Ausgabe 
13.7.1922
 
Einzelbild herunterladen

feabe Valuta macht den Ankauf ausländischer Suttermittd zum Ersatz für die fehlenden In- lanb6futtermittd immer schwieriger. Der Wie­deraufbau der während des Krieges stark geschwächten Viehbestände ist durch diesen ilnv stand bedauerlicherweise schwer beeinträchtigt wor­den. Die seit zwei Jahren erfolgte Abgabe von Vieh als Reparationsleistung auf Grund des Ver­trages von Versailles hat weiter dazu beigetragen, das Mißverhältnis zwischen Schlachtvieh und Fleischerzeugung einerseits und dem Fleischverlan­gen der Bevölkerung andererseits immer mehr zu vergrößern und dadurch die Preise für Vieh und Fleisch von Monat zu Monat in die Höhe zu treiben.

Die Fleischpreise haben eine solche Höhe er­reicht. daß weite Kreise der Bevölkerung Fleisch nicht mehr kaufen können und daß die Fleischer­läden vielfach leer stehen. Eine Abhilfe kann zur Zeit nur der Verkauf ausländischen Gefrier­fleisches und amerikanischen Corned-Deefs brin­gen. Wenn selbstverständlich auch die Preise dieser Waren von der Entwicklung unserer Valuta abhängig sind, 80 sind doch jetzt noch solche Preisunterschiede zugunsten des Auslandssleisches vorhanden, daß das aus­ländische Fleisch um mindestens 25 bis 30 v. H. billiger abgegeben werden kann als inländisches Fleisch. Wenn man bedenkt, daß es sich habet jetzt um gute frische Ware und nicht um dre vielfach von der Bevölkerung verweigerte über­alterte und unansehnlich gewordene Kriegsware handelt, so ist hier die Mglichteit gegeben, der Bevölkerung noch zu einigermaßen erschwinglichen Preisen Fleisch zkzcführen.

Vus Stabt unb Land.

Gießen, den 13. Juli 1923.

Um den Schiffenberg.

Wie uns von unterrichteter Seite mlt- geteilt wird, hatte sich die Stadtverwaltung den letzten Tagen mit einer Angelegenheit 2,11 beschäftigen, die für die Bürgerschaft unfe- ;cc Stadt vvn weitreichender Bedeutung wer- ::~n könnte. ES handelt sich nach den uns zu- aegangenen Informationen um die Stellung­nahme der Stadtverwaltung zu Verhand­lungen zwischen der Landesuniversität und der Begierungin Darmstadt, die bezwecken, den Schiffenberg der Hniversi- iät zur Errichtung einer Tierzucht­station zur Verfügung zu stellen. Die Ver­handlungen zwischen der Hniversttät und der Regierung hatten schon ein vorgeschrittenes Stadium erreicht, als die Stadtverwaltung m den letzten Tagen des vergangenen Mo­nats Vvn ihnen Kenntnis erhielt. Sie hat die Angelegenheit unverzüglich und sehr ein- gehend beraten und sich auch mit drei .Ausschüssen deö Stadtparlnments ins Be­nehmen gesetzt. Als Ergebnis der Beratun­gen glaubte die Stadtverwaltung erhebliche Bedenken gegen das Schiffenberg-Prvfekt der Universität geltend machen zu müssen, die dahin gehen, es könnte der Schiffenberg nach der Uechergabe an die Universität als Aus­flugs- und Erhvlungspunkt der Gießener Einwohnerschaft nicht mehr in Betracht kommen. Ein von diesen Bedenken getragenes Schriftstück hat die Ltadtverwaltung der Regierung und meh­ren Abgeordneten der Kammer zu gesandt, imd sie erwartet mm, daß sie vor der end­gültigen Entscheidung von der Regierung gut­achtlich gehört wird.

