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krschemt tü glich, trauer Sonn» und Fei erlag«, mH derSamstagsbeilage: BietzenerFamilienblütter Monatliche vezngrprelfe: WO Mark und 20 Mark Trügerlohn,durch dieDost 400 Mark,auch bei Nicht- erscheinen einzelner Nummern infolge höherer (Bemalt - Fernsprech- Luschlüsse: ftirdieSchrist- kttung 112; für Nerlog und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger ftkfien.
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172. Zahrgcmg
Freitag, 15. Dezember (922
GießenerAnMger
General-Anzeiger für Oberhessen
Vrvck nnö Derlag: »rühl'sch« Univtrsttitr-Vuch- und Steinörudtrei B. Lange in Sieben. Schrifileitnng unö Seschöstrftelle: Schulftratz« 7.
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Die Rede Lord. Greys im englischen Oberhause.
London, 14. Dez. (WTB.) Grey führte gestern im Oberhaus u. a. aus: Wenn man erkläre, bah, solange England seine Schuld an die Vereinigten Staaten ^ahle, es nicht Me Schulden erlassen könne, die Ihm von den europäischen Alliierten geschuldet Mürben, so sei das sehr einleuchtend. England habe jedoch in Wirklichkeit mehr Interesse ba ran, politische Sicherheit und wirtschaftliche Wiederherstellung in Europa zu erzielen, als die Barzahlung der ihm geschuldeten Summen zu erlangen. (Hört! hört!) Zweifellos seien die Fragen der interalliierten Schulden und der Reparation so eng verbunden, bah eine Erlassung der interalliierten Schu'den von der Regelung der Reparationsfrage innerhalb der möglichen Grenzen abhängig gemacht werden könne. Einer der 5rohen Fehler bei Behandlung der Reparativns- frage war, bah der interalliierte Dankier- ausschuh, der in Paris zusammentrat, so entmutigt wurde, bah er sich vertagte. Er glaube, es war die französische Regierung, die dafür verantwortlich sei, bah dieser Ausschuh seine Arbeiten nicht fortsetzte. Wenn ein Fortschritt in der Frage der Regelung der Reparationsf -age gemacht werden solle, müsse die französische Regierung in Betracht ziehen, bah es wünschenswert wäre, einen nejien berartigen internationalen Dankierausschuh. in dem die Vereinigten Staaten vertreten wären, einzuberufen. Die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas könne nicht erreicht werden, wenn nicht eine gröbere politische Sicherheit geschaffen werbe. Er sehe die Entwicklung und Stärkung des Völkerbundes als das beste und einzig sichere Mittel zur Wiederherstellung des Friedens in Europa an. Es sei jedoch vollkommen klar, bah, wenn ber Völkerbund nicht umfassender werde. Europa wieder in zwei bewaffnete Lager geteilt würde. Der nächste und wichtigste Schritt sei, dah, wenn die Reparationsfrage geregelt sein werde, Deutschland sich bereit erklären solle, dem Völkerbünde beizutreten, und bah die anderen Mächte sich damit einverstanden ercklären. Zur Rüstungsfrage übergehend wies Grey darauf hin, bah der Washingtoner Vertrag axter von Frankreich noch von Italien ratifiziert würde. Wenn nach Erlassung der interalllterlen Schulden an England und nach Sicherung der nur zeitweiligen Regelung der Reparationsftage eines der Länder, deren Schulden von England erlassen wurden, beginnen sollte, Ausgaben für Rüstungen zu machen, so würde In England eine sehr scharfe Kritik laut werden. Selbst wenn Frankreich und Italien in der Lage wären, die Bezahlung der England geschuldeten Beträge morgen zu beginnen, so würde dennoch England ter verlieiende Teil sein, da dadurch dah es Geld erhält, die Wiederserileltung in Europa von dem augenblicklichen Zustand der politischen und wirtschaftlichen Rot verzögert wird. Wenn durch einen Verzicht, nicht auf tatsächliche Dnrzah.un- ?[en, sondern auf die Aussicht, eines Tages vieleicht eine Zahlung zu erhalten, Endland irgend etwas wesentliches tun könnte, um die Sicherheit des Friedens und die wirtschaftliche Wiederherstellung der Länder in Europa, die Abnehmer für englischen Handel sind, zu fördern, so würde England in riesigem Mabe der gewinnende Teil ftin. Wenn England daher die interalliierten Schulden erlassen solle, so müsse es, wenn auch nicht als unmittelbare Folge, so doch als mittelbare övlge das Gefühl haben, bah die Gefahren künftiger politischer Unruhen und wirtschaftlicher Rot in Europa wenigstens schr vermindert worden seren, und bah die Hindernisse, die gegen- wartrg ledem tatsächlichen Fortschritt entgegen- stehen, besertlgt seren.
Bebürfnis Frankreichs nachvicherHerten erllärte Grey, die Richtannahme des französisch-englischen und des französisch-amerikanischen Vertrages, in dem festgesetzt war, bah rm Falle eines d e u t s ch e n A n - grifft auf Frankreich das britische Reich und die Bereinigten Staaten Frankreichs it ihrer ganzen Macht unterstützen würden, feb-auf^rft verhängnisvoll geworden und habe dem Frieden den Boden eingeschlagen. Das Verschwinden dieser beiden Verträge sei zum groben Teil für bie Erscheinung verantwortlich bie als »aggressiver Geist in Frankreich" tezeichnet werde. Er, Grey, glaube, bah diese Verträge nicht mehr aufleben konnten, er glaube aber nicht, bah die scharfen Massnahmen, die Frankreich im Sinne habe, Geld zutage fördern würden, viel eher würden sie den Zusammenbruch Deutschlands und damtt eine Katastrophe für bie Welt herbeiführen. Grey erklärte weiter: Ich glaube nicht, bah bie Sicherheit auf diese Weise erzielt werden rann, ich glaube nicht, bah eine Ration ihre Sicherheit auf bie Dauer erhöht, wie sicher sje sich auch für den Augenblick fühlt, indem sie grohe Gebietsteile beseht, bie von einem anderen Volke bewohnt sind Ich halte es für verhängnisvoll, bah die Konferenz, die im Januar wieder ?u,l9CPit)mrnc^ to^ben soll, zu Maßnahmen führen soll, die nach meiner Ansicht nicht die wirklichen Reparationen fordern, und wie ich glaube, bie politischen Unruhen Europas verstärken würden, statt die wirtschaftliche Wiederherstellung zu unter- stühen.
,. ord Sa lisburh erklärte, jedermann, der die Rede Greys gehört habe oder lesen werbe, werde erkennen, bah Grey als überzeugter und grober Freund Frankreichs gesprochm habe Er hoffe, bah. ti>?nn bie französische Staatsmänner die Rebe lesen und erkennen, bah sie von einem groben Frc-unb komme, sie ben Rat beherzigen werden, ben er in fo fremidscchrftlichem Geiste
gebe. Die Politik der Regierung sei eine Vermehrung der Stabilität und des Vertrauens in der ganzen Welt. Er sehe es als sehr wesentlich an, bah bie engen Beziehungen, die gegertoärtig zwischen England, Frankreich und Italien herrschen, aufrechterhalten werden. Die Regierung hoffe zuversichtlich, bah, wenn die Konferenz arte- ber zusammentrete, Vorschläge erzielt werden, die im Interesse der französischen Regierung seien und ihre Zustimmung finden werden.
Amerikanische Vermittlungs- Vorschläge ?
London, 14. Dez. (Wolfs.) Die .^Times" meldet aus Washington vom 13. Dezember: Das Weihe HauS lieh gestern mitteilen, bah die amerikanische Regierung alles Mögliche tue, um eine befriedigende Lösung der Schwierigkeiten in Europa zustande- dubringen. Präsident Harding wünsche darauf hinzuweisen, bah seine Regierung sich nicht untätig verhalte. Er habe weiter mitgeteilt, dahvordem 2. IanuarnächstenIah- reS bie nötigen biplomatischen Schritte getan sein würben, um bie englische, bie französische und die anderen beteiligten Regierungen über die Haltung der Bereinigten Staaten zu verständigen. Dcps Weihe Haus und das Staatsdepartemeirt wollten vorläufig lediglich diese allgemein« Erklärung abgeben. Sie hielten die Lage für so heikel, daß die größte Zurückhaltung notwen^» big sei.
Reuyvrk, 14. Dez. (WTB.) Fnnkfprucj > Die »Renyork World" meldet aus Washington: Ueber ben Gegenstand ber Unterrebung, welche Morgan am Mittwoch gelegentlich eini .'s Besuches im Staatsdepartement hott e, ist keine Information zu erhalten. Angesichts b<>r Erklärungen aber, die Morgan in Paris abgegeben hat, findet bie Vermutung Glauben, bah Amerika nach einer Grundlage für elr en Vorschlag über eine Anleihe Deuts »h- lands sucht, den eS ber Konferenz der Premierminister im 3anuar vv.p- legen will.
Die Reu York Times" meldet aus Waschjhrg- fon, bah Brmar Pan** Wunsch bk Repn'-ntivxs- frage mit einiger Aussicht auf eine endgültige Lösung zu erledigen, mit den Ansichten Eier Regierung Hardings überein ft imine, o>elche von Anfang an sich ben Wilsonsc-hcm Standpunkt angeeignet habe, bah die Reparationen auf ber Grundlage der Zahlungsfähigkeit Deutschlands endgültig festgesetzt inerten sollten. Aus Regierungskreisen verlautet, bah ter Einfluh ber amerikanischen Regierung, auf jede ihr zulässig erscheinende Weise weiterht.i in ter Richtung eines Ausgleichs ber Ansichten in ber Reparationsfrage geltend gemacht wirb..
Die Haltung
der deutschen Industrie.
Berlin, 14. Dez. (WTB.) In ter heutigen Sitzung des vorläufigen Reichswirtschafts,. ites gab vor Eintritt in die Tagesordnung ter Vorstand des Reichsverbantes ber deutschen Industrie Dr.-Ing. Sorge folgende Erklärung ab: „Ich ergreife die Gelegenheit, hier im Plenum des Reichswirtschaftsrates gegenüber den wirren Zeitungsnachrichten über die Stellung der Industrie zur Regierung festzustellen, was diesen Gerüchten an Tatsachen zugrunde liegt. Die Rachiicht über einen von mir nachgeL achten bzw. ausgeführten Besuch beim Reichskanzl er ist unrichtig. Ebenso sind bie Einzelheiten ber rmgeb- lichen Unterhaltung, die gelegentlich dieser Besuches fiattgefunten haben soll, nicht oder inenig- stens nur zum geringen Teile zutreffend. Eine Unterredung zwischen dem Reichskanzler ui ;b mir fand gelegentlich ter ersten Plenarsitzun,; des Reichswirtschaftsrates vorgestern hier statt. In dieser Unterredung wurde auch die befanrj e erste Rotiz angeschnitten. Ich erllärte, bah ber ?Leichs- terbanb ber deutschen Industrie dieser Rotiz vollkommen fernstehe und fügte hinzu, teih ter Reichsverband es für seine Pflicht halte, bie Regierung in der jetzigen schweren Lage TteUsch- landS zu unterstützen. Die Industrie sei auch bereit, an jeder Lösung, die eine dauernde Gesundung der politischen und wirtschaftlichen 1s'»erhält- nisse Deutschlands verspricht, mitzuwirkim. Ich halte mich verpflichtet, diese Erllärung fiter ab- Zugeben, weil ich die Gerüchte, welche ein e Dissonanz zwischen der Regierung und ber 5 fnbuftrie konstruieren wollen, nicht nur für vei terblich, sondern geradezu für ein Verbrechen am Dater- lante halte. (Lebhafter Beifall.)
Die Lausanner Konferenz. Eine Entspannung.
