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Nr. 138

Erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertags, mitderLamstogsbeilage: GiehenerFamilienblätter Monatliche vezug »preise: MK.20.und Mkr. Z.- Trägerlohn,durch dicPost MK.22., auch bei Nicht­erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Gewalt.- Fernsprech» Anschlüsse: für die Schrift» feitung 112; für Verlag unb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Ameiaer Siehen.

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Stonffurt o. M. 11688.

Donnerstag, 15. Juni 1922

Erstes Blatt

172. Jahrgang

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigern, 34 mm Breite Örtlich 150 'Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 UNN 'Breite 500 Pf. Bei platz» Vorschrift 20 Aufschlag. Hauptschriftletler: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. ®oet$. für den übrigen Tetl. Karl Walther; für den Anzeigenteil: HansBerk, sämtlich in Bietzen.

GietzenekAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drud nnö Verlag: Vrühl'sche Umv.-Vuch und Steinöruderei H. tange. $d)riftlettung, Geschäftrstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.

Gegen die Schuldlüge.

Während de» Münchener Pro­zesses um die l^lSner'sche D o- kumentensälschung machte der bekannte pazifistische Schriftsteller Dr. Johannes Lepsius, der als » Sachverständiger vernommen wurde, aufsehenerregende Ausführungen über den L>f>a ratter der deutschen Politik bis zum Kriegsausbruch, mit besonderer Jßerudficbtifliing der Bismarck'fchen Politik. Wir geben hier die wichtigsten Stellen seiner Aussage nach den ^Süd­deutschen Monatsheften" (Die Kriegs­schuldlüge vor Gericht") wieder.

Dr. Lepsius: 3cf) beginne mit der dop­pelten Buchführung. Doppelte Buchführung tm kaufmännischen Sinne nennt man ein Buchungssystem, das dadurch, daß jeder Posten zweimäl, einmal im Debet und einmal hn Credit, gebucht wird, eine autotnatische Sicherung der Richtigkeit der Rechnung her­stellt. Doppelte Buchführung im diplomati­schen Sinne wird ein System methodischer Herstellung von Zweideutigkeiten in den Er­lassen und Berichten der Diplomatie ge­nannt ... 3n der Lat existiert etwas wie ein System der doppelten Buchführung in der ausländischen Diplomatie. Bei den Ver­handlungen im Jahre 1887 über die Entente Mischen England, Italien und Oesterreich wurde von Lord Salisbury im voraus die Be­dingung gestellt, das Abkommen müsse so for­muliert werden, daß er eS vor dem Parlament ableugnen töimc. Es wurde in der Form eines Rvlenlvechsile. nicht eines Vertrages, abgeschlossen und tatsächlich im Unterhaus ab- geleugnet. 3d) habe in 33 Monaten tausende Bände von deutschen diplomatischen Al­ten durchgesehen und auch nicht ein Schrift st ück gesunden, das einen derartigen zweideutigen Charak­ter hätte . . 3n hen deutschen Akten stehen ßicht nur die Erlasse, die Berichte und die Aufzeichnungen der deutschen Politik, son­dern in ausgebreiteter Fülle ist aus den Be­richten unserer Botschafter und Gesandten, auch aus dem Rlunde der fremden Diploma­ten, die gegnerische Politii in ihrer Tendenz und in ihren Motiven ersichllich. Es hat nie­mals, um mit Frankreich zu beginnen, einen französischen Präsidenten, Premierminister oder Außenminister gegeben, der hen Frank­furter Frieden und die Grenzen, die er zog, anerkannt hätte. Es gab keinen französischen Staatsmann, so friedselig sich auch manche ga­ben. der den Mut gehabt hätte, der im fran­zösischen Volke lebendigen 3dee der Revanche zu widersprechen; im Gegenteil, alle französi­schen Staatsmänner, wenn sie um ihren Sitz im Kabinett oder um ihre Majorität in der Kammer besorgt waren, haben an den Geist der Revanche appelliert, um ihr Schiff wei­tersteuern zu können. . . . Vor dem Kriege nannte alle Welt Wilhelm II. den Friedens- laiser. Niemand zweifelte, bah Deutschland durch Jahrzehnte Europa den Frieden erhal­ten hat. Warum liest man es nach dem Kriege anders? Auch Bismarck hat jetzt schon den Weltkrieg vorbereitet! 3ch stehe nicht an zu sagen: Die 6 Bände BiSmarckscher Dokumente, 'Aufzeichnungen und Diktate sind eine Pazi- fistenbibel. . . Freilich sind sie nicht baS, was man gemeinhin Pazifismus nennt, heuch­lerische Dölkerbundsbeschlüsse und dergl. Mit solchem Pazifismus hat Bismarck nichts zu tun. Wenn man Pazifismus nennen kann, die unermüdliche Arbeit eines StaatSmatrncS, her die ganze ungeheure Macht, die in feinen Hän­den liegt, und die ganze ungeheure Kraft seines Genies nur dazu anwendet, Europa den Frieden ,zu erhalten, dann war Bismarck Pazi­fist. Die Friedenspolitik BiSmarckS ist, wenn auch dogmatisch erstarrt, das Grundgesetz der Politik seiner Rachfolger geblieben, samt den Dogmen von der Erhaltung Oesterreichs um jeden Preis, der traditionellen Freundschaft zu Rußland und der guten Beziehungen zu Eng­land. Es gibt etwas wie Tragik in der Welt­geschichte. Wir sind nicht für eigene 3nteressen in den Krieg gegangen, es sei denn, um un­sere Existenz zu erhalten.

Wenn man dokumentarischen Beweisen, wie sie für die Aera 1871 bis 1914 der Well vorliegen werden, überhaupt Glauben schen­ken will, so erkläre ich: 3n dem gesamten Ak­tenmaterial des Auswärtigen Amtes gibt es keinen Schatten eines Beweises für die Schuld. die uns von der Entente zugeschrieben wird: Für die Msicht, unsere Rachbarn zu überfallen, die Suprematie in Europa zu erlangen, die Weltherrschaft an mrS zu bringen. 3d> glaube, die Racbwell wird ein hartes Vrtell sprechen über die leicht­fertige Beschuldigung, die frivole Begründung und bi? bemußte An - Wahrhaftigkeit eines Artei lSspruches. der ein moralisches Weltgericht affektiert, um.Hab­sucht und Rachsucht zu verhüllen.

Die neue Note der ReparationskommWon.

Berlin, 14. Juni (WTB.) Durch Ver­mittlung der Kriegslastenlommisfioii in Paris bat die Reparativ nskvm Mission an die deutsche Regierung die angetünbigfe ergän» zendeRotezu ihrer Mitteilung vom 31. 5. ge­richtet, auf die sie sich eingangs der neuen Rote bezieht.

Die Reparationskommission weist daraus hin, dah Einzelde. atungen des Garantiekomitees über folgende Punkte bereite- vereinbart find: 1. Kon­trolle der Einnahmen und Ausgaben des Reiches. 2. mitzbräuchliche Kavi­tal a u s f u h r, 3. Statistik, lieber diese drei Punkte erklärt die Kommission das Ergebnis der Verhandlungen des Garantiekomitees mit der deutschen Regierung abwarten zu wollen. Bei den noch in der Schwebe befindlichen Punkten heiht eS unter

< I. Zwangsanleihe.

Die Kommission erwartet, dah alle Dispositionen getroffen werden, um

biS zum 1. Januar 1923 mindestens 40 Milliarden Einnahmen

zu erzielen.

II. Defizit des Budgets der öffentlichen Betriebe.

Die Konnnission stellt fest, dah der ihr unter­breitete Haushaltsplan leine ergänzenden Ein­nahmen zur Deckung dieses Defizits vorsieht. Zwar kündigt der Reicyslanzler im Schreiben vom 28. 5. eine Reihe von Ausgabebeichränkungen an. Aber es sei keine Rede von den Mitteln, mit denen die auherordentliäten Ausgaben der östent- licken Betriebe gedeckt werden sollen, die sich für die Eisenbahnen nui" 16 936 und für jöic Post auf 2534 Millionen beziffern. Hierüber erwartet die Kommission von der deutschen Regierung bc« stimmte Vorschläge.

III. Autonomie der Ncichsbank.

Die Kcmmission erkennt an, dah das deutsche Ersetz über die Autrnomisierung der Reichsbank her deutschen Regierung das Reckt entzieht, direkt auf den Gang der Finanzoperationen einzuwir­ken, wie sie es nach dem Gesetz von 1875 konnte. Damit indessen die Unabhängigkeit der Reichs- bant tatsächlich hergestellt werde, muffe die Dank nicht mir selbst 'unabhängig fein, sondern mich ein unabhängiges Personal haben. Die Kommis­sion sei der Ausfassung, dah die Rechte der deut-

Reichsminister Dr. RaLhenau über die Schuldfrage.

Berlin, 13. Juni. Aus Anlah des Erschei­nens der ersten sechs Bände der diplomatischen Akten des Auswärtigen Amts veranstaltete die Deutsche Gesellschaft 1914 in ihren Räumen eine Zusammenkunft fiihreuder Persön­lichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Vertreter des Arbeitsausschusses deutscher Verbände, Geh. Regiei-ungsra« Dr. v. Bietsch, wies als erster Redner daraus hin, dah der Arbeitsansschuh schon vor längerer Zeit mit der Eins ü Heang in den In- halt des bei der Deutschen Derckagsgesellschast für Politik und Geschichte unter dem Titel:Die grohe Politik der europäischen Kabinette 1871 1914 er- scheinenden Attenwcrtes betraut worden sei. Die Begründung hierfür liege in der Aufgabe, die der Aroeitsausschuh sich gesetzt habe, alle Krelle des Volkes ohne älnterschied der Partei von der Be­deutung dc>- Schuldfrage zu überzeugen und der Allgemeinheit Kenntnis der Vorkriegsgeschichte zu übermitteln.

Hierauf ergriff der Reichsminifter Dr. Ra­then au das Wort und führte aus:

Der Anlah. der uns heute zusammenführt, ist das unmittelbar bevorstehende Erscheinen der ersten sechs Bände aus den diplomatischen ODtcn des Auswärtigen Amts. Wie kam die Aktensamm- (ung zustande? Die Vorgeschichte läßt sich mit wenigen Worten berichten: Vor ungefähr zwei Jahren fahte die deutsche Regierung den Ent- schlust. das gesamte Material über die deutsche Politik vor dem Weltkrieg der Oeffenllichkeit zu unterbreiten. Sie wurde dabei von dem Gedanken geleitet, dah von untrer Seite alles bekannt- gegeben werden sollte was zur Aufklärung über die Entstehung der grohen Katafttophe von 1914 dienen kann. Die ängstlich überwachten Schranken dcsbiplomat'uHenTe^eimnisfes sollten umgestohen, die verschwiegenen Siegel sorgfältig verborgen ge­haltener Dokumente gebrochen, und rückhaltlos sollten die in den Archiven des Auswärtigen Amts ruhenden Allen ans Licht des Tages gesogen wer­den. Der Entschluh wurde zur Wirklichkeit. Drei Gelehrte, deren einwandfreie Sachlichkeit als zwei­fellos dasteht, wurden mit der Lösung der grohen Ausgabe betraut, und heute legen sie uns den verbeihungsvollen Anfang ihrer mühevollen Tätigkeit vor, für die Deutschland ihnen tiefen Dank schuldet. Die kurze Vorgeschichte, die ich hier umrissen habe, zeigt drst über dem ganzen Werk eigentfid) als Motto die Worte stehen sollten: 3 m Dienste der Wahrheit, denn das ist in der Tai das Leitmotiv, das ihm zugrunde liegt. Das deutsche Veli wisfaan seinem Teil die ganze Wahr­heit über die Genesis des Weltkrieges enthüllen. Es erscheint ihm dies nicht nur für das eigne ®c= a ifLn und aus einem wrhll erstandenen Rotional- gefühl heraus notwendig, sondern auch für die ganze Menschheit. Man spricht heute und mit vollem Recht - überall von der grundlegenden Bedeutung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus

scheu Regiel-ung bei Ernennung des Präsidenten und des Aussichtsrats der Reichsbank sich nach der neuesten Regelung aus die Kontrolle beschrän­ken. die in Form eines einfachen Einspruchsrechtes ausgeübt wird, und dah den Aktionären unb ihren Vertretern volle Freiheit bei der Wahl gelassen wird. Aus diese Bestimmung legt die Kommission grohen Wert. Sie mürbe es sogar verziehen, dah das Einspruchsrecht sich nur auf die 'Wahl her Präsidenten bezöge. Auherdem würde sie es für angebracht halten, dah der Präsi­dent immer aus den Mitgliedern des im Amte befindlichen Aussichtsrats gewählt würde. Die Kommission verlangt von der deutschen Regie­rung eine Bestätigung der von ihr obenstehend zum Ausdruck gebrachten Auslegung. Die Kom- rnission befiehl nicht darauf, dah in bezug auf diese Punkte sofort ein neues Gesetz angenommen wird, falls die deutsche Regierung sich verpflichtet, die Intentionen der Kommission auf dem Der- n attungswege durchzuführen. Sm behält sich je­doch das Recht vor, ein neues Gesetz zu Der* langen. Wichtiger als die Unabhängigkeit der Reichsbank selbst erscheint her Kom­mission im Interesse einer Gesundung der deutschen Währung und des deut­schen Kredits, dah die Reichsbank der deutschen Regierung nur noch nach dem Grundsatz einer gesunden Bantpolitik Vorschüsse leistet. Die lln- abhängigkit der Bank kann daher nach ihrer Ansicht erst wirksam werden, we.rm die Reichs- Hank nicht mehr die Ermächtigung oesitzt, Roten gegen Schatzschcine auszag eben. Die Kommission erkennt an, dah jede Einschränkung der 3 n f I o t i o n von der Deckung der öffentlichen Ausgaben b-ird) tatsächliche Einnahmen an Steuern and inneren Anleihen abhängt, .mb dah es zur Zeit verfrüht wäre, die im Gesetz von 1875 vorgesehene, feit 1914 beseitigte Limitierung der Papiergeldausgabe wieder Herstellen zr wolsen, wenn nicht vorher die Staatsstnanze.'i in Ordnung gebracht worden feien. Die deutsche Regierung müsse aber schon jetzt die Wieder­herstellung einer vernünftigen Qt - mitierung des Emissionsrechts vor- berciten unb- fortgesetzt ernste Anstrengungen machen, um sie sobald tote möglich durchzuführen Andernfalls wäre leider zu befürchten, dah die Opfer, die jetzt von dem deutschen Volle verlangt werden, um dem Anwachsen der schwebenden Schuld Einhalt zu tun, nicht ihr Ziel erreichen.

Die Rote ist unterzeichnet von D u b o t s, Hohn Bradbury, Delacroix und Raggi.

von Europa Hand in Hand damit muh aber eine vielleicht noch schwerere und sicher nicht minder wichtige Aufgabe gelöst werden, die ich den gei­stigen Wiederaufbau Europas nennen möchte. Es ist aber klar, dah dieses Ziel nur erreicht werden werden kann, wenn jeder rücksichtslos mit sich selbst ins Gericht geht, um dadurch seinen Beitrag zu der gewaltigen Aufgabe des geistigen Wiederauf­baues zu leisten.

Das deutsche Volk habe mit dem vorliegenden Wert den Anfang gemacht. Es habe verschmäht, seine Geheimnisse zu verstecken. 1870 bis 1890. zur Zeit Dism'arcks. habe Deutschland auf der Höhe seiner Macht gestanden. Aus den veröffentlichten Akten gehe hervor, dah es diese Macht nie­mals mißbraucht habe, um den Frieden in Europa zu gefährden, sondern dah es sie überall, wo es nötig schien, verwandt habe, um den Frieden zu erhalten. Man könne nur wünschen, dah die Wahrheit sich unaufhaltsam Bahn breche und end­gültig alle Hindernisse beseitige. Der Weg der Wahrheit fei lang, er fei um so länger, als ein Mangel an europäischem Interesse Jbie Fragen, die für uns Lebensfragen seien, das älrteil der Geschichte als gesprochen anzusehen sich gewünscht habe. Ein Urteil könne nur gesprochen werden von einem vollgültigen Tribunal. Die llntersuchungen um die Wahrheit aber würden nicht ruhen, bis im Ramen der Geschichte ein befugtes Tribunal seinen Spruch gefällt habe.

Die Vorbereitungen tm Haag.

Paris, 15. Juni (WTB.) Die franzö­sische Delegation für die Haager Konferenz wird morgen von Paris abreifen. Rach der Mel­dung mehrerer Blätter aus dem Haag fallen dort dieVorbereitungen für die Konferenz noch stark im Rückstände sein. Bis gestern abenb 8 Uhr fei noch nicht einmal die Tagesordnung für die heutige Eröffnungssitzung festgesetzt gewesen. Diese werde jedenfalls mit einer kurzen Ansprache des holländischen Auhenministers van Karne­beek eröffnet werden. Zum Präsidenten der Kon- serenz werde wahrscheinlich der ehemalige General­sekretär im holländischen Ministerium des AeuHe­ren P a t i e n gewählt werden, der die Rieder- lande auf der Konferenz von Genua vertreten hat. Gestern nachmittag fand eine lange Besprechung statt zwischen den englischen und belgischen Delegierten, die in der Hauptfach? die Frage der Restituierung des Privateigentums in R u h l a n d zum Gegenstand hatte. Rach dem ^P e t i.t P a r i f i c n werde man voraussichtlich von den russischen Delegierten Aufschluß darüber verlangen, weshalb sie sich weigern, einen Teil des segnest ierten Eigentums in natura zurückza- geben. Es sei wahrscheinlich, dah man die Ent­sendung einer Anzahl von S tu dien kvm mis­t' i o n c n nach Ruhland beschliehen werde, die an Ort und Stelle über den Zustand der zurück- zugebenden Fabriken und sonstigen industriellen Anlagen sich informieren sollen. Die englischen und

belgischen Delegierten haben sofort nach Schluf! ihrer Besprechung von dem Ergebnis den franzö­sischen Gesandten Beno ist in Kenntnis gesetzt

Jaspar bet Poincare.

Paris, 15. Juni. (WTB.) Der belgische Anhenminister Iafpai ist gestern in Paris e i n g < t r d f f c n. Er hat am Abend Pvkn c a r c einen längeren Besuch abgeplattet. Die Unterredung der beiden Slaatsmärrner drehte sich zunächst um die Haltung des b ei gischen Delegierten i m'A nleiheaus- schust. Ha spar wiederholte die Erklärungen, die dem französischen Botschafter in Brussel M a r g e r i e bereits vom Ministerpräsidenten T h e u n i s gegeben worden sind und die dieser auch in der Sitzung des Senats abgegeben hat Ferner wurde die Frage der Konferenz im Haag angeschnitten. Die beiden Minister konnten feststellen, dah ihre Ausfasiring in allen Ruhland betreffenden 'Fragen völlig übercinftimmlc. Ins­besondere hat Zaspar erflärt, dah Belgien die von ihm in Genua vertretene These in der Frage der Requisition des Privateigentums in vollem Umfange aufrecht zu erhalten gedenke. In poli­tischen Kreisen glaubt man an nehmen zu dürsen, dah, wenn Frankreich sich entschliehen sollte, auf die Teilnahme an den direkten Verhandlungen mit den russischen Delegierten zu verzichten. Bel­gien diesem Beispiele folgen würde.

Anfragen an Poincar^.

Paris, 14. Juni sWTB.) Der 6cnzü8» ausfchuh für auswärtige Angelegenheiten beauf­tragte seinen Vorsitzenden Doumergue, über verschiedene Punkte von Po incarc Auskunft zu verlangen. Hierbei handelt es sich insbesondere um eine Erklärung, die Briand früher vor dein Ausschuh abgegeben hat Dieser habe näm­lich erklärt, dah die englische Regierung eine Verpflichtung eingegangen sei, anzuerkennen, dah die 'Nichtzahlung der Reparationen oder der Vesatzungskostei, durch Deutschland nach Ansicht Englands das Datum j>er Räu mun q des linken RheinuferS hin­aus schiebe. Der- Ausschuh will wissen, ob diese Verpflichtung besteht.

Paris, 14. Juni (WTB l Der Abgevrd- irrte Paul R e n a u b hat dem Ministerpräsidenten P o i n c a r e eine Interpellation über seine R c parationspolitik angekündigt.

Die gunirate bezahlt.

Paris, 15. Juni tWTD.) Das3 out« nal stellt fest, dah die ReparationSkom- missivn gestern von der ordnungsmähi gen Zah lung der am 15. Juni fälligen 50 Millionen Goldmark benachrichtigt worden ist.

französische Meldungen über deutsche Anleiheplanc.

Parts, 15. Juni. (WTB.) Der Der^ liner Berichterstatter desPetit Pari­si en" hatte gestenr fernem Blatte gemeb bet, bah bic deutsche Regierung mit mehreren ber cklliierten Länder wegen der Auflegung einer Anleihe von mäßiger .Höhe in Fühlung getreten sei. Trotz bes von der benL scheu Regierung veröffentlichten Dementis hält ber Korrespvnbent ferne Mitteilung in vollem Umfange aufrecht. Er behauptet, dah auch bic Reise des Garantiekvmitees nach Berlin aufs engftc damit Zusammen­hänge. Wenn diese Mis-ron auch nach auheir hin in ber Hauptsache ber Organisation ber Finanzkontrolle gelte, so sei doch der eigent­liche Zweck ber Verhandlungen ber, bte Ga­rantien, bie Deutschland für eine Anleihe die­ser Art zur Verfügung stellen könne, zu prü­fen. Die Initiattve zu diesen Verhandlungen sei von ber Kriegslastenkommission in Paris ausgegangen.

Eine Aussprache im englischen Ünterhause.

London. 14. Juni. (Wolff.) Im Unter» Hsus fand gestern eine Debatte über die Frage des Kablncttsekretariats statt, besten Aufrechterhaltung in F i.denszeiten von Asquith und verschiedenen Koalitionsmitgliedern bean­standet wurde. Es wurde erklärt, das Sekretariat vermehre die Macht des Premierm« n i st e r s mth mische sich in die Angelegenheiten verlchiedener Aemter, insbeso,rdere des auswär­tigen Amtes, ein. Chamberlain erklärte, das Sekretaiiat verdränge kein anderes Departemen' 21 o i) b George betonte nachdrücklich, die Auf-- gabe des Sekretariats fei. die Kabinetts beschlösse unb die Beschlüsse der älnterausschüsfe dem Ka­binett mitzuteilen, die sehr zugenommen hätten infolge der Zahl und "her Schwierigkeit der Fra­gen, die infolge des Krieges entftanben feien. Daneben habe das Sekretariat keine andere Funk- ticn. Man scheine sich vorzustellen, dah das Sekretariat das W-erkzeug fei, am den Premier­minister in die Lage zu setzen, eine Kontrolle über bie auswärtige Politik aaszuüben. Diese Behcuptang sei vollkommen haltlos. Weim ber Peemiermmister eine Kontrolle über biese Poli­tik er halten wolle, so sei dies nicht der Weg dazu. Lloyd George verwies auf die Schwierig­keiten, die die Führung der auswärtigen Poli­tik unter den . rge.rblicklichen ümftänben biete Er sagte, es beständen so zahlreiche Fragen, die mit den auswärtigen Ländern erörtert werden mühten und bie tatsächlich lerne Fragen des auswärtigen Amtes seien. Die Reparatro- n c n feien eine Frage, bic die wirtschaftliche Lage ber Welt in Einordnung bringe und bic zweitettos von Zeit zu Zeit den Frieden der Welt gefährde. Sie sei jÄwch etne