Der Kamps um das Osterfeuer.
Das altehrwürdige Osterfeuer, dies Wunder- Dolle Sinnbild deutscher Licht- und Lebensfreude, tft eine der schönsten und wohl die nationalste unter den Sitten, die in reichem Kranz das Osterfest umgeben. Jahrhunderte lang haben die öfter» licken Flammen von den deutschen Bergen gelodert, sind Feuerräder zu Tal gerollt, hat man fich an diesem äleberrest altgermanischer Sonnenverehrung erfreut. Erst die moderne Zivilisation mit ihren Polizeivvrschriiten und Bedenken aller Art ist auch dem Osterfeuer gefährlich geworden. Bei den Landverteilungen und Grenzregulierim- gen durch die Landeskulturbehörden wurden die altgeweihten Osterseuerhügel, fast immer alter Ge- meinbesih des Dorfes, rücksichtslos dem Pn° vatbesih übergeben. Die Landräte und Polizeibehörden schüttelten bedenklich den dicken Amtszopf, der ja unsichtbar noch immer im Backen so vieler hängt, und verboten die Osterfeuer wegen der angeblichen Feuersgefahr, wegen des , dabei verursachten Lärms: und schliehttch rant man auch dahinter, daß das eigentlich eine heidnische Sitte sei, die sich mit dem Christentum nicht vertrage, obwohl die Kirche seit uralter Zeit auch ihre Osterfeuer kennt. Während des Krieges, als dem alter Brauch die Gefahr drohte, ganz unterdrückt zu werden, hat der wackere Vorkämpfer für Volkstum und Volkskunde, Pros. Heinrich Sohnrey, den Kampf für das Osterfeuer ausgenommen und ist in einer fion ihm herausgegebenen Schrift „Osterfeuer"
für die Wiederbelebung der Sitte eingetreten. Heute dürfen wir wohl sagen, daß die Osterfeuer noch immer oder von neuem in den verschiedensten Teilen des deutschen Landes aufflammen, und wir verehren in ihnen auch em Sinnbild der deutschen Volkseinigkeit, um das sich alle Stämme und alle Stände zu gemeinsamer Feier vereinen. Wir erhoffen in dielen Sitten deutscher Vergangenheit zugleich ein Sinnbild für die Zukunst, denn nur wer die Vergangenheit pflegt, darf für die Zukunft hoffen Das Osterfeuer weist auf ein uralt germanisches Sonnenfest hin, das im Frühjahr gefeiert wurde und sich noch in manchen Bräuchen und Qm- schauungen erhalten hat. Ein beliebtes Öfter» gebäck, das alte rabförmige Ringelbrot mit den Speichen, gemahnt an die Feuerräder, an dieses Sonnensymbol, das als älteste Form des Oster- feuers von den Bergen herabgerollt wurde. Allenthalben glaubt man, Ne Sonne tue in der Frühe des ersten Ostertages drei Freudensprünge oder vollführe einen Freudentanz. Mancherorts wurde in das Feuer ein Eichhörnchen oder _ n Bockshorn oder em Pserdekopf hinein geworfen, die Erinnerung an heidnische Opfer, und ebenfo geht auf altgermanifche Vorstellungen der Glaube zurück, daß, soweit die Feuer scheinen, Oie Felder fruchtbar sind, die Häuser gegen Krankheit und Drandunglüct geschützt werden.
Die altertümlichste Form des brennenden Ra- I des ist noch verschiedentlich gewahrt: am interessantesten in dem westfälischen Städtchen Lügde bet Pyrmont, dem alten Lugdumm, in dem Karl
Der Friede im Cftett.
London, 13. April. (Wolff.) Die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und Italiens haben eine LIeber- einstimmung bezüglich der Haltung erzielt, die gegenüber den Gegenvorschlägen von Angora über den Waffenstillstand angenommen werden soll. Die Räumung Kleinasiens darf unter feinen ihn- ständen zu einer der Bedingungen über den Waffenstlllstand gemacht werden. Der Standpunkt der Regierung wird in einer gemeinsamen Mitteilung dargelegt werden, die den alliierten Oberdvmmissaren in Konstantinopel innerhalb der nächsten Lage zugesandt werden wird.
