Ausgabe 
10.6.1922
 
Einzelbild herunterladen

Mc interalliierte Kvmmiffün; eine Ausdehnung beß Delagerungszustanbes auf die Gemeinden Schwientochlowitz, Bismarckhüt'e, Godullahütte und Liprne für nötig erachtet hat. ' (

2lm 7. Juni mürben in Orzegvw

sämtliche deutschen Arbeiter itnb Beamten auS den Werken getrieben

und teifro-eife so schwer mißhandelt, daß sie in Lazaretten untergcbra t werden mußten, ihre Samilten muhten Knall und Fall die Wohnungen räumen und nach dem deutschwerdenden Gebiet übersiedeln. Die deutschen "Kauern von Groß- Dombrowia c>. hielten ein .Ultimatum, in dem sie amfgefordcit werden, lis zum 7. Juni ihre Woh­nungen ,-u verlassen. Die Deutschen in Friedens­hütte Schlesieng-.u" e und Hohenlohe-Werke wur- den kurzfristig ouircsordert, ihre "Wohnungen zu räumen und sie '.clnjichen Arbeitern zur Ver­fügung zu stellen. Ein Kaufmann in Friedens- Hütte wurde gezwungen, sein Geschäftshaus weit unter dem Wert zu rerfaufen. Seine Möbel durste er nur gegen 10 000 QUarf Lösegeld trans­portieren. in Varuschrwih, Loslau, Sohrau und Rikolai sind Heber fälle und Plünderungen bei den Deutschen an der Tagesordnung. Die pol­nische Apo in Rybnik brachte es sogar fertig, die Vertriebenen bei der Revision zu bestehlen.

Fortdauernd vermehrt sich die Zahl der aus dem polnisch werdenden Teil Oberschlesiens flüchtenden Arbeiter und Beamten. Die Hohenlohe-W?ne zum Beispiel haben nicht weniger als , 10 c. H. der Belegschaft durch die Flucht verloren. Achnlich liegen die Verhältnisse auf den übrigen Werken. Allein in Ralibor sind etwa 14 000 Flüchtlinge bisher eingetrosfen. Das Lager ist überfüllt. Auch in Hindenburg durch­ziehen

große Flüchtlingsstrvme

die Stadt. Alle verfügbaren Räume sind für die Arbeitslosen beschlagnahmt und werden zu Mas- fenquartieten eingerichtet. Wan hat den Eindruck, als wenn die Polen es darauf abgesehen hatten, nicht mir die De:.'Ischen aus dem polnisch wer­denden Teil zu vertreiben, sondern sich auch in den Besitz ihres Mobiliars zu sehen. Verschiedene Aeußerungen polnisch Gesinnter deuten darauf bin, daß man den polnischen Beamten, die aus Warschau nach Oberschlesien verseht werden, voll­kommen eingerichtete Wohnungen in Aussicht ge­stellt hat.

Von der nach wie vor bestehenden bedroh­lichen Allgemeinlage im ehemaligen östlichen Ab­stimmungsgebiet gibt der Kattowiher Bericht­erstatter derZeit" ein zwar anschauliches, aber auch die schlimmsten Befürchtungen wachrufendeS Bild. Er schreibt u. a.:

Roch am dritten und vierten Tage seit Ver- hängung des Belagerungszustandes dauerte der Terror fort, der lediglich im Landkreise Beuthen eine Einschränkung erfahren hat, weil dort eng­lische Truppen zum Einsatz tarnen. Immer noch tDirnen die Flüa ilinge nicht die geringste Habe auf ihrer Flucht mitnehmen, sondern sind froh, wenn sie das nackte Leben retten. Richt nur Rati- bvr, Gleiwitz und Beuthen sind von FlüMlingen überfüllt, sondern auch Gemeinden und Städte . weit über den Industriebezirk hinaus, so Kandrzin und Oppeln, werden von den Bedrängten über­schwemmt. Da weiterer Zuzug zu erwarten ist, Serben die Flück tlingstommissariate in Ratibvr. Gleiwitz und Beuthen größere Transporte nach - dem Innern abschieben müssen. Die Zahl der i offiziell bekannten Flüchtlinge beträgt jetzt rund 7000?

tNiemand zweifelt mehr daran, daß es sich ; bei der gesamten Aktion ber Polen um

ein organisiertes Unternehmen '

handelte, das bereits in seinen Einzelheiten sest- gelegt war, ehe in Gleiwitz auch nur jemand daran dachte, einen einzigen Polen zu vertreiben. Rück­blickend auf den Verlauf muß leider wiederum feflgeflettt werden, daß

die Interalliierte Kommission auf der ganzen Linie abermals versagt

hat. Größe und Umfang der terroristischen Be­wegung konnte General Le Rond schon am ersten, spätestens aber am zweiten Tage klar fein. Ein festes und energisches Zugreifen zu (Beginn der Unruhen hätte diese niemals so anwachsen lassen. Es ist dasselbe Spiel wie beim vorjährigen Polen- Putsch der gleichfalls am ersten Tage ohne be­sondere Schwierigkeiten und auch ohne Blutver­gießen hätte unterdrückt werden können."

Der Film in China.

Dipgendswo kann man wohl so viel Auf­regung und Ergötzen sehen, als in einem chinesi­schen Theater, das die ameriianifcben Ehaplin- filme aufführt. Aeber Haupt, alle komischen Filme, in denen eine etwas groteske Komik zum Aus­druck gebracht wird, werden gleicherweise freu­digst ausgenommen. Da es den Aeberfetzern der meist europäischen Filme unmöglich ist. die Zwischenaktsüberschriften der Filme in chinesisch zu übersetzen, so müssen in fast allen Theatern sogenannte Erklärer einfbringen, die den Zu­sammenhang erklären und die Aebersetzungen ins Chinesische liefern. Die Musik, die den Film begleitet, wird von einem chinesischen Musik­orchester geleistet. Ein Europäer kann sich einen fürchterlicheren Radau wohl nicht vorstellen, als eine derartige Begleitung, man denkt dabei an ein Inferno. Den Chinesen gefällt aber dieser Lärm und fast selten verpassen sie einen Witz, den der Erklärer sich leistet. Leider sind die meisten Chinesen der Kuliklasse nicht in der Lage, die Theater so gut zu besuchen, wie es in anderen Ländern der Fall sein kann, da die Bezahlung sehr minimal ist und die Armut dieser untersten Schichten der chinesischen Be- völkerung sehr groß ist. Rur fünf Prozent der chinesischen Bevölkerung ist schätzungsweise in der Lage, überhaupt in den Kientop gehen zu können Der Eintrittspreis in den meisten Theatern ist deshalb so niedrig, daß er nur ein Viertel eines chinesischen Cents ausmacht, ungefähr zwanzig Pfennig deutschen Geldes. Die Ausländer, die in den größeren Städten reservierte Sitze haben, zahlen natürlich bedeutend höhere Preise Wotzl- Ixibenbere chinesische Kaufleute setzten sich eben falls sehr gerne in diese für die Europäer reser­vierten Sitze und zahlen gerne die hohen Prüll Die Sitzgelegenheit der Theater rangieri zwi schen 100 und 2000 Sitzplätzen. Im Durchschnitt sind es meistens 600 Sitzplätze. In den grohcien Städten, wie Schanghai. Canton, Hongkong. Harbin usw. findet man oftmals nahezu 100 Theater in je einer Stadt. Die Rachsragc nach solchen Theatern und nach Films ist ungeheuer

Kein Zweifels Die interalliierte Kommtstion, in der leider nach wie vor der französische Ein­fluß der unheilvoll maßgebende zu sein scheint, treibt wieder ihr altes grausames Spiel mit der Schuh- und Rechtlosigkeit der vberschlesischen Deutschen. Denn auch durch andere Informationen werden die obigen Feststellungen des Mitarbeiters derZeit" bestätigt. Daß die polnischen Macht­haber in- und außerhalb Oberschlesiens mit den französischen Besatzungsbehörben dabei Hand in Hand arbeiten, dürste nach den bisherigen Er- fatrrungen als eine Selbstverständlichkeit gelten.

Belagerungszustand in Beuthen.

Beuthen. 9. Juni. (WTB.) Der Kreis- tontrotleur hat heute den Belagerungszu­stand über Deuthen-Stadt und -Land verhängt. Die Vergnügungsstätten, Gasthäuser usw. haben um 9 Ahr abends zu schließen. Der Verkehr auf den Straßen ist bis 10 Ahr abends gestattet.

Die österreichische Kreditvorlage.

W i e n , 9. Juni. (WTD.) Der Rational- ra t hat nach längerer Debatte die Kredit- ermächtigungsvorlageangenommen, durch die Der Minister ermächtigt wird, zur Deckung des Defizits 220 Milliarden im Kredi twege zu beschaffen. In der Debatte erhärte der Großdeutsche Plessing: Für Oesterreich gibt es nur zwei Wege, um aus dec jetzigen Lage herauszukommen, Kredite oder Anschluß an ein größeres Wirt­schaftsgebiet. Wenn die Mächte sich nicht entschließen, uns in allernächster Zeit mit Kre« biten. zu helfen, wird sich das vielleicht von selbst vollziehen, was sie nicht wünschen: Ein wiber Erwarten rascher Anschluß an das Deutsche Reich.

Die ungarischen Wahlen.

Budapest, 9. Juni. (WTD.) Dach den endgültigen Wahlergebnissen wurden bei den Budapester Wahlen 13 Swzraldenwkra- ten, 7 Linksdemokraken, 5 Mitglieder der re­gierungsfreundlichen Wolfs-Partei. 3 Mitglie­der der Andrassypartei, ein Christlich-Sozia­ler und ein Regierungsparteller gewählt.

Aus dem Reiche.

Die Arbeiten des Reichstags.

Berlin. 10. Juni. Die Tagesordnung für die nächste Reichstagssitzung am kom­menden Dienstag wurde den Blättern zufolge heute ausgegeben. Sie sieht eine Anzahl klei­nerer Vorlagen vor. Dann folgt eine Inter­pellation der Anabhängigen über das Ergebnis der Verhandlungen der Reichs­regierung mit der Reparativnskom- Mission. Sollte diese Interpellation nicht beantwortet werden können, dann steht als nächster Punkt der Tagesordnung die Zen- trumsinterpellativn über die Rote der Botschafterkonferenz betteffend Einstellung bzw. Zerstörung von Eisenbahn­bauten im besetzten rheinischen Gebiet zur Behandlung.

Sin DiSziplinargesetz für die Reichswehr.

Derlin. 10. Juni Wie die Blätter mel­den, ist der Entwurf eines Diszrplinar- g e s e tz e s für die Wehrmacht dem Reichstage zugegangen. Das Gesetz überträgt einfache Be­strafungen in einem sörmlic^n Disziplinarver­fahren besonderen Kammern, die mit Rechtssicher­heiten ausgerüstet sind. Ferner sieht das Gesetz ein Disziplinarverfahren dem Beamtenrecht ent­sprechend vor, damit Soldaten wegen Unwürdig» feit aus der Wehrmacht entlassen werben können. Gleichzeittg soll auch über den Anspruch auf Versorgung entschieden werden.

Der Fall HermeS

Berlin. 10. Juni. Der Untersuchungsaus­schuß gegen Reichsminister Hermes wirb, den Blättern zufolge, am kommenden Dienstag zu einer Sitzung zusammentreten, in der auch der Fall Augustm besprochen wirb.

groß. Wie biefo Rachfrage wohl gedeckt werben konnte, ist eine große Frage. Berechnet man, daß zur Zeit nur fünf Prozent der Bevöllerung sich erlauben können, die Theater zu besuchen, baß aber bessere Arbeits- und Verkaufsverhältnisse leicht einen Umschwung herbeiführen können und die Zahl der Theaterbesucher bedeutend ver­größern kann, so ist man sich noch im Zweifel, wie man die entstehende Rachfrage decken will

Die Vorstellungen beginnen schon früh am Rachmittag und dauern bis 5 Ahr und bann wiederum von 7 Uhr bis spät in bie Rächt. Es wird jeden Tag gespielt einschließlich Sonntags Da die Chinesen fast alle an Augenleiben er­krankt sinb, so darf niemals bei völliger Dunkel­heit gespielt werden, und da sie das Zittern der Filme in völliger Dunkelheit nicht ertragen können, so müssen die Bilder vorgesührt wer­den mit den angedrehten Lichtern im Zuschauer- raum. Manche Theater besitzen auch einen Phono­graphen oder ein elektrisches Piano, doch ziehen die Chinesen ihre eigene Musik vor. Im Jahre 1919 wurden ungefähr 1500 Fuß amerikanischer Filme importiert, im Jahre 1920 ungefähr 2700 Fuß. Der allererste rein chinesische Film wurde in den Eingeborenen-Theatern zuerst am 1. Juli 1920 aufgeführt. Der Film wurde genau erflärt und gab eine der bekanntesten Mordtaten Chinas zum Besten; er bestand au8 zehn Rollen, mit allen Einzelheiten diesergroßen Geschichte". Am liebsten sehen die Chinesen europäische Dramen, in denen chinesische Charaktere spielen mit solchen Kostümen und Aufmachungen. Bei der Erstauf­führung dieses rein chinesischen Fllms wurden Eintrittspreise von 50 Cents aufwärts genommen, und es war immer ausverkauft. Auch die Reklame benutzt den Film in großem Hm lange in China. @inc der bekanntesten Zigarettenfabriken Ostasiens hat immer regelmäßig einen Reklamesilm laufen, in dem die großen Vorzüge der Zigarette dieser Firma beleuchtet werden, und die Firma be­hauptet, daß die Reklame sich sehr gut bezahlt mache.

Jur Zeit der großen Winbstürme, die durch ganz China tm Frühjahr und Herbst brausen, beschäftigen die Theater einen sogenannten slic-

Die Rotlage der Presse.

Berlin, 10. Juni. (Priv.-Tel.) In der ge­strigen Sitzung des braunschweigischen Landtages richtete die Deutsche Volks­partei eine Anfrage an die Regierung, in der diese gefragt wird, ob sie bereit sei, mit allem Rachdruck bei der Reichsregierung darauf hinzu­wirken, daß in Kürze alles geschieht, was den drohenden Riedergang der deutschen P r e s s e zu verhüten im stände ist.

Sinreiseerleichterungen nach Deutschland.

Berlin, 10. Juni. Bei der Erteilung von Sichtvermerken zur Einreise nach Deutschland fin­ket in Zukunft, wie die Blätter mitteilen, keine Prüfung der Rotwendigkeit der Reise mehr statt. Hierdurch hat das Reichs- innenmtnifierhim einem dringenden Wunsche der Industrie- und Handelskreise Rechnung getragen. Das Auswärtige Amt seinerseits ist, wie die Blätter weiter melden, bemüht, die gleichen Er­leichterungen auch für die Einreise von Deutschen in andere Länder zu erreichen. Die Einreise nach Deutschland kann aber verweigert werden, wenn bei: Zweck der Reffe und die Persönlichkeit des Reisenben eine Gefahr für bie deutsche Sicherheit ober die Dolkswvhlfahrt bilden.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 10. Juni 1922.

** 5c ff genommen wurde eine Frauens- persvn von Halle, bie dort einen Geldbetrag von 12 000 Mk. entwendet hatte, ebenso 'ein langer Mann von auswärts, der bei hiesigen Althänd­lern Rotguß und Mesiing abzusetzen versuchte, das er in Wetzlar entwendet hatte. Zar Ermittlung des Täters, der in der Rächt zum 6. Juni die 4 Hühner und den Hahn entwendet hat, setzte der Geschädigte 300 Mark Beloh­nung aus.

** Müller'sche Badeanstalt. Wasser- Wärme der Lahn am 10. Juni: 18 Grab R.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Wolkig bis heiter, meist trocken, Winde aus westlichen Richtungen.

Das gestern über dem Kanal gelegene Teilttes hat sich etwas verstärkt und lagert heute über Deutschland. Es scheint sich noch weiterhin aus­zudehnen.

Dornotizeru

Lageskalender für Samstag: Kath. Vereinsbaus, 8A.hr: Beamtenversammlung des Deutschen Beamtenbundes. Turnhalle, Os- waldsgarten. 8 Ahr: Oeffentliche Verjammlung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Hin­terbliebenen. Astoria - Lich t spi ele, heute und morgen:Macistes AbSnfeuer". 2. Teil:Maci- stes Kampf gegen List und Verderben". Licht­spielhaus. Bahnhofstraße, heute und morgen:Der Verfluchte".

Aus dem Stobttlycaterburcai. Anläßlich der Aufführung des neuen Lustspiels Scampvlv am kommenden Dienstag sind bet der Bühnenleitung verschiedene Anfragen ein­gegangen, was eigentlich Scampolo bedeutet Scampolo ist der Spitznahme der Titelheldin im Lustspiel, eines italienischen Gassenmädels und wird von ihr selbst als emRest Zeug" erklärt, der den Kaufleuten beim Berka tf von Stoffen übrig bleibt; es ließe sich also etwa mit »Tuch- sehen" übertragen. Wie nun Scampolo mit ihrer derben Arsprünglichkcit in bie dumpfige At­mosphäre eines vorzüglich geschilderten Boheme- Milieus hineinplaht, wie das verachtete Gasien- mädel als reinigendes Element wirtt, ist mit so feiner Charakteristik der Handelnden geschil­dert, daß bei entsprechender Besetzung der Haupt­rollen bisher überall ein ungewöhnlicher Ertolg erzielt worden ist. Im Berliner Theater am Zoo ist das Werk bereits über hundertmal ge­geben worden; am Wiesbadener Staatstheater hat es dieser Togo feine erfolgreiche erste Auf­führung erlebt. Es ist also zu hoffen, daß bas Werk auch in Gießen tnfereffieren und fein Publi­kum finden wird. Dies ist aber auch unbedingte Voraussetzung für weitere Sommergastspiele. In weiten Kreifen der Bevölkerung besteht der Wunsch, daß auch tm Sommer ab und zt gute Ohiffübru-ngen geboten werden mögen. Gleich die erfle Aufführung des LustspielesDer Tenor der Herzogin" hatte einen starken künstlerischen, aber leider einen negativen finanziellen Ertolg.

genben Hänbler heißer, feuchter, bantpfenber Tücher. ®r besitzt einen Heinen Kessel, ber burch glühende Holzkohlen erhitzt wird, unb in biesem befinden sich eine große Anzahl heißer Flanell­lappen, die dem Eintretenden sofort zugeworfen werden, damit er sich ben feinen ©anbftaub aus den Ohren unb Augen reiben kann unb sich gemüt­licher fühlt. Ebenfalls wirb ihm auch sofort heißer Tee serviert unb Gebäck. Sehr beliebt sinb auch Filme, die Zauber- unb Geisterauffüh­rungen barftellen unb geheimnisvolle Masken zeigen, die sehr aufregende Szenen ausmalen.

Es könnte wohl der beutschen Filminbustrie eine Möglichkeit geboten sein, hier einen sehr guten Absatzmarkt zu. finden, durch Herstellung von billigen Films, die eine gute Einführungs- quelle abgeben könnten und in China dazu bei­tragen formten, das deutsche Ansehen toieber zu heben.

* *

Heinrich Marschner über die erste Tannhäuser-Aufführung.

Die erste Aufführung von WagnersTann- häufer", die in Paris mit Albert Riemann tn der Titelrolle am 13. März 1861 stattfand, führte bekanntlich zu einem riesigen Thraferskandal, brr vielfach geschildert worden ist. Eine neue Dar­stellung dieses denkwürdigen Abends, die zudem von einem, deutschen Komponisten herrührt, lin&et sich in den Briefen Heinrich Marschners, die dcm- nächst in der neuesten Henricischen Autvgraphen- Versteigerung zum Verkauf gelangen werben mb aus denen wichtige Stellen in dem soeben er- schienenen Katalog abgebrueft werden. Die Briefe, die an eine Freundin gerichtet sind, atmen bas Gefühl bei1 Empörung, das Marschner bei diesem Skandal erfüllte.Enblich muf? ich auch a if Das feit 14 Monaten übergenug besprochene unge­heure Ereignis, nämlich auf bie am 13. erfolgte erste Aufführung des ..Tannhäuser" &i sprechen kommen, sollte mir auch das Herz bar ob zer­springen," schreibt er am. 16. März 1861. Fassen Sie sich, teure Freunbin! Es ist geschehen .mb die Oper samt unserem Riemann ist siirch-

Alle Thsaterinteressenten mögen daher bie Sommergastspiele unterstützen, zumal da nach Möglichkeit Werke geboten werden, die für den Spielplan des Winters nicht in Frage kommen.

Der Oberhe ssrsche Kun st ver­ein wird vom 18. bis 30. Juni eine Sonder­ausstellung von unserem einheimischen Künst­ler W. Barthel bringen. In den ersten Tagen im Juli wird eine Gedächtnis-Ausstel­lung des vor kurzem verstorbenen Künstlers Prof. Dr. Abbelohde folgen. Die G ie° ßenerKunstfammlung im Reuen Schloß ist morgen (Sonntag) von 11 bis 1 Ahr un» entgeltlich geöffnet.

Konzertverein. Es wird hierdurch noch einmal darauf hingewiefen, daß das Sonder- konzert des Konzertvereins (Brahms-Ge- dächtnisseier. Ausführende: Wendling-- Quartett aus Stuttgart) nicht^nn Sonn­tag, dem üblichen Konzerttage, sondern aus­nahmsweise am Montag in der Aula der Aniversität stattfindet. Das Wendling- Quartett hatte mit Herrn Drehsbach (Klari­nette) auf dem diesjährigen Regerfeste mtt Regers Klarinetten-Quinfett einen großen künstlerischen Erfolg.

Der Gleibergvcrein, der es über­nommen hat. für die Erhaltung der Gleiberg- raine zu sorgen, veranstaltet am 17. b. W. ein großes Sornrnersest auf ber Burg. Der Glrt- bergDerem verbindet damit dir Absicht, bas In- tereffc für unseren Gleiberg in Gießen zu stärker bzw. wachzurufen, damit auch für bie Zukunft ber Destanb ber Burg gewährleistet ist. (Siebe Anzeige.)

Die Deutschnationale Volks­partei hat ben Abg. von Lindeiner- Wildau (Berlin) für einen politischen Vortrag ber am 27. Juni im Philosophenwald stattftndsl. gewonnen. Der Vortrag wird umrahmt sein von einem Wohltätigkeitsfest Rosen- se st, dessen Reinertrag zugunsten notleidender Gießener Kleinrentner verwendet werden wird. Räheres wird tm Gießener Anzeiger betomrt« gegeben.

Im Allg. Deutsch. Frauenverein wird am Montag im Schützenhaus Frau Dorothee von Velsen aus Berlin überRationale und Internationale "Frauenaufgaben" sprechen.

Landkreis Gießen.

* Großen-Duseck, 9. Juni. 3m Busecker Tal hat sich ein Zweigverern des Vogelsber­ger Höhenklubs gegründet. Der neue Ver­ein ist bereits in den Gesamtverein ausgenommen worden.

Kreis Friedberg.

hr. F r i e b b c r g, 10. Juni. Aus Einladungx bes K r e i s a m t s mären letzten Donnerstag tm Turnsaale bes hiesigen Gymnasiums bie Psar rer, Lehrer unb Bürgermeister des Kreises versammeft, um über eine Verbin - bungderamtlichenundprivatenFür- sorge im Kreise zu beraten. Rach Begrüßung burch Kreisdirektor Gräf hielt bie Geschäfts sührerin der hessischen Zentrale für Mutter- und Säugl ngs üeforge, Fräulein Keller, einer sehr anschaulichen unb lehrreichen Vortrag überDie gegenwärtigen Aufgaben ber sozialen Fürsorge auf bem Lande". Darnach legte Kreisbirektoi Gräf seinen Plan zur Organisierung unb Zu­sammenfassung ber Fürsorge dar. Eine lebhafte Aussprache knüpfte sich baran, bie teilweise wert­volle Anregungen brachte. Leider kam in die sonst schön verlaufene Versammlung eine Miß­stimmung hinein dadurch, daß Kreisamtuiann Göbel ohne unterrichtet zu sein über die ein­zelnen Vorgänge in ben Lanbgemeinben, Vor­würfe gegen bie Pfarrer erhob, weil sie nicht in allen Orten bie Ortsfürsorge übernommen hätten. Da biefer Vorwurf gegen bie Pfarrer, die in ber Kriegszeit bereitwillig^ überall bie Fürsorge­tätigkeit in ben Lanbvrten ausübten, unberechtigt unb bie Antwort bes Kreisamtmanns auf seine Zurechtweisung durch Pfarrer Dreunlin un­befriedigt "war, werden die Pfarrer in den De- kanatskvnserenzen des Kreises sich überlegen müs­sen. ob sie mit einem solchen Leiter der Fürsorge- tätigtet! überhaupt noch zusammenarbeiten Tonnen.

Starkenburg und Rheinhessen.

Zur Mordfache Günther.

fpd. Darmstadt,' 9. Juni 3n dem Er» mittlungsverfahren gegen die Mörder des Po-

terlich durchgefallen. So etwas von Durchfall soll hier in der Großen Oper noch niemals vor- gekommen sein. Es ist nicht nur gezischt, gehusttt unb gepfiffen, nein, die Oper ist mit unais- sprechlichem Gelächter zu Grabe getragen worden, obgleich gut gesungen. unb mit großem Fleiß gespielt würbe. Schon in der ersten Szene, wo Tannhäuser- neben Venus sitzt, wurde es im Hause äußerst unrihig, und das Ballett wurde laut verhöhnt und belacht. Riemann effettuterte gornicht, und als er nach der- Verwandlung auf der Bühne 'bleibend hirrstürzt. der Hirtenknabe fein Lied beginnt und die Pilger kommen, da brach das fürchferlichstc Gelächter ans, das dis nach dem Ende des ersten Ak.es andauerte --- und schon war das Schicksal der Oper entschie-' den.' Im Anfang des zw i en Aktes war es wieder- unruhig, man gähnte und seufzte. Da aber > begann der Marsch und teunbe vom ganzen Hause allgemein mit dem größten Ent­husiasmus ausgenommen, jadis" gerufen, dem man aber nicht nachkam Dies war der einzige große Svnneüblick int Leben des Tannhäusers, denn von nun an griff die Langeweile wieder um sich, die sich durch Stöhnen, Husten und 5Ärchen ßuft machte. Riemann hörte man im Finale fast gar richt, so schwach Hang ftln' Stimme. Seh. Uebermut war wohl gebcodjen, oder er tonