Ausgabe 
15.11.1922
 
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püllttk verfvig«, gegen We Einheit deS Reiches handele oder sich auf reaktionären Wegen bewegen wolle. Der Redner verlangte Auskunft vom Mi­nisterpräsidenten darüber, was er gegenüber den verhetzenden Dorgängen gegen die Sozialdemo­kratie au tun gedenke und gegenüber der offenen Aufforderung zur Gewalt, wie sie in einem Artikel imHeimatland" zum Ausdruck gekommen sei.

Die Kosten der Lebenshaltung in Oesterreich.

Wien, 14. Nov. (WTB.) Die paritätische Lohnkommissivn äußerte sich dahin, daß vom 15. Oktober bis 14. November die Kosten der Lebenshaltung sich um sechs Prozent ver­ringerten.

Die Memoiren Lloyd Georges.

Frankfurt a. M., 14 Rov. (WTB.) Die voraussichllich im Frühjahr erscheinenden Me­moiren Lloyd Georges werden gleich­zeitig in deutscher Sprache hevauSgegeben. Die Frankfurter Sozietäts-Druckerei hat soeben das Recht der Veröffentlichung in bnitscher Sprache für ben Dorabdruck in der »Frankfurter Bettung1 wie für die Duchausgabe erworben.

Ans Danzig.

Danzig, 14. Rov. (WTB) 3m Laufe der auf Anregung des Oberiommissars des Dölker- bundes, General Hak in g, zwischen Dertretern Danzigs und Polens eingeleiteten Derhandlungen über die Frage der Ein- und Ausfuhrkontingente erklärte der Danziger Senator Iewelowski sich be­reit, zur Dehebung der Streitfrage direkt mit dem Handelsministerium in Warschau zu verhandeln, und zu diesem Zwecke nach Warschau zu fahren. Dem von Danziger Seite geäußerten Wunsche, von alten Zwangsmaßnahmen hinsichtlich der von der Danziger Außenhandelsslelle ausgestellten Scheine n^ufe^en, erklärte der diplomatische Dertreter «ölens nicht entsprechen zu können, da das War­schauer Ministerium sich seine Entscheidung Vor­behalten habe. Er erklärte sich jedoch bereit, den Wunsch nach Warschau sofort weiter zu leiten.

ihn schwere Schäden für das Danziger Wirt­schaftsleben zu verhüten, hat nunmehr der Senat beim Oberkommissar des DölkerbundeS einen An­trag eingereicht, zu entscheiden, daß Polen nicht berechtigt sei, Zwangsmaßnahmen hinsichtlich der Ein- und Ausfuhr gegenüber Danzig anzuordnen.

Erhöhung der Kohlenpreise.

Berlin, 14. Rov. (WTB.) Die in den letzten Tagen bewilligten Lohnerhöhungen und die noch in weit stärkerem Maße gestiegenen Ma­terial- und Grubenholzpreise pabcn neue E r- Höhungen der Kohlenpreise veranlaßt. Diese steigern sich nach dem heutigen Beschluß der Organe der Kohlenwirtschaft wie folgt:

Für das Ruhrrevier (Fettförderkohle) um 3971 Mark, Riederschlesien (durchschnittlich) um 4128 Mark, für Sachsen um 4841 Mark, für Aachen-Eschweiler um 4439 Mark, für Aachen- Rordsiern um 5265 Mark, für Nieder sachfen- 3bbenbüren um 4524 Mark, für Riedersachsen- Barsinghausen um 4914 Mark. Rheinische Braun­kohle-Rohkohle um 669 Mark, Briketts um 2347 Mark. Für die mitteldeutschen Draunkvhlew- reviere konnte die Erhöhung ziffernmäßig noch nicht fest gestellt werden, da die Berechnung ab­hängig ist von dem Ergebnis des am Mittwoch zu fällenden Lohnschiedsspruch. Der Reichslohlen- verband wurde ermächtigt, auch für das mittel- . deutsche Regier eine den Lohn- und Material- iätzen entsprechmde Preiserhöhung vor^rnehmen. Die Beschlüsse erfolgten nach eingehender Aus­sprache einstimmig. Rur gegen das Ausmaß der Preiserhöhung im Ruhrrevier stimmten die Der- trcter d r Konsumgenos enscha,ten unter Hinweis auf die Materialzufchläge und die untragbar hohe stöhlen st euer. 2mch wurden in der Aussprache Ziffern darüber beigebracht, daß in den letzten Monaten die Materral- bzw. Großhandelspreise in erheblich stärkerem Maße gestiegen sind, als der Lebenshaltungsinder bzw. Löhne- und Koh­lensteuer. Die Preiserhöhungen gelten ab 16. No­vember und schli.ßen eine Derdoppelung der Bei­träge für die Bergarbeiterheimstätten von 36 auf 72 Mark je Tonne abgesetzter Kohle ein.. Zu den obengenannten Sähen treten die üblichen Steuern iurd Abgaben hinzu.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 15. Rovember 1922.

Eine Landesversorgnugsftellc für Zuckerverteilung, Milch- und Butter- bcwirtschaftnng

ist auf Anordnung des Hessischen ArbeitS- und Wrrlfchaftsministeriums für den Dolksstaat Hessen mit dem Sitz in Darmstadt errichtet worden. Diese Dersorgungsstelle hat nach den Anweisungen der Ministerialabteilung für Ernährung und Land­wirtschaft die dem Lande nach Maßgabe der Reichsverordnung über den Dertehr mit Zucker im Betriebsjahre 1922 23 überwiesenen Zucker­mengen zur Verteil ung zu bringen. Auch werden dieser Stelle die der Landes-Milch- und Fettstelle zustehenden Rechte und Befugnisse über­tragen, und es können ihr auch noch wettere Tätig­keitsgebiete überwiesen werden. Der Vorsitzende wird durch die Ministerialabteilung für Ernährung und Landwirtschaft ermannt. Der Vorsitzende,bzw. der ernannte Stellvertreter, sind die gesetzlichen Vertreter der Landesversorgungsstelle. Für die Zuckerbewirtschaftung wird em Beirat ernannt, der aus je einem Vertreter des Zucker- großhandels, des Kleinhandels, der Verbraucherschaft und der Landwirt­schaft besteht. Diese Beiratsmitglieder werden mit je einem Stellvertreter nach Anhörung der Interessenvertretungen durch die Ministerialobtei- lung für Ernährung und Landwirtschaft ernannt. Zu den Sitzungen des Beirats Edith en auch Sach­verständige zugezogen werden. Bei den Beratun­gen aus anderen Gebieten können auch hierzu s a ch- ver ständige Verbraucher, Landwirte usw. zugezogen werden.

Frankreichs Ziele im Rheinland.

3m großen Hörsaal der ilniversität eröffnete gestern abend der Verein für das Deutsch­tum im Au s la n d e die Veranstaltungen des Winters mit einem sehr gut besuchten Vortrag über Frankreichs Ziele im Rheinland. Als Redner war Dr. Pehold au3 Köln ge­wonnen, der sich auch hier als trefflicher Kenner der politischen Lage Im besetzten Gebiet erwies.

Rach einleitenden, herzlichen Begrüßungs- Worten des Vorsitzenden Prof. Dr. Z y ch a wies Dr. Petzold fein daraus hin, daß der 11. Ro­vember heute und künftig als der schwarze Tag des deutschen Schicksals gelten.fe. Ai diesem Tage' begann vor 4 Jahren die Auslösung des Deutschen Reiches, indem Frankreichs Truppen Elsaß-Lothringen zu Erb und Eigen, das übrige Land am linken Rheinufer zu scheinbar vorüber­gehender Besetzung erhielten. Vor 4 Tagen schmet­terten die gallischsn Hörner den Deutschen dort drüben die traurige Wahrheit wieder ins Ohr, daß dieser 11. November derSiegestag" sei, an dem Frankreichs Vorherrschaft auf dem ganzen Kontinent begründet wurde.

Zum Beweis führte der Vortragende in über­sichtlicher Gruppierung an, unter westh furchtbarer, schwerer wirtschaftlicher, kultureller und rechtlicher ihiterbrüching unsere Volksgenossen in Rhein­hessen, Pfalz und Rbeinprovinz leben, wie sich Frankreich vom Kehl bis hinunter ryicß Duisburg auch auff dem rechten RheinuferBrückenköpfe" schuf und wie schließlich auf der Basis der Rhein­linie die Einkreisung Deutschlands immer enger wird. Polen und die Tschechoslowakei vor allem sind ja nur Hilfstruppen des französischen 3mpe» rialismus und warten nur auf das Zeichen von Paris, sich auch ihrerseits neue Stücke aus dem absterbenden Deutschland herauszuschneiden. Wie in allen Zeiten deutscher Geschichte findet aber auch jetzt wieder Frankreich die besten Helfer in deut­schen Parteigruppen, die ihren Sondervorteil in der Not der Allgemeinheit wahrzunehmen hofften.

Alle Gebiete unseres politischen Lebens streifte der Redner und wußte zu zeigen, wie in jedem einzelnen Punkte ein Verlust des Rheinlandes, sei es als neutraler Staattm Rahmen und Verbände des Reichs", sei es in anderer Form, zugleich einen Zusammenbruch des Reiches be­deuten würde. V/2 Milliarden Gvldmark und 14-/2 Milliarden Papiermark betrugen ja, wie er beiläufig nur streifte, die sogenannten Desahungs- kosten allein bis 1. April 1922 schon, und noch ist kein Ende dieser unproduktiven Ausgaben ab­zusehen.

Tief erschüttert und in bangster Sorge hatten die Zuhörer den Saal verlassen müssen, hätte Dr. Pehold nicht zum Schluß zuversichtliche Worte gefunden, die über die Not deS Alltags auf die Höhe deutscher Geschichte zurückwiesen. Den Verein für das Deutschtum im Ausland darf man zur Wahl deS trefflichen Redners, wie des Themas ehrlich beglückwünschen und ihm weitere Erfolge wünschen.

Aus dem Reiche.

Die Rot der deutschen Redakteure und Schriftsteller.

Berlin, 14. Rov. (Wolff.) Dem Reichs­präsidenten sind, wie bereits mitgeteilt worden ift, durch Vermittlung des deutschen Gesandten in Bern, Dr Adolf Müller, durch die schweizerisch- deutsche Hilsskommission 2 5 M i l l i 0 n e nM ark zur Linderung der Rot der deutschen Re­dakteure, Journalisten und Schrift- st e l l e r überwiesen worden. Der Reichspräsident hat nach Verständigung mit den Interessenvertre- tungen des deutschen Schrifttums die Spende an die Zentralorganisationen des deutschen Schrift­tums verteilt, die in der sozialen Fürsorge für Redakteure, Journalisten und Schriftsteller eine ihrer Hauptaufgaben sehen. Ein kleinerer Teil der Spende ist für die Zwecke der in der Gründung begriffenen Notgemeinschaft der deutschen Kunst, Abteilung Schrifttum, unb für besondere Fälle einstweilen zurückbchaften worden; er soll dazu dienen, auch der kulturellen Notlage des deutschen Schrifttums nach Möglichkeit abzuhelfen.

Billiger südwestafrikanisches Trocken» falzfleifch.

Berlin, 14. Nov. (WTB.) Eine Berliner Firma hat die Einfuhr von südwe st afrika­nischem Trockensalzsleisch durchg-führt und dadurch sowohl der minderbemittelten Bevöl- ferung insbesondere dem notleidenden Mittel­stände eine verhältnismäßig billige Fleischbelie­ferung alS auch gleichzeitig den deutschen Farmern in Sudwestafrika ein Absatzgebiet geschaffen. Der infolge der Einfachhett des ganzen Herstellungs­verfahrens billige Preis beträgt gegenwärtig 160 Mark für das Pfund und dürfte beim Nachlassen des Dollarkurses automatisch weiter zurüc^ehen. DaS Fleisch bietet die Möglichkeit monatelanger Aufbewahrung und gelangt bereits in Stücken von -4 Pfund zum Derkauf.

** Der Wahlkampf zur Stadt­verordnetenwahl ist nun, wenige Tage vor dem Wahltermin, auch in unserer Staat eröffnet worden. Der Wahlausschuß der Ber­einigtenBürgerlifte ist es, der sich heute in unserem Anzeigenteil als erster mit einem Aufruf an die Einwohnerschaft wen­det. Er weist in seiner Kundgebung warnend auf die geschlossene Front der Sozialdemokra­tie hin, beklagt das Sondermarschieren der Demokraten und des Zentrums und wendet sich schließlich mit einem Appell an die Handwer­ker, Gewerbetreibenden, Kaufleute, Angestell­ten, Beamten, Kleinrentner, Ruheständler und Arbeiter.

"DieLlmlaufSzeitdesNvtgelbeS derProvinzOberhessen. Der Provinzial­direktor der Provinz Oberhessen gibt im neuesten Amtsverkündigungsblatt bekannt, daß die 11m- laufszett des von der Provinz Oberhessen aus­gegebenen Notgeldes mit Zustimmung des Reichs- Ministers der Finanzen und der hessischen Landes­behörden über den 1. Dezember hinaus verlängert worden ist. Die auf den Notgeld­scheinen vermerkte Gültigkeitsdauer ist damit hin­fällig geworden. Heber die Einlösungsfrist erfolgt eine weitere Bekanntmachung.

** Zuckerkarten-AuSgabe. 3m Anzeigenteil unseres heutigen Blattes ver­öffentlicht das Lebensmittelamt eine Bekannt­machung über die Ausgabe der Zuckerkarten. Die Hausfrauen mögen die Veröffentlichung genau beachten.

** Die Kreis st raße Gießen Lollar, die wegen der Vornahme von Walzarbeiten seit dem 11. September gesperrt war, ist jetzt für den Verkehr wieder freigege­ben worden.

* Zur Bekämpfung der Gratis­reklame. Der Verein Berliner Zeitungsver­leger hat bestimmte, früher schon ausgestellte Richtlinien zur Bekämpfung der Gratisreklams in den Zeiiu.igen erneut in Erinnerung ge­bracht, deren Einhaltung angesichts der schwe­ren Not der Presse letzt überall unbedingt notwendig ist. 3n den Richtlinien heißt es u. a.: Die Aufnahme jeder dem redaktionellen Teil zur Veröffentlichung übersandten Notiz, die nach Form. Inhalt ober Zweck einen Anzeigenauftrag darstellt, aber dazu dienen soll, eine Anzeige zu ersehen, ist unbedingt abzulehnen. In den Ar- tileln des redaktionellen Teiles ist grundsätzlich alles zu streichen, was in den Anzeigenteil ge­hört. Für alle Anzeigenaufträge, auch für solche, welche sogenannte wohltätige Zwecke betreffen, ist Bezahlung zu beanspruchen. Rellamenotizen im redaktionellen Teil werden nur in Verbindung mit einer in der gleichen Nummer erscheirrenden Anzeige gebracht."

** Eine Warnung für Zeitungs­marder. Seitdem das Abonnement teurer ge­worden ist, 'gibt es viele Zeitungsfreunde, Die ihre Anhänglichkeit an das gewohnte Blatt da­durch zum Ausdruck bringen, daß sie nach Ein­treffen der Trägerin das Blatt, das zwar andere abonniert und bezahlt haben, einfach von der Treppe weg oder, wenn es noch aus dem Brief­kasten oder unter der Korridortüre hervorlugt, sich rasch aneignen. Diese Schnellentschlossenen dürfte es interessieren, daß hier genau so, wie bei der Entwendung irgendeines anderen Gegen- standes ein Diebstahl vorliezt oder, falls (z. B. in Wirtschaften) etwas heran ^geschnitten wird, eine Sachbeschädigung. Wenn ein Abonnent zur Anzeige schreitet, ist eine gerichtliche Bestrafung zu gewärtigen. Darum die Finger weg von andrer Leute Eigentum!