Es bleibt obzuwarten, wie die Universität vor der Oeffentlichkeit, deren Interessen sie sicherlich nicht unberücksichtigt zu lassen ge­denkt, ihre Plane im einzelnen dartun wird. Jedenfalls wird man aber wohl allgemein mit uns der Auffassung sein, daß der Schiffenberg als geschichtlich und landschaftlich hervor­ragender Punkt unserer Gegend sowie die zugehörige Gastwirtschaft als Erholungsstätte bem allgemeinen Zutritt offenge- halten bleiben muh.

Die Kohlenproduktion in Hessen.

Die monatliche Statistik der Kohlenprvduktion des Vollsstaates Hessen weist für den Monat Juni 1922 folgende Zahlen nach: An Roh- braunkvhlen wurden gefördert 49 309 Tonnen, ver­kauft wurden davon 15 730 Tonnen, der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeitenden Rohkohlen wurden neben Schwele­reiprodukten erzeugt: 2579 Tonnen Braunkohlen­briketts. 2260 Tonnen Raßpreßsteine. Außerdem wurden in Hessen erzeugt 6758 Tonnen Steinpreß­kohlen. Unter Berücksichtigung der aus Vor­monaten übernommenen Bestände, sowie des Ab­

satzes und SelbstverSrauchs verblieben am. Monatsschluh absatzfähig 6122 Tonnen Rohkohlen, 2979 Tonnen Rahprehsteine, zusammen 9101 Ton­nen Braunkohlen und Braunkohlenprvdukte im Gesamtwert von 4 132 720 Mark.

Abgabe für Fischereikarteu.

Durch eine Verordnung des Ministeriums des Innern die seitherige unterschiedlich' De Handlung bei Festsetzung bcr Angaben für Fischereikarten zwischen solchen Personen, die im Volksstaat Hessen, und solchen, die in einem an­deren deukßhon Lande ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt haben, weg gefallen. Es wird nur noch ein Unterschied zwischen den im Deutschen Reich wohnenden Reichsdeutschen und Ausländern, sowie im Inland nicht ansässigen Reichsdeutschen gemacht. Die beiden letzteren Per- sonenllassen haben den erhöhtem Stempelbetrag von 50 Ml. bzw. 25 Mk. (für Monatskarte) in

Die Teuerung.

Wb. Die vvn Dr. Moritz Elsas-Frank- furt a. M. über die Kvsten der Lebens­haltung einer vierköpfigen Fa­milie in Frankfurt a. M. für jeden Monat ermittelte Indexziffer ist vom 1. Mai bis zum 1. Juli d. Is. von 830 auf 1115, demnach innerhalb der letzten zwei Monate um rund V.3 gestiegen. Die größte absolute', also am meisten ins Gewicht fallende Steige­rung weisen die Nahrungsmittel mit 227 Punkten auf.

- Die innere Kaufkraft der Mark in Bezug auf die Lebenshaltung beträgt jetzt 2,38 Pfennige. Der äußere Geldwert am Dollar gemessen, betrug am 1. Juli 1,05 Pfennige. Wenngleich der innere Geldwert eine starke Senkung aufweist, so muß doch fest­gestellt werden, daß die Spannung zwischen innerem (in Bezug auf die Lebenshaltungs­kosten) und äußerem Geldwert gegenüber dem 1. Mar d. Is., prozentual und nur die prozentuale Spannung, nicht die absolute ist von Bedeutung sich nicht verringert hat. Die innere Kaufkraft der Mark in Bezug auf die Lebenshaltung ist am 1. Juli 1922 noch immer um 127 Proz. größer als die äußere. Am 1. Mai betrug die Spannung 122 Prozent.

(Die Feststellungen, die in der vorstehen­den Mitteilung für das Frankfurter Wirtschaftsgebiet gemacht werden, treffen im großen und ganzen auch für den Gießener Bezirk zu. Kleine Abweichungen nach oben oder unten ändern nichts an dem überein­stimmenden Durchschnittspreisbild hier und in Frankfurt. D. Schriftltg.)

Sv-prozentige Erhöhung der Eisenbahrifahrpreife in Sicht.

