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Nr. 89

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Erstes Blatt tT2. Mrgang Samstag, 15. April 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Ostern!

Feierklänge überschweben zwei Tage die deutschen Lande und sollen es ein wenig er­heben über das Harren und Dangen, das einen langen Winter hindurch sein traurig Teil war. Lieber Nacht ist zwar, nach lichtlosen und kalten Tagen, in freundlichstem Schimmer der Lenz endlich gekommen; ein erwärmender Himmel dehnt sich wieder über uns. und der Landmann kann sein lange verzögertes Werk tun, die Saat streuen, an deren Gedeihen die Hoffnung und Rettung des Volkes hängt. Größtenteils auf sich selbst und seine Arbeit angewiesen, mag der Deutsche heute nicht schwärmen und jauchzen nach derHimmels - liebe Kuß" eine Träne nur der Dankbar­keit steht in seiner Osterfteude. da Feld und Flur nach erkältender Rässe rechtzeitig des Himmels Segen beschert wurde. Wir hören seit zweiTagen Lerchentriller und Vogelsang, fühlen und sehen von Stunde zu Stunde das Wachstum der ewigen Erneuerung in der Natur; aber im politischen Leben ist es kalt und rauh geblieben. Dieheulende Meute", die bellenden Hunde", von denen Lloyd George in Genua sprach, schleppen einen ganz anderen Feuerstrudel hinter sich her als Fausts Pudel, der sich zwar auch als Versucher ent­puppte. aber am herrlichen Osterabend die Wanderer nur mrt treuem Hundebrauch unter­hielt:

Verliere was, er wird es bringen, Llach deinem Stock ins Wasser springen "

Ob der englische leitende Staatsmann auch jenen Teil des Obersten Rates der Alliierten, der in der Reparationskommission sein Wesen treibt, in sein Gleichnis einbezv- gen wissen wollte? Diese Kommission hat dem deutschen Reichskanzler ja nun dieAntwort auf die deutsche Note über unsere Nöte und finanziellen Lasten zugehen lassen, und sie be­steht im Wesentlichen noch aus denselben Miß- tonen, die bisher den Wiederaufbau (Europas beunruhigt haben. Man kann in schlimmerem Sinne auch für diese Antwort der Repa- cationskvmmission das Wort anführen:ich finde.nicht die Spur von einem Geist, und alles st Dressur". Während alle dcuischeu Provin­zen, auch der sonnigere und fruchtbarere Sü­den. .unter der unerträglichsten Teuerung, na­mentlich .auch der notwendigsten Lebensmittel, seufzen, während schon eine grausame Not weiteste Schichten unseres Volkes, auch die tä­tigsten und fleißigsten, in gleicher Weise die Geistes- wie die Handarbeiter, peinigt und verelendet, fordert die Reparationskommissivn neue Steuerlasten für das deutsche Volk, das heute noch nicht weiß und erprobt hat. ob es die von der großen Koalition des Reichstags eben beschlossenen, ungeheuren Abgaben über­haupt zu tragen vermag. Was kümmert den Pariser Ausschuß der heillose Marksturz, was fragt er nach Vernunft und Friede, von denen in ß>enua so phrasenvoll gesprochen wurde! Er hält seine Forderungen aufrecht, fordert in verblendeter Anmaßung von der deutschen Regierung j)ie Anerkennung ihrer sklavischen Abhängigkeit. Allerdings, Lloyd George hat vielleicht recht: Die Meute heult, weil sie glaubt, daß sie es noch immer müsse; die Deut­schen sitzen gleichberechtigt an den Konferenz­tischen von Genua, und der Geist der Herren Poincara und Dubois, der die Pariser Dik­tatkommission in unentwegten Beschlüssen be­stärkt. lehnt sich auf wider die neuen Pläne und Vorsätze, gegen die er wie der zum Nil­pferd angeschwollene Pudel mit feurigen Au­gen, schrecklichem Gebiß sich wendet um dann schließlich doch vor der höheren Gewalt der Tatsachen in eine minder rabiate Mephistvtaktik zu verfallen. In Genua spielt sich der Kampf deS^Dinters mit dem Frühling ab. 2koch mehr: Dort kämpfen fchroffere Mächte gegeneinander, und wir haben nicht die Hoffnung, daß die heilsam schaffende Ge­walt so bald mit der kalten Teufelsfaust fertig zu werden vermöchte, die sich ihr tückisch ent­gegenballt.