Line deutsch-polnische Einigung.
Genf, 13. April. (WB.) Die Schweizerische Depeschenagentur vernimmt, daß in den deulsch- polnischen Verhandlungen die bei en Parteien sich in der Frage der Liquidation des deutschen Eigentums in Polnisch-Oberschle- fien geeinigt haben. Ein Schiedsspruch von Herrn Colander tn dieser Frage ist somit nicht mehr notwendig
Genf, 13. April. (WD.) (Von unserem Sonderberichterstatter.) Aach der gestern eingetretenen Wendung tn den deutsch-polnischen Verhandlungen ist heute in der Ltquidulions- fcage eine völlig gütliche Einigung zwischen den । deutschen und pol i eben D vollmäch ijten erste.t worden, so datz in der letzten Stunde der Schiedsspruch des Präsidenten Colander vermieden werden tonnte. 3n einer loitgen Aachisi u.g zwischen Reichsminister a. D. Schiffer und dem Minister Olszowski, an der auch ihre Mitaroeiter, und zwar auf deutscher Sötte Staatssekretär Le- wald, Geheimrat Schlegelberger und Pros. Kaufmann, auf polnischer Seite Pradzynski und Kra- metzthk teilnahmen, unter Mitwirkung des Direktors der Rechtsabteilung des Völkerbunds- sekretarrals, Dr v. Hamel, gelang es schließlich einen endgültigen Einigungstext au zustellen. Dis in die Mol-genstunden bauerte der Kamps um die letzten Streiifcagen, und zwar voll? Ver- fügungsfieiheit der Großindustrie wahrend der löjäbiigen Karenzzeit, die Polen um je^en Prcts ernschränten wollte, während die Deutschen zä.^e an der Forderung nach völliger Frei lellung f st- hiellen, sowie auch um die von Deu sch land g - forderte D.frrtu g der Wvhnsi^bcrechtigten von der Liquidation ihres Grundvesi.^es. Erst als fich der deutsche Standpunkt in bieten Fragen völlig durchsetzte, f axten kurz vor 5 llhr morgens die Verhandle;gen In öer LiquidalionSfrage als abgeschlvf en gehen. Heute nachmi.rag wurde dann der Text über die Lr- quidation von den beiden Bevollmächtigten unterzeichnet, worxrus in der ösfe itlichen Vollsitzung, in der ursprünglich der Schiedsspruch nütgeteilt werden sollte, Präsident Calonder mit sichtlicher Q3efriebi;/uiig die trotz aller Schwierigkeiten erzielte direkte Einigung zwischen Deutschland und Polen verkünden konnte.
Deutsch dänische Abmachungen.
Berlin, 13.April. (Wvlff.) Bei dem gestrigen Abschluß der deutsch-dänischen Derhandlungen wurden durch Notenwechsel noch folgende Verein da rungen getroffen:
1. Einrichtung einer Ra chtverbin- fbung im Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Dänemaick vom 1. Juni ab;
2. Herstellung eines Dammes nach Sylt innerhalb von drei Jahren;
3. während dieser Zeit paß - und zollfreier Verkehr noch Sylt über Tondern- Hoher, tägliche Zugverbindung nach jeder Ächtung in einem für die praktischen Bedürfnisse ausreichenden Maße, außerdem für die Badefaisvn Einlegung von Bäderschnellzügen;
4. entsprechende Verlängerung des pah- und zollfreien Geschäftsverkehrs, falls der Damm infolge höherer Gewalt innerhalb von drei Jahren nicht fertig werden sollte;
5. tunlichst baldige Verlegung der deutschen Zollabfertigung von Tonder^ mich Süderlügum.
Eine Krifis in den Preiserhöhungen.
