Ausgabe 
14.12.1922
 
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foegen 6te fvansSMHen PVtee ob, ba <tn8 bte Cfntrrnattonafe des Proletariats die Menschheit vor jedem, auch dem deutschen Imperialismus schützen könne. 3m weiteren Verlaufe seiner Erklä­rungen verlassen unter lebhaften Pfuirufen sämt­lich« Abgeordneten der Rechten und der Mitte den Saal.

Präsident Adelung weist die unerhörten Behauptungen des Abg Ebner mit dem Hinweis zurück, daß im besetzten Gebiet auch die Kommu­nisten mit den anderen deutschen Parteien einig gingen. (Dravvl bei den Soz.)

Eine kleine Anfrage des Abg. Brauer (Bb.). betr. Abänderung des Feldbereini­gungsgesetzes. wird von Präsident Liebel dahin bMNtwortet, daß ein Entwurf vor einigen Tagen fertiggestellt sei und demnächst vvrgelegt werde.

Lieber die Dienstbezüge der Beam­ten. Lehrer usw. führt Finanzminister Hen­rich aus: Eine allgemeine Gleichheit der Teue­rungszuschläge würde eine fast völlige Rivellie- rung der Beamlengehälter bedeuten. Die Ver­zögerung der Rach^ahlungen sei hier nicht schlimmer als in anderen Ländern: im Gegenteil hoffe er durch Zentralisierung der Auszahlungen bei der Hauptstaatskasse bedeutende Verbesserungen er­zielen zu können. Die Stimmung der Beamten­schaft sei ja begreiflich. Denn mit jeder Gehalts­aufbesserung werde der Beamte ärmer, entferne er sich weiter von dem Wert seines Friedens­gehaltes. Die Regierung helfe, wo sie fbrnie, und das müsse auch anerkannt werden.

Abg. Werner (Dtn.): WaS der Finanz­minister ausgeführt habe, finde im wesentlichen die Zustimmung seiner Parteifreunde. Es sei in vielem das Gegenteil von dem, was gestern der Parteifreund des Finanzminislers, Abg. Reiber, vorgetragen habe. Das Ortsklassensystem könne man nicht einfach durch Vergleichung der Index­ziffern rechtfertigen, sondern auf dem flachen Lande seien viele nicht gerade lebensnotwendige, Dinge unverhältnismäßig teuer.

Abg. Kindt (Dtn.) regt an, statt Teuerungs­zuschlag Geldentwertungszuschlag zu sagen. Damit werde viel Agitationsstoff beseitigt, da nicht mehr einem oder dem anderen Stand der Vorwurf gemacht werden könne, er verteuere die Waren.

Abg. Reiber (Dem.) beschäftigt sich ein­gehend mit den Ausführungen des Abg. Werner. Er hate gestern nichL von der Erz- bergerschen Steuerreform, sondern von sei er Besoldungspolitik gesprochen und sei auch heute noch der Lleberzeugung, daß. wenn Grzberger Finanzminister geblieben wäre, noch einige Be­soldungsgruppen gestrichen worden wären.

Abg. Stork (Soz.): Die Ausführungen des Abg. Werner dürften nicht unwidersprochen bleiben. An den in der Weimarer Verfassung verankerten Grundrechten lasse die Sozialdrmo- kratie nicht rütteln. Der Redner fordert zum Schluß u. (i. Besetzung der Deamtenstellen nicht nach Vorbildung, sondern nach Leistung.

Finairzmimster Henrich weist den Vor­wurf zurrick, die Rutznießer der höheren Gehalte seien Parteifunktionäre. Verhalten sei nur demagogisch zu nennen.

Abg. Werner (Dtn.) stellt fest, dah die Debatte über diese Frage nicht von ihm ange- fangen wurde. Wenn der Abg. Stork Heer auf sein persönliches Verhältnis zum Staat anspiele, so weise er das rföt Entschiedenheit zurück. Mit dem AusdruckRutznietzer der höheren Gehalte" habe er am allerwenigsten an Hessen>acht, sondern rramentlich an Preußen mit seinen svzial- dewokratischen Landräten.

