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Nr. 1'3

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pstzschealonto:

ZranffuN a. M. 11686.

Erster Blatt

172. Jahrgang

Montag, !5. Mal 1922

SiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Druck unb Verlag: vriihl'sche Univ.-Vuch und Stcinbruderei H. Lange. Sdfriftleitung, SeschaftsfteSe und Druckerei: Zchulftraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 120 Pf., auswärts 150Pf.; für Neklame- Anzeigen von 70 mm Breite 45OPf. Bei Platz. Vorschrift20Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. 'verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Btufc, sämtlich in Gießen.

Eine Einigung über die Behandlung der russischen Frage.

Wider Erwarten ist. nach einer längeren älnterrcdunq zwischen Lloyd George und Bar- thvu, eine Einigung über die weitere Behand­lung der russischen Frage erreicht worden. 3m Haag soll demnächst ein neuer Sachver- ständigen-AuSschuß zusammentreten, von dem man noch nicht genau weiß, ob die Russen daran beteiligt oder zu Sonderberatungen ein­geladen werden und ferner, ob die Sachver­ständigen von der Genueser Konferenz oder von den beteiligten Regierungen ernannt wer­den. Für die Dauer der Sachverständigen- beratungen soll auch eine Art Burgfriede eingesetzt werden. Abmachungen werden am heutigen Montag vervollständigt werden; cS ist noch zu viel Geheimnis. AnauSge- sprvchenes dabei, als das; man genau zu sagen in der Lage wäre, wer hier gesiegt habe und wer zurückgewichen wäre.

Die russische Frage im Unterausschuh.

Genua, 14. Mai. (WTB.) Heute hormittig und nachmittag hielten die Vertreter der fünf einladenden Mächte Sitzungen von je zweistündiger Dauer ab. Cs wurden da'ei Beschlüsse gefaßt, über die mehrere, teilweise voneinander abweichende Berichte vorliegen. Don englischer Seite wird mitgeteilt: Cs wurde beschlossen, der Linker kom Mission der er st en Kommission Vorzuschlag m, baf) die in Genua vertretenen Mächte für den 15. Juni Ver­treter nach dem Haag senden sollen. Diese Ver­treter werden zu entschließen haben, welche Staa­ten in den Sachverständigenkommissionen ver­treten fein sollen bzw. Vertreter dafür ernennen sollen. Die Sachverständigen werden ebenfalls im Haag mit den Russen zusammen ihre Sitzungen abhalten. Während der Dauer der Arbeiten der Sachverständigenkommissionen wird ein Burgfriede auf der Grundlage derDe-en- seitigkeit angenommen. Rach einem Vorschlag Lloyd Georges sollen die Vereinigten S a r° ten sondiert werden, ob sie in dem Dachver­ständigenausschuh vertreten sein wollen. Wäh­rend dreier Monate nach Zusammentritt der Kommissionen dürsen keine Separatab.'ommen mit Ruhland abgeschlossen werden. Unter Separat­abkommen find nicht zu verstehen Handels- und Schiffahrtsabkommen, sondern nur politische Ab­kommen. In der morgen vormittag stattfi idenden Sitzung der Unterkommission werden diese Be­schlüsse vvrgelcgt werden. ES wird auch darüber beraten werden, ob die Russen eingeladen wer­den sollen, wieder an der Unterkommission teilzu­nehmen, oder ob erst eine Antwort auf die russische Rote vom 11. Mai ergehen soll. Ueber den Text der Antwort an Ruhland ist noch nicht beraten worden.

