Nr. 29<
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Lrantsurt a. M. 11686.
Uz. Jahrgang
Montag, V» Dezember f922
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
VruS vnd Verlag: vrühl'fche UniverfitSt§-Vuch- und Steinbruderei R. Lange in Gießen. Zchriftleitvng und Geschäftrstelle: Schniftrahe 7.
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Die Londoner Konferenz.
BarlS. 10. Dez. (WTB.) Der Donter- berichterstatter der Agentur Havas berichtet aus London, die Beratungen der Premierminister hätten um drei Uhr ihren Anfang genommen und feien um 6>/r Üfc abge- fch'ossen Worten. — Die Vorschläge der deutschen Regierung, die in der gestern dem Fo eign Office übermittelten Rote enthalten find, find An erster Stelle geprüft a>or- den. Es wurde einstimmig entschieden, bah die Vorschläge nicht die Grundlage efner Verständigung bilder könnten. Die Beratung über die Gesamtheit des Aeparationsprvblems wurde daraus fortgesetzt. P o i n c a r e hatte nach Schlich derSitzung eine Unterredung mit Donar La w. Der englische Ministerrat nrirb morgen früh zusammentreten. Bonar Law wird über die im Gange befindliche Verhandlungen Bericht erstatten.
London. 9. Dez. (WTB.) Reuter. Die Konferenz der alliierten Minister trat um 6 U&r nachmittags wieder zusammen und vertagte sich um 6 Uhr 45 Minuten auf Sonntag vormittag. Eine amtliche Mitteilung besagt, bah die alliierten Minister in eine vorläufige Erörterung der Frage der Reparationen urd der interalliiertm Schilden eingetreten sind. Die Erörterung beschränkte sich aus die Politische Seite der behandelten Foa-'en.
Der Verlaus des ersten Verhandlungstages. Paris, 10 Dez. (WTB) Heber den Verlauf d.s gestrigen ersten Verhandlungstages in London glaubt Havas, obwohl alle De egationen strengstes Eeh im.ris wahren, mitteilen zu können, es sch ine. daß der franzöjische Standpunkt dahin formuliert werden könne, dah Deutschland höchstens für zwei Oahre Zahlungsaufschub für die Geldzahlungen gewährt werden solle. Während dieser Zeit mähten aber die Sach igerungen, wenn auch in verringertem Mahstad, durchgeführt wer- den. Die deutsche Regierung müsse in kurzer Frist gesetzliche Maßnahmen erlassen, um die deutschen Finanzen zu sanieren. Ein Kredit von einer Halben Milliarde Goldmark, wozu eine gleich hohe Summe aus dem Goldbestand der R:ich?bank kommen mühte, solle Deutlch'and zur Stabilisierung derMark zur Verfügung gestellt werden Um eine Bürgschaft für di- Ausführung dieser Reformen zu besitzen, mühten dis Alliierten 25 Prozent von den deutschen Aus ute llmahmen erheben, sowie fcie Bergwerke des Autzrg .bie e? kontr-oll^apen.
Der italienische M i n i st e r p r ä f l» dent überreichte, wie Havas weiter berich et, der Konferenz eine Rote, in der er die -lieber» z-uaung ausspiicht, dah man Deutschland zum Zahlen brinaen könne, und dah, wenn ein Zahlungsaufschub g.währt werden mühte, dies nur gegen gewi.se Bürgschafte i erfolgen dü.-fte. Er sei jedoch Gegner militärischer Druckmittel. Er wies auf dir Rotwendigkeit hin, dir Verpflichtungen Deutschlands neuerlich n a ch; u p r ü f e n. intern man Rücksicht nehme aus bi? allgemeinr Lage ganz Europas, die einen Ausgleich erfordere.
