Ausgabe 
14.1.1922
 
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schütz der RerchSdank, der jetzt nicht ganz eine Milliarde beträgt, von besonderer Be­deutung als Reserve für den Wiederaufbau.

Aus Stadt und Land.

Dietzen, den 14. 3an. 1922.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wolkig, leichte Schneefälle, kalt, wechselnde Winde.

Das Hochdruckgebiet Über Schweden hat sich füduZarts ausgedehnt. Wir werden deshalb mit Andauern der lallen Witter mg zu rech..en haben.

Amtliche Persv nalnachrichten. Oberzollsekretär Heinrich Lehr in Dad-Äauheim wird mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts zum Steuerinspektor beim Finanzamt Lauterbach ernannt.

" 40 Jahre im Pvlizeidtenst. Der Vorsteher des Polizei-Meldeamtes, Ober­sekretär Sier, feiert am 15. d. Mts. sein vierzigstes Jubiläum. Am 15. Januar 1882 trat Herr Sier als Schreibgehille beim hie­sigen Polizeiamt ein und übernahm später die Geltung des Meldeamtes. Während dieser lan­gen Dienstzeit hat er sich stets das Vertrauen seiner Vorgesetzten und der Wertschätzung des Publikums erfreut.

seineLazzi" zum Vesten gibt, wellet sich zur Cbarakteranalyse, die die tiefsten Gründe der Menschenseele blotzlegt' die Charakterkomödie wird zum Sittenstück, bo: derbe Spatz zum todt- umfassenden Humor.

3n diesem Sinne hat Goethe in seiner Ge» sprächen mit Gcktzrmann immer wieder dieGroh- bell" Molyres gefeiert, seine ..reine Menschlich­keit", die sich über alles Rationale und Zeitliche erhebt. Französische Kritiker haben seine sprach­lichenUnkorrektheiten". seine Vernachlässigung derRegeln" getadelt. Aber gerade dadurch, dan er die Fesseln der gallischen Konvention f trennte, sich von den Gesehen der französischent äffischen Dichtung" befreite, das Ratür.iche und das Indi° viduelle zum Mittelpunkt seiner Kunst machte, wurde er zum Weltdichter, der aus die Litera- turen aller Völker eingewirkt hat und noch heute fortwirkt.

Die Finanzpolitik der Reichsbank.

Berlin. 13. Ian. (WTB.) Der Ge­setzentwurf betreffend den Kassen be­stand der Reichsbank wurde am Don­nerstag vom Reichsrat angenommen.

Die Reichsbank beabsichtigt, einen Betrag an Gold, zunächst 50 Millionen Mark, bei der Bank von England zu hinterlegen und nach Bedürfnis vorübergehend zu lom­bardieren. Die Lombardierung soll nicht blotz erfolgen zur Beschaffung englischer Devisen, sondern auch anderer Devisen. Die Bank von England soll dabei als Treuhänder fun­gieren. Run kann nach dem Bankgeseh, wenn Goldbestände in das Ausland verbracht werden, die Reichsbank das Gold nicht mehr in ihrem Bestände aufführen. Sie hat aber nach wie vor die unbeschränkte Verfügung über das Gold, solange es nicht lombardiert wird. Aus diesem Grunde wird in dem Gesetz vorgeschlagen, auszusprechen, datz als Teil des Kassenbestandes der Reichsbank im Sinne des Bankgesetzes auch solche Goldbeträge gel­ten sollen, die bei einer ausländischen Zen­tralnotenbank niedergelegt werden, so weit sie jeder Zeit zur freien Verfügung der Reichs­bank stehen. ES wurde der Bank von Eng­land vorgeschlagen, zu bewllligen. datz die Reichsbank bei ihr gegen das Gold, daS die Reichsbank bei ihr deponierte, Lombarddar­lehen aufnehmen könne, jedoch nicht um dauernde Reparationszahlungen zu leisten, sondern nur, um uns über die vorübergehen­den Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Das wurde von der Bank von England als berech­tigt anerkannt. Der Gouverneur der Bank von England zeigte freundschaftliches Ent­gegenkommen.

