Ausgabe 
11.12.1922
 
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T Die Lausanner Konferenz.

Lausanne. 9. Dez. (WTD.) Die wich- ttgsten Beratungen der Konferenz beschränk en sich h ute auf di; Unterkommissionen für die Verteilung der ottomanischsn Schuld und für die Kapitulation'^sr.ige. Dabei zeigte sich yu äle^erraschung der alliie ten Llnter- händtec nachdrücklichster Widerstand feit ns der türkischen Delegierten, der Abgeordneten d r 'Ha* tionalvec-sammluig hon Angora Veld Veo und Zekgtz Deo. we ch? di? bisherigen türkischen linier* Händler perivaten. 3n der Frage der Verteilung der oltomanifchen Schuld erklärten die türkischen Unterhändler energisch, i ah nich nur die Dalian- staaten. sondern auch die durch den Waffen­stillstand von Mudros abgetrennten türkisch n Ge­biete für ihren Anteil an der Schuko aufzukom­men hätten, so daß für die neue Türkei'nur die auf dieses Gebiet entfallende Schuld in Betracht komme. Die Alliierten bestanden dagegen darauf, daß bei der Verteilung der Tatbestand des Wahres 1914 maßgebend sein müsse. 3.1 der Frage oec Kap' u ationen er j oben die Türken e enfalls zahlreiche Einwände g gen die alliierten Ford.iu i- gen, so daß man heute keinen Schritt vorwärts gekommen ist.

unbesiegbare Macht der IxTben Staaten gegen Hede Aalion gerichtet s«!>n Mürbe, die die Welt in einen neuen Konflikt zu verwickeln drvche. Die Zeit sei gdoimr.en, diese Dinge zu sagen, und wenn sie nicht von Hoher Warte aus gesagt würden, würde die Menschheit eines Tages die­jenigen, die diese Stelle einnahmen, zur Rechen­schaft zickhen. Der Pakt mit Großbritannien liege augenblicklich an Papierkorb, aber nicht England Habe ihn dorthin geworfen. Lloyd George tadelt Clemenceau, weil er seine D.schwerden in Ttcu» York vor Ausländem vorbringe u.tb nicht in Paris vor den Männern seiner eigenen Rasse, und gvcht im einzelnen auf die behindernde Rolle ein, die die französische Regierung auf der Genue­ser Konferenz gespielt hat. (3c führt dann weiter aus. er beschwere sich nicht über Darthou, der unter demütigenden TeMngungen sein Bestes ge­tan 'habe, um der Konferenz gegenüber loyal zu bleiben, die seine Regierung miteinberufen habe, und gibt zu, daß Dart'yous Aufgabe eine unmög­lich: gewesen sei. Sobald er einen Schritt vor­wärts gemacht habe, sei ihm durch ein Tele­gramm aus Paris der Lasso um den Hals ge­worfen worden. Sie europäische i Rationen hätten in Genua gesehen, daß eine der Großmächte auf das Scheitern der Konferenz Hingearbeitet habe.

Poincar^s Llntwort.

Paris, 9. Dez. (Wolff.) Poincar6 läßt durch den Sonderberichterstatter der Havasagentur in London eine längere Erklärung gegen den geflecn bnDaily Chromcle" erschienenen Arti.el LloydGeorgeS veröffentlichen. Er wendet sich m erster Stelle gegen die Behauptung, es gebe tn Frankreich eine maßgebende Partei, bie die Ab­sicht habe, das linke Rheinufer zu annek­tieren. Es habe in F ankreich niemals eine Re­gierung oder einen Minister, ja auch nur einen Senator oder Abgeordneten gegeben, der so un­vernünftige Absichten gehegt habe, eine deutsche Bevölkerung der französischen Herrschaft unter­werfen fiU wollen. Lloyd George erzähle, daß er , 1919 Clemcnceau den englischen Garantie­pakt angeboten habe, um ihn im Kampfe gegen den Chauvinismus seiner Landsleute zu schuhen. Diese Erklärung des Garantiepaktes, wie Lloyd George ihn auffasse, entbehre nicht einer gewissen Pikanterie und er, Poincare, sei ganz sicher, daß sie in keiner Weise der Ausfassung Cleme-iceaus entspreche. Poincarö spricht alsdann von d.m von Lloyd George in Cannes vorgeschlagenen Ga­rantiepatt, der vollkommen illusorisch gewesen sei, da er nur eine Garantie von 3ef.11 Jahren und keine Sicherheit im Falle eines ungerechten An­griffes Deutschlands, beispielsweise gegen Polen, enthalten hcu e und auch auf keiner militärischen Grundlage beruht habe.