Bon französischer Seite wird bekannt- gegeben: Cs wurde fr-ute von den Vertretern der fünf einladenden Mächte beschlossen, dah die Mächte, die das Memorandum vom 2. Mai unterzeichnet haben, auf die russische Rote vom 11 Mai durch eine Rote antworten sollen, die morgen der Unterkommission für russische Qln- gclegcnheiten unterbreitet wird. Der Entwurf der Rrtc weist drei Teile aus: Zunächst wird die Kri ik der Russen an dem Memorandum zurück- gewiesen. Zweitens wird vorgeschlagen. Sach- verftändiqenausschüsfe einzusehen, um die vier fol­genden Fragen zu prüfen: 1. Schulden, 2. Privat­eigentum, 3. Reparation der Schäden, die den Personen und dem Eigentum zugefügt wurden, 4. Kredite. Im Haag sollen am 26. Juni zwei Ausschüsse -usammentreten. von denen der eine aus den nicht russischen Staaten bestehen soll, der andere aus Vertretern Rustlands. Wenn der erstgenannte Ausschuh es für nötig halten sollte, soll der russische Ausschuh zur Teilnahme an seinen Verhandlungen eingeladen wrrdrn. Der dritte und letzte Teil des Entwurfs besagt: Ruh­land und die Mächte, die im Sachversländigenaus- schuh vertreten sein werden, verpflichten sich, von jedem Angriff und jeglicher Propaganda Abstand zu nehmen. Auster über diesen Entwurf der Ant­wortnote an die Sowjetdelegaiion wurde nach französischer Mitteilung über folgenden Punkt eine Einigung erzielt: Die Mächte, die in der Unterkommission vertreten sind, soweit sie das Memorandum an Rußland unterzeichnet haben, sahten folgenden Deschluh: 1. Die nicht- russischen Sachverständigen werden nicht von der Genueser Konferenz ernannt, sondern von ihren Reglerungen. 2. Die nichtrussischen Sachverstän­digen worden am 15. Juni eine Präliminarver­sammlung abhalten, wo sie die Instruktionen ihrer Regierungen mitteilen. Vom 16. bis 22. Juni wer­den Besprechungen ohne die Russen abgehalten werden. Während dieser Frist wird es jeder ver­tretenen Macht freistehen, aus dem Ausschuh zu­rückzutreten, wenn sie es für angebracht hält. L Mährend einer Frist von vier Monaten, vom -6. Juni egt gerechnet, werden die in den Sach- »erständl-en-ommissionon vertretenen Staaten sich verpflichten, keinen Deparatvertrag mit Ruhland «b? »schließen. Alle in Genua vertretenen Mächte werde l eingeladen werden, sich im Sachverstän» digenausschuh im Haag vertreten zu lassen, ebenso die Vereinigten Staaten. Deutschland wird zur Teilnahme nicht eingeladen werden. Die französischen und die belgischen Delegierten ver­pflichten sich für den Fall, dah die Russen den Vorschlag annehmen, ihren Regierungen zu emp­

fehlen, sich im Sachverständigenausschuh im Haag vertreten zu lassen.

Genua, 13. Mai. (Spezialbericht dos Ver­treters des WTD.) Die Unterkommission der ersten Kommission trat heute vor­mittag 11 Uhr zusammen, um über die Antwort auf die russische Rote zu beraten. Da es zu einer Einigung zwischen Lloyd George und Barthou nicht kommen konnte, wurde die Sitzung um 1.10 Uhr auf nachmittags 5 Uhr vertagt. Von englischer Sette wird über den Verlaus der Sitzung berichtet:

Lloyd George erklärte, die russische Ant­wort fei sehr unbefriedigend, aber es sei ganz klar, dah die Russen wünschten, zu einem Ab­kommen zu gelangen. Ein Abbruch der Kon­ferenz wogen dieser Antwort würde eine sehr ernste Gefahr für Europa und Asien bedeuten. Große Menschenmengen seien von der Hungers­not und den Seuchen bedroht, und wenn jetzt die Konferenz von Genua geschlossen würde, so würde zweifellos eine große Bedrohung der Ruhland benachbarten Staaten eintreten und nicht nur der europäische Friede, sondern auch der Friede der ganzen Welt fei in grösster Gefahr. Der britische Premierminister bat, kein so grobes Wesen zu machen ans dem Gegensatz zwischen dem Prinzip und dem System, sondern sich der praktischen Seite zuzuwenden. Eia grober Fort­schritt sei bereits gemacht worden. Er schlage daher vor, auf die russische Antwort in der Weise zu an'worten: Es sollen Kommissionen für das Privateigentum, die Schulden u^b die Kreditfrage eingesetzt werden. Es sei von wesentlicher Bedeutung, dah diese Korn- missionen gemischt seien, denn eine neue Sach- ve.ständigenzusammenkuast nach dem Vorbilde von London sei eine reine Zeitverschwendung. Eine Bedingung aber sei wesentlich für die Ausfüh­rung seines Vorschlages, nämlich die Kommi sio- neu könnten nicht arbeiten in einer Atmosphäre der Bedrohung und der halben Feindseligkeit, während die Roten Armeen die Grenzen ihrer Rachbarn bedrohten die Propaganda fortdauere und während verschiedene Staaten ihre Grenzen bedroht fühlten. Darum schlage er einen Burg­frieden auf der Grundlage der de facto be­stehenden Grenzen vor, bis die Kommissionen ihre Arbeiten beendet hätten. Lloyd George hob hervor, dah die bestehenden Verträge die Grenzen Osteuropas nicht endgültig festgesetzt hätten. Zum Schlüsse schlug Lloyd George noch vor, auf den propagandistischen Teil der russischen Antwort, die unmöglich ohne Antwort gelassen werden könnte, eine scharfe Antwort zu erteilen.

Barth ou erflärte, die Interessen der fran­zösischen Regierung verhinderten die französische Delegation die Antwort auf das russische Doku­ment zu erörtern, an dessen Absendung sie nicht beteiligt gewesen sei. Die Ansicht der französischen Regierung fei, dah Lloyd Georges Vor­schlag über die Einsetzung von Kom­missionen keinen Zweck habe und ledig­lich eine neue Konferenz von Genua bedeuten würde. Barthou behielt sich das Recht vor, die Möglichkeit der Ernennung einer derartigen Kom­mission in Erwägung zu ziehen, wenn sie nicht von der Genueser Konferenz, sondern später er­nannt würde, und wenn in dieser Kommission nur d i e alliierten Regierungen, die R e u t r a l e n und vielleicht auch dieVer- einigten Staaten vertreten sein würden. Frankreich würde aber niemals der Ernennung einer Kommission mit russischen Mitgliedern zu­stimmen. Die französische Ansicht fei ferner die, bah der Vorschlag eines Burgfriedens eine ernste Gefahr fei, da die Propaganda fortdauern und die Kommission in beständiger Sorge vor den Roten Armeen und der russischen Gewalt­tätigkeit, arbeiten würde. E r bedauere, dah Frankreich den britischen Vorschlag nichtannebme i könne.

Der i a'.ie -ische Minister des Aeahern Schanz er sagte, Italien fei nicht bereit, die Hoffnung aut einen F irden mit Rabland aaf- zugeben und es fei ebenfalls nicht bereit, bu schwere Verantwortung des Ab­schlages des britischen Vorschlages auf sich zu nehmen. Es seien schon beträchtliche Fortschritte aut der Konferenz erzielt toorten. Im Falle eines Abbruches der Konferenz feien bte innneren und äuberen Gefahren sehr grob. Wenn die Konferenz nur wegen einer reinen Prozedur­frage zusammenb.eche i würde, fo würde in Eu­ropa, das mit Spannung die Arbeiten der Kon­ferenz vrr'o'ge, niemand dem verzeihen, der die Verantwortung für den Bruch der Konferenz tragen mühte. Die i a- lienifche Regierung nehme daher den britischen Vorschlag gerne an, und sie bitte die französische Regierung. ebenfalls die Annahme dieses Vor­schlages in Erwägung zu ziehen, aber Rah« land mühte unbedingt tu der Sach­verständigenkommission vertreten fein. Schanzer richtete darauf ein »n warmen Appell an Barthou, noch einmal die Haltung der französischen Delegation in Erwägung zu ziehen.

Der rumänische Delegierte B r a t i a n u sagte, der Friede Europas mühte unbedingt arfrrch'- erhalten werden und er beantrage daher eine kurze Vertagung, damit -informelle Besprechingen stattfinden könnten.

