Ausgabe 
14.1.1922
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 12

Der Lietzener Xn$etatt erscheint täglich, nutzer Sonn- und Feiertags. Monatliche vezuyspre se: Mk 9.50 einschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 10.- einschl. Bestell­geld. auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. 3 er n sprech-Anschlüsse: sürd!e?chr!stleitung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 61. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehe«.

poftscheälonto:

Frankfurt a. Dl. 11688.

Erster Blatt

112. Jahrgang

Samstag, U- Januar 1922

GietzenerAnzelger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vrllhl'sche Unlv.-Vuch' und Stelnbruderci n. Lange. Zchrlftleltunq, Geschäftsstelle und Druckerei: 5chu!strahe 7.

Annahme von Anzeiaen für die laqesnummtr bis zum Nachm itaq vorher ohne jede Lerdtndlichkeit. Preis für 1 <nm hohe für Anzeigen v 34 mir» Breite örtlich 70 Pf, auswärts 90 Pf.; für Neklame. , Anzeigen von 70 mm Breite 3 0Pf. Bei Platz. Vorschrift 20 ' Aus chlag. Haup:schriftleiter Auq. Goetz Verantwortlich für Politik: Auq. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

ein

erteilen.

der Vorsitzende der Re- Tubots, d.e ra^olgente

-Äommtrion brich ie t der

tracht komme, werde sofort eine Antwort

Hieraus verlas parativnstonrmission, : Entscheidung:

'S e Äetxrrc tivns>

Mission, der, tote seinerzeit gemeldet wurde, auf Ersuchen Lloyd Oeorged erfolgt sein soll, eien vielleicht noch nicht vergessen worden.

Poincar^ und Lloyd tocorgr.

Paris, 13. Jan. (WTB.) Da Lloyd George vor seiner Abreise aus Cannes

deutschen R gierung <i ie vorläufige Ver» zugssrift fnr die am 15. Januar und 15. Fe- bruar 1922 fälligen Zah ungen zu gewähren, so­weit diese Zahlunasverp l ch ungen durch ge­leistete oder noch r,u leistende Barz- h'u g-n u d durch Sach'eistu gen oder Ei nahmen ans dm Kecovery Act, die schon einaeaaigm sind, ob r dis zu den oben genannten S>Jten e.ngehen ttxr- Öen, nicht schon gedeckt sind, und zwar unter Bor- bemalt der nächtigenden Dedjngunoen:

1 TSä'" e d der v r öu i--e i Der'ugssr st zablt die d:ut ch- Drg!erung alle zehn Tage 31 Millionen Goldmart ti zuge.as.enen

griffen werden.

Artikel 4. Dieser Vertrag bildet feine Der- pflichtung für irgendein Dominion des britischen Reiches, es sei denn, daß das interessierte Do­minion ihn gebilligt habe.

Artikel 5. Der gegenwärtige Dertrag wird für die Dauer von zehn Jahren in Kraft bleiben und kann nach Miaus dieser Zeil durch gemeinsames Abkommen erneuert werden.

Der Kabinettswechsel in Frankreich.

Paris. 14 Jan. (WB) Senator Pvin- car e hat sich nachmittags 5 Uhr zum Präsidenten MiNe-and 5 geben u b erklärt, datz er die Ka- bi.wlrsbildung trarchiühen werde.

L v n d o n, 13. Jan. (WTB.) Der Pariser Berichterstatter des ..Manchester Guar- dl a n schreibt, es dürfe nicht übersehen wer­den, daß der vormalige Präsident der fran­zösischen Republik vielleicht als persona grata bei der britischen Regierung angesehen werden könne. Die Timstande seines Rücktritts vom Vorsitz der ReparattonSkom-

auch den übrigen Delegationen erwachsen. Die v ~ . u . . .»frage haoe vertagt werden müssen. Soweit aber das Ersuchen der deut­schen Regierung um ein Moratorium in De- ' die Reparationskommission

Ein vorläufiger Iahlungsauf- schub für Deutschland bewilligt!

Cannes, 13 Jan. (Wolfs.) Amtlich Die deutsche Delegation wurde heute mittag 12 Uhr im Carcle nautique zu einer gemeinsamen Sitzung des Oberst en Ra tes und der Repa ° rationskommission grlad.m. Lwyd Geo ge teilte mit, baf) der Oberste Ral zu der Entschlie­ßung gekommen sei, bah er in ber Abwesenheit eines feiner Mitglieber mit ben Derhanblungen nicht fortsahren könne unb daher beschlos­sen habe, die Konferenz zu v e r t a g c n. Gr er­wähnte, bah bie Aufgaben ber Konferenz zum Teil gelöst worden seien. Insbesondere sei be­schlossen worden, eine Wirtschaftskonfe­renz nach Genua einzuberufen, zu der die deutsche Regierung eingelaben tre den soll. Mit Befriedigung habe er ben gestrigen Ausführungen Dr. Rathenaus entnommen, bah die beutsche Regierung am Wieder- ausbau Mittel - unb Osteuropas leib zunehmen gewillt fei. Er bedauerte, bah der deutschen De'egation Mühen erwachsen feien, d e durch den Abbruch ber Konferenz unterbrochen rn-.r-.t n nt-f-Son Mühen feien aber

feit« von Gut und Böse, der Schachergeist, be-1 herrschen das Handeln unserer früheren Geg­ner nachhaltig und offensichtlich; eS ist noch Geist vom alten Geist, und es ist unser Recht und unsere Aufgabe, ihm durch Vergangen­heit und Gegenwart ins Gesicht zu leuchten.

Der Abbruch der Konferenz von Cannes soll uns nicht zu sehr betrüben, denn In- Grunde waren auch die dort bekanntgegebe­nen englischen Pläne keineswegs zu unserer Wohlfahrt geschmiedet. ES sollte uns auferlegi werden, im Jahre 1922 700 Millionen Gold­mark bar und in Sachleistungen 1700 zu bezahlen, insgesamt also 2400 Millionen Goldmark. Dazu kam der Beschluß, die Koh­lenpreise den Weltmarktprcisen gleichzustel­len. DaS bedeutet eine Verteuerung der in­dustriellen Arbeit, die wiederum eine erheb­liche Erhöhung der Preise und Löhne im Gefolge hat. Die Beschlüsse von Cannes ver­sprachen uns also keineswegs wirksame Hilfe, und wenn unsere Delegation einer Halb­heit wieder ihre Unterschrift gegeben hätte, so wären höchstens Rückschritte erreicht worden. Der bekannte englische Wirt- schaftSkenner Professor Keynes schlägt in seinem soeben erschienenen neuen Buche vor, die in London auf insgesamt 138 Milliarden Goldmark festgesetzte Wiederherstellungsfvrde- rung zunächst auf HO Milliarden zu ermäßi­gen. Das wäre der Betrag, den damals die britischen Vertreter im Wiederherstel- lungSausschuß für angemessen bezeichnet hät­ten. Keynes teilt aber die Meinung derer, die an dieser Summe noch den Posten für Pensionen usw. gestrichen haben wollen, weil er nicht in den beim Waffenstillstand for­mulierten Begriff derReparationen" passe. So mühten also 74 Milliarden abgezogen werden, und es verbleibe die zu zahlende Restsumme von 36 Milliarden Mark.

Aber Keynes geht noch weiter. England solle seinen Anteil ganz fallen lassen (11 Mil­liarden) und es solle Italien und den klei­nen Staaten durch seinen Verzicht auf deren Kriegsschulden an England ermöglichen, dem englischen Beispiel zu folgen, so daß sich die deutsche Schuld auf 18 Milliarden für Frank­reich und 3 Milliarden für Belgien beschränke.

Will Herr Dr. Wirth absolut mehr be­zahlen? Warum geht unsere Regierung an so wertvollen Gutachten nichtdeutscher Autori­täten beinahe gleichgültig vorüber? Herr Poincare kommt ans Ruder und wird eine verschärfte Tonart mitbringen. Erfüllungs­bereites Stillschweigen Deutschlands würde die englischen Vorkämpfer für eine Vertrags­revision entwaffnen. Das Reichskabinett muh jetzt den Mund auftun, und zwar nicht ledig­lich den Mund Rathenaus. Wir sind gespannt nicht nur auf das Programm Poincares, son­dern auch auf die weitere Haltung unserer Reichsregierung.

den Wunsch ausgesprochen hatte, morgen, Samstag, in Paris eine Besprechung mit Dem neuen Ministerpräsidenten zu haben, hat Poincars dem britischen Botschafter Lord Hardinge mitgeteilt, dah er gern bereit ein werde, sich morgen zur britischen Bot» chaft zu begeben, um dort Lloyd George auf seiner Durchfahrt durch Paris zu sprechen.

Das Ende

der Konferenz in Cannes.

Cannes, 12. Jan. (WTB.) Sämt­liche Delegierten haben heute abend Cannes verlassen. Die italienische De­legation ist mit Sonderzug um 8 Uhr ab­gefahren, die französische, belgische, japanische und die deutsche Delegation im Sonderzug um 7 Uhr. Die deutsche Delegation befand sich in dem gleichen deutschen Wagen, der sie nach Cannes gebracht hatte.

Abschiedsänsternngen Lloyd (gcorqcS.

Paris. 13. Jan. (WTB) Vor f:lner Ab­reise aus Cannes empfing Lloyd Ge­orge französische Pre severlreter unb gab ihnen während einer halben Stunde Auskunft Über eine Reihe von Fragen. Lloyd George erklärte, er habe den Wunsch, bah ber Garantiever­trag unterzeichnet werben möge, bevor die Kon­ferenz von Genua zusammentrete. Die italienische Regierung fei im Augeirblick nicht aufgefordert worden, sich dem Avkommen anzuschließen. weil bie Lage bei- italienischen Grenze dies nicht zu einer gebieterischen Rotwendigkeit mache. Das Einvernehmen mit Belgien in dieser Angelegenheit sei vollkommen. Was die Orientfragen betreffe, so hoffe er, bah sie in <-*wa zwei Wochen auf einer Zusammenkun t der Außenminister in Paris geregelt würden. Auf eine Anfrage wegen der U-Boote antwortete Lloyd George das Fahr­zeug fei gefährlicher für Handelsschi.se als für Kriegsschiff Das fei im letzten Krieg bewiesen worben. Seiner Ansicht nach seien es Torpedo­boote unb nicht U-Doote, bie ben Schutz der Küste übernehmen mühten. Lloyd George Tagte: 3d) fürchte nicht die französischen U-Boote, son­dern bie U-Boote im allgemeinen." Ium Schlüsse sagte er noch, ber Wiederaufbau Europas könne erst in Angriff genommen werben, wenn ber Friede in Europa hergestellt fei

Französische Press--stimmen.

Paris, 13. Jan Andre Tardieu schreibt imEcho Rational", Briand habe verstanden, bah Weber bas Parlament noch bad Lanb ihm folgten. Mer burch bie Form, bie er seinem Rücktritt ge­geben habe, habe er barauS ein p o l i t i s ch e s Manöver gemacht, bas alle bie Barger ver­urteilten, denen bie nationalen Interessen am Herzen liegen Brianb habe auf ber Kammer­tribüne demissioniert. Dadurch habe er die Kam­mer verhindert, durch Reden oder Abstim­mungen irgendeine Meinung kundzugeben 3m selben Augenblick, In dem er diese Mcinungs- äuherung unmöglich gemacht habe, habe er sich bemüht, sie so auszulegen, bah bie Kammer vor bem Lanb verantwortlich sein solle für bie Fehles bie sie nicht begangen habe. Brianb habe durch seine Politik bie Allianz mit England in einen Kriegszustand geführt, aus dem ferne Rachfolger sie wieder herausfuhren mutzten, us handle sich nicht, wie Briands Freunde sagen, darum, den Pakt zum Scheitern zu bringen, fon- bem barum, bie Freundschaft zu retten.

DieAction Franeaise" ruft au«: Brianb gehtl Es lebe Frankreich!" Das Matt schreibt man sei darin einig, bah bie Repa- rationssrare bem chimä ilck-e i W e 'ercu bau Eu­ropas nicht untergeo-bnet fein bür e, sonst wur- ben Deutsch'ard unb Rußland wirtschaftlich Frank­reich überflügeln.

DieSan ter ne schreibt zum Rücktritt Diiands: Welche auch immer bie Rene ung von morgen sein werde sie werde das Opfer eines unheilvollen Antagonismus sein. Sie müsse eine mc-gliche Politik betreiben und auf die sinnlose Politik verzick-'en, von ber bie Kandidaten des na i-malen Blockes ttaumei^ als Pe ih ei W>äh em lückenlose Re a atiore i u d die Milliarden des bejtcg.en D^utch.a.ids ver­sprachen.

DerMatin" scheibt, die Diskussion i m M i n i st e r r a t sei l e d h a s t ge ve en. Der- schiebene Befürchtungen hätten s ch aus ben Er­läuterungen Bria ds ergeben. S.e hatten beson­ders den englisch-französische n D er» tragsentwurs brtrof en. Meh e e Th irite*, hätten bemerkt, bah bie von E gla d rorgc'ch a- gene Tauer von zehn Jahren, bie TebeuJing unb die Tragweite des Paktes ce Tingeri en. D .e kom­menden zehn Jahne feien tatsächlich di - emc.en, in denen ein deutscher Angriff am we -iguen zu befürchten, auf jeden Fa't aber am le che''en zu- rückzuschlagen sei, weil Frankreich am Rhein Ueye, 3n fünfzehn ober zwanzig Jahren werbe die Lage eine anbere sein. Dann fei «Jranl tre- niger gesiche 1 und Deutsch a d (tarier. Alsdann könnte der englisch sra>nzösi che 'Pakt leinen wahren We-t erkalten. Andere Mi iftcr h tten aut) be- ' n-e-ft ba" ker V)re twuri L oyb G o g.*i N chl von einer Militärko oention spreche. rL e n Fran^ reich sein Heer heradletzen müsse, fei es bann nid*

Wochenrückblick.

Den Kabinettswechfel in Frank­reich kann man nicht eine große Über­raschung nennen, und wenn wir die Wirkung auf den Hauptbeteiligten, nämlich England, betrachten, so sehen wir, dah auch er nicht etwaaus dem Häuschen" geraten ist. ES war zu viel in der letzten Zeit auf den über­spannten Siegerdünkel des westlichen Nach­bars eingeftürmt, als das) die neuen Weisen auf dem englischen Instrument in Paris un» vermittelt dankbare Zuhörer hätten finden können. Die französische Politik ist mit län­gerer Vorausberechnung eingefädelt worden als die neueste Ueberlegung Lloyd Georges. Sie hat den Griffel auf der Tafel der Ge­schichte auch weit schärfer und schneller ge­führt als der die Meere beherrschende Alli­ierte, der in Versailles mit allen übrigen von der heißen uno unnachgiebigen Leidenschaft Clemenceaus schnell gefangen und festgelegt wurde. Damals wußte England noch nicht, in welches Ney es sich verstrickte; den Fran­zosen aber schwoll der Mut und die Tatenlust, erstand im Taumel stolzer Herrenmoral das geflügelte Wort:Der Boche wird alles bezahlen". In gewissem Sinne haben die Franzosen ganz recht: Das neue Europa deS Versailler Vertrages ist gar nicht für den Frieden geschaffen, von dem Lloyd George jetzt fingen und sagen will. Warum zerstückelte man das wehrlose Deutschland, warum hält man seine StammeSgenossen künstlich ausein­ander? Ist das geschwollene Polenreich etwa eine Saat deS Friedens? Und alles soll um­sonst ersonnen und aufgebaut sein: das Gebilde der kleinen Entente im nahen, die französischen Machtpositionen im weiteren Orient? Frank­reich ist den Ereignissen vorausgelaufen; es hat sich P f ä n der schließlich geschaffen auch gegen England selbst. Und jetzt soll eS um- kehren und den Weg wieder zurückgehen?

An eine Bekehrung zu einer besseren Moral mag man bei der Betrachtung der englischen Pläne in Paris nicht glauben. Es ist auch durchaus wahr, daß in Lloyd George nicht ettoa ein Gewissen oder eine Sentimentalität erwacht ist. Die englische Rechnung von Can­nes beweist dies nur zu deutlich. Sie gedenkt, trotz mancherlei vorausgegangener tönenden Worte, das deutsche Rheingebiet kaltlächelnd der französischen Knute zu überlassen, wenn sie dafür andere Zugeständnisse von Frank­reich erkaufen kann. Wir kennen den inneren Wert der moralischen Aufmachung in den eng­lischen Reden und Denkschriften genau; er ist gleich Null. Nicht nach sittlichem Verdienst geht der Gentleman, sondern nur nach nüch­ternen Geschäftsinteressen. Hier, in seiner Ab­wägung der Folgen bei Deutschlands Nieder­bruch, hat etwas nicht gestimmt. Englands Industrie und Handel sind dabei verderblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Lloyd Ge­orge will, spät genug, diesen falschen Weg verlassen, während Frankreich nach tote vor mit seiner Politik berSanktionen" und Pfän­der auf nichts anderes hinauswill als das von ihm ursprünglich auf gestellte Ziel: völlige Zer­trümmerung des Deutschen Reiches, um es bequem und sicher beherrschen zu können. Gleich AeoloS hatte Lloyd George dem er­findungsreichen Volke, seinem Schützling, in einem großen Schlauch alle Winde mitgegeben, um ihm die Fahrt zu sichern. Und da er jetzt selbst den Zorn der Götter spürt, will er das Geschenk nicht erneuern. Cs ist psychologisch verständlich, daß die Fran­zosen in der neuen Windrichtung der Welt­politik nicht mitsegeln wollen; sie sehen sich ihrem Ziele nahe und werden, da eine bessere Ueberzeugung für sie nicht in Frage kommt, höchstens der Gewalt weichen.

Das Sinnlose chrer Gewaltpolitik, das schlimme Ende, das für sie selber und für Eurova dabei herauSkommen muß, werden die Franzosen erst sehen, wenn sie unmittelbar vor der Katastrophe stehen. England wird zweifel­los den Kampf um das weitere Friedensziel nicht aufgeben, um so weniger, da es im Wett­bewerb der Machtpolitik in Frankreich all»

Devisen. Die erste Zahlung erfolgt am 18. Ja­nuar 1922.

2. Die deutsche Regierung unterbreitet binnen vierzehn Tagen her Reparativ» swmmissivn einen angemessenen Resorm - und Garantie­plan bet eisend das deutsche Budget und den deutschen P Piergellumlauf, sowie iti vollstän­diges Programm für die Bar ahlungen und Dachlieieru igen für das Jahr 1922.

3. Die vorläu igr Verzugsfrist geht zu Ende, sobald die Ri pai-ativnstommis ton ober die alli ie ten R g:e u gen eine Entscheidung über den oben unter Punkt 2 eiwr.hnten G.ckwuil und bas Programm getroffen haben.

Unbeschadet Hessen kann in dieser Entschei­dung vorgesehen werden, bah ber Unterschieb zwischen ben tatsächlich wahrend ber vor­läufigen VerzuaSirist gezahlten Beträgen und ben auf Grund bes Lonboner Zahlungsplanes fälligen Summen innerhalb von vierzehn Ta­gen, gerechnet von dem Datum unb je nach ben Umständen ber von ber Nrparativnskvmmission ober ben alliierten Regierungen getroffenen Ent­scheidung zu zahlen ist. Wenn ber Entwurf unb das Programm ber Repara.ionskvmm.s Ion vor- liegt, werben sie sofort von ihr den alliierten Regierungen übermittelt, die so in ber Lage sein werden, entweder bie Angelegenheit selbst in die Hanb zu nehmen, ober sie an bie Repara­tionskommission zurückzuverweisen, damit diese darüber entscheide.

Reichsminister a. D. Rathenau erklärte, bah er namens der deutschen Regierung von ber Einladung zur Konferenz von Genu aKennt- nis nehme. Die deutsche Regierung sehe der ilebermittlung des Einladungsschreibens entgegen. Er betonte ferner, dah aus den gegebenen Er­klärungen hervor gehe, dah aus ber Nichtzah­lung ber zum 15. Januar fälligen Summen für Deutschland keine unmittelbaren Folgen er­wachsen.

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen.

Der Entwurf des französisch­englischen Garantievertrages.

Paris, 13. Jan. (WTB) Der Entwurf des vorgesehenen französisch-englischen ®a* rantievertrages wurde heute nachmtttag veröffentlicht. Er hat folgenden Wortlaut:

Angesichts der Tatsache, bah Frankreich seit der Erinnerung lebender Menschen zweimal von Deutschland besiegt wurde, und bau Frankreich tief burch bie Verwüstungen leidet, bie auf ben Feind zurückzuführen sind, da das französische unb das englische Volk einen schrecklichen Tribut an Menschenleben unb Gelb bezahlt haben, um ben Einfall ber beutschen Heere zurückzuweisen, ba bie Prosperität ber europäischen Völker unb bie wirtschaftliche Organisation ber Welt durch ben langen Krieg tief erschüttert wurden, sowie endlich, west die Sicherheitsgarantien Frankreichs gegen einen zukünftigen Ein.all Deutschlands un­erläßlich sind für die Wiederherstellung der Sta­bilität Europas, für die Sicherheit ©rohbritan- niens und für ben Weltfrieben, aber ba die in Artikeln 42. 43 unb 44 des Friebensvertrages von Versailles enthaltenen Sicherheitsmaßnahmen nicht genügen zur Verteidigung der wesentlichen gemeinsamen Interessen ber hohen Vertrags­schließenden. sowie für die Aufrechterhaltung des Friedens in Westeuropa, haben der König von England und der Präsident der französischen Republik folgende Abmachungen getroffen:

Artikel 1. 3m Falle eines direkten und nicht provozierten Angriffes gegen das Gebiet v o n Frankreich durch Deutschland wird sich Groß­britannien sofort mit allen Streit­kräften zu Wasser, zu Lande und in der Luft auf die Seite Frankreichs stellen.

Artikel 2. Die hohen Vertragschließenden be­stätigen aufs neue das gemeinsame 3ntereffe, das für sie die Artikel 42, 43 und 44 des Vertrages von Versailles haben. Sie werden sich gegenfeitig verständigen, wenn die Bedrohung irgendeiner Verletzung der angeführten Artikel besteht oder wenn ein Zweifel über ihre Auslegung entstehen wird.

Artikel 3 Die hohen vertragschließenden Par­teien verpflichten sich außerdem, sich gegenseitig zu verständigen im Falle militärischerMahnahmen irgendwelcher Art. die mit dem Vertrage von Versailles unvereinbar sind, von Deutschland er-

rnählich einen lästigen und nicht ungefähr­lichen Nebenbuhler erblicken muß. Es heißt jetzt in gewissen, dem Kabinett Wirth wohl­gesinnten Blättern, Deutschland könne auch fürderhin nichts weiter tun, als seinen guten Willen zur Erfüllung der sogenannten Re­parationspflichten zu bekunden. In Wahrheit müssen wir die Bemühungen Englands und Amerikas mit einer ganz anderen Parole un­terstützen. Frankreich rettet auf dem hohen Roh der wider Deutschland gerichteten Schuld- lüge; die neue Taktik der Engländer wird vielleicht geneigt sein, der Wahrheitmehr Raum zu lassen als bisher. In der veruneinig­ten Schieberpolillk derSieger" hat sich ja mit jedem Tage mehr enthüllt, wie wenig, und wenn sie es tun, tote plump, sie den Schein, von Recht und Gerechtigkeit auf ihrer Richt­linie leuchten lassen. Die bloße Nützlichkeit, jen-1