Ausgabe 
13.9.1922
 
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e& als angezeigt, für die Herstellung von Branntwein aus Kartoffeln, trotzdem die diesjährige Ernte weit grober als im ver­gangenen Jahre zu werden verspricht, die gleiche weitgehende Beschränkung wie im Vorjahre vor- zufchreiben. Die Verwendung von Kartoffeln in Brennereien überhaupt zu verbieten, erscheint nicht angängig.

AuS dem AeichStagSausschuß für soziale An­gelegenheiten.

Berlin, 12. Sept. (WTB.) Der ReichStagSauSschuß für soziale Angelegenhe iten hat sich heute mit dem Entwurf der Verordnung über die Wochenbei-- hilfe beschäftigt. Er ging über die von der Re­gierung vorgeschlagenen Erhöhungen in ein­zelnen Punkten noch hinaus. Ferner be­schäftigte sich der Ausschuß mit dem Dervrd- nungsentwurf über die Erhöhung der Zulagen in der Unfallversicherung. Aach Der Begründung der Regierung entspreche das Maß der Verteuerung im allgemeinen einer Verdoppelung der bisherigen Gesamtbezüge der Zulageberechtigten. Bei Verletzten, die eine oder mehrere Renten beziehen, deren Hundertsätze zusammen die Zahl 50 nicht er­reichen, sei aber eine Verdoppelung der Be­züge noch nicht erforderlich. Der Ausschuß nahm einen sozialdemokratischen Antrag an, daß auch für die Leichtverletzten eine Verdoppelung der Zulagen eintreten solle. 3n der Frage der Versicherungs­grenze der Krankenversicherung fürAnge st eilte stimmte die Mehrheit des Ausschusses gegen die beiden sozialistischen Fraktionen dem Beschlüsse des Reichsrats zu, der die Versicherungsgrenze auf 200 000 Mk. zu erhöhen bereit ist, aber jeden höheren Bei­trag ablehnt.

Die städtischen Dachrichtenamter für die Presse.

Magdeburg, 11. Sept. (WTB.) Die hier tagende Arbeitsgemeinschaft der st ä d t i- schen Nachrichtenämter hat eine Ent­schließung angenommen, in der es heißt, daß die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft auf Grund eigener Erfahrung den hohen Wert der Presse für das gesamte öffentliche Leben kennen. Die Arbeitsgemeinschaft erwarte da­her mit Bestimmtheit, daß angesichts der zu­nehmenden Rot der deutschen Presse die Re­gierungen und Parlamente nunmehr im letzten Augenblick diejenigen Schritte un­ternehmen, die geeignet erscheinen, den deut­schen Zeitungen die Fortexistenz zu ermög­lichen.

Aus dem besetzten Gebiet.

Die Vorfälle in Oberkafsel.

Paris. 12. Sept. (WTB.) Rach einer Meldung desMatin" aus Brüssel kommt die Feststellung des Ober st en Mag. der vom Zustizdepartement mit der Prüfung der in Oberkafsel am Tatort gefundenen Munition beauftragt ist, zu folgendem Schluß: Die auf der Straße gefundenen Patronenhülsen stammen von den von der Pistole System Colt ab- ^geschossenen Kugeln, die der Sergeant Staes in der Hand hielt. als er fiel. Die

'am Tatort gefundene Kugel ist von einer Pistole desselben Kalibers abgefeuert, wie die des Sergeanten Staes gehörige. Die Schlußfolge­rungen führen also mit einer gewissen Wahr­scheinlichkeit zu der Annahme, daß der Sergeant.

der infolge eines Streits, den er hatte, in großer Aufregung aus dem Cafe herauskam, aus Unacht­samkeit die Sicherung seines Revolvers löste, um sich gegen einen etwaigen Angriff zu sichern, und so^zufällig den belgischen Wachtposten tötete. Als er sich dann über die Schwere seiner Ilnklughett und Verantwortung klar geworden sei, hätte er die Waffe gegen sich selbst gewandt. Rach den, QKatin ist die ^lntersuchung noch nicht abge­schlossen. Man habe noch den Auftrag, einen zweiten Bericht anzufertigen.

Rach demPetit Parisien" kam Mag in seinem Dettcht zu dem Schluß, daß der Zwischen­fall durch die Waffe Staes verursacht worden sei. Diese Waffe sei keine Armeewaffe, sondern eine Kriegserinnerung und Eigentum des Unter­offiziers. Jetzt ist eine Untersuchung im Gange um festzustellen, wie es möglich ist, daß der Unteroffizier um 3 Uhr morgens außerhalb der Kaserne war.