Berlin, 13. April. Wie gestern in Hamburg, so ist heute auch in Berlin trotz der bevorstehenden Feiertage ein Sinken der Butterpreise ein getreten. Das gleiche gilt von dem Berliner V i e h m a r k t. Mit Rücksicht auf die Feiertage wurde dem Markte Ware von allen Seiten zugeführt. Der Markt zeigte jedoch nicht genügende Aufnahmefähigkeit, so daß die Preise zurückgehen mußten. Die Preise sanken durchweg um 5 bis 6 Mark pro Pfund. 2luch von allen auswärtigen Märkten wird über die schlechte Ge-
chäftSlagefürRinder berichtet. Auch ) le Mehlpreise zeigten ein Aichas s e n, so daß sich die süddeutschen Mühen veranlaßt sahen, in den letzten Tagen die Preise wiederholt beträchtlich herabzusetzen. Dieses Sinken ist wohl hauptsächlich auf die Freigabe des ausländischen Mehles zurückzuführen, welches bereits gestern in Stettin unter der amtlichen Berliner Aotiz angeboten wurde. Ferner sollen in Hamburg größere Mengen ausländischen Mehles lagern, die möglicherweise nach den Feiertagen auf die Preise der Märkte drücken werden. Die ,,Vos- sische Zeitung" glaubt, daß aber auch innerwirtschaftliche Gründe bei dem Sinken der AahrungSmittelpreise mitzuspielen scheinen, daß nämlich die Produzenten die Kaufkraft und die Zahlungsfähigkeit des Publikums etwas überschätzten urid daß dieses Publikum es jetzt abzulehnen beginnt, ohne jeden Protest alle Preise hinzunehmen. Bei einem Andauern dieses Zustandes könne man vielleicht bald mit einem Abbau aller Preise rechnen. ----
Aus dem Reichs.
Die Verhandlungen über das Arbeitszeitges-tz.
Berlin, 14. Qlpril. Die Verhandlungen über das Arbeitszeitgesetz bei der Eisenbahn, die in den letzten Tagen zwischen dem Rcichsverkehr-mini e .ium-uni) den Spitzei,organi- salionen flaitgefunben haben, haben am Donnerstag bis auf einen Punkt zu einer Einigung geführt. Strittig ist nur das Ansetzen längerer D i e n st s ch i ch t e n. Die Verhandlungen sind um mehrere Tage veifchoben worden.
Zmn Kampf in der süddeutschen Metallindustrie.
Heidelberg, 13. April. (WTB.) Lieber den Verlauf der Verhandlungen zwischen der süddeutschen Gruppe deS 1 Gesamtverbandes deutscher Metallindustrieller und den Metallarbeiterverbänden übergeben die an den Besprechungen beteiligten amtlichen Stellen der Oeffentlichkeil folgenden Bericht: Anläßlich der Erneuerung des Manteltarifs wurde von der Arbeitgeberseite die Verlängerung der zur Zeit 46stündigen Arbeitswoche auf die 48ftündige gefordert. Die Arbeitnehmerseite hielt diese Forderung nicht für begründet und glaubte, an der 46ftünbigen Arbeitswoche festhalten zu sollen. Außerdem stand angesichts der Teuerung die Lohnfrage zur Verhandlung. Nachdem es den verschiedenen Schlichtungsverfahren für Bayern, Württemberg mnd Baden nicht gelungen war, die Streitigkeiten beizulegen, kam es auf Anregung des Reichsarbeitsministeriums zu einer nochmaligen Aussprache aller beteiligten Organisationen in Heidelberg am 12. und 13. April. Die Verhandlungen begannen unter dem Vorsitz des Herrn Reichsarbeitsministers unter Beteiligung der sozialen Ministerien der genormten Länder mit einer allgemeinen Aussprache der beiden Parteien, die ergebnislos blieb. Die Regierungsvertreter schlugen daraufhin den Parteien eine neue Verhand- Eu ngSgrundlage vor: Unter Zurückstellung der grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Arbeitszeit soll man im Interesse des Friedens einen Prak- tifd>en Mittelweg suchen und die regelmäßige Wochenarbettszett auf 47 Stunden festsetzen. Daneben aber soll die Arbeiterschaft sich bereit erklären, im Bedarfsfälle eine weitere Arbeitsstunde als ileberftunbe zu leisten. Die Arbeitervertreter waren