Ausgabe 
12.9.1922
 
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Dienstag, 12. September 1922

172. Jahrgang

Interessen leidigen.

Eine deutsche Delegation in Parts.

Berlin, 11. Sept. Staatssekretär Berg­mann, der Vorsitzende der deutschen Kriegs­last enkoimnission in Paris und Staatssekretär Fischer sind, wie die Blätter mitteilen, im

Das Maschinengewehr fing an zu feuern. Da das Militär mit Steinen be­worfen worden sein soll, hatte der Kommandant den Befehl zum Feuern gegeben. Acht 2l r - beiter Ovaren tot. verschiedene ver­letzt. Der Betrieb der Bismarckhütte ruht voll­ständig.

Das Wiedererwachen des Handels in Rußland.

London. 11. Sept. (WTD.) Das zwi­schen der Russo Asiat ic Corporation und der Sowjetregierung abgeschlos­sene Abkommen erregt großes Aufsehen. Der Cithredakteur der ..Gvening Rews" schreibt' Rußland habe einen dramatischen Schritt zur Wiedereröffnung des Handels mit dec Welt unternommen. Das mit der englischen Gesell­schaft abgeschlossene ^lebereinkommen werde zur Beseitigung der Handelsschranken fuhren, die Rußland von dem übrigen Teil der Welt ge­trennt haben. Es werde angenommen, daß, nach­dem einmal diese große Dergwerksgesellschaft einen endgültigen Vertrag erhalten habe und die Arbeiten wieder beginnen, die anderen Konzerne, deren Tätigkeit seit der russischen Revolution außerhalb war, den Weg für sich geebnet finden werden, um über die Zurückerstattung ihrer Kon­zessionen zu verhandeln.

Heutigem Stand des Dollars

10 Llhr vormittags:

Berlin 1550, Frankfurt a. M. 1500.

Der türkische Sieg.

Bonbon, 11. Sept. (WTD.) Wie die Abend­blätter melden, ist infolge der Entfachung ^ des türkischen Kriegsgeistes durch den kemalistisch^i Sieg in Kleinasien ein ernster Angriff von türki­schen Agitatoren auf Ausländer emschll-:ß.tch der Engländer in Teheran unternommen worden, bei dem mehrere Personen ums Leben gekommen sind. Die türkischen Ag tatoren benutzten Reoolvec und Steine. Die Fenster zahlreicher englischer und französischer Kaufläden im britischen Viertel wurden zertrümmert. Die Polizei war n achtlos. ,

Weiteren Meldungen zufolge kam es in Smyrna rach dem Einmarsch der Türken ver­schiedentlich zu Schießereien und Plünde­rungen. Mtt Unterstützung englischer Matrosen gelang es dem türkischen Ut>er- befehlshaber. die Ordnung wiederherzustellen.

Reuter zufolge wird in amtlichen Kreisen m London der Befürchtung Ausdruck gegeben daß die türkischen Beschwerden an den Völkerbund Ner angeblich griechische Verbrechen wahres des Rüctzuges nur die Einleitung von Dergeb- tungsmaßregeln durch die Türken seien.

Verschieden« Blätter melden, innerhalb der allernächsten Tage werde eine Zusammen- kunftderalliiertenDiPlomaten statt- finden, um die durch den türkischen Sieg ge­schaffene Lage zu erörtern, in besondere imHinblick

w.214

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Eine deutsche Note an den Völkerbund.

Gens. 11. Sept. (WB.) 3n der heutigen Sitzung der dritten Kommission hielt der französische Delegierte de v)ouvenel eine län­gere Rede, die über den Verhandlungsgegen­stand hinausgehend, allgemein politischen Cha- ratter trug. Er äußerte sich sehr skeptisch zu dem Plan einer internationalen Konferenz zum Zwecke der Erörterung des F l o t t e n a b k o m- mens von Washington. Es genüge nicht. Kon­ferenzen einzuberufen, sie müßten auch za Er­folgen führen. Bevor der Völkerbundsrat zur Einberufung von internationalen Konferenzen auf­fordere. müsse eine Untersuchung in der Kom­mission über .ihre Aussichten stattfinden. Der englische Vorschlag über die Einberufung einer internationalen Konferenz zur allgemeinen

Die Bedrohung der gigorren- und Tabak-Industrie.

Man schreibt uns:

Ganz plötzlich und unerwartet ist die Ein­fuhr von Rohtabak gesperrt worden, ohne daß zuvor mit den betreffenden Kreisen der Fabrikation, des Handels und der im Tabak­gewerbe beschäftigten Personen irgendwelche Fühlung genommen worden wäre. Die Wirkung dieser überstürzten und willkürlichen Maßnahme wird voraussichtlich eine katastrophale und für die vielen Arbeiter und Angestellten des Tabak­gewerbes eine recht verhängnisvolle werden. Die anscheinend von der Sperrung erhoffte Erspar­nis an Devisen wird sich für den Fiskus in das, Gegenteil umkehren und ihn teuer zu stehen kom­men. Erstens schlachtet der Staat die Henne, so daß diese ihm keine goldenen Eier in Gestalt der diesigen Dettäge an Zoll- und Tabaksteuer, abgesehen von den Einkommensteuern, mehr legen kann, und dann wird die Unterstützung der be­schäftigungslosen Zigarrenarbeiter enorme Sum­men verschlingen. Daß eine solche auf Grund des Labaksteuergesehes für die verhängnisvollen Fol­gen der Rohtabakeinfuhrsperre überhaupt gewährt werden darf, ist sehr zweifelhaft. Der Konsum an Tabakfabrikaten hat an und für sich schon infolge der durch die ungünstige deutsche Valuta und die großen steuerlichen Dewstungen erforder­lich gewordenen hohen Preise beträchtlich nach­gelassen. Rur den deutschen Tabakbauern und den Spekulanten kommt der Schutzzoll mit seinen 28 900 Prvz. Goldaufschlag und die neuerliche Sperrung der Tabakeinfuhr zustatten. Kostet doch jetzt schon ein Zentner Pfälzer Rohtabak, der sehr minderwertigen vorjährigen Ernte über. 12 000 Mk. Der schlechte Stand der deutschen Mark und die hohe steuerliche Belastung haben es bedingt, daß nun eine einigermaßen rauchbare Zigarre 15 Mk. und eine Zigarette 5 Mk. kosten. Auch der Rauchtabak, den man alsPfeifchen des armen Mannes" immer besonders schützen wollte, ist entsprechend teuer geworden, so- daß Pfund der geringsten Sorte Blättertabak 100 Mk. kostet. Ebenso muh auch der genügsame Kauer für ein Röllchen Kautabak 25 Mk. bezahlen.

Gerade für den Bezirk Gießen wird sich bas Einfuhrverbot unangenehm fühlbar machen, denn es ist zweifellos, daß es bald zu größeren Einschränkungen, bzw. Arbeiterentlassungen kom­men wird. Dies wäre sehr bedauerlich, zumal der Winter vor der Türe steht, und die Zigarren- arbeiter gerade während der kalten Jahreszeit darauf angewiesen sind, in den Fabriken ihren Verdienst zu suchen. Die Zigarrenfabrikation ver­einigt gerade in unserer Gegend in schöner Weiss Industrie und Kleinlandwirtschaft in sich und fesselt so die Bewohner an die heimatliche Scholle. Im Tabakgewerbe waren im Jahre 1921 nach dem Verwaltungsbericht der Tabak-Derufs- Genossenschast in 7040 Betrieben 169 340 Doll­arbeiter beschäftigt, die alle unter dem neuen Verbot zu leiden haben werden. Wenn man die Einfuhr von Fertigfabrikaten gesperrt hätte, dann ließe sich das noch rechtfertigen, weil dies den deutschen Arbeitern zugute gekommen wäre; daß man aber die Einfuhr von Rohtabak sperrt, der, nachdem ei in Deutschland veredelt und zur.i hochwertigen Exportartikel verarbeitet wird, uns doch wieder wertvolle Devisen schafft, ist schier unbegreiflich; denn es besteht die bringende Ge­fahr. daß die Rohtabak liefernden. Länder, wie vor allem Holland, sofort die Einfuhr deutscher Fabrikate sperren. Auf diese Weise fördern wir wahrhaftig nicht die Aktivität der Handelsbilanz. Alle derartigen, nicht genügend durchdachten Maßnahmen schlagen zu guter Letzt nur aus zum Vorteil der Hamsterer, Schieber und ähnlicher Elemente, deren Weizen dann wieder in voller Dlüte steht.

Die Deutsche Volkspartei und das Zentrum haben auch. bereits die Einberufung des Volks­wirtschaftlichen Ausschusses verlangt. Hoffentlich treten unsere Volksvertreter energisch dafür ein, daß das Verbot wieder aufgehoben und von einer weiteren steuerlichen Belastung des Tabaks, der wirklich schon genug bluten mutz hat er doch im ersten Halbjahr dieses Jahres an Zoll, Goldzoll und Tabaksteuer etwa 5 Milliarden Mark aufgebracht, abgesehen wird.

genbe Punkte umfassen: 1. Allgemeine Herab­setzung ber interalliierten Schulden und im Zu­sammenhang damit eine entsprechende Herab­setzung ber deutschen Schulden. 2. Eine Steige­rung bei Sachlieferungen. Der Rebner begrüßt warm das Abkommen von Wiesbaden und das zwischen Stirrnes und Lubersac geschlossene Ab­kommen. Er warf schließlich die Frage auf, ob nicht der Augenblick gekommen sei, um einen unabhängigen rheinischen Staat zu schaffen, ber Frankreichs Sicherheit am Rhein herstelle unb damit eine Herabsetzung des fran­zösischen Militärbudgets erlaube. Dies wurde auch bei ber Regelung ber deutschen Schulden ins Gewicht fallen. Die Aufnahme einer inter­nationalen Anleihe in Deutschland würde dann möglich sein, die den großen Vorteil habe, daß außer Frankreich noch eine große Anzahl an­derer Gläubiger Deutschlands an den deutschen Zahlungen interessiert sei.

Frankreich und der Abrüstungs­gedanke.

Wie anspruchsvoll Frankreich auftritt, wenn in die Beratung der Abrüstungspläne ein­getreten wird, zeigte wieder eine französische Rede in ber Völkerbundsversammlung. Es wird dar­über gemeldet:

Aus dem Reiche.

Die ZettungSverleger beim Reichspräsidenten.

Berlin, 11. Sept. (WTB.) Der Reichspräsident empfing heute eine Reihe Zeitungsverleger, um mit ihnen die Rvtlage der deutschen Presse zu erörtern. In eingehender Aussprache wurden die Ge­fahren der Lage dargelegt und alle zur Ab­wendung des drohenden Zusammenbruchs zu treffenden Maßnahmen erwogen.

Eine sozialistische Mbordmmg beim Reichs. Präsidenten.

Berlin, 12. Sept. Der sozialdemo­kratische Parteivorstand, vertreten durch Wels und Hermann Müller und der All­gemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, vertreten durch Grahmann und Georg Schmidt vom Landarbeiterverband, ttmiden am Montag vom Reichspräsidenten empfangen. Die Arbeiterver­treter trugen dem Reichspräsidenten ihre Besorg­nisse wegen der Zuspitzung der wirt­schaftlichen Verhältnisse vor. Der Reichspräsident und der ebenfalls anwesende Reich Wirts Hast^Minister erläuterten die Haftung ber Regierung unb versprachen, ihr Möglichstes zu tun, um die Interessen des arbeitenden Volkes wahrzunehmen.

Die sozialistischen Einigungsverhanblungen.

Berlin. 12. Sept. Die Verhandlung gen zwischen den Parteivorständen der Sozial­demokratie und den Unabhängigen find vor­läufig abgeschlossen. Wie dieGermania" berichtet, hat bas Aktionsprogramm bei den lo­kalen Parteigenossen der S. P. D. fast allgemein Zustimmung gefunden. Das Blatt will wissen, daß die Dinge bei ber U. S. P. nicht so glatt laufen. Auf bem Parteitag in Jena, ber zwei Tage nach bem ber S. P D., welcher in Augsburg stattfinbet, beginnt, würden die Mei­nungen heftig aufeinanberplatzen.

Düringer

und die Deutschnationale DolkSpartei.

Berlin, 11. Sept. Der Landesausschuß der Deutschnationalen Volkspartei in Baden hatte am vorletzten Sonntag beschlos­sen den Abg. Dr. Düringer aufs afordern, fein Mandat als Landesvorsitzenber ber Deutsch­nationalen Volkspartei in Baben unb sein Reichs- tagsrnanbat nieberzulegen. Düringer erklärt jetzt in einem offenen Briefe an ben zweiten Lanbesvorsihenben ber Partei. Geh. Oberkirchen­rat Bayer, daß er bas Verlangen, sein Reichs- tagsrnanbat nieberzulegen. als verfassungswibrig ° 6 Berlin, 11. Sept. (WTD.) Der Abg. Dr. Düringer ist zur Deutschen Volks- partei üb er getreten unb hat sich ber Reichstagsfraktion ber Deutschen Vollspartei an- geschlossen.

i Eine Tagung der Mieleinigungsamter.

Kassel, 11. Sept. (WTD.) Die von etwa 400 Teilnehmern afr-3 allen Teilen Deutschlands besuchte Tagung bes R e i ch s v e r b a n b e s beutscher Mieteinigungsämter, die gestern mit dem dritten Tage der Tagung ihren Abschluß fand, stellte folgende Forderungen auf: Beschleunigte Verabschiedung eines Mieterschuh- g f tze;, bas die Zusamrnenzi.hu ng des Ve fah ens vor einer Stelle vorsieht, eine einzige schlich­tende, richtende und bie Vollstreckung über* wache'nbe Stelle unter Heranziehung der' Laien­beisitzer in beiden Instanzen; ein beschleunigtes, auf bie Erforschung ber Wahrheit abgestelltes Verfahren unter Ablehnung ber heute geltende^ Zivilprozehvors chriften und eine Beschwerde^, instanz zur Sicherung eines gesetzmäßigen Ver­fahrens zur Herbeiführung einer einheitlichen Ent* sck^ibungspvaxis. Der tm vorliegenden Entwurf verankerte Gedanke, bie Beteiligten von Anfang

Auftrage ber Reichsregäerung nach Paris ab» gereist. Sie sollen sich ber Reparationskommis, fion zur Verfügung halten, falls diese bei einet eventuellen nochmaligen Beratung der Repara, tionszahlungen an Belgien deutsche Vertreter zu hören wünscht.

auf bie Bedrohung Konstantinopels. Es seien bereits Besprechungen eingeleitet worden, und Lloyd George, der noch immer auf dem Lande ist. habe heute mit dem Foreign Office unb der Downing Street telephonisch Fühlung gehabt.

Weiter wird gemeldet, daß die Alliierten die AntwortMuftaphaKemalPaschasauf das griechische Ersuchen um einen Waffenstill­stand abwarten. Lord Curzon sei über das Wochenende in London geblieben unb erwarte bie weitere Entwicklung ber Lage. Mustapha Ke­mal Pascha wirb heute in Smyrna erwartet.

Paris. 11. Sept. (WTB.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Angora hat bie türkische Ratio­nalversammlung ben Generalstabschef ber kerna- listischen Armee, Teusi Pascha, zum Mar­schall ernannt.

Aus Smyrna.

Paris, 11. Sept. (WTD.) Wie Havas aus Abana meldet, geben die letzten Rachrich­ten aus Smyrna folgendes Dild von der gegenwärtigen Lage der Stadt:

Deim Beginn der Besetzung durch die Tür­ken war die Umgebung voller Flüchtlinge, die weder Obdach noch Rahrung hatten. Man for­derte aus den angrenzenden Gebieten schleu­nigste Heberfenbung von Lebensrnitteln nach Smyrna. Außerdem ersuchte der türkische Platz- kommandant um sofortige Ueberfendung von Me­dizin, Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger- personal, um den Kranken in den Hospitälern zu helfen. Außer Typhus herrscht in der Stadt Cholera. Während ber griechischen Besetzung haben die Griechen viele Denkmäler und Häu­ser zerstört. M

Das neue grie^ische Kabinett.

Blutige gusammenstötze in Bismarärhülte.

Berlin 12. Sept. Wie dasD. T." be- Besnard über das fran osische richtet, haben gestern in Bismarckhütte Programm.

blutige Zusammenstöße stattgefunben. SRariö 12. Sept. (WTD.) Der Senator Als bie Belegschaft ber Dismarckhutte erfahren unJ) Minister Rene Desnarb hielt

hatte, bah bie Lohnzahlung in polnischer -üaluta clern $Durd eine Rebe, in ber er unter erfolgen sollte, zog bie Arbeiterschaft vor bte anbecem jagte eine Revision des Versailler Ver- Villa des Generaldirektors Kal len vorn,drang trageg ^i trotz seiner Mängel im gegenwärtigen schließlich jn die Villa ein und schuppte Augenblick nicht zu wünschen. Das franzö- Kallenborn zum Rathaus. Der General- f: r c politische Programm müsse fvl- direktor mußte s ch w e r v e r l e h t in ein Lazarett ~ - - - - 'wr Äc

gbracht werden. Am Rachmittag traf ein starkes

'lizeiaufgebot in Bismarckhütte. ein. Die engeenttoaffnete jedoch die Polizei.

Da die Ansammlungen vor dem Direktionsgebaude immer mehr an Umfang zunahmen, wurde eine Abteilung Infanterie herbeigeholt, die am Markt ein Maschinengewehr aufstellte. Trotz wiederholter Aufforderung, auseinanberzugehen, wich bie Menge nicht. Plötzlich fielen Schüsse.

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck unb Verlag: vrLHI'sch« Univ.-Vuch- und Stcinbruderet R. Lange. Schriftleitung, Seschästsftelle und Druckerei: Lchulstratze 7.

Regelung der privaten Waffen- und Munitions- Herstellung erfordere ebenfalls eine freie Aus­sprache. De Iouvenel erklärte, daß kein Land größeres Interesse habe an der Abrüstung als Frankreich. Aber ebenso wenig wie Frankreich sich für klüger als andere halte, mochte es für dümmer gehalten werden als andere. Ein Land, das in ber Friedenszeit, mehr noch in der Kriegs­zeit, an starker Entvölkerung gelitten hat, das ein großes Kolonialreich besitzt, das viel Men­schenkraft beansprucht, ein Land mit verwüsteten Ge­bieten, müßte selbstverständlich zur Abrüstung bereit fein, wenn es dazu das Recht hätte. Aber dieses habe Frankreich nicht, denn Frankreich sei heute gewissermaßen jene internationale Macht, deren Gründung Lord Robert Cecil gefordert habe. Man könne nicht mit der Beschränkung ber Rüstungen beginnen, sondern mit gemein­samen Garantien. Die Aufgaben, die das Jahr 1923 bringe, beständen also gewissermaßen in der Errichtung jener gegen seitigenBer- sicherungsgesellschaf t, als die sich Bour­geois den Völkerbund vorgestellt hatte, und in ber alle Staaten, die an ihr teilnehmen wollen, die gleichen Lasten tragen müßten. Alles hänge aber letzten Endes von den großen Rationen ab. Wenn Frankreich entsprechend bem Fne- densvertrag über den amerikanisch-eng­lisch - f ran z ö s i s ch en Bündnispakt ver- fügen würde, toüobe sich eine Lösung viel leichter gestalten. Gegenwärtig wäre allerdings ein eng­lisch-französischer Pakt ohne Interesse, well er nicht der Auftakt zu etwas Großem wäre. Ein englisch-franzosisch-italienifch-spanischer Pakt Ware oine Garantie. Die anderen Völler würden ihm beitreten, weil sie mehr Vorteile als Risiko in

Genf, 11. Sept. (WTB.) Der Leiter des ihm finden würden und der Sache des Friedens

deutschen Konsulats in Genf, Legationsvat Dr. damit gedient wäre Die Abrüstung sei, tote

Rasse, überreichte heute dem Generalsekretariat Bourgeois einmal sagte, kein Anfang, sondern

des Völkerbundes im Auftrage der Reichs- sie könne nur eine Folge sein, und man müsse,

regierung folgende Rote: wie Roblemaire einmal erklärt habe, auf jeden

Der deutschen Regierung ist aus der pol- Fall mit der moralischen Abrüstung beginnen.

Nischen Presse der Wortlaut einer Rote der pol- Es ist bedauerlich, schloß de Iouvenel feine Rede.

Nischen Regierung an den Völkerbund bekannt daß große Fragen, bie bas europäische Leben

geworben, m ber bie polnische Regierung belasten, nicht gelöst sind. Aber die Frage, bie

eine Reihe heftiger A n s ch u l b i g u n g e n alles beherrscht, lautet: Werben bie Rationen,

gegen deutsche Regierungsorgane bie während des Krieges solidarisch waren fähig

wegen angeblicher Untcrbrücfung der polnischen sein, auch im. Frieden solidarisch zu bleiben?

Minderheiten in Deutsch - Oberschlesien Ostpreu- Kammer»

ßen und dem übrigen Deutschland richtet. Hm- Etne Rede des französischen Kammer sichtlich Oberschlesiens, an dessen Minderheiten- Präsidenten.

chuh allein ein Interesse des Völkerbundes gemäß Par is, 11. Sept. (WB.) Rach einer Havas- dem Genfer Abkommen vom 15. Mai 1922 beftebt, Reibung aus Poitou hat Kammerpräsident P e - hat die deutsche Regierung die Ehre, braus hm- rt in einer landwirtschaftlichen Versammlung zuweisen, baß sie die fraglichen Vorwurfe als in tn Avant-les-Lirnouzine eine Rebe gehalten, in jeber Weise unberechtigt unb halt l os zu- £>ec er u a erklärte: Frankreich brvhe nieman- rückweisen muh. Die deutsche Regieimng be- ^m. eg ^wUe mit ber ganzen Welt in Frieden! hält sich vor, dem Völkerbund eingehendes Ma.e- ^ben aber niemand werbe sich wundern, daß rial vorzulegen, aus bem bie Haltlosigkeit ber dieses Voll, bas so schwer gelitten habe, einige polnischen Behauptung hervorgeht, was übrigens ^geduld empfinde, wenn es sehe, daß das Re- auch durch das Zeugnis des Herrn Präsidenten parationsprvbkem noch nicht geregelt fei. Er sei Calonber sowie des Herrn Präsidenten Kaecken- ^mmer ber Ansicht gewesen, bah dieses Problem beegk leicht nachzuweisen ist. Im übrigen muß gleicher Zeit mit ber Frage ber interalli- bie beutsche Regierung baran festhalten, bap bie werten Schulben geprüft unb entschieben werben Beschwerden der polnischen Minberheiten auf dem unb er begrüße deshalb mit Freuden

durch das Genfer Abkommen vom L5. Mai 1922 demnächstige Zusammenkunft einer Kon - vorgezeichneten Instanzenweg erledigt werben. | ferenz, an ber alle Alliierten teilnehmen wür­den, eine Konferenz, auf ber man sich, so müsse man wenigst ens hoffen, endgültig einigen werde, denn nichts lähme die nationale Tätigkeit mehr als bas ungewisse Uebermorgen.

Paris, 11. Sept. (WTB.) Rach einer Havas- mefbung aus Athei. hat öa^ neue Kabinett gestern ben Gib geleiiiec D"-n Kabinett gehört kein Mitglied der veniseli st ischen Partei an. Der Ministerpräsident habe er Eiart, bah bas Kabinett sich als über den Parteien ftefjenb be­trachte. Seine Hauptsorge werde es sein, streng die Ordnung aufrechtzuerhalten unb die nationalen auf der Friedenskonferenz zu ver-