Mittwoch, 13. September 1922
172. Zahrgang
Ein Gewaltbeschlrch Belgiens
von
Heutiger Stand des Dollars
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Nr. 215
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scheinen durch die Federführung Gold ins Ausland zu sichern, findet bei
Aus dem Reiche.
Die Verordnungen des ReichSernähnmgs-- Ministers.
Berlin, 12. Sept. (TBoIff.) Das Reichs- ministerium für Ernährung und Landwirtschaf t hat eine Verordnung über LebenSmtttel erlassen, die den Zweck verfolgt, die unter den heutigen Verhältnissen unzweck- mäßige Verwendung von Zucker, Gerste und Obst zu unterbinden. Die Verordnung bestimmt mit sofortiger Wirkung, daß bis auf weiteres 3 n - landszucker zur Herstellung von Schokolade, Süßigkeit, Branntwein, Likören und Schaumwein nicht mehr geliefert werden darf. Auch die Erfüllung noch laufender Verträge über die Lieferung von 3nlandszucker für diese Zwecke ist verboten worden. Vachgelassen ist lediglich, bah die etwa bei den Betrieben noch vorhandenen Bestände an 3nlandSzucker aufgearbeitet werden bürfen. Bemerkt wird hierzu, dah die genannten ttndustrtcn schon fett längerer Zeit überwiegend AuslandSzucker verwenden. Durch weitere Vorschriften wird auch die Herstellung von Branntwein eingeschränkt. Das geeignetste Mittel zur Ersparung von Rohstoffen bei der Bierherstellung ist die Herabsetzung des Stammwürzegehalts des BiereS, weshalb die Herstellung von Starkbieren verboten wird. Ferner wird angeordnet, dah Vollbtere (9—13 Prozent Stamm- würzcgehalt) soweit sie mehr als 10 Proz. Stamm- würzegehalt haben, nur bis zur Höchst menge von 1/ hes gesamten AusstoheS der Brauereien in einem Laaer hergestellt werden dürfen.
Um das Obst in erster Linie der Frtschver» Wertung und der Marmeladeverarbeitung zuzuführen, wird endlich die Herstellung von Branntwein auS Obst verboten. Vur für Obst, dafür menschliche Ernährung ungeeignet oder anders nicht verwandt werden kann, ist die Ver<^ arbeitung auf Branntwein im Ausnahmeweg zu- gelassen.
Angesichts der gegenwärtigen auherordent- lich schwierigen ErnahrungSverhältnisse erscheint
Brüssel, 12. Sept. (WTB.) Wie die Agence Belge mitteilt, hat der belgische Ministerpräsident, der seine in Brüssel anwesenden Kollegen über die Lage auf dem Laufenden gehalten hatte, beschlossen, von Deutschland die Bezahlung der am 15. August und 15. September fälligen Zahlungen mit Schatzscheinen zu verlangen, die durch ein Golddepot sicher- gestettt werden sollen, das in einer der belgischen Regierung genehmen Dank hinterlegt werden soll. Heute vormittag notifizierte der Außenminister dem deutschen Geschäftsträger Dr. Landsberg den Beschluß der belgischen Regierung.
Der Reichskanzler über die Verhandlungen mit Belgien.