Es wurde auch mit der Riederlän­dischen Bank eine Vereinbarung getrof­fen, und daraufbin ein Lombarddarlehen von 20 Millionen holländischer Gulden zu be- wllligen, jedoch nur zur Zahlung von Schul­den in Holland selbst. Die Reichsbank legt größten Wert darauf, ihren vollen Geldbestand angeben zu können, wegen ihres Kredites, der bisher im 3n» und Auslande unerschüttert geblieben ist. Abgesehen davon, ist der Gold­

Aus dem Reiche.

Erhöhung der Eifenbahngülertarife.

Berlin, 13. Jan. (WTB.) 3n der heu­tigen Sitzung des vorläufigen Reichseisen- bahnrateS ist die Vorlage der Deutschen Reichsbahn auf Erhöhung des Eisenbahn­güter- und Tiertarifs angenommen worden. Die Vorlage sieht im ganzen eine Erhöhung um 33'/» Prozent im Durchschnitt vor. Die Erhöhung erstreckt sich nicht nur auf die außerordentlichen Tarifklassen, sondern auch

erforderlich, katz eS bet fernen Alliierten wenig­stens einen Teil dcS Esse tirdestandes vorhanden wisse, den es selbst entlane <

Oeuvre' sagt, Driand habe gestern viel­leicht den größten politischen Sieg feiner Karrieoe tavvng t a^en. a öbirh aber ei e De­mission gegeben. Wenn er h^t e abftimmen lasten, hätte er ein Ve.trauLNsvot.lM von 420 S.immen bekommen. Driand sei g'gangen, weil er den Präsidenten der Republik sowie die Häi te 'einer Ministertollegen gegen sich gehabt habe.Mcklerand habe Vriand gestürzt.

DasJournal des Debats" schreibt zum Abgang Driands, er habe sich zurückgezogen, wie er verhandelt habe! Ohne Olfen beit und ohne Würde. Seine Handlungen vor dem Obersten Rat hätten In Widerspruch gestanden mit seinen Worten. Sr habe sich in London über das hinaus verpflichtet, was er zugestanden habe. Gr habe das Land auf Wege fuhren wollen, auf die weder das Parlament noch die öffentliche Mei- mzng ihm hätten folgen wollen. Seine gestrige Rede nennt das Blatt Theater. Wenn Vriand sich einbilde, datz er in Schönheit abgegangen fei, so täusche er sich, älebergehend zu der Kabinetts- bildung durch P o i n c a r 6 schreibt das Blatt, er habe schon einmal eine ebenso delikate Sxrife entwirrt. Sr habe Saillour er etzt und habe i n Jahre 191,1 die komprom.t ierle englische En­tente durch persönliche Verhandlungen sichcrgc- stelll. Kein Engländer könne an sei icn Aosich.'en zweifeln, noch an der Festigkeit, mit der er der englische Allianz anhange.

DerT em ps" schreibt, jede rückblickende Diskussion sei nunmehr überflüssig Llond George gedenke morgen mit Poincare in Paris zusammen- zutreffen. Das Blatt slelll fest, datz Driand Recht gehabt habe, als er gestern offenheraus erflärte, die Mehrheit für das Moratorium stehe fest, in der Schweb schienen nur noch die Kompensatio­nen für Frankreich au fein.

DieLiberte" schreibt, nach der Polltll der Verwickelung, die Millerand und nach der Polllik der Anpassung die D iand bet i.ben habe, werde die rationelle Durch ührung des Friedens- bertrageS, de-en Poincare sich vorau sichtlich befleitzigen we.de, die dritte Grfabrung fein. Lie werde Festigkeit, kaltes Blut und auch Geduld erfordern. Es dauere länger, einen Abhang hin- aufzusteigen, als chn heruntergleiten.

Aus der englischen Presse.