Lind ist es denn überhaupt ein wahrhafter und wirklicher Auferstehungsgeist, den Herr Lloyd George in Genua in die Arena führt? Will er geläuterte politische Sitten er­wecken oder beabsichttgt er nur. die Kurbel der Wiederaufbaumaschme langsam und vorsichttg zu drehen, damit die Interessen seines Landes nicht verschüttet werden und das geisttge Bild Englands sauber und angenehm vor der Welt erscheine? Es darf von so manchem, auch von dem Hauptproblem, an dem sich die sitt­lichen Kräfte messen könnten und müßten, in Genua heute überhaupt nicht gesprochen wer­den. Gerechtigkeit und Wahrheit, Offenheit und Versöhnlichkeit sitzen nicht gleichberechttgt mit den opportunistischen Halbheiten der Sie- gerstoaten an den Konferenztischen. In Genua gibt es kein deutsches Ostern. Das müssen wir, wenn wir danach verlangen, uns hn Lande selbst bereiten. Wenn unser Volk aufersteht in verjüngter Kraft, wenn es den Winter revo­

lutionärer Haßgefühle überwindet und über seine sozialen Fluren der belebende und er­wärmende Wille streicht, dann fühlen wir auch im Großen die Auferstehung eines guten Weltgeistes, der uns aus nationaler Erniedri­gung herausführt.

Wir feiern in der Gegenwart unser deut­sches Fest für uns allein. Aber wo die deutsche Zunge klingt, jenseits der uns gewaltsam ge­zogenen Versailler Grenzen und überall in der alten und neuen Welt, soll dies gemeinsame Gedenken einer Öfter» erwartung uns neu verbinden. Lind das politische garstige Lied mag eine Weile schweigen. Der Geist der Nützlichkeit und Ge­schäftigkeit soll uns nicht ganz gefangen nehmen. Bei unseren herrlichen Dichtern finden wir. was wir zeitweise vergessen hatten. Höl­derlin schalt noch in guter Absicht über die Barbaren von altersher", über das zer­rissene Volk, und doch ist er selber ein lebendiger Beweis dafür, daß wir Höheres unter uns besitzen als das Ausland. Wer lehrt uns so beredt und leuchtend die Kräfte verjüngender Frühlingslichte wie er, der Sän­ger des Hyperion, der die göttlichen Gebote frei und deutsch wie kaum ein anderer ins Menschliche übersetzte:

Verstand ist ohne Geistesschönheit wie ein dienstbarer Geselle, der den Zaun aus grobem Holze zimmert, wie ihm vorgezeichnet ist. und die gezimmerten Pfähle aneinander» nagelt für den Garten, den der Meister bauen will. Des Verstandes ganzes Geschäft ist Not- werk. Vor bem Unfinn, vor dem LInrecht schützt er uns, indem er ordnet; aber sicher zu sein vor ilnfinn und vor Llnrecht ist dock nicht die höchste Stufe menschlicher Voriceff- lichkeit."

LindVernunft ist ohne Geistes-, ohne Herzensschönheit wie ein T r e i b e r. den der Herr des Hauses über die Knechte gesetzt hat". Verstand und Vernunft sind die Haupt­triebkräfte in der Völkerpvlitik; sie schützen ein Volk vor Llnsinn und Llnrecht, sind die Treiber für nützliche und notwendige Werke. Wir brau­chen sie in unserer nationalen Not mehr und dringender denn je. Aber wir suchen und ver­vollkommnen auch den K tt für unser deutsches Zusammenleben. Er wird gewonnen auö den Kräften, d e neben den Verstandes- und Ver- nunftgewal:en to-rten Jen. In diesem Sinne sei das deutsche Osterfest ein Spender neuer Wunderkraft!

DieKonserenzvon Genua.

Die Erörterung der Ainanzfragen.

Berlin, 13. April. (WTD.) Wie die Blätter aus ®.cnua melden, ist die Unter» kommis sivn für Finanzfragen gestnm nachmittag unter dem Vorsitze H o r n e s zusam­mengetreten. Dieser schlug vor, daß die Llnter- kommission sich mit der Frage der Wiederyer- slellung der Währungen befassen solle. Die Frage des Kredites und der Wechselkurse solle in einer weiteren Llnterkommission behandelt werden.

