Druck und Verlag: Vriihl'sche Univ.-Vuch- und Stetndruckerei R. Lange. §chnft!ettung, GeschästsfLelle und Druckerei: Zchulstratze 7.
Vizepräsident Dittmann.
Ruhrort.
Die Haltung Frankreichs.
Da die Handschrift, mit der sich die beiden iml^l
Schöninger Gasthaus eingetragen haben, mit jener jähre 1922 schon jetzt (Ulf 11
der Deutschen Vollspartei zu-
Verständigung Ruhrgebiet?
Eine im
mit Zustimmung stände.
In einer Bemerkung der natl. Korresp. über den bekannten Zwischenfall im Reichstag, als der Vizepräsident Dittmann den Abg. Kahl auf- forderte, nicht so provozierend zu sprechen, heißt es:
Die an sich durchaus maßvollen Ausführungen Dr. Kahls waren namentlich den Unabhängigen, aber auch zum Teil den Mehrheitssozialisten so unbequem' daß sie sich in einem dichten Haufen um das Rednerpult drängten und die Ausführungen Kahls durch lärmende Zwischenrufe zu ersticken suchten. Als sich Bizepräsident Dittmann hierum nicht kümmerte, wandte sich der Redner um und ersuchte den Präsidenten, die ihm so nahestehenden störenden Zwischenrufer zum Aufsuchen ihrer Plätze aufzu- fcrdern. Herr Dittmann entblödete sich nicht, knter dem Deifallsgeheul seiner Parteigenossen, dem volksparteilichen Redner zu sagen, er solle nicht so provozierend sprechen und dadurch die Zwischenrufe der Linken Hervorrufen, was natürlich bei der Deutschen Volkspartei in erster Linle, aber auch bei den bürgerlichen Koalitionsparteien
übereinstimmt, die zuletzt in Lenhen an der Elbe als die der beiden Mörder einwandfrei fest-
Lcmt „Lokalanzerger" teilt der Reichspostminister in einer Sitzung des Postgebührenausschusses des Reichstages mit. daß sich das Defizit der Postverwaltung im Rechnungs-
geben haben. Sie haben in Schöningen, südlich von Helmstedt, am Dienstag übernachtet und sind am Mittwoch vormittag weitergefahren. Da die Handschrift, mit der sich die Beiden ;~
stelle. Gleichzeitig kündigte der Reichspost- minister neue Erhöhungen der Gebühren mit Wirkung vom 1. Oktober an. Der Sparkommissar der Reichspostverwaltung Pvstrat Rindsland' erklärte, daß das Personal
Essen, 12. Juli. (WTB.) Die Verhandlungen über die Streitfrage im Manteltarrf des Ruhrkohlenbergbaues, die tun 11. Hili im Gebäude des Zechenverbandes unter Leitung des Reichsarbeitsministeriums begonnen hatten, haben heute zu einer vollen Verständigung geführt. Die getroffenen Vereinbarungen bedürfen noch der endgültigen Zustimmung der beteiligten Verbände, die bis zum 15. Hutt zu erwarten ist.
Die deutsche Note
<m die Reperrationskommisfion
oder Landes einzuwirken. ,,
4. Solche Handlungen nach Rr. 1—3 per vvr- gedachten Art bei dienstlich unterstellten Personen zu dulden.
Die Annahme dieses Paragraphen kam auch
ar. 162
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Rede fortsehte mit den Worten: „Ich, werde fort» fahren, nach tote vor ruhig und sachlich zum Ge-
Der Hunger in Rußland.
Genf, 12. Juli. (WTB.) Wie dem Genfer internationalen Hilfskomitee für Rußlandhilfe von dem Delegierten Ransen in der Krim mitgeteilt wird, zählte man dort am 4. Juli etwa 370 000 Hungernde, darunter 185 000 Kinder. Diese Zahl hat sich infolge der Sterblichkeit, zum Teil aber auch infolge der lokalen HilfStätigkeit, Ende Huni etwas verringert. Etwa 100 000 Kinder und 60 000 Erwachsene werden gegenwärtig durch die lokalen Hilfsorganisationen ernährt. Die Sterblichkeit beträgt in gewissen Gebieten der Krim 50 Prozent der Bevölkerung. Hn vielen Dörfern sind sämtliche Bewohner bereits aus gestorben.