Das Wolffbuveau meldet beute: Mit Rück­sicht auf die fortschreitende Steigerung der per­sönlichen und sachlichen Ausgaben der Reichs­bahn und das ständige Sinken des Geldwertes ist emo Erhöhung der gegenwärtigen Fahr­preise zum 1. Oktober um etwa 50 Pro­zent in Auss icht genommen.

Post-, Telepraphen- und Fernsprechverkehr mit Oberschlefien.

Nachdem die Postanstalten im polnischen Ab­stimmungsgebiet Oberschlesiens am 18. Juni an die polnische Post Verwaltung übergeben worden sind, gelten für den Post-, Telegraphen- und. Fern­sprechverkehr mit diesem Gebiet die Bestimmun­gen des Genfer Abkommens. Dieses unterscheidet zwischen dem Verkehr innerhalb des bisherigen Abstimmungsgebietes und dem Verkehr zwischen dem übrigen Deutschland und Polnisch-Ober­schlesien. Der Verkehr in letztgenannter Hinsicht gilt grundsätzlich als Auslandsverkehr, doch wer­den alle bisherigen Dienstzweige aufrechterhalten. Rur Postprotestaufträge, Briefe mit Zustellungs­urkunde und Päckchen stnd bis auf weiteres nicht zugelassen. Der Paketverkehr ist vorläufig gesperrt: für ihn sind ermäßigte Auslandsgebühren vor­gesehen. Die Wortgebühr eines Telegrammes be­trägt 12.60 Mk. Im Fernsprechverkehr bleiben die Sähe des innerdeutschen Verkehrs in Kraft. Die am 1. Juli ein getretene allgemeine Gebühren­erhöhung gilt auch für Sendungen nach Dentsch- unb Polnisch-Oberschlesien.

Wettervoraussage

fürFreitag.

Wolkig, wärmer, meist trocken, Südwest­winde.

Das umfangreiche Tief, das gestern ver­breitete Regenfälle in Sud- und Mitteldeutsch­land hervorrief, hat sich ostwärts verlagert. Eine neue Druckstvrung erscheint über Ir­land.

Ein neuer Goethefund.

(Anbekannte Gedichte und Aeußerungen.)

Gin. dem Rachlaß des romantischen Dichters Rudolf von 'Beyer vom Jahre 1820 über ein Zusammentreffen mit Goeche in Berka ent­stammender Bericht, den Rudolf Schade im neue­sten Heft derDeutschen Rundschau" mitteilt, werft neue Lichter auf Goethes Verhältnis zur Musik und den musikalischen Kreis um ihn. Seine besondere Bedeutung erhält dieser Fund durch einige unbekannte Gedichte Goe­thes, bic mit Sicherheit als sein Eigentum anzusprechen find. Dec junge Rudolf von Beyer hatte in Berlin bei Zelter Allcsik studiert und war ;820 auf eine Osterfahrt gegangen, bei der er in dem freundlichen Waldsladtchen Becku, das nach Entdeckung einer Schwefelquelle als Bad eingerichtet worden war, Ausenthalt nahm. Zum Dadeinspektor des Oertchons wurde der als rnusikulifcher Berater Goethes bilannte Organist und Lehrer Ioh. Heinrich Friedrich Schuh er-- nannt. Beyer war an Schütz empfohlen und sand in seinem idyllischen Heim gastliche Aufnahme. Beim Durchstöbern der 'Roten entdeckte er auch einige Werke von Bach, die Schütz von Goethe oeschenkt bekommen hotte und auf denen von des Mejsters Hand Gedichte geschrieben waren, die er sich sofort abschrieb und die uns auf diese Weise erhalten sind. Auf Bachs Chorälen stan­den die folgenden herrlichen Worte:

Laß mich hören, laß mich fühlen,

Was der Klang zum Herzen sp'icht: In des Lebens nun so kühle i Tagen jpendc Wärme, Licht.

Immer ist der Sinn empfänglich, Wenn sich Reues, Großes beut, Das ureigen, unvergänglich, Keines Krittlers Tadel scheut.

Das aus Tiefen sich lebendig

Zu dem Geisterchor gesellt

llnb uns zwanglos und selbständig

Auferbauet eine Well.