berett, auf dieser Grundlage zu verhandeln. Dagegen suchten die Arbeitgeber den Ausgleich zunächst lediglich auf dem Gebiete der Lvhnsrage, erklärten sich aber im Verlaufe der Verhandlungen bereit, sich bis ffum 1. Juni, als dem Zeitpunkt der Fahrplanänderung, mit der 47stundigen Arbeitszeit zu begnügen, für den Fall, daß von da ab 48 Regelstunden wöchentlich gearbeitet werden. Lieber diesen Vorschlag in Verbindung mit ihrem Zugeständnis in der Lohn- und Ferienfrage sollten die Gewerkschaften eine Urabstimmung herbeiführen. Trotz langwierigster Verhandlungen ließ sich eine Einigung nicht erzielen. Das Reichsarbeitsministerium erklärte sich daraufhin bereit, seinerseits einen neuen Vergleichsvvrschlag den beiden Parteien zur Absttmmung in ihren Mttgliederkreisen zu unterbreiten. Die Arbeitgebersette lehnte das ab. Das ReichSarbeits- minifterium behielt sich gleichwohl vor, erforderlichenfalls zu geeigneter Zeit mit einem neuen Vorschlag an die Parteien erneut her- vvrzutreten.
Das LichLbildwesen tn Hessen.
Aus Einladung der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen fand am 12. April eine Sitzung im Landtage statt, an der die Vertreter des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft und des Ministeriums des Innern, ferner des Landes-BUdungsamtes und des Landes-Ernährungsamtes, eine Reihe von Kreisdirettoren, und Kreisschulräten, viele. Gemeindeverwaltungen, Vorstände von Volksbildung- und Berufsoereinen, die Landwirtschafts-, Handels- und Handwerkskammern, Vertreter der Landesunive s.tät. der Technischer Hochschule und der übrigen Schulgattungen, sowie eine größere Anzahl von Interessenten der Industrie, der Presse und des öffentlichen Lebens vertreten waren
Herr Direktor H a s s i n g e r leitete die Ve-- fammlung ein mit dem Hinwecs, datz der Zentralstelle die Förderung des gesamten Volksbildungs- Wesens obliege, daß also auch eine bewußte Anregung der intensiveren Pflege des Steh- und Laufbilds in Schule und Fachschule, Wissenschaft und Volksbildung in ihr Arbeitsgebiet gehöre.
Das Referat erstattete Studienassessor Maurer. Von vornherein wies dieser darauf hin, daß es gälte, viele Häupter unter einen Hut zu bringen, ohne dadurch der freien Betätigung Abbruch zu tun. Diesem Umstand müsse der Lehrlich.bildverein Rechnung tragen, indem sich das Schwergewicht seiner Arbeit auf wirtschaftliche Unterstützung rich e Dazu käme noch mehr. Ausgehend von der Feststellung, daß wir in einer bi. der hungrigen Zeit leben (Beispielen Flut von Altsichtskarten, volle Kinos bei meist minderwertigen Filmen, Bestrebungen, gute Kunst ins b eite Volk zu bringen und manche andere erfreuliche oder unerfreuliche Erscheinungen), stellte der Redner es als notwendig hin. daß auch der Geschmack und d>e Methode der Anwendung des Lichtbilds refortniert tauben m ß en. wobei er aus den Unsinn der bildüberlasteten Lichtdilder- vorträge hinwies. In anderen Staaten, Bayern, Württemberg, Preussen — um nur einige zu nennen — die in der Rutzbarmachung von Lichtbild anb Film direkt Vorbildliches geleistet. Es gäbe in Deutschland wohl keinen Staat, keine größere Stadt, die nicht in irgendeiner Weise tätig und fördernd, sich der Lichtbildsache angenommen habe Auch für unser Hesten ergäbe sich aus der praktischen Arbeit der Schul- und Volks- bildangsmäirer die zwtngrmde Forderung nach einem Lehrlichtbildverein. Dieser müsse ungefähr folgende Aufgaben haben:
1. Erwecken des Interesses der Behörden und der Oeffenllichk'it für die ausgedehnte Verwendung des ste e den und beweglichen Licht» bi.ds in der Vo k b ldung>a b i un> im allgemeinen a b fachlicher Unter ichtswesen.
