ReichSjustiznrinister, baß bte Regierung die Interpellation innerhalb der gefchafiSordnungSmähigen Frist beantworten werde.
Das deutsch-polnische Bergwerks- abkommenüberOberschlesien wird dem 40. Ausschuß überwiesen, der Entwurf eines Iugendgerrchtsgesetzes dem RechtsaaS- schuy und der Antrag aller Parteien, daß Messeabgaben erhoben werden dürfen, dem volkswirtschaftlichen Ausschuß.
Der 6. Aachtrag zum Retchshaushalts- p l a n wird in erster und zweiter Lesung angenommen.
Nachdem cm Antrag Scholz-Brvmberg (dnll.), iüv morgen die Entgegennahme einer Regierungserklärung auf die Tagesordnung zu sehen, gegen die Stimmen der Deutfch- nationalen, der Deutschen Dolkspartei und der Kommunisten a b g e l e h n t worden ist, vertagt lia? das Haus auf morgen nachmittag 2 Ahr. Kleine Anfragen, Geschäftsordnung des Reccbs- tags und Interpellation Alarx über die Aot der Wissenschaft.
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Aus Staöt unD Land.
Gießen, den 14. Rovember 1922.
im Dienste der Wohltätigkeit.
Ein dantc?swe. es Unternehmen machte gestern abend im Stadttheater die Mit» glieber der Gießener Ortsgruppe der G e n o > s e n s ch a , l Deutscher Bühnen- an gehöriger und di, Angehörigen der h i e - ligcn Gruppe des Deutschen Musi- rclverbandes sehr tätig. Beide hallen sich di gemeinschaftlich zu lösende Ausgabe gestellt, mittels ihrer Kunst möglichst umfangreiche Geld- ;.iittel zum Besten des Hilfswerts für Kleinrentner und verschämte Arme unserer Stadt flüssig zu machen. Die ®e» legenheit hier; i bot nun der gestrige Konzert- und Toi tlagsrlb.'nd, der. um es vorweg zu sagen, das gute Werr. sicherlich lehr stark fördern toirb; denn ter Besuch war recht gut, die Gebefreudig' ui: grrß - und die Mitwirkenden be'dev Ortsgruppen stellten sich in dankenswerter W.'is-e ur.rnt weltlich in der Dienst oi-ses LiEs° wrr'.ö obwohl sie selbst die Schwere der Zeit ja auch recht empfindlich verspüren.
Wolf L e u t h e i s e r. der die Abwickelung des Programms im Fluh h'elt, leitete den Abend mit c..em kurzen Hr.-.-.-eie -ruf den <>c-eck der Der cn- stattuvg ein ui.-d b tonte dnh et: Mitglieder beider Ortsgruppen dtelen At-enü gern.: ins Le'oen gv» tu,c t hätten, um mit dessen Ertrag auch ihrerseits em Scherslein b:. uä. uern zu t edlen Werl der Nächstenlicbc. Tiu; y ••’.cnicitigcr, T er trauen uiu> die srcudige B" -ntwill'giett, sein:'. redrängt^ Mitmeistchcn zu Helf, n, önne im deutschen Da'er- lande die Berhältnif'e, wie sic auch kommen mögen, erträglich gestalten. Dann eröffnet' das gu. bc- seh e Orchester der Musiierverbandsmitg'ieLLr un- uv der Leitung Karl Kn Übels die Iortrags- folge mit der Ouvertüre zu Karl Maria v Wcbris großer Oper „®uri)antLKarl Bold, Ilse W i s s c n d r r f f, W: l,' T e l e T y.Rosc Nubier und Kurt Richter bestritten den erste t Teil cer Borträge mit eindrucksvollen, auf ernsten Ton gestimmten Darbietungen aus dem Bereiche ihrer tünstlerischen Fächer. Das Orchester unterstützte hierbei in feinsinniger Begleitung unter Karl K n ü b e l ü Führung die Gesm-ge Ilie Wissen- d o r s f s u. Kurt Richters. In der nun folg n- de-i Pause wurde der gute Gedante, das willige Publilum noch einem seldstbestimmbaren sinanz'el- ien Aderlaß zu unterweifen, zur erfolgreichen Tat. Damen des Stadttheatcrensembles, unterstützt von Kollegen, waren