Ausgabe 
10.11.1922
 
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Landkreis Gießen

ist nichts.

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Dn.

qen, Frankreich sei militaristisch unb perialistisch.

Nur vorübergehende Aufheiterung, bann wie- Trübung unb Regenfälle.

8. Rödgen, 9. Nov. Nachdem im Sommer bie Pvstagentur Alten-Buseck in eine Hilfsstelle umgewandelt worben war, ist nyn bie Agentur Rödgen ebenfalls mit dem 1. November zur

DaS Leben ist etwas Flüssiges. Es ist also kein Wunder, daß sich bie Menschen täglich, stündlich, ja augenblicklich verändern. Wenn wir jemanden im höchsten Grad seiner Liebe für und in Marmor verwandeln könnten! Aber foer wollte es aushalten? Drum lahts gehn, wie es geht, unb schift euch so gut drein, als ihr könnt.

Heutiger Stand des Dollars

10 Ahr vormittags:

Berlin 7400, Frankfurt 72507300.

guten, schlagenden Witz auch eine glückliche Por­tion Gemüt. Man kam aus dem Lachen nicht heraus. Besonders wertvoll erschien uns vor allem die hübsche Satire vondem armen Dirndl", der deutschen Sprache: ein gewisses Schriftdeutsch in Kaufmannskreisen bekam hier ebenso fein ferne Rutenstreiche wie das mancher Zeitungsstillsten und Amtsfchveiber: nur der Dichter fanb Gnade vor dem Syerrn. Neben der ernster gestimmten Seite, vvn der namentlich noch dir Erzählung der Königspatenkindergeschichte des Dauern An- dreas Mistl zu vermerken ist, ging eine reiche Auswahl anderer Borträge einher, die auf einen immer mehr steigenden Humor zugeschmtten waren. Besonders stark belachte man hier die Filzpantvfjelgeschichte. Daß Roda Roda, der früher mit den K. und K. Militärbehördenman­ches Hühnchen gerupft" hat, natürlich auch die K. unb K. Militärfchnurren nicht in seinem vom Kalb 'stammenbenKrokodillederkoffer" lassen würbe, war ja naheliegend, obwohl diesen Sachen heute keine Tagesbedeutung innewohnt: unb bah eine gewisse Sorte von Neureichen ebenfalls nicht unerwähnt blieb, versteht sich von selbst. Ium Schluß prasselte noch ein kleines Feuerwerk von freunblichen Scherzen in bie Humor- unb har­monieerfüllte Zuhörei-schaft hinein unb bann zog Roda Roda ben Schlußstrich. Das sehr stark besetzte Haus dankte dem unterhaltsamen, stets witzigen Plauderer mit Recht durch starken Bei­fall. Wir möchten den Dan? auch auf die Theoter-

Der große Schriftsteller bleibt immer der' größte Mensch. Er ist derjenige, der seine Wir­kungen am weitesten verbreiten kann. Die andern Künste sind sinnlicher, aber wieviel tausendmal engere Schranken haben sie? Er hat Verstand und Empfindung mitzuteilen: die andern Künstler bloß Empfindung. Unb alles, was der Mensch bloß empfinden kann, hat er mit dem Lier gemein. Dies ist auch durchaus stillschweigend an­erkannt worden. Homer ist immer größer ge­blieben als der. welcher den Vatikanischen Apollo gemacht hat. Man fühlt es. daß der Mensch mehr bei ihm hat...

Vom Ozean her rückt eine neue Druckst örung näher, die das Zwischenhoch ostwärts abdrängen

Der größte Schaben, ben bie Bücher stiften, ist, daß sie unsere eigenen Gefühle vermindern unb uns dafür tote Ibeen geben.

Eine Auseinandersetzung zwischen Polen und Ruhland.