London, 13. 3<m- (Wolff.) DieTimeS" schreibt, der Sturz Driands. selbst wenn er nur zeitlich fein sollte, bedeute die Enttäuschung vieler Hoffnungen. Es fei ein Unglück für die Gnlenre und für die Welt, datz die Konferenz von Sannes, die gerade daran war, grobe Fragen zu regeln, und die Tür für die Regelung anderer Fragen zu offnen, zu einem plötzlichen Abbruch ge­kommen sei. Die ernsten Probleme, zu deren Lösung die Konferenz von Sannes sich versammelt habe, blieben ungeregelt und verwirrt. Ihre Regelung in naher Zukunft wäre ugburd)füf)rbar, dabei seien einige dieser Fragen dringend. Am Sonntag werde eine Rate der deutschen Repara- tionsschuld fällig. Richt nur die In Betracht kom­menden Männer, sondern auch der Oberste Rat alS Werkzeug der Ücbcrbiplomatie kamen in ihren eigenen Ländern und in den Vereinigten Staaten in Mitzkredll. Frankreich und die französische Kammer seien dem englisch-französischen Vertrage jedoch nicht abgeneigt; denn Frankreich wünsche einen solchen Vertrag ebenso wie England. Eng- l land und Frankreich mühten zusammenwirken, , und nur Wahnsinn auf beiden Seiten könnte ver- f hindern, dies zu tun.

Daily Mail" sagt, der Rücktritt Driands bedeute keineswegs den Widerstand des französi­schen Dolles gegen den Pall zwischen Grvtzbritan- men und Frankreich. Dieser sei für Frankreich und England notwendig, und die augenblickliche Meinungsverschiedenheit zwischen bcLen Ländern könnte den deutschen Militaristen nur Befriedi­gung bereiten.

fatlre. Immer mehr streift er das alle Erbteil der äußerlichen handgreiflichen Spähe, der groben Situationskomik, ter fpannenben Verwicklungen ab und verlegt immer mehr Wesen und Kern bei Handlung in die sozialen Bedingungen und gesellschaftlichen Gegensätze. In die Schwachen und Eigenheiten, in die Leidenschaften und Sehnsüchte der Menschen. Immer einfacher, allgemeingültiger, ewiger werden seine Themen, wenden sich von allen Zufälligkeiten mitten ins Herz der Welt.

Man hat zwischen Augrn- und Ohrenmenschen unter den Dichtern unterschieden, je nachdem sie mit dem Blick oder nach dem Klang der Dinge und Menschen In sich widerspiegeln. Möllere ist in erster Linie Augenmensch. ein großer Beob­achter und (Srfafier der Wirklichkeit. Voilea gab ihm den BeinamenDer Betrachter", und andere Zeitgenossen schildern ihn alsgroben Schweige r", der mitten in der Gesellschaft in sich versunken dasteht und zu träumen scheint. Aber fein Auge ist ununterbrochen in Tätigkeit und nimmt alles durstig auf, Mit es fest, was um ihn vorgeht. Einen unerschöpflichen Stoff von Anschauungen und Gestalten hat er so in sich ausgespcichert, eine Wirklick-kellsfülle, die noch heute feine Dichtungen mit zuckendem, unvergäng­lichem Leben erfüllt. Diese Gabe des Schauens, des Durchdringens der Dinge, des unbarmherzi­gen Beobachtens, Liht ihn allmählich die Richtig­keit und Erbärmlichkell des Daseins, das trüge­rische Schwanken der menschlichen Charaktere immer deutlicher erkennen und lähi in ihm jenen Urgrund von Bitterkeit und Weltverachtung entstehen, auf des,en dunklem Boden ja stets der starke, echte, befreiende Humor erblüht. Es ist aber Molares besondere Grotze, datz er nicht im Pessimismus versinkt, sondern sich durchringt zu der Menschenliebe und Herzensheiterkeit. die seine besten Dichtungen durchstrahlen. D.une i re. der diePhilosophie" Molares in einer tief,innigen Abhandlung daraestelll hat, betont, das) er bis -umTartusse" niemals an den Sah:DerMensch ist gut" gezweifell habe. Dann folgt - ähnliH wie in der mittleren Lebenszeit Shakespeares eine Periode der Verdüsterung, der Anklage und

auf die Ausnahmetarife, insbesondere auf den KohlenauSnahmetarif. 3n der Sitzung selbst wurde eine grohe Reihe von Wünschen und Anregungen der Interessenten aus den ver­schiedensten deutschen Gegenden und Wirt- schaftsireisen vorgetragen. Die Reichsbahn sagte die Prüfung zu, und, soweit angängig, auch beschleunigte Durchführung.