Aus Stabt und Land.

G ieh en, den 13. Sept. 1922.

Die Zahlungsmittel-Knappheit

besteht in verschiedenen Gegenden noch immer weiter. Um den zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Lohn- und Gehaltsauszahlung zu begegnen, haben sich jetzt z. D. die größeren Werke des Han-

delskarnmervezirks Dillenburg, und zwar zunächst der Hessen-Rassauische Hütteuverein zu Steinbrücken, die Frankschen Eisenwerke zu Riederscheld und die Burger Eisenwerke zu Burg, entschlossen, vorübergehend zur Aushilfe hand­schriftlich unterzeichnete Gutscheine mit einmonatlicher Laufzeit, zunächst auf 1000 Mk. lautend, auszugeben, die mit Se­rienbuchstaben und laufenden Rummern versehen sind. Die Handelskammer Dillenburg richtet durch öffentliche Bekanntmachung an die Geschäftswelt ihres Bezirkes das Ersuchen, diese Gutscheine, die auch von den Geldinstituten des dortigen Handelskammerbezirks angenommen werden, an Zahlungsstatt anzunehmen.

Reben diesem Privat-Rotgeld. das man als ein neues betrübendes Zeichen unserer deutschen Wirtschaftsverhältnisse bezeichnen kann, feiert auch das städtische Rotgeld trotz seiner kürzlich durch Reichsgesetz bestimmten Be­seitigung mehrfach eine Auferstehung. So hat sich der Reichsminister der Finanzen genötigt gesehen, den Städten Magdeburg und Zella-Mehlis die Ausgabe neuen städtischen Rotgeldes zur Behebung der Zahlungsmittelnot zu gestatten. Magdeburg darf bis zu 10 Millionen Mark. Zella-Mehlis gleich­falls bis zu 10 Millionen Mark städtisches Rot­geld in den Verkehr bringen. Das Magdeburger Stadtgeld ist in Fünfzigmarkscheinen auszugel^n, die Zella-Mehliser Scheine dürfen denBetrag von 500 Mk. nicht überschreiten. Die Laufzeit der beiden Rotgeldarten darf die Dauer von zwei Monaten nicht überschreiten.

3n Gießen und, soweit wir uns unter­richten konnten, in ganz Oberhessen sind Za hlungsmittelnötebishernochnicht eingetreten. Man hat diese erfreuliche Tat­sache den guten Vorsichtsmaßnahmen unserer Danken und der Ruhe und Besonnenheit der Be­völkerung zu danken. Die Banken werden, wie man uns versichert, auch weiterhin alles tun, uni die Zahlungsflüssigkeit in Ober­hessen zu sichern Rotwendig ist aber, daß die Bevölkerung auch weiterhin Ruhe und Disziplin bewahrt. Wenn das der Fall ist. wird unsere engere Heimat voraussichtlich keinerlei Zahlungsmittelschwierigkeiten erleben.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde der Steuersekretär Wilhelm Kol- m e r beim Finanzamt Michelstadt zum Obersteuer­sekretär. Gleichzeitig wurde derselbe mit Wir­kung vom 1. Oktober d. 3. ab zum Finanzamt l West zu Frankfurt a. M. verseht. Am 5. Sep­tember 1922 wurde der Forstmeister Edwin von Becker zu Ernsthofen zum Forstmeister Der Oberforsterei Ernsthofen und am 7. September 1922 der Forstmeister Franz Wahl zu Lauter­bach zum Forstmeister der Oberförsterei Lauter­bach. beide vom 1. April 1922 an ernannt

** Die Sprechstunden des Woh­nungsamtes werden im heutigen Anzeigen­teil bekanntgegeben.

** Die Sprechtage der amtlichen Kreis-Fürsorge st eile für Kr iegs- beschädigteiindKriegshinterblie- bene sind bojn Kreisamt Gießen auf Diens­tag (vor- und nachmittags), Donnerstag vor­mittag und Samstag vormittag jeder Woche beschrankt worden. Maßgebend für diese An­ordnung war die Erwägung, durch die Be­schränkung an den übrigen Tagen der Woche die notwendige Zeit zur Bewältigung und glatten Abwicklung der Geschäfte, die bisher durch den täglichen Personenverkehr sehr not­gelitten hat, zu gewinnen.