Staatspräsident LI l r i ch: Gr bezeichne die ätzten Aeuherungen des Abg. Werner als kurios. Die wenigen Männer, die hier In Hessen in höhe­ren Stellen sähen, wie er selbst zum Beispiel, hätten eher finanzielle Rachteile von ihrer Be­rufung gehabt. Dem Abg. Werner bezahle der neue Staat so gut seinen Erhalt wie der alte und aus seiner politischen Gesinnung sei ihm noch kein Rachteil entstanden.

Abg. Werner (Dtn.) stellt fest, dreimal sei ihm von dem System Strecker die Versetzung verweigert worden. Seine Aeuherungen. betr. der'Rutznießer", halte ec aufrecht.

Rach weiterer Debatte wurden die Vorlagen gegen zwei kommunistische Stimmen angenommen.

Zur Kenntnis des Landtags gebracht, wird gemäß Art. 22 der Geschäftsordnung die An­nahme der Regierungsvorlage, die Reubeschaffung von zwei Kirchenglocken für die katholische Kirchs in Vilbel betreffend.

Der Antrag der Abgg. Kaul und Gen., den Gesetzentwurf über die Dienstaltersarenze der Staatsbeamten betreffend, wird gemäß Ausschuß- antrag angenommen, der Antrag der Abgg. Ruh und Hattemar, die Rotlage der Pensionäre be­treffend. für erledigt erklärt.

Der Antrag der Abgg. Hoffmann-Alzey und Genossen, die Ruhegehalte und die Hinterblie-

Dis Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von L i e s b e l Dill

61. Fortsetzung. (Dachdruck verboten.)

Zu ihrem Geburtstag war ein großer Korb prächtiger Weiher Rosen eingetroffen im Auftrag von Ecnst. Der Gärtner brachte ihn kaum zur Türe herein. In der Mitte steckte eine zierliche vergoldete Lyra, die zwar in keiner rechten Be­ziehung zu Frau von Herwegh stcmd, denn sie hatte das KlaviersPiÄ nur während ihrer Mäd­chenzeit betrieben, aber der Korb rührte ihr Mutterherz. Sie bearbeitete Lutz, nach Rhein­baben zu fahren. ist deine Pflicht, nach deinem Brudec zu sehen. Man muh doch wissen, was er tut und wie er sich die Zukunft denkt, ob er ins Ausland geht oder was er anfangen will." Denn hierbleiben konnte er nicht. Sie hatte immer Angst, eines Abends flöge die Türe auf und Ernst stünde vor ihr als verlorener Sohn.Eine zweite Herzattacke halt' ich einfach mcht mehr aus."

Darauf hatte sich der glückliche Bräutigam denn in die Bahn gesetzt imb fuhr nach Rhein­baben.

Lutz bereitete sich eben zur Laufbahn eines Militärattaches vor, denn seine Braut war sehr ehrgeizig. Während er seine Zigarette rauchte, schaute er gedankenvoll aus die fruchtbare Rhein- ebene, die sich zwischen Fluh und Felsenhügeln dehnte. Lleberall grünten die Apfelbäume, welche die langen Landwege flankierten, in den Gärten wurde fleißig gearbeitet und auf den Feldern ging der Pflug, der in der Sonne blitzte. Im Mvrgen- wind eines heiteren Frühlingstages flatterten die Fahnen auf den Burgen, große Schleppdamp­fer zogen kvhlenbeladen auf dem Rhein. Er sah ihnen gedankenvoll nach während er überlegte, wie man Sonst auf dem Schiff nach Australien

benenversvrgung der Staatsbeamten betreffend, wird angenommen. Der Antrag der Abg. Hatte- mer, die Ruhegehalte und die Hinterbliebenen- verforgung der Staatsbeamten betreffend, wird gemäß Ausschuhantrag für erledigt erklärt, nach­dem die Abg. Frau Hattemer (Ztr.) die Gleichstellung der Alt- und Reuperrsionäre ge­fordert hat, unter Beseitigung der entgegenstehen­den Bestimmungen des Reichssperrgesetzes.

