Abg. Reumann, die Ein­richtung von lokalen Abteilungen für Lungen­tuberkulose im 3. Stadium in Kran­kenhäusern bett, wird gemäh Ausschuh-' antrag angenommen. Den Antrag ter Abgg. Ebner und Rink, Gesetz über den Austritt aus ter Kirche und zwei in gleicher Weise sich be=» tregente Anträge ber Abgg. Kiel und Schaub werten ter Regierung als Material überwiesen, nachdem Abg. Kiel (So;.) beantragt hat, die De Währungsfrist bei Kirchenaustritten aufzu­heben. Den Antrag Rink und Ebner, die un­entgeltliche Schulspeisung für alle Kinder tetr., beantragt ter Ausschuh abzu­lehnen, da die Schulspeisung Ausgabe der Ge­meinden fei und von diesen bereits für Minder­bemittelte durchgefüHrt fei. Abg. Roth (Komm.) schildert die Rot ter Kinder. Für die Glocken der katholischen Kirche habe man Geld, aber für die Kinder nicht, das sei kennzeich"end für den Geist, ter hier herrsche. Abg Hattemer (Zentt.): Es sei schon viel gescheHen auf dem Gebiet der Kinderspeisimg, ater alle Kinder zu speisen, sei doch ein Unding. Abg. Reiber «Dem ) schlieht sich dem an. Wer gegen ben Antrag sei, fei absolut nicht gegen jede Kinberspeisung. Abg. Engelmann (Soz.): Der Antrag renne offene Türen ein. Rach längerer Debatte wird ter Antrag an den Ausschuh zurückverwiesen.

Auf Antrag des ersten Ausschusses werten die Tagegelder vom 1. Dezember 1922 auf 1400 Mb für die hiesigen und 2000 Mk. für bie auswärtigen Mitglieder des Hauses erhöht. Die Uebernachtungsgebühr wird auf 2000 Mark festgesetzt.

Abg. Ebner (Komm.) fordert eine Pauschal­summe statt ter Tagessätze. Zur Zeit sei es fast nur Beamten möglich, ein Mandat auszuüben. Der Redner regt an, die Landtagssitzungen auf den Abend zu verlegen. Damit sei allen geholfen.

Die Anträge des Abg. Ruh, die Ge­richtsreferendare tetr., und ter Abgg. Wünzer und Dingeldeh, Anrechimng ter Kriegsdienstzeit auf ten Vorbereitungsdienst der Referendare tetr., empfiehlt ter Ausschuh an­zunehmen. Danach ist die gesamte Kriegs- dienstzeit von ter Vorbereitungszeit in Ab­zug zu bringen. Das Haus stimmt zu. Der Antrag Hattemer u. Gen., die Besoldung ter Referendare tetr., wird durch die Regierungsantwort für er- ledig t erklärt.

Rach Artikel 32 ter Geschäftsordnung wird ehre Reihe von dem Finanzausschuh einstimmig angenommener Regierungsvorlagen zur Kenntnis des Landtags gebracht, darunter die Bewilligung von 35 Millionen staatlichen Zuschus­ses zu der Rothilfe Hessen. Abg. Ebner (Komm.) protestiert gegen die Anwen- buna teS Art. 32. Präsident Adelung axift