10—12 Hl>r geschlossen. 3n allen Kirchen des IZandes wurden TrauergvtteSdienste abgehallen und die Glocken oelLutet. Alle Kinder wohnten dem Trauergvttesoienft bei und hatten schulfrei. Auf dem Brenner wurde *jeute mittag eine Massenversammlung unter freiem Himmel abgehalten. an der viele Tausende teilnahmen. Die Redner wiesen auf die bedrängte Lage der Deutschen Südtirols hin. Unter dem Gesänge des Andreas-Hofer-Liedes und des Liedes „Deutschland. Deutschland über alles!" fand die Kundgebung ihren Abschluß, <)u Zwischenfällen kam es nicht.
Wien. 10. Oft. (WTD.) Wie die ..Zeitungs-Korrespondenz" aus Meran berichtet, veröffentlichen die deutschen Abgeordneten S ü d t i r o l s einen Aufruf an das deutsche Volk Südtirols, in dem sie an ihre Politik eines friedlichen Rebeneinanderlebens der knutschen und der italienischen Bevölkerung erinnern. Dies sei jedoch nur zwischen Freien und Gleichberechtigten, nicht aber zwischen Zwingherren und Geknechteten möglich Auch der Staatsbürger deutscher Zunge müsse seine Sprache und Kultur pflegen können, ohne deswegen als Staatsfeind gä>randmarkt und Gewalttaten schutzlos preisgegeben zu werden.
Aus dem Reiche,
Zum Wiederzusammentritt des Reichstags.
Aach dem „Derl. Tagebl." wird noch vor dem Zusammentritt des Reichstages der Aeltest e n r a t sich versammeln, um zu prüfen, ob mit 'Rücksicht auf die Bereinigung der beiden sozialistischen Frallivnen die bisherige Zusammensetzung des Präsidiums beizubehallen ist. Der Reichstag wird zunächst nur etwa 8 Tage zusammenbleiben und am 25. Oktober wegen des deutsch-nationalen Parteitages in Görlltz für mehrere Tage seine Sitzungen unterbrechen.
Girre Dertraueuskundgebung der Demo- kratischeu Partei für den Reichspräsidenten.
Elberfeld, 11. Oft. Auf dem demokratischen Parteitag sprach gestern der Vorsitzende Senator Petersen dem Reichspräsidenten den Dank der Deutsch-donw- kratischen Partei für seine ausgezeichnete Führung der Geschäfte aus, besonders auch für sein deutsches Denken und Handeln. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Ebert wieder zum Präsidenten gewähll werde. Die Ausführungen Petersens riefen einen spontanen Beifallssturm hervor, der minutenlang andauerte.
Reue Verhaftungen.
Berlin, 10. Oft. (Wolff.) Rach einer Münchener Meldung der ,.B. Z." wurden auf Grund eines Haftbefehls des Staatsanwalts verschiedene Mitglieder der Organisation „Oberland", darunter Beppo Römer, Dr. Fritz D a r t t e l s, der sogenannte Hauptmann Ludwig Oesterreicher, und der Kaufmann Friedrich Endres wegen Verdachts der Vorbereitung und Aufforderung zum Mord feftgenvmmen. Die Beschuldigten sollen an die Mitglieder des Bundes Oberland Aufforderungen zur Begehung verschiedener Verbrechen gerichtet haben. Aach der „Mün- ' chen-Augsburger Abendzeitung" soll es sich um den Plan der Ermordung politischer Persönlichkeiten handeln.
. Zusammenlegung
zweier sozialistischer Zettungen.
F 3n Dresden ist die Verschmelzung der , beiden sozialistischen Zeitungen beschlossen wor- r den. Die mehrheitssozialistische „Volkszeitung" wird fortan den Untertitel sichren: „Organ der vereinigten Sozialdemokratie".
Kennwort versehen sein, das ihn von anderen Wahlvorschlägen unterscheidet. Das Kennwort darf weder gegen die strafgesetzlichen Bestimmungen noch gegen die guten Sitten verstoßen.