Gründung einer Getreide-- und Futtermittel- Attiengesellfchaft.

Wie dieDeutsche Tageszeitung" meldet, ist die Getreide - und Futtermittel- Aktiengesellschaft in Gründung begrif­fen, welche die Reichsgetreidestelle ablösen soll. An der Aktiengesellschaft sollen das Reich und die Genossenschaften, vor allem die Kon­sumgenossenschaften, beteiligt sein. Als Geld­geber kommt dem Blatte zufolge die Ratio­nalbank für Deutschland in Frage, die auch für die Unterbringung des Aktienkapllals in Höhe von 45 Prozent der Aktien zu sorgen hat.

Ein Streik in der Schwarzwälder Uhren» industrie.

F r e i b u r g, 13. Jan. (Wolff.) Heute hat der seit einiger Zeit erwartete Streik in der Schwarzwälder Uhrenindu­strie begonnen, an dem ungefähr 35 000 Ar­beiter beteiligt sind. In der vorigen Woche, hatten die Arbeiter die Kündigungen bei ihren Arbeitgebern eingereicht und heute morgen sind in dem Hauptorte der Schwarzwälder Uhrenindustrie in Schramberg die Arbeiter in den Betrieben nicht zur Arbeit erschienen. Wie man hört, sollen neuerliche Einigungs­verhandlungen eingeleitet worden sein, nachdem die früheren gescheitert waren.

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,/®et Darbier von Bagdad"

wurde gestern abend im Stadllheater als Gastspiel deS Hessischen LandeStheaterS für Len (Siebener T h e a t e r v e r e t n wiederholt. Da 3of. Schlembach der Ne T telrolle singei sollte, krankheitshalber abfagen muhte, und deshalb wie­derum Iohannes Bischofs den Barbier spielte, war nut eine Rolle, die des Rureddin, neu beseht. Sie war diesmal Alexis af Enehjelm anver­traut. Man lernte In ihm einen Sänger kennen, der mit ansehnlichem ©timmaterial reifes Können gesanglich wie darstellerisch verbindet. Rur in manchen Szenen Härten wir ihn lieber im Spiel etwas ruhiger gesehen. Die übrigen Darsteller be­währten sich wie bei der erstell Aufführung: ber Hauptgewinn des Abends waren wie damals Bischoffs mit echtestem Humor Fe"ee(ter Ab ul Hassan und daS Orchester unter Michael Dal­li n g S meisterhafter Stabführung, der sich erneut schon m?t der Ouvertüre überreichlich oerblenfjui Son der bet fall holle. r.

Die Enttäuschung der Saarbevölkerung.

Gens, 13. Han. (Wolff.) Die saarländische Abordnung ist heute nacht nach viertägigem Aufenthalt in Gens nach Saarbrücken zurückgelehrt. Dor ihrer Abreise gaben die von der Volks­vertretung des Saargebiets mit Wahrung ihrer Rechte betrauten Vertreter der vier groben poli­tischen Parteien dem Sonderberichterstatter des Wolfs-Bureaus folgende gemeinsame Er­klärung ab:

Wir wissen nicht, ob der Dölkerbundsrat sich offiziell mit der Denkschrift der politischen Par­teien befassen wird. Immerhin haben uns die einzelnen RatSmitglieder in entgegenkommender Weise empfangen und uns Gelegenheit geboten, ihnen ausführlich die Wünsche der saarläirdischen Bevölkerung und die Verhältnisse im Saargebiet zu schildern. Wir haben apch den Eindruck er­holtem datz Lie H.rren unseren Darlegun en tu ch- aus Verständnis entgegenbrachten. Das einzige Ratsmitglied, vor das wir nicht gelangen konnten, war der CBertrcter Frankreichs, obwohl wir gerade mit ihm eine Unk r e ung gewünscht l'ä ten. Unserem Empfinden nach scheint das Haupt- sächlichst eHindernis sür unsere Bestrebun­gen nach wie vor bei der Regierungskommission oes Saargebiets zu liegen, die ihren ganzen <5in- slutz in entgegengesetztem Sinne geltend machen dürfte. Die Entgegnung auf unsere Denkschrift, öle sie gerade In diesen Tagen dem Völkerbunds­rat überreichte, und aus der wir wenigstens zum ersten Male einen oberflächlichen Einblick in ihren Haushaltsplan erlangten, arbeitet wieder mll den beiannten Argumenten, diesowenigDer- ft ä n b n i 8 dafür zeigen, datz die saarländische Vewllerung nicht eine tote VerwallungSmalerie, sondern ein [ebenbiger Organismus ist, und datz die Völler, gerade unterdrückte Völler, eine Seele haben.

Wir kehren auf jeden Fall mit ungebrochenem Mut und erneutem Vertrauen in die gute Sache des Saargebiets zur Heimat zurück. Wir rerlaffen mit wehmütigem Gefühl die alle Republik Gens und die freie gastliche Schweiz. Wir haben nach dem Aufenthalt In diesem Musterland der Demo­kratie noch stärker als bisher den traurigen Zu­stand unserer wirtschaftlichen Rechtlosigkeit emp­funden. Gleichzeitig aber hat unZ die Berührung mit der freien schweizerischen Eidgenossenschaft neue Kraft verliehen im Kampfe für unsere wesentlichen Volksrechte.

London, 13. Zan. (WV)Manchester Guardian" sch ctbt in et-em Leitartikel über die Unrufriodenhell öer Saarbewohner, wenn eS wahr sei, datz der augerVlickliche französtschePrä- s i d e n t der Regieeungskommission die S p r a ch e deS Landes, das er verwalte, weder sprechenochverstehe, habe er keinerlei Recht. Mitglie) der Stemmt sivn zu |e n. Während b'r Frie >ensve trag örtllche Ge darm?rie vo s he rei das Saargebiet noch von französischen Truppen besetzt.

Mottöre.

Zu seinem 3 0 0. Geburtstage. - 1622 15. Zanuar 1922.

Don Dr. Paul Landau.

Wie ein ununterbrochen dahinbrausender, bald hell und jubelnd glänzender, dann wieder trüb ftrubelnber Strom rauscht die komische Theaterdichtung durch das Schrifttum der Völker und Zeiten, stets gespeist in ihren Riederungen und Höhen von denselben urewigen Leidenschaften, die im Zerrspiegel der Witzes bunt und grell funkeln, von densüoen Witzen, Spähen und ©cfltn. Rur wenige grobe Meister haben aus diesem Urgrund oes Ewig-Lächerttchen unvergängliche Äunftmerfe geschaffen: Aristophanes, Plauius, Moliäre, Holberg, Raimund. Sie tauchten in die Tiefe dieses Meeres von Possen, Grotesken und tollen Improvisationen, sie holten die Perlen herauf, in denen alle« Dumpfe und Wüste zu leuchtendem ©laiu geklärt ist. Aus den Farcen und Schwänken der altfranzösischen Volkskunst, aus den Stegreifkomödien des italienischen Thea­ters, aus den romantischen Intrigen-Lustspielen der spanischen Bühne formte Moli.re seine Dich­tung, und er, der vielleicht der erfindungsreichste aller Poeten war. ist zugleich derjenige, der viel- leicht am meisten andere nachgeamt hat, der das Gute nahm, wo er es sand." Rur so ist die ungrheu e Produktsität und Die'g:ilallrgkeit seines Werkes, fein Reichtum an Motiven und Themen, die bunt verwirrende Fülle seiner Eha- raftere zu verstehen, indem er die Quellen und Zuflüsse aus Jahrhunderten in dem breiten, frohen Strombett feine« Schaffens vereinigte. Er vollendete die Form der alten Posse, die mll ihren typischen Figuren, den filzigen Greisen, leichtsinnigen Sövnchen, durchtriebenen Schma­rotzern, Verführer.sben Dirnen und durnmpsif.igen Dienern, bis auf die griechische und altrömische Komödie zurückgeht, und er gestaltete durch seine überragende Genialität eine ganz neue Gattung deS Lustspiels, deren Meister er mürbe und die noch heute in feinen Spuren wandelt: d i e E h a rakterkomödie, die Ges ellschaf ts-