Der belgische Ministerpräsident L h e u n i s sp.ach ,ih zu Gunsten der französisch- «ngliichrn Solidarität aus. tt> für den Weltfrieden notwendig fei Do nar Law trltijie.t» dir Dorsch äge des französischen Ministerpräsidrnten in sehr gemäßigter Form. Er brtiachtr die Aufrechterhaltung b:r C.itente cordiale als eine grundlegende Rotwencigleit. er müsse ater auch mit der öf fentliehen Meinung' in Groh- britannien rechnen, die in der Mehrheit jeder Z w a n g s rn a h n a h rn e gegen Deutschland feindlichgesinnt sei Auch England l.ide stark unter d.n Folgen des Krieges Cs sei weit davon entfernt, das Deutsche Reich von seinen Verpflichtungen befreien zu wollen Er wolle Z a hl ungen erlangen, aber imRah- men des Möglichen. Dir gegenwärtig? englisch? Regierung werde einer verstärkten Kontrolle ter deutschen Finanzen zustimmen, sicher auch die Erhebung von 25 Prozent vom Wert der deritsch'n Ausfuhr uiü> von den deutschen Zolleinnahmen zulassen.
Weiter berichtet Havas, die Verhandlungen schienen bei der Erörterung drs Reparations- Problems gehe nt über diese allgemeine Ausein- andersehuna nicht hinausgraangen zu sein. Die Annahme habe wcchrsch in.ich etwas f ir sich, däh von b.itischrr Seite ernste Anslreniungen unternommen tourten, um eine Beschlagnahme der Kohlengruben im Ruhrgebiet zu verschieben und dieser Mahnahme nur den Eharalter eines Pfandes zu verteilen. Sie wolle aber als eine vorweg bestimmte sofortige Saick- tüon aufgefafH werden, wenn sich das Deutsche Reich der Sanierung der Finanzen entziehen sollte.
211 der Rachmittagssitzung wurde nach Havas die Frage der alliierten Schulden angeschnitten. Donar Law gab in dieser Bezie- hung eine besonders interessante Erklärung ab Er versicherte, dah die b r i t i s ch e R e g i e r u n g ohne die amtlichen Absichten der Vereinigten Staaten abzuwarten, den E r l a h d e r S u m m e n $u bewilligen bereit sei, die die alliierten Mächte England schulden, und zwar als Ausgleich für die Schatzbons der Serie 6 Voraussetzung hierfür sei dah eh solches Opfer zur Lösung des allgem.l en Repa ationsp ob e ns beitragen könne. Havas fügt hinzu, anscheinend eröffneten sich nach dieser Richtung hin neue Möglichkeiten hinsichtlich der ßiquibierung
der europäischen Passiven, deren Erörterung die Dalfoumote im August verhinderte. Zum Schluß heiht es in der Havasnote: Wie man sehe, seien die franzostschen und die britischen Aufsas u.rgen noch weit voneinander entfernt, aber im Gegensatz zu den letzteren Kon erenzen könne man eine allgemeine Lösung erhoffen, da die Beratungen mit gutem Willen fortgesetzt würden.
Der neue deutsche Vorschlag.
Berlin, 11. Dez. (WTB.) Entsprechend ihrer Absicht, in der Reparationsfrage eine Politik der Aktivität, derAuf- richtigkeit und der geschäftlichen K l a r h e i t zu führen, hat die d e u 1 s ch e R e- gierung zu Beginn der Konferenz der alliierten Ministerpräsidenten einen Schritt in London unternommen. Sie ^it die Dringlichkeit einer endgültigen Lösung der ReparationSsrage erneut nachdrücklich betont und, um eine solche Lösung durch zweckmäßige Vorschläge anzubahnen, in Ausführung der Note vom 14. November ein System von inneren und äußeren Anleihen zur Erörterung gestellt. Das dafür zu gewährende Moratorium soll je nach der Höhe des Zeichnungsergebnisses bis zu fünf Jahren betragen. Außerdem soll Deutschland im Sinne der Note vom 14. November für die Dauer des Moratoriums von allen sonstigen Lasten des Vertrages von Versailles befreit und seine wirtschaftspolitische Gleichberechtigung wieder hergestclki werden. Der Betrag der AuslandSanle.he soll ganz, der Betrag der Inlandsanle he zur Hälfte der ReparationS- kommission zur Verfügung gestellt werden. Die andere Hälfte der Inlandsanleihe soll der Stabilisierung der Mark und dem Ausgleich des Reichshaushalts dienen.