** Zur Durchführung der Ge­treideumlage. Das neueste Amtsverkun- digungSblatt enthält den Schluß der mini­steriellen Ausführungsverordnung zu dem Ge­setz über die Regelung des Verkehrs mit Ge­treide aus der Ernte 1922. Der erste Teil die­ser Verordnung war in der vorigen Ausgabe des Amtsblattes zur öffentlichen Kenntnis ge­bracht worden. Die Verordnung ist mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft ge- tteten.

** Sperrung der Kreis st raße GießenLollar. Wegen Walzarbeiten ist die Kreisstraße GießenLollar von heute ab für den FuhrwerkSverkehr bis auf weiteres gesperrt. Der Verkehr geht über Wißmar- Ruttershausen.

* * Aufgehobene Straßensperre. Die Sperre Der Frankfurter Sttahe zwischen Klinikstraße und StraßeAm Steg" ist auf­gehoben.

* * Schweinepe st in Gießen. 3n dem Gehöft Ederstraße 6 ist die Schweinepest fest- gestellt worden. Die Sperrmahregeln sind an» geordnet

** Eine Zwetschenversteigerung findet am kommenden Freitag statt Alles Nähere ist aus einer Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils ersichllich.

* * Der Verband der Gemetnde- und Staatsarbeiter, Filiale Gießen.

schrowt uns zu unserer NotizZweistündiger Proteststreik der städtischen Arbeiter" folgendes: Wenn in der Rotiz desGießener Anzeigers" vom 11. September gesagt wird, daß der Arbeit­geberverband Hessen in Mainz die Forderung von 40 M t auf die Stunden löhne nicht in vollem Umfang bewilligt habe, so könnte der Irrtum auf­kommen, daß das Angebot diese Forderung bald erreicht hätte. Diesem Irrtum vorzubeugen und der Bürgerschaft von Gießen ein klares Bild zu geben, hält es die städtische Arbeiterschaft für ihre Pflicht, einiges zur Aufklärung betzu­tragen. Rachdein der Arbeitgeberverband in zwei­maliger Verhandlung auf eine Forderung von 30 bzw. 40 Mt ein Höchstangebot von per Stunde 15.60 Mk. für einen Handwerker über 24 Jahre machte, würde der Lohn für einen verheirateten Handwerker der Stadt Gießen ein­schließlich der Hausstandszulage den Betrag von 52.60 Mk. erreichen. Rach dem die Großhandels­preise lautFrankfurter Zeitung" gegenüber dem Monat August eine Steigerung von 104 Prvz. erfahren haben und das Angebot der Arbeitgeber eine Verbesserung von nur 42 Prvz. der August­löhne bedeutet, glauben wir das UrteU der Be­völkerung von Gießen überlassen zu müssen. Dazu kommt noch, daß die Löhne der Privatindustrte von Gießen und Umgebung für den September trotz des Angebotes unseres Arbeitgebers oa. 1520 Mk. höher stehen, als die unsrigen. Dieser Unterschied zeigt sich tn den Städten Offenbach, Darmstadt, Mainz, Worms usw. noch in weit größerem Maße, so daß der ablehnende Stand­punkt der städtischen Arbeiter verstanden werden kann Das Angebot der Arbeitgeber trägt somit ein weiteres Stück zur Verelendung der städti­schen Arbeiterschaft bei und mußte als voll­ständig ungeirügeno abgelehnt werken."

** Astoria-Ltchtspiele. Der 3. Teil des FilmwerksTarzan" laßt den Affen­menschen nochmals viele Abenteuer und Gefahren bestehen. Dor den Verfolgungen seiner Feinde findet er schließlich 'wieder Zuflucht in der Wildnis. Dorthin wird nun auch seine Geliebte durch einen Schiffbruch verschlagen, die ihm in ihrem Herzen noch immer die Treue bewahrt hat. Aufs neue finden sich so die Liebenden, um auf immer vereint einer glücklicheren Zukunft entgegenzusehen.

Wettervoraussage

für Donnerstag:

Wechselnd bewölkt, Regenschauer, Westwind. Die herbstliche Witterung hält an. Die Wetterlage zeigt vorläufig noch keine Aussicht auf Besserung.

Bornotizen.

TageSkalenderfürMittwoch. Astoria-Lichtspiele:Tarzan", 3. Teil, und Satans Peitsche".

Aus dem Stadttheaterbureau. Der morgige Marcell-Salzer-Abend findet pünktlich um 7 Uhr statt. Rach Beginn werden auf besonderen Wunsch des Künstlers die Saaltüren geschlossen. Es wird deshalb dringend rechtzeitiges Erscheinen angeraten.