Den Antrag deS Abg. Ruh, die Drenn- holzversorguna für 1923 betreffend, be­antragt der Ausschuß gegen eine Stimme anzu­nehmen. Abg. Ebner (Komm.) fordert die Wie­dereinführung der Zwangsbewirtschajtung des ge­samten Brennholzes. Der Antrag wrrd angenom­men. Die Vorstellung des Vereins höherer Ver­messungsbeamten. Landes verein Hessen des D.V. W., die Tagegelder und Reisekosten des Vermessungspersonals betreffend, wird ab­gelehnt.

Der Antrag des Abg. Dr. Osann, Pen­sionen der hessischen Offiziere sowie Offiziers- Witwen und -Waisen betreffend, wird gemäh Aus­schuhantrag durch die Zusicherungen der Regie- lung für erledigt erklärt, nachdem die Abg. Roth (Komm.) gegen die Ludendorffs und Hohenzollernprinzen Sturm gelaufen hat und Abg. D i n g e l d e y (D. Vp.) darauf mifmerksam gemacht hat, dah es sich um Hinterbliebene der alten hessischen Offiziere handele (aus den Jahren 1866 und 1870), die heute fast nichts mehr zum Leben und durchschnittlich ein Einkommen von nur wenigen 100 Mark im Jahre haben.

Minister v. B r e n t a n.o bedauert ebenfalls das Verhalten der Abg. Roth. Abg. Delp (S.) bittet um Annahme des Antrags. Es handle sich um 93 Personen. Die älteste Witwe sei 93 Jahre, die jüngste 60 Jahre alt. Abg. Ebner (Komm.) lehnt den Antrag ab. da es sich um eine Bevor­zugung einer bestimmten Gesellschaftsschicht handle. Abg. Ruß (Ztr) bedauert, daß politische Erwägungen hier eine Rolle spielten, wo nur die Stimme ter reinen Menschlich , t zu sprechen habe. Rach einem Schluhwort ter Abg. Roth (Komm.) wird ter Antrag einstimmig angenommen. (Stür­mische Heiterkeit.) Die Abgeordneten Ebner and Roth erheben sich nachträglich.

Die Regierungsvorlage, die Gewährung staat­lichen Zuschusses an Privatschulen betreffend, be­antragt ter Ausschuß amu nehmen. Abg. Roth (Komm.) lehnt für ihre Fraktion die Vorlage ab. Abg. Köhler (D. Vv.) macht darauf auf­merksam, daß die Gemeinden die Zuschüsse länger nicht leisten könnten. Die Bedingung ter gleichen Leistung der Gemeinden bei staatlichen Zuschüssen müsse Wegfällen. Eine Klärung bedürfe die Frage, ob auch für von auswärts kommende Schüler die Gemeinte den Zuschuß leisten müsse. Staatspräsi­dent L.I l r i ch bejaht diese Frage.

Der Antrag des Abg. Roh, Erhöhung der Waisengeldsätze betr., wird für erledigt erklärt.

Die Regierungsvorlage, Entwurf eines Ge­setzes zur Ergänzung des GesezeZ über d:e Er­hebung von Zuschlägen zu gerichtlichen Deur un- ku gen betr., wir) in zwei Gelungen ohne Debatte einstimmig genehmigt.

Die Anträge ter Abgg. Mann und Gen., Wohnungsbauabgabe betr., und ter Abgg. Kaul und Gen., Förderung des Wohnungsbaues tetr., werten gemäß Aus- schußanträgen ter Regierung als Material über­wiesen.

Der Antrag ter Abgg. Schott und Gen., Anstellung ter Lehrer an den Gewerbeschulen als Staatsbeamte tetr., wird gemäß Ausschuß- antrag durch Regierungsantwvrt vorn 3. April für erledigt erklärt.

Schluß bei Sitzung 1 Llhr. Rächste Sitzung Donnerstag, 9x/a Llhr vormittags.

Aus Hessen.