L a u s a n n e, 14. Dez. (Wolff.) 'S He Erste Kommission ist heute vormittag 10 Uh r 30 zu- fammengetreten, um bie Diskussion über bie Minderheitenfrage fortzusetze.n. Ismet Pascha beantwortete Punkt scjr Punkt bie Erllärung von Lorb Curzon in bur gestti- gen Sitzung. Er legte bar, bah bie Stellung ber Türkei in der Minderheitensrcv;e burch ben nationalen Pall festgelegt sei. Loi:b Curzon betonte in seiner kurzen Antwort ben versöhnlichenGeist, von dem ?jie Worte OSmet Paschas getragen seien, und > rntersttich besonders die Absicht der türkischen 2 Regierung, die von OSmet Pascha zum AuSdrui k gebracht
I wurde, bah sie, sobald der Frieden abgeschlossen sei, den Einttitt in den Völkerbund nachsuchen werde. Darröre und Garvni gaben der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeiten in der Unterkommission von Erfolg gellönt fein । möchten.
Die Unterkommission beginnt ihre Sitzung morgen, Freitag vormittag. Rach einer persönlichen Aussprache zwischen Lord Curzon und Ismet Pascha scheint festzustehen, bah ber Lösung ber Minderheitenfrage keine großen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen und dah man bald zu einer Einigung kommen wird.
Der Weltfriedenskongreß.
Haag, 14. Dez. (Wolff.) In der gestrigen Rachmittagssihung des Weltfriedenskongresses hielt Wels- Deutschland eine längere Rete, in ter er unter anderem ausführte, das deutsche Volk habe sich bei ter Annahme des Waffenstillstandes auf Grund ter 14 Punkte Wilsons nicht träumen lassen, wie ungerecht die Frie- tensbebingungen ausfallen würden. Gegen alle früheren Zusagen werte die junge deutsche Demokratie dauernd auf die Folter gespannt. Die deutsche Arbeiterklasse sei demokratisch und friedlich gesinnt, und die gröhten Feinte ter deutschen Demokratie seien nicht tmier» halb Deutschlands zu suchen. Es seien vielmehr die Hetzer vom Schlage Poincarös. Die deutsche Arbeiterllasse sei bereit, bei der Wiederherstellung des Friedenszustandes soweit als möglich zu helfen. Schliehlich protestierte Wels gegen eine weitere Besetzung deutschen Gebietes unb gegen die Art und Weise, wie in London und Lausanne die deutschen Interessen als Tauschmtttel benutzt werten.
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Die Führung der Reichswehr.
Berlin, 14. Dez. (WTB.) Der Vertreter des Reichswehrministeriums teilte mit: Vom 1. Januar 1923 ab sind u. a. folgende Personalveränderungen zu verzeichnen: General ter Artillerie v. Behren d, bisher Oberbefehlshaber ter Gruppe 2 (Kassel) wurde zum Oberbefehlshaber der Gruppe 1 (Berlin) ernannt. An seine Stelle tritt General ter Infanterie Ritter von M o e h l (Bayern). An dessen Stelle tritt General v. Lossow, bish«: Kommandeur ter Infanterieschule in München und an dessen Stelle Generalmajor Lindemann.
Das Urteil im Prozeh Harden.
Berlin, 14. Dez. (WTB.) Im Prozeh Haiden lautete nach mehr als vierstündigen Beratungen ter Wahrspruch der Geschworenen für beide Angeklagte auf Beihil f e zur Körperverletzung. Dem Angeklagten W e i ch a r d t wurden mildernde Umstände zu- gebilligt, dem Angeklagten G e n z dagegen nicht. Der Staatsanwalt beantragte darauf für Wei- chardt zwei Jahre elf Monate Gefängnis, für ©cenADier Jahre elf Monate Gefängnis, wovon vier Monate für die Untersuchungshaft angerechnet werten sollen. Der Staatsanwalt begründete diese Strafe damit, bah die Tat hart an versuchten Meuchelmord streife.
Das Urteil lautet bet dem Angeklagten Genz wegen Beihilfe zur Körperverletzung auf vier Jahre neun Monate Gefängnis, gegen Wei chardt wegen Deihllse zur Körperverletzung auf zwei Havre neun Monate Gefängnis. Beiten Angellagten werden zwei Monate Untersuchungshaft angerechnet. Die Angellagten erflärten, sich bei dem Urteil beruhigen zu wollen.
Aus dem Reiche.
Das Arbeitszeilgesetz.