"DasAusschmückenvon Zügen, wie es vielfach bei Sonderfahrten, insbesondere zu sportlichen und politischen Veranstaltungen zur ilebung geworden ist, ist fortan im Reichsbahn­gebiet grundsätzlich untersagt. Durch Streifen der Schmuckgegenstände an Hochspannungsleitungen und Gegenzügen können leicht Betriebsgefähr- bungen und Verletzungen hervorgerufen werden: Fahnen, Flaggen und Plakate können irrtümlich als Signale aufgefaßt werden und Betriebs­störungen verursachen. Außerdem werden die Wagen in den meisten Fällen beschädigt, und über­dies entstehen der Eiseabahnverwaltung durch die Beseitigung des Schmucks unnötige Kosten. Auch das 'Beschreiben der Wagenwärrde mit Kreide ist verboten.

* Der Verein ehemaliger 116er Gießen hat in seiner jüngsten Generalversamm­lung beschlossen, die Sterbebeihllse an die Hinter­bliebenen verstorbener Kameraden mit sofortiger Wirkung auf 1500 Mark zu erhöhen.

** Der Dezirksverein Gießen des Bundes der Hotel-Restaurant- und Cafs-Ange st eilten Deutschlands ver­anstaltete gestern abend in Schwabs Felsenletter nach mehrjähriger Pause wieder einmal ein W i n» ter vergnügen, zu dem sich auch Vertreter des Gastwirievereins, ferner des Nachbarvereins Marburg und des Zentralverbandes Gießen zahl­reich eingefunben hatten. Der Vorsitzende Schaff­rath begrüßte die Tettnehmer mit einer An­sprache, tne den Ernst der Zett auch für das Gast­wirtsgewerbe streifte und das Streben nach Ein­mütigkeit hervorhob, mit der alle Beteil glen Hand in Hand vorgehen müßten. Zwischen Konzert und Tanz fanben sodann erheiternde Vorträge zweier Künstler des Stadtlheaters, des Herrn Goll und des Frl. Türk, sowie stimmungsvolle Tanzdar­bietungen von Tanzlehrer D ä u l k e und Fräulein Schmidt statt, beren Roccoco- und steyrischen Tänze viel Beifall fanden. Spannung und Freude bereitete zuletzt eine reichausgestattete Tombola. Die Räumlichkeiten des Felsenkellers reichten ge­rade aus, um dem fröhlichen Fest in rechter Weise Leben unb Bewegung zu geben.

** 200 Prozent Aufschlag auf die bisherigen Schuhmacherpreise treten nach einem Beschluß der Schuhmacher- Zwangsinnung heute in Kraft. Man beachte die Anzeige in unserem heutigen Blatte.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 7 üfjr:Des Meeres und der Liebe Wellen". - Physikalisches Institut, 5-7 Lihr: Dortrag über Brennstoffe und Berbrennungs- kunde. Hörsaal des Zoologischen Instituts, 8'/., Llhr: Hauptversammlung der Oberh. Gesell­schaft für Natur- und Heilbunde. Lichtspiel­haus, Dahnhofstr.:Die Ehe der Fürstin Demi- boff". Palast-Lichtspiele:Die Konfektions­puppe" undThemis".

Sie Deutsche Demokratische Partei hält am Donnerstagabend imPost- keller" eine Mitgliederversammlung ab. (Siehe Anzeige.)

DerMänner-Turnverern hält am nächsten Samstag in der Turnhalle (Stein­straße) fein diesjähriges W i n te rfe st ab. (Siehe Anzeige im gestrigen Blatte.)

Wettervoraussage

für Donnerstag:

Vorläufig Fortdauer deS bestehenden Wetters, bunftig, noch trocken, milder.

Durch das feit einiger Zeit im Norden stehende Tief wird das über Mitteleuropa liegende Ge­biet hohen Drucks westwärts über England ab­gedrängt, ohne jedoch seinen Einfluß auf die Wetterlage zu verlieren.