£er i a.ienische Premierm n ster de Facta stimmte der Vertagung zu, Lloyd George sagte, er fei damit einverstanden, dah dir Sitzung bis am 5 ülhr vertagt werde.

Die entscheidende Nachmittagsitzurig.

Genua, 13. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Heute nachmittag hatten Lloyd George und Barthou eine zwei­stündige Unterrcbung. Im Anschluß dar­an wurde von 6 bis 8 ülhr eine Sitzung der Unterfommiffion der ersten Kommission abge­halten, worin besonders die Vertreter anderer Mächte Gelegenheit erhielten, ihre Auffassung darzulegen. Lloyd George und Barthou erklärten beide, es fei bei ihrer llnterrebung ein guter Fortschritt auf dem Wege zu einer Einigung er­zielt worden. Morgen vormittag findet eine Be­ratung der Vertreter der einladenden Mächte statt. Montag vormittag wird die Unterfommif- sion wieder zu einer Sitzung zusammentreten.

Die Sitzung der ülnteilommission der ersten Kommission begann um 6 Ubr nachmittags. Vi­comte Ishii erklärte, die Mächte dürften ihre Arbeiten auf der Konferenz, nicht aufgeben. Das Ziel sei zu bedeutungsvoll. Es handele sich nicht nur um den Wiederaufbau Europas, sondern um den Wiederaufbau der ganzen Welt. Es sei von größter Dedeuiung, zu einer Einigung zu gelan­gen. E r billige den britischen Vor­schlag und hoffe, es werde möglich sein, sich zu einigen. Motta sagte, nach seiner Ansicht würde es besser fein, wenn die neuen Sachverständigen­kommission von der Genueser Konferenz ernannt werde, aber er sei auch nicht gegen die Ernennung durch die Regierungen. Die Kommission werde aber vollkommen zwecklos sein, wenn die Russen in ihr nicht vertreten feien. Er glaube, es sei sehr wichtig, die Kommission einzusehen, damit der Abschluß von Seperatabkommen verhindert würde. Die Schweiz sei neutral, begrüße aber den Vorschlag des Burgfriedens mit Enthusiasmus. Dar thou sprach seine Zufriedenheit aus über den Fortschritt, der bei seiner Konferenz mit Lloyd George er­zielt worden sei. Er hoffe zu einem vollständigen Einvernehmen zu gelangen. Ob nun die Mit­glieder der Kommission von den Regierungen er­nannt würden oder von der Konferenz, auf jeden Fall würde die Kommission das Ergebnis der Konserenz von Genua fein. Er glaube auch, dah man zu einem Abkommen in der Frage derBe­teiligung der Russen gelangen könne. Diese Er­klärung fand lebhaften (Beifall bei allen An­wesenden (Bartfrm sagte noch das Einvernehmen sei noch nicht vollständig, aber er hoffe, es werde morgen ermöglicht werden. Er sei einverstanden mit dem Vorschläge des Burgfriedens, wie ihn Lloyd George anrege. Es fei sehr wichtig, Se­paratverträge zu vermeiden. Die anderen Mächte hätten die Meinung, Frankreichs und Großbritan­niens wissen wollen. Jetzt sei der Augenblick für die anderen gekommen, ihre Ansichten gus- zusprechen.

Lloyd George sprach hierauf einige Worte. Er bestätigte, daß ein Fortschritt bei feiner Besprechung mit Barthou erzielt worden fei. Es sei notwendig, sofort über den Sih der Sachverständigenkommission und das Datum ihres Zusammentritts zu entscheiden. Es würde sehr wesentlich fein, jetzt in Genua zu einer Einigung zu gelangen. Alle Mächte, besonders die Grenz- flaaien Rußlands, mühten den Burgfrieden an­nehmen. Dieser müsse auf Gegenseitigkeit beruhen. Lloyd George forderte ebenfalls die anderen Mächte auf, ihre Ansicht zu äußern.

