Ausgabe 
13.6.1922
 
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Ur. 13t)

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Erstes Blatt

U2. Jahrgang

Dienstag, 15. Juni 1922

GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Ihnrf und Verlag: Vrühl'sche Univ. Such und Steinöruderei B. Lange. Schriftleitung, Seschäftrstelle und Vruderei: Schulftratze 7.

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(Ein Engländer über die französische Rheinpolitik.

DaS frühere Mitglied des englischen Par­laments, Joseph King, Mitglied der links­gerichteten Arbeiterpartei, machte 2lnfang Mai eine Reise durch das besetzte Gebiet und besuchte u. a. auch Eoblenz, wo er sich bei verschiedenen Behörden usw. ein­gehende Auskunft einholte. Nunmehr ver­öffentlicht er in der bekannten englischen Zeit­schriftThe Nation and the Athenäum" am 20. Mai d. 3- einen offenen Brief an den Herausgeber der Zettschrift, in welchem er u. a. ausführt:

Hinsichtlich der der militärischen Beset­zung zugrundeliegenden -französischen Politik kann man sich keiner Täuschung hingeben. Die Franzosen (und wenn man vom besetzten Ge­biete spricht, so istbelgisch" gleich­bedeutend mitfranzösisch", denn beide Länder scheinen eine durchaus ein­heitliche Politik zu befolgen) zeigen, wie Herr Pierrebvnt Nohes, der frühere Vertre­ter der Vereinigten Staaten bei der Rhein- landkommission, sich ausgedrückt hat,den festen Entschluß, letzten Endes aus dem Rheinlandfranzösisches Gebietzu machen". Zur Erreichung dieses Zieles be­dienen sie sich der verschiedenartigsten Mittel, die sich zwischen militärischer An­maßung und kulturellen Liebens­würdigkeiten (die altgewohnte französi­sche Methode: Zuckerbrot und Peitsche. Die Red.) bewegen.

Während die britischen 'VesatzungStruppen dauernd vermindert und die amerikanischen bis zum 1. Zuli abgezogen sein werden, verstärken die Franzosen ihre Be- sayungstruppen dauernd. Diese Verstärkun­gen an Kavallerie und Fliegertruppen und die sich daraus ergebenden erhöhten Anfvrde- nrngen an Quartieren, Häusern, Kasernen, Stallungen, Exerzierplätzen usw. stellen eine schwere Belastung dar. Man fragt sich, sind sie nur eine Vorbereitung auf die Besetzung des Ruhrgebiets?

Die französische Methode derfried­lichen Durchdringung" ist augenfäl­lig: französische Banken lassen sich in neuen, günstig gelegenen Bankgebäuden nie­der; französische Zeitungen erscheinen am Rhein; es gibt französische Lesehallen und Buchhandlungen, in denen jeder und alle willkommen sind und mit Propagandamateria! chauvinistischen Gepräges versorgt werden; man veranstaltet Vorlesungen, Konzerte, Qr- gclkvnzcrte, Militärkonzerte, Theatervorstel­lungen mit französischen Schauspielern, weni- ger zur Unterhaltung der französischen Sol­daten als zur Anlocirtng und Beeinflussung der deutschen 'Bevölkerung. Natürlich finden viele dieser Veranstaltungen auf Kosten der Deutschen statt, die somit für die Umwandlung ihrer eigenen Bürger in fran­zösische Staatsangehörige auch noch sesbst be­zahlen müssen.

Es herrscht eine dauernde Ein­mischung,- mittelbar und unmittelbar, in das polttische Leben Deutschlands, wohingegen Bewegungen, wie die sondcrbündlerischeUn­abhängige Rheinische Republik", mit Geld und auf andere Weise un­terstützt werden. Die Zeitungen werden ver­boten und mit Geldstrafen belegt. Landtags- abgevrdnete und andere Persönlichkeiten wer­den wegen Reden usw. beschuldigt und in Geldstrafe genommen; ganz abweichend von der in der brittschen Besatzungszone herrschen­den Eepflogenhei: und Gesinnung werden Versammlungen. Aufzüge und Kundgebungen untersagt; die Kriegsgerichte verhängen Ge­fängnisstrafen usw.

Durch die Verwendung von Kolo­nial truppen, meistens gelbe oder far­bige Afrikaner (keine eigentlichen Schwarzen oder Negroiden, von denen die meisten zu­rückgezogen worden sindh durch die erzwun­gene Bereitstellung und Einrichtung von Bor­dellen, durch Schließung öffentlicher Plätze usw. usw. werden die Gefühle und das mo­ralische Cmpsinden der deutschen Bevölkerung in gröblichster Wetse mißachtet.