Berlin, 12. Sept (Wolff.) Der Reichskanzler gewährte gestern mehreren ausländischen Pressevertretern eine Unterredung über den Verlauf der Verhandlungen mit Belgien, in der er folgendes bemerkte:
Die deutsche Regierung hat ernstlich versucht, den Beschluh der Reparationskommission über die Barzahlungen dieses Jahres zu einem positiven Ergebnis zu machen. Sie ist sofort mit den Vertretern der belgischen Regierung in Verhandlungen cmgetrcten und hat Vorschläge gemacht, um die für Belgien auszustellenden Schahwechsel zu garantieren. Dies war nicht leicht, da die Regierung als solche über besondere Sicherheiten nicht verfügt. Aber die autonome Reichsbank hat sich loyal zur Verfiigung gestellt und sich bereit erklärt, die Schahwechsel zu unterschreiben, und damit zu garantieren. Sie stellt afferdings die Bedingung, dah die Lauf frist über sechs Monate hinaus verlängert werden mühte. Dies war notwendig für ein nach kaufmännischen Gesehen und nach kaufmännischer Ehre handelndes Bankinstitut, weil die Reichsbank eine Summe von 280 Millionen Goldmark nicht innerhalb sechs Monaten einlösen könnte. Die wirtschaftlichen und rechnerischen Vachweise hierfür wurden den belgischen Vertretern mitgeteilt und auch den verbündeten Regierungen bekanntgegeben. Ferner war die deutsche Regierung bereit, mit der 3 n d u st r i e und den deutschen Privatbanken Verhandlungen über eine subsidäre Sicherheit anzuknüpfen und auch die bereits bestehende Fühlung mit dem Auslande, besonders mit England, wegen Uebernahrne eines Teiles der Garantien zu einem positiven Ergebnis zu
tu n g werde er für die kommende Erzeugung durch festeren Zusammenschluh der Fabrikm und des Handels, sowie durch Beschränkung des Einkaufes der Luxusindustrie für eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit Mundzucker bemüht sein. Er werde trotz der in Aussicht stehenden guten Zuckererzeugung von Anfang an selbst fest zu greifen und es unter keinen Umständen dahin kommen lassen, dah die Luxusindusttie der Bevölkerung den Zucker wegnehwe. Gr hoffe, es auch ohne Zuckerkarte dahin zu bringen, dah die Bevölkerung besser versorgt werde. Die Bestrebungen zur Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung sehe er als feine vornehmste Aufgabe an. Gr werde immer unterstützend eingreifen, wo immer in feinem Ministerium wirklich ernster Wille zu positiver Leistung dargetan werde.
Mit diesen Darlegungen schloß die mehrstündige Beratung.
führen.
Die kaufmännische Grundlage für das Abkommen mit Belgien im Sinne des Beschlusses der Reparationskommifsion war also gegeben. Wenn es nur nach kaufmännischen Grundsätzen gegangen wäre, wäre am letzten Samstag ein Abschluß erzielt worden. Wir hätten davon eine wesentliche Besserung der wirtschaftlichen und der politischen Atmosphäre zu erwarten gehabt. Die Mark hätte sich aller Wahrscheinlichkeit nach gebessert und wäre auf Monate hinaus stabil geworden. Deutschland hätte sich für den schweren Winter einrichten können und mit aller Ruhe hätte man die Vorbereitungen für die große Reparationskonferenz treffen können, von der die Ruhe Europas abhängt. Leider ist dies alles in Frage gestellt worden, weil die belgische Regierung an dem Schema des Beschlusses der Reparationskommission festgehalten hat, der von sechsmonatigen Schahwechseln spricht. 3ch kann die Entscheidung der belgischen Regierung nicht kritisieren, sondern nur bedauern, weil sie weder unseren 3nteressen noch den 3rrter- cssei' der allgemeinen europäischen Sache dient.