Landkreis Gießen.

* Beuern, 13. Nov. Alt-Beigeordneter Wilhelm Otto HL, der 33 Jahre lang un­unterbrochen das Amt eines Beigeordneten in unserer Gemeinde bekleidet hatte, wurde heute unter großer Anteilnahme der ganzen Gemeinde zur letzten Ruhe gebettet. Während des Krieges, dem er zwei Sohne opferte, führte er die Geschäfte der hiesigen Bürgermeisterei. Vor drei Jahren er war damals 76 Jahre alt legte er das Amt eines Beigeordneten nieder. Auch der Kirchengemeindeveriretung gehörte er viele Jahre lang an. Der Kirchengesangverein, dessen Mitbegründer der Verstorbene gewesen, und die Sparkasse I, deren Vorstand er angehörte, ehrten den verdienten Mann, dem man ein gutes Andenken bewahren a»ird. durch Kranzspenden.

iS. Steinbach, 14. Nov. Einem hie­sigen Einwohner wurde sein wertvolles Fahrrad nachts aus der Scheuer gestoh­len. Alle Ermittelungen zur Wiedererlan­gung des Rades und zur Ergreifung deS Die­bes blieben bisher erfolglos.

* Großen-Bufeck, 14. Nov. Der Pforr- amtskandtdat Hermann Luft aus Lauterbach wurde zum Pfarrverwalter in Großen- Buseck ernannt.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 14. Nov. Der bekannte japanttche Fabrikant Ha jim Joshi, der sich durch feine Milttonenstiftung zugunsten der beut- schon chemischen Industrie einen Namen erworben hat, ist hier eingetroffen. Er ist zu Gast bei bm Firma Merck, die bekanntlich in Japan seit Jah­ren eigne Werke besitzt. Ebenso billige, wie originelle Hilfsarbeit leisteten die Mitglieder bc? Darmstädter Odenwaldklubs bei ihrem letzten Ausflug am Sonntag nach Neunkirchen. Der dortige Kaisertum! ist reparaturbedüis tig, wozu mehrere Hundert Ziegelsteine notig sind. Vor Beginn der Wanderung wurden nun 300 öic= ser Steine indieRucksäckeder etwa 150 Klub Mitglieder verteilt und von diesen in flottem Marschtempo durch den Odenwald nach dem Kaiserturm getragen.

rm. Pfungstadt, 14. Nsv.^Kine Mil Nonen st iftung hat der kürzlich verstör bene Mitbesitzer der bekannten hiesigen Groß- brauerei Hildebrand, Ehr. Rlrich, den A n gestellten und Arbeitern der Fir m a hinterlassen. Danach erhalt jeder der i? Betrieb und den auswärtigen Niederlassung«: besänftigte. Angestellte der Firma ohne äln- terschied von Alter und Stand oder Länge br Tätigkeit den Betrag von 1 0 000 Mk. Dc Verstorbene war schon zu Lebzeiten durch sein- Gutherzigkeit sehr beliebt.

Hessen-Nassau.

fpb. Fulda, 14. Nov. In den Dorsett. Oberroden und Haimbach verübten zwei Zigeuner gegen die Dorfbewohner allerlei ün= taten, so daß die Landjägerei zu Hilfe herbei­geholt werden mußte. Als in Haimbach die Zi­geuner gegen die Beamten tätlich wurden unb diesen die Revolver entreißen wollten, schoß man den einen der Kerle nieder. Auch der zweite Zigeuner wurde erschossen, als er feinen einen Gegner niederschlagen wollte. Die 3igeune\" stammen aus der Gegend von Mainz u^d gehören der Sippe an, die seinerzeit den Förster Romeis erschoß.

Kirche unb Schule.