Tritt der Jünger vor den Meister, Sey's zu löblichem Gewinn, Denn die Rähe reiner Deister Geistigt auf gcfdjloffnen Sinn."

Weimar. Weihnachten 1818. Goethe.

Bachs wohltemperiertes Klavier" trug die folgende Ausschrift:

Denn aus Geringem wächst das Tüchtige. Dem Hälmchen gleich, das sich zur Sonne kehrt. Cs sondert sich wie Spreu das Richtige:

Das Kom des Geistes allein hat Crnlewerth."

Beyer hat in seinem Bericht noch verschiedene andere wundervolle Gedichte ausgezeichnet, die sich unter Schützens Rotizen befanden und die wohl sicher von Goethe stammen: darunter auch einesOsterbotschast", das ihn es war ge­rade Ostern besonders ergriff:

Osterbotschast Auferstanden Tönt's in allen Christenlrlnden^ Weckt der Güster Hochg.s.mg, Tritt auch Du ais Deinen Falten Zu den höheren Gestalten, Seele, Gott seh Dein Gesang."

Bald sollte er auch den Dichter persönlich kennen lernen. Es irar am Mittwoch nach Ostern, cm 5. Avril 1820, in dem sich in Goethes Tage- buch die Bemercung finb.t:Früh nah Berka." Beyor hörte im Mujikzimmec Töne; er trat <zn.

Amtliche Personal nachrich- ten. Ernannt wurde am 28. Llpril der Lehrer Josef Spahn zu Klein-Hausen zum Lehrer an der Volksschule zu Bretzenheim, Kreis Mainz. - Ernannt wurde Hauswart Karl Schweizer zum Steuerwachtmeister bei dem Finanzamt Darmstadt-Stadt. Aus dem Staatsdienst entlaßen wurde am 8. Juli der Regierurigsbaurat bei der Mechanischen Ma- lerial-PrüfungSanstall der Technischen Hoch­schule, Professor Dr.-Ing. Wllli Müller zu Darmstadt mit Wirkung vom 16. August 1922 ab auf sein Rach suchen.

*' Reallehrer F. Cprvinus f. Am Dienstag Abend starb an einem schweren Leiden der Reallehrer Herr Ferdinand C o r v i n u s. Mit ihm ist ein in weiten Kreisen bekannter und hoch- angesehener Bürger zu Grabe gegangen. In feiner nahezu 28jährigen Tätigkeit in der Höheren und Erweiterten Mädchenschule haben viele Frauen und Mädchen unserer Stadt ihm zu Füßen gesessen und ihm auch weit über die Schulzeit hinaus treue Verehrung bewahrt. Seine vielseitigen Begabun­gen und Interessen ermöglichten es ihm, in her­vorragendem Maße anregend auf die Jugend zu wirken und ihr wertvolle Kenntnisse und Fertig­keiten zu vermitteln. Als warmherziger Freund der Ratur lag ihm die Pstege des naturkundlichen älnterrichts besonders nahe und sein im Verein mit Direktor Dr. 2 an & mann und mit Dr. Zimmer, dem späteren Direktor der Real­schule in Bad-Rauheim, bei dem wchulhaufe tn der Schiller st raße geschaffener Schulgarten bildete eine sehenswerte Musteranlage. Später widmete er sich der Pflege des Knabenh-andsertigkeits- unterrichts. Was er mit dem ihm eigenen Feuer­eifer angriff, führte er mit großer Arbeits­freudigkeit und Pflichttreue durch. Sein liebens­würdiges und freundliches Wesen gewann ihrx. viele Freunde, sein bestimmter einfacher Cha­rakter sicherte ihm die Hochachtung seiner Mit­bürger. '

** Herr MichaelKehler, der Buch- drucker-Senivr des Gießener Anzeigers, be­geht heute seinen 70. Geburtstag. Dem be­währten Mitarbeiter wurde von der Ge­schäftsleitung, den Beamten des Hauses und seinen Kollegen die herzlichsten Glück- und Segenswünsche ausgesprochen. Die Kollegen des humorvollenAlten" hatten seinen Ar­beitsplatz in würdiger Weise geschmückt.