London, 10. Dez. (WTB.) Reuters Bureau erfährt, dah heute abend den Premierministern die deutschen Vorschläge überreicht würden, die besagen, die ^deutsche Regierung beabsichtige, den Vorschlägen, die in ihren Roten vom 14. Rovember enthalten seien, stad;ach. Fplge zu geben, dah sie Maßnahmen treffe zu einer Stabilisierung. der Mark unter Heranziehung der eigenen Hilfsquellen Deutschlands und durch Ausgabe auswärtiger und innerer Anleihen mit dem Vorbehalt, dah ein Teil der inneren Anleihe für die eigenen deutschen 3nterefret verwendet werde. Die Anleih .n s rtten unm ttribar nufgeLgt trerte t, und ein bestimmter Antrii der äußeren Anleihe sollte der Reparationstommission überwiesen werden. Die damit angeregten Vereinbarungen würden eine Regelung der Reparationscmgclegenheit für mindestens zwei Jahre bedeuten. Die deutsch; Regierung schlieht ihren Bericht mit einem eindringlichen Appell an die Verbünde en für eine Lösung des Reparationsprvblems, für /die nach ih er Meinung ihre neuen Vorschläge den Weg öffneten.
Die deutschen Vorschläge verworfen?
London, 10. Dez. (WTB.) Reuter. Mussolini hat heute in einer Unterredung erklärt, dah die Alliierten einstimmig die deutschen Vorschläge verworfen hätten.
Der Repnrationsplnn Mussolinis.
London, 10. Dez (WTB) Reuter meldet: Heute vormittag fand l/ v: Sitzung der Minister- konferenz statt, da der Premierminister beim König zum Besuch eingeladen axir. Mussolini hatte nur kurze Zeit Gelegenheit, mit Donar Law allein zu sein. Die italienischen Sachverständigen arbeitete r die ganze Rächt an dem Reparationsplan Mussolinis. Die Konferenz tritt heute nachmittag um 3 Uhr wieder zusammen.
Dubois für Herabsetzung der Nc'parat-onssnittme.
Paris, 9. (WTB.) Louis Dubois, ter ehemalige Vorsitzende ter Reparationskom- missivn, hat ein Vorwort zu einer Broschüre geschrieben, die die „Revu? politigue et pari nncn- taire“ verlegt hat. Er sagt darin: „Deutschland ist trotz allem immer noch verpflichtet, in einem mehr oder minder langen Zeitraum die vollen 132 Milliarden zu zahlen, die, fei or: wenn feine Finanzen reformiert sein werden sehr schwer auf feiner wirtschaft.ichen Leis.ungssä'ng eit und auf seinem Kredit weiter lasten werden. Das wird ihm jede Auslandanleihe von nennenswertem Umfang eistchw^ren und seine H-andelsbezie unzen zu den alliierten und assoziierten Mächten zum Schaden ter letzteren wie zu seinen eigenenScha- ten behindern. Der „Eclair" sieht voraus, dah diese Aeuherung eine lebhafte Diskussion in ter Politischen Weit au Höfen werte.
Absichten der «ordfranzöfischen Judnftrie.
London, 11. Dez. (WTB.) Rach dem Londoner Berichterstatter des ^Reutzvrk H-erald" wird in französischen Kreisen ter Konferenz nich amtlich vielfach auf die Tatsache hingew e en, dah die Militärs in Frankreich einer De- fetjung des rechten Rheinufers und des Ruhrgebietes ablehnend gegenüberständen, Es werde e r.ärt, dah ter wichtigste Ausgangspunkt der D.wegung zugunsten der Besetzung des Ruhrgebietes in ter nord
französischen Industrie liege. Diele verfüge über zahlreiches Personal und wolle wenn die Regierung zur Besetzung sch eite, versuchen, die Bergwerke und Fabriken mit französische i Arbeitern und Qlngcfieli et in Betrieb zu nahmen, wie immer die deutsche Bevölkerung sich auch dazu stellen möge.