recht gut geeignete Funktionärinnen des trefflichen Organisators L e u t h e i s e r. Der Erfolg war ein Sammelertrag von iur.i> 12 000 Mark. — Den zweiten Teil des Programms leistete Karl Knübel mit der „Fledermaus-Ouvertüre" ein. Lu Wander. Martin Jacob, Kiity 'Franke, Richard H : l l b o r n. Korla Keller und Rudolf Goll mit Cläre Türk bemühten sich erfolgreich, diesen fast ganz auf den Frohsinn ab- gcstimmten Teil gar vielseitig auszufüllen. Das Orchester hatte schließlich „bas letzte Wort", das ganz im Rahmen de., munteren Charalters lag, bet dem zweiten Teil des AvendS das Gepräge gegeben hatte.
Starker Beifall zeichnete sämtlich: Mitwirtenden verdienternaaßen aus. Darüber hiaaus haben sie aber noch begründeten Anspruch auf die össent- liche Anertennung ihres hochherzigen Tuns, die ihnen an dieser Stelle zum Ausdruck gebracht sei. In einer Seit, da leider die Giftpflanze des krassen Egoismus so weit verbreitet ist. verdienen derartige Werte der Uneigennützigkeit von Berufsständen, die selbst sehr stark auf der Schattenseite
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Die Herwegys.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
37. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
„Was ist eigentlich mit dir, Grete?" fragte eines Abends ßiane.
Grete tat überrascht. „Mit mir?“
„Run, es kann doch auch mal bei euch der Fall eintreten, der in anderen glücklichen Familien eintrifft."
Grete erblaßte, sie faßte sich aber rasch. „Ach, Liane, das meinst du? Rein, das ist es nicht —“ Und sie spielte mit ihren Armbändern. „Run, was ist es denn?" forschte ßiane, die sich nicht beirren ließ. Da hob Grete den Kopf und sagte leise, aber fest: „Ich habe — jemand lieb." Liane schwieg.
„Wer ist es denn?" meinte sie dann.
„Irgend jemand," sagte Grete, „du nennst ja auch leinen Flamen, Liane."
„Stein, und daran tut man gut,“ Liane sah die kleine Schwägerin an, „denn man kann dabei nur verlieren, entweder den Freund oder die Achtung der anderen, oder noch mehr," setzte sie hinzu. Run war cs Grete aber doch zuviel der Tugend. Sie richtete sich auf: „Das sagst du, Liane?"
„Gewiß, das ist meine Meinung."
„Run und du?"
„Wenn ich etwas erlebe, geht daS niemand etwas an Ich habe niemand Treue gelobt," sagte Liane ernst und begann sich von neuem in ihren Gobineau zu vertiefen.
Grete wurde diese Unterredung während deS ganzen Sonntags nicht mehr los. Auf dem Spa-
deS Daseins stehen, ganz besonders mit Genugtuung vermerkt zu werden. Bn.
Anstellungsgrundsätze für Inhaber eines Berforgungsscheiues.
Die neuen AnstellungSgrundsätze sind am 1. September 1922 in Kraft getreten. Damit wird den Schwerbeschädigten, die den Deam- tenschein erhalten, Anwartschaft auf die gleichen Deamtenstellen gegeben, wie sie für Mili- täranwärter besteht. Die Inhaber des Deam- tenscheins werden in gewissem Umfange bei der Einreihung in die Dewerberliste und bei der Anstellung bevorzugt, wenn sie sich innerhalb dreier Monate nach Ausstellung des Beamtenscheins bei einer Behörde vormerken lassen. Bereits angestellte Schwerbeschädigte, die den Anstellungsschein gegen den Beamtenschein umtauschen können, dürfen sich bis zum 1. Rovember 1922 noch für Stellen höherer Besoldungsgruppen vormerken lassen, die ihnen als Inhaber des Anstellungsscheines bisher verschlossen waren.