** Die Freiwillige SanitätS- kolonne hielt am vorigen Sonntag, vor­mittags 11 Ahr, ihre diesjährige Hauptübung ab. Die Spitzen der 'Behörden waren dazu eingeladcn. Der Hebung lag folgende Idee zugrunde: Im Rewrtenhaus des Gaswerks war durch einen Rvhrbruch viel Gas auö- geströmt, so daß einige der Arbeiter bewußt­los wurden. Die Freiwillige Sanitatskolonne wurde alarmiert und rückte, da sie gerade zu einer Hebung beisammen war, mit allen nötigen Hilfsmitteln nach dem Gaswerk ob. Die Aufgabe der Kolonne war, sämtliche Kranken und Verletzten so rasch als möglich aus dem 'Bereiche des Gaswerks zu bringen, und zwar auf die Verbandsplätze. Diese waren im Hofe des alten Stadthauses und in der Ostanlage eingerichtet. Auf den Verband­plätzen wurden sofort die Wiederbelebungs­versuche mit Sauerstoffapparaten und künst­licher Atmung angestellt und die erforderlichen Verbände angelegt Der Abtransport erfolgte mittels Krankenkraftwagen, Fahrrädbahre und den fahrbaren Tragen. Hm 11.25 Hhr waren die Kranken und Verletzten geborgen und dem angenommenen Krankenhause (Sonnenstr. 2, Depot) Angeführt Hier hielt Herr Kolonnen- arzt Dr. Gros die Krittk ab und erwähnte lobend das rasche Eingreifen der Kolonne, die gewissenhafte Arbeit der einzelnen Mitglie­der sowie die Litte Funktion der Rettungs-- apparate und der Transportgeräte. Die Ko­lonne dürfte auch im Ernstfälle ihrer Aufgabe gewachsen sein.

Vorrwtizen. .

Tages kalender für Donners­tag. Astoria-Lichtspiele, 81/2 Hhr: Der Ein- sternfilm. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tingel-Tangel".

DieAstoria-Lichtspiele teilen uns mit, daß der Ein st einfilm wegen großer Rach- frage heute abend um 81/2 Hhr nochmals vor­geführt wird. Studenten und Schülern wird eine Ermäßigung von 30 Prozent auf allen Plätzen ge­währt, ledoch müssen diest im Besitz eines Aus­weises seitens der Schule oder Hniversitat sein.

Landkreis Gießen.

O.M. Bersrod, 11. Juli Bor Jahres­frist schon hatten die Herren Wilhelm und Lud-

Schütz spielte eine Dachsche Fuge," erzählt er in dem Bericht, der sofort danach von ihm zu Papier gebracht wurde.Reben ihm saß ein großer stattlicher Mann am Klavier, den Ober» törber etwas vorn übergeneigt, ganz tn QKufii versunken, den weihevollen Klängen lauschend ... Die Fuge war zu Ende, Schützens Blick traf mich. Der alte Herr am Klavier faß noch immer still in sich gekehrt. Jetzt schien er etwas gebückt, ein Zclterscher Schüler aus Berlin," stellte mich Schütz vor. Der seltsameHerr schien aus dem musikalischen Traum, der ihn umfangen, zi er­wachen. Lebhaftes Interesse schien die Erwähnung von Zelters Ramon horvorzurufen. Er sah mich an, durchdringend, doch in endlich gütig. Dec lange braune Rock, beim Sisten bis zur Erde reichend, gib ihm ein noch würdigeres Aussehen." Beyer muß nun verschiedenes fingen. Als etwas von Beethoven dran kommt, sagt dec alte Herr: Recht so, Beethovens werden wir uns stets besonders zu freuen haben." Rach dem Mufi- zieren spricht dann der Herr, -in dem Beyer mit Recht Goethe ahnt, mit voller sonorer Stimme bedeutsame Worte über Musik.Ja, tote haben etwas in uns, das hinaus- ntb hinauftoeist. An das Allgemein-Me» sHlicho in uns rührt die Musik. Es kommt nun daca cs an, das Thema zu entwickeln und die Gedanken tn die Vielheit Kes tätigen Geschehens aufzunehmen. fo daß sie uns innrer gegenwärtig erhalten bleiten. Die Musik ist immer gegenwärtig, Schütz. Aber das Gute, das wir hören, ist geeignet, den Boden aufnahmefähig 8-1 machen, daß er dann als sich selbst die Frucht zeitige. Wie ein guter Lcmv- mann für den Acker sorgt, müssen wir stets bedacht fein, der Emplänglichkeit. in uns vorzuarbeiten,