In dem Wahlvorschlag soll ein Vertrauensmann benannt sein, der für Verhandlungen mit dem Kreiswahlkommissar und der Kreiswahlkommission und zur Rücknahme von Wahlvorschlägen sowie zur Abgabe und Rücknahme von Verbindungserklärungen bevollmächtigt ist. In gleicher Weise soll ein Stellvertreter des Vertrauensmannes benannt werden.
Jeder Wahlvorschlag muh von mindestens 25 in der Wählerliste eingetragenen Personen unterzeichnet sein. Die Hnterzeichner sollen ihren Unterschriften die Angabe ihres Standes oder Berufs, ihres Wohiwrts sowie ihrer Wohnung (Strahe rind Hausnummer) beifügen. Jeder Wähler darf nur einen Wahlvorschlag unterschreiben. Eine amlliche (stempel- und gebührenfreie) Bescheinigung des Bürgermeisters, daß die Unter» zeichneten in der Wählerliste eingetragen sind, ist anzuschliehen.
Zwei oder mehrere Wahlvorschläge können in der Weise miteinander verbunden werden, daß sie anderen Wahlvorschlägeri gegenüber als em einziger Wahlvorschlag anzusehen sind. Sind mehr als zwei Wahlvorschläge verbunden, so können unter diesen wieder zwei Wahlvorschläge als „eng verbunden" bezeichnet werden. Jeder Wahlvorschlag darf nur einer Gruppe von verbundenen Wahlvvrschlägen angehoren. Verbundene Wahlvorschläge Eönnen nur gemeinschaftlich zu- rückgenvmmen werden. Das gleiche gilt von den Verbindungserklärunge.r.
Die Erllärungen über die Verbindung von Wablvorschlägen müssen bis spätestens 29. Oktober bei dem Wahlkvmmissar von den Unterzeichnern der betreffenden Wahlvorschläge oder den Vertrauensmännern übereinstimmend schriftlich eingereicht werden. Die Beseitigung der in den Wahlvorschlägen oder Verbindungserllärun- gen enthaltenen Mängel ist nur bis zum 5. Ro- vember zulässig.
Wahlvorschläge oder Erllärungen über die Verbindung von solchen, die verspätet eingereicht sind über den gesetzlichen Erfordernissen nicht entsprechen, werden nicht zugelassen.
Es wird noch darauf hingewiesen, dah nur für unveränderte Wahlvorschläge gestimmt werden darf
Zur Bekämpfung der Preiswucherci bringt das Kreisamt die rtod) in Geltung befindliche Bekanntmachung vom 1. Oktober 1920 betr. die Verpflichtung zum Preisaushang für den Verkauf von Lebens- mittel n und Gegenständen des täglichen Lebensbedarfs im neuesten Amtsverkündigungsblatt erneut in Erinnerung. Danach ist angeordnet:
Verkäufer von Lebensmitteln und Gegenständen des notwendigen Lebensbedarfs haben die Verkaufspreise für die zum Verkauf gestellten Waren in deutlich sichtbarer Weise entweder auf den einzelnen Waren oder den Behältern, in denen sich Waren der gleichen Gattung und Preislage befinden, anzubringen. Insbesondere sind auch alle derartigen Waren, die in den Schaufen st ern ausgelegt sind, mit Preisen auszuzeichnen.
Die ausgezeichneten Preise gelten als Preisforderung, die nicht überschritten werben darf.
ren Angaben sind in einer Bekanntmachung des heutigen Anzeigenteils enthalten.
* * Die Versicherung der Haus- aewerbtreibenden betrifft eine Bekanntmachung des DersicherungsamteS der Stadt Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil, die wir der Aufmerksamkeit der Interessenten empfehlen.
* * 6500 Mark für ein Zwanzigmark st ü ck. Der Ankauf von Gold für das Reich erfolgt in dieser Woche zmv Preise von 6500 Mk. für ein Zwanzigmarkstück. Reichs- silbermünzen werden bis auf weiteres zum 150fachen Betrage angekauft.