$?. 11 Don de r Landesuniversität. Die philosophische Fakultät der La 'de Universität hat das Vorstandsmitglied der Megutn A. G., Herrn Direktor Ernst Schlappe, in Butzbach, „den schöpferischen Organisator derMeguin A. G. den weitblickenden Förderer nationaler, technisch-wissenschaftlicher Fragen und warmherzigen Freund der Landesuniversität“ ehrenhalber zum Doktor der Philosophie ernannt
" Die neuen Porto- und Teleg'-am mgebühren treten morgen in Kraft. Wir h iben unsere Leser in unseren ‘Hummern 264 ui'd 265 (Donnerstag und Freitag voriger Woche) mit den neuen, ganz wesentlich erhöhten Tarif-
9er halbmonatrbeM des Gießener Anzeigers für die Zeit vom 15. Rovember bis 30. Rovember kostet WO Uteri.
Bestellungen nehmen entgegen in Gießen die Trägerinnen sowie die Geschäftsstelle und auswärts die Zweigstellen-Inhaöer.
faijen bekannt gemacht. Ein Fernbrief bis zu 20 Gramm kostet danach künftig 12 Mark, im Ortsverkehr kostet er 4 Mark. Postkar - ten find im Ortsverkehr mit 3 Mark, im Fem- ve.tehr mit 6 Mark zu frankieren. Drucksachen bis »u 25 Gramm kosten 2 Mark, bis zu 50 G amm 3 Mark, bis 100 Gramm 6 Mark, und bis 250 Gramm 12 Mark. Man beachte im übrigen unsere ausführliche Veröffentlichung in der vorigen Wochr.
■' D i e Paketbeförderung. Don der Post wird uns geschrieben: Rach den bisherigen Erfahrungen werden in den letzten Tagen vor kxm Inkrafttreten neuer Postgebühren in der Regel so große Massen von Paketen aufgeliefert, daß ihre unverzögerte Beförderung nicht möglich ist. Wer daher in diesen Tagen Pakete versenden muß, auf deren pünktliche Ankunft besonderer Wert gelegt wird, — mit eiligem okter leicht verderblichem Inhalt (Lebensmitteln und bergt.) — tut gut. sie als „bringen d" auszuliefern.
** Eine neue Sitzungsperiode des Schwurgerichts beginnt am 4. Dezember. Zum Vorsitzenden ist Landgerichtsrat Trüm- p e r t ernannt worden.
** Anlagenkonzert findet am Donnerstag, den 16. Rovember, mittags 12 Ähr, am Liebig-Denkmal durch die Kapelle des 1. (Hess.) Bataillons, Inf.-Regt. Rr. 15, statt. Die Musik- fvlge ist: 1. Kavallerie-Patrouille, Konzertmarsch (I. Gilbert). 2. Dorspiel und Szenen aus dem 2. Akt d. Oper: „Der Evangelimann" (W. Kienzl). 3. Große Fantasie über Themen aus: „Parsifal" (R. Wagner). 4. Paraphrase über „Gaudeamus igitur" (QI. Schreiner). 5. Friedensmarsch aus der Oper: „Rlenzi" (R. Wagner).
** Dom Gießener Konxertverein wird uns geschrieben: Für das dieswinterliche Kirchenkonzert am 15. und 16. Rovember hat der Akademische Gesangverein drei Chor- und eine Solokantate von Ioh. Seb. Dach gewähll, die
zier gang mit Lutz erzählte sie ihm davon. „Meinst du, daß sie Verdacht geschöpft hat?"
