an xum betreten des Prozeyweaes zu zwmgen, touroe als für Vermieter unb Mieter unannehmbar obgelehnt.
Gemewde- und Kreisratswahlen in Thüringen.
Berlin, 11. Sept. Gestern fanden in Thüringen auf Grund der neuen Gemeinde- und KreiSordnung die ersten Gemeinde- und Kreisratswahlen statt. Soweit stch nach den bisher vorliegenden Resultaten das Ergebnis übersehen läßt, ist eine grobe Veränderung in der Stärke der Parteien nicht eingetreten. Von 9 kreisfreien Städten haben nur Gera und Altenburg eine sozialistische Mehrheit erhalten.
Die Verhandlungen im Bankgewerbe.
Berlin. 9. Sept. (WTD.) Der Allgemeine Verband der Bankangestellten teilt mit: Die Verhandlungen im Dankgewerbe find heute daran gescheitert, dab der Arbeitgeberverband nach etwa zehnstündiger Verhandlung die zuletzt von den Arbeitnehmerparteien gemeinsam gestellten Forderungen ablehnte. Weitere Mahnahmen sind im Gange.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 11. Sept. 1922.
Der Eiseubahrr-Personentaris ab L. Dezember.
Die Erhöhung der Fahrpreise zum 1. Oktober um etwa 50 v. H. reicht nicht aus. um den bevorstehenden Mehrbedarf zu decken. Aus drucktechnischen Gründen ist es nicht möglich, der Geldentwertung sofort mit einer neuen Steigerung der Einnahmen im Personenverkehr zu folgen. Es ist vielmehr, wie bereits in der Sitzung des ReichSeisenbahnrats vom 30. August milgeteilt wurde, eine weitere Erhöhung der vom 1. Oktober an gültigen Fahrpreise um 60 v. H. in Aussicht genommen, die zum 1. Dezember 1922 wirksam werden soll. Die Erhöhung erstreckt sich auch auf die Schnellzugszufchläge, die Militärfahrpreise und die Preise für Zeitkarten aller Art. Die neuen vorn 1. Dezember an gültigen Fahrpreise betragen in Personenzügen für die 4. Klasse 72 Pfennig, gleich dem 36fachen des Friedenspreises, in der 3. Kl. 108, gleich dem 36fachen des Friedenspreises, in der 2. Klasse 180, gleich dem 40fachen des Friedenspreises. in der 1. Klasse 324, gleich dem Machen des Friedenspreises. Die Schnellzugszuschläge steigen in der ersten Zone für die 1. und 2. Klasse auf 50 Mark, für die 3. Klasse auf 25 Mark, in der zweiten Zone für die 1. und 2. Klasse auf 100 Mark, für die 3. Kl. auf 50 Mark, in der dritten Zone für die 1 und 2. Klasse auf 150 Mark, für die 3. Klasse auf 75 Mark, oder gegenüber den Friedenssähen in der ersten und zweiten Zone um das lOOfache, in der dritten Zone um das 75sache. Als Preis für eine Hundekarte wird die Hälfte des Fährpreifts einer Fahrkarte 3. Klasse beibehalten. Der Preis der Bahnsteigkarte wird von 1.50 auf 2.50 Mark erhöht. Die Gebühr für eine Erlaubniskarte zum Betreten des Bahnsteiges zur Aufgabe oder Abholung von Dahnhofsbriefen wird von 30 auf 45 Mark erhöht.
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, ** Amtliche Persvnalnachrich- ten. Ernannt wurden am 6. September: die provisorischen Lehrer an der Fortblldungs-- Ichule, Bruno Ernst Franz, Friedrich Fautz, Theodor Gengnagel, Karl Heim, Paul Isenbügel, Karl Keller, Fritz Schreiber, Josef Schröck, Franz Stöckeler zu Darmstadt zu Fachlehrern an der KnabensvrtbildungSschule zu Darmstadt, sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1922 ab.
Badsfempel
Vornan von Margarete v. Oerhen- F ü n f g e l d.
20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Heinz wartete lange an dem naßkalten Abend „Sie konnte wohl pünktlicher fein," dachte er, »sie weiß doch, wie feucht es hier ist."
Aus den Rasenrabatten stieg ein Moderdast welker Blätter, die in langsamer Zersetzung begriffen waren. Ein eisiger Wi-id fegte in rauhen Stößen über das träge dahinfließende Wasser des Grabens, über die grotesk^ geformte Brücke aus nachgemachtem Astwerk. 3iti Sommer schwammen da Schwäne, schöne, Weiße, stumpfsinnige Tiere, und die tief herabhängenden Weiden, deren Zweige schlangcndü-m waren, zitterten im Atemzug der Erde ohne Aafhören — auf das Idyll hatte der Wintermond seine grausige Faast ae- drückt — das grinste wie das verwellte Antlitz einer allen Märchenhexe.
Heinz llappte den Mantelkragen hoch.
ES war doch seltsam. Die Viertelstunden krochen so dahin: er hörte den Schlag der verschiedenen Ähren in der Stadt — Sechs — ein Viertel — Halb — drei Viertel — Sieben.
Aergern formte er sich nicht. Vielleicht war sie nur zarückaehalten worden, und er fand zi Hause einen der bekannten grauen Umschläge, eines jener eigenartig lakonischen und doch so inhaltsreichen Brieschen.
Er wartete bis halb acht, da begann es zu regnen, und er eilte, die Hände in den Manteltaschen, mit hoch emporgezogenen Schultern nach Hause. Gr war froh, nur wieder Licht und Menschen zu sehen. Der schlammige, wüste Garten mit den schwarzen Sumpflöchern flößte ihm plötzlich einen heftigen Widerwillen ein. Es war ihm, als griffe das Fieber nach ihm aus den Tiefen der triefenden Sträucher. Dort war nicht gut sein jetzt. Höchstens für Salamander and Rachtgetier.
Lilh ein kleiner, schlüpfender, glänzender Salamander! Bei Gott! Der Vergleich war nicht schlecht!
2luf seinem Tisch lag nichts. Niemand war dagewesen. die Postell schon vorüber.
.Verwünscht!"
Heinz fror an allen Gliedern. An den Schläfen setzte ein stechender Schmerz ein. Kaum war er imstande, seine Lampe anzuzünden. Er rief: Frau Müller! Frau Müller!", und kein Ton tarn aus seiner Kehle.
Die Frau stürzte bei dem klanglosen Laut der heiseren Stimme entsetzt herzu.
„Tee!" sagte er noch mühsam, dann schüttelte er grimmig lachend den Kopf und griff sich an den Hals.
3n zwei Minuten war er zu Bett. Deine
** Eine Sitzung der Stadtver- ordneten-Dersammlung findet am nächsten Freitag,15. September,nachmittags 4 Ähr, im Stadthaus, Bergstraße, Sitzungssaal, statt. Tagesordnung: Bestätigung der Beschlüsse des Ferien-Ausschusses. — Erlaß einer Polizei-Verordnung, betr. den Verkauf von Speiseeis auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen. — Bewilligung von weiteren Daukostenvorschüssen an die Baugenossenschaft von 1894. — Anpassung der TeuerungSzuschlüge der städtischen Beamten usw. an die Neuregelung für die Reichs- und Staatsbeamten. — Bewilligung eines vorläufigen Kredits für Wohl- f ahrtszw ecke im kommenden Winter. — Festsetzung der Wvchenmarktgebüh- ren und des Standgeldes auf den Vieh- und Krämermärkten. — Errichtung eines Instituts für Tierzucht auf dem Schiffenberg. — Daugesuche: a) der Post- verwaltung für die Errichtung eines Paketschuppens vor dem Eilaüterschuppen. — b) Befreiung von Bauvorschriften für die Erweiterung des Postschuppens am Bahnhofsplatz, c) Befreiung von Bauvorschriften für den Neubau eines Stallgebäudes Bahnhofstr. 8. d) Einfriedigung des Grundstücks der Firma Schaffstaedt an der Mühlstraße. e) Desgleichen der Grundstücke der Baugenossenschaft 1894. f) Desgleichen der Grundstücke von Fuhrig, Scherrer und Neumann. — Teilung der Hof- reite Frankfurter Str. 36; hier: Befreiung von Bauvorschriften. — Freilegung der Sandgasse am Gälischen Grundstück. — Erhöhung der Gebühren für Pie Leichenfrauen. — Desgleichen der Gebühren für Verwiegungen auf den städt. Lastwagen. — Befahren der Drucke über den Oberhefsischen Bahnhof im Zuge der Friedrichstraße. — Bauprogramm für das Jahr 1922. — Weitere Mittelbewilligung für die Quäkerspeisung. — Bewilligung von Mitteln für die Kleinrentnerfürsorge. — Neufestsetzung der Satze für Kliniksverpflegung und ärztliche Behandlung für Arme in den Universitäts-Kliniken. — Zuschuß an den Allgemeinen Verein für Annen- und Krankenpflege zur Errichtung einer Zuflucht- stättc für sittlich gefährdete weibliche Personen. — Erleichterung der Möbelbeschaffung' für Festbesvldete und Minderbemittelte durch Bürgschaftsleistung. — Erlaß einer Satzung für die Krankenversicherung der Hausgewerbe- tteidenden für den Bezirk der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Gießen. — Mitteilungen. (Eingabe der Gießener Geschäftsleute, betr. Beibehaltung des Oswaldsaartens für Märkte usw.)
* • Zur Ernteflächenerhebung 1922 liegt eine Gifte der Erzeuger im städtischen Lebensmittelamt während einer Woche offen. (Näheres ist aus einer Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils zu ersehen.)
* • Arbeitsjubiläum. Der Gießereiarbeiter Ludwig . Lu h aus Klein-Linden blich heute auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma H. Schaffstaedt G. m. b. H zurück Dem Jubilar wurden von feiten der Firmeninhaber, der Angestellten und feiner Mitarbeiter reiche Ehrungen zuteil.
* * Lichtspielhaus. Gin Stück aus der Vorgeschichte der französischen Revolution entrollt der Film „M a b a m c Dubarrh" in lebensvollen Bildern Das zeitgeschichtliche Milieu ist sehr glücklich getroffen und ermöglicht es den Schauspielern, die als Träger der Hauptrollen
Kleider lagen am Boden, Frau Müller bückte sich und hob sie sorgsam alle auf. Darm stand sie vor seinem Lager und sah zu. tote er mit hochrot abgezirkelten Backen das heiße Getränk schluckte.
„Du mein Herrchen l Du mein Herrchen! Das ist die Faulenzia, das ist ganz gewiß die Fau- lenzia!"
Heinz gab ihr die leere Tasse in die Hand, kroch unter die Decke bis an beide Ohren und verfiel in einen heftigen Schüttelfrost
Da fragte die gute Frau nicht lange, rannte jum nächsten Gaben und rief von dort den Theaterarzt an.
Sine wohltätige Wärme, die sich allmählich zur Glut steigerte, erfüllte Güldewins Körper mit einem fünften, dann zehrenden Feuer. 3n der Betäubung feines Schlummers redeten unzählige Stimmen auf ihn ein. die Lichs. der Frau Müller, Riedingers, die Kloßberg, der Direktor — der „Alte" sagte: „Güldewin, Sie finejen morgen den Parsival! Sie kennen doch den Parsival! Sie toiffen doch: ,Der Himmel toeint, es lacht bie Glue' der reine Tor — der — — reine Tor.
Heinz bäumte sich hoch auf. Er hatte feine Partie vergessen. Der Kapellmeister gab ihm wild berAtoeifelt den Einsatz: der „Alle" hielt ihm einen großen, versiegelten Brief hin: .Sie sind auf der Stelle entlassen!"
Der Schweiß brach ihm aus allen Poren.
Aber da umschlangen ihn zwei Weiche Arme, und eine Stimme fügte: „Nimm mich, wie ich zu dir küm, als Duft, üls Seele"
»Lilh! Lily!" schrie er und sprang auS dem Bett.
„Ra. guter Freund, bleiben Sie mal hübsch im Dettchen," sprach der gemütliche, immer etwas katarrhalische Bierbaß des Theaterarztes; er kühlte sich sanft niederg^>rückt und — erwachte
Eeine Augäpfel lagen wie Blei in ihren Höhlen Ganz genau wußte er nicht, wo er sich befand und was das alles eigentlich zu bedeuten hatte.
.Sie haben die schönste Influenza, die man sich denken kann! Wo haben Sie sich beim die geholt? Liegen bleiben — kalte Wickel — ich sehe morgen toieber nach. Frau Müller ist wohl so freundlich."
Er sah sich nach der Witwe um, bie, das das Gesicht voller Sorgenfalten, hinter feinem Stuhl stand.
Heinz lleh alles mit sich geschehen Wie selt- fam verdoppelt, verdreifacht des Doktors Stimme um ihn flirrte! So, als klänge sie aus weiter Ferne herüber — ober war es in feinem Heimattal der Ruf deS Hirtenbuben droben an der Grenze?
-Er ist schon wieder ganz weg," sprach der Doktor, „jemand muß bei ihm wachen."
In feiner heimatlichen Dorfkirche klang die Orgel. In brausenden Tönen schwoll der Choral
nur Namen bekannter Künstler aufweisen, das Hof leben Ludwigs XV. mit all seinem Glanz und seiner Sittenlosigkett Wiedererstehen zu lassen. In wirkungsvollem Kontrast hierzu wird die Not des von schweren Steuern bd>rücften Volkes veranschaulicht. So bereitet sich die Revolution vor, in deren Ausbruch der letzte Akt führt. Packende Massenszenen, durch hervorragende Regie geleitet, zeigen die elementare Gewalt der stürmenden Dvlksleidenschafi. In diesen Annahmen wächst der Film zu einem historischen Werk von hoher Bedeutung an.
Zu unserem gestrigen Bericht über das 35. Zahresfest des Wart- burgvereins ist berichtigend zu bemerken, daß nicht Frau Richter und Herr Zughardt. sondern Frau D i ch l e r und Herr W. S ch u - cha r d zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt wurden.
Wettervoraussage
fürMi ttwoch:
Meist bedeckt und regnerisch, westliche Winde, kühl. \
Die Depression über dem Adriatischen Meer und über der Nordsee stehen durch eine Rinne tiefen DrucA, die durch Süd- und Westdeutschland läuft, mit einander in Verbindung. Das Wetter wird trüb und regnerisch bleiben und zur Nebelbildung neigen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Astoria-Lichtspiele: „Tarzan", 3. Teil, und „Satans Peitsche". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Madame Dubarry" und „Er und bie Polizisten". — Palast-Lichtspiäle, ab heute: .Die Dame und der Landstreicher" und „Chaplin als Stühe der öfienntlichen Orbnung“.
Landkreis Gietzen.
eu. Beuern, 9. Sept. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Antrag der biefigen gemeinnützigen Bau gesellschaf t um Bereitstellung von Bau gelände und um Bewilligung eines Kredits in Höhe von 1000 000 Mk. Da der Ausbau der Scheibegasse schon vor 2 Zähren genehmigt worden ist, glaubte der Gemeinderat daraus bestehen zu sollen und wird auf dem Wege der Enteignung bas benötigte Baugelände für die Baugesellschaft beschaffen. Bezüglich der Gewährung eines Kredits war der Gemeinderat allgemein ber Ansicht, daß die Gemeinde zur Steuerung der Wohnungsnot etwas tun müsse, und glaubt, daß die Gemeinde durch Unterstützung der Daugesellschaft billiger dazu lommt, als wenn sie selber baut Da die Gemeinde durch Vertrag mit der Baugesellschaft hinreichend gesichert ist, war ber Gemeinderat mit der Kreditbewilligung einverstanden. — Für bie Wahl der Kirchengemeindevertreter sind zwei Wahlvvr- schläge eingegangen, nämlich Wühlvorschlag Philipp Karl Walther und Wahlvorschlag Konrad Arnold.
h. Saubringen, 11. Sept Das gestrige Zugendfest, veranstaltet von der Schule und den Vereinen, nahm dank der günstigen Witterung und sorgfältigen Vorbereitung unter Teilnahme ber ganzen Gemeinde einen allgemein befriedigenden Verlauf. Der Festzug bot ein buntes Bild. Voran die Kleinsten der Kleinkinderschule, dann die vier Schulklassen (bie Mädchen Gir- lanbenbogen tragend), und sodann sämtliche Vereine. Der Festplatz am nahen Walde war glücklich gewählt. Nach Ankunft des Zuges begrüßte Bürgermeister Preis, der die Vorverhandlungen mit den Vereinen geleitet und eine Haus» sammlung für das Fest hatte vornehmen taffen, mit herzlichen Worten die Versammlung. Sann folgten Gesangsdvrträge der beiden Gesangvereine. turnerische Vorführungen ber beiden Turnvereine, dazwischen Spiele der Kinder, Gesangs- vorträge der ersten Schulllasse, die beliebten Spiele (sogar das heihbegehrte Wurstschnappen) ......... . ... ......................■■■■■■JHJ.I._■■■!■■■■■—I ■■■■ zum Orkan an, während die Sonne durch die bemalten Fensterscheiben schielle und auf den güt- benen und silbernen Geräten ein Gaukeln an Hub.
Es war im Mai, und alle Kinder hatten Bla- men gebracht zur Maiandacht
Aber plötzlich tauchte hinter dem Allac ein sonderbares Gebilde empor, anzusehen wie ein Schloß mit hundert Türmen and tausend Fenstern. Nnd das war von Kristall und blutrotem Karfunkelstein. Heber dem leuchtenden Tor stand in rabenschwarzer Schrift:
„DaalStempel".
Heinz schrie laut auf — da stürzte das Schloß zusammen.
Während feiner Krankheit konnte Heinz so recht erleben, wie lieb sie ihn alle hatten. Za, das Theater bildete doch eine einzige große Familie.
Immer sah der eine oder andere bei ihm.
Kloßberg hatte es sich nicht nehmen lassen, des Morgens vor ber Probe „rasch 'ranzu- springen" und das große hilflose Kind zu waschen.
Die Clahen hatte Veilchen gebracht, die nach Zuchtenleder dufteten. Er fragte nach der kleinen Aeone und ihren neuesten Streichen, aber da wandten die andern den Kopf weg und sagten, sie gastiere irgendwo auf Engagement.
Man sah auf seinem Dettrand, auf Stühlen und Koffern.
Riedinger verbrachte jeden freien Augenblick bei Heinz. Riedinger fühlte noch mehr, als daß er es direkt merkte, wie Heinz bei jedem Geräusch draußen auflebte mb dann enttäuscht zurücksank.
Allmählich wagte Heinz sich mit Fragen hervor War kein Brief angefommen? Niemand bagetoefen ? Wirklich niemand?
Za. eine ganze Menge Personal! Sogar der Direktor! Aber . . .
„Komisch, daß es so langsam vorwärts gebt,“ meinte ber Doktor. Sa er einmal Riedinger auf ber Treppe begegnete, faßte er den am Rockknopf : ..Wissen Sie, was mit Güldewin los ist?"
Riedinger bernelnte bedrückt.
„ Fühlen Sie ihm mal auf den Zahn! Das muh anders werden, sonst kommt er nicht hoch. Nicht wahr, mein Lieber?"
„3d) kann mich nicht in fein Vertrauen drän- gen,“ antwortete Riedinger sorgenvoll.
„Sollen Sie auch gar nicht — obwohl um der guten Sache willen —“
Er griff an seinen Hut, Riedinger klopfte an Güldewins Tür.
„Sie Toteninsel!" dachte er. „Siefer dreimal verwünschte ©artetI“
Heinz empfing ihn — angekleidet auf dem Stuhl sitzend.
Riedinger erschrak bis ins tiefste Herz. Diese hohlen,.grünlichen Wangen — baS glühende Auge,
und zuletzt Brezelverteilung. Lehrer Balser richtete beherzigenswerte Worte an die Jugend und bie Eltern, und zum Schlüsse dankte Dekan G u ß m a n n allen Mltwirkenden nicht nur, well ber Reinertrag des Tages ber Kleinkinderschule zugute kommen soll, sondern weil es ein wohltuendes Ehcenzeugnis für eine Gemeinde ist, wenn sie unter Zurückstellung der Parteigegensätze zu einem idealen Zwecke sich vereinigt. Besonderes Verdienst hatten auch die konfirmierten Mädchen, die unermüdlich Sträußchen verkauften, mit denen jeder Festtellnehmer gern sich schmücken ließ.
ri. Lich, 11. Sept. Ser hiesige gemischte Kirch en chor machte unter Führung seines Dirigenten, Lehrer und Stiftsorganist Stein, einen Ausflug nach Reiskirchen und veranstaltete dort ein Kirchenkonzert. Es brachte außer Gemeinde- und Chorgesängen Orgelvorträge des Dirigenten mit Vlolinbegleitung durch Lehrer Fries, und ein von den Damen Nk. Jäger und A Schneider gesungenes Duett. Desondevm Anllang fand- dtzx. Schluhchor „Bleibe bei uns". Pfarrer Lic. G ombel sprach herzliche Worte des Dankes. Sie Bevölkerung nahm bie Gäste freundlich auf, betoirteie sie und brachte sie auf Leiterwagen ein gutes Stück beim» toärtö, auch spendete sie einen namhaften Betrag, der zur Anschaffung neuer Noten benutzt werden soll.
eu. Großen-Duseck, 9. Sept. Das Fest der goldenen Hochzeit feiert bas Ehepaar Christoph Sorr.
x V) ieseck, 11. Sept. In der letzten G e - meinberatssltzung wurde die Ortssatzung über die Erhebung der Wohnungsluxus- fteuer mit einigen Abänderungen nach den Vorschlägen der Kommission genehmigt. Zur Errichtung eines Urnenbatned auf dem Friedhof wird der Platz zwischen dem Kriegerdenkmal von 1870/71 und der Mauer in etwa 15 Meter Entfernung von ersterem borgefeben. Da der alte Friedhof instandgesetzt werden soll, wird den Eigentümern aufgegeben, die noch vorhandenen Denkmäler zu entfernen. Die San dg ru b e in der Heide, die Wüstung von etwa 7500 Quadratmeter, hat in den Duderusschen Eisenwerken in Wetzlar einen Kaufllebhaber gefund«i. Als Kaufsumme wird eine Million gefordert.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Mainz, 10. Sept. In ber jüngsten Stadtverordnetenfitzung wurden mit knapper Mch Helt s l ende St ra ft en=H m benc n n u n- gen b.schl ssen Kaiser-Wilhelm-Rmg: Bebel- rlng, Hohenzollern-Plah: Ludwig-Bam- berger-Plah: Kaiser-Friedrich-Strafte: Gerichtsstraße: Ernst-Ludwig-Plah Schloßplatz: die Eleonorenstraße in Kastel: Rathe- nauftrafte, ber Elevnoren-Platz: Aathe- nau - Plah. Abgelehnt wurde, die Kaiser- strafte Frlebensstraße zu benennen. Von der Vettvaltung stimmten Oberbürgermeister Dr. Külb und Delgeordneter Eppstein für die Umbenennung der Straßen.
* Offenbach, 11. Sept Sie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene 11 m- benennungg von Straßen, über die wir bereits berichteten, verursacht einen Kosten» auftoanb von rund 150000 Mk. Ob dieser Betrag angesichts unserer Geldentwertung aus- reichen wird, erscheint jedoch sehr fraglich.
Hessen-Naffan.
ft>b- Fran kf u rt a. OIL, 11. Sept. Der Magistrat beschloß in seiner heutigen Sitzung eine Erhöhung des Brvtprelses von Mk. auf 34 Mk. — Für diese Woche wurde der Preis für je 100 Kilo Wetterauer Kartoffeln im Frankfurter Wirtschaftsgebiet festgesetzt auf 315—320 Mk. frei Frankfurt a. M — Sie Kriminalpolizei verhaftete vier Einwohner aus dem benachbarten Bergen, die seit längerer Zeit.Eisenbahnwagen erbrochen unb beraubt hatten. Den Raub hatte das Quartett barm an Hehler weiter verkauft.
bk eingefallene Brust - die spinnendürren «Singer — können vierzehn Tage aus einem lebenswarmen, von Zugendkraft strotzenden Menschen ein solches Bild des Siechtums machen?
„Ich bin jetzt wieder vollkommen gesund" agte Güldewin heiser. Sieh mal, ich studiere den Lohenarin — der Alte hat ihn mir verbrochen —
Riedinger stutzte ein ganz klein wenig. Aber er bezwang sich.
-Hör'mal, Riedinger — schließ' die Tür ab — Ville - ja? Vorher muß etwas in Ordnung kommen! Ich ich hab mir die Sache hin und her überlegt - weil ich doch jetzt so ein Krüppel bin. Vorhin hab ich probiert zu gehen — zu dumm! Einfach umgefallen — du — du mußt mir einen großen Freundschaftsdienst erweisen! Ich wußte keinen besseren als dich! Alles — alles steht auf dem Spiele —"
legte flüchtig eine Haiid auf feinen
»Was in meiner Macht fleht —"
-3d) kann ja nicht schreiben! Sk Hände sind mir gebunden! Du — mußt an meiner Statt hingehen!"
_ . »Wohin gehen?" fragte Riedinger, immer gleich schonend unb sanft.
»Zn den Park — auf fle warten — ihr alles ertlären —"
„Mein Guter!" redete Riedinger Ihm zu wie einem Kind. „Glaubst du beim, daß sie — diese ganzen vierzehn Tage wirklich allabendlich auf dich gewartet hat und — vergebens?"
„Das ist wahr,“ seufzte Heinz mit glühenden Wangen. „Samt — ich kann dir nicht helfen — dann mußt du eben versuchen, sie vor ihrem Haufe zu treffen!"
Riedinaer errötete Ach, den Armen plagte noch das Fieber! Wie konnte er ihm beim das zumuten! Doch weigerte er sich nicht. Er dachte nur: Sie hat ihn auf gegeben! Sonst hätte fle langst einen Weg gefunden, der zu Ihm führte! Seine Erkrankung stand ja auf jedem Theaterzettel vermerkt.
_ . Heinz stützte beide Hände auf die Armlehnen semes Sessels, daß die Knöchel unter der straff- gespannten Haut sich bläulich abzeichneten. Es tat ihm weh, sein Heiligstes preiszugeben.
„Sie nennt sich - Lilh," fagk er hastig unb leise.
OUeblnger sprang auf die Füße.
. ist dir denn," fragte Heinz ernüchtert, -bu bist ja so sonderbar?"
Wit dem scharfen Inftintt körperlich Ge- fchwachtcr witterte er verborgenes älnheil.
Riedinger setzk sich wieder mit einem sehr ernsten Gesicht.
(Fortsetzung folgt.)