Die Haager Verhandlungen.
§cftg, 12. Hutt. (WB.) In der heutigen Vonnittagssihung der ^Interkommission für das Privateigentum erklärte der Vorsitzende Lord Gream, oaß infolge der Antwort Litwinows auf die ihm gestellten positiven Fragen es keinen Sinn hätte, wenn diese Llnterkommission die Beratungen fortsetze und daß er fick' mit feinen Ko gegen darüber unterhalten würde was jcht zu tun übrig bleibe
gur Frage der Koalitions- erweiterung.
Die Sozialdemokratie besteht ans Eintritt der Unabhängigen in die Regierung.
Berlin, 12. Huli. Im Reichstag fanden heute Besprechungen der Gewerkschaften mit den sozialistischen Parteien statt, wobei die Gewerkschaften erneut ihre älnzufrieden- Hett mit dem Ausschußbeschluß zum republikanischen Schutzgeseh ausdrückten. Die Sozialdemokraten betonten, daß sie unbedingt auf der Erweiterung der Koalition nach links bestehen werden. L>em Reichskanzler wurde von diesem Beschluß Mitteilung gemacht, worauf dieser sich sofort mit dem Reichspräsidenten in Verbindung setzte und ihn c r s u ch t e, nach, Berlin zurückzukchre n.
fetzentwurf zu sprechen."
Das Beamtengesetz zum Schutze der NepudLik
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34 mm Breits örtlich 150 Pf., auswärts 180 Pf.; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 500Pf. Bei Platz, Vorschrift 20 °/0 Aufschlag Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen TeU: Ernst Llumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.
Die Mörder MQthenaus.
Berlin. 12. Huli. (Wolff.) Amtlich. Die Mörder Rathcnaus. für deren Ergrsisang und Einlieferung die Reichsregierung eine weitere Million als Belohnung ausgesetzt hat, befinden sich zweifellos noch in Mitteldeutschland. Sie werden voraussichtlich versuchen, ihre Absicht, auf Fahrrädern Süddeutschland zu erreichen. wahrzumachen. Einer von ihnen, der 26- jährige, in Florenz geborene Ingenieur Hermann Fischer, ist 1,75 Meter groß, hellblond, hat braune Augen, ovales, eingefallenes, braungebranntes Gesicht, spricht säch'ischo Mundart, trägt braunes Jackett oder bochgLichlofiene -'xün-
lich« Sommerjoppe, graue Militärhosen, Waden-1 Anmakuna des Kenerals der strümpfe, schwarze Schuhe, grauen, weichen W x • X • L
Hut und hat ein Fahrrad mit sich, auf dem deri interalliierten ^rappen in Duiöburg-
Berlin. 13. Huli. (Pnvattel.) Rach einer Meldung der .„Deutschen Allgem. Ztg." veröffentlicht der kommandierende General der interalliierten Truppen im Bezirk Duisburg-Ruhrort eine Verordnung, durch die die ehemaligen OffizierederdeutschenArmeein seinem Befehlsbereich gezwungen werden, sich vor einer von dem General zu ernennenden Kommission und von einem• von ihm zu bestimmenden Zeitpunkte zu melden. Hede äleberttetung dieser Vorschrift zieht eine Gefängnisstrafe bis zu einem Hahre und eine Geld strafe bis zu 10 000 Mark nach sich. Wie das Bsatt hierzu mitteilf, sind gegen diese Vervrd nung, die nicht allein dem Friedensver- trag, sondern auch jeder Völkerrecht lichen Gepflogenheit widerspricht von deutscher Seite energische Vorstellungen erhoben worden.
gestellt worden ist, dürfte es sich um. die richtige Spur handeln. Die beiden Mörder sind weiter mit der Dahn über Quedlinburg in der Richtung nach T h a l e gefahren, haben aber kurz vor Thale den Zug verlassen. Die Polizei ist ihnen andauernd dicht auf den Fersen.