Durch die französische Propaganda und durch die zunehmende französische Bevölkerung im besetzten Gebiet - sie nimmt zu, well jetzt brel mehr verheiratete Offiziere und Mannschaften mit zahlreichen Kindern und sonsttgem Anhang hier sind, als früher mögen sich vereinzelte Deutsche beeinflussen lassen; in ihrer Gesamtheit ist die Bevöl­kerung jedoch weniger als je geneigt, die Franzosen willkommen zu heißen'.

Nach dem Scheitern der Anleiheberatungen.

Beratungen der Reichsregierung.

Berlin, 13. Zuni. Wie die Blätter melden, lind gestern nachmittag mit einer Chefbespre- chung die Beratungen ÖerReichsrcgie- r u n g über die durch den Abbruch der An- lciheverhandlungcn geschaffene Lage eingelestct worden. Die Beratungen waren bisher nur insormatocischcr Natur. Staatssekretär Bergmann wird heute vormittag in einer Kabincttssihung über den Verlauf der Pariser Anleiheverhandlungen Bericht erstatten Wann der Reichskanzler die Regierungserklärung über die Verhandlungen mit der Reparationskom­mission abgeben wird, wird sich erst in der morgigen Sitzung des Aeltestenausschusses des Reichstags entscheiden

Die deutsche Leistungsfähigkeit 30 Milliarden.

Conbon, 12. Juni. Lord RiddellsSonn­tagsblatt" teilt mit, die Mehrheit des B a n» kierausschusses habe geurteilt, daß Deutschland dreißig Jahre lang 2 V» Gvldm illiarden zahlen könne und daß die Entschädigungsfroge lösbar wäre, wenn die Verbündeten dies als volle Zahlung annähmen. Der heutige Wert dieser Zahlungen wäre d r e i - ßigM illiarden Goldmark und der Ban- lierausschutz halte die Aufbringung mit Hilfe von Anleihen in dieser Höhe für möglich, womit Fran treich aus einmal bezahlt werden könnte, um so die Räumung des besetzten Gebiets und die wirtschaftliche Er­holung Deutschlands zu ermöglichen Der englische und der holländische Vertreter wünschten sehr daß in den Berit des Ausschusses diese Schätzung Der deutschen Leistungsfähigkeit ausge­nommen werden sollte. Aber 'Morgan sei da­gegen gewesen und von dem französischen und dem belgischen Dertreter unterstützt worden.

Die Stimmung in London.

London, 12. Juni, lWolff.) Der Bericht des Bankierausschusses erregt hier großes Auf­sehen. Die Blätter weisen in Telegrammen aus Paris auf die dort erzeugte Beunruhigung bin und geben allgemein ihrer Besorgnis darüber Ausdruck, daß durch die Schwierigkeiten des An­leiheproblems die Frage des deutschen Ver­zuges wieder in den Vordergrund trete. 3n den Leitartikeln der Presie wird der enge Zusammen­hang zwischen der Revarationsfrage und der Frage der interalliierten Schulden hervorgehoben.

DerSunday Erpreßt nennt den Be­richt des Ausschusses eine Bemerkung für Frank­reich und

einen sensationellen Angriff auf die Haltung Frankreichs

zur Frage der deutschen Reparationen. Der Plan der deutschen An leit'. sei infolge der halsstarrigen Haltung Franlreiäs von den Bankiers endgültig ausgegeben worden. Das Memorandum des Ban- kiermisschussLs irerse Dy ganzen Tadel für den Mißerfolg auf Frankreich. Von hervorragender Seite erfährt das Blatt, daß die Bankiers P o i n« c a v c eine Möglichkeit geben wollten, von seinem hohen Roß herabzusteigen. Außerdem will das Blatt wissen, daß Morgan und Herr Berg­mann eine kleine Anleihe für Deutschland vor­geschlagen hätten. Der deutsche Vertreter habe erllärt, eine Anleche an Deutsch'and im gegenwärtigen Lkugenblick würde zwecklos sein, La sich die Hauptgläubiger Deutschlands auch nicht in Uebercinftnmming befänden, Morgan sei der Ansicht gewesen, es lei in den Vereinigten Staa­te''. augenblicklich kein Geld für Deutschland vorhanden, da das verfügbare für die Finanzie­rung der (Sorte benötigt werde. Sir Robert K i n d e r s l e h Hobe gewünscht, daß man einen Teil der deutschen Schulden jetzt mobilisiere, und sei dabei von dem holländischen Vertrete: unterstützt worden. Schließlich habe jedoch dir Ansicht Bergmann-Morgan die Oberhand behal­ten. LautSanday Erpreß" ist die ernste Srite der Frage die, daß man jetzt erwarten müssg daß die .Franzosen erklären würden, Deutschland habe feine Verpflichtungen am "31. Ma i nicht erfüllt.

Anfragen und Erklärungen im Unterhause.

London, 12. Juni. (W.T'B.) 3m Unter­haus, das wieder zusammen getreten ist, fragte ein Parlamentsmitglied. ob die Regierung letzt über irgendwelche Fnformationen bezüglich eines angeblichen Militärbündnisses oder einer Militärkonvention zwischen D eutfchland und Rußland verfüge. Lloyd George ertoie- öertc, sowohl die deutsche als auch die russische Regierung hätten kategorisch das Bestehen eines solchen Bündnisies in Frage gestellt. Das Parlamentsmitglied Wedgewood fragte, ob die französische Regierung verpflichtet sei, keiner­lei erweiterte Sanktionen im Ruhrgebiet oder in Frankfurt zu ergreifen, ohne vorher mit den alliierten und assoziierten Mächten zu beraten bzw. deren Zustimmung einzuholen, und ob, wenn Deutsch­land seinen Berpflichtungen nicht nachkäme, die Fran­zosen erst nach Gewährung einer zweiwöchigen Frist ihre Absicht, ins Ruhrgebiet vorzurücken, aus- führen dürsten. Lloyd George verwies auf die Erklärung Chamberlains in Beantwortung von Anfragen vom 18. 5. Er sagte, in Anbettacht der kürzlich zwischen der deutschen Regierung und der Reparationskommisflon ausgetauschten Roten komme augenblicklich der zweste Zeil der Frage nicht in Bettacht. Wedgewood fragte hierauf

ob dies bedeuten solle, daß die von Chamberlain abgegebenen Erklärungen weiter aufrecht erhalten würden trotz der in Paris erfolgten andersartigen Aeußerungen.

Lloyd George fagte. er wiße von keinen in Paris gemachten Äuseruntzen. Aber die Erklärung Chamberlains stelle sicher den Standpunkt der britifchen Regierung dar. Sir Robert Hörne teilte auf Befragen Lord Robert Cecils mit, er verfüge über keinerlei 3nfonnationen, wonach an­gesichts des Mißerfolgs der Bemühungen der Bankiers, eine internationale Anleihe für Deutsch­land zu finden, die deutsche Regierung fich nicht an ihr Versprechen gebunden sehe.

PoincarL bleibt hartnäckig.

London, 13. Juni. (WTD.) Der Pariser Berichterstatter desDaily Erpreß" meldet, P o i n c a r 6 habe in einer Unterredung mit Pariser Berichterstattern Londoner Blätter er­klärt, die Dankierkonferenz habe so ge­endet, wie er erwartet habe. Seiner Ansicht nach habe die Konferenz zu früh stattgefunden. Die Zeit für die Erörterung der Anleihefrage sei noch nicht reis gewesen. Deutschland müsse zu allererst ' seine Finanzen in Ordnung bringen, aber er verstehe vollkommen, daß Deutschland jetzt nicht zahlen könne und daß Deutschland Zeit gewährt werden müsse Eine wesentliche Bedingung dafür sei jedoch, daß das deutsche Budget von Anfang bis Ende kontrolliert werde; damit meine er. daß die Aufstellung des Budgets und die Auf­erlegung der Steuern kontrolliert werden muffe Poincarä habe gesagt,

Frankreich werde unter keinen Umstanden einer Herabsetzung der deutschen Zahlungen zustimmen.

Dem Korrespondenten zufolge beabsichtigt.Poin- carp, bei dem bevorstehenden Besuch in London mit Lloyd George die Frage der Haager Kon­ferenz zu erörtern. Es müßten anscheinend noch verschiedene Punkte aufgeklärt werden, bevor sich Frankreich entscheide, nach dem Haag zu gehen.

Der Pariser Berichterstatter derM o r - ningpost" meint, Poincarä hoffe zuver­sichtlich. daß die anscheinend bestehenden Miß Verständnisse zwischen der französischen und englischen Ansicht im £aufc seiner Unterredung mit Lloyd George in wenigen Minuten auf­geklärt werden lönnten. Die Lage bezüglich der Reparationen sei viel ruhiger geworden. Der Bankierausschuh habe nur in seinem eigenen Namen gesprochen. Für den Augenblick ruhten die Verhandlungen. Man erkenne jedoch an, daß, wenn der Augenblick geeignet sei, die Verhand­lungen wieder ausgenommen werden.

Poincares Replik auf die englische Antwort.

Paris, 13. Juni. (WTD.) Die englische Antwort auf das französische Memo­randum vom 2. Juni zur Haager Konferenz hat innerhalb 24 Stunden eine Replik der fran­zösischen Regierung gesunden. P o i n - rare voeist darin den in dem englischen Schiist- stuck gemachten Vonvurf gedanklicher Konfusion und sachlicher Unkenntnis sehr unzweideutig zu­rück. Sachlich enthält die französische Note nichts Neues Sie beschräntt sich darauf, den in der ersten französischen Note niedergelegten Standpunkt i n allen Einzelheitenaufrecht zu erhal­ten und ihn durch neue Argumente zu stützen.

London, 12. Zuni. (WTD.) Die britische Antwort aus das Memorandum der franzö­sischen Regierung zu der Haager Konferenz fin­det in der Presse großeBeachtung.Daily Sketch" sagt, das Dokument sei besonders inter­essant wegen der Tatsache, daß Balfour augenblick­lich stellvertretender Staatssekretär des Aeußern ist.P a l l M a l l a n d G l o b e" weist darauf hin, daß die Differenzen zwischen Eng­land ünd Frankreich sich verschärft haben. Die gespannte Lage zwischen England und Frankreich zeige sich in der letzten Note Balfours an die französische Regierung, die zum Ausdruck bringe, daß Frankreich versuche, die Haager Kon­ferenz zum Scheitern zu bringen.

Bulgarische Vorschläge zur Reparationsfrage.

Sofia, 12. Zuni. (WTB.) (Dalgarischr Telegraphenagentur.» Der Minister des 3nnem DaskaIow überreichte in seiner Eigenschaft als Kommisiar der bulgarischen Regierung für Tul- intetoUiierten Kommission für Bul­garien der Kommission die Gegenvorschläge der bulgarischen Regierang auf den Vorschlag eines Ai kommens zur Sichersten tng der Reparationszahlungen. Die balga­rische Note wrist darauf hin, daß ter Vertrag von Neurlly für den Fall, daß die Zahlungskraft Bulgariens nicht hirrreiche, die Möglichkeit einer Verringerung, ja felbft Annulliere ng der Reparationszahlungen offen läßt and daß die Äcmmiffion ihrerseits die weitestgehenden Be» fugniffe besitze, am die Zahlung per Reparationen ficherzustellen, falls Bulgarien sich fairen Ver­pflichtungen entziehe. Das vorgeschlagene Ab- Et>muten würde indes die Souveränitäts- rechte Bulgariens gröblich verletzen. Hm den Wünschen der Kommission entgegenzu- kvmmen, wolle die bulgarische Regierung sich unter anderem verpflichten. Las Bubget des nächsten Finanzjahres ohne Defizit abzuschließen, um d.e llnterhaltskosten für die Grenzregulierungskom­missionen und die mtercflliieitc Kommission zu übernehmen, vor Einstrillmg von Reparations- summen in den Ha-ashall das Einverständnis der interalliierten Kommission einzuholen .'and aas-1 toäriige Anleihen nicht ohne Zustimmung der Äommtffton auszunehmen. Die Antwortnote weist I

weiter auf die schweren innerpolitischen und Dali' torischen Folgen der Belastung des Staatshaus» taltä durch die Repai ationszahlungen hin, spricht die Bitte aus. Bulgarien erneu dreijährigen Zahlungsaufschub zu gewähren und erklärt schließlich, daß die bulgarische Regierung zun Abschbif eines aus Grund der gegenwärtige Gegenvorschläge abgeänderttm Abkommens be­reit sei.

Reichspräsident Ebert in München.

München, 12. Juni. (Wolss ) Emer Gin» ladung der Regierung des Freistaats Bayern zum Besuch der deutschen Gewerbeschau fit München fr lgcnd, traf der Reichspräsident heute rrmittag, von Freudenstadt kommend, in Be­gleitung des Ministerialdirektors Meißner int Sonderzug in München ein. Auf dem Bannhofs platz war die bayerische und die Münchener Flagge gehißt, von dem Bahnhofsgebäude wehten Flag gen in den Reichsfarben. Zur Begrüßung des Reichspräsidenten hatten sich eingesunden Mi­nisterpräsident Le r chen f el d, Landtagsp'äsi- dcn: Königsbauer, der Mi ist er des A. > n Dr. L chwey er, der noch in München weilende Rcichsernährungsmrnister Dr. Feh r, der Staats­sekretär des Reichsverkehrsnilnisteriums für Bayern v. Fra n!, der Staatssekretär Stingl, der Vertreter des deutschen Reichsregierung in München, Graf Zech, der bayerische Gesandte in Berlin, v. ©reger, der Stadtkommandant von München. General D a n n c r i, der Vertreter des Regierungspräsidenten von Oberbayern. Ober- tücgermeifiei Schmidt, der Polizeipräsident von München sowie die Offiziere doS Webrireislom ntandos. Der Reichspräsident begrüßte die Er schienenen und fuhr dann nach dem Landtag «Beim Empfang des Brichs vräf identen im Landtag i leit Landtagspräsidew König bauer eine Ansprache, in der er dem Reicbspi a f identen den Willttmmg uh der I ayerische i Vo ks Vertretung bot. Er betonte öie Rc.hstteu' Bayerns und das unverbrüchliche 'Bertrauen auf die moralische, wirtschaftliche und politische Wie­dergeburt unseres Volkes. Es sei zu hoffen, daß sich mit der Zeit auf der ganzen Welt die lieber zeugung durchringen werd?, daß 'Deutschland nur gerechte Beurteilung, wirklichen, dauernden Frie den und die Möglichkeit zu arbeiten und zu leben haben will. Zur fruchtbaren Auswirkung aller Kräfte des Dolles und zur Sicherung seines un lösbaren Zusammenhalts sei eine weitschauende. Derücksichtigung der geschichtlichen Verhältnisse der deutschen Länder und ihrer eingewurzellen kulturellen und völkischeil Besonderheiten unbe­dingte 'Voraussetzung. Köuigbauer schl)ß mit den Worten: Nehmen Sie, Herr ReitSpräsident. von mir als dem Vertreter des bar>crift 2n Land' tages die Zusicherung entgegen, daß e? am baye­rischen Volke nicht fehlen wird, wo es gift, die Folgen des Krieges zu meiflcm, dem Frieden zu Dienen, die natunaic Em heil zu schützen, die deutsche Ehre wiederheizustellen, und in Selbst zücht. Ordnung und Fleiß dem deutschen Volle eine bessere Zukunft zu erringen. Hierauf ant­wortete der Reichspräsident mit einer Awprah:

Berlin, 12. 3unt Nach einer Blatt An­meldung aus München kam es vor dem E?n- tineickalhotel, wo der Reichspräsident wohnt, zu einer Schlägerei zwischen Leuten, Din Hoch­rufe ausbrachten und anderen, tiz öie Hoch rufe niriterzupserfen versuchten. Die Polizei be­endete den Tumult und nahm 12 Personen fest. Am Sonntag früh, als die R e i ch s s l a g g e aus dem Münchener Bahnhof ge'ißt worden ton, wurde die Fahne von einer Schar Unger Leute heruntergeholt and mit 'Benzin b:g.ls:n. Das 3nbrandstecken der Fahne wurde von der Polizei verhindert. Die Fahne konnte mit einigen Riffen aufgezogen werden.

Die Königsberger gusammenftötze.

Die Reichswehr in Notwehr.

Berlin, 12. Zum. (Wolff.) Zu heit Königsberger Vorfällen wird vom Reichswehrministerium mttgeteilt: Den Angehörigen der Reichswehr war die dienstliche und außerdienstliche Teilnahme an den Veranstaltungen politischer Vereinigun­gen verboten. Die zuständigen Zivllbehürden hatten eine Reihe solcher politischen Vereini­gungen namhaft gemacht. Dagegen waren Veranstaltungen von staallichen und rvm- munalen Behörden und interne militärische Feiern für unpolitisch erllärt worden. Bei einer solchen internen Feier, nämlich dev Parade vor dem Generalfeld mar­sch all auf dem Kasernenhof der Pionier- kaserne kam es zu dem Zusammenswh. Als Beweis für die Energie, womit der Angriff von den Demonstranten durchgeführt wurde, mag gelten, daß einem Unteroffizier der Kara­biner cntrisien, einem anderen der Karabiner zerschlagen wurde. Auf den Stahlhelm ging ein Hagel von Stöcken und Steinen nieder, so daß nichts übrig blieb, als daß die An­gehörigen der Reichswehr sich ihrer Haut wehrten. Den Formationen der Reichswehr iTl es jetzt gestattet, scharfe Munition bei sich zu führen.

Nach einer weiteren Mitteilung des Ober- präsidiums Königsberg marschierte eine kleine Abteilung Reichswehr von etwa 30 Mann von einer anberen Kaserne her zur Pionierkaserne.