Poincare spricht alsdann von der Tanger­frage und der griechischen Angelegen­heit und sagt schließlich: Sämtliche Mißgriffe, Lloyd Georges rührten offensichtlich von dem son­derbaren psychologischen Irrtum her, der seine ganzen Gedanken veherrsche. wenn er glaube, daß es in Frankreich eine imperialistische und annexto- nistisch? Partei gete. So treibe b?> Haltung, die er sowohl Denizelos als auch später Frankreich gegenüber eingenommen habe vollkommen ver­ständlich. 3n diesem Falle müsse man ihm noch dankbar fein, daß er nicht noch weitergehende Schlüsse gezogen habe. Mit etwas mehr Logik hätte er auch Frankreich auffordern können, ewige Zei­ten auf den guten Willen Deutschlands in der Ab- rüstungs- und Reparationsfrage zu warten und keinen einzigen Soldaten einen einzigen Tag lang auf 'deutschem Boden zu lassen.

I

Tschitscherin über das russisch-türkische Verhältnis.

Lausanne, 9. Dez. (WTD.) Zu den Er­klärungen, die Tschitscherin den türkischen Journalisten abgegeben hat, erfährt man noch, baß er auf die Frage eines türkischen Journa­listen, ob er irgendwie sein Bebauern über bie Habung der tück schen Delegation ausgesprochen habe, geantwortet habe, es scheine allerdings, daß die Türkei sich in das Retz der französisch- englischen Interessen und vor allem der eng­lischen Interessen verwickeln lasse. Er könne dies aber ohne jegliche Bitterkeit sagen, da die im gemeinsamen Kampfe gestählte türkisch-ru fische Freundschaft so stark sei, daß man die gegen­wärtige Situation nur als eine vorübergehende Wolke betrachten könne.

Aus hem Reiche

Der Reichstags« nSschuß für Auswärtiges.

D e r l i n, 9, Dez. (Wolff.) Der Reichs- tagsausschuh für auswärtige An­gelegenheiten trat heute vormittag un­ter dem Dorsitz Stresemanns zu einer Sitzung zusammen, in der zunächst dec Außen­minister Dr. Rosenberg über die Ostfra­gen, insbesondere über die Ausdehnung des Rapallovertrages, sprach. An der Debatte be­teiligten sich die Abgeordneten v. Rheinba­ben (Deutsche Volksparte ), V^eitscheid (Soz.), Koenen (Kom.), Graf Bernstorfs (Dem.) und Dr. Wirth (Z.). Anschließend gab Dr. Ro­senberg einen Aeberblicküberbiege- genwärtige politische Lage und er­örterte in großen Zügen die Aufgaben, die der Reichsregierung daraus erwachsen. Dabei be- h elt er sich eingehendere Mitteilungen vor. Die Reichsregierung hoffe, diese Erklärung im Laufe der kommenden Woche geben zu können. Weiter beleuchtete der Minister die befriste­ten Forderungen, die die Entente wegen der Umwandlung der militärischen Kontrollkom­mission in ein Garantiekomilee, und wegen der Vorfälle in Passau und Ingolstadt jüngst stellte. Die Aussprache eröffnete Dr. Helffe- rich (Dn.).

Aus Hessen.

Aus dem Landtag.

rm. Darmstadt, 10. Dez. Die Rotlage der Privatdozenten hat denAbg Dr.Werner und Gen. zu folgendem Antrag Hel dem Landtag veranlaßt: Der Landtag wolle beschließen, die Re­gierung zu ersuchen, dem Beispiel vom Reich und Preußen zu folgen und die Privatdozenten durch angemessene und rechtzeitig ausgezahlte Unter- stützungsbeihilfen und Lehraufträge mit einer Ver­gütung des Einkommens in Stufe 10 unterstützen.