Berlin, 14. Dez. (WTB ) Der vorläufige Reichswirtschaftsrat stimmte dem Arbeitgeberantrag auf Richteinkerechnung ber Arbeitsbereit fchaft in bie Arbeitszeit mit 102 gegen 100 Stimmen zu. Die Mehrbeschäftigung ter Lehrlinge wurde mit 103 gegen 97 Stimmen ebenfalls beschlossen. Damit sinb die grundlegenden Paragraphen des Arbetts-- zeitgesehes im Sinne ber Arbeitgeber beschlossen worden.
Hessischer Landtag.
37. Sitzung. Donnerstag, 14. Dez. 1922.
Präsident Adelung eröffnet bie Sitzung 9.40 Uhr mit ter Mitteilung, bah Abg. Müller (Db.) infolge Wohnsihwechsels und beruflicher Inanspruchnahme fein Amt als Vizepräsident zur Verfügung stellt. Für morgen wirb die Reu- Wahl eines Vizepräsidenten auf die Tagesordnung gesetzt.
Den Antrag ber Abg. Birnbaum zu Kap. 54 des Staatsvoranschlags, die Einstellung von Lehrerinnen st eilen als Beraterin bes Leiters an den Mädchenschulen bett., beantragt ter Ausschuh abzulehnen. Abg. Birnbaum (D. Vp.) und Ha t tem er (Dtn.) treten für verstärkten weiblichen Einfluh an allen Mädchenschulen ein und bitten, den Antrag nicht abzulehnen, sondern gemäh ber bereits münteich erfolgten Zusage der Regierung höchstens für erledigt zu erklären. Abg. Reiber (Dem.) fordert weitergehend die Ernennung weiblicher Schulleiter. Abg. Kaul (Soz.) bätt den Antrag für überflüssig, da das Vvllsschulgesetz einen Unter
schied zwischen weiblichen und männlichen Lehr- träften überhaupt nicht kenne. Der Antrag teS Ausschusses wird abgelehnt; ter Antrag Birnbaum wird einstimmig angenommen.
Den Antrag ter Abg. Birnbaum, Hattcmer und Steinhäuser, die weibliche Fortbildungsschule bett., beantragt ter Ausschuh für erledigt zu erklären, da er von Irrigen Voraussetzungen ausgehe. Abg. Hattemer (Ztr.) wendet sich gegen diese Auffassung der Regierung. Der Antrag des Ausschusses wird gegen drei Stimmen angenommen.
Die Vorstellung des Rechtsanwalts Dr. Otto Pflaum zu München als Vertreter tes Prof Koh- mann (des bekannten Herausgebers ter "Süddeutschen Monatshefte") in München, Zustimmung zur Strafverfolgung des Landtagsabgeordneten Kaul betreffend, beantragt ter Ausschuh aus prinzipiellen Grünten abzulehnen. — Abg. Kindt (Dtn.) macht darauf aufmerksam, wie unhaltbar dieser Brauch sei. ter es Abgeordneten gestatte, als Redakteure periodisch erscheinender politischer Druckschriften andere Personen zu beleidigen, ohne bah sic dafür xur Verantwortung gezogen roerten können. Ein teutschnationaler Antrag, ter diesem Mihstand vorbeugen wolle, fei bei ter letzten Sitzungsperiode abgelehnt Worten. Und doch müsse einmal diese üble Erscheinung bejwitigt werden. — Der Antrag des Ausschusses.wird angenommen.
Es stehen weiter auf ter Tagesordnung eine Reihe von Anfragen, auf die schriftliche Regie- rungsantwvrten erteilt find. Eine Besprechung wird von dem Abg. Ebner (Kom.) bei dem Antrag Rink und Ebner, die Aushebung der Zwangswirtschaft betreffend, beantragt und in einer längeren Rete entwickelt er ein kommunistisches Wirlschaftsprvgrainm und schli cht mit ter Hoffnung auf einen baldigen Sieg des revolutionären Proletariats. — Zu ter Anfrage Jost und Stein, die Getreideumlage betreffend, schildert Abg. Host (Bb.) die Verhältnisse, die durch die Mihernte in diesem Jahr in dem oberen Vogelsberg entstanden fei. Q3ei dem ungünstigen Verhältnis von Acker und Wiefen fei die Belastung für bie kleineren Besitzer (bis zu 25 Morgen) unerträglich. Erschwerend kämen die bedeutend günfligeien Verhältnisse im benachbarten Preuhen in Betracht. Wenn vom Reich das Umlagesoll ermäßigt werde, solle man doch in erster Linie die Besitzer im hohen Vogelsberg berücksichtigen.
