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Reisuli von den Spanier« eingeschlossen.

Madrid, 14. Mai. (WTB.) Die Spa­nier fanden bei ihrem Einzug in Trazarut Raisuli nfcht vor, wie sie gehofft hatten. Es scheint, daß der marokkanische Führer sich in das Heiligtum von ABd el Salam geflüchtet hat, wo er durch das Asylrecht zwar geschützt ist, aber durch den Mangel an Lebensmitteln gezwungen sein wird, sich zu ergeben.

Dom Dölkerbundsrat.

Genf, 13. Mai. (WTB.) Der Vül- kerbundsrat hat in öffentlicher Sitzung die in Atttkel 35 der Satzungen des internativ-' nalen ständigen Gerichtshofes vorgesehene Be­stimmung über die Bedingungen, unter denen Nichtmitglieder des Völkerbundes den internationalen Gerichtshof in Anspruch neh­men können, angenommen. Danach muh der betreffende Staat zunächst die Gerichtsbarkeit des Gerichtshofes anerkennen und sich ver­pflichten, keinen Krieg gegen den Staat zu führen, der das Artet! des Gerichtshofes aus­führt. In einer geheimen Sitzung, an der der Direktor des internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, der aus Genua hierher gekommen war, teilnahm, wurde auf Ver­langen der französischen Negierung beschlos­sen, das Gutachten des internationalen Ge­richtshofes über die Zuständigkeit der inter­nationalen Arbeitsorganisation fiir eine in­ternationale Regelung der Arbeitsbe­dingungen in der Landwirtschaft einzuholen. Auf einstimmigen Anttag der in­ternationalen Arbeitsorganisation wird der Rat jedenfalls das Gutachten des Gerichts­hofes über den bekannten Zwischenfall bei der Ernennung des holländischen Arbeiter­vertreters auf der dritten inte nattonalen Ar- bettskonferenz einfordern, d. h. darüber, ob diese Ernennung den Bestimmungen des Ar­tikels 389 Abs. 3 des Versailler Verttaaes entspricht oder nicht.

Die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages.

Genf, 14. Mai. (WTB.) Die Anterzeich- imng des deutsch-polnischen Ver- !t r'a g e s und damit der Abschluh der deutsch- ijevlnischen Verhandlungen in Genf ist auf morgen Montag nachmtttags 6 Ahr angeseht. Die Sitzung, zu der die Oeffentlichkeit zuge- lassen ist und die in dem Generalsekretariat des Völkerbundrats stattfinden wird, wird von dem Präsidenten der Konferenz, Ealonder, mit einer längeren Rede eröffnet werden, auf die zunächst Reichsminister a. D. Schiffer und dann der polnische Bevollmächttgte, Minister Olschewski antworten wird. Die Ratifikatton durch die Parlamente soll bis zum 27. Mai erfolgen. Der Austausch der Ratffikattons- urkruwen wird dann in Oppeln stattfinden.

Morgan und Kahn nach Frankreich unterwegs.

Neuhvrk, 14. Mai. (WTB.) Gestern schifften sich Pierpont Morgan und Otto H. Kahn auf dem DampferOlhmpic" nach Frankreich ein.

unter den zur Wiederwahl stehenden Geneoar- räten. Ein Senator und 12 Deputierte haben sich neu aufstellen lassen. 4 Mitglieder der Re­gierung haben kandidiert: Ministerpräsident Poin- corä, Kolonialminister Darrau:, Derkeh.smrrister £e Troquer und der Minister des Innern Maa- nourh.

Alm 1 Alhr heute früh sind folgende bekannt gewordenen Ergebnisse verkündet worden: Konser­vative und Aktionsliberale 26, Progressistische Re­publikaner und Linksrepublikaner 113, Radikale, radikale Sozialisten und sozialistische Republikaner 126, unabhängige Sozialisten und geeinigte Sozia­listen 14, Kommunisten 5: Stichwahlen 31. 3m ganzen wurden also 315 Wahlergebn.sse bekannt. Die Konservativen und Artionslrbe.alen verlieren 3 Sitze, die Progresfisten und Linksrevublilaner verlieren 9 urrd gewinnen 7 Sitze, die Radikalen gewinnen 8 und verlieren 5, die Sozialisten ge­winnen 2 und verlieren 1 Sih.