* * DerKonzertverein veranstaltet auch in diesem Winter die üblichen zehn Konzerte und ladet unter Hinweis auf das heutige Inserat zum Abonnement ein. Infolge der weiter gestiegenen Honorare und aller sonstigen Unfoften sieht sich der Konzertverein schon jetzt gezwungen, die letzthin angekündigten Preise wie folgt zu erhöhen: 1. Platz 600 Mk.. 2. Platz 500 Mk., 3. Platz 400 Mk. einschließlich Steuer unter Vorbehalt etwaiger Zuschläge. Der Konzertverein steht mit diesen Preisen noch weit unter dem, was für ähnliche Veranstaltungen und an anderen Orten verlangt wird. Vorgesehen sind folgende Konzerte: . Als erstes, am 29. Oktober, der Klavierabend Ernst Erdmann, des Solisten beim Äon» künstlerfest in Düsseldorf, ferner ein Dach-Kan- taten-Äbend (Soli, Chor unb Orchester), Kolbe- Quartett aus Wien — Max Strub. (Violine) und Paul Drews (Klavier), Liederabend von Dr. Rosenthal und Frau aus Leipzig, Komponistenabend Prof. Hans Pfitzner, Berliner Vokal- Terzett. Wendling-Quartett und die Choraufsüh- lung des Elias. Weitere Mitteilungen folgen.
* * Steuerungen bei der Preußischen Klassenlotterie. Dis nächste — 21. — Preußisch-Süddeutsche (247. Preußische) Klassenlotterie wird mehrfache sehr beachtenswerte Reue- rungen bringen. Wie bei so vielem Reuen hat hierzu die Geldentwertung Veranlassung gegeben. Zunächst wird das Fünfklassensystem abgeschafft. Bekanntlich fanden die Ziehungen bisher in fünf Klassen statt, bei denen sich von Klasse zu Klasse die Höhe der Gewinne steigerte und die fünfte Klasse wegen der überaus hohen Gewinne mit „großem Los" und Prämien die Bezeichnung „Hauptzichün.g" hatte. Während bis- liicr der Einsatz für alle fünf Klassen der gleiche war, wird er von der nächsten, am 21. Dezember d. I. beginnenden Ziehung ab unter bedeutender Erhöhung des Einsatzes gestaffelt sein. Für die erste und zweite Klasse werden s ein ganzes Los je 400 Mk., x/2 Los je 200 Mk.. 14 Los je 100 Mk. unb '/= Los je 50 Mk. kosten, für die dritte und vierte Klaffe je das Doppelte, nämlich ein ganzes Los 800 Mk., V- Los 400 Mk., 1/4 Los 200 Mk. und Vs Los 100 Mk. Wer sein Los gleich für alle vier Klassen bezähmten will, hat zu entrichten für ein ganzes Los 2400 Mk.. für Vs Los 1200 Mk., für 1/4 Los 600 Mk und für V9 Los 300 Mk. Entsprechend dieser ganz außerordentlichen Steigerung der Einsätze tft die Zahl und Höhe der Gewinne der Geldentwertung entsprechend heraufgesetzt worden.
Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkig, leichter Regen, etwas wärmer. Der hohe Druck liegt heute noch Wetter östlich, so daß wir aus seinem Bereich gekommen sind. Randbildungen eines Tiefs über der Bis- caja rufen wolkiges Wetter mit leichten Riederschlägen hervor.
Für den Verkauf von vertretbaren Waren, die nach Zahl, Gewicht oder Größe ver- kauft werden, genügt die Affgabe des Preises für die betreffende Menge oder das Maß. Für Waren, die ferienipeifc oder nach Gattung in gleichartigen Exemplaren zum Verkauf gestellt werden, genügt im Schaufenster diese Angabe des Preises an einem Stück der betreffenden Serie oder Gattung. In Zweifelsfällen entscheidet das Kreisamt.