Den Antrag der Abgg. Glaser und Genossen, Verwendung des im Staatsvorcinfchöag vorgesehenen Ausgleich st ocks tetr., beantragt ter Ausschuh einstimmig ter Regierung als Material für die bevorstehende Aenterung des Lan- tessteuergefehes zu Überwelfen.
Abg. Glaser (Db.): Bei ter Verteilung bet Mittel aus dem Ausgleichsstock werte das flache Land gegenüber ben groben Städten benachteiligt. Das düffe nicht so weiter gehen. Der Ausschmhantrag wird einstimmig angenommen.
Der Antrag des Abg. Reumann, die Einrichtung von lokalen Abteilungen für Lungentuberkulose im 3. Stadium in Krankenhäusern bett, wird gemäh Ausschuh-' antrag angenommen. — Den Antrag ter Abgg. Ebner und Rink, Gesetz über den Austritt aus ter Kirche und zwei in gleicher Weise sich be=» tregente Anträge ber Abgg. Kiel und Schaub werten ter Regierung als Material überwiesen, nachdem Abg. Kiel (So;.) beantragt hat, die De Währungsfrist bei Kirchenaustritten aufzuheben. — Den Antrag Rink und Ebner, die unentgeltliche Schulspeisung für alle Kinder tetr., beantragt ter Ausschuh abzulehnen, da die Schulspeisung Ausgabe der Gemeinden fei und von diesen bereits für Minderbemittelte durchgefüHrt fei. Abg. Roth (Komm.) schildert die Rot ter Kinder. Für die Glocken der katholischen Kirche habe man Geld, aber für die Kinder nicht, das sei kennzeich"end für den Geist, ter hier herrsche. Abg Hattemer (Zentt.): Es sei schon viel gescheHen auf dem Gebiet der Kinderspeisimg, ater alle Kinder zu speisen, sei doch ein Unding. Abg. Reiber «Dem ) schlieht sich dem an. Wer gegen ben Antrag sei, fei absolut nicht gegen jede Kinberspeisung. Abg. Engelmann (Soz.): Der Antrag renne offene Türen ein. — Rach längerer Debatte wird ter Antrag an den Ausschuh zurückverwiesen.
Auf Antrag des ersten Ausschusses werten die Tagegelder vom 1. Dezember 1922 auf 1400 Mb für die hiesigen und 2000 Mk. für bie auswärtigen Mitglieder des Hauses erhöht. Die Uebernachtungsgebühr wird auf 2000 Mark festgesetzt.
Abg. Ebner (Komm.) fordert eine Pauschalsumme statt ter Tagessätze. Zur Zeit sei es fast nur Beamten möglich, ein Mandat auszuüben. Der Redner regt an, die Landtagssitzungen auf den Abend zu verlegen. Damit sei allen geholfen.
Die Anträge des Abg. Ruh, die Gerichtsreferendare tetr., und ter Abgg. Wünzer und Dingeldeh, Anrechimng ter Kriegsdienstzeit auf ten Vorbereitungsdienst der Referendare tetr., empfiehlt ter Ausschuh anzunehmen. Danach ist die gesamte Kriegs- dienstzeit von ter Vorbereitungszeit in Abzug zu bringen. Das Haus stimmt zu. Der Antrag Hattemer u. Gen., die Besoldung ter Referendare tetr., wird durch die Regierungsantwort für er- ledig t erklärt.
Rach Artikel 32 ter Geschäftsordnung wird ehre Reihe von dem Finanzausschuh einstimmig angenommener Regierungsvorlagen zur Kenntnis des Landtags gebracht, darunter die Bewilligung von 35 Millionen staatlichen Zuschusses zu der Rothilfe Hessen. — Abg. Ebner (Komm.) protestiert gegen die Anwen- buna teS Art. 32. — Präsident Adelung axift