Manfred v. Killinger wieder freigelassen.
Berlin. 12. Juli. (WTB.) Manfred v. Killinger ist vom Untersuchungsrichter freigelassen wvrden. Er ist nach Prerow (Ostsee) zu seinen Angehörigen, wo er verhaftet wurde, zurückgefahren.
Zum Anschlag aus Harden.
Berlin, 12. Huli. (Wolff.) Auf die Ergreifung des früheren Oberleutnants Anker- mann, welcher bei dem Anschlag auf Maximilian Harden beteiligt war, ist jetzt eine neue Belohnung von 100 000 Marl ausgesetzt worden. Hardens Befinden ist der .D. Z." zufolge noch immer bedenklich. Die acht Kopfwunden heilen schwer und Professor Borchardt hat größte Ruhe verordnet.
’ Aus Dem Reiche.
Das Ende des Berliner Duchdruckerstreiks^
Berlin, 12. Huli. Rach gtoölftägiger lln- terbrechung, durch den Buchdrucker streik veranlaßt, ist die Berliner bürgerliche Presse heuto abend nach der Beilegung des Konfliktes wieder erschienen.
Der Arbeitgeberverband für das Berliner Zeitungsgewerbe veröffentlicht eine Erklärung, worin er u. a die Hoffnung ausdrückt, daß der nunmehr beendete schwere Kampf den Zweck erreichte, der Arbeiterschast mit aller Klarheit vor Augen zu führen, daß die Aufrechterhaltung der seit Hahrzehnten bestehenden Tarifgemeinschaft der deutschen Buchdrucker letzten Endes im wohlverstandenen Interesse sowohl bei- Arbeit gebet als auch der Arbeittlehmei- liegt. Der „Vorwärts", der die materiellen Forderungen der Buchdrucker an sich billigt, wirft ihnen politische Einsichtslosigkeit vor, In derb er es u. a. als unmöglichen Zustand bezeichnet, daß die gesamte deutsche Fi- nanz Wirtschaft durch das Bestreiken der Reichsdruckerei und die Durchführung der republikanischen Schuhgesetzgebung durch die Stillegung des Reichs- und des Preußischen Staatsanzeigers gelähmt wird.
Bor einer neuen Postgebührenerhohung.
Berlin. 12. Huli. (WTB.) Im Rechts- a u s s ch u ß des Reichstages wurde heute der Gesetzentwurf über die Pflichten der Beamten zum Schuhe der Republik beraten. Angenommen wurde von der Reichsregierung die vorgeschlagene Aenderung der Fassung des § 3 des Reichsbeamtengesetzes, in dem es heißt: Heder Reichsbeamte ist auf die Reichsverfassung und auf gewissenhafte Erfüllung, aller Obliegenheiten des ihm übertragenen Amtes eidliche zu verpflichten.
Paris 13 Huli. (WTB.s Havas be-! Wird die Eidesleistung verweigert so ist die Errichtet über 'die gestrigen in der Reparativ ns- I neu nung des Beamten m die Rechtsverhaltmffe kommissivn geführten Verhandlungen, es scheine zum Reiche nichtig. Rach längerer Aussprache sich innerhalb der Kommission eine Mehrheit wurde auch der m das Rerchsbeamtengeseh neu zugunsten eines neuen Moratoriums einzufügende § 10 a in folgender Fassung ange- gebildet zu haben. Aus alle Fälle sei es ver- nvmmen: Der Reichsbeamte ist verpflickftet, m ftüht, anzunehmen, wie man es in London tue. seiner amtlichen Tätigkeit für verfassungs- daß die französische Regierung schon jetzt geneigt mäßige republikanische Staatsgewalt ernzutEen sei, Deutschland einen Teil seiner Schulden zu und hat alles zu unterlassen was nut ferner Steter lassen. Weder über einen Zahlungsnachlah, hing als Beamter tex "Rüpubiit m^jt zu vereinen noch über eine internationale Anleihe zugunsten I ist. Insbesondere ist ihm untersagt.