S k i r m u n t sagte, Polen sei die einzige tn der Untei tcmmiffiD.i vertretene Macht, die bereits einen F.i densv.'rtiag mit Rußland abgeschlos­sen habe. Polen habe sich an der ilnterEommilfion beteiligt, weil es ein allgemeines 2Ibtommen wünschte. Die Ostgrenze Polens fei durch den Vertrag von Riga festgesetzt. Aber Polen fei leb­haft an dem Du gf bben-batt interessiert. 3a- spar- Belgien erklärte, die belgische Delegation wünsche ebenfalls, daß in Genua ein Abkommen erreicht werde. Er hoffe, daß niemand glau­ben werde, Belgien verhindere eine Regelung Er sei mit Schanzer der Ansicht, daß die fünf Wochen, die man hier zugebrächt habe, keine zu lange Periode feien. Aber es gebe Mächte, die Angst hätten,auf der Stelle zu marfbüren. Er sei überzeugt, daß die Mächte fort fahren müßten mit ihrer Arbeit. Rlernend werde die Verantwortang für einen Mißerfolg auf sich nehmen, nachdem alles so gut begonnen habe. Schanzer sprach feine große Zufriedenheit über die llnterrebung zw-ifchen Lloyd George und Barthou aus. Er sagte, Italien habe bereits einen Handelsvertrag mit Rußland fertig, der noch nicht unterschrieben worden fei, dessen Unterzeichnung aber wohl erfolgen werde. Er glaube, dah es wichtig sei, Datum und Sitz der zu ernennenden Kommission unverzüglich feft;usehen. Seiner Ansicht nach müsse die Sachverständigenkommission fo schnell wie möglich zusammentreten. Er glaube, es sei notwendig, die Periode zu beftirttmen, in der die Kommission ihre Arbeiten beenden müsse, weil man nicht von den Mächten verlangen könne, auf allzu lange Zeit auf ihr Recht, Separatver­träge zu schließen, zu verzichten. Er schlage eine Periode von drei Monaten vor. Die Kom- missionssitzung war um 8 Uhr zu Ende. Die nächste Sitzung findet Montag vormittag statt.

London, 15. Mai. (WTD.) Die Blätter weisen in Telegrammen aus Genua auf die An­na h m e der britis chen Vorschläge für die Behandlung der russischen Frage und das dadurch erzielte vollständige Uebereinfom- m e n hin.

Wickham Steed hebt jedoch in der ,T i- m e s hervor, daß die Delegierten Frankreichs und Belgiens sich wohl bereit erklärten, ihren Regierungen anzuempseblen, die abgeschlossenen Vereinbarungen anzunehmen, jedoch keine Ge­währ geben konnten, daß diese Vereinbarungen auch wirklich anaenommen werden. Zwischen dem

15. und 26. 3uni könne jede Regierung auch ihren Vertreter von der Kommission zurückziehen, ohne sich dem Verdacht auszufetzen, in einem un­freundlichen Geiste zu handeln. Es sei auch nicht anerkannt, ob die Bolschewisten den Bedin­gungen des geplanten Burgfrieden- zustimmen werden. In einer Unterredung mit Mitgliedern der russischen Delegation stellte der (Reuter- Sonderberichterstatter fest, daß die russische Dele­gation gegen eine 'Beteiligung Rußlands an dem Pakte nichts einzuwenden habe.

Das (Knde der Konferenz?

Paris, 14. Mai. (WTD.) Der Ha» vas-Sonderberichterstatter in Ge­nua berichtete in der vergangenen Rächt, daß die Genueser Konferenz so gut wie beendet sei. Das sei das wesentliche Er­gebnis des Tages. Falls das Abkommen über die Art und Weise, wie der Sachverständigen­ausschuß zur Prüfung des russ.sehen Problems funktionieren soll, erzielt wird, wird Lloyd Ge­orge, wie er gestern abend erklärte, nicht auf der Diskussion der anderen auf dem Pro-f Konferenz werde dann am Dienstag durch gramm stehenden Fragen beharren, und die eine letzte Vollsitzung ihre Arbeiten beenden. Aus den heutigen Beratungen ergab sich, daß ohne die Mitarbeit der Vereinigten Staaten der Wiederaufbau Rußlands un­möglich ist. Roch gestern abend wurde der Botschafter der Vereinigten Staaten in Rom beauftragt, seiner Regierung von t dem Wunsche aller in der politischen (Unterkom­mission vertretenen Mächte Kenntnis zu ge­ben. Man erwartet in kürzester 'Frist eine Antwort aus Washington. Es ist unzweifel­haft, daß, wenn von Amerika Bürgschaften verlangt werden, diese sicher bewilligt werden.

