Ausgabe 
13.6.1922
 
Einzelbild herunterladen

Tfrrf diesem Wege getreten sie mit Den. wnrmo- «jstischen Demonstranten, etwa 2000, welche sie beschimpften, bedrohten und mit Steinen 'ind Stöcken angriffen, zusammen. D i e Reichswehr handelte in Notwehr, da sie fürchten muhte, Mann für Mann ent­waffnet zu werden. Die Schutzpolizei hatte drei Sperrketten gezogen. Zwei wurden von den Kommunisten durchbrochen, an einer drit­ten Kette wurden sie zum Stehen gebracht. Auf ihrem Rückzüge von hier ereignete sich dos Dorgefallene.

Aus dem Reiche.

Der Gesetzentwurf über den Mieterschutz.

Berlin, 12. Juni. (WTB.) DerSied- lungs-- und Wvhnungsausschuh des vorläufigen Reichswirt schaftsra- teS hat sich in seinen Sitzungen vom 1. und 9. Juni mit dem Gesetzentwurf über den Mieterschutz und die Mieteini­gungsämter beschäftigt- Er stellte fest, dah die Aufhebung der Mieterschutzgesetzge­bung solange nicht möglich sei, als das Miß­verhältnis zwischen "Angebot und Nachfrage bei Len Wohnräumen besteht. Der Gesetzent­wurf wurde mit einer Reihe Abänderungen: angenommen, die sich insbesondere auf die Möglichkeiten des Vermieters, auf Auf­lösung des Mietverhältnisses zu klagen und auf die Weitervermietung von Wohnräumen und die sogenannten Werkwvhnungen beziehen. Der Gesetzentwurf wird die nächste Vollversanun hing beschäftigen.

Zentrale Verhandlungen mit den Bergarbeitern.

Essen. 12. Juni. (WTB.) Nachdem in­folge der Ablehnung des Aeberschichten- und Lohnabkommens seitens der "Bergarbeiter die Voraussetzungen für diese Abkommen fortfal- len, sollen am 14. Juni zentrale Ver­handlungen mit sämtlichen Bergbaurevie­ren in Berlin stattfinden.

Kapp f.

Leipzig, 12. Juni. (WTB.) Den ..Leipziger Neuesten Nachrichten" zufolge ist der Generallandwirtschaftsdirektor a. D. Dr. Kapp heute morgen an den Fol­gen seiner Augenkrankheit gestorben.

Entdeckung einer geheimen Funkenstation.

Berlin, 12. Juni. Die Berliner Krimi­nalpolizei hat den Blättern zufolge im 3. Stock eines Hauses der Tllecksttaße wieder eine ge­heime Telefunkenstation entdeckt, die sich ein Techniker namens Albrecht angeblich zu Studienzwecken eingerichtet hat. Anter den von Albrecht aufgefangenen Nachrichten be­fanden sich auch Funkentelegramme aus Moskau.

Aus Hessen.

Rheinischer Parteitag der Deutschen

5 Volks Part ei.

f * Dingen. 12. Juni. Der 4. Parteitag der Deutschen Dolkspartei für den Bezirk Nheinhessen »sand gestern unter zahlreicher Beteiligung in der Stadthalle hierselost statt. Pfarrer Berck- Mainz-Mombach eröffnete die Tagung mit ernsten Worten des Aufblicks gegenüber der Notlage des deutschen Volkes. Es wurde eine Abordnung, ge­wählt, die am Fuße des Niederwald-Denkmals einen Kra^ niederlegte. Zu Vorsitzenden des Parteitages wurden gewählt Direktor Laute- s ch l ä ger - Worms, Dr. Alten do r f -Ndrinz und 3. P. Dem- Bingen. Der Geschäftsbericht und der Kassenbericht wurden zur Kenntnis ge­nommen und verschiedene organisatorische Fragen besprochen. Die neuen Satzungen wurden verab­schiedet, denen zufolge Nheinhessen in 2 Arbeits­gebiete geteilt wird, von denen das eine die Äreife Worms und Alzey bearbeitet, während die übrigen Kreise wie bisher von Mainz organisiert werden. Als Vorsitzender des rheinhessischen Pro- vinzialverbandes wurde unter großem Beifall und l^>haftem Dank wiederum Pfarrer Berck ge­wählt. Am Nachmittag fand eine Mitglieder­versammlung statt, die aus allen Tellen der Pro-

Mein Vetter Mus.