Deutschlands, die man in denselben englischen 1. Sein Amt o'der die ihm fraftjemer wtel- Kreisen ins Auge fasse, könnte entschieden wer- lung zugänglichen Einrichtungen fstr Bestrebungen den ohne daß vorher, wie es der Derttag vor- zur Aenderung der verfassungsmäßigen repubtt- schr'eibe, die Reparationskommission ihre Ansicht kanischen Staatsform zu mißbrauchen.
über dieses ernste verwickelte Problem ausge- 2. Bei Ausübung seiner Amtstätigkeit oder sprachen habe, da die letztere ins Auge gefaßte unter Mißbrauch seiner amtlichen Stellung über Maßnahme eine Sanierung der deutschen Finanen die verfassungsmäßige, republikanische Staats- zur Voraussetzung labe. Der Zahlungsnachlah für form, die Reichsflagge oder über die Verfassungs- Deutschland sei von dem Erlaß der inter- mäßigen Regierungen des Reiches oder Landes allii'erten Schulden abhängig. Erst nach- zur Bekundung der Mißachtung Aeußerungeii dem man die Ansicht der Reparationskommission zu tun, die geeignet sind, sie in der öffentlichen leimen werde, könnten die alliierten Regierungen Meinung herabzusetzen.
mit Ruhen darüber beraten. Man kündige in- 3. Bei Ausübung seiner Amtstätigkeit oder dessen von London aus an, das englische Kabinett unter Mißbrauch seiner amtlichen Stellung auf werde bei Pomcare vorstellig werden, daß er sich die ihm unterstellten' oder ihm zugewiesenen Bein den nächsten 10 Tagen nach London begebe, amten, Angestellten, Arbeiter, Zöglinge oder um eine englisch-französische Besprechung abzu- Schüler im Sinne der Herabsetzung der verhalten. Erst bann werde ein oberster Rat, in fassungsmähigen rch)ub.ikanischea Staatssvrm oder dem natürlich Italien und Belgien vertreten seien, | der verfassungsmäßigen Regierung des Reiches siattfinden. Dis gestern abend sei die französische Regierung von diesen Vorschlägen nicht unter- rtd^et worden. Man wisse nicht, wie sie dieselben, wenn sie erfolgten, ausnehmen werde.
allen Bestrebungen, innerhalb der achtstündigen Arbeitszeit eine Erhöhung der Arbeitsleistungen herbeizuführen, Widerstand entgegensetze. Die vorn Bereinfachungsausschuß vorgeschlagenen Maßnahmen ließen sich nicht durchfuhren, weil das Personal sich widersetze.
Starker Rückgang der deutschen Kohlenförderung.
Berlin, 12. Juli. Infolge der Ab» t.rennung Oberschlesiens und des gewalttgen Förderrückganges an der Ruhr fyit sich die inländische Steinkvhlenerzeugung sehr stark vermmdert. Alle Verbraucher in Industrie und Gewerbe sowie von Hausbrand werden dringend ersucht, sich'soviel wie möglich mit ausländischer Kohle einzudecken, sowett nicht Ersatz durch Roh- braunkvhle oder Torf geschaffen werden kann.. In Anbetracht dieser Rollage wird die eingeführte ausländische Kohle bis zum 31. Mär? 1923 von der Kohlensteuer befreit bleiben
Eine Aenderung Ver Ehescherdnugs- Vorschriften.
Die demokratische Fraktion deL Reichstags hat den Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Vorschriften über die Eh e f ch e i' düng beantragt. Der § 1568 des BJD. soll danach folgende Faffung erhalten: Ein Ehegatte kann auf Scheidung klagen, wenn eine so tiefe Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses besteht, daß keine begründete Aussicht auf Herstellung einer dem Wesen der Ehe entsprechenden Gemeinschaft vorhanden ist.
Die „Schlesische Gebiraszettimg" verboten.
H i r s ch b e r g, 12. Huli. (WTB.) Wegei Verächtlichmachung des Reichskanzlers ist ba? Erscheinen der deutschnationalen „Schlesischen Gebirgszeitung" vom Oberpräsidenten der Provinz Niederschlesien auf zwölf Tage verboten worden.
Die Fleischversorgung.
Berlin, 12. Huli Der amtliche Pr^ißischt Pressedienst veröffentticht folgende Auslassung des preußischen Landwirtschastsministers in ferner Eigenschaft als Staatskommissar für Dolksernah- rung: Die große Trockenheit des Vorjahres hat die Futterernte außerordentlich ungünstig beem- ftußt. Auch in diesem Hahre sind die Aussichten £- Raubiuttevernte nick»' a'm'tia. Die V"*
Rucksack und Mantel a.'.fgeschnallt sind.
Der andere ist der 24jährige Oberleutnant z. S. a. D. Erwin Kern aus Kiel, 1,65 bis 1,68 Meter groß, von untersetzter, kräftiger, breitschulteriger Gestalt, hat krrzgeschnittenes dankles Haar, volles, scharfgeschnittenes Gesicht, kleine Augen, dunkle, nicht zfiammengewachsrne Augenbrauen, ist bartlos, hat gerade Rase und trägt einen grauen Anzug wie ars Militär stoss (Pfeffer und Ärlz) oder ebensolche hochgeschlossene grünliche Sommerjoppe wie Fischer, ferner Kniehosen, graue Wickelgamaschen und schwarze Schih-?, hat ebenfalls ein Fahrrad, aus dem Rucksack und Mantkl aufgeschnallt sind. An sonstigen Sachen, mit denen sie ihr Aussehen verändern können, haben die beiden flüchtigen Mördm: noch bei sich: Ein grünliches Sporthemd mit gleichfarbigem ilm= legekragen, ein hellblaues Leinensporthemd, weiße weiche ilmfegehx-gen, braungrüne bzw. graugrüne Sportmützen, weiche Hüte.
Die Täter sind am 8. Juli in Lenzen über die Elbe geflüchtet und entfernten "sich dann in füMidyer Richtung nach Arendsee, vermutlich dann weiter auf Gardelegen zu. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie versuchen, nach Westen, also in die Provinz Hannover hinein (Lüneburger Heide) oder nach Osten in Richtung Genthin- Treuenbrietzen, Luckenwalde, Wittenberg, Torgau usw. in das Königreich Sachsen auszubiegen, um ihr Ziel, Süddeutschland, zu erreichen. Von denjenigen, die ihnen bisher Obdach und ünter- stützung gewährt haben, ist eine ganze Anzahl bereits festgenommen worden und sieht schwerer Bestrafung entgegen. Die Täter müssen dritte Personen zur Deschafftrng von Lebensmitteln, an denen sie anscheinend Mangel leiden, in Anspruch nehmen, vielleicht auch über Wege be= fragen.-
Die weiteste Oeffentlichleit wird aufgerufen, die Behörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Landleute, Eisenbahner und Forstbeamte werden gebeten, auf die Flüchtigen zu achten und ihre Wahrnehmungen ungesäumt der nächsten Polizeistelle mitzuteilen ober die Flüchtigen selbst zuzustellen. Eilige Angaben können telephonisch an die nächste erreichbare Polizeiverwaltung, Gendarmerie. das nächste Forsthaus oder an Amt Gardelegen, Rr. 64, gegeben werden.