Hermes wies darauf hin, daß sich aus der Trennung der Währungsfrage von den anderen Fragen Schwierigkeiten ergeben könnten, und Horne schloß sich dieser Auffassung an. Er führte aus, die besonderen Schwierigkeiten der Probleme ergäben sich auch aus den Vorarbeiten der Brüsseler Konferenz. Es erscheine ihm zweck­mäßig, an Hand der von der englischen Dele­gation erteilten Leitsätze die einzelnen Puntte durchzugehen. Dor allem komme in Frage die Notwendigkeit der Stabisisierung der Währungen. Das Auf und Nieder der schwankenden Valuten verhindere jetzt die kaufmännische Kalkulation ur d erschwere den Abschluß von Verträgen. Die Prü­fung der Sachverständigen habe die Notwenbig- keit ergeben, die Währungen wieder auf Gold zu basieren Das Zusammentreten der zentralen Notenbanken soll zur Aufstellung von Grund­sätzen für die allgemeine Gesundung führen. Auch die amerikanische Federal Reserve Deard müßte sich anschliehen. Die Grundsätze der Londoner Sachverständigenkonferenz sollten von der Unter» kommission angenommen werden.

Hermes erwiderte, Deutschland könne aus den Boden der Londoner Sachverständigenkvnse- renz treten. Das Gleichgewicht sämtlicher Haushalte sei eng miteinander verknüpft. Die gesamte Volkswirtschaft eines Landes bilde eine Einheit und ihre Auswirkungen nach außen und innen seien nur die beiden Seiten einer und der­selben Sache. Die Zahlungsbilanz und die Ge­staltung des Etats ständen in dauernder Wechsel­wirkung.

Der dänische Delegierte Glückstadt erklärte sich mit Home einverstanden; für die Staaten mit besonders geschwächter Valuta komme in erster Linie die Wiederherstellung der Wirtschaft in Frage. Was die Festigung der Währung an» betreffe, so müsse eine Währung geschaffen wer­den, bei der eine Pflicht zur Einlösung der Noten in Gold gegeben sei. Dabei werde es sich um internationale Zahlungsmittel handeln können.

Ein russischer Delegierter erklärte, daß sich die russischen Anschauungen mit den eng­lischen deckten. Das russische Budget balanciere au sechs Siebentel. Die Zahl der Soldaten sei von 5 Millionen auf 1 450 003 herabgegangen, die zum Schuhe der Grenzen dienten. Die m i l i ° tärischen Lasten bedeuteten aber 24 Prozent der Gesamtausgaben des Haushaltes. Ernste

Sparsamkeit und Finanzrefvrmen seien im Gange. Die Heilung erwarte er von der allgemeinen Abrüstung, und die russischen Vorschläge dazu würden am 13. April überreicht.

Home bat die deutschen und russischen Delegierten, ihre Vorschläge bald zur Kenntnis zu bringen. Daraus wurde beschlossen, die d e u t- schen und russischen Vorschläge vor der nächsten Plenarsitzung der Finanzkommission, die am 13. April nachmittags stattfindet, einer Prü­fung durch die Unterkommisfion zu unterziehen.

(Englischer Vorschlag einer Ainanzrninister-Konferenz. Paris, 13. April. (WTD.) Der Son­derberichterstatter der Havasaaentur in Ge­nua meldet, in englischen Konferenz­kreisen werde der Vorschlag gemacht, in Genua eine Zusammenkunft der alli­ierten Finanzmini st er abzuhalten, die sich mit Ausnahme des französischen Finanz­ministers de Lasteyrie bereits dort befinden. Diese Ministerkonferenz könnte sich mit der Reparationsfrage in ihren Beziehun­gen zu den auf der Konferenz von Genua selbst aufgeworfenen Problemen beschäftigen. In französischen Kreisen fügt der Berichterstat­ter hinzu werde dieser Gedanken mit aus­gezeichneter Zurückhaltung ausgenommen.

Die ersten Sitzungen der Ausschüsse.

Genua, 14. April. (Spezialbericht des Ver­treters des WTB.) Heute vormittag hat die erste Sitzung des 1 geschäftsführenden Ausschusses der Verkehrskommission stattgefunden. Von deutscher.Seite nahmen Staats­sekretär S t i e l e r mit mehreren Sachverständigen daran teil. Auch die Llnterkommission des Wirt- schastsairsschusses tagte heute vormittag. Dabei wurde die Frage geregelt, ob vier oder zwei Llnterausschüsse gebildet werden sollen. Man ent­schloß sich für zwei, von denen einer alle mate­riellen Wirtschaftsfragen, der andere alle jurifti- schen Fragen regeln soll. Des weiteren wurde darüber verhandelt, ob die Llnterausschüsse durch das Plenum der Wirtschaftskommiisivn oder durch die Llnterkommission gebildet werden sollen. Die dritte Frage betraf die von Frankreich vorgeschla- gene bes adere Sachverständigenkonfe­renz, die aus den Londoner Sachverständigen i unter Hinzuziehung weiterer Persönlichkeiten ge­bildet werden soll. Von deutscher und englischer Seite wurden gegen diesen Vorschlag Bedenken erhoben, während der russische Vertreter einen Sondersachverständigen verlangte. Daraus zog Frankreich seinen Antrag zurück. Es wurden sodann neue englische Leitsätze verteilt, die einen Ola cf) trag zu der Denkschrift der Londoner Entente­sachverständigen darstellen.