Warschau. 9. Nov. (WTD.) Polnische Telegraphen-Agentur. Die polnische Regie­rung hat an bie Sowjetreg ierung eine Verbalnote gerichtet, worin sie ausführt, bah bie russische Regierung im Zusammenhang mit der Amtsübernahme durch O b v l i n s k i Einzelheiten formeller Natur zur Sprache gebracht habe, welche die polnische Regierung in wohlwollendem Sinne zu erledigen bereit gewesen sei. Da jedoch die russische Regierung in ultimativer Weise auf die sofortige Erledigung der Formalitäten ge­drängt habe, sah sich die polnische Regierung mit Rücksicht auf das in diplomatischer Beziehung Ungewohnte dieser Forderung gezwungen, sie abzulehnen, um so mehr, als die Forderung an und für sich unbegründet gewesen sei. Nachdem Obolmski erklärt habe, Warschau verlassen zu müssen, da der dolnische Vertreter in Moskau, Knoll, auherstanoe gewesen sei, sein Beglaubi­gungsschreiben zu überreichen, habe sich die pol­nische Regierung veranlaßt gesehen, ihren 'Ver­treter nach Warschau zu beordern. Die polnische Regierung sprach über den durch die Sowjet­regierung hervorgerufenen Zwischenfall ihr Be­dauern aus unb gab zugleich der Erwartung Ausdruck, daß der Zwischenfall in allernächster Zeit aufgeklärt und geregelt werde.

Berlin, 9. Nov. (WTD.) Die Russische Telegraphen-Agentur teilt mit: Das Oberhaupt des polnischen Staates, P i l s u d s k i, hat es ab) I hat, das Bezlaubigunge schöbe»des Levoll- mäch igten Vertreters der Sowiewepudllr für Po­len, Obolenski, entgegenzunehm«. Er hat da­mit den Minister für auswärtige Angelegenheiten beauftragt, womit die Minderwertigkeit der russi­schen Republik unterstrichen werden sollte. In- folgedessen hat es auch die russische Regierung abgelehnt, das Beglaubigungsschreiben des neuen polnischen Geschäftsträgers Knoll entgegenzuneh- men und hat Obolenski aus Warschau zurück- berufen. Knoll ist wieder nach Warschau^ abgereist.

mit den alliierten "Generalen der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß eine Einigung zu- standekomme. Nach der Erklärung Ismid Paschas sei eine Entspannung eingetre­ten und man hoffe, zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Heute nachmittag ha­ben in der Pforte die vorgesehenen Sitzun­gen zwischen Nifaat Pascha und ben alliier­ten Generälen stattgefunden, in der bie ein­zelnen Fragen betteffenb die Politik, Zölle, Gesundheitswesen, finanzielle und wirtschaft­liche Maßnahmen, geregelt werden sollen.

Heute vormittag soll sich ein neuer Zwischenfall zwischen türkischer Polizei und englischen Soldaten abgespielt haben, bei dem ein Soldat getötet wurde. Ein Polizei- beamter sei festgenommen worden. Ebenfalls seien heute vormittag inmitten einer unge­heuren Kundgebung englische Solda­ten mit aufgepflanztem Bajonett durch die Hauptstraße von Pera gezogen.

Die Lage der Franzosen in Konstantinopel.

Paris, 9. Nov. (Wolff.) Der.Pettt Parisien" teilt mit, daß der französische Ober­kommissar in Konstantinopel, General Pelle, vor zwei Tagen seine Demission angebo­ten habe, weil die französische Regierung ge­zögert habe, ihm die Machtbefugnisse zu er­teilen, die er zur Sicherstellung der Ordnung in Konstantinopel verlangt habe. Das Blatt ist der Ansicht, daß die Lage der Franzosen in Konstantinopel nicht besser sei, als die der anderen Fremden und daß die geringsten Zwischenfälle nicht nur der französischen Sache im Orient verhängnisvoll sein könnten, son­dern auch den Beziehungen, die die drei gro­ßen Verbündeten des Westens noch miteinan­der verknüpften.

Paris, 10. Nov. (WTB.) Die franzö­sische Regierung hat beschlossen, einen wei­teren Kreuzer in die türkischen Gewässer zu entsenden.

Ein Verlangen Bulgariens.

Paris, 9. Nov. (WTB.) Nach einer Ha- vasmeldung aus Sofia 'hat bie bulgarisch: Regierung bie alliierten Regierungen um Zulassung zu ben Lausanner 5riebeng» Verhandlungen mit der Türkei gebeten, nicht nur zu ben Verhandlungen bezüglich der Meerengen.

Gießener Stadttheater.

Noda Roda.

Gießen, 5. Nov.