1 Anfragen in der Stammet.

rm. Darmstadt, 11. De;. Eine kleine An­frage haben ter A'g Brauer un) Gen an die Regierung gerichtet, in ter auZgesü.irl wird: Trotz wiederholter Zusagm ist der 'Entwurf einer Ab­änderung des F e l d b e r e i n i g u n g s- gesetzes noch immer nicht dem Lan tag vor­gelegt worden. Wir fragen an, bis wann ter Gesetzentwurf zu erwarten ift Ein Antrag ter Abg. Dr. Werner und Gen. betrifft die Lleberfremdung des Hess. Haus- und Grundbesitzes. Sie beantragen, die Hess. Regierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vp.» zulegen, der die Lleberfremdung des Hess. Hauä- und Grundbesitzes unterbindet. Die Abgg. Brauer, Kindt und Gen. fragen an: Ist es wahr, daß in Darmstadt eine Art Dellet- dungsstelle eingerichtet ist, in der dieDienst- tekleidungsstücke ter gesamten Hess. Polizeibeam- ten hergestellt werden? Ist es wahr, dah zu diesem Zweck Meister, Schneider, sowie Verwal- tungsteamte neu eingestellt worden sind? Wenn

ja wieviel Personal wurde eingestellt? Wer­ten die Meister, Schneider usw. nach dem Tariflohn oder nach dem Akkordlohnsystem be­zahlt? Ist den Reuangestellten zugesagt worden, dah sie jetzt oder später Beamteneigenschaft und Pensionsberechtigung erhalten sollen? Aus welchen Fonds des Haushaltungsvoranschlags werten die Besoldungen und andere persönliche Ausgaben für die Reueingestellten bestritten? Ist sich die Regierung tewuht, dah diese Reueinrich- tung eine Benachteiligung des schwer um sein Leten kämpfenden gewerblichen Mittelstandes be­deutet? Warum ist eine Vergebung ter Her­stellung ter Deamten-Dienstlleidung auf Dem Wege ter öffentlichen Ausschreibung unmöglich, bzw. warum hat die Regierung von einer solchen Vergebung abgesehen und vorgezogen, den amt­lichen Apparat abermals zu vergrößern?

Auf die Anfrage des Abg. Dr. Werner tetr, die Eisenbahndammrutsche in Rheinhessen erwidert das Ministerium ter Fi­nanzen, dah in den letzten Monaten in Rhein­hessen drei Dammrutschungen infolge ter an­haltenden Rässe vorgekommen sind. Bei sämt­lichen Rutschungen sind weder Verletzungen noch Betriebsfchäten vorgekommen. Es wird seit Jah­ren versucht, unter Aufwendung erheblicher Mittel Rutschungen vorzubeugen Vollstän)ige Sicherheit könnte nur mergelfreies Schüttung material bieten. Die Beseitigung tes jetzigen mergelhaltigeu Mate­rials ist mit ungeheuren Llnkosten (Herstellung neuer Bahnstrecken) verknüpft. Es ist daher dauernde Llebecwachung eingerichtet, die mit Er­folg bisher und auch weiterhin im eigenen Inter­esse ter Eisenbahndirektion Durchgeführt wird.

Aus dem besetzten Gebiet.

Die Köln. Ztg. zeitweise verboten.

Köln, 13. Dez. (WTB.) Der kommen- dierende sratrzösische General Deaurain hat in Duisburg dieKölnische Ztg." vom 14. bis 21. Dezember mit der Begründung verboten, daß das Blatt angeblichlü­genhafte, b hhafte Bemerkungen zu einem ArtikelBelgische KriegsgerichtSurteile" in Rr. 855 vom 8. Dezember gebracht habe. Es handelt sch um die Berichte über die Verur­teilung des belgischen Polizeibeamten Schmitz wegen der Erschießung eines deutschen Poli- zelbeamten in Hamborn im März d. I.

Der Hrrrdenprozetz.

Berlin, 13. Dez. (WTB.) Im Harden­prozeh wurde nach 6 Llhr die Sitzung auf Donnerstag vormittag vertagt. Der Oberstaats­anwalt eröffnet Dann die Reihe ter Plädoyers.

Aus und ßanö.

Gießen, den 14. Dezember 1922.

Verlängerte Umlaufzeit für das Notgeld.

Der Reichsminister ter Finanzen verlän­gerte im Einvernehmen mit Dem preußischen Minister für Hantel und Gewerbe mit Rücksicht aus ten nahen Jahreswechsel, der erfahrungs­gemäß besonders starke Ansprüche bringt, die Umlaufgeit für das mit seiner Genehmigung ausgegetene Rotgeld nochmals bis 5. Fe­bruar 1923.