Die<Sre Rouvelle" beurteilt die vorliegenden Teilergebnisse so, daß ein klarer Ruck nach links dann zum Ausdruck kommt. Es sei noch charakteristischer, wenn man die Ergebnisse der ArrondissementZwahlen betrachte. Wenn die repu­blikanische Disziplin bei den Stichwahlen beob­achtet werde, werde das Kartell der Linken im zweiten Wahlgang bedeutende Erfolge haben.

Amtsantritt des deutschen Botschafters in Amerika.

Neu York, 14. Mai. (WTB.) Der deutsche Botschafter Wiedfeldt wurde bei seiner Ankunft im Neuyvrker Hafen von einer Kommission hervorragender Neuyorker Bür­ger deutscher Abstammung begrüßt. Das vom Polizeirichter Oberwager geführte Polizei- bvot, worauf sich die Kommission befand, fuhr dem Dampfer entgegen und geleitete ihn zum Pier. Dort hielt Oberwager eine Begrüßungs­ansprache, in der er sagte, die Stadt Neuyvrk heiße namens Amerikas den deutschen Bot­schafter als Freund willkommen, das ganze Land fühle, daß mit Der Wiederauf­nahme der diplomatischen Be­ziehungen ein großer Schritt zum Frie­den getan sei. Wiedfeldt antwortete, daß er mit dem Gedanken nach Amerika gekommen sei, die Gefühle der Freundschaft zwi­schen Amerika und Deutschland zu stärken und die letzten Spuren des begrabenen Hasses zu verwischen. Er schloß mit den Worten: er «eiche Amerika die Hand als Zeichen, daß unsere alte Freundschaft nicht vergessen sein werde und daß die- gegenseitige Achtung und freundschaftlichen Beziehungen wieder auf» leben. Nur die Zusammenarbeit der Nationen könne die internationalen Wirtschaftsbeziehun­gen wieder herstellen, er werde seine ganze Kraft daran setzen, dieses Ziel zu erreichen.

Genf, 13. Mai. (Wolff.) Der Völker­bund s rat trat heute nachmittag in öffentlicher Sitzung in die Verhandlung der zahlreichen Dan­ziger Angelegenheiten ein. Zunächst wurden fol­gende eingereichte Fragen an die einschlägigen Kommissionen überwiesen: 1. Der unmittelbare Rechtshilfeverkehr Danzigs mit dem Deutschen Reich, 2. die Führung der auswärtigen Angele­genheiten der Freien Stadt Danzig, 3. die Be­stimmungen über die Herstellung von Flugzeugen auf Danziger Gebiet. Alle diese Fragen, deren Besprechung Montag beginnen soll, sollen noch auf dieser Ratstagung entschieden werden. Die Inkraftsetzung der Danziger Verfassung, die gestern General Haking vvrgenommen hatte, wurde vorn Dölkerbundsrat nach einem kurzen Bericht des Kommissars zur Kenntnis genommen und genehmigt. Damit steht nunmehr die Ver­fassung der Freien Stadt Danzig unter der Ga­rantie des Völkerbundes.

Di? Frage der Ausweisung polnischer Staatsangehöriger aus Danzig wurde dahin ge­regelt. daß Danzig ein selbständiges Recht zur Ausweisung zuerkannt wurde, wenn die Auszu­weisenden in wirtschaftlicher, soziales, nationaler oder religiöser Hinsicht, dem Staat schädlich sind oder sonst das Wohl der Freien Stadt Danzig gefährden.

En Spruch des Moskauer Nevolutioustribnuals.

Moskau, 13. Mai. (Wlosf.) Nach fast zweiwöchiger Verhandlung und vierzehnstün- oigec Beratung hat das Revolutions­tribunal in dem Sensationsprozetz gegen die Popen und Zivilpersonen, die wegen Widerstandes gegen das Dekret über die Fvrt- nahme des Kirchengutes angeklagt waren, sein Arteil gefällt. Es lautet: Elf Angeklagte, meist Popen, werden erschossen, sechs Popen erhalten je fünf Jahre Gefängnis. Die übri­gen Angeklagten erhellen geringere Gefäng­nisstrafen oder wurden freigesprochen.

Moskau, 14. QHai. (Wolff.) Das Mos­kauer Tribunal erhielt vom Präsidium des all­russischen Zentral.xckutiv-Kom tees den Tesehl, die Vollstreckung der über die Probste Dobrol- jubski. Samosersft, MadeLhdin und die anderen Angeklagten in Sachen des Widerstandes gegen die Sequeslierung des Kirchenguts gefällten To­desurteile einzu stellen.

Staat uud Kirche in Nußland.