Das war Heute wieder mal ein sehr amü­santer Abend! Da, wo man in letzter Zeit oft vondem Schal" unb vonbem Mops" unb vonbem Febephut" singen hörte, wo gar manch' gemütlich Lustspiel ben Besuchern Kurzweil bot, stand heute abenb Roda Ro b a. Wer fennt ihn, wenigstens dem Namen nach, nicht schon lange? Wem haben seine schnurrigen Erzäh­lungen nicht schon manche Heitere Augenblicke bereitet, wem ist aber nicht auch, zumal in früheren Zähren, seine Satire gar manchmal etwas stark gepfeffert erschienen? Der Roda Roda, den wir heute in leibhaftiger Person vor uns sahen, hatte freilich nichts von der letzt­genannten Eigenschaft, er war vielmehr ein lie­benswürdiger, geistvoller Humorist, bem man nicht nur die zwei Stunden lang gerne folgte, sondern bem man sich mit Freuden auch noch länger auf der fidelen Fährt anvertraut hätte. Mit einem gemütlichen »Grüß Gott, guten Abend" betrat er im Euttawah mit roter Weste, bie Bühne, wibmete ben Damen einen herzlich belachten Scherz unb legte bann los.21er Wasser" half ihm babei die Frische seiner Stimme zu be­wahren, so bah er vom Anfang bis zum Gnbe aut verständlich blieb. Was er in fein nuancierter Sprechweise zum Vortrag brachte, war geschickt zusammengestellt unb verriet ben vielerfahrenen Vrrtragskünstler. Die Vorträge waren harmlos- ' -whlicher Natur, sie offenbarten neben ihrem

leitung ausde'hnen, bie ihren Gästen blefen ge­nußreichen Abend verschaffte.

Aus Stabt und Land.

Gießen, ben 10. November 1922.

Elsaß - Lothringische Woche.

älebervoll war am gestrigen Abenb wieder ber große Hörsaal des Physikalischen Instituts, in dem man ben bebeutungsvollsten Forscher unb Kenner Lothringens, Universitätsprofessor Dr. Dr. Wolfram- Frankfurt a. M., ben General­sekretär bes Wissenschaftlichen Instituts, über Lothringen. Land unb Leute" hören sollte. Nach kurzen Degrühungsworten Dr. List's begann ber Reöner seine außerordentlich interessanten Aus­führungen. Zwischen 1870 unb 1918 habe bas deutsche Volk leider für Elsaß-Lothringen nicht bas Interesse gezeigt, was ber Bedeutung des 2anbeS entsprochen hätte, unb sein Verlust sei in weiten Krisen mit Gleichgültigkeit bingertommen worben. Jetzt erst beginne bas beutsche Volk sich aufzurütteln. Lothringen sei uns weniger wesens- verwanbt als das Elsaß, unb doch verdiene Lothringen das gleiche Interesse. Sähen wir im Elsaß ein rein germanisches Land, so fänden wir in Lothringen ein Gemisch von germanischen mit galloromanischen Elementen. Der Redner hatte wie viele andere Deutsche dort seine zweite Heimat nach 21jähriger Tätigkeit gefunden. Loth­ringen sei eine weite, stille Hochebene mit großen schlafenden Wäldern, dazwischen breite Talmulden an ben Ufern ber Mosel unb ber Saar. Die Dörfer schmiegen sich eng an bie Berge. Heute seien bie früheren Bauernbörfer zu Inbustrie- fläbten geworben, Schlot reihe sich an Schlot, und hier holten wir brei Viertel un­seres Eisenbedarfs. Der lothringische Bauer fei ernst, fast schwermütig, währenb im Elsaß Freude unb Schmuck wohnen. Der Redner ging hierauf eingehend auf bie lothringische Ge­schichte ein unb betonte babei, baß schon im 16. Ia'hrhunbert beutsche Bischöfe in Metz gewirkt unb dort Deutsche angesiedelt hätten, baß bamals schon in einigen Bezirken bie Gerichtssprache deutsch gewesen sei. Weitere sehr interessante Ausführungen galten ben verschiedensten Zwei­gen ber Kunst unb schließlich dem Volkslied. Seit 1871 begann in Elsaß-Lothringen durch bie Verbindung mit Altdeutschland toieoer eine neue Dlutzlrkulation, ein neues Kulturleben. Die ge­waltige wirtschaftliche Entwickelung weckte bie bis­her schlafenden zwei Städte Metz und Straßburg wieder auf. Die Katastrophe von 1918 habe alles wieder vernichtet unb habe bie Elsaß-Lothringer

Man hat vielerlei Beschreibungen von ber guten Erziehung gegeben; bie beste aber ist ohn- ftreitig biese, wo ber Zögling alles .Lebenbige in ber Natur nach und nach mit seinen Sinnen empfängt, so wie sie es fassen können, unb sein Begriff, Gewalt unb Herrschaft barüber. Es kann nicht fehlen, daß er bei diesem unb jenem oft von neuem ansetzen unb oft unterliegen muß. Wenn ber Mensch aufhört zu wachsen, bann hört auch die Erziehung auf.