* * Für b i e Prüfung von Gas- und Wasser einrichtungen wird tton jeder Gas- und Wa s seren tnahmest el'e eine Gebühr von 20 Mcu-k erhoben. (Siete Bekanntmachung.)

* Hebet Gewerbest euer zahlun° gen bringt Der heutige Anzeigenteil eine wichtige Bekanntmachung

" Eine Zuckerausgabe für Anstalten, Gasthöfe, Apo Heien und gerre bliche Betriebe wird im h.uttgen Anzeigen eil tefanntgegeten.

*' Grober Unfug wurde in einer ter le-,ten Rächte an einem hiesigen bekannten Denk­mal verübt. Selbst wenn man kein Kleinigkeits­krämer ist und auch einen derben Scherz junger Leute ganz gern mal belacht, so muß man es doch bedauern, und verurteilen, dah sich ter jugendliche Tatendrang Denkmäler zum Gegenstand feiner Handlungen wählt Die 'Denk­mäler sollte man doch aus Dem Spiele lassen, denn hier wird ter Späh zum groben UnfugI

* * Jugend von heute. Am Diens­tag hatte ein Geschäftsmann von auswärts sein Fuhrwerk auf dem Ludwigsplatz einen Augen­blick ohne Aufsicht hingestellt, um in einem Geschäft eine Besorgung zu erledigen. Als er zurückkehrte, gewahrte er, dah ein Säckchen mit

bringen konnte, denn in Amerika nahmen sie keine fragwürdigen Existenzen mehr auf.

Es war Den Anwälten gelungen, endlich eine klare Uetersicht über Die Herweghschen Verhält­nisse xu erlangen. Aus den vielen Unternehmun­gen, die er geleitet hatte, hatte man wenigstens soviel herausgeschlagen, daß alle Gläubiger be­friedigt werden konnten, außer Herrn Kolkin, ter seine fünfzigtausend Mark heute noch nicht ver­schmerzt hatte. Die in ter Eppenhausener Fabrik verschwunden waren.

Aber Ernsts Kasse war leer, und wenn er wieterkam, stand er vor dem Richts. Er hatte umsonst das Abitur gemacht, umsonst Den Refe­rendar, Den Assessor und den doctor juris, umsonst eine geborene Kgllin geheiratet und umsonst Die größte Praxis ter Stadt gehabt.

Seine Ehre war das einzige, was aus diesem Schiffbruch übriggeblieben war.

Leiter konnte man davon nicht leben.

Ernst hatte in seinen Briefen einmal einen Freund erwätert, Den er in ter Anstalt gefunden hatte wo fand ein Herwegh keine Freunde? Ernst hatte ja Gefängniswärter bestochen und Cellotanten bezaubert, er würde selbst auf dem Schiff nach Australien einen Freund finden. Der ihmin jeder Lage zu helfen bereit" war, wie jener wunderliche Wilhelm Kottenhan, von Dem in Hrnsts Briesen soviel stand.

Es war gerate Mittagspause, als Lutz, von d.-m Wärter begleitet, durch den Anstaltspark ging, um Emst zu suchen Schon von weitem sah er Die Gestalten ter Kranken in Den grauen Kitteln paarweise aus Der Türe treten. Sie schienen ten Sonnenschein mit erlösten Gesichtern zu begrüßen, und Lutz hätte sich nicht gewundert, wenn sie die Arme erhoben undWie herrlich ift das Sonnenlicht" angestimmt Hütten. In welche Lagen kommt man durch einen Brüter, Dachte er. Er trug dunkles Zivil, nur ein buntes, zierliches

Ortensbändchen im Knopfloch, ter Frühstücks­orten eines liebenswürdigen Fürsten.

Da sah er Ernst. Er kam Die Allee herunter an ter Seite eines kurzbeinigen Herrn, ter, ten Stock auf Dem Rücken, lebhaft redend neben ihm hersch itt und dessen weißer Bart im Sonnen­licht flimmerte.

Ach. Du, sagte Emst freundlich und begrüßte Lutz.Darf ich Dir meinen Freund Kottenhan vorstellen? Er kommt aus Rußland und ist sehr musikalisch."