toig Graulich und Wilhelm Münch de» Oberhessischen Museum zu Gießen eine hübsche Sammlung von Steinbeilen aus unserer Ge­markung geschenkt: dazu tarnen kürzlich vier wei­tere Stücke, von denen zwei ebenfalls die Herren Graulich, zwei weitere die Surren Wichelm Find und Ludwig Döring beim Ackern ge­funden haben. Diese Zeugen jiralicr Besiedelung unserer Gemarkung entstammen jener Zeit vor mindestens 4000 Jahren, in der unsere Vorfahren noch fein Metall kannten und statt dessen aus Stein die wichtigsten Geräte herstellten. Hoffent­lich werden auch bald noch die kleinen Messer- chen und die seinen Pfeilspitzen aus Feuer­stein gefunden, die man von anderen Orten Ober- Hessens schon zahlreich hat (z. B. von Rieder- Bessingen): besonders wichtig wären Scherben­funde, die mit Sicherheit die Wvhnstätt en anzeigen würden: sie sind nicht an der Stelle des heutigen Dorfes, sondern, wie schon die Stein- beilfunbe anbeuten, auf hoher gelegenen Plätzen seiner Hingebung zu suchen, wo nach Ausweis der in den Wäldern erhaltenenH ü n e n g r ä - b c r" auch noch 1000 Jahre später Manschen ge­wohnt haben. Einige Einwohner unseres Dorfes, die sich dasür interessieren, wollen demnächst das Oberhessische Museum im Allen Schloß zu Gießen besuchen, um dort dio Altertümer sich erklären zu lassen, die von so entlegenen Zeiten berichteten.

i. Hattenrod, 12. Juli. Die von der Firma R i n ck e r - Sinn gelieferten beiden Br 0 nce gl 0 cken kür unsere Kirche sind etngetrof» fcn. Die Glockenwekhe findet Sonntag, den 23. Juli, nachmittags statt. 1

* Langsdorf, 12. Juli. Am 15. Just werden es 40 Jahre, daß Oberpostschafftier Köhler vvn hier ununterbrochen tm Pvstdi. enst tätig war. Am 1. September d. IS. tritt er in den wohlverdienten Ruhe- stand. -

Kreis Alsfeld.

fpd. Alsfeld, 12. Juli. In der Stadt- Vorstandssitzung wurde bemängelt, daß die Stadt noch keine schwarz-rot-goldene Fahne angeschafft habe. Der Vorsitzende er­klärte, daß ein entsprechender Antrag früher vom Anttagsteller selbst zurückgezogen worden sei und daß man sich dahin geeinigt habe, bei festlichen Anlässen nur Die Stadtfahne und die Landesfahne zu verwenden. Ein jetzt von sozialdemokratischer Seite gestellter An- trag auf Beschaffung einer Fcchne in den Reichsfarben wurde von anderer Seite dahin beantwortet, daß man mit Äußerlich­keiten und Druckmitteln einer Sache nicht diene. Der sozialdemokratische An­trag wurde mit 16 gegen 5 Stimmen aJbgc-- lehnt. Die Stadt Alsfeld wird also auch künf- tig in den Stadt- und Landesfarben flaggen.

Kreis Friedberg.