Genua, 14. April. (Spezialbericht des Ver­treters des WTD.) Heute vormittag haben die beiden beratenden Parlamentsausschüsse für Wirtschafts- und Finanzfragen in einer Plenarsitzung unter dem Dorsih von Facta ihre Arbeiten begonnen. Der Minister­präsident sprach in feiner Eröffnungsrede seine Genugtuung darüber aus, daß die Parlaments­ausschüsse in der Lage seien, bei dem Werk der europäischen Wirtschaftskenfe^enz wertvollen Bei­stand zu leisten. Die Regierung werde in dem Mähe, tote die Arbeiten forischreiten, die Fragen den Parlamentsausschüssen unterbreiten, so daß diese ihre Ansicht darlegen könnten, waS eins Llntersiützung für die Regierung bedeuten werde. Natürlich sei es noch nicht möglich, das Maß dieser Zusammenarbeit genau zu unzschreiben, da die Besudlung der zur Beratung stehenden man­nigfachen Interessen die vorherige Festlegung starrer Dorsch ciften noch nicht zulasse.

Genua, 14. April. (WTD.) Der Aus­schuß der Wirtschaftler, der von der Kommission für den Notenumlauf ernannt wurde, trat heute vormittag unter dem Dorsih von Sir Basil B l a d c 11 zu'ammen Die Währungs­lage Europas wurde eingehend geprüft. Es wurden Anträge erörtert, die den tatsächlichen Be­dürfnissen der verschiedenen Nationen gerecht wer­den sollen, indem man sie nach der Währungs­lage in Klassen einteilt. Heute nachmittag findet eine zweite Sitzung statt.

Besprechungen der deutschen Delegierten.

Genua. 13. April. (WTD.) (Spezialbericht des Vertreters des Wolffbureaus.) Heute vor­mittag traten im Ebenhotel die verschiedenen Ausschüsse der deutschen Delegation zu­sammen. um die vorbereitenden Arbeiten für die große Kommissionssihung zu erledigen. Außerdem hielten unter dem Vorsitze des Reichskanzlers die Hauptdelegierten eine Besprechung über die politische Lage ab, wie sie sich nach dem bisherigen Verlaufe der Konferenz gestal­tete. Nachmittags trat die Kommission für Fi- nanzfragen im Palezzo Reale zusammen. Für den Abend ist eine Gesamtbesprechung der deut­schen Delegierten und Sachverständigen vorgesehen, wobei der Vorsi ende der Delegatton ein Ge­samtbild der polnischen Lage geben wird.

Der Reichskanzler beim Erzbischof von Genua.

Genua, 13. April. (WTD) (Spezialbericht des Vertreters des Wolffbureaus.) Dei dem heu­tigen Besuch, den der Reichskanzler dem Kardinal-Erzbischof von Genua ab» stattete, sprach der Kanzler seine Genugtuung dar­über aus, daß er Gelegenheit nehmen fönne, den Obechirien der Diözese von Genua persönlich ken­

nen zu lernen. Der Kardinal-Erzbischof dankte ihm mit warmen Worten für seinen Besuch. Die -Unter' redung dauerte über eine halbe Stunde und war außerordentlich herzlich. Der Kardinal sprach die Hoffnung aus, daß die Wünsche, die kürzlich bei Papst in einem Briefe an ihn ausgesprochen habe. Erfüllung finben möchten.

Vertagung der Sitzung der politischen Kommission.

Genua, 14. April. Auf russisches Verlangen ist bie Sitzung ber politischen Kommission, die in zweiter Anberaumung am Freitag nachmittag stattfinden sollte, abermals verschoben worden, und zwar terminlos.

Ein französischer Kabinettsrat.

Paris, 14. April. (WB) Nach bem .Oeuvre" hat Ba rthou persönlich Poin- c a r e telegraphisch mitgeteilt, es könne jeden Augenblick die Abrüstungsfrage anifgetoor« en werden und er werde es wahrscheinlich nicht verhindern können, daß diese Frage erörtert werde. Barthou habe für diesen Fall unt Instruktionen gebeten. Ein Wob inet ta­rnt habe sich daraus gestern nachmittag mit der Angelegenheit besaßt und sich mit Stimmenmehr­heit bahin entschieden, bat) die französische Re­gierung vorläufig bie Fortsetzung ber in Genua angeknüpften Debatte wünsche. Die Mehrheit der ranzösischen Minister, sagt bas Blatt, habe empfunden, daß es dem Vertreter Frankreichs unmöglich wäre, durch dauernde Halsstarrigkeit einen europäischen Skandal hervorzurufen.