Dieselben Abgeordneten beantragen weiter: Der Landtag wolle hefchliehen, die Regierung zu ersuchen bei der Reichspostverwaltung dahin zu wirken, daß den Inhabern der P 0 st h i l f s st e l l e n eine den Zeitverhältnisten entsprechende Entlohnung gewährt wird. Es ist nicht angängig, daß man beute noch für eine Iahresarbeitsleistung 100 bis 200 Mk. bezahlt. Wir erwarten, daß die Entloh­nung mit der Geldentwertung Schritt hält, von einem unbesoldeten Ehrenamt könne keine Rede sein.

Auf die Anfrage der Abg. Dr. Werner und Gen. bezugl. Alkoholausschrettungen ist eine Antwort des Ministeriums d.I. eingegangen, worin auf ein Ausschreiben an die Kieisämter und Oberbürgermeister hingewiesen wird. Das dem­nächst zu erwartende Reichsschankstättengeseh werde weitere Handhaben zur Bekämpfung des Alkoho- lismus bieten.

Aus Sladt und Land.

Gießen, den 11. Dezember 1922.

Kriegsdienftkeiftunft und Dienftzeitversorgung.

Das Reichsgesetz vom 4. Juli 1921 (ReichSgesetzbl. S. 825) sieht eine anderthalb­fache Anrechnung der während des Krieges 1914/18 im Reichs- oder Militärdienst xurück- gelegten Dienstzeit vor, sofern sie mindestens sechs Monate betragen hat und nicht infolge Anrechnung von KriegSj-ahren oder Doppel­rechnung höher zu rechnen ist, oder in der Kriegsgefangenschaft oder im Militärdienst eines dem Reiche nicht angehörigen Staates zugebracht wurde. Dies ist von Bedeutung für die e h e m. K a p i t u l a n t e n, die k e i n e Dienstbeschädigung erlitten haben. Die auf Grund mindestens IZjähriger Dienstzeit

58. Fortsetzung.

(Rachdruck verboten.)

ner nicht , Blick in die Weite. Dec Äczt zog den Hut und r-t wies | Herwegh tat höflich das gleiche. Der Rotbart

Die Herweghs

Sine rechtsrheinische Geschichte von Lies bet Dill.

.Ist er denn geisteskrank?"

.Richt eigentlich, sonst dürfte er hier nicht 1$d herumlaufen. Drüben, der Arzt wies

auf eine ^ohe, von einem jetzt kahlen Spalier berankte Vtauec, welch? den Anstaltspark in zwei Hälften teilt«, »dort sind die wirllichrn Kranken. Hier haben wir nur einen mit Größenwahn, der ist aber ganz still und wandelt erhaben durch die Menge, und diesen Rarreu mit seinem Cembalo. Er schreibt fortwährend Bestellungen an Piano- firmen, die wir natürlich nicht abfchicken. Es ist eine Leidenschaft von ihm. Klaviere zu kaufen, und mehr wie eins braucht man doch nicht."

»Das kommt ganz darauf oa, was man spielt," sagte Ernst. .Die Klavierkonzerte von Beethoven zum Beispiel verlangen eine Klcwierstirnme und ein begleitendes Orchester, dessen Stelle das zweite Klavier übernimmt, während der Flügel das Kladiersolv wiedergibt, und das Rondo von Cho­pin ^der die Schimannschm Variationen sind direkt für zwei Klaviere geschrieben."

Davon versteh-? ich mchts,' sagte der Arzt. Aber es gibt Patienten, die schnnbar gesund sind, uns aber mehr Schwierigkeiten machen wie die wirklich Kranken. Dazu gehört Kottcnhan. Wir haben ihm das Musikzimmer zugeschlossen, ec spielte nämlich den ganzen Tag- Das ist seinen Rerven durchaus nicht gut, de-.m der Mensch kann nur ein gewisses Maß von Musik vertragen."

Das kommt bab-'S, weil ec sich langweilt," sagte Ernst.Seine OetanVen müßten abgelenkt

Werden." Und ec b'sch', sich Herrn Kottenhan zu widmen und mit diesem Doktor nicht mehr über Musik zu reden.