Die deutsche Antwort auf die Sühneforderung. Paris, 10. Des. (WTB.) HavaS teilt mit, die Antwort der deutschen Regierung auf die Note der Botschafterkon- ferenz über die Zwischenfälle in P a s s a u und Ingolstadt sei heute nachmittag in Paris überreicht worden. Die deutsche Regierung erklärt, daß sie allein berechtigt sei, die Entschuldigungen auszusprechen, die verlangt werden. Sie erkläre weiter, daß sie die Bürgermeister selbst in ihrer Eigenschaft als Polizeiorgane nicht absetzen könne, da sie keine Beamten seien, sondern gewählte Organe autonomer Verwaltungen. D e deutsche Regierung teilt weiter mit, daß die verlangte Summe von einer Million Goldmark zur Verfügung der interalliierten Militär - Kontrollkommission steht.
Der Reichskanzler über die Rheinlandsrage. Berlin, 9. Dez. Bei einer Besprechung zwischen dem Reichskanzler unb ten Vertretern rheinischer Zeitungen führ.e Reichskanzler Cuno über die Rheinlan.frage u. a. folgendes au 5:
Wenn als Deratungsthema bei der Sitzung hn Elhsoe die BZ:hung tes Ruhrgebietes verhandelt worden ist, so sind unsere Ohren feit nunmehr zwei Jahren schon me jr oder weniger baian gewohnt. Ich weist au3 eigener Erfahrung, dah man oft gezwungen ist, Pläne zu beraten, auch dann, wenn man sie selber von vornherein verwirft. Es gibt manchmal Umstände, die es schwer machen, eine solche Beratung abzulehnen. Pflicht ter ReichZregierung ist ei gegenüber ter- arst'rgen Meldungen, EntschlossenH-U unb Ruh» u betoahren. und auch ten Rh bla b und dem Ruhrgebiet kann ich nur ten dringenden Rat geben, sich nicht nervös machen zu lassen, tes um so weniger, da die S ellungnahrne ter ReichZregierung zu diesen Dingen unzwcisclhaft und ur-liy.i eilig ist. Der De sailler Vertrag hat uns ja im allgemeinen nur Ptzich en in Hülle und Fülle aufgepackt Zu den wenigen Rechten, die uns gelassen worden sind, gehört eincs, tes wir unter feinen ilmftanten preisgeten: ter Anspruch auf ungeschmälerte Zügel ö i k if ter rh.i ä chrn Geb ete zum großen dcutsch-n Vaterland und zu dcn beteiligten deutsch'N Lande n Ein solches Recht kann auch das unter ten Lasten des Vertrags von Versailles feuszente Deutschland niemals au'geten. Im Gegcnt.il: ilnfere Politik muh als eines ter Hauptziele im Auge haben, die jetzt noch von frcmten Heeren besetzten Gebiete sobald als möglich von dieser Last zu befreien. D.utschland hat einen vertraglich te.‘bürgten Rechtsanspruch darauf, daß mit Ablauf des 9. Canuar 1925 ter D.ückenkopf von Köln und die übrigen im Artikel ^9 genannten Gebiete geräumt werden. Mi Ariauf tes 9 Ja mar 193) müssen der Drücke,lioof von Koblenz und die übrigen im Verfall'er Vertrag ge’tau bnz ll'chnete^i Gebiete geräumt sein und mit tem Aolauf des 9. Januar 1935 muh ter letzte Soldat ter atfi'.orten und assoziierten Mächte das besetzte Gebiet verlassen haben!