Genua, 13. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des Wolff-Bureaus.) Ein Com- m u n i q u 6 der russischen Delegation weist im Zusammenhang mit dem Memorandum des Heiligen Stuhls und der darin aufgestellten drei Forderungen darauf hin, daß durch das russische Dekret vom 23. Januar 1918 über die Trennung der Kirche vom Staat in Rußland bereits Gewissensfreiheit, Freiheit der Religionsausübung und Benutzung der für den Gottesdienst notwendigen Gebäude und Kultgegenstände gewährleistet ist.

Aus dem Reiche.

Dom Deutschen Städtetag.

Aachen, 13. Mai. (Wolff.) Der Vor­stand des Deutschen Städtetages be­faßte sich in seiner gesttigen Sitzung u. a. mit dem Entwurf eines Arbeitsgerichts­gesetz e s. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß fvwohl die Arbeitsgerichte als auch die Schlichtungsstellen den ordenttichen Gerichten angegliedert werden müßten. Durch die An­gliederung an die Justiz werde nicht nur die grundsätzlich anzustrebende schärfere Trennung von Justiz und Verwaltung erreicht, sondern zugleich dem sozialen Frieden gedient da­durch, daß den Justizbehörden in stärkerem Maße der Anschluß an das Wirtschaftsleben wieder ermöglicht wird. Ferner beschäftigte sich der Vorstand mit der neuesten Besol­dungsregelung des Reiches. Der Per- svnalausschuß soll die Gestaltung der Besol­dung in der jetzigen Form in seiner soziales und verwaltungstechnischen Wirkung ein­gehend prüfen, für die zukünftige Gestaltung Vorschläge ausarbeiten und oer Reichsregie- rung übermitteln.

Die parlamentarische Lage in Sachsen.

Dresden, 13. Mai. (WTB.) Das Ge­samtministerium beschloß gestern: Der Volksbegehr wird auf Grund des Pa­ragraph^ 1 und 2 des Gesetzes über den Volksbegehr vom 8. März 1921 zugelas­sen. Die Frist über die Stimmabgabe für den Volksbegehr beginnt am 6. Ami und endet am 19. Juni.

Aus Dessen.

Die Antwort der Gesamtregierung zmnFall Dornemann" und zur Frage des Schulschlusses am 1. Mai.

Aus dem Presseamt des Staatsministeriums gehen uns folgende Mitteilungen zu:

Auf den Antrag der Abgeordneten Dr. Osann und Genossen wegen Ernennung des Ab­geordneten Dornemann zum Ministerial­rat hat das Gesamtministerium folgende Antwort erteilt:

Der Antrag Dr. Osann und Genossen, die Ernennung des Abgeordneten Dornemann zum Ministerialrat beim Staatspräsidenten betreffend, verlangt, der Landtag möge beschließen:

1. Die Ernennung entbehrt der Rechtsgültig­keit,

2. der Landtag mißbilligt die Ernennung.

Zu 1 erklärt das GesamtmiNisterium, daß die Ernennung des Abgeordneten Dornemann durch­aus rechtsgültig erfolgt ist. Die Anstellung der Staatsbeamten im Rahmen der im Staatsvor­anschlag vom Landtag bewilligten Stellen steht allein der Regierung zu und in diesem Rahmen erfolgte die Ernennung.

Zu 2 erklärt das Gesamtministerium, daß mit der absoluten Änhaltbarkeit. der unter 1 aufge- srellten Behauptung die geforderte Mißbilligung von seihst hinfällig ist.

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Die fortgesetzten Erörterungen über den vom . Land:sbWuug amt angeordne'e^i Schulschluß I am 1. Mai zwingen z". der ausdrücklichen Fest­

stellung, daß genau wie das vongemal (1920) verfahren worden ist. (In 1921 fiel der 1. Mai auf einen Sonntag.) Am 27. April 1920 hatte sich das Gesamtministcrium durch ausdrücklichen Be­schluß mit der Anordnung des damaligen Präsi­denten des Landesamts für das Bildungscoesen Dr. Strecker einverstanden erklärt. Diese Anord­nung lautete:

Das Gesamtministerium hat den Beamten, die sich an der diesjährigen Maifeier beteiligen, Dienst urlaub erteilt. Dazu kommt der Wunsch eines Teiles der Eltern, ihre Kinder an der Feier teilnehmen zu lassen. Der Schulbetrieb läßt sich infolgedessen an diesem Tage nicht einheitlich durchführen und das Gefamtministerium hat des­halb angeordnet, daß der Schulunterricht am 1. Mai 1920 ausfällt."