Der Reichskanzler fuhr fort: „3ch kann nicht glauben, bah sich bic Reparationskommifsion der Regelung widersetzt hätte, wie sie in den Verhandlungen mit den belgischen Vertretern vorgesehen war und wie sie von diesen selbst als möglich betrachtet wurde. Die Reparationskommission hat es auch jetzt noch in der Hand die belgischen Bedenken zu beseitigen, indem sie in die Verlängerung der Lauffristen einwilligt. Dies wäre die einfachste Lösung der Lage. Aber man darf keine Zeit verlieren, denn in dem Zustande, in dem sich Deutschland befindet, bedeutet jeder Tag eine Verschlechterung der Finanzlage und damit eine Verminderung der Reparationskraft. 3ch hoffe, daß die Wirkung der unentschiedenen Verhand- hingen mit Belgien auf den Stand der entart mchä allzu groß unb nicht ruckartig fein wird, so bah es gelingt, rasch zu einer Klärung der (Situation zu gelangen. Die belgischen Vertreter haben bemerkt daN sie das größte 3nteresse daran 'haben, die Verschlechterung der Mark aufzuhalten. Dies wollen auch wir. Qlbcr, wenn dies erreicht werden soll, wenn bermieben werben soll, bah bic Entwertung der deutschen Valuta irrepanabel tovrb, so darf fein Tag mehr verloren werden. Die deutsche Regierung ist zu jeder Regelung bereit, die sie nach gewissenhafter Prüfung vor dem deutschen Volke vertreten kann, aber sie mühte es ablehnen, Verpflichtungen auf ^sich zu nehmen, von denen sie überzeugt ist, bah sie nicht geleistet werden können und bah sie auch gar nicht der Förberung des Hauptzieles dienen, nämlich der endgültigen Lösung der Reparationsfrage und damit der endlichen Beruhigung Europas unb der Welt."
Ablehnende Aenhernngen der Deutschen Presse.
Berlin, 13. Sept. Die belgischen Forderungen, die deutschen Zahlungen mit Sch atz -
überliehen.
Der Reichswirtschaftsmini st er legte die von ihm auf dem Gebiete des Außenhan- dels getroffenen Maßnahmen (Erhöhung der Ausfuhrabgabe und Beschränkung der Einfuhr von nicht lebenswichtigen Waren) dar, welche voll! die Zustimmung der Gewerkschaftsführer fanden. Er erörterte die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, welche sich bei den angeregten weiteren Schritten zur Bekämpfung des Ausverkaufes des deutschen Marktes durch Ausländer zeigten und unterstrich die schweren Bedenken, welche der tadelnswerten Fakturierung in Auslandswährung im 3nlani>e ent- gegenständen. Weitere währungspolitische Mah-
Neue Verhandlungen mit den Gewerkschaftsführern.
Berlin, 12. Sept. (WB.) 3m Reichs- wirtschastsministerium hat heute erneut eine Aussprache der Gewerkschaftsführer unb der Leitung des Reichswirtschaftsund Reichsernährungsministeriums stattgesunden. Tie beiden Minister führten persönlich bic sehr eingehende Besprechung unb zwar Punkt für Punkt der Forderungen durch, die in der kürzlichen Unterredung der Gewerkschaften mit bem Reichskanzler berührt worden waren. Die Führer der Gewerkschaften erkannten an, bah seit jener Besprechung einige ihrer Forderungen seitens der Regierung erfüllt worden seien. Sie wiesen indessen auf die starke Erregung hin, in welcher sich nach wie vor die gesamte Der- braucherschaft angesichts der weiteren Preisentwickelung auf allen Gebieten des notwendigsten Lebensbedarfes befinde. Die Führer wiesen auf die bedauerlichen Härten hin, welche die Durchführung ihrer Forderungen auf Einschränkung des Verbrauches und der Einfuhr nicht unbedingt lebenswichtiger Güter für die Arbeitnehmer mancher Gewerbe naturgemäh zur Folge- hätte. Um die Einfuhr zur Stützung des Markwertes kurz zu halten uno um von den weiterverarbeitenden Werken Lohnausfälle, Kurzarbeit unb Arbeitslosigkeit fernzuhalten, hätten die Bergarbeiter zu Beginn dieses Monats inbieUeberarbeit eingewilligt, wenn seitens bet Arbeitgeber das gleiche für die anderen Schlüsselinbustrien gefordert werde. So müßten die Arbeiter verlangen, bah auch die Arbeitgeber