Dieser Rechtsanspruch ist nur einer Einschränkung unterworfen, die im Schlußabsatz von Artikel 429 des Vertrags dahin feftgehgt ist, dah die Zurückziehung ter Desatzungstruppen in gewissem Umfange aufgeschoben werten kann, wenn nach Ablauf ter 15jährigen Desetzungsfrist von den alliierten und assoziierten Regierungen — nicht etwa von den Regierungen ter Desahungs- machte oder nur gar von einer dieser Regierungen, — etwa ter französischen — bei Ablauf ter Desetzungssrift ausdrücklich die Feststellung getroffen wird, dah gegen einen Anarif' den erwähnten Art keine hinreichende Sicherheit besteht. Sagen Sie ter rheinischen Devölterung, day die rheinische Treue zum Reich mit ter Treue tes Reiches zu den Rheinländern vergolten werten wird!"
Protest gegen die französische Rheinpolitik.
Darmstadt, 10. Dez. (Pr'vattelegr.) Eine heute im Landtagssaal veranstaltete Versammlung der Zentrumspariei aus den Ländern am Rhein, der u. a. auch der frühere Reichskanzler Fehrenbach und andere führende Parlamentär er beiwohnten, billigte einmütig eine längere Entschließung, in der auf das unbestreitbare Recht der Zugehörigkeit der Rhei.rlande und deS Rheinstroms zu Deutschland hmgewiesen wird. Das Rheinland lege gleichzeitig Verwahrung ein gegen den Druck der Besetzung, besonders durch schwarze Truppen, sowie gegen die Verwendung weiterer Strecken fruchtbaren Kulturbodens zu militärischen Zwecken. An alle zivilisierten Mächte ergehe der Hilferuf: Macht diesem Zustand ein Ende.'.
Mainz, 9. Dez. (Wolfs.) Der P r o - vtnziallandtag von Rheinhessen, der heute zu einer Tagung zusammengetrcten ist, hat eine von sämtlichen Parteien eingebrachte Resolution folgenden Wortlauts einstimmig angenommen:
„Die Bevölkerung Rheinhessens, vertrc- ten durch ihren heute in Mainz versammelten Provinziallandtag, gelobt klar und unzwei^ deutig, in schwerer Zeit treu und unentwegt zu ihrer hessischen Heimat und dem großen deutschen Vaterland e zu stehen. Mit Empörung weist sie alle auf eine Abtrennung hinzielenden Pläne zurück und legt fe.erlichst Verwachsung ein gegen jede von außen beabsichtigte Veränderung innerstaatlichen Lebens. Keine Gewalt, keine Lockung wird sie in ihrer treuen Anhänglichkeit an den DolkSstaat Hessen und an das Deutsche Reich irre machen!"
Lloyd Georges
Artikel gegen Frankreich.
Paris, 9. Dez. (WTB) Der ,Te rn p S" übt heftige Kritik an tem heutigen ersten Artikel Lloyd Georgs im »Daily Chrv- nicle“. Lloyd George beschuldige Frankreich, fo sagt das Blatt, das linke R'.)einufer anneEriercn zu wollen. Richt ohne Entrüstung lese man, daß die französische Regierung mit ihrer Repa- ralionsforterung ihr Spiel treibe, nicht um Deutschland zum Zahlen , u b in en sondern um für ewige Zeiten das Rheinland besetzt zu halten. Richt Aufii.ten damit, daß er auf bhfe Weise seine Landsleute gegen Frankreich aufhetze, fordere Lloyd George slshmtrih, daß die Vereinigten Staaten gegen dir franzöiischr Regierung Stellung nähmen sollen.
London. 9. ®ea. kWolsf) ,Daily Chro- nide“ und „Daily Mail" verösfentlichrn einen aussührlichrn Ariikel Lloyd Georges über lir „Zukunft Frankreichs undDeutsch- lands, ten Pakt Großbritanniens und die Bedrohung tes Rhrinlantes", der heute vor Beginn ter Prcm'.erministei.kon,erenz von befonterer Bedeutung ist.