Ich spiele das Cembalo," setzte Kottenhan hinzu, als wolle er sagen: ich habe Amerika entdeckt.

Soso," sagte Lutz, Der keine Ahnung von Der Existenz Dieses Instrumentes hatte. Lind er schloß sich Den beiden an. Er fand ®rnft besser aussehend als damals im Gefängnis. Er hatte ftische Far­ben bekommen und schien in vergnügter Stimmung. Doch fiel ihm eine gewisse 'Llnruhe an ihm auf. Emst konnte keinen Schritt gehen, ohne zu sprechen, zu lachen oder ein Blatt von einem Baum zu zupfen, es zu verreiben, um es Dann wegzuwerfen.

Währenddessen erzählte Kottenhan von dem mssischm Da tett und Dem Wohllaut Der Balalaika.

Es ist ein Zwischending zwischen Mandoline und Laute, die Russen gebrauchen es mit großer Gewandtheit und wissen tem einfachen Instru­ment Töne zu entlocken Kottenhan rollte Die grauen Apgen.Wenn Sie jemals Gelegenheit haben sollten, ein Balalaikaorchester zu hören mit tem Gesang Der Wolgaschi f er, Dann versehen Sie Ihr letztes Paar Lackstiefel unD gehen hin. Die können Tänze spielen! Mit Kastagnetten, Zimbals unD Tamburins!"

Run, unsere Militärkapellen können doch auch wahrhaftig Tänze spielen," meinte Lutz, ich habe kürzlich das Straußorchester gehört, alles war einfach platt."

Jawohl, platt, das ist das richtige Wort, Kottenhan schlug mit feinem Stock auf einen

185 000 Mark und zwei Butterwecken als In­halt, das er auf seinem Wagen liegen hatte, verschwunden war. Der Polizei gelang es geftern, zwei Taugenichtse im Alter von neun Jahren, der eine in der Kaiserallee, der andere im Schiftenberger Weg wohnhaft, als Diebe zu ermitteln und das Geld, welches sie in Gär­ten versteckt hatten, herbeizuschaffen. Ein Seil des Geldes war bereits in Rascherer um­gesetzt.

** G e stöhlen wurden in der Rächt zum 9. ds. Mts. aus einer Gärtnerei am Reuen Friedhof fünf Wasserleitungshahnen aus Messing; in der Nacht zum 11. ds. MtS. aus einem Garten am Rahrungsberg von den Köpfen der Spalierpfosten Zinkbeschläge, und aus einem Häuschen ein 5 Meter langer Gar­tenschlauch mit Messinggewinte. Bor Ankauf wird gewarnt.

* * Beschlagnahmt wurden 20 Kilo­gramm neues Bleirohr mittleren Durchmes­sers, in Stücke geschnitten, das zweifellos von einem Diebstahl herrührt. Etwaige Eigen­tümer wollen sich auf Der Kriminalabteilung melden.

* * Deutsche Volkspartei. Am 11. Dezember fand in derStadt W e tz - l a r eine gut besuchte Frauenversamm­lung der D. B. P. statt. Landgerichtsrat T r ü m p e r t hielt einen interessanten Dortrag überEheliches Güterrecht und Testaments­errichtung", und gab dadurch den anwesenden Frauen Aufklärung über manche ihnen bis jetzt noch nicht bekannten gesetzlichen Bestimmun­gen und ihre Auslegung. Frau Schwarz und Frau Lerch erfreuten durch musikalische Dor- träge.

Vorrwtizen.

--TageskalenberfürDonnerstag. Stadttheater, 7y2 Llhr: Vortragsabend des Kam­mersängers Hans Rüdiger. Räume Des Gesell­schaftsvereins, 4/2Z Llhr: Kinderfest: 7 Llhr: Llnterhaltungsabend. Astoria-Lichts piele, ab heute:Das Geheimnis ter grünen Villa",Du sollst nicht begehren" undDer tugendhafte Bal­duin". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: Das schwarze Gesicht" undDer Zechpreller". Palast-Lichtspiele, ab heute:Der böse Geist Lum- paci-Vagat undus" unDDie Dollarbraut".