ihr 3ntercffc angesichts der Rot des Volkes xurüdtreten liehen, und bah Handel unb 3nbuftrte in ber Preisgestaltung Maß hielten unb nicht bem Dollarstande auf dem 3nlanMmarft wahllos nachliesen. Die Kartelle müßten ihrem preisermähigenden Einfluß schärfer Geltung verschaffen und die Arbeitgeber mehr von negativer Kritik zu wirtschaftlicher unb staatserhaltender Mitarbeit kommen. Unter Anführung der Tatsache, bah unser wirtschaftliches Schicksal in erster Linie von ber Lösung ber Reparationsfrage abhängig ist, würbe von ben Wirtschaftsressorts unb vom Gesamtkabinett geforbert, baß sie die Anwendung aller vorgeschlagcnen Mittel nicht verzögerten, und bah sie die Wirtschaft unb die Preise sich nicht selbst bzw. außenpolitischen unb spekulativen unb damit schließlich extremen linksagitatorischen Einflüssen
Der Reich?ernährungSmlnister flam eingehend I auf die Frage ber Wicbereinführung der Zwangswirtschaft zu sprechen. Gr warnte eindringlich vor der Auffassung, daß es möglich I fei, einseitig ein Gebiet der Ernährungswirtschaft allein oder diese letztere insgesamt unter Frei- laffung der übrigen Gewerbe in die Zwangs- I wirtschaft zu nehmen. Alle Erfahrungen aus dem Kriege und der Ucbergangszeit sprächen dagegen, daß dies möglich sei, ohne bic in Zwang genom- I menen Wirtschaftszweige zugunsten ber freien Gewerbe zur Verkümmerung zu bringen. Der Minister ging ausführlich auf die Aussichten unserer Ernährung ein. Die Reichsgetreide st eile I habe für die nächste Zeit genügend Brotgetreide in der Hand. Entspräche die Ablieferung auf die Umlage den Erwartungen, bann fei unter Berücksichtigung ber AuslandSkäufe die Versorgung bis zum Frühjahr 1923 sichergestellt. Er habe keine Sorge, bah bie Umlage zum wesentlichen Teil nicht ein gehen ober gar systematisch sabotiert werde. Bedingung, und ganz besonders für die j kleinere und mittlere Landwirtschaft, sei indessen, bah der Preis für llmlagegetrcibe der eingetretenen Geldentwertung nach Möglichkeit angepaht werde. Den Ausfall der GrntP schätze er in Brotgetreide um etwa 20 Prozent niedriger als im Vorjahre ein. 3m Gegensatz zu den Vorjahren lebten wir indessen heute noch von ber vorjährigen Ernte. Es seien zweifellos noch beachtliche Bestände alter Ernte in den Händen der Erzeuger unb des Handels. Die Kartoffelernte verspreche in alten Tellen Deutschlands sehr gut zu werden; in Süddeutschland wüßten sich alte Leute eine« ähnlichen Segens kaum zu erinnern. Selbst auf schwerem Boden hätten die Untersuchungen ergeben, daß übergroße Feuchtigkeit In ber Regel die mengenmäßigen Erträge wenig beeinflußt hätten. Angesichts dieser Aussichten empfehle es sich nicht, heute mit Zwangsmaßnahmen ober auch nur mit ber Einführung von Richt- oder Höchstpreisen vorzugehen, denn diese würden sofort zu Mindest- preifen für alle, auch für die Erzeugergebictc selbst, werden. Ginc gute Ernte werde die Preise selbsttätig nichtiger halten, als es die Festsetzung von Höchst- ober Richtpreisen tun könne. Den Verkauf durch unmittelbaren Verkehr zwischen Erzeugern unb Verbrauchern vor allem unter Hinzuziehung von Konsumgenossenschaften, begünstige er durch alle Mittel. 3n der Zuckerbewirtschaf-
Die Ereignisse im Orient.
London, 12. Sept. (WB.) Reuter erfährt, bah nach einem gestern abend spät aus Smyrna abgesandten Telegramm alle britischen Untertanen, die die Stadt zu verlassen wünschten, cingeschifst worden sind. Entgegen anderslautenden Berichten bleibt das britische Konsulat geöffnet unb wird von einer britischen Marine-Abteilung beseht. Rachdem der türkische Oberbefehlshaber Garantien für bic Aufrechterhaltung ber Ordnung unb ben Schutz ber 3ntcreffcn aller Auslänber in ber Stobt gab, würben die britischenMarinepatrou Ille n zurückgezogen. Es steht außer Zweifel, daß die 3ntereffcn ber britischen Untertanen nur ben britischen Behörden anvertraut werden.
Wie Reuter weiter berichtet, wurden Mitteilungen zwischen den alliierten Regierungen ausgetauscht bezüglich der allgemeinen Linie einer Politik, die befolgt werden soll, unb es £tnn angenommen werben, daß keinerlei Abweichungen von ber allgemeinen Linie ber Politik gegenüber ber Türkei, bie am 1. März auf ber Konferenz ber Außenminister in Pari« festgesetzt wurde, ftattfinben. Es wurde bereits durch eine gemeinsame Mitteilung klar gemacht, daß keinerlei Verletzung der neutralen Zone durch die Kemallsten gestattet wird. Eine Mitteilung über die allgemeine Politik Ist nicht notwendig, da diese unverändert bleibt. De
den Blättern allgemeine Ablehnung.
Rach Ansicht des „B. T." ist die Reichsregierung schon deshalb nicht in der Lage, das gewünschte Gvlddepot zu hinterlegen, well die Reichsbank vor kurzem auf Wunsch der Entente in ein autonomes Unternehmen umgettxmbclt worden ist, was zur Folge hatte, daß der Reichsregierung kein Eingriffsrecht in ihren Betrieb mehr zusteht.
Die deuffchc Regierung kann, fd)reibt Der „Lokal-An zeig er", sich nicht mit einer Lösung des Stundungsprvblcms einverstanden erklären, die keine Lösung ist, weil sie noch immer Leistungen von uns fordert, denen wir nicht gewachsen sind. Bei solcher- Lage muh man schon jetzt seststellen, daß alle Mühe, eine der deutschen Finanz- und Wirtschaftslage entsprechende Veuregclung unserer Reparätionsverpflichtungen zu erreichen, umsonst ist.
Für die „Boss. Ztg.“ ist die Fordmung unannehmbar und undiskutabcl. Der Rcichsbanr- präsident habe sich nur unter ber Bedingung zur Garantierung der Schahwochscl bereit erklärt, daß die Schahwechsel von 6 auf 18 Monate verlängert würden. Qfile Möglichkeiten e uer zufti d-enstellen- den Regelung der Garantiefrage seien durch den unerwarteten Beschluß Belgiens zerstört worben. Der europäischen Sache habe die belgische Regierung keinen guten Dienst erwiesen.
Der .„Vorwärts" betont, daß der Weg, auf den sich bie belgische Regierung begeben 'hat, zu ben schwersten Verwicklungen führen kann. Er wirst die Frage auf, ob Deutschland der Papiermark auch noch die letzte dünne Golddecke nehmen soll. Dadurch würde bem Währungsverfall von neuem die Tür geöffnet werden.
Die „Germania" stellt fest, dah nicht nur von deutscher Seite, sondern auch von einsichtigen und mahgdbenben Persönlichkeiten des Auslandes anerkannt worden ist, daß eine solche Lösung für uns nicht in Frage kommen kann.
Die „Deutsche Tageszeitung" schöpft die einzige Hoffnung, daß es nicht zum äußersten kommen werde, daraus, baß durch die scharfe Zuspitzung ber Lage im Orient es selbst Frankreich im Augenblick nicht erwünscht sein könne, eine Reparationskrise mit allen Folgen, di? dadurch, für die Beziehungen zwischen England unb 3talien entstehen, durchzusechten.
nahmen, wie bic Mllbcrung der Geld- und Kreditnot unb eine schärfere Kontrolle des Devisen- Verkehrs, würben mit den anderen zuständigen Stellen erörtert. Eine Besteuerung ber Börsengewinne bezw. scharfe Erfassung ber Einkommensteuer habe durchaus seine Billigung, während eine Ausgestaltung der Besteuerung deS LuxuLgewcrbes Arbeitgeber unb Arbeitnehmer auS zum Teil berechtigten Bedenken gegen sich habe und wohl auch nicht viel erbringen könne.