Eine neue deutsche Zahlung.

Paris. 13. April. (WTD.) Nach dem Ternps" hat die deutsche Regierung heute die Reparationskommissivn wissen lassen bah sie bie Zahlung von 1805 1079 Golbmark ge­leistet habe, die für den J5. April sm Mora­toriumsplan vorgesehen ist.

Ein amerikanifcher Senator über internationale Wirtschaftsprobleme.

Berlin. 14. April. Senator France, bet im amerikanischen Senat eine Entschließung ein- gebracht hat. bie sich für eine Vertretung ber Vereinigten Staaten auf ber Genueser Konferenz ausspricht, erflärte bem Washingtoner Vertreter ber ..V o s s. Z t g." u. a.: Es muß ein Weg ge» funben werben, um bie zerstörenben W i r- kungen der internationalen Schuld zu beseitigen. Die Schulden der Alliierten an bie Vereinigten Staaten könnten dadurch getilgt wer­ben, daß die früheren deutschen Kolonien in Afrika von den Alliierten den Vereinigten Staa­ten überwiesen werden. Gleichzeitig mühte ein Plan für eine aufbauenbe internationale af r i kanische Arbeitsgemeinschaft au> gearbeitet werben. Hierburch würden Frankreich und England entlastet, und könnten alsdann die deutschen Reparationszahlungen herabgesetzt wer­den. Der Schlüssel zu dem Wieder­aufbau Europas ist jedoch Rußland. Die russische Regierung sollte alle russischen Ver­pflichtungen anerkennen, dann konnte man auch die Sowjetregierung anerkennen und ihr gestatten, auf den Fimerikanischen Geldmärkten Anleihen im Betrage von 2 Milliarden Dollar aufzuneh­men. Diese müßten zum Ankauf von Saaten, landwirtschaftlichen Maschinen und Eisenbahn- material verwendet werden. Rußland ist so reich an Hilfsquellen, daß man Rußland als die sol­venteste aller Nationen betrachten kann.

Die Antwort der interalliierten Militär-Kontrollkommisfion.

Berlin. 13. April. (WTB.) In der Pvli» zeifrage hat ber Vorsihenbe ber interalli­ierten Militärkontrollkommission das Schreiben bes Auswäriigen Amtes vom 5. April mit folgender Note vom 10. Aprkk be­tt ntwor tet:

Ich beehre mich, den Gmpfttng Ihres Schrei» bens vom 5. April zu bestätigen, durch bad Eure Exzellenz zur Kenntnis ber Kommission gebracht haben, bah die deutsche Re­gierung namens aller Länder bes Reiches sich verpflichtet. für bie Reorganisation ber Polizei bas Prinzip ber Rückkehr zur Organi­sation von 1913 gelten zu lassen. Dieser letztere Ausdruck saht hinsichtlich der Polizei Verpflich­tungen zusammen, die Deutschland zur Ausfüh­rung der Vorschriften des Friedensvertrages und der ergänzenden Entscheidung ber alliierten Re­gierungen obliegen Er nimmt insbesondere die m der Note vom 22. Iuni 1921 (Note von Dou» Icgne) getroffenen einzelnen Bestimmungen wieder auf. In dieser Note brachte ber Vorsitzende der Dotschafterkonferenz klar zum Ausdruck, bah die Alliierten berVerstärkung ber alten Polizei, genannt Orbnungspolizei" zustimm­ten, während deren Bestand sie zugleich von 92 000 auf 150 000 Köpfe brachten. Wie sich aus meinem Schreiben vom 23. März ergibt, müs­sen die Maßnahmen, welche bie Rückkehr zur Or­ganisation von 1913 zum Gegenstand haben, von den Ländern bis zum kommenden 25. Mai er­lassen fein. Sie werben die Inkraftsetzung einer Reihe von Anordnungen über wichtige Punkte mit sich bringen müssen, an welche die Kommission ausdrücklich am 23. März erinnert hat, hin-, sichtlich deren es an Vorschlägen ber Länder fehlt. Infolgedessen beehrt sich die Kommission, darum zu ersuchen, daß ihr diese Vorschläge so­bald 4ils möglich unterbreitet werden, nament­lich diejenigen, welche immer unter Wahrung des allein zugelassenen allgemeinen Rahmens von 1913 bie Ausdehnung ber Verstaatlichung ober ber 1913 vorhanbenen Polizeieinheiten zunr Gegenstand haben.