Herbftverbandstag der freiwilligen Feuerwehren des Kreises (Hießen.

*Grvßen-Buseck. 11. Sept. Am gestrigen Sonntag sand hier im GasthausZur Ger­mania" der Herbstverbandstag der freiw. Feuerwehren des Kreises Gießen statt. Als Vertreter des Kreisamts Gießen war Regierungsvat Dr. Heß anwesend, ebenso die Bürgermeister von Lich, Lang-Göns, Lollar und Grohen-Buseck Zwölf freiwillige Feuerwehren waren vertreten.

Um 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Kreisverbandes, Brandinspektor Fritz Wenzel, mit kameradschaftlicher Begrüßung den Derbands- tag. Zu Punkt 1 der Tayesordnung berichtete der Vorsitzende über die seitherige Tätigkeit des Verbandes, insbesondere auch über die Gründung einer freiw. Feuerwehr tn Ettingshausen.

Ueber seine Bemühungen um die Beschaffung der erforderlichen Feuerwehrausrüstunasstücke be­richtete Branddirektor Daurat Braubach. Auch Hungen hat sich entschlossen, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen.

Regierungsrat Dr. Heß b^rüßte die Ver- sammlungstellnehmer und ermahnte die Kame­raden, weiter treu und fest zu ihrer guten Sache zu halten. Er hofft, daß auch weitere Kreise der Devöllerung sich zum Dienste der Nächsten-- liebe bereitfindM werden.

Rechnungsangelegenheiten und die Wahl der Rechnungsprüfer wurden glatt erledigt.

Zum nächsten Punkt der Tagesordnung (An­träge) beantragte die Freiwillige Gailsche Feuerwehr durch ihren Kommandanten Karl Wenzel:Der Kreisverband wolle beschließen, daß bei dem nächsten Abgevrdnetentag der frei­willigen Feuerwehren des Freistaates Hessen fol­gender Antrag eingebracht wird: Satzungsände­rung des § 3 dahingehend, daß der Landesaus­schuh sich aus 7 Mttgliedern zusammensetzt, und zwar aus je 2 Vertretern der drei Provinzial­ausschüsse und dem 1. Vorsitzenden, der von dem Abgevrdnetentag gewählt wird. Die Provinzial­ausschüsse sollen aus je einem Vertreter der

Bacilsfempel

Aoman von Margarete v. Oertzen- F ü n f g e l d.

21. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Ich bin nicht sonderbar! Rur, mein lieber, alter Zunge" er legte ihm die beiden Hände auf die Schultern und sah ihm in die Augen mit seinem tiefen Hamletblicknur helfen möchte ich dir! Ist sie denn wirllich all das Echte und Köstliche wert, das ein Mensch deiner Art an sie verschwendet? Rein, fahr nicht auf, Heinz du kennst meine skeptische Ader und du bist nichts anderes als ein großes Kind, dem die Mutter fehlt! Da steh'n wir alle hilflos vor dir ' ^>eTe Kunst geht kaputt darüber, und wir müssen es mit anfehen, wie eine Zukunft zer­brochen wird von zwei gedankenlosen Madchen- händen du weißt es wohl, Heinz! Sei ein Mann! Schüttle sie ab! Stürz dich in die Arbeit! Mach Schluß! Aber radikal!"

Heinz war rot und blaß geworden. Zuweilen legte er den Kopf zur Seite, hellhörig wie ein Wild, das den Jäger wittert.

Du hast mich also auch nicht verstanden" sagte er mit dem Eigensinn der Kranken.

Riedinger kniete fast vor ihm.

Doch, doch! Ich verstehe alles!"

.Do sprich nicht mehr. Suche zu erfahren, was

sie treibt. Ob. sie mich vergebens erwartet hat. Alles, hörst du? Ja, und eh' ich es vergesse das Wengernsche Haus wirst du kennen. Ich" er lächelte schmerzlichich ging sehr oft vor­über doch niemals hinein. Der Geheimrat von Wengern ist ihr Vater."

Ach," sagte Riedinger unwillkürlich er­schrocken.

Heinz fuhr aus.

Was, ach?"

Der Vater ist ein sehr großes Tier . .

Güldewin schoo das Plaid fort und erhob sich unter Anspannung aller seiner Kräfte.