Paris, 14. Mai. (WTD.) Der Sonder­berichterstatter der Agentur Havas berichtet' aus Genua, daß bereits in der vergangenen Rächt inzuständigenamerikanischen Kreisen die Lieberzeugung Platz gegriffen hat, daß die Regierung der Vereinigten Staa­ten bereit sein werde, an den Arbeiten der Sachverständigenkonferenz teilzunehmen, die nach dem Konferenzbeschluß die Prüfung der Mittel fvrtsetzen soll, wodurch sich Rußland wieder erheben könnte. Andererseits wird dem Rew Dork Herald" aus Washington gemel­det, Botschafter Child habe keinerlei Wei­sungen erhalten, um Lloyd George vorzu­schlagen, dah Amerika an der russischen Kom­mission teilnehmen möchte. Wenn irgend ein Vorschlag von einftuhreichen amerikanischen Persönlichkeiten in Genua gemacht wurde, so müßte das Staatsdepartement feststellen, daß es davon ohne Kenntnis war.

' Reichsfinanzminister Hermes in Paris.

Paris, 13. Mai. (WTB.) Reichs- ftnanzminister Dr. Hermes hat heute nach­mittag dem Vorsitzenden der Reparattons- kvmmission und dem französischen Delegier­ten Louis Dubois einen Besuch abgestattet. Die sachlichen Beratungen mit den Mitglie­dern der ReparattonSkvmmission werden am Montag vormittag beginnen.

König Georg in Belgien.

Paris, 13. Mai. (WTD.) König Ge» v r g von England hat an den letzten beiden Tagen in Begleitung von Marschall Foch und Marschall Haig eine Anzahl eng­lischer Kriegsgräber tn Rv-dfrankreich besucht und heute nachmittag vvn Boulogne aus die Rückreise nach England angetreten.

Paris, 14. Mai. (WTD.) Auf ein Tele­gramm des Königs von England nach seinem Desuch der Soldalenfriedhöfe an der ehe­maligen Front antwortete PräsidentMille- r a n d , Frankreich werde das Opfer der britischen Soldaten niemals vergessen, die an der Seite der französischen Soldaten im Laufe eines schrecklichen und glorreichen Kampfes gegen einen ungerechten Angriff gefallen seien. Mit der Regierung der Republik und dem gesamten französischen Volke schließe er sich der Anerkennung an, die der König den ruhmreichen englischen und sranzösi- schen Soldaten gezollt habe.

Generalratswahlen in Frankreich.

Paris, 15. Mai. (WTD - Gestern haben in Frankreich in allen Departements mit Aus­nahme des Seine-Departements und Algerien bj e Wahlen für die Hälfte der General- r ä te und für die Hälfteder Arrond'isse- mentsräte stattgefunden. Es hab-m viele Stich- toahlen stattgefunbrn. 3m ganzen haben sitz nach einer Meldung ter Havasagentur 1491 General­räte zur Wahl gestellt.

Rach Parteien geordnet entfallen auf ~bie Rechte und die Aktionsliberalen 170 Sitze, auf die demokratische Entente und die Linksrepu­blikaner 654 Sitze, auf die Linksradikalen, ra­dialen Sozialisten und soz'alistischen Republl- taner 574. auf die Sozialisten und unabhängigen So-ialisten 74 und auf £ ie Kommunisten 19 Sitze. 9 Senatoren und 131 Debitierte befinden sich