Die Kreisbehörde fügt dieser Bekanntmachung hinzu, dah sämtliche unterstellte Polizeiorgane angewiesen sind, die Durchführung der Anordnung strengstens zu überwachen und Zuwiderhandlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
* * Eine Personen st andsauf- nahme soll nach dem Stande vom 10. Oktober stattfinden. Zu diesem Zwecke werden in den nächsten Tagen Wohnungslisten auSgege- ben. Alles Nähere enthält eine Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil.
* * Eine weitere Erhöhung der Brennstoffpreise ab 12. Oktober wird im heutigen Anzeigenteil mitgeteilt.
* * Verschiedene Abgabenan die Stadtkasse können in den nächsten 8 Ta- gen noch kostenlos entrichtet werden. Die nähe-
Gietzener Ltadttheater.
Die Trösterin.
Schauspiel in 3 Akten von Bruno Frank.
Gießen, den 11. Oft. 1922.
Die Flut der dramatischen Erzeugnisse ist noch immer im Steigen begriffen. Man möchte angesichts der literarischen lieberschwemmung in der Rachkriegszeit das Eintreten einer gewissen Ebbe herbeiwünschen, um klarer zu erkennen, welche wertvollen Strandgüter nicht wieder in der Tiefe der Bedeutungslosigkeit versinken werden. Zu den außerordentlich produktiven Autoren unserer Gegenwart, bei denen Quantttät und Qualität nicht immer in wünschenswert gutem Verhältnis zu- <^n<U^>er sieben, scheint auch Bruno Frank gerechnet werden zu muffen. Seine Werke entbehren noch allzusehr der Klarhett des Wollens und lassen noch nicht erkennen, ob ein wirklich starkes Talent schöpferisch tätig ist
, Das Schauspiel „Die Trösterin" enthüllt diesen Mangel zu voller Deutlichkeit Der Grundgedanke dieses Werkes konnte nur mit Gewalt Archgefuhrt werden. Eine Frau, die in glücklicher Ehe nut ihrem Gatten lebt, läßt sich aus Mitleid zum Ehebruch verleiten. Es ist wohl denkbar daß eine edle und weichherzige Frau tiefstes Mitgefühl mit einem vereinsamten und unglücklichen Manne empfindet, ja daß sie ihn mit mütterlichen Empfindungen in ihr Herz eirischliebt. Aber dah das Erbarmen mit dem ftemden Manne sie das größte Hnrecht an dem eigenen begehen läßt, muß ihr Charakterbild vollständig verzerren, trotz' der Rechtfertigungsversuche des Dichters Auch
der betrogene Gatte zeigt gegenüber dem furchtbaren Schicksal, das ihn völlig niederschmettern müßte, eine unnatürliche Ergebenheit.
Diele Inkonsequenzen in der Charatterzeich- nung stellen den Darsteller vor schwer zu lösende Aufgaben, die indessen bei der gestrigen Ausführung mit großem Geschick bewältigt wurden. Karla Keller zeigte als Sybille in den ersten beiden Akten eine Ausfassung ihrer Rolle, die über die Dichtung hinauswuchs. Sie war die Frau mit dem mütterlichen Herzen, deren Seelen- adel unantastbar ist. Der 3. Akt dagegen gestattet nicht mehr genügend Spielraum, um die Rettung dieser Figur völlig durchzusühren. Der Geheimrat Ganbenberger wurde von Carl Juhnke mit dem gesunden Realismus wiedergegeben. den der Dichter in dieser Gestatt verkörpert sehen wollte. Dah dieser Mann im 3. Akt etwas schwächlich wirtte, ist eine Schuld des Dichters, nicht des Schauspielers. der sich völlig in den Geist des Werkes eingelebt hatte. Das verbitterte und mißgünstige ältliche Fräulein Lena wurde von Kitty Franke lebenswahr dargestellt. Oskar Feigel gab den Maler Rottacker im großen und ganzen mtt gutem Gelingen. Rur wurde er im 3. Akt zu pathetisch so daß man zweifelhaft werden konnte, ob seine Aeuhe- rungen als leere Phrasen ober als wahre Empfindungen eines eblen Charakters zu bewerten seien. In der Absicht des Dichters lag jedenfalls die letztere Auffassung. Etwas unglücklich maskiert erschien uns Luise Rammel als Wll- belminc Schuppe, die so auch da nur als komische Figur erschien, wo man ihre mütterliche Besorgtheit empfinden sollte. Der Kunsthändler Ha
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 11. Oktober 1922.