And wenn er noch ein viel größeres Tier wäre! Ich schätz' mich auch nicht gering! Willst du mir nun helfen oder nicht?"

Riedinger schüttelte ihm die Hand, dah er wankte.

Helfen will ich dir, da sei du sicher!"

Du sagst das wieder so merkwürdig" Ein großer, leuchtender Blick traf ihn. Kops oben! Lind Geduld!"

Heinz hatte Geduld. Aber die zehrte ihn auf. Riedinger wich feinen Fragen aus, gebrauchte Ausflüchte.

Ich kann doch nicht vor dem Hause Schild- wache flehen. Ich darf das Fräulein doch nicht . . .

Schon gut. schon gut

So heimlich Heinz es anstellte, Riedinger

merkte es doch, dah er Anstalten traf, trotz des ärztlichen Verbotes auszufliegen. Und dann . . .

Er kam just zur rechten Stunde.

Ich wollte gerade ausgehen," entschuldigte sich Heinz etwas verlegen.Es ist so ein herr­licher Tag heute."

Der Sturm pfiff um die Dächer.

Riedinger hing seinen Mantel behutsam über eine Stuhllehne.

Prachtvoll! Ich bin fast in den Fluh ge­flogen doch bevor du gehst möchte ich dir noch was sagen."

Dttte," sprach Heinz, um einen Schatten die Farbe wechselnd. Das Wort blleb ihm in der Kehle stecken.

Riedinger redete. Langsam und trocken, je mehr er sich bemühte, zu verschleiern, das Krasse zu mildem.

Ich habe in Erfahrung gebracht, dah Fräu­lein Lilh von Wengern seit gut drei Wochen ver­reist ist. Dah sie am Hof tanzt"

Er sah Heinz noch immer nicht an.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Heinz ihm antwortete.

Ah ich danke dir, Riedinger. Sie ist also fort Sie hat also nicht mehr geschrieben. Sie tanzt also!"

3a, sprach Riedinger, und machte sich an seiner Krawatte zu schaffen.

Es ist also vorbei."

Kreise bestehen." Dieser Antrag fand allgemein« Zustimmung.

Es wurden in dieser Beziehung beherzigens­werte Winke gegeben. Regierungsrat Dr. Heß stimmte den Ausführungen über die Neuregelung zu. Er gibt aber zu bedenken, ob nicht in den Pro­vinzialausschüssen noch .eine engere Vertretung gu schaffen sei, die in eiligen Fällen und in solchen von geringer Bedeutung aktionsfähig fei. Brand­direktor Braubach ist der Ansicht, dem Landes­verband eine eingehende Begründung des An­trags beizugeben und eine fix und fertige Rieder- schrift vorzulegen, da voraussichtlich die ge­wünschte Reuordnung auch viele Gegner finden werde.

Hierauf führte Branddirektor Braubach einen fntereffanten Fall an, wobei durch unge­löschten Kalt Feuer ausgebrochen sei.

Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r ö gab be­kannt, dah Alarmübungen nur mit Ge­nehmigung des Kreisamts zulässig seien. Regie- rungsrat Dr. H e h sagte die Ltnterstützung des Kreisamts zu. Er hält die AbhaltuLZ von Alar­men für notwendig, aber nur bei vorheriger Be­kanntgabe an die Bevölkerung, um alle Unan­nehmlichkeiten von vornherein zu vermeiden. Die in den Uebungsplänen vorgesehene Alarmübung soll als Genehmigung angesehen werden.

Kamerad Fendt» Lich schlug vor, zu den Kreisverbandstagen die Kommandanten der Pflichtfeuerwehren einzuladen. Der Vorsitzende begrüßte diesen Antrag, der von der Versamm­lung genehmigt wurde.

Rach Beantwortung von verschiedenen An­fragen gab der Vorsitzende, Kamerad Wenzel, noch bekannt, daß am 24. d. Mts. die Glehe° ner Freiwillige Feuerwehr und die Freiwillige Gailsche Feuerwehr ihre Schluhübung abhalten, wozu er die Wehren deS Kreises Gießen einlud. Eine gleiche Einladung erging von Kommandant F n d t - Lich zu der Schlußübung am 8. Oktober.

Rach Verlesen der Riederschrist schloß bet Vorsitzende mit Dankesworten die Versammlung, sammlung.

Um P/2 Uhr fand eine Hebung der Frei­willigen Feuerwehr Grohen-Buseck statt. Rach den Einzelübungen wurde dem Kommandanten vom Kreisfeuerwehrinspektor Dickor 6 die Drandidee bekanntgegeben, welche von der Wehr in fast einwandfreier Weise gelöst wurde.

Am Rachrntttag bewegte sich ein Festzug durch die Ortsstrahen, der von zwei Musik­kapellen begleitet war. Reben den Feuerwehren beteiligten sich der Ortsvorstand und die Gesang- und Turnvereine an dem Zuge. Die Zugtell- nehmer vereinigten stch dann in den Räumen des GasthausesZur Germania", wo die Musik­kapellen und die Gesangvereine zur weiteren Unterhaltung ihr Bestes boten.

Landkreis Gießen.

bf. Burkhardsfelden, 12. Sept. Die ungeheure Erhöhung der Denzolpreise int letzten Jahre hat den Betrieb unserer OrtS-Wasserleitung außerordentlich verteuert. Run hat sich die Gemeinde ent­schlossen, einen Elektromotor anzuschaf­fen. Trotz des hohen Preises von 39 000 Mk. hofft man, dah er sich im Laufe von einigen Jahren bezahlt machen wird, da er viel billi­ger arbeitet.

Kreis Büdingen.

Wallernhausen, 10. Sept. Das Ab - turne n, das der Tu r nverei n Wallern- Hausen heute veranstaltete, kann als vorbild­lich bezeichnet werden. Am Vormittag versam­melten sich die Turner mit der Gemeittde zu einem Hugenogottesdienst, bei dem Burschen und Mädchen durch Lieder- und Gedichtvorträge mitwirkten, und bei dem Pfarrer Laut- Ridda in trefflicher Weise das Ziel, dem ein rechter Turner nachstrebt, heraus stellte. Mittags traten die verschiedenen Riegen zum Wetturnen an, das flott von statten ging und von tüchtiger Arbeit Zeugnis gab. Damit verbunden war das Hugendfest der Schule, so daß den zahl­reichen Zuschauern abwechslungsreiche Unterhal­tung geboten werden konnte. Der Tag wurde mit einem Familienabend des Turnvereins beschlossen, bei dem die Vreisverteilung vor­genommen wurde und Rektor Bach- ©rohen- Linden, Mitglied der Gauleitung des Gaues Hessen der Deutschen Turnerschast, über Ziele und Organisation der Deutschen Turnerschaft sprach. Auch er betonte, dah die Turnvereine Leib und Seele pflegen mühten, um ein tüchtiges Geschlecht heranzuziehen.

Kreis Schotten.

eb. Aus dem Vogelsberg, 12. Sept. In diesem 3ahre sind die Brombeeren so gut geraten, wie kaum in den letzten Jahren. Aber gesammell werden sie kaum, denn bei den ungeheueren Zuckerpreisen unternimmt es fast keine Hausfrau mehr, Drombeergelee zu kochen.

eb. Michelbach, 13 Sept. Die Gemeinde beschloß die Anschaffung einer neuen Kirchen­glocke und die Wiederherstellung der Orgel.

Run streifte Riedinger den Freund mit einem schnellen Blick.

Der sah ganz steif und gerade in feinem Stuhl, und Riedinger erkannte sofort, dah ihn los werden wollle.

Riedinger richtete sich häuslich ein. Und wenn er ihn hinauswars, so würde er nicht gehen.

Hast du denn heute keine Probe?" fragte Heinz nervös.

Gott fei Dank, nein, erwiderte Riedinger verstockt.

Aber endlich hielt er es nicht mehr aus.

Heinz, lieber, alter Junge! Ist es denn so schwer? Meinst du, ich hätte das nicht auch durchgemacht? älnb ich hab es überwunden! Wir sind eines Traumes wert, Heinz! Wir sind Wecker, aber nicht Ersüller! Was wir wecken, erfüllt ein anderer aus ihren Kreisen lah dir daran genügen, Heinz, dah du deinen Traum gehabt hast! Ein Kartenhaus sprengt man nicht mit Dynamit in die Luft! Sie hat es sanft umgeblafen und ist von dir gegangen ohne Auseinandersetzungen, Tränen, Vorwürfe bei Gott, das könnte einen noch aussöhnen mit ihr!"

Heinz hatte ihn mit unheimlicher Ruhe ange­hört. Sem Gesicht war steinern.

Ich werde zu ihrem Vater, gehen."

Bist du toll?!" schrie Riedinger, sich vor ihm aufpflanzend in feiner ganzen Größe.

(Fortsetzung folgt.)