2. Uwe stützung der ©einet den, der Schulen und Vereine durch Rat und Geldmittel beim Beschaffen der notwendigen Apparate.
3 Herstelliu-g geeigneter Lichtbilder, Ver» nrittehrng von Lei -bildern. Herausgabe von fachmännisch bearbeiteten Begleit testen und Vorträgen.
4. Errichten von Lichtbilderverleihstellen tn allen hessischen Kreisstädten und Scha fen eines nach und nach zu erweiternden Grurrdstocks von Lichtbildern in jeder Gemeinde.
5. Veranstaltung von Kursen für Zwecke der phvtogvapl-rschen, technischen und methodischen Ausbildurrg von Lehrern, Rednern und Volls- bilönem.
6 Beeinfdrssung deS öffentlichen Kinowrfens, insbesondere durch Förderung der Herstellung und Verbreitung guter Filme. Zu diesem Zwecke Anschluß an die gleichgerichteten, deutschen Verbände.
Diese Ausgaben lassen sich nicht in wenigen Jahren restlos erfüllen, sondern stellen eine Arbeit auf lange Sicht dar. Im Dienst der Wohlfahrtspflege und der Kultur unseres Heimat- staates müßten aber die Schwierigkeiten überwunden werden.
Direktor H a s s i n g e r stellte als Richtlinie für die Aussprache die Frage zur Diskussion: Wird für Hessen ein Zusammenschluß zur Förderung aus diesem Gebiete für notwendig erachtet? Alle Diskussionsredner bejahten diese Frage, indem sie eine Reihe wertvoller Anregungen für die zukünftige Arbeit des Vereins gaben. Rektor Dechtvls Heimer berichtete über seine Offenbacher Arbeit, bei der er unter anderen erfreulichen Erfahrungen*die Feststellung machen konnte, daß durch eigne Aufnahmen in Fabriken die Arbeiterschaft jetzt erst einen anschaulichen Ueberblick über den Zusammenhang eines komplizierten Produktionsprozesses, in dem ihre Arbeit notwendigerweise nur eine kleine Etappe bildet, gewänne, was die Arbeitslust unb -freudig- keit stets in günstigem Sinne beeinflußt habe. Das gleiche gelte auch für die Landwirtschaft und die anderen Berufe.
Als Vertreter der Universität Gießen begrüßte Prvf. Dr. Harrassowih das Bestreben, auch auf das Land Lichtbildapparate in größerem Maße zu bringen; denn die Dozenten Der Hochschulen hätten diesen Mangel bei ihrer Vollsbildungsarbeit oft sehr störend empfunden.