Aus Dem Stadttheaterbureau. Wir wollen , ht versäumen, nochmals auf Den heute abend '/28 Llhr beginnenden Vortrags­abend, betitelt Heiteres und Heiterstes, des Kammersängers Hans Rüdiger hinzuweisen. Wir entnehmen noch einigen Breslauer Zeitungen folgendes übex Rüdiger:Das Publikum befindet sich in angeregtester Stimmung unD wird bei ferneren Abenden diesen neuen Konkurrenten ter besten Humoristen nicht übersehen. Ein Schmun­zeln wird zum Lächeln ein Lächeln zum Lachen und schließlich gab es wahre Lachorgien."

Die Theatergemeinde des Düh- nenvvlksbundes läßt am nächsten Montag. 18. Dez., die zweite Vorstellung folgen, wobei Wallensteins Tod" zur Aufführung gelangt. Trotz der enormen Preissteigerung ist den Mit­gliedern auch diesmal wieder Gelegenheit geboten, zu mäßigem Preise das Theater zu besuchen, so daß wohl wieder auf ein volles Harrs zu rechnen ist. (Räheves siehe Inserat.)

Der Bienenkorb-Wohltätig- keitsbasar, den ter Alice-Frauen--Verein heute in ten Räumen des Gesellschaftsvereins veranstaltet, beginnt nachmittags um 4 Llhr mit einem Kinderfest, das den Kleinen viel Freute bereiten dürfte. Von 7 Llhr abends ab bringt ein Llnterhaltungsabend ernst und heitere Aufführun­gen und Tänze. Im Hinblick auf den guten Zweck der Veranstaltung fei Deren Besuch warm emp­fohlen.

Wettervoraussage

für Freitag:

Wolkig, trüb, trocken, Temperaturen um 0 Grad, südwestliche Winde.

Südwest teutschland bleibt unter dem Einfluß eines kontinentalen Hochdruckgebietes.

Landkreis Gießen.

* Garbenteich, 12. Dez. Der Gesang­vereinViktoria" hielt am Sonntag unter ter Leitung seines Dirigenten Burger sein

Heutiger Staub des Dollar-

10 Llhr vormittags:

Berlin 7900, Frankfurt a. M. 78007850.

im Wege stehenden Blumentopf.ater was Die Russen unter Tanz verstehen, sind Bacchanale, daß Ihnen die Augen übergehen, junger Herr."

Waren Sie lange in Rußland?" fragte Lutz höflich denn er fühlte, daß man Herrn Kottenhan gewinnen müsse.

Was' heißt lange?" sagte Kottenhan,ich hatte eine leitende Stelle auf tem Gute eines Radyhkys, nicht zu verwechseln mit ten Rady- schis, Denn das ist eine andere Linie. Fürst Iwan hielt sich meist in Petersburg auf, und durch ihn leinte ich ten russischen Hof kennen."

Du wirst ja auch bald mit Höfen zu tun Daten, sagte Ernst und brach ein kleines Aest- chen von tem Birnbaum am Weg,laß dir nur erzählen."

Was soll mich in aller Welt das Gewäsch dieses Rarren interessieren, dachte Lutz, ater er sagte artig, daß er begierig sei, etwas vom russischen Hofe zu erfahren

,Wir wollen uns lieber sehen, meinte Emst. Sie nahmen auf einer Dank am Ende tes Parkes Platz, die vor ter großen Wiese stand. Ater als man daraus wartete, daß Kottenhan sprechen sollte, schlug er die kurzen Deine ütereinanter und schwieg.

Der russische Hof, das ist ein großer schwar­zer Tintenklecks, voilä tout! Von Der Bedeutung eines russischen Grohgutes ater hat hier ja nie­mand einen Begriff. Wir hatten einen See, in tem man fischte. Ihn zu ummtem, brauchte man sieben Stunden, wir hatten einen eigenen Fisch­markt. Schulen. Kirchen, Getreidebörsen und Lese­hallen, Datehäuser, einen Zirkus sogar und meh­rere Kirchen, denn die Russen sind gläubige Menschen."

Es sind sehr viele Llnrichttgkeiten über die Russen verbreitet," warf Emst hm, ter mit Dem Stock im Sande Figuren zog.

(Fortsetzung folgt.)

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