„Keine Spur," sagte dec sorglose Lutz. „Mach dir doch keine solche überflüssigen Gedanken. And wenn auch, was geht Liane es an, wenn wir uns lieben?"
Anfang August mußte Lutz wieder in seine Garnison zurück. Sie hatten verabredet, sich noch einmal oben im Wald an der Kapelle zu sehen, aber an dem Morgen regnete es in Strömen, und Grete schickte ihm einen Boten, daß er besser zum Tee zu ihr ins Haus käme. Lutz tat das zwar ungern, er begegnete jetzt nicht gern gerade Ernst, aber dieser war im Begriff, nach Eppenhausen au fahren, und das Wetter war scheußlich.
„Ich habe abtelegraphiert," erklärte ihr Gatte beim Essen, „da wir ja doch heut abend bei Iustiz- rat Ehrlich sind, es wird mir sonst zu spät . . .“
„Du fährst nicht fort?"
„Rein, ich bleibe hier."
Grete erblaßte. „Gott, Emst, bis acht Uhr faiuift du doch zurück sein, und wenn nicht, so kommst du eben nach. . ."
„Es paßt mir aber nicht bei dem Wetter,“ erwiderte er, und nahm von dem Filet-
Grete überlegte in fieberhafter Angst, was tun. Kaum war er mit seinen Zeitungen auf fein Bureau gegangen, als das Telephon spielte. Sie rief Lutz ihre Enttäuschung zu. . .
Aber der wußte immer einen Rai „Komm doch zu mir auf mein Zimmer... wir trinken zusammen Tee, baS wird sehr gemütlich. . .“
Sie zögerte, wahrend ihr das Herz schlug . . Auf sein Zimmer, ins Hotel? DaS hatte sie noch nie gewagt, es war das letzte. . . Aber seine
in hiesiger Stadt noch nie zu Gehör gebracht wurden. In der ersten Kantate Rr. 48 „I ch e l e n d e r Mensch" entwickelt der Chor in Kanonform ble Worte: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen vom Leibe dieses Todes.“ Den Instrumenten ist ein selbständiger zwölftaktiger Gedanke zu- geteilt. Dazu blasen Oboe und Trompete den Choral „Herr IefuS Christ, ich schrei zu Dir" im Kanon der Quinte. 3n der Mitte der Kantate steht ein an modulatorischer Kühnheit reicher Choral, am Schluß wird die 12. Strophe oes Chorals des ersten Chores in einfachem vierstimmigen Satze gebracht. Unter den madrigelartigen Mittelstücken ist die Tenorarie ein in rythmischer und modulatorischer Hinsicht interessierendes Stück. — Als zweites Werk folgt die Kantate 161 „Komm du süße Todes st und e.“ Sie behandelt das Thema vom seligen Job und ewigen Leben in zwei Arien, zwei Rezitativen, Chor und Choral. Die erste Arie: „Komm du süße Todesstunde", mit der Flötenbegleitung in Sechzehntel- gängen an den Schlußchoral des ersten Teils der Matthauspassion anklingend, deckt die Melodie des alten Sterbeliebes „Wenn ich einmal soll scheiden." Sprach hier ein verklärter Geist, so redet in dec zweiten Acte ein todessehnsüchtiger Mensch. Rach einem großen Rezitativ ergeht sich der Chor in dem Sah: „Wenn es meines Gottes Wille" in weicher Schwärmerei. Gr ist mit einer Reminis- cenz an die ältere Kicchenkantate vielstimmig gefehtf und abgesehen von einfachen kanonischen Fuh- 'cungen ga.cz homophon gehalten. Dem Chor setzt dec nachfolgende Choral: „Der Leib war in dec Erden" die Krone auf; über dem vierstimmigen Satze irrt fremdartigen