der Große 784 Weihnachten feierte und das noch voll von uralten Erinnerungen ist. Hier wird das Osterfeuer alljährlich durch eine eigene Oflerbrubei schäft gepflegt, die die Feuer auf der Höhe des Osterberges anrichten. Wenn ein Choral erklungen und das Osterfeuer angezündet ist, wird das erste der Feuerräder zu Tal gesandt: dies Schauspiel wiederholt sich viermal, während die Jugend mit brennenden Strohwischen einen lustigen Flammen tanz auffuhrt und lauter Jubel herrscht. Rach dem vierten Fmierrad wird ein Schlußchoral gelungen, und in völliger Ruhe verläuft sich die Menge. Gegen diese Feuerräder in Lügde sind viele Verbote erlassen worden, das erste 1781, aber nach dem Bericht des Professors Schumacher ist der ehrwürdige Brauch noch heutigen Tages nach Vorväter Sitte im Schwange. Auch sonsitöegegnet man noch überall den Osterfeuern, in ganz Ro^Westdeutschland bis nach Holland, tn Riederdeutschland bis nach Dänemark und in Mitteldeutschland bis Thüringen und Hessen. Im Schaumburger Land z. D. wird gegen Abend des ersten Ostertages ein großer Holzstoß angezündet, zu dem schon Wochen vorher das nötige Reisig gesammelt war. In der Werragegend kann man von dem am Meißner gelegenen Echwalbentale gegen 40 Osterfeuer zählen, die tn den einzelnen Gemeinden brennen. Ebenso wird in vielen Orten Oberhefsens der alle Brauch geübt, am Abend des ersten Ostertages auf einem weithin sichtbaren Hügel, dem sog. Ostmberge, ein großes Feuer abzubrennen. In anderen Gegenden wurden die Osterfeuer auf den Sonn--
yanbtagSabg. Kaut gmg vor anem aus mt Stellungnahme des zu gründenden Vereins zum Kinoschund ein. Meist hätten sich nur wenig sachkundige Filmgegner in der Oefsentlichkctt hören lassen. Es wäre daher höchste Zeit, nun die aktiven Kräfte zusammenzusafsen, deren Arbeit auf Pflege der positiven Werte des Films, insbesondere des Iugendunterhaltungsftlms, gerichtet fei — Wertvolle Anregungen, auf die im Einzelnen nicht eingegangen werden kann, die aber auf guten Boden gefallen sind, steuerten Schulrat Scherer- Offenbach, Lehrer Meher- Friedberg, Lehrer Schmoll- Elbenrod, Herr Müller von der Offenbacher Volkshochschule und Dr. Bräuning-Oktavio von der Volkshochschule Darmstadl der Debatte bei. Prof. Dr. 2 i m m e r stellte die tätige Mitarbeit des Wissenschaftlich-Photographischen Instituts der Technischen Hochschule in Aussicht.
Direktor Hassinger dankte.für die rege Anteilnahme und schlug vor, als greifbares Ergebnis der Versammlung einen vorbereitenden Ausschuß bei der Zentralstelle einzurichten. Dieser Vorschlag sand einstimmige Annahme Rach der Wahl dieses Ausschusses wurde die Versammlung geschlossen.
Aus Stabt und Lund.
Gießen, den 15. April 1922.
Sonnige Ostern.
Wie haben wir uns, als es draußen stürmte und schneite, nach dem Lenz gesehnt. And als cy kam, und doch der Winter nicht weichen wollte, wie sehnten wir uns da nach der Sonne. Wir haben sie ja auch so notwendig wie noch nie, die Lenzessonne voll Glauben und Hofftmng auf das Werdende und Kommende, wir Boll der Geknechteten, der Gefallenen.
Lind nun kam der Lenz über Rächt, die Sonne scheint, ein Jubeln klingt durch die Lüfte aus tausend Bvgelkehlen, ein Duft zieht hin von zarten Frühlingsblüten — und es ist Ostern. Draußen im Garten singt eine Amsel im noch kahlen, aber schon der Knospen harrenden Gezweig der jungen Birke, die ihren schlanken, we ßen Leib in keuscher Sehnfuchtnach dem Kuh der Morgensonne dehnt. Da an der Ecke — gestern war es noch ein schüchternes grünes Blatt — blüht ein Veilchen. Ein Wunder geschah, während wir schliefen und träumten von Lenz und Sonne.