Als sie an der HauStür cmkarneri, öffnete sich diese weit, ein großer magerer Herr, ein weißes Halstuch umgeschlagen, die Hände ti den Taschen, mit rotem Bart und goldener Drille, kam die Treppe herunter und schaute mit abwesendem die Wett«. Dec Arzt zog den Hut und

Bitte," sagte dieser, beim man durste Herrn Kottrmhan nichts abschlagen. Dec bewegliche Herr schütt, den Stock auf dem Rücken, neben ihnen h?r, lebhaft auf Herwegh einsprechrnd. Er mar lange in Rußland als Verwalter eines fürstlichm Gutes gewesen, hatte Weltreisen gemacht und sich bann nach Rheinau zurückgezogen.Ich hatte immer vor, Sie einmal kennen zu lernen, hab' viel von Ihnen gehört," sagt? Kottenhan,leider war ich stets bchchchtigt. Ich spiele mehrere Instru­mente und habe meine Villa erst völlig verändern müssen, um meine Orgel darin ekizubauen und die Flügel Darin unterzubringen. Die Rheinau- scheu Wohnungen sind nur für Abendessen ein­gerichtet. Ich spiele das Cembalo, aber das Musi ä ren ist, hier verboten," fügte er mit einem feindttchm Seitenblick auf den Mediziner hinzu. Rur ein Schöpfer tanr.i einen Schöpfer ver­stehen." Ec b. udte Herwegh nochmals die Hand, zog seinen Schlapphut und war im Augenblick auf einem Seitenweg verschwunden.

Wer ist das?" fragte Herwegh.

»Ein Manitec," sagte der Arzt,feine Familie bat ihn zur Beobachtung hergeschickt, er ist wegen Verschwendung unter Kuratel gestellt. Run laust er b.-n ganzen Tag herum und hält Ansprachm Alle fliehen ihn. u.rd so schießt er plan- und ziel­los in diesem Garten umher."

versorgungSverechttgten ehem. Kapitulanten können h erdurch eine höhereDienstzeit- reute erhalten, ehem. Kapitulanten mit einer kürzeren als 18- oder 8jährigen Dienst­zeit können nachträglich eine mindestens 18- oder 8jährige Dienstzeit erreichen und damit einen Anspruch auf Dienstzeitver- forgung erwerben, letzte, e jedoch nm, falls eine Minderung ihrer Erwerbsfähigkeit um wenigstens 10 Prozentbei der Entlassung" noch jetzt zweifelsfrei nachweisbar ist.

Die Zahlung der höheren oder erstmaligen Versorgungsgebührn sse beginnt frühestens Mit dem 1. April 1920.

Ehemalige Kapitulanten, deren Versor­gungsgebührnisse noch nicht unter Berücksich­tigung vorgenannten Gesetzes festgestellt wor­den sind, tun gut, einen entsprechenden Antrag bei Ihrem VersorgungSami einzu.elchen, da die Prüfung und Feststellung von Amts wegen nur bei der Durcharbeitung ihrer Akten ins­besondere gelegentl.ch der Amanerkennung nach dem R. V. G. erfolgen kann.

*

** Der gestrige Sonntag führte bei dem schönen klaren Frostwetter den Geschäftsstraßen unserer Stadt einen starken Menschenverkehr zu. Ramentlich im Seltersweg herrschte zeitweise ein Betrieb, der durchaus großstädtischen ölmfang zeigte. Die Gießener Familien fanden sich be­sonders hier zusammen mit den zahlreichen Aus­wärtigen, um Ausschau zu halten für das Weih­nachtsfest. Die Auslagen der Geschähe in allen Straßen, in vielseitiger und interessanter Weise hergerichtet, fesselten sehr stark. In manchen Läden herrschte bereits reger Kundenverkehr, im allge­meinen aber war die Kauflust, nach unseren Be­obachtungen, noch nicht allzu stark: man beschränkte sich zumeist noch aus das Ansehen der Auslagen, um tn aller Dedachtsarnkeit seine Kaufentschlüsse zu fassen. Der Zustrom der auswärtigen Interesienten war sehr stark; an den Eisenbahnschaltern herrschte starke Rachfrage nach Fahrkarten aller Richtungen.

