Aris dem besetzten Vevter.
«Gefährdung der Desatzungstruppen."
Berlin, 13. Febr. (Wolff.) Die im De- Xember vorigen Jahres in Düsseldorf erfolgte Verhaftung einer Anzahl messt junger Männer, Mitglieder einer sportlichen Jugendorganisation. M-unter Schüler, durch die französischr Militärbehörde führte zu einer Anfrage eines Abgeordneten der Deutschen DMs- Partei im Preußischen Landtage, die jetzt dckyin beantwortet wird, daß es den Behörden in Düsseldorf, unterstützt durch Schritte des Auswärtigen Amtes, gelungen ist ton der französischen Behörde eine Liste der Verhafteten, die sich sämtlich in Düsseldorf in Gewahrsam befinden, zu erhalten. Es sind 29 Personen von 16 bis 41 Jahren, die der Aufwiegelung der Bürger und der Gefährdung der Desahungstruppen beschuldigt werden. Es wird behauptet, die Verhafteten seien im Besitz von Waffen und Munition gewesen. Die Verhandlungen vor dem französischen Kriegsgericht finden demnächst statt.
Aus Stadt und Land.
D i e d e n, den 14. Fedr. 1922.
L.U. Bon der Landesuntversi- tät. Der ordentliche Professor der semitischen Philologie Dr. phil. Lie. theol. Paul Kahle hat einen Ruf an die Universität Königsberg erhalten.
•* Dom Eisenbahnverkehr. Die Schnellzüge Frankfurt—Hagen über Gießen— Siegen verkehren vorläufig noch nicht. — Auf der Strecke Hungen — Mücke werden vom 16. Februar ab die wegen Kohlenmangels ausgefallenen Züge 4268, Laubach ab 8,10 vorm., Hungen an 8,40 vorm. und 4269 (W.) Hungen ab 9,25 vorm., Mücke an 10,55 vorm. sowie 42Z0 Mücke ab 1,29 nachm., Laubach an 1,58 nachm. wieder gefahren. — Dom gleichen Tage ab verkehren wieder auf der Strecke Schotten — Ridda die Züge 4184 Schotten ab 7,46 vorm., Ridda an 8,30 vorm. und 4183 Ridda ab 9,30 vorm., Schotten an 10,16 vorm.
* Verbilligte Eisenbahnfahrt zurLeipziger Frühjahrsmesse. Das Meßamt für die Mustermessen in Leipzig veröffentlichte im gestrigen Anzeigenteil eine Uebersicht über die GesellschaftS-Svnderzüge zur Leipziger Frühjahrsmesse, für die Tell- nehmer an der Messe verbilligte Fahrkarten erhalten. Bestellungen sind n u r an das Meh- amt in Leipzig zu richten.
** Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und die Post erfolgt in der Woche vom 13. bis 19. Februar d. IS. unverändert wir in der Vorwoche zum Preise von 780 Mk. für ein Zwanzigmarkstück, 390 Mk. für ein Zehnmarkstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt.
•’ Verlängerte Umtauschfrist für Ueberdruckmarken. Die Umtausch- srtst für die seit dem 20. Januar außer Kurs gesetzten Ueberdruckmarken zu 1,60, 3, 5 und 10 Mk., die sich noch in den Händen des Publikums befinden, ist bis Ende Februar verlängert worden.
. "DiedieSjährigenOsterferien beginnen am Freitag, den 7. April, nach De- Lndigung der letzten lehrplanmäßigen Stunde. Der Unterricht wird am Dienstag, 25. April, dollem Umfang wieder ausgenommen. Etwa yötig werdende Vorarbeiten, Anmeldungen, Aufnahmeprüfungen und dergl. mehr, sind am Montag, den 24. April, zu erledigen.
--- Vorsicht beim Gebrauch von Schußwaffen. Als Ende voriger Woche eine hiesige Dame von der Krvfdorfer Straße nach der Schützenstvaße gehen wollte, fiel plötzlich aus den in der Rähe liegenden Gärten em Schuß und die Kugel drang der Vorübergehenden durch den Fuß. Mit Mühe konnte sich die Getroffene noch zu den in der Rahe wohnenden Verwandten begeben, wo sie ärzlliche Hilfe in Anspruch nehmen muhte. Von dem leichtsinnigen Schützen, der sich, nachdem er die Folgen seines Schusses wahrnahm aus dem Staube gemacht hat, ist bis jetzt keine Spur vorhanden. Der Vorfall mahnt er- neut daß man beim Schießen vorsichtig sein soll. a
** Dhackletons Südpolexpedition wird un Lichtspielhaus bis einschließlich Donnerstag in Originalaufnahmen eines an der Unternehmung teilnehmenden Filmoperateurs gezeigt. Mit Spannung verfolgt man die Fahrt des kuhn^i Schiffleins, das die mutigen Forscher in die Eisregion trägt, bis es schließlich durch die
Die Blüchernichten^
Roman vonHannsvonZobeltitz.
2«. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Der weltgewandte Kammerherr hat g-tan alä merkte er keine öpifje; rührte mit zieml.ch ge° spreizten ätngcr-i seinen Tee, tat nur bedenklich i>.d Kandis hinein, aß bedenll.ch viel S rcasel- tuchen und sah mit den etwas verschleierten AiSen Wi chtig jedes der .noch zU habe ten" schonen Mädchen an. Luise empfahl sich duld: sie hatte Briefe zu schreiten — natürlich an den Herzallerliebsten-, Julie schützte Kopischmer- zen vor und. ging; Fiekchen mußte auch an den Schatz episteln. So wurde der Kreis enger und enger Mama Giese war entsetzt und nahm sich vor ihren drei Aeltesten eine gehörige Stand- Paule zu halten. Aber ter Herr von Tauten- heim schien äußerst zufrieden. Er lächelte ein etwas geheimniLvolles, süßes Lächeln und schaute den verbleibender Gieserest noch p ü e-ter an Lotte und Lore: beide eigenllich bildhübsch Ja aber die Jüngste verdiente doch wohl die Krone' sah ans wie ein Por-ellanpüppchen and ha te springlebendiae Annen, in te-ien tausend Teufel- chen heurzuspuien schie en.
Ueb ig.no sa^en die beiden Mädchen pt)t höchst sittsam und artig, Hand an Kant mit fast immer geschlossenen Lippen. Da nun tie Mama in Gesellschaft auch nie viel sprach, so mußte ter Gast die Unterhaltung fast allein Leckerführen. Das war rui g.ad sein Fall, e: hatte Ruf dafür, und bald, mit einige i ’g<« schickten Wendu gen fein Haupt- u d Liebckngs- thema beim Wickel. Er sprach- von den Hoffesten
ter Hand drohte und dem Gaste nachelllL Er Hatzte aber im Flur schon Stock und Hut ergriffen, sie höitze ihn nur noch brummend die Stiege hinuntertapsen.
Als sie ins Zimmer zurück'eh tze, saß Co:te artig und sittsam schon am S.ickrahn.e:i, und Lore räumte, auch ganz artiges Hauskind, das Teegeschirr zusammen. Drück hat sie aber ein Messer zur Hand und schreitet sich die Ober- hälfte von tem Streuselluchen ab, den ter Gast übrig gelassen.
Das ist ein guter Ablenker für die Frcu. Mutter gewesen. Sie fährt auf die Lore los: „So — die Streuselni Und du wolllest heiraten?"
„Aber, gnädige Frau Mama, die Streuseln sind doch- nun mal das beste," sagt die Lore und macht das unschuldigste Gesicht von ter Welt.
„Ich- werd' dir was! Und diese infame, niederträchtige Geschichte mit der Perücke?"
Das rosige Gesicht wird noch harmloser, wird das reine Kindergesicht.
„Sie werden mir doch nicht die Schuld geben, gnädigste Frau Mama? Was kann ich da ür. wenn ter verehrte Herr von TcuUenheim rrotz seiner — hm! — trotz seiner Jugend ein Atzel- chen trägt? Was kann ich dafür, wenn die nicht festsiht? Ich- hab' sie nicht abgerissen. Ich nicht! Das hat er höchstens selbst getan. Mir darfst du das nicht in die Schuhe schieben —“
Und dabei blieb sie.
(Fortseyung folgt.)
Gewalt des Elementes sestgeyalten und erdrückt wird. ShackletonS Unternehmung scheiterte daran, daß ein allzu strenger Winter der Reise kurz vor dem Ziel ein Ende machte: das Schiff fror fest. Und nun sehen wir lebende Menschen in dec entsetzlichen Eiswelt monatelang ihr Dasein fristen,- erkennen, wie die Rot immer größer wird, wie schließlich nur noch ein dürftiges Lager auf dem Eisboden übrig bleibt. Als auch dieses in Gefahr kommt, wird Shackleton gezwungen, die nächsten menschlichen Riederlassungen aufzusuchen, um dem sicheren Tode zu entgehen. Rckan kommt unter verzweifelten Anstrengungen auf die Elefanteninsel: und damit ist wenigstens wieder fester Boden gewonnen. Don hier aus unternimmt Shackleton mit vier Getreuen die Fahrt nach Süd-Georgien, um hier Hilfe zu holen. Auch diese Unternehmung gelingt nach furchtbaren Strapazen. Eine vom Staate Uruguay entsandte Expedition kann schließlich auch die auf der Ele- fanteninsel Zurückgebliebenen noch rechtzeitig retten. — Reben den prächtigen Raturausnahmen der eigenartig schönen Eislandschaft ist die Beobachtung der Tierwelt von größtem Interesse. — Der den Film erläuternde Dortrag gibt gerade in diesem Punkte in dankenswerter Weise Aufklärung und erhöht den belehrenden Wert der Vorführung.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 7 Uhr: „Peter Bräuer". — Hotel Großherzog, 81/« Uhr: Hauptversammlung der Demokratischen Partei. — Astor ia-Lichispiele: „Falschspieler" und „Eine platonische Ehe".
— Im Verein der Gießener Kunstfreunde wird am Mittwoch, den 15. Februar, Professor Dr. Ludwig Curtius über die Genesis der Plastik sprechen. Curtius gehört zu jenen seltenen Gelehrten, denen es gegeben ist, über die gelehrte Forschung hinaus zu den tiefsten und allgemeinsten Problemen der Wissenschaft, vorzudringen und sie in meisterhafter Rede darzustellen. Aus einem starken Mi erleben der Gegenwart und feinfühligem Verstehen aller gewordenen und werdenden Kunst hinaus ist Curtius wie wenige geeignet, ein Führer auf diesem Gebiete zu sein. — Der Vortrag wird im Drohen Hörsaal der Universität um SV- Uhr abends stattfinden.
— Crfinderwesen. Die Gesellschaft zur Errichtung eines deutschen Erfindungs-Instituts, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am Mittwoch, 15. Februar, abends 8/t Uhr im physikalischen Institut der Universität — Eingang von der Stephanstraße — eine öffentliche Versammlung. Herr Dr. Bergmann wird dabei einen Experi- mentalvortrag über die neue Entdeckung auf dem Gebiete der Elektrotechnik, die unter dem Schlagwort „eisenloser Elektromagnet" bekannt geworden ist, halten. Alle für Technik und Erfindungen Interessierten seien darauf hingewiesen. Zur Deckung der Kosten zahlen Richt- Mitglieder ein Eintrittsgeld von 2 ML
— Der Wartburg-Verein veranstaltet am Donnerstag dieser Woche im Marlüssaal (Kirchstrahe 9) einen Familienabend, auf dem Missionar Schäfer, der aus der Rheinischen Micron (Barmen) hervorgegangen und gebürtig von Annerod ist, einen Vortrag mit Lichtbildern über „Rcu-Guinea" halten wird. Ebenso ist für gute musilalischr Darbietungen gesorgt. Der Vortrag ist jedermann zugänglich Der Reinertrag ist für die Barmer Mission bestimmt. (Räheres siehe Anzeige.)
Landkreis Gießen.
Lich, 12. Febr. Dieser Tage sind es 25 Jahre gewesen, daß Kaufmann M. Goldschmidt in ununterbrochener Tätigkeit das Amt des ersten Schriftführers im hiesigen Turnverein ausübt. Im Stillen hat der Jubilar in dieser langen Zeit eine Fülle von Arbeit geleistet, der auch Erfolge fürs Gemeinwohl und darüber hinaus für die Deutsche Turnsache nicht versagt geblieben sind, lieber den Rahmen des Vereins hinaus wirkte OH. Goldschmidt auch im turnerischen Leben des Gaues Hessen, besonders als es darum galt, die umfangreichen Vorarbeiten für das im Jahre 1908 hier stattgefundene 35. Gauturnfest zu bewältigen. Dem Gau Hessen, der demnächst mit der Schaffung eines Gauehrenbriefes eine Einrichtung schafft, um verdienstvolle Turner in schlichter Weise zu ehren, wird es daher eine angenehme Pflicht fein, den pflichtgetreuen Turners» marm als einen der ersten mit der Urkunde aus- zuzeichnen. Der Turnverein Lich würdigte dieser Tage gelegentlich der 62. Hauptversammlung die Verdienste des Jubilars in ehrender Weise.
• Lollar, 13. Febr. Der Hausbesitzer- Verein E. D. hielt geftern seine Hauptversammlung ab. Der Kassenbericht zeigte geregelte Verhältnisse. Die allgeistkin verteuerte Letenshaltung verlangt eine Erhöhung der Beiträge, der die Versammlung zustimmt. Der feit- be ige Vorstand trurde wiedergewählt Die biin- genö notwendige Radierung der Mieten wird zucückgestelll, bis das neue ReichSmietengesetz be
lanritgegeben wird. Alsdann wird ein berufener Redner in einer Generalversammlung über diese und die den Haus- und Grundbesitz betreffenden neuen Steuergesetze Aufilärung geben. Don verschiedenen Mitgliedern wird Klage erhoben über mißbräuchliche Benutzung der Wohnungen durch die Mieter, wie Waschen und dergleichen in den Wohnräumen. Die Versammlung stellt fest, daß dies ein Kündigungsgrund sei, den das Mieteinigungsamt genehmigen mühte. Eine Eingabe an den Gemeinderat wurde beschlossen, worin dieser ersucht wird, das Wassergeld, das ab 1. April 1922 in dreifacher Höhe wie seither erhoben wird, nicht mehr vom Hauseigentümer, sondern unmittelbar von jeder wassernehmenden Famllie zu erheben, genau wie dies in den anderen Orten der Wassergenossenschaft „Glückauf" in Staufenberg und Mainzlar von jeher erfolgt.
tt. Treis a. d. L., 13. Febr. Heute starb nach kurzer Krankheit die älteste hiesige Einwohnerin Frau Jettchen Wetzstein im hohen Alter von 91V« Jahren. Die Verstorbene erfreute sich bis in die letzten Tage ihres Lebens körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Sie hat noch einen Bruder im Alter von 82 Jahren.
△ Grünberg, 12. Febr. Der Gastwirt Schultheiß aus Göbelnrod v e r un- gl ü ck t e am Steinweg sehr schwer. Sein Pferd ging durch, und Sch. stürzte kopfüber vom Wagen. An der Folge einer Gehirnerschütterung ist er gestorben.
Kreis Lauterbach.
. △ Lauterbach, 12. Febr. Wieder konnte in einem Dorfe des Vogelsberges in Dirlammen „Lichtkirmes" gefeiert werden. Die Rheinelektra, die auch hier die Ortsleitung gebaut hat, kann damit das Jubiläum des 2000. Ortsanschlusses feiern. Auch das Städtchen Herbstein hat in diesen Tagen die elektrische Beleuchtung erhalten.
Kreis Schotten.
e. Schotten, 11. Febr. Vom Kreis- a m t war den Landwirten des Kreises aufgegeben worden, daß die restlose A b l i e - rung der Getreideumlage bis zum 15. Februar d. Js. erfolgt sein müsse. Im Gegensatz zu dieser Aufforderung veröffentlicht der Vorstand des hessischen Bauernbundes folgende Erklärung: „Wir weisen darauf hin, daß nach § 1 der Reichsge- treidevrdnung die Frist zur Ablieferung am 28. Februar abläuft. Die Verhandlungen mit der Reichsregierung sind noch nicht abgeschlossen. Bestrafungen wegen Richtablieferung bis zum 15. Februar können nicht erfolgen. Wir werden im Bundesblatt rechtzeitig Mitteilung machen." — Warum muß es zu solch gegensätzlichen Veröffentlichungen kommen? Und wer hat nun recht, das Kreisamt oder der Bauernbund?
h. G e d e r n, 12. Febr. Der hiesige K o n- sumverein feierte dieser Tage sein zehnjähriges Bestehen. Aus dem Jahresbericht, den Lokomotivführer R u st e b e r g verlas, ging hervor, daß sich der Verein in erfreulicher Weise entwickelt hat. Der Verein begann vor 10 Jahren mit 30 Mitgliedern und heute hat er die stattliche Zahl von 188 erreicht. Mit der Feier war eine Verlosung von wertvollen Wirtschaftsgegenständen verbunden.
LZ1 Laubach, 13. Febr. Infolge des starken FrostÄ ist die hiesige Eisbahn seit 8 Tagen wieder benutzt worden. Wegen der großen Trockenheit hatte sich der „Obersee", den der hiesige Eisverein als Bahn eingerckchtet hat, nur ungenügend und spät gefüllt. In der nächsten Woche wird der hiesige CiZverein. der nach dem Gießener der älteste in der Provinz ist, die Feier seiner 25jährigen Gründung abhalten. — Am verflossenen Dienstag ist die schriftliche Reifeprüfung am hiesigen Gymnasium Fridericianum zu Ende gegangen. 5 Prüflinge haben sich ihr unterzogen. Als Termin für das mündliche Examen ist der 17. Februar festgesetzt worden. Dieses Waturitas ist das letzte, das am hie- si?en Gymnasium Fricke kianum abgehalten wird. Mit dem kommenden Sommechalbjahr wird das Gymnasium in ein Prorealghmnasium und Realschule umgewandelt werden. Das Gymnasium war durch den wohltätigen (1930 verstorbenen) Grafen Friedrich zu Solms-Laubach 1875 begründet worden und hatte sich, besonders unter den tüchtigen Di Aktoren Windhaus (gefl. 1897) und Hensell (zur 3-.it im Ruhestand in Gießen) sehr günstig entwickelt: zeitweilig zählte es 163 bis 175 Schüler. Seit der Direktion Balser (seit 1899) begann es ab'unehmen und
aus jenen schönen Tagen, da Mars noch nicht die Stunde regierte, zumal von der Zeit weiland, Friedrich- Wilhelms deZ Streiten.
Plötzlich misch e sich die Lore in feine wohl- gesetzten Erzählungen. Sie fragte: „Trug man damals bei Hofe noch- den Zopf? Haben Sie auch noch einen Zopf getragen? Oder trugen den nur die Soldaten?"
„Aber mein gnädigstes Fräulein, selbstverständlich trug man meistens noch den Zopf. Heb eigene sah er gar nicht so übel aus, gab ohne Zweifel ein honet e;, gravitätischeres Ansehen, zumal, wenn er rocht adrett gewickelt war. Man mußte schon einen tüchtigen Kammerdiener haben, wenn man dessen sicher sein wollte.
„Ja, aber . . . Sie müssen einem jungen Mädchen die Frage schon verzeihen — wuchsen den Herrn denn damals wirktich die Zöp'e?"
Er lächelte, tie mal ganz üb r eg n. „Ran - • ste wachsen schon einzelnen von uns. Es ist erstaunlich, aber es ist wahr: es gab QHef- fteurg mit Prachtvollen Zöpfen, freilich erst nach jahrelanger, sorgfält ger Pslcge."
„Uni> die andern?"
. andern, die mußten künstlich- schaffen, was ihnen Tiatura ver-sagte. Bei den Friseuren konnte man Zöpfe mit den schönsten Bändern, in allen Großen und Farben kaufen."
5Xe Lore war cu ge landen u d mache sich hinter dem Sessel der Kammer;erm zu schaffen -Warna Giese war wiederum entert, als sie sah' c-atz ch.e jung te Range sogar mit dem Zeige^ finger an feinen Racken tippte: „Aber . . . Lore!" dem würdigen Kammerherrn mußte ^iner FingerchenS ganz Pläsierlich fein. War ja auch das reine Kinder
händchen. ilnb so drollig: es kitzelte sogar ein wenig. Er spitzte den Mund, säst als ob er Pfeifen wollte.
„W e wurde solch- Kan"z-Pf denn nur befestigt?" fragte die Lore weiter. „Das muß ja mit erstaunlicher Akkuratesse gemacht worden fein.“
„@e'riT\ mein verehrtes Fräulein von Giesel Es gab kleine Haken —“
„Wo denn, Herr von Tautenheim? Zeigen Sie doch- . .
Also griff auch er in den Racken. Seine lange hagere Hand und die kleinen molligen Mädcher.fmger berührten sich. @3 kitzelte w eder leicht und pläsierlich. „Hier etwa!" fag:e er. „2st nicht möglich. Hier also?" sagte sie. ..Etwas höher!" sagte er. „Also ungefähr dort!" sagte sie. ilnb da geschah das Malh ur —
Aus dem Hinterkopf des braten Barons hob sich das Haar: gleich darauf löste es sich vorn, die ganze Pracht schob sich nach rückwärts, die Stirn trurte mit einem Male in eine mächtige Glatze verwandelt —
„O weh!" hat der Taugenichts gerufen. »Wer hätte das gedacht — ein Perücke. Ein Meisterwerk . . ."
Es tippte noch einmal u$b kitzelte. Aber bem würdigen Kammerherrn schien es nicht mehr Pläsier zu machen. Er sprang auf, er griff hastig mit beiden Händen an den Schädel, drückte, preßte fest, was entgleiten wollte, machte, hochrot im Gesicht, d e Ve.k-eugung in ter Runde, sprach erregt. „Ich empfehle mich —" und stürzte aus dem Zimmer.
Drinnen erhob sich ein kaum gezügeltes Gelächter, während Mama Giese ihren Rangen mit
wird jetzt zu Grate getragen, wird aK^gewiß feiner Zeit wieder auferstehen. Das ist unsere feste Zuversicht! Die alte Lateinschule zu Laubach, 1555 durch den Grafen Friedrich Magnus zu Solms-Laubach, einem Halbbruder P h i - lipps des Großmütigen, unter Beihilfe Phil. Melanchthons begründet, durch Hermann August Francke 1717 neu organisiert, war 1807 eingegangen und 1875 in neuer Gestalt wiederbelebt worden. Die Erinnerung an das eingegangene Gymnasium Frideckckanum wird durch eine Vereinigung alter Lehrer und Schüler erhalten werden, die soeben begrüntet wird, und die im August ds. Js. ihre erste Tagung halten wird.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 12. Febr. (Volksbildungs herein.) In dem großen Hörsaale des Polytechnikums sprach der Direktor der hiesigen Dlinten- anstack Schmidt über „Blinde und Blinde n w e s e n“. In gedrängter Kürze gab er einen ileberblicf über die Geschichte der Blindenerziehung von ihren Anfängen bis zur Jetztzeit: er zeigte, wie die jetzige Anstaltserziehung dazu angetan ist, aus Menschen, die man früher für überflüssige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft hielt, heute in jeder Beziehung vollberechtigte zu machen, die in ter Lage sind, den Kampf mit dem Dasein aufzunehmen und sich ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Den Schluß des Vortrages bib dete die Vorführung ter in den Blindenanstalten eingeführten Lehrmittel für den Lese-, Schreibund Rechenunterricht: einige Zöglinge der Anstalt geigten durch Vorführung den hohen Grack der erworbenen Kenntnisse. So las ein im zweiten Schuljahre stehender Knabe aus einem Lesebuche in Braillescher Punktschrift so fließend, wie ein Erwachsener aus einem gewöhnlichen Buche. Ebenso erstaunlich waren die Ergebnisse des Aechen- unterrichts. Eingeleitet und geschlossen wurde der Abend durch musikalische Darbietungen, Gesänge eines gemischten Chors, Vivlinvorträge und DeLa- mationen, die ebenfalls einen hohen Grad der Vollendung zeigten. Das sehr zahlreich erschienene Publikum tankte durch lebhafte BeifallZbezeugun- gen für ten in jeder Beziehung belehrenden und interessanten Abend. — Rachdem die Lehrerseminare in Alzey und Bensheim bereits ihrer im Weltkriege gefallenen Schüler durch Ehrentafeln und Denkmäler gedacht haben, beabsichtigt auch das hiesige Lehrerseminar diese Dankesschuld durch Anbringung einer Ehrentafel abzutragen. Zur Ausbringung ter benötigten Geldmittel findet am Dienstag im Saalbau eine Ausführung statt, bei ter die Chöre aus Schillers Braut von Messina in der musikalischen Bearbeitung von Selle mit verbindender Deklamation zur Ausführung kommen.
- Friedberg, 11. Febr. Gin hiesiges Geschäftsau'o stich, als es in Dad-Rauheim von einer Seitenstraße aus in di^ Frankfurter Straße einbvg, auf ein mit einen Geschwindigkeit von 20 Kilometer fahrendes Personenauto. Der Unfall hatte starke Beschädigung beiter Wagen zur Folge, außerdem trug einer der Insassen des Personenautos eine Kopftellrtzung davon.
>5'Du h b a ch, 11. Febr. Wie stchon bellchtet. wird in dem Taunusorte Friedrichsthal sei! 3. Februar ein Ortseinwohner vermiß t. Es hantelt sich um ten 43jährigen Landwirt und Ortsvorsteher Philipp Odenweller. Alle lllmstände sprechen dafür, daß ein Terbrechm tot- liegt. Wegen des Eisenbahnerstreiks mußte ter Mann von Homkurg aus, wohin er von Frankfurt aus mit der Elektrischen gefahren war, die Reise zu Fuß fortsehen. Der kürzeste Weg führt von dort über Köppern, die Caperslurg und die Kaisergrube am Winterstein nach Friedrichsthal. Ganz sicher festgestellt ist, daß Otenweller in Köppern zwischen 4 und 5 lllhr noch in einem Gasthaus Einkehr gehalten hat. Bon Köppern nach Friedrichsthal sind es noch etwa 3 Stunden Weges. Man nimmt an, daß der Mann auf der Caperskurg Verbrechern in die Hände gefallen ist. Ein Unfall, an den man des heftigen Schneetreibens treten erst dachte, kann nicht gut üoiliegen. Denn Odenweller, der die Wälter genau kennt, so daß ein Verirren kaum möglich war, hätte dann auf dem Wege gefunden werden müssen. Mehrmaliges Abstreifen des Weges zeigte aber noch keine Spur des Vermißten. In ten Taunus- vrten herrscht über den Vorfall große Aufregung
Starkenburg und Rbeinhedien.
* Darmstadt. 12. Febr. Dem Betrieb des Hessischen Landestheaters angeglietert wird demnächst als „Kleines H a u g' (für Kammerspiele und Spieloper) ein zweites Theater eröffnet werten. Das hierfür vorgesehene Gebäude entstand im Jahre 1606 unter Landgraf Ludwig V., und zwar wurde es damals als „R e i t h a u s" für sportliche höfische Veranstaltungen errichtet. Ludwig VI. ließ dieses Haus zum Teil umbauen, und im Jahre 1670 wurde es zuerst für Theaterzwecke gebraucht. Sein Rach- folger Ernst Ludwig berief im Jahre 1710 den kurhannöverischen „Hof- und Prernierearchitekf Louis Remy te la Fosse, nach dessen Plänen das
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