Ganges und auf geheimnisvollen Pfaden die Flöte und bildet wunöerbare Harmonien. Die beiden Rezitative sind charakteristisch für Dach, tief melodisch empfunden und voll treffender, geistsprühender Deklamations-Accente. — In der Solosonate für Alt: „Berg nügte Ruh, beliebte Seelenlust" Rr. 170 ist besonders die zweite Arie interessant, in der Dach einen obligaten Orgelsah für zwei Manuale einführte. Aus den Generalbaß wurde ganz verzichtet, Diolinen und Bratschen Im Einklänge stellen die tiefste Stimme her. Die höchstoriginelle Kombination hat nicht nur zu einem sehr kunstvollen, sondern auch empfinduicgstcefen Stück gesührt. Die ganze Kantate gehört zu den schönsten ihrer Art. — Als Schluhkantate wird Rr. 148: „Dringet dem Herrn Ehre seines Ramens" gebrach! Der erste Chor ist besonders schwungvoll und volkstümlich kräftig, eine wirksame Mischung von homophonen Partien und Fugensatzen über prägnante Themen. Die von Oboen und Generalbaß begleitete Altarie atmet in Substanz und Klang die echteste freudig-feierliche Sonutags- fümnumg des Kirchgängers.
Bornstizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 7 Uhr: „Der Biberpelz“. — Großer Hörsaal der Universität, 8 Uhr: Dortrag des Vereins für das Deutschtum im Ausland. — Post- keller, 8'/« Ubr: Mitgliederversammlung der Deutschnationalen Dolkspartei. — Astoria-Licht- spiele: „Das Brandmal der Liebe" und „Die In- trlguen der Madame de la Pornmerege".
— AuS dem Stadttheaterbureau. Das für Donnerstag abend angesagte Tanz- spiel Godlewski findet nicht ftatt
— Ein Wohltätigkeitsabend zugunsten der Dertriebenen aus Elsah-Lothringen. Ortsgruppe Gießen, findet am Freitagabend im Caf6 Amend statt. (Siehe Anzeige.)
Wettervoraussage
für Mit two ch:
Dunstig und wolkig, trocken, tags rauh, nachts Frost.
In der Hochdruckverteilung über Europa ist keine Aendecung eingetreten. Die Hochdruck- Wetterlage hält an.
Landkreis Gießen.
* Wieseck, 14. Rov. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute der Arbeiter Otto Michel und Frau Luise, geb. Deibel.
ri. Lich, 13. Rov. Das Erntefest, das gestern hier gefeiert wurde, fand einen würdigen Abschluß durch einen von dem Bund für Haus und Schute veranstalteten Familienabend. Er war so gut besucht, daß viele keinen Platz fanden. In dem bekannten Dolksschriftsteller aus dem Bauernstände Heinrich R a u m a n n war ein Redner gewonnen worden, der es verstand, aus dem Herzen zu den Herren au sprechen. Deine mit ernsten und helleren Erlebnissen aus seiner reichen Lebenserfahrung gewürzten Ausführungen über Kinderecziehung machten einen tiefen Eindruck. Sein Dortrag war umrahmt mit Deklamationen seiner eigenen Gedichte durch Schulmädchen und
mit musikalischen Darbietungen aller Art, bet denen der Rothsche Mannerchor, der Frauenchor, die Chorschuke, Frl. Jäger (Klavier) und Lehrer Fries (Diolme) mitwirkten. Oberjustizinspektor D o p f als Vorsitzender des Dundes für Haus und Schule, und Stiftsdechant Lenz sprachen ein Schlußwort. Hierauf fand der Abend mit gemeinsamem Gesang seinen Abschluß.