Auch für den diesjährigen 1. Mai hatte das Gefamtministerium entsprechend einem Beschluß der Reichsregierung den Diensturlaub gestattet. Die Voraussetzungen waren also die gleichen wie in 1920, so daß sich das Landesamt für das Dil- dungswesen im Interesse der Einheitlichkeit und Ordnung im Schulbetrieb veranlaßt sah, wie 1920 den Schulschluß anzuordnen.

Es darf hier auch erwähnt werden, daß im benachbarten Baden der 1. Mai gesetzlicher Feier­tag ist.

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Zu diesen Feststellungen der amtlichen Presse­stelle wäre zu bemerken, daß es doch sonderbar erscheint, daß das Gesamtmini st erium zu den Taten des Herrn Allrich eine solche Haltung eingenommen haben soll; denn das Zentrum hat durch seine Presse ja eine sehr energffche Ab­wehr ausgesprochen. Was den Schulschluß am 1. Mai anbelangt, so ist die Berufung auf die vorjährige ilebung durchaus unangebracht, und es handelt sich um eine richtige Verlegenheits­ausrede. Die politischen Verhälmisse haben sich im Lande geändert, und eine demokratische Regie­rung hatte die Pflicht, sich nach den Wünschen der parlamentarischen Mehrheit zu richten.

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Der Darmst. Tägt. Anz. meldet in seiner Samstag-Nr., aus Reg'erungSkreisen ver­laute zuverlässig, Staatspräsident Allrich trage sich mit Rücktrittsabsichten. Als sein Nachfolger werde Dr. David genannt.

Ans dem besetzten Gebiet.

Putschplane der Sonderbündler?

Aachen, 13. Mai. (WTB.) Angesichts der hier verbreiteten Gerüchte über be­vorstehende Putsch Pläne der Sonder­bündler lassen die Gewerkschaften aller Richtungen in der Aachener Presse an die Arbeiterschaft eine Aufforderung ergehen, diese Pläne mit allen Mitteln zu bekämpfen. Im Kreise Monschau verwahren sich die poli­tischen Parteien und wirtschaftlichen Organi­sationen gegen die pvlittsche Propaganda von Dorten, Smeets und Genossen.

Aus Sterbt und Land.

Gießen, den 15. Mai 1922.

Hollandabend der Gießener Hochschukgesettschaft. Nachdem vor einigen Monaten bereits ein Holländer, Herr Dom va>n R o m b e e k, Direktor des Austunftsbaveaas des Kolonialamts im Haag, über wirtschaftliche Fragen gesprochen hatte, war es der Hochschulgesellschaft gelungen, jei?t einen holländischen Gelehrten in ihrer Mitte zu sehen. Der Professor der Volkswi tschafts ehre Dr. G. W. Bruins von der Handelshochschule in Rotterdam hielt einen Vortrag über:Die Grundlagen der niederländischen Freihandelspolitik und die jetzige Wirtschaftskrise e". Der große Her aal der Alniversität war güt beseht, wenn auch bedauer­lich war, daß gerade die Kreise des Handels und der Industrie unserer Stadt, die durch so vielfältige Beziehungen mit Holland verknüpft sind, nur in sehr geringer Anzahl erschien: i waren. Die Hauptteilnehmerschaft st'.Ilten die in Gießen Volkswirtschaft hörenden Studierenden, die das interessante Thema angelockt hatte. Der Vortragende gab zunächst einen geschicht­lichen Aleberblick über die Handelspolitit Hollands vom Westfälischen Frieden an bis in die neuere Zeit. Er zeigte, wie sich schon von ftüh auf der Sinn für Freiheit, Freiheit der Schiffahrt, Frei­heit des Handels, ja auch in geistiger Beziehung für Glaubensfreiheit, im holländischen Volke fest­gesetzt hatte. Selbst während des Zeitalters des Merkantilismus, in dem sämtliche Nachbarstaaten der Niederlande dem Protektionismus huldigten, blieb dieses Land von jener Einstellung un­berührt. Wie der Vortragende ausführte, waren in jener Zeit allerdings andere als holländische Schiffe selten in den Häfen des Landes zu sehen. Nachdem jene Blütezeit des Handels vorüber war, wurde immer noch nichts an der alten Frei Handels tradition geändert. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war das Handelsschiff- fahrtsmonvpol vorüber, der Handel bewegte sich in vergreisten Formen, der Zinsfuß trat gewaltig gesunken und der Vorsprung gegenüber andern Ländern war geschwunden; siegten diese doch durch die Stärke ihrer natürlichen Hilfsquellen. Prof. Bruins zitierte die Alntersuchung unseres ehe­maligen Gießener Nationalökonomen L a s p e y - res über die Volkswirtschaft ichen Anschauungen der Niederlande in jener Zeit des Verfalls; ihm sind die besten Aufschlüsse hierüber zu ver­danken. Ein neuer Abschnitt beginnt erst 1813, als das Fürstenhaus Oranien erscheint und die Re­gierung Wilhelms i. einige, wenn auch schwache protektivniflische Versuche wagt. _ Die Vft:eim- gung der Niederlande mit Belgien fuhrt 1818 zu einer neuen Tarifpolittk, die dem Schutze des mehr industriellen Belgien gerechter wird. In jener Zett fängt der Handel wieder an, einen Aufschwung zu nehmen, wovon die Gründung der Niederländischen Bant und der Gesellschaft des Handels mit China zeugen, ihn die Mitte des Jahrhunderts erreichen die Gründungen ihren Höhepunkt. Das Jahr 1848 mit seiner liberalen Ideenwelt bedeutet wieder eine Wende, denn jetzt tritt eine scharfe Opposition gegen den, toean auch schwachen, Protektionismus des Königt ims auf. Das Jahr bringt den Parlamentarismus Hollands. Beeinflußt von dem manchesterlichm Liberalismus, neigt die Stimmung in Holland auch wieder diesem zu. Zwei Jahre nach dem Cobdenvertrag. 1862, kommt das neue Zollgesetz heraus, das einen so schwachen Protektionismus erkennen läßt, daß man von einem Freihandels-

land sprechen kann. Seit 1 8 6 2 ist Mit einer kleinen Ausnahme von 1877, durch welche' sogar weitere Erleichterungen gescha-sfe-u wurden) a n jenem Tarif nichts mehr geändert worden. Weist er doch nur 36 Positionen auf: 1872 beginnt das Ende der differentiellen Be­handlung der Kolonien. Dr. Bruins geht dann weiter auf die wirtschaftliche Struktur des Landes ein und weist nach, daß auch die pro­duzierenden Kreise von Landwirtschaft und In­dustrie selbst dem Freihaerdelsgedanten huldigten. Er sucht zu zeigen, daß nur sehr starke Mo­mente ein Volk, das Jahrhunderte in einem solchen Gedankenkreise lebt, dazu führen können, ein so tief eingewurzeltes System zu ändern. Seit 1920 ist tatsächlich eine derartige Bewegung vor­handen. Sie hängt mit der dleberschwemmung Hollands mit deutschen Produk en zusammen, die bekanntlich als Valutadumping b z ich. et wird. Der Vortragende zeigt viel Verständnis für Deutschlands Lage und erEerrnt richtig die Z l- sammenhänge, die zwischen der Ausschaltung Mittel- und Osteuropas vom Wi tfXaiteitörber der Welt, mit der Stagnation des Handels der Entente und neutralen Ländern besteht. Auch Holland besitzt, jetzt in 16 Prozent seiner Arbeiter­schaft, ein großes Heer Arbeitsloser! Der Cha­rakter Hollands als Durchgangsverkch's and nach Deutschland läßt die .'Ursachen der Wirt'chasts-' krise weiter deutlich hervortreten. Der Vortra­gende verhehlt nicht, daß eine starke Strömung gegen die deutschen Exportinteressenten besteht, die als Ver rag kontrahm e i wegen ihrer nach­träglichen Aufschläge nicht als einwandef.el gel­ten. Die nächste Zeit wird zeigen, ob diese Rich­tung, die von einflußreichen Kreisen der Wirt­schaft und Poliftk des Landes getragen ist, in Prohttttivcck en ihren Aud.uct finden wird. Der fesselnde Vortrag hat hier das größte In­teresse gefunden.

** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post folgt in der Woche vom 15.21. Mai d. Is. unverändert wie in der Vorwoche zum Preise von 1200 Mk. für ein Zwanzigmarkstück, 600 Mark für ein Zehnmarkstück. Für die aus­ländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt.

** Hessische Kinder Hilfs Woche in Gießen 1921. Von zuständiger Stelle wird uns mitgeteilt: Bei der Verteilung von Schuhen aus Mitteln der Kinderhilsswochs mußte ein­zelnen leider eine Enttäuschung bereitet werden, da die passenden Nummern bereits vergriffen waren. Es ist, nicht zuletzt durch das dankens­werte Entgegenkommen der liefernden Fabrik, Heinrich Dreyer in Butzbach, möglich geworden, diese alle noch zu berücksichtigen. Die Eltern er­halten Nachricht, sobald die Schuhe eingetroffen sind.

Boruotizeu.

Tageskalender für Montag. Astoria-Lichtspiele:Das verschwundene Haus^ undCharly tauftnen Regenschirm". Licht­spielhaus, Bahnhofstr., ab heute:Kaiserin Elisti- beth von Oesterreich".

Gießener Hausfrauenverein. Der Verband hessischer Hausfrauenvereine, dem auch der Gießener Hausfrauenverein angehört, richtet in Bad-Nauheim eine Verkaufsstelle für feine Handarbeiten (Kunststickerei, Stickerei, Filet, Trachtenpuppen usw.) ein. Mitglieder des Ver­eins, die Gegenstände der genannten Art zu ver­lausen wünschen, wollen sich baldmöglichst mit Frau Pros. Schian in Verbindung sehen.

Wettervoraussage

für Dienstag.

Zunahme der Bewölkung, vorerst noch ttocken, mild, westliche bis nordwestliche Winde.

.lieber Skandinavien liegt der Kern einet Depression, die schnell nach Osten zieht. Während wir noch unter dem Einfluß eines über Mittel­europa liegenden Maximums stehen, kündigt stark fallender Barometerstand an der Westküste Eng­lands eine neue Depression an, die uns einen abermaligen Witterungsumschlag in Aussicht stellt.

Landkreis Gießen.

* Wies eck, 15. Mai. Das Fest der Silbernen Hochzeit begehen morgen die Eheleute Reinhard Kling und Frau Katharine, Kornblumenstr. 51.

Kreis Friedberg.

fpd. Vilbel, 14. Mai. Starke Landjäger­streifen nahmen im Laufe dieser Woche in zahl­reichen Nachbardörfern Bei Milchhamste - rem Beschlagnahmungen kedeuterder Milchvorräte vor, die von den gecviffenlosen Vvlksausbe'ttern am F anffurter und Darmstädter Hotels und Konditoreien geliefert werden sollten Auch die grüne Polizei Betätigte sich in diesen Tagen eifrig an der Erfassung derartiger Milch- norräte. Die Behörde mußte zu diesen Maßnah­men schreiten, um den dringendsten Milchbedarf für die kleinen Kinder sicherzustellen.

Starkenburg und Rheinhessen.

* Radauszenen Beim Vortrag b c8 Prof. D r. Brunner in Darmstadt. In unserer Nr. 104 berichtete einer unserer Darm­städter Mitarbeiter in kurzen Zeilen über einen Vortrag Dr. Brunners im Christlichen Verein junger Männer zu Darmstadt. Nach den Ausfül­lungen des Redners entstanden heftige Ausein- andeisetzungen, die nunmehr zwei in dem Artikel genannte Herren veranlassen, sich mit langen Be­richtigungen an uns zu werden. Wir ersehen aus den Darmstädter Blättern daß in der Tat eine ziemlich wüste Auseinandersetzung an dem Vor­tragsabend stattgefunden haben muh, die auch hinterher in der Darmstädter Presse noch weitere Kreise zog. ftlns farni es jedoch nicht einfallen, umständlich den klaren Sachve'haft fest stellen zu wollen; wir begnügen uns vielmehr damit, aus den uns zugegangenen Zuschriften zu entnehmen, daß Stud. Haubach einer der Opponenten Brunners, kein Kommunist sei und wohl Zwi­schenrufe. aber feinegemeinen Zwischenrufe" in Ben Saal gerufen haben soll. Der frühere Stadt­verordnete Dr. Ing. Heyd will lediglich ver­mittelnd eingegriffen haben, gibt aber zu, daß er nahezu in ein Handgemenge hineingezogen wor­den sei. Wenn wir im übrigen die ausführlichen Berichte der Darmstädter Presse lesen, so ge­winnen wir denn doch fast die ftleberzeugung, daß die Veffechter moderner Kunstbestrebungen in Darmstadt als Gäste in einer Versammlung sich nicht gerade maß- und taktvoll benommen haben.

Hessen-Nassau.

Aussperrung in der weftallmdustrie.

mc. Frankfurt a. M., 14. Mai. Die Arbeitgeber in der Metallindustrie drohen mit