Die Menschen unterscheiden sich hauptsächlich dadurch voneinander, bah bie einen mehr an ber Form, die andern mehr am Leben hängen. Jene sind bie Münzer, biese die Reichen. Noch andere sind bloß Münzkenner. Wer bloß an ber Form hängt, ber hängt an nichts: denn Form ohne Leben

Ungedruckte Aphorismen.

Von Wilhelm Heinse.

Wilhelm Heinse, ber geniale Dichter berArbhingello", der in ber Zeit des Sturm unb Drangs" zum erstenmal eine rein ästhetische Weltanschauung verkün­digte, ist uns durch bie große Ausgabe seiner Werke im Insel-Verlag wieder nahegebracht worben. Aus den ungedruck- ten Schätzen seines Nachlasses bringt der neue Insel-Almanach eine Reihe unge- druckter Aphorismen, von denen wir einige Bezeichnende mitteilen.

In ber Einsamkeit ist jeder Mensch am meisten, was er ist: deswegen sind die Gelehrten in ihren Schriften am größten.

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Leben und Tod: daraus ist alles zusammen­gesetzt. Das Leben ist immer in Bewegung, und ber Tob bas, woran sich bas Leben hält. Licht ist bünnes Leben in ber schnellsten Bewegung Feuer. Das allgemein? Leben ist Gott ober bie Natur, wie du's nennen willst. Das Leben zehrt ben Tod auf; und nicht ber Tob bas Leben.

tn "ber amerikanischen Autzenpvlltif fühlbar ma­chen würben.

DieDaily News" schreibt, keine vitale Frage, ausgenommen vielleicht bie Diarrffrage, trenne heute Demokraten unb Republikaner in ben Vereinigten Staaten. Das Blatt weist ebenjo wie bie übrigen Zeitungen darauf hin, bah bie amerikanische Außenpolitik im amerikanischen Wahlfeldzuge kaum zur Sprache gekommen sei.

DieTime s" meldet aus Neuyork, daß viele persönliche Freunde Hardings nicht wieder- gewäHlt wurden, so z. B. der republikanische Führer im Repräsentantenhause, Mandell. Die Mehrheit des Senators ßobge, des Vorsitzenden des Senatsausschusses für auswärtige Angelegen­heiten, sei nur gering; fein demokratischer Geg­ner habe Nachprüfung der Stimmen verlangt. Die Aussichten Hardings auf Wiederwahl in zwei Jähren hätten sich beträchtlich verringert.

Eine Reise Clemeneeaus nach Amerika.

Paris, 9. Nov. (Wolff.) Elernen- ceau, bet am 11. November eine Reise nach Amerika antreten wirb, um dort in ben Hauptstädten wie Neuhork, Boston, Chi­cago, St. Louis und New Orleans Bortrage zu halten, erklärte einem Vertreter beSEcho de Paris" in einem Interview, wenn er nach Amerika gehe, sei es nicht, um bestimmte Vor­schläge zu machen, sondern er wolle versuchen, das zu schaffen, was er einen Geisteszu­stand nennen wolle, einen Geisteszustand, der es in Zukunft gestatten werde, wie er hoffe, Verhandlungen zu erleichtern. Wenn einmal das Gebiet vorbereitet sei, dann könnten, wie er erwarte, reichlich vorbereitete Vorschläge gemacht und zum Gegenstand ern­ster Abkommen mit Aussicht auf Erfolg ge­macht werden. Er habe Verttauen, sonst würde er in seinem Alter und bei der jetzigen Wit­terung diese große Reise nicht unternehmen. Er habe sogar allen Grund anzunehmen, daß sein Aufenthalt in den Vereinigten Staaten Früchte zeitigen werde. Er sei der Ansicht, daß ein Einverständnis zwischen Ame­rika, England und Frankreich die Grundlage für den europäischen Frieden sei. Das wolle er ben Amerikanern zu verstehen geben. Wenn er keinen Erfolg erzielen sollte, dann habe er wenigstens die Befriedigung, etwas versucht zu haben. Clemenceau betonte auch, daß er auf eigene Veranlassung nach Amerika gehe, um ben Gedanken zu beseiti-

Aus Dem Reiche.