Wahlvorschläge für die Kreistagswahl.
Der Wahlkommissar, Oberregierungsrat W e l ck e r fordert im Amtsverkündiqungsblatt die Stimmberechtigten auf, für die am 19. November ftattfbibenben Wahlen zum Kreistage bis spätestens zum 2 2. Oktober die Wahlvorschläge schriftlich bei ihm einzureichen.
Es sind 30 Kreistagsmitglieder zu wählen, als die doppelte Zahl der zu wählenden Kreistagsmitglieder vorgeschlagen werden.
In einem Wahlvorschlag dürfen nicht mehr
Die Bvrgeschlagenen sind in erkennbarer Reihenfolge aufzuführen und unter Bor- und Zunamen, Beizeichen, Stand oder Beruf und Wohnort, bei verheirateten Frauen auch unter Geburtsnamen zu bezeichnen. Bewerber dürfen in mehr als einem Wahlvoffchlag nicht ausgenommen sein. Dem Wvhlvorschlage ist die schriftliche Erklärung eines jeden Borgeschlagenen beizufügen, daß er der Aufnahme in den Wahlvorschlag zu- stimme. Jeder Wahldvrschlag soll mit einem
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch Stadttheater, 7 Uljr: „Des Esels Schatten". — Medizinerheim, 8 Ahr: Empfangsabend für den 1. Kongreß für Erfindungenswesen. — Astoria- Lichtspiele: „Das Straßenmädchen von Berlin" und „Der Mann mit den ©eieraugen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Der Graf von Monte Christo".
Der Mannergesangverein Heiterkeit hielt am Sonntag bei ausverkauftem Hause in der Reuen Aula der Hniversttät sein glänzend verlaufenes Herbst konzert ab.
Die vorgetragenen Chöre waren vom Chorleiter des Vereins, Herrn Heinrich Blaß, mtt Sorgfalt studiert. Gr beherrschte seine Sänger mit der größten Ruhe und Sicherheit. Die treffliche Sängerschar bot nach allgemeinem Urteil eine außergewöhnlich gute Leistung und wiederholt mußte sie sich zu Zugaben verstehen. Bei dem ersten Chor „Maiennacht" kam so recht die wunderbare Aussprache der Sanger zum Ausdruck, der Ausgleich der vier Stimmen war gut, ebenso das dynamische Moment, das Anschwellen des Chores vom feinsten Piano bis zum stärksten Forte. In dem Chor „Eine Mühle sah ich blinken" war es die rhythmische Beweglichkeit, welche die Zuhörer fesselte. Vielleicht lag es im Wesen des Chores, daß hier die Tenöre dem Bah gegenüber etwas stark hervortraten. Er gefiel sichessen so gut, dah er wiederholt werden muhte. Mehr zur
Uraufführung in Darmstadt.
Carl Sternheim: „Der Aebbich".
Darmstadt, 10. Oft.
Gustav Hartungs feine, auch da hoch künst lerisch bleibende Regie, wo es notwendig erscheint, mit herberen Strichen zu malen, dem mangelnden Impuls der Dichtung nachzuhelfen durch rauschende 6Innenglut der Farben und Formen, hat Carl Stern heims neues Lustspiel „Der Rebbich" zum Leben erweckt. Zu einem Leben von Dauer, wie ich Voraussagen möchte, trotz der Kühnheit, mtt der Sternheim sich wiederum an Dinge heranmacht, die so vielen hellig sind und die sein derber Spott feine beißenbe, (aber nicht gerade bissige) Satire erbarmungs-
busnig (Martin Jakob) erzielte den gewünschten Heiterkeitserfolg, hätte aber doch etwas ruhiger gespielt werden müffen. Georg Heding brachte die niedrige Gesinnung des Malers Schwendy treffend zum Ausdruck Sein erstes Oluf treten hätte noch etwas devoter fein können, um den Kontrast zwischen geheuchelter und wirllicher Gesinnung schärfer hervvrzuheben. Der Diener Paul Mehnerts und der Portter Heinz Bechstein waren recht gelungene Be- russtypen. Die Spielleitung Adolf Telekhs verdient volle Anerkennung. Die Beherrschung der Rollentexte lieh verschiedentlich zu wünschen übrig.