Der frühere Premierminister geht aus von ter Erklärung Clemenceaus in ten Vereinigten Staaten, daß Großbritannien in ter Frage ter ©arantierung Frankreichs gegen einen deutschen Angriff nicht Wort gehalten habe und weist nach, daß das Angebot in Cannes endgültig erneuert Worten fei Poincare habe es später jedoch nicht angenommen. Rach ter Ansicht Lloyd Georges habe Poincar^ es nicht eta>a deshalb nicht angenommen, weil es nicht wünschte, das Zeichen 5er Ti.ligung unter das W-erk seines Vorgängers zu setzen. Der Grund sei vielmehr bunTIe.ar Art. Denn wenn Frankreich Großbritanniens Garantie ter Verteidigung seiner Grenzen annehme, so entschwi te damit jede Entschuldimng für die Annekivn des linken Rheinufers durch Frankreich Wen.n das die Dedeutung sei, wenn t ie franzo ischm Minister entsch os en feien, sich unter keinen Bedingungen, selb t am Ente ter Desabungsperiote nicht, vom Rhein zurück- zU)i.h:n begi.me ein neues Kapitel in ter Geschichte Europas und ter Welt mit einer Klimax des Schreckens, toi? sie die Mensch- h-it noch nicht erlebt habe. Lloyd George erklärt: Die deutschen Provinzen auf dem linken Rheinufer sind durch und durch deutsch, ter Rasse, Sprache, Tradi icn aib tei Sympathim nach. In Europa sind Z0 Millionen Deutsche, in einer Generation können es hundert Millionen fein. Sie wrrden niemalszufrie»- den bleiten solange Mlllio.ei ihrer La rdsleute auf ter anderen Seite des Rheins unter einem fremden ^oef) leten ruib der De ginn des unvermeidlichen Befreiungs r t e c e d tvird nur eine Frage der Zeit uno dec Ge.e .euheit sein. Lloyd George fragt, ob es zu viel sei. darum zu ersuchm, dah Amerika rechtzeitig ein toi f» sames Interesse an ter Entwickelung am Rhein nehme. W-eter Großbritannien noch Amerika konnten es sich leisten, Manöver unberücksich igt zu lassen, die von ten Ufern tes Rheins bis zum Mississippi, ein Echo fänden. Die beiten seien nicht so weit voneinander entfernt, wie früher, denn nicht fern vom Rhein seien jetzt G.-biete, in denen der Staub von Männern ruhe, die vor weniger als 6 Jahren von den Ufern des Missisippi .ihre Gesichter tem Rhein zu- toanbten“.
Lloyd George weist im Verlauf feines Artikels darauf Hin, daß anscheinend die maßvollste und gleichwohl hinterlistigste Forderung, mit der der Ansp-'uch Frankreichs auf die Annexion der Rteinlante angenommen worden sei, der Vorschlag war. daß die deutschen P.o'o'nrzen auf ten linken Rl>rin- ufer unter französischer Okkupation bleite, sollten, bis der Vertrag erfüllt fei. Das Eeteute für immer! Die Reparation allein, in cewisser Wrile vom Quai d'Orsay behandelt, tourte die Möglichkeit ausschließen, je Erfüllunre t zu erleben. Die rheinische Schule in der französischen Pclit>f r i hmte so mächtig, wie je in einer Hin- sogar noch mäch iter, teri 1913 stand ein Staat-...ann an der Spitze ter Geschäf.e ter die Kraft und Klugch.it besa^, ihren schlecht le>achien Forderungen zu toiterst-.<en. Lloyd George fragt, „aber wie ist es im Ia^ce 1922?“ Wo ist ter Weitblick, toc Starke? Rach Lloyd Georges Ansicht könne das englische und amerikanische Zusammen stechen die Katastrophe abtoenben. Beite müßten klar aus- sprechen, daß ter Angreifer, wer er auch fei, die