Hoffen und Glauben an Auferstehung und neues Werden — das ist die Osterbvtfchaft.' Ein kurzes Weilchen noch, und wir sind im Maien und lauschen der Botschaft, von der ein Dichter sang:
Die Schönheit steigt millionenfach empor aus schwarzer Erden;
manch' ein gekümmert Weh' und Ach mag nun vergessen werden.
Denn dazu ist der Mai gemacht, daß er uns lachen lehre.
Die Herzen hoch! Lind fortgelacht Des Grames Miserere!
• —r.
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— Amtliche Persvnalnachrichten Ernannt wurde am 1. April 1922 der Amtsgerichtsdiener im Ruhestand Johannes See- haus zu Ober-Ingelheim zum Amtsgehllfen bei dem Amtsgericht Ober-Ingelheim. Ernannt tourbt am 6. Aprtl der Lehrer Georg A de l b > r ge i zu Rhein heim zum Rektor an der Volksschule zu Reinheim, Kreis Sieburg. Ernannt wurden' Am 6. April die Schulamtsanwärterrn Helene D o r h aus Bingen zur Lehrerin an der Dolks- fchule zu Kiein-Stcinheim, Krcis Off>2..b.rch, am 7. April der Schuicmrlsanwärter Hans S p a n g aus Langen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zum Lehrer an der Volksschule zu Dirtesheim, Kreis Offenbach. Ernannt wurde am 7. April die Lehrerin i. R. Auguste R ö m h e l d in Lauterbach zur Lehrerin an -der Realschule in Lauter' doch. Am 7. April 1922 wurde der Ministerml- Dberretrifor beim Ministerium der Finanzen tm Bau dienst Heinrich Liebegott zürn Dauinspektvr bei dem Hochbcsunmt Benshrim ernannt. Entlassen wurde am 7. April der Lehrer Lorenz Berg zu Bensheim auf fein Rachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab aus dem Schuldienst.
* • Hühnerdieb st ah 1. 2llis einem Garten in hiesiger Stadt wurden in der vergangenen Rächt 15 Hühner gestohlen, von denen einige an Ort und Stelle abgefchlachtet wurden. Dor Ankauf wird gewarnt.
** Eine unangenehme Feier - t a g s b v t s ch a f t ist die Mitteilung der Gießener Gastwirte, daß sie sich genötigt sehen, den Dierpreis abermals, und zwar auf 1.25 Mark für Vio Liter Bier, zu erhöhen. Wenn das so weiter geht, werden wir bald „ttocken gelegt" sein, aber nicht aus gesetzlichen Grün-
tag Invokavit, den sog. „Funkensonntag", verlegt. so in Schwaben, am ^Oberrhem, im Elsaß. In der Llmgegend von Munster kann man zahllose Osterfeuer zählen, die chre Flamme zum Himmel senden. Im Harz ist die ganze Gegend mit diesen Flammenzeichen illuminiert, die ein Aachtblld von großartiger Schönheit darbieten. Auch in der Mark hat man die Osterfeuer wieder ausgenommen. Besonders heimisch war die Sitte und ist sie noch heute in den Alpen. In dieser großartigen Ratur wirken diese Freudenfeste besonders gewaltig, wenn ganze Gemeinden in fröhlicher Andacht um den hochlodernden Holzstoß beten und singen, tanzen und jauchzen bis Mttter- nacht... *
Das Präsidium der Bühnengenossenschaft.
Berlin, 14. April. (WTB.) In der Dele» aiertenversammlung der Genossenschaft deutscher Dühnenangehöriger haben heute die Wahlen für das neue Präsidium stattgefunden. Es wurden gewählt zu gleichberechtigten Präsidenten Gustav R i ck e l t, der bisherige erste Prästdent der Genossenschaft, und Karl Wal- lau e r, der bisherige Vizepräsident. Der Verwaltungsrat wird sich aus sieben Mitgliedern zusam- mensehen, unter denen sich Kammersänger John Gläser, Mitglied des Frankfurter Opernhauses, unb Ebelsbacher, Mitglied des Frankfurter Reuen Theaters, befinden. -