" MuseumSdiebstahl. In der Zeit vom 7. bis 10. Dezember wurde im hiesigen Museum ungebrochen und eine Menge Orden aus Edel­metall, silberner Bauernschmuck, Bauernohrringe, Haarpfeile aus Dein und ein Relles aus Elfen­beinSchneewittchen, die Tauben fütternd", ent­wendet. Die Diebe hatten es in der Hauptsache auf Gegenstände von Edelmetall abgefehen. Sach­dienliche Mitteilung nimmt die Kriminalabteilung entgegen.

** DasSchleifen" und das Fahren mit kleinen Schlitten auf öffentlichen Straßen und Plätzen ist durch die polizeilichen Bestimmungen über die Reinhaltung und Wegsamkeit der <3traben und Plätze bei Geldstrafe bis zu 600 Mark oder Haft verboten. Zum Schuhe der Passanten sind die Polizeibeamten angewiesen, dem Unfug entgegen- 3utreten und Zuwiderhandlungen unnachstchtkich zur Anzeige zu bringen. Die Eltern werden gut tun, den Kindern von dem Verbot Kenntnis zu geben, und auch die jungen Leute, die nach amtlicher Be­obachtung sehr oft als Missetäter In Betracht kommen, mögen die polizeiliche Anordnung beachten.

Die Pflicht zur Reinigung der Bürger­steige von Schnee und EiS bringt das Polizei­amt den Grundstückseigentümern jetzt tn Erinnerung. Danach haben die Hausbesitzer den Schnee, der in der Rächt fällt, längstens bis 8 Uhr vormittags in der ganzen Breite des Fußsteigs zu entfernen, bei fortdauerndem Schneefall ist die Reinigung tags­über fo oft als nötig zu wiederholen. Bei Glatteis müssen die Fußsteige in einer Breite von minde­stens einem Meter mit Sand, Kies, Sagemehl oder anderem Stteumaterial ausgiebig bestreut werden; Schlacken sind verboten. Schnee unb Eis von den Bürgersteigen dürfen in den Straßen, die von der Elektrischen befahren werden, nicht auf oder dicht an das Straßenbahngleis abgeworfen werden.

** Das Ergebnis der Handels­kammerwahl vom 5. und 6. Dezember wird im heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben.

** In der Gesellschaft für Erd- unb Völkerkunde hielt Prof. Dr. Hans Schneiderhöhn am Mittwoch abend einen interessanten Vortrag überLandschaftsbildec aus Deutsch-Südwestafrika". Der Vortragende be­richtete auf Grund eigener Beobachtungen. Er reiste Anfang 1914 nach Deutsch-Südwestafrika, um mineralogisch-geobogis he Studten in len großen Kupferlagerstätten im Otävibergland zu machen. Durch den Krieg an der im Oktober 1914 beab­sichtigten Heimreise gehindert, setzte er nach der Uebergabe des Schutzgebietes an die Truppen dec Südafrikanischen Union die geolog.sch?n S u- dien in erweitertem Umfange fort. Er unternahm für die Otavigesellschaft die geologische Kartie­rung und Untersuchung sämtlicher Erzlagerstätten und die Erforschung der geologischen Verhält­nisse deS Otaviberglandes und macht? ausgehehn e Reisen im ganzen Schutzgebiet. In bezug auf die

warf ihm einen wohlwollenden Blick zu unb schritt an Leiden vorbei, mit einer Kopsbewegung dan­kend, wobei er den Hut aufbehielt.

Wer ist das?"

Ein Dürstensabrikant aus Glogau, der sich für den entthronten König von Aegypten hält."

Und eS fiel Herwegh wieder em, wo er war.

Seit sich das Rheinbabener Anstaltstor hinter Ernst gsechlossen hatte, war in der Mainzer Straß? Wiel er Ruhe eingetreten.

Es hatte sich, wie bec General prophezeite, alles wiedergelegt". Die Gerichtsverhandlung war zwar nur abgebrochen toovben und sollte wieder ausgenommen werden, sobald der Befund dc-s Psychiaters über Herweghs Befinden ab- geschloßen war. Ader sie hatte doch, dank der Aussagen dec Gläubiger, Herwegh von einer Schild entlastet, die ferne Ehre als Mensch ver­nichtet hätte.

^cau von Herwegh, die längere Zeit bett- [äger.tg gewesen, nahm wieder Be,uch? an. Doch der Arzt hatte ihr geraten, sich Vor Aufregungen in acht zu nehmen. Sie begann stark zu werden, ihr Herz ertrug keine Erschütterungen In ihren Jahren muhte man auf ein angegriffenes Organ Rücksicht nehmen.

Sie hätte nich-t die Kraft gehabt, Emst jetzt zu sehen. Sein Aufenthalt hi der Irrenanstalt war gewiß ehrenvoller wie im Gefängnis, oder wenn er auf einem Schiff das Weite gesucht hätte, aber diesen Zusammenbruch verwand sie nicht so leicht.

Ihr Haar war Weiß geworden, und wenn sie In der Sowie auf der Stvaße am Arm Herberts auSging, glaubte sie, alle Blicke richteten sich auf sie: das ist seine Mutter. Dazu kam die Sorge, wie man sich jetzt ettarichten sollte.

heute an der Oberfläche wirksamen geologtscyen Faktoren zerfällt Südwestafrika in sechs natürliche Landschaften. Die K ü st e u z 0 n e gibt den Schlüssel zur (Märung des wüsten Hinterlandes: Der kalte Vengu2la|troni kühlt die landeinwärts wehende Lust an der Küste ab, welch? dort ihre Feuchtigkeit verliert (Seenebel) und als trockener EeLwinv das nackte erhitzte Lind bestreicht. In­folge jugendlicher Hebungen ist d e Küste l e.onders im Dwmantgeviet oft als Steilküste aurgebildet. Der bis 100 Kilometer breite Wühengürtel längs der Küste ist die Ramib. Ein Teil Don ihr, die die Diamantfelder und den anschließenden Düueu- gürtel umfassende Windnamib steht unter ber Herrschaft heftiger, ständig wehender Süd- westwinde, welche die Obers lächenformen des ganzen Gebietes bestimmen. Die Ramib ist eine etwa 1; 100 zum Meer geneigte Ebene, mit Kies, Sand unb nackiem §els bedeckt. in die oft steilwandige Trockentäler elngerissen sind, und auf der Einzelberge und wildzerrisseue Gebirgsstöcke ausgesetzt sind lInselberglandschast). Vegetation fehlt zunächst völlig und tritt gegen das Inland flam, spärlich auf. Wind, chemische nnt> physi­kalische Verwitterung bedingen ihre Oberflächen» formen. Im Süden enthält sie die reichen Dia­mantfelder südlich Lüderitzbucht, im Rorden eine Anzahl kleiner Erzlagerstätten. Sie geht durch eine Halbwüste allmählich über in die Steppen des Hererolandes im Rorden und des Ramalandes im Süden, die mit lichtem Dusch bedeckt sind. Der nördliche Teil bildet eine Inselberglandschaft, der südliche Teil ausgedehnte Tafelländer. Geologisch wirkende Faktoren sind die chemische Verwitterung der Gesteine unb die Schichtfluten ber seltenen, aber heftigen Regen. Diese zur Viehzucht gut geeigneten Steppen gehen nach Osten über in die große innerafrikanische Senke der Kalahari, die ebenfalls ein Step­pengebiet darstellt, nicht, wie man so oft liest, eine Wüste. Zu ihr gehört auch das tropische Amboland ganz im Rorden des Schutzgebietes. Die Kalahari ist das große Ablagerungsbecken der durch Wind unb Wasser dahin verfrachteten mechanischen Rückstände und chemischen Ausschei­dungen des ariden chemischen Verwitterungs­zyklus. Eine im geologischen Aufbau begründete Sonderstellung nimmt das bis 2100 Meter hohe Otävibergland am Rande der Kalahari ein, das schon inS aride Tropengebiet fällt und mit dichtem Vusch und lichten Wäldern bedeckt ist. Es baut sich fast nur aus Kalken und Dolo-> miten auf, unb seine Oberflächenformen werden in erster Linie durch die Löslichkeit dieser Ge­steine gegenüber den reichlichen Riederschlägen bestimmt. Sie bildet deshalb eine prächtige Karst­landschaft. Im Otävibergland befinden sich die be­kannten reichen Kupfer-, Blei- und Zinkerzlager- ftätten. Der Vortrag wurde durch zahlreiche Licht­bilder nach eigenen Aufnahmen erläutert.

Bornotizen.

T.0tgeska lender für Montag. Hotel Hopielb, 3 Ahr: Generalversammluig der Maurermeister des Kreises Gießen. Astvria- Lichtspiele, ab heute:Die Dettler-Prin'efsin" und Die Veute der Erinnyen". Lichtspielhaus, Tahnhofstraße:Das Kind der Straße", 2.Teil; Hallys Untergang" und .Zve Martin willMensch werden". Palast-Lichtspiele, ab heule:Wild­nis" undVerrat auf Schloß Tceuensels".

Aus dem Stadttheaterbureav wird uns getrieben: Anläßlich der morgigen Erstaufführung der OperetteFrühlingsluft" ist noch zu erwähnen, daß dec musikalische Teil von Kapellmeister Karl Kübel eiustudiert wurde, der auch dirigiert. Vortvmmende Tänze sind arrangiert von Lina O l d i n i. Das einzige Gastspiel des Kammersängers Rüdiger am Donnerstag um V28 Uhr dürste allen Freunden musikalischen Humvcs einen erlesenen Genuß bereiten.

Wettervoraussage

für Dienstag:

WoMg und dunstig, leichte Schneefalle, falt, schwache Winde.

Die Kälteperiode scheint noch nicht zu Ende zu sein.

Kreis Schotten.

Fl Gonterskirchen, 9. Dez. Der Land- toitt^ ermann Vecht von hier wurde gestern bei ber Holzarbeit im Walde von einer stürzenden Fichte getroffen und auf der Stelle getötet.

Hoherodskopf, 9. Dez. Heute ist hier ein gewaltiger Schneefall erfolgt Die schönste Schibahn hat sich gebildet. Die Wäl­der sind prächtig behangen.

B. Kaulst 0 s, 9. Dez. Das Fest der gol­denen Hochzeit feierte in körperlicher und

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 8300, Frankfurt a. M. 83758425.

Tante Detty hatte bereits eine Mansarden­wohnung für sie gesichert und Fräulein Schmidt schon mit d^m Auktionator gesprochen, der die Salonmöbel bei der nächsten Versteigerung mit- nehmen wollte. Trina hatte man unter Tränen gekündigt, und Frau von Herwegh suchte sich in diesem neuen Geben zurechtwfinden. Aber für eine echte Rheinländerin ist ein Leben, das auf Sparen unb Entbehren gerichtet ist, kein lebens­wertes mehr. Diese Rasse ist für den Lebens­genuß geschaffen. Man arbeitet hierzulande inten­siver uno freudiger wie sonst'wv. aber zu den Spartanern gehört man hier nicht.

Von diesen Sorgen befreite sie eines Tages unerwartet Clane. Hie brachte ihr ein Dankbuch über ein Guthaben von zehntausend Mack. Sie hatte ihren Schmuck versetzt.

Gott, Mama, ich hab' ihn immer nur als Versatzstück betrachtet."

Liane trug d?n rotblonden Kopf genau so hoch wie vorher, sie betrachtete ihre Lage zwar ats etwas erschittert, aber Siegernaturen lasten sich von /i.n paar Hchicksalsschlägen nicht be­zwingen. Sie gehörte nicht zu den jungen Mäd- chm, welch? nach dec ersten Jugend vei'blühen und reisios werden. Für gewisse Frauen gibt es mehrere Blütezeiten, und sie stand in ihrer zweiten, gefährlichen Periode. Wenn sie darauf ausgegangen wäre, sich einen reichen Mann zu erobern, sie hätte es ohne Anstrengung jeden Tag gekonnt. Aber es war noch nicht der Augen­blick gekommen, sich zu verkaufen.

Im Herbst ging sie mit der Tessy nach Amerika, dort standen die Frauen höher im Preis.

Dann tarn Cut}' großer Tag beim Concours hippique in Frankfurt.

(Fortsetzung folgt)