Zur Frage der Mehrarbeit stellte er fesß bah ber dankenswerte und notwendige Beschluß der Bergarbeiter, Ueberschichten zu fahren, teilweise aQf die erwarteten Widerstände stoße, die aber nach ben vorliegenden Berichten abebben wurden. Unter Zustimmung ber Erschienenen stellte der Minister fest, daß er an ben Preis- prüfungs- und Wucherbestimmungen grundsätzlich fest halten werde. Es unterliege einer Beratung, ob eine strafrechtliche Festlegung dessen, was Wucher ist, möglich sei.
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züglich ber vorgeschlagenen Konferenz für den nahen Ostet, ist die britische Regierung, obwohl die Votwcndigkeit für ben Zusammentritt einer solchen Konferenz zu etnem baldigen Zeitpunkt anerkannt wird, der Ansicht, dah ber Augenblick für irgendeine Erörterung auf der für die Konse renz von Venedig vorgcfchlagencn Grundlage nicht günstig ist. Die alliierten Regierungen werden die Klärung der militärisch en Lage ab warten, bevor sie irgend etwas Endgültiges in der Art einer allgemeinen politischen Konferenz Vorschlägen. Die britische Regierung erhielt keinerlei offizielle Berichte bezüglich der Mel düng, daß die jugoslawische Regierung sich an Italien wegen ihrer Vertretung aus irgendeiner solchen Konferenz gewandt habe. Aber ein derartiger Schritt wurde bereits seit einiger Zelt als unvermeidlich anerflamü angesichts ber Tatsache, daß die Frage die Gemeinsamkeit zwischen ber Türkei unb Bulgarien unb die vitalen 3ntercssen Serbiens berühren würbe. Man hält es ntdyt für unwahrscheinlich, daß andere Mächte, i die auch indirekt interessiert sind, ebenso handeln werden.
Paris, 13. Sept. (WTB.) Vach einet Havasmeldung aus Adana haben bie aIIl - ierten Matrosen, bie am Tage ber Besetzung Smyrnas burch bie Türken gelandet worben finb, Smyrna jetzt wieber verlassen.
Paris, 13. Sept. (WTB.) Havas mel- bet aus Smyrna: Die Türken haben bie nötigen Maßnahmen getroffen, um bic in Smyrna befinblichcn Flüchtlinge nach Haufe zu schicken.
Waffenftittstandsverhandlungen?
Paris, 13. Sept. (WTB.) Vach einer Meldung aus Angora schreibt die Zeitung „Beni ©uenc“: Wir sind bereit, Derhandlun- gen au eröffnen, aber nicht In Benebig, sondern inSmyrna.
Der griechische Thronfolger.
A th e n, 13. Sept. (WTB.) Der Thron» folger ist, aus Bukarest tommenb, in Athen eingetroffen.
Benizelos.
Parts, 13. Sept. (WTB.) Wie bie „Chicago Tribüne" melbet, ist Der frühere griechische Ministerpräsident VentzeloS heute nacht in Paris elngetrvffen. Man erwartet. dah er heute mit Poincar 6 eine Besprechung haben wird und sich dann nach London begeben werde, wo er am Donnerstag eine Unterredung mit Lloyd George haben werde.
Benlenpeft.
Paris 13. Sept. (WTB.) Wie dem „Qlcu* York Herald" aus Beirut gemeldet wird, sind unter den armenischen Flüchtlingen in Tripolis 4 Todesfälle durch Dculenpest zu verzeichnen. 141 Flüchtlinge werden unter Beobachtung gehalten. ES wurden Maßnahmen ergriffen, um , eine Ausbreitung der Seuche zu unterbinden.
SietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
druck mt6 Verlag i vriihi'sch- Univ.-Vach- und Steindruckerei R. Lange. Schristieitung, Seschästsftelle und druckerei: Schnistratze 7.