* Bad-Rauheim, 12. Juli. Brm den sieben mehrheikssozialdemoftatischen Stadtverord­neten sind zwei bereits vor geraumer Zeit aus der Partei ausgeschieden, aber im Stq dtvarkamen t verblieben, darunter ein alter, besonnener Fübrer der Partei aus der Vorkriegszeit. Run haben in einem Schreiben an den Partewvrstcmd auch die übrigen fünf sozialdemokratischen Stadtverordneten chr Verbleiben in der Partei und in ihren Aemtern von der Bx- dingung abhängig gemacht, daß ein hiesiger Gewerkschaftssekretär, mit dessen Hand­lungsweise man sich nicht 'einverstanden erüären will, ausgeschlossen wird. Anlaß zu diesem Schritt der sozialdemokratischen Stadtverordneten- fraktivn gab das Verhalten einiger Parteimit­glieder und Funktionäre bei der letzten Demon­stration. Die Rückäußerung des Parteivor- siandes soll bis zum 15. Juli erfokjen. All­gemein ist man auf den Ausgang biejer Ange­legenheit gespannt.

Heffeu-Naffau.

Bemerkenswerte Erklärung des S. P. D.-Dor» standes für Hessen-Rassau.

tob. Frankfurt a. M.. 12. Iili. Der s n - zialdemokratis che Bezirksvorstand für Hessen-Rasfaic hat gegen die in« liebsamen Vorfälle Stellung genommen, die sich anläßlich der Demonstration zum Schutze der RepibM zigetragen haben. Der Parteivocstand richtet an seine Mitglieder die Antoeisung, streng daracs zc achten, daß der­artige Ztoifchenfälle nicht wieder in Erschünung treten. In private Wöhnungon jrfb be-

165 Millionen Mark rreue Gehalts- uni Lohnzulagen.

fpd. Frankfurt a. M., 12. Juli. Dis neuen Gehalts- und Lohnzulagen für die städtischen Beamten und Ange­stellten belaufen sich auf 65 Millionen Mark, die für die Arbeiter auf 100 M i l- lionen Mark.

bamtt das Erfreuliche Tjerbortrere." älnd dann fährt er. auf dieOskerbotschaft" hindeitend. fort: Dos Auferstehen aus dem Geist ist nun eine Sache, die leichter verständlich werden mag, wenn wir erst der iGrundbedingangen uns bemächtigt haben. Die Religion ist geeignet, tiefere Vor­stellungen ans zu vermitteln, als man gemeinhin und auf den ersten Blick annehmen möchte. Alles weist auf eine Osterbotschast in uns hin, wie sie bedeutenden Mo. schen in besonderer Stärke wach geworden sein mag, und deren Spuren nachzu- gehen keine alltägliche Beschäftigung sein dürfte' Das Heraustreten aus der Hülle, die uns um­gibt, die Gemeinschaft mit größeren Geistern ist das vorzüglich Wünschenstoe: le, das dann als tief innere De ätigung des S.elischen meinetwegen auch in musikalischem Sinne- sich äußern cnd verstanden fein mag. Im Gott-Menfchlichen )uii> die letzten Gründe dafür gegeben, und so dürfte denn das Göttliche in jeder höheren künstleri­schen Manifestation zum Ausdruck gelangen." Goethe äußert dann noch allerlei Gedanken, die an Spinoza anklingen, und wendet sich gegen neuere Anschauungen über Literatur und Musik, von denennur Mißmut und Enttäuschung als Rest und Bodensatz bleiben." Als Goethe geht,' verabschiedet er sich freundlich von dein jungen Manne und sagt ihm:Fahren Sie fort, tote Sie begonnen haben: an tüchtigen Lehrmeistern fehlt es in Berlin nicht. Hnd bedenken Sie stets, baß die "Musik uns keine andere Kunst oder Be­tätigung ersetzen kann, fommt sie doch unmittel­bar aus dem Inneren unb rührt den Mensche» an ferner empfindlichsten Stelle. So wird sie zur universalen Kunst, aus der wir alle andere^ zu verstehen haben."