Die Zuschauer folgten mtt Interesse und kargten nicht mit wohlverdientem Beifall. tr.
Geltung kamen die Bässe in „Liebesklage". Daß die Volkslieder immer die dankbarsten sind und am meisten ansprechen, sah man auch bei den Chören: „Ich hört ein Vöglein pfeifen". „Grete- lein" und „Waldruf" von Schauh. welch letzteres nach brausendem Beifall nochmals begehrt und gesungen wurde. Wehmütige Erinnerungen erweckte der Hansensche Chor „Am Rhein muh meine Heimat sein".
Die drei Solisten des Abends boten eine wertvolle Bereicherung des Konzertes. Viel bewundert wurde die Tonfülle unb der sinnvolle Vortrag des Baritons Franz Roh- Offenbach Rach dem Liede „Mein Mädel hat einen Rofen- mund" muhte er sich zu einer Zugabe verstehen und sein „Stelldichein" erntete wiederum lebhaften Beifall. Wie immer verblüffte Julius Hohn am Klavier wieder durch seine außer- ordentliche Techntt. Mit einem Glanzpunkt des Abends bildete das Auftreten des Violinisten Wilhelm Schüttler, der sich als ausgezeich neter Künstler und Meister seines Instruments gc^tc. Die dankbaren Zuhörer tbatinr von seinem Spiele derart hingerissen, daß er den reizenden „Elsentanz" von O. Müller wiederholen muhte.
Das Konzert war für den Dirigenten und den Verein ein voller Erfolg und dürfte ein Ansporn fein zu weiterer erfolgreicher Betätigung.
Landkreis Gießen.
* Lich, 10. Oft. Die Freiwillige Feuerwehr hielt am Sonntag ihre diesjährige Schlußübung ab. Rach Besichtigung der Geräte und der Einzelübungen gab Bürgermeister Völcker die Aufgabe zum Drandangriff bekannt, welcher auf das Goldschmidtsche Anwesen erfolgte. Der Angriff wurde in allen Tellen von den Steigern, sowie von der Hydranten- und Sprihenmannschaft präzis ausgeführt. Brand- direkter Baurat Braubach -Gießen sprach sich sehr lobend über den Verlauf der Hebung aus und betonte, es sei erfteulich, daß so diele junge Männer der Freiwilligen Feuerwehr ihre Kräfte zur Verfügung stellten und sich der edlen Aufgabe, welche einer Feuerwehr obliegt, widmeten. Der Hebung wohnte auch der Prinz von Solms bei, ebenso Kameraden auswärtiger Wehren. Don Gießen waren beide Wehren vertreten. Rach der Hebung bereinigten sich die > Kameraden in dem Lokal „Zum Engel", wo noch gesangliche Leistungen von der Licher Wehr zu Gehör gebracht wurden.