Wie der „Vorwärts" über die Verfolgung der Rathenaumörder meldet, hat sich die Genthiner Spur nicht als richttg herausaestellt. Es ist vielmehr festgestellt worden, daß sich die beiden Mörder nach dem Harz be-
Berlin, 12. Huli. Die deutscheRegie- rung hat heute der Reparativnskom- missivn in Paris eine Rote überreichen lassen, in der festgestellt wird,' daß sich die Währungs- verhältn sse Deutschlands katastrophal zuungunsten Deutschlands verändert haben. Wenn die deutsche Regierung unter den jetzigen Umständen sich noch weiterhin ausländische Zahlungsmittel für Iftic ihr auferlegten Verbindlichkeiten im gegenwärtigen Umfang beschaffen müsse, so würde die Wertverminderung der deutschen Papiermarck noch rascher und unaufhaltsamer sortschretten und zur volllommenen Zerrüttung des finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens Deutschlands führen Die deutsche Regierung sehe sich deshalb außerstande, eine weitere Leistung von Barzahlungen auf Grund der Entscheidung vom 21.März in Aussicht zu stellen und stelle daher den Antrag, ihr die während des Kalenderjahres 1922 noch fällig werdenden --------,----- —o— , .
Barzahlungen zu stunden. Weiter wird und selbst in den Reihen der Mehrheitssoziattsten •inc Reparationskommission, was den am 15. Huli Entrüstung u. (Srbitteruitg heroorries. Es sei gleich fälligen Betrag angeht, von der deutschen Re- hier eingeschaltet, daß dem Abgeordneten gierung ersucht, ihr den Restbetrag von 33 Mil- Kahl von Vertretern aller Parteien lionen Goldmark, der unbedingt zur Bezahlung biszu denSvzialisten persönlich das der in den nächsten Monaten eintreffenden Aus- Bedauern über diese Haltung Di11- landsgetreidemengen nötig sei, zu belassen, da es manns- ausgesprochen worden ist, nur dann möglich sein werde, einigermaßen das weil sie mit den Erfordernissen eines Reichstags- Gleichgewicht in den sozialen Ver- Präsidenten nicht in Einllcmg zu bringen ist. Viel- hältnissen und Finanzen Deutsch- leicht nimmt der Aeltestenrat des ReichstagsDer- l a n d s herzustellen. Die deutsche Regierung sei anlassung, Herrn Dittmann einmal llar zu sich nicht im Zweifel darüber, daß zur Wieder- machen, daß er im Pr ä sidenten st u h l Herstellung dä Markkurses schleunigste Maß- nicht die Partei der Unabhängigen na^nien erforderlich feien, die auch über das zu vertreten, sondern über allen Parteien Hahr 1922 hinausreichen, und es sei unerläßlich, zu stehen hat. Die beste Abfuhr lieh ihm fofort daß Deutschland auch für 1923 und 1924 Herr Dr. Kahl zuteil werden, indem dieser ferne von Barzahlungen befreit bleibe. 3n 1 ^rt=
der Rote wird ferner erwähnt, daß sich die deutsche Regierung wegen einer anderweitigen Regelung der Ausgleichszahlungen an die beteiligten Regierungen wenden wird. Die 'Äepa- rationskommisiion wird gebeten, ihrerseits diesen Antrag bei den betreffenden Regierungen zu unterstützen. Die Entwickelung des MarKurses in der letzten Zett mache eine alsbaldige vorläufige Regelung der Barzahlungen notwendig, da eine Vlnterstüyung durch eine äußere. Anleihe nicht eingetreten sei. Die Regierung bittet, über den Stundungsantrag mit größter Beschleunigung die Entscheidung zu treffen.
Eine Reise Poinearss nach London?
Paris, 12. Huli. Die englische Regierung hat der ftanzösischen Regierung bis jetzt rwch keinerlei Mitteilung darüber zugehen lassen, daß es ihr erwünscht wäre, wenn Poincars sich zu einer Vorbesprechung über die Reparationszahlungen und den Markkurssturz nach London begehe.
(Elftes Blatt (72. Zayrgang Donnerstag, 13. ZM 1922
GietzenerAnMer
General-Anzeiger für Gberbeffen