Roman von Richard Skvwrvnnek.

9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

»Bei diesen letzten Worten brach ihr die Stimme, Die Tränen stürzten ihr unaufhaltsam aus den Augen und sie wäre gefallen, wenn 'ich 'sie illcht ayfgesangen hätte. Da hielt ich sie nun in meinen Armen, ihr Köpfchen tag an maL.'zr Brust, und Ich spürte deutlich jedes Schluchzen, Das ihren Körper erschütterte.

»And wie ich rem anfing, sie mit milden Worten za trösten und zu beruhigen, da fanden sich unsre Lippen, und so standen wir denn eine ganze Welle .mb weinten zusammen und küßten uns, und aus dem Abschied wurde ein länger stummer Liebesschwur.

,Endlich entwand sie sich mir sanft aus den Armen, trat ein paar Schritte zurück; wie um sich vor mir und sich selbst zu schützen, und sagte leise: .And mm lassen Sie uns scheiden, Herr Daumlehner, auf Nie- und Nimmerwiedersehen i Der liebe Gott wird uns verzeihen, und ich werde die Erinnerung cm diese Stunde mein ganzes Leben lang bewahren. lin Weg ist mir vorgeschrieben. 3ch werde meinem Bräutigam alles sagen uird dann gehe ich unter die äarnv herzigen Schwestern.'

Das letzte sagte sie so bestimmt und fest, daß mir diese Lösung im Augenblicke als die allerbeste und natürlichste erschien. 3ch nickte also nur mit dem Kopfe und erwiderte ernsthaft. .Fräulein Helene, auch ich werde m einem Leben voll ernster Arbeit zu vergessen suchen, dar ein­mal das Glück so nahe an. mir vorübergegangen ist, daß es mich fast streifte. Hie:." dabei holt: ich die blaue Schleife aus der Brusttasche, ,neh men Sie dies wieder. Ich hatte es mir mgc< eignet, ohne zu wissen, daß ich damit die Nechte eines andern verletze. And rem leben Sie wohl für immer!'

3d) legte die Schläfe aus den Tisch, machte tzrnen ganz korrekten Diener, ging hinaus, ohne

Viry, sehr zahlreich besucht war Herr Dern begrüßte die Gäste im Namen der Ortsgruppe Bingen. Pfarrer Berck entbot herzliche Grüße den Rednern, die aus deut unbesetzten Gebiet er­schienen waren. Landtagsabg. Dr. Osann brachte in tnarmen Worten den Gruß des Landes­verbandes Hessen zum Ausdruck Sodann erhielt Landtagsabg. Frl Birnbaum - Gießen das Wort zu ihrem Vortrag überDas Gebot der Stunde". Die ernsten und von hohem vaterländi­schen Gefühl getragenen Ausführungen der Rcd- nerin fanden stürmischen Beifall. Neichstagsabg. Dusche (3sernhagen) sprach über die Deutsche Dollspartei und die wirtschaftlichen Fragen. Be­sonders behandelte er die Forderungen der Land- wirftchaft nach Beseitigung der Gctreideumlage. Er legte dar, in welcher Weise die Fraktion der Deutschen Vollspartei für die berechtigten 3nter- essen der Landwirtschaft und des Mittelstandes jederzeit eingetreten war und beschloß mit dem Ausdruck der Zuversicht, daß das deutsche Volk durch Arbett 'und nationale Gesinnung wieder zu Höhe steigen wird. Begeisterter Beifall dankte dem Redner. Es wurde sodann eine Neihe von Entschließungen angenommen, von denen die erste die unbedingte Treue zum Reich betont und alle Loslösungsbestrebungen am Rhein als Hochverrat ablehnt. Weitere Entschließungen sprechen der Reichstagsfraktion und dem Abg. Dr. Becker sowie der La.ndtagsftattion Dant und Anerkennung aus. Ferner wird gefordert die Abschaffung der Getreidcumlagc. und schließlich in einer weiteren Kundgebung dem Deutschtum im Osten brüDerliche Grüße entboten. Der Partettag wurde geschlossen durch einen schön verlaufenen Familienabend der Ortsgruppe Bin­gen, der wiederum Hunderte zusammen führte und in dem Pfarrer G re ber-Koblenz überDas Deutschtum der Tat" einen eindrucksvollen Vor­trag hielt.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 13. Zuni 1922.

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 7. Juni der Pfarrer Lic. Otto Herpel in Lihberg, Kreis Büdingen, zum Etudienrat an der höheren Mädchenschule in Offenbach. Ernannt wurde am 3. April der Rektor Peter Hieronymus zu Klein-Hausen zum Lehrer an der Volksschule zu Nieder-Olm, Kreis Mainz. Ernannt wurde apr 3. April der Schulamtsanwärter Heinrich Geiß aus (ju= gercheim, Rheinhessen, zum Lehrer an der Volks­schule zu Partenheim, Kreis Oppenheim.

< Zu den Sommer sondrrzügen. über die wir in Nr. 131 desGießener An- zeigers" berichteten, werden in Gießen für folgende Strecken Karten ausgegeben: 1. Für den Sonderzug Frankfurt Norddeich am 8. Zuli (Gießen ab 7.23 vorm.); Preise ab Gießen nach Emden 297 Mk., Norddeich 320 Mk., Borkum 485 Mk., Norderney 434 Mark, Langerovg 496 Mk. 3n Gießen wer­den zu diesem Zuge zunächst 100 Kar­ten ausgegeben (in Friedberg und Dil­lenburg je 25). 2. Zu dem Zuge Saar­brücken Trier Gießen Berlin am 9. 21 ugnft (Gießen ab 8.29 nachm.); Preis GießenBerlin 345 Mk.; es werden 100 Karten ausgegeben.

* Zur Bekämpfung der Wald­brände. Nachdem in letzter Zett durch Rauchen, Abkochen und Feueranzüirden im Walde zahl­reiche Waldbrände entstanden sind, hat das hessische Ministerium die Forstschutzbeamten an­gewiesen. alle Zuwiderhandlungen gegen das forstgesehliche Rauchverbot unnachsichtlich zur Strafanzeige zu bringen. Wer durch Aebertretung dieses Verbots einen Waldbrand verursacht, wird nicht nur wegen fahrlässiger Brandstiftung ge­richtlich bestraft, sondern auch für den Schaden zivilrechtlich haftbar gemacht.

** Entwendet wurde am 10. Juni in hiesiger Stadt eine goldene und eine sllberne Herrenuhr im Gesamtwerte von etwa 5500 Mark. Vor Ankauf wird.gewarnt. Sachdien­liche Mitteilung nimmt die hiesige Kriminal- Polizei entgegen.

** Die Ortsgruppe Gießen und Amgegend des Vereins für Deut - s che Schäferhunde veranstaltete am Sonntag im Schützenhause ihre erste, in allen

mich noch einmal umzusehen, und kam mir vor, wie ein Held."

Zosua schwieg und sah eine Welle auf den dunkeln Hof hinaus. Als er sich mit wieder zuwandtc, sah ich, daß in seinen Augen die hellen Tränen glänzten. 3ch hob mein Glas und stieß leise mit ihm an.

Hast recht, trinken wir eins das ist all- Wege das beste!" sagte er und stürzte hastig ein volles Glas hinunter.Möchte überhaupt gern wissen, weshalb ich all den alten Quatsch wieder ausgrabe, mit die Laune verderbe and dich lang­weile!"

3ch wollte etwas erwidern, doch er wehrte nur mit einer Handbewegung ab und fuhr dann von selbst fort:Siehst du, Bruderherz, wenn ich damals nicht zweiundzwanzig Zähre alt _gey wesen wäre und noch so ein rechter Laksch. wie ein junger Hühnerhund, der mit sich und feinen Knochen nichts Rechtes anzufangen weih, dann wäre es vielleicht anders gekommen. Zch hätte gesagt: .Mein liebes Fräulein, 3brcn Herrn Bräutigam auszuklären, das überlassen Sie ge­fälligst mir, und das mit der barmherzigen Schwe­ster ist mit 3hrer gütigen Erlaubnis ein Ans tun Wir haben <rns lieb, können ohne einander nicht leben und werden uns daher heiraten. Bastal''

Damals aber kam ich mir, wie gesagt, ganz stolz vor wegen meiner Entsagung und nament­lich auch der schönen Worte wegen, die ich dafür gefunden hatte. Die Reue und bessere Einsicht stellte sich erst ein, als wir mit dem Zuge schon ein paar Meilen hinter uns batten, und es zu spät war, noch einmal umzukehren . . .

Die nächsten Tage in Halle tarn ich natür­lich nicht dazu, mich viel mit meinem Liebes­kummer zu beschäftigen. Die 'Noriker, bei denen mir Waffen belegt hatten, lauter liebe, prächtige $cc[c, denen ich heute iroch ein dankbares Ge­denken bewahre, nahmen uns auf, wie drei eisende Prinzen, »und schleppten uns von einem Vergnügen zum andern Eie wußten gar nicht, was sie uns alles antun sollten, rnd Franz, als der getreue Ettehard, hätte nichts weiter zo un, als uns vor dem vielen Spiritus .md fernen Gefahren fürs Fechten zu warnen.

Tellen '.noylgelungene Pf osten sch au. Die 85 zur Schau gestellten Rüden und Hündinnen stellten durchweg edles, durchgeführtes Ma­terial dar, so daß jeder Schäferhundfteund befriedigt von dem Gesehenen, und jeder Züch­ter zufrieden mit den Erfolgen die Schau ver­lassen konnte. Es wäre zu wünschen gewesen, daß die Schau in den Kreisen Gießens, die den Schäferhund als Schutz- und Polizeihund brauchen, mehr Mrterstützung gefunden hätte.

** Lichtspielhaus. 3n dem FilmOK c n- schenopfer" kehrt das alte Thema:Hunger nach Gold" in neuer Variation wieder. Es blieb daher im wesentlichen den Schauspielern Vorbehal­ten. den Wert des Filmes zu bestimmen. Sie haben diese Aufgabe mit bestem Erfolge gelöst. Erschüt­ternd bringt Carola Toelle die Seelenstim­mung der geopferten und sich selbst opfernden Jane zum Ausdruck. Liebe zum Vater heißt sie dem eigenen Gefühl entgegenzuhandeln, bis die Kraft versagt, das Schwerste zu vollbringen.

V-rnotizen.

Tageskalen der für Diens­tag : Stadttheater, 7 Ahr:Scarnpvlo". Astvria-Lichtspiele:20 000 Meilen unter See."

Aus dem Stadttheaterbureau, wird uns mitgeteilt. daß das Lustspiel,Scam- po lv", das heute erstmalig in Gießen gegeben wird, gestern mtt großem Erfolg in Bad-Nau heim gespiett. wurde.

Zum Besten des S t u b c n 1. c heims findet am Freitag abend im Studenten­heim ein Kammermusikabend statt. Aus- führende: Frl. Zohanna Zimmermann (Klaviers, und das Streichquartett W. Schöttler (f. Anzeige).

Wettervoraussage fürMittwoch:

Wollig, kühl, vereinzelte Regenfälle, wech­selnde Winde.

Eine neue Druckslörung dringt von England vor, so dah die wolkige, kühle Witterung noch anhält.

Landkreis Gießen.

Lich, 12. Juni. Anter sehr starker 'Beteiligung wurde der Gründer und Leiter der hiesigen Eisschrankfabrik, Karl Reger, beerdigt, der in dem besten Mannesalter von 45 Jahren unerwartet starb. Da der Ver­storbene fett 15 Jahren den Kriegervereins- bezirk Lich als Vorsitzender leitete, so gaben ihm mehrere Kriegervereine das letzte Geleite.

Ettingshausen, 11. Juni. Das am Samstag nachmittag zwischen 4 und 5 Ahr über unsere Gemarkung hinziehende Gewit­ter war mit einem Hagelwetter verbun­den, das einigen Flurschaden anrichtete. 'Be­sonders unglücklich aber war es, daß der Blitz auf der nahen Kolben mühle in das Besitztum des Muhlenbesitzers Otto Bräuning ein­schlug. Die Scheuer und Stallungen wurden bald ein Raub der Flammen. Glück­licherweise konnten das Vieh und die Acker­geräte geborgen werden, da eine größere An­zahl der tm Felde 'Beschäftigten bei dem Wetter auf der Mühle Anterkunft gesucht hatten. Dem raschen Eingreifen, unserer Feuer­wehr ist es zu verdanken, daß die Scheuer des vorderen Besitzers, Müller Bopp, gerettet wurde. Auch die Wehr von Harbach war bald zur Stelle und tat ihre volle Schuldigkeit, so daß beim Erscheinen der Hattenröder Feuer­wehr das Feuer auf seinen Herd beschränkt war. Ein beträchtlicher Schaden ist entstanden, da reichliche Hnp»' und Strvhvorräte ein Raub der Flammen wurden.

Langgöns, 12. Juni. Der Gesang­verein Germania veranstaltet am kommen­den Sonntag ein großes Konzert, bei dem die Herren Adolf Müller, Frankfurt, und Ernst Schneider, Gießen, sowie ein vorzügliches Salon-Orchester mitwirken. Volls- lieder, Kunstchvre, Gesairgsvrchester und Vio- linsolis füllen das reichhaltige Programm aus und versprechen einen genußreichen Nach­mittag.

Kreis Alsfeld.

tt. Alsfeld, 11. Juni. Dos diesjährige Za h ressest des Verbandes der evange­lischen Kirchengesangvereine für

Am Donnerstag endlich, ganz in der Herr« gottsfrühe, stieg in den Weinbergen draußen, einem Tanzlokal vor der Stadt, die V. ll.-Satte. Der Morgen graute kaum, als wir schon in ge­schlossenen Wagen hinausfuhren. Heimlich inb auf Umwegen, denn dort patzten die Gendarmen und Pedelle den Herren Studiosen scharf aas das Handwerk', anders als bei uns, wo sie die Pcmkm gewissermaßen wohlwollend favorisierten . . .

Als wir ankamen, fanden wir bereits, eme zahlreiä« Korona in dem Sqale. Den ganz-ea Hallenser S. C..' viel 3nakttve von auswärts, etliche Kamele unb eine.rze Schar von Phu- listem, die das Mensuriiebihen als Sport be­trieben.

Ansre Gegner standen drüben bei den West­falen, ihrem befrciinbeten Verhältnis. Es waren drei ganz stattliche Barschen, die nicht so aus- sahen, als wenn sie sich ohne stramme Gegen­wehr hi nab tun lassen würden.

Franz betrachtete sie eine Weile uni) faßte dann das Resultat seiner Prüfung in die Worte zusammen: .Na, Gott sei Dank, ich hatte schon gesiirchtet, es würden drei Knirpse sein, mit denen wenig Staat zu machen wär!'

Die erste Pauke, die nun stieg, war gewisser« matzen uns zu Ehren arrangiert, damit wir einen Begriff davon bekämen, wie in Halle gefochten wird. Es war die beste Partte, die sie auf stellen fcunten, die beiden Ersten der Altmärker und Preußen. Sie fochten sehr tapfer, standen gerade­zu tadellos, aber es war doch kein rechter Sttl in der Geschichte

Als die beiden so in ber zehnten Minute teeren sie paukten aus, obwohl ihnen das Blut fast in den Stiefelschäften stand sah Franz mich von der Seite an und sagte in seiner trockenen Weise: .Viel Holz uwd wenig Kunst! Sollten mol bei uns in Königsberg ein Semester lang flei ig Privatstunden nehmen.'

Dann ging er hinüber ia die Ecke, in der die 'Nortter ihr. Lager aufgeschlagen hotten, und li'-tz sich bandagieren, denn er kam jetzt an die Reite. Wie er das Hemd auszog und in ber ganzen prangenden Herrlichkeit seines wohlge­bauten ijÜHflltngaiörpers baftanfrt lief durch die

Hessen wurde heute fn unserer Stadt abgehale len. _zum erstenmal wieder fett 1838. 3n dem liturgisch ausgestalteten Festgottesdienst in ber Walpurgiskirche am Vormittag trugen die ver­einigten Kirchengesan'gvereicl.- von Alsfeld. Engelrvd. Kirtorf, Lauterbach, Ober­gleen, Romrod. Schlitz und Wahlen un­ter Leitung von Kirchen Musikmeister Prof. D Mendelssohn- Darmstadt vier machtrg wir-- 'ende Massenchöre vor, geistliche Volkslieder von Hans Sachs, Heinrich Schütz 3. D. Herrnschmidt und 3. W. Frank (nach Bearbeitung von A Mendelssohn). Die sehr ansprechende Festpredigt von Pfarrer Marx- Darmstadt vertiefte und befestigte im Anschluß an Zohs. 17, 2526 die durch Ehöre, Gemeindelieder und Liturgie ge­wonnenen Eindrücke der Freude an Gottes wun­derbarer Güte. Nachmtttags fand eine Nachwer'' sammlung in der Steinkaute, dem althergebrachten Feftplatz der Alsfelder statt, die ebenso wie der Festgottesdienst fetyr zahlreich besucht rso-r. Nach einem vom hiesigen Bläserchor vorgetragenen Choral fangen die Kivchengefangvereine noch ein­mal die am Vormittag $u Gehör gebrachten Chöre, bann begrüßte Pfarrer Hechler die Anwesenden und banftc dem Vorsitzenden des Verbandes für die Wahl Alsfelds zum Festort. Dann wechselten bei sich immer mehr erheiterndem Himmel Bor- träge des Dläserchvres und der Vereine von Als­feld, Doauerschwend, Engelrvd. Groß-Felda. Lauterbach, Obergleen, Romrod, Schlitz, Wah» len und Windhausen mtt Ansprachen deS De­kans Dr. Anverzagt und der OberLonfistortal- rate D. Flöring und D Petersen, bte ber Sache der evangelischen Mrchengescmgvereine recht fiele neue 'Freunde wünschten

Kreis Lauterbach.

Hörgenau, 11. Juni. Zum Ge» meinderechner wurde Landwirt Johan­nes Ochs gewählt. Die Ortskrankenkasse für den Kreis Lauterbach wurde Karl Köhler von hier zur Verwaltung übertragen.

Aus dem Vogelsberg, 11. Juni Holz für England muffen die Wallrun- gen des Vogelsbergs liefern; es handelt sich um Z0 000 Stück Eisenbahnschwellen in Kie­fernholz und 35 000 Sch wellend lvcks.

Landenhausen, 11. Juni. Lautertal-Sängerbund hielt ein großes Bundesfest hier ab, das von 20 Vereinen der Amgegend besucht war. Zugleich feierte der hiesige Gesangverein Sängerkreis fein 30jähriges Gründungs - Jubiläum.

Kreis Schotten.

[j Gaubad), 11. Zuni. Einen hohen Kmssi genuf) bot am verflossenen Mittwoch im ^Solmser Hof" abends 81 f» Ahr das Konzert derM a b r i * gotüeretnigung aus Darmstadt. Diese Vereinigung beztvectt, die reichen Mhätze ber Literatur des unbegleiteten mehrstim­migen Gesangs ber verflossenenvier Jahrhunderte wieder- zur Gell mg zu bringen. Die einzelnen Stücke wurden vor dem musikalischen Vortrag von dem Letter des Kon­zerts, Herrn Dr. 'Noack, durch Linführende Er­klärungen erläutert. Alle Stücke wurden in voll­endeter Weise wiedergegeben. Bis zum letzten Stück des ausgedehnten Programms er hielt sich in den einzelnen Stimmen die vollkommenste Reinheit. Reicher Beifall ber zahlreich aus Stadt und ümgegenb erschienenen Hörer folgte den trefflichen Darbietungen. Fast 3 -Sage, seit dem letzten Donnerstag, herrschte in unserer Stadt eine s ch were Wassern ot. Die Was, e r - teitung war verstopft. 3n dieser Woche wurden bte Arbeiten an der neugefaßten Quelle (am Lardcnbacher Weg, 2 Kilometer nordöstlich ber Stabt) beendet. Hierbei machte man eine Probe des Wasserstandes und bewirkte zu dem Zweck eine Stauung in der Wasierkammer, indem man die Leitung durch einen mit einem Sack umwickelten Holzpfropfen schloß. Als dieser Holzpfropfen wieder gelöst wurde, strömte das Wasser mtt unerwarteter Stärke ein und riß. ein Stück des Sackes in das Lettungsrohr. Die Leitung war völlig verstopft. Nur spärllch and mühsam war bte Wasserversorgung der Stadt durch die wenigen noch vorhandenen Bruirnrn. Es mürben sofort die größten Anstrengungen gemacht, um das Hindernis aus der Letting zu entfernen. Heber 3 Meter tief mutzte ge­graben werden; der steinige Boden und die stark aus tretenden Daffermassen erschwerten die Ar­beit ungemein. Auch die gesamte Fe terwepr, die Pflichffeuertvehr und die Freiwillige, be* tciligte sich in dankenswerter W-eise an der Ar-,

Reihen ber Noriker ein Murmeln achtungsvoller Bewunderung. Aber, ich sage dir, es war auch wirklich ein wahrer Staat, die mächtige Brust and bte beiden Arme, wie aus Stahldraht g?* flochten.

3d> nahm mir unfern Sekundanten beisettr und bat ihn, sich mit dem von ber (Segenfeit» zu verständigen, damit sie ordentliche Gänge fechten liehen und nicht einsprangen. kaum daß der zwette oder dritte Hieb von jeder Seite ge­fallen.

ilnb nun kam die Mensur, die schönste, bk ich in meiner ganzen Studienzeit je gesehen habe.

^Nach ber Erledigung einer ganzen Reihe von Formalitäten weißt du, in Halle und überhaupt im Reich machen sie vorher ein großes Brimborium, bitten ein halb Dutzend mal 'im Silentium, veranstalten erst einen Ehrengang mtt Mühen und so Wetter - kam endlich ba£ Kvmr mundo: ,Auf die Mensur l 'Bindet die Klingen gebunden sind los!'

..Wie Hagelschloffen fielen die Hiebe, und ich sah gleich in den ersten Gängen ,zu meinet Befriedigung, daß ber Lateinier ein ganz respek' tabfer Gegner war. Er schlug schnell und kräftig, aber jene letzten Feinheiten, die das Fechten erst zu einer Kunst machen, teuren ihm noch nicht aufgegangen.

Minuten seine Haupttrümpfe zurück, schlug fein*

Franz hielt, wie gewöhnlich, in den erst« Serien von eleganten Doppelhieben, aber oha« besonders auf einen Treffer auszugehen. Er stu­dierte seinen Gegner und sietz sich von ihm unterschätzen.

Da, in der dritten Minute, so ganz nebenher eine elegante Doppelliefguart, die dem Qatoiniet zwei rote, feine Striche durch Kinn und Lippen zieht. Natürlich hall, bte Sekundanten svringer dazwischen, ber Paukarzl untersucht den Schaber­und laßt tvettergehen, obwohl aus dem einen Schmitz eine ganz rriedliche Heine Fontäne spritzt

..Jetzt wttd es mit cinemmal still in ber dichtgescharten Korona, in der es bis dahin ge* summt hatte, wie in einem Bienenschwarm. All« reckt bic Haffe und drängt sich dicht nach vorn zusammen. .

(FoEyung »olgr.K