i. Ettingshausen, 13. Rov. Am gestrigen Sonntag feierte «das Kirchspiel Ettingshausen-Hattenrod das diesjährige Erntedankfest. Die ernsten Gedanken, die durch die gottesdienstliche Feier hindurch klangen, fanden ihren Weg zu den Herzen der zahlreichen Kirchenbesuher. An Kirchenkollekte gingen weit über 2000 Mk. ein. Am Rachmittag ergeben die Kirchenvorsteher und die Dorstandsmitgliedec des Bauernbundes in beiden Gemeinden unter Glockengeläute eine Sammlung von Rcctu- ralgaben. Es ist dadurch die Derlabung eines Waggons Kartoffeln ermöglicht, der im Lause der Woche abgehen wird, um die □lot in der Stadt zu lindern. Auch Kraut und Gemüse wird mitverpackt werden. Den"Dorsteheru des Bauernbundes Johann S ch m i d t in Ettingshausen und Karl Albach in Hattenrod gebührt für ihr Entgegenkommen neben den eifrigen Sammlern besonderer Dank.
Hessen-Nassau.
Frankfurt a. M., 13. Rov. (Wolff.) Bon einem Anaestellten der hiesigen Flliale derDarmstädter- und Rationalbank sind, wie die „Frankfurter Zeitung“ erfährt, Veruntreuungen dadurch begangen worden, daß er bei der hiesigen Deutschen Bereinsbank ein B a i s s e e n g a g e m e n t in Ungarischer (Soldrente einging und die Stücke, als der Kurs der Ungar. Goldrente stark gestiegen war, seinem Institut zur Deckung seiner LieferungSverbinülichkeit entwendete. Der Schaden wird auf 2 Millionen M a r k beziffert. Der Angestellte wurde verhaftet.
Kirche und Schule.
X Wieseck, 13. Rov. Dekan Ousman« hielt gestern hier eine ordentliche Kirchenvisitation ab. Den Gottesdienst verschönten zwei Chöre unter Leitung von Lehrer Westphal (erste Schulklasse), eingeübt nach der Eitz- schen Tonwortmethode. Ein Iugendgollesdienft bewies den Erwachsenen in guten Antworten treue Arbeit der Schule; besonders erfreute den Dekan die Pflege des Gesanges. Die Gemeindevertretung fand er einig in dem Willen gegenüber manchen bedauerlichen Bestrebungen. die Rechte der Kirche zu wahren. Sine anregende Aussprache im Kirchenvorstand zeigte Einmütigkeit In dem Entschluß, unter Berücksichtigung des besonderen Charakters unserer Dorortgemeinde zu erprobten alten auch neue Wege zu gehen.
nd. Rl dda, 12. Rov. Heute fand hier eine ordentliche Kirchenvisitativn durch den Geh. Oberkvnsistorialrat Dr. Petersen aus Darmstadt statt. Rach der Predigt des Pfarrers Laut im Dormittagsgollesdienst hielt der Disi- tator eine längere Ansprache an die Gemeinde und nahm dann die Prüfung der Katechismuslehr- pflichtigen vor. Daran schloß sich eine Sitzung des Kicchenvorstandes und dec Kirchengemeindevertretung, in der besonders über Mittel gegen die sittlichen Gefahren der Heranwachsenden Jugend, über die Renovierung des Innern der Kirche und die Anschaffung einer neuen Orgel verhandelt wurde. Rachncittags predcgte Pfarrverwalter Wihmann, und zum Schlüsse wurden sämtlcche Schulen des Krrchspiels In der Religion durch den Geistlichen und Oberkonsisto- rialcat Dr. Petersen geprüft Die Gründung eines Kirchengesangvereins wurde angeregt.
Turnen, Sport und Spiel.
Berlin, 11. Rov. (Wolff.) Wie die „B. Z. a. M." meldet, hat die Ovecste Behörde für Doll- blutgucht beschlossen, im Jahre 192 3 feine Rennen im Reiche abzu hallen. Die Berliner Rennvereine, für die die erdrückenden Transportkosten-Entschädigungen in Fortfall kommen, wurden versuchen, ote Mittel auf das äußerste anzuspannen, um den Rennställen in der Hauptstadt wenigstens einigermaßen lohnende Rennpreise auszusehen. Aus dem bevorstehenden
Heutiger Stand des Dollars
10 Ahr . vormittags:
Berlin 7375, Frankfurt 7200—7300.
Stimme klang so verführerisch durchs Telephon. „Ja, Kleines, du kommst?"
Die Jungfer mußte den Teetisch wieder abräumen, denn Grete kleidete sich gegen 5 Ahr an.
„Wollen Sie denn bei dem Wetter wirklich ausgehen?" fragte das Mädchen mit einem ironischen Seitenblick nach der erregten Heinen Frau, die immer Schubladen aufzog, um Handschuhe zu suchen, die sie doch in dec Hand hielt
Grete glaubte auf dem dreisten Gesicht ein Lächeln zu bemerken. Aber an dergleichen war sie langst gewohnt Sie kam atemlos und halbtot in vcm vornehm kühlen, blattpslanzengrschmückten Destibül des Palasthotels an und wollte gerade die breite Treppe hinauf, als ihr der betreßte Portier in den Weg trat Zu wem sie wolle, fragte er.
Grete blickte den Mann durch ihren dichten weißen Schleier empört an.
„Zu meinem Schwager“ sagte sie von oben herab.
Das könne jeder sagen, erwiderte der Machthaber des Palasthotels, und er wirs auf die Halle, in der einige Gäste hinter ihren Zeitungen verschanzt saßen. „Dafür ist die Halle La. Auf den Zimmern find keine Besuche gestattet."
Grete verließ das ungastliche Haus und eilte Ins Kurhaus, um im Lesezimmer auf einem Löschblatt — anderes Papier war nicht zu sinden — ßuh mitzuteilen, daß sie ihn sofort unter den Sichen im Restaurant erwarte.
Eine halbe Stunde später trafen sie sich endlich oben in einem leeren kühlen Gartensaal, der, von dem dichten Grün triefender Eichen beschallet, in einer melancholischen Dämmerung lag, und dessen offene Fenster auf einen Kirchhof hinaus-
schauten. Hinter dem Büfett thronte eine dicke Kellnerin, welche strickte.
Sie nahmen an dem mit tarierter Kaffeedecke geschmückten Tisch in der entferntesten Ecke Platz, und Grete erzählle ihr Erlebnis mit dem groben Vortier. Durch die offenen Fenster hörte man den Regen auf den Kies rauschrn und die halb- zerrisfenen Klänge eines Chorals, den verstimmte Trompeten bliesen, ein Begräbnis zog den Berg herauf. „Dieses weiß ich, soll ich nicht, darum mich zufrieden ge—den."
Der Himmel hing dunkel und schwer über der Landschaft, und aus dem Tallesfel quoll der Rebrl herauf. Es war alles ganz anders, wie sic es sich ausgedacht. Lutz hatte alles so reizend hergeclchtet in seinem Zimmer, Liegestühle auf dem Balkon und Gretes Lieblingslilör Chartreuse.
An der Straßenbahnhaltestelle drückten sie sich noch einmal die Hand, bann stieg Grete zu der Trauergesellschasl welche die Wagen füllte, wahrend sich Lutz auf einem Fußspad nach ber Stadt herunterstahl
Am selben Abend packte er seine Koffer.
*
Gin paar Tage später sagte sich Liane zum Tee bei Gcete an, und diese schob in höchster Elle den Brief an 5ßrtz fort. Sie erwartete Liane mit Herzllopfen. Liane war verändert ihr gegenüber, • sie vertraute ihr nichts mehr an. Sie stellte gerade die Tassen auf, als Ernst ehr trat Er fand den rosigen Salon erleuchtet und warm, der Kamin brannte, ein kleiner Teetisch stand vor dem Feuer, und es sah einmal wieder behagllch aus.
(Fortsetzung folgt)
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