Heffcu-Naffau.
fpd. Frankfurt a. M, 10. Oft. Die Frankfurter Gastgewerbevereine 'haben den Beschluß gefaßt, an dem Tage, an dem die Verzehr- undRachthocker-Steuern in Kraft treten, die Gaststätten zu schließen. Rur die Fremdenzimmer werden weiter vermietet, jedoch wird die Abgabe von Speisen und Getränken eingestellt. Auch Frühstück wird nicht an die Fremden verabfolgt. Da der Magisttat auf seinem Standpunkt der Durchführung der Steuern weiter beharrt, ist für den 15. Okt ober mit der Schließung der hiesigen Gaststätten zu rechnen.
fpd. Frankfurt a. M., 10. Oft Montag abend entstand in dem Kaffee „Oberland in der Kronprinzenstrahe eine wüste Schlägerei, die einen derartigen Hmfang annahm, dah ein großes Aufgebot der Schutzpolizei alarmiert werden muhte. Schließlich mußte zur Hnterstützung der Schutzpolizei noch das Heberfallkommando ber beigeb oft werden. Es $ab eine ganze Anzahl Verletzter von denen drei dem Krankenhause zugeführt wurden. Andere Personen kamen in Haft — Der Magistrat hat einer weiteren Erhöhung der Strahenbahntarife von 25 Prozent auf die jetzt geltenden Preise zugestimmt Danach kostet das Fahrgeld für die kürzeste Strecke von 2 Kilometer 12 Mark. Eine entsprechende Erhöhung erfahren auch die Fahrscheinhefte, Reh- und Wochenkarten. — In der vergangenen Rächt drang ein Einbrecherkonfortium in die Lagerräume der Wirtschaftsgenossenschaft der Hniversität ein und stahl aus ihnen die gesamten Vorräte an Stoffen usw. im Wert von rund 800 000 Mark. Der Diebstahl ist um so bedauerlicher, als es sich am Waren handelt, die zur Abgabe an die minderbemittelten Studenten zu billigen Preisen bestimmt waren. Auf die Wiederherbeischaffung der Sachen sind insgesamt 80 000 Mark Belohnung ausgesetzt.
Die Frankfurter Herbstmesse.
_ftb. Frankfurt a. M.» 10. Oft. Das Geschäft ist auf der M?sse unvermindertgut. Der Zustrom von Fremden 'hält an. Don ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, wurden in allen Abteilungen er'hebliche Verkäufe abgeschlossen. Die geforderten Preise sind allerdings sehr, sehr hoch und übersteigen im Einkauf recht oft bet weitem hie jetzigen Kleinverkaufspreise. Hüter dem (Sin-
Heutiger Stand des Dollars
10 Hhr vormittags:
Frankfurt a. M. 2900—2950
los blohlegp Er verzichtet diesmal zur Hälfte auf sonst gewohnte Geistigkeit und beschränkt sich restlos auf Ironie und Persiflage. Aber Typen aus dem neuen Deutschland werden gezeichnet, flar. nackt ohne jebe Beschönigung und — frei bis zur Rücksichtslosigkeit. „Der Rebbich" ist ein dem jüdischen Jargon geläufiger Ausdruck für schlechthin Alles und schlechthin Richts. Dieses Richts ist hier ein Commis Voyageur, den die Liebe, richtiger die Sinnlichkeit einer Kammersängerin, die ihre Freunde in, allen Schichten des neuen Deutschland hat, zum Generalkonsul, Chefredakteur und Filmdirektor schiebt. Ohne seinen Willen, wie ja so mancher Schieber der Geschobene ist. In dem dramatisch stärksten dritten Dlld bricht elementar die Sehnsucht nach dem früheren Leben in Armut, nach einer — Zwiebel und einer Buddel Bier und nach dem Erdarbcits- und Schweißgeruch der früheren Geliebten durch und am Schluffe gehen beide schiedlich und friedlich auseinander. Mehrfach zieht Sternheim sich selbst in die Satire. Man kann sicher nicht von starken literarischen Werten sprechen. aber ber unverkennbare Zug einer gewissen „ Frechheit" scheint dem Publikum zu imponieren. Das Stück gefällt und der starke Beifall, der Sternheim zum Schluffe wiederholt vor die Rampe rief, blieb ohne Widerspruch. Die Darstellung war ausgezeichnet und hielt der glänzenden Inszenierung die Wage. Ernst Langheinz als Rebbich und Frida Hummel als Kammersängerin heischen besonders anerkennende Erwähnung. MaxStreese.