Die Novelle zum Einkommensteuergesetz.

Berlin, 9. Nov. Der R e i ch s r a t hat die von ber Regierung eingebrachte No­velle zum Einkommensteuergesetz gegen bie Stimme Thüringens angenommen. Die Vorlage enthält u. a. folgende Abände­rungen des geltenden Gesetzes für 1923: Die Grenze des steuerbaren Einkommens, für das nur 10 Prozent zu erheben sind, wird auf das Vierfache erhöhte Die allgemeine Einkommen­steuer ermäßigt sich um je 2400 Mark für den Steuerpflichtigen und dessen Ehefrau, wenn das steuerbare Einkommen nicht mehr als 400 000 Mark beträgt und um je 4800 Mark für minderjährige Kinder. Außerdem sind besondere Ermäßigungen für Steuerpflichtige über 60 Jahre vorgesehen, deren Einkommen 200 000 Mark nicht überschreitet. Für 1922 wurde in der Regierungsvorlage lediglich der Bettag, bis zu dem die Steuer nur 10 Prozent allgemeine Steuertarif etwas ermäßigt. Der beträgt, wurde von 100 000 auf 250 000 Mk. erhöht. Die Abzüge von der allgemeinen Ein­kommensteuer für 1922 sollen betragen je 340 Mk. monatlich für den Ehemann unb die Ehefrau, unb je 610 Mk. für jedes Kind.

Die nationalsozialistische Bewegung-

München. 10. Nov. (WTB.) Die gegenwär­tige nationalsozialistische Bewegung hat benMünchener Neuesten Nachrichten" z t= folge bie beinokratische Fraktion ver­anlaßt, bei bem Ministerpräsidenten, beim Mi­nister bes Innern sowie beim Polizeipräsibenten vorstellig zu werben, um auf bie brohenben Gefahren hinzuweisen, bie aus ber nationalsozia­listischen Bewegung für bie öffentliche Ruhe unb Ordnung erwachsen. Die Frattion hat hierbei Vvn der Regierung Auskunft verlangt, welche Mittel sie gegenüber dieser Gefahr anzuwenden gedenke. Gleichzeitig fordert sie Aufschluß über bie Passi­vität unb z. T. aktive Unterstützung, bie gewisse staatliche Organe den nationalsozialistischen Kreisen entgegengebracht hätten. Wie das Blatt weiter meldet, ist auch die Fraktion der V. S. P. D. beim Ministerpräsidenten vorstellig geworden. In den Kreisen ber Bayerischen V olks - Partei sollen ebenfalls Gegenmaßnahmen er­wogen werben.

Neue Forderungen der Kernalisten.

London, 9. Nov. (Wolff.) Dlättermel- dungen zufolge verlautet, daß die Ke ma­lt st en dem französischen Oberkommissar in Konstantinopel, General Pellet, folgende Forderungen übermittelten:

1. Sofortige Räumung Konstanti­nopels; die Alliierten können, falls sie es wünschen, in Tschataldscha, Skutari und Tscha- n'ak bleiben;

i 2. Aushebung der Kapitulationen;

3. Abhaltung einer VolkSabstim- Ffrtung in Westthrazien, um festzustel- ,Ien, ob dieses Gebiet nicht an die Türken zu- 'rückgegeben werden soll;

4. Rückgabe von Mossul an die Türkei und Revision der syrischen Grenzen, sowie Autonomie der Inseln gegenüber der kleinasiatischen Küste;

5. völlige Unabhängigkeit der Türkei, und

6. Bezahlung einer Kriegsentschä­digung durch Griechenland in Höhe von 6 Milliarden Goldfranken.

Konstantinopel, 9. Nov. (Wolff.) Die alliierten Oberkommissare überreichten gestern dem Dectteter der Re­gierung von Angora eine Note, in der er­klärt wird, daß, wenn die Maßnahmen, die die Kemalisten über Konstantinopel verhängt und Mudros bildeten, nicht annulliert würden, sie ihre Regierungen davon unterrich­ten würden, damit schnellstens die nötigen Maßnahmen getroffen würden.

Eine Entspannung?

P a r i s, 9. Nov. (WTB.) Nach einer Ha- dasmeldung aus Konstantinopel hat gestern abend Rifaal Pascha in einer Sitzung

in ihrer Kuftur schwer getroffen, so baß heute dort große Erbitterung herrsche gegen bie neuen Herren.Wir wollen nicht eingreifen tn biefen Kamps, aber wir frnb dessen gewiß: Die deutsche Kultur wird auch diesen Kamps überdauern." Es folgte bann zur Veranschaulichung des Vortrags eine größere Anzahl vorzüglicher Lichtbilder. Der Äebner schloß unter anhaltendem Beifall mit ben Worten:Wir treiben keine Politik, aber eines wird man uns nicht verwehren können: die Er­in neru ng."

2.41. Von der Landesuniversität. Die letzte feierliche Immatrikulation findet am Samstagmittag 12 Uhr pünktlich in der Kleinen Aula ber Universität statt. Am Sonntag, 12. November, vormittags 1 1 Vt Uhr, fiubet in ber Neuen Aula ein 41 n i d e r s i t ä 1 s - Gottesbien st statt, zu bem in erster Linie bie Angehörigen ber Universität eingelaben sind. Selbstveftlänblich hat aber auch jeher andere Zu­tritt. Die Predigt hält Professor Dr. Schian.

** Sie Abstimmungsbezirke unb Wahllokale zu ben Wahlen am t9. November werben im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Die Stimm­berechtigten mögen sich bie Bekanntmachung genau ansehen. ;

** Die Teuerungszuschläge zr den Gebühren der Schornsteinfe­ger sind mit Rücksicht auf die weiter fort­geschrittene Geldentwertung und die damit verbundene Steigerung der Unkosten mit Wir­kung vom 6. November ab wie folgt fest­gesetzt worden: für die Kehrbezirke Darm­stadt, Mainz, Offenbach und Gießen auf 3000 v. H., für die übrigen Kehrbezirke b$ Landes auf 3300 v. H.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag, Stadttheater, 7 Uhr:Wallensteins Lager" unb Die Piccolomini". Großer Hörsaal der Uni­versität, 8V2 Uhr: Dichter-Abenb ber Elsah- Lothrrngischen Woche. Lichtspielhaus. Dahn- hosstvahe:Der Graf vvn Monte Christo", S.Teil: Schuld unb Sühne" unbDer Stiefelputzer".

Aus dem Stadttheater- Bureau wird uns geschrieben: Cs sei noch­mals darauf hingewiesen, daß die morgige Aufführung des MärchenspielesFrau Holle" die letzte des Werkes ist. Auch die beliebte OperetteDas Schwarzwaldmädel", die am Sonntag mittag gegeben wirb, dürfte in dieser Spielzeit kaum wiederholt werden. Am Donnerstag, den 16. November, fin­det ein einmaliges Tanzgastspiel von Willy und Grete Godlewski (ftÄher am Frankfurter Opernhaus) statt, das einen sehr genuß­reichen Abend verspricht und für das bereits Karten im Vorverkauf erhältlich sind.

Der Konzertverein veranstaltet seine erste große geistliche Aufführung am Donners­tag Kommender Woche. Das Programm bringt aus bem reichen Schatze BachscherKantaten vier hier noch nicht gehörte besonders eindrucks- volle Werke. In bem Konzert, bas unter Professor Trautmanns Leitung flattfinbet, betätigen sich hervorragende Solisten, ein starker, gemischter Chor, ein aus hiesigen Musikfreunden unb Mit­gliedern ber Reichswehrkapelle zusammengesetztes Orchester unb bie Orgel. Am Abend vorher finbet am gleichem Orte unb zur selben Stunbe bie Hau p tp r obe statt. Näheres ist aus bem gest rigen' Anzeigenteile zu ersehen.

Der Verein für bas Deutschtum im Auslanbe veranstaltet am nächsten Diens­tag abenb in Gießen einen Vortrag über bie französische imperalistische Politik in ben Rhein­landen. Dr. Pehvlb aus Köln, ein guter Kenner ber Rheinlandverhältnisse, wirb als Referent bar­tun, bah nur rechtzeitige Erkenntnis unb Be­kämpfung biefer französischen Bestrebungen uns vor bem Verlust ber Rheinlanbe und damit

ältesten deutschen Kulturlandes unb wichtigsten Inbusttiegebietes bewahren kann. Der Vottrag hat für jeben Deutschen ohne Unterschieb derParteidie größte Debeutung. Man beachte Anzeige in unserem morgigen Blatte.

Wettervoraussage