des Zornes, wohl beeinflußt durch das Unglück in feiner Ehe, durch den Beginn feiner Krankheit. Sein Glaube an die Güte der Ratur scheint er- schüttert; die demTartuf e" folgenden Werke, derDon Zuan", derMi anthrope", derGei­zige",Georges Dandin", haben eine zerrissene ungewisse Stimmung, deren Kraft in einer dunkel- umwöllten Tragik liegt und sich in c lner unruhigen Szenenführung äutzert. öei.ie Stellung bei Hose, gewisse Rücksichten, die er nach den schlimmen Erfahrungen mit demTartusse" nehmen muh, scheinen das reine Feuer seines Genies zu dämpfen, machen ihn unsicher und problematisch. Aber der gereifte, geläuterte Mann findet den Glauben an die Menschhell wieder, und so werden die Dichtungen feit dem .Monsieur de Pour- ceaugnac" zu den wundervollsten Offenbarungen einer groben und guten Seele.

Molitzre ift einer der geistigen und slllllchen Befreier der Menschheit. Wir vergessen heute, wo seine Anllagen Gemeinplätze geworden sind, wenn sie auch freilich ihre Berechtigung noch nicht verloren haben, was es in der Epoche des Barocks bedeutete, der Modebildung der Pre- ziösen, der frömmelnden Heuchelei, dem Par- denue- und Schiebertum, der Herzenshärte und seelenlosen Koketterie die Maske herunterzu- reitzen,die Laster dem Gelächter preiszugeben", wie <er es tn der Vorrede zum .Sartuffe" als Aufgabe der Bühne hinstellt. Auch er konnte, wie der antike Satiriker, nurlachend die Wahrheit sagen", mutzte die Haltung des Spatzmachers annehmen, um nicht gesteinigt zu werden. Aoer man hat ihn in dieser Rolle des genialen Mora­listen nicht mll Unrecht neben den so ganz ander- gearteten Pascal gestellt. Don der Eh rrakterisie- rung des Eln)"lnen geht er zur Darstellung der Familie In ihren mannigfachen Koni Ickten über und von da zur satirischen Spiegelung ganzer Lebenskreise und Stände, der Provinz imPour- ceaugnac", des Bürgertums tmBürger als Edel­mann", des Hofes imAmphitrtzon , der Aerzte usw. Die Situationsposse, tn der Sganarell, die I lustige Person der Wellliteratur, die Mollöre neben Fallstaff und Sancho Vansa gestellt hat, j

** Ein alter Gießener Bürger, der Schneidermeister Peter L e i l i ch, Ist am 8. Za- nuar in Mainz verstorben. Er war eine tn ®ieben infolge seines humorvollen und lebhaften Wesens überall gern gesehene Persönlichkeit i nb bei allen älteren (Siebenern wohlbekannt.

** Neue Erhöhung der Brvk- preije. Mit Wirkung vorn 16. Januar hat die städtische Lebensmitteldeputation infolge Erhöhung der Brotmehlpretse die Preise für Brot und Brötchen wie folgt festgesetzt: Brot je 1 Pfund 1.90 OHL; Brötchen zu 50 Gramm 25 Pf. das Stück.

** Die Anmeldungen zu den ge­setzlichen Gesellenprüfungen im Frühjahr 1922 werden im Gewerbe Haus, Zim­mer 13, am Samstag, 21. Zanuar, von 5 biö 7 Uhr für weibliche Lehrlinge, am Montag, 23. Januar, von 37 Uhr für männliche Lehrlinge entgegengenommen.