* Erledigte Schul st eilen. Erledtgi sind: eine mit einem evangelischen Lehrer zu be­setzende Schulstelle der Volksschule zu Nieder- Stoll, Kreis Lauterbach: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Beerfelden. Kreis Erbach. Dienstwohnung ist nicht vorhanden; eine evangelische Lehrerstelle und zwei Lehrerinnenstellen für zwei kath. Leh­rerinnen an der Volksschule in Bischofsheim, Kreis Groß-Gerau. Dienstwohnung ist nicht vor­handen. Wohnung für alleinstehende Lehrerin kann beschasft werden. Desgleichen Familien-voh- nung für den Lehrer; eine Lehrerstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule in M 0 s bach Kreis Dieburg. Es ist eine ausreichende Dienstwohnung vorhanden; eine Lehrerstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule in Radheirn, Kreis Dieburg Es ist eine aus« reichende Dienstwohnung vorhanden; eine Lehrer­stelle für einen evangelischen Lehrer an der Volks­schule in Weitengesäß, Kreis Erbach Dienst­wohnung ist vorhanden.

ed. Eschenrod, 15. Nov. Zu einer er­hebenden Gemeindeseier gestaltete sich der Abend­gottesdienst des vergangenen Sonntags. Konfir­manden und Pfarrer brachten ein von Pfarrer Stumpf gedichtetes Erntedankfest spiel zur Darstellung, das bei der zahlreich versammel ten Gemeinde und bei den vielen auswärtigen Gästen einen tiefen Eindruck hinterließ. Die Kol­lekte für die hungernden Wolgadeutschen ergab 1004 Mark.

Darmstadt, 14. Nov. Aus dem Erlös de. vom Reich verkauften G l v ck e n m a t e c i a I wurden dem Oberkonsistorium 298 570 Mk über­wiesen. Der Betrag soll vor allem den kirchlichen und bürgerlichen Gemeinden zugute kommen, die noch nicht in der Lage waren, sich wieder Glocken zu beschaffen. Im ganzen waren aus den evange- lichen Gemeinden Hessens 723 Glocken bzw. 250 206 Kilogramm Bronze abgeliefert worder:. Nach Verfügung der obersten Kirchenbehörde soll auch in diesem Jahr mit der Feier am T 01 e n s 0 n n- tag eine Trauerfeier für die Gefal­lenen oder die infolge des Krieges Verstorbenen stattfinden. Die zur Erhebung kommende Kollekte ist für die vom Landeskircheirtag errichtete Kriegs­stiftung bestimmt.

Landwirtschaft.

Dom Saatenstand.

Infolge des vorwiegend kühlen und nassen Wetters und des stellenweisün Auf­tretens von Nachtfrösten wurde die Räu­mung der Felder stark verzögert. Die Ende Oktober noch im Boden befindlichen Kartoffeln haben, wie z. D. aus Sachsen und Mecklenburg-Schwerin berichtet wird, durch Frost gelitten. Die Zucker- und Nunkelrübenernte war zumeist noch in vollem Gange. Die späte Aberntung der Felder und die naßkalte Witterung verhinder­ten die A u s s a a t des W i n t e r g e t r e i d e s in starkem Maße. Fast alle Länder berichten übereinstimmend, daß die Bestellung der Fel der mit Winterweizen und Winter- roggen Ende Oktober noch nicht beendet war. Von der schon in der Erde befindlichen Saat ist ein großer Teil noch nicht aufgelau­fen. Der Stand der bereits aufgelaufenen Saaten wird teils als gleichmäßig und dicht, teils als lückig und dünn beurteilt. Früh in die Erde gebrachte Saaten sollen gut eingegrünt sein. Da viele Berichterstatter eine Begut­achtung noch nicht abgeben konnten, ist den er­rechneten Noten nur ein bedingter Wert bei­zumessen. Die Bewertung deS Standes der Herbstsaaten Anfang November war wie folgt: (2 = gut, 3 mittel) Win- terweizen 3,1 (Nov. 1921 2,8), Winterspelz (auch mit Beimengung von Roggen oder Wei­zen) 3,2 (2,9), Winterroggen 3,1 (2,8).

Heutiger Stand des Dollars

10 Lihr vormittags:

Berlin 7725, Frankfurt a. M. 8000.