" Volkshochschule. Sämtliche Kurse, beginnen am kommenden Montag, 16. Januar, wieder. Die VortragSwoche überVerdauung und Ernährung« kann wohl am Sonntag, 22. Januar, anfangen.

" Der Städtische VolkSkinder- garten wird am Montag, 16. Januar, wie­der eröffnet.

Don der DezirkSsparkasse ©le* tzen. 3m vte ten lUrteHaJjr 1921 betrugen die, Einlagen im Sparverkehr 5213 000 ML., im Scheck- und Überweisungsverkehr 20 675 000 ML, zusammen 25 918 000 ML Rückzahlungen im Sparverkehr 5 239 000 Mk., tm Scheck- und Ueberw.isungsverkehr 18 735 000 Mk., zusammen 23 974 000 R k Mül in Ginlagenüberschub 1 944 000 Mk., Einlagen bestand Ende Dezember 1921 58 000 000 Mk.

'^orrrotizcir.

Tages ka len de r für Sonntag: Stadttheutm., 3'/2 Uhr:Die LanzgrasiN": 7 Uhr: Vörsenl,e,er". R.we Aula, 5 Uhr: 6. Konzert des Gteyener KonzertveretnS.

TageSkale n der für SamStag: Astorta-Ltchtsptete, heute und morgen:Die 13 aus Stahl" undCharly lernt Rvllschuhlaufen".

Ober hessischer Kunstvereln. Die Ausstellung der KünsllervereinigungDer Sturm" ist Sonntags, Montags, Mittwochs und Freitags von 11^-1 Uhr geöffnet. Am Mittwoch auch am Rachmillag von 3 bis 5 Uhr.

Kreis Lauterbach.

s. S ch o t t e n, 13. Ian. Rach guter alle» Wandersitte findet zum ersten Male in diesem Iahre wieder am 22. Zanuar eine Winter- wanderung sämtlicher Zweig^ereine des Vogelsberger Hen-Clubs nach dem Hoherodskopf statt. Mit dieser Zusammenkunft ist eine Reichsgiündungsfeler verbunden, wobei Haa S-Ortenberg die Festrede hallen wird.

Starkenburg und Nheinhc^en.

rm. Offenbach a. Q2L, 13. Jan. Wegen Steuerhinterziehung wurde durch das Finanzamt dahier der Fabrikant A. Stoff- macher in eine Geldstrafe von 70 000 Mk. genommen, außerdem hat er die Steuer nach­zuzahlen. Die Klage lautet auf vorsätzliche und fahrlässige Umsatzsteuerhinterziehung.

fpd. E b e r st a d t b. Darmstadt, 13. Jan Wegen Erkrankung des gesamten Personals mutzte die hiesige Apotheke auf mehrere Tage geschlossen werden.

e Main z, 13. Zan. Der Vorstand des hier neugegründeten Zwet^vereins vom Vogels­berger Höhen-Club. der bereits nahezu 200 Mitglieder zählt, fetzt sich folgenderma'en zu­sammen: K l i n g e l h ö f e r, 1. Dor ihen^er

Herzberger, 2. Vorsitzender und 1. Wander­meister, Weigel und Hofmann. 1. und 2 Schriftführer, Luther, Kasse wart, Maye' und Sack 2. und 3. Wandermeister, Karl Hofmann, Spamer, Spuck, Stier, Vo­gel, Z t n k e l, Frl. Fleck Deisitzer. Stet vorgeschlagene Wanderplan wurde gutgehcitzen

Hcsscn-Nasiau.

rnc. Frankfurt a. M., 13. Jan. Die Landesversicherungsan st ckt Hf -en- Rassau hat beschlossen, die den Lan-dkranken- stationen bisher gewährten Sätze von 100 Mk. jährlich zur Bekämpfung der Tu­berkulose auf 500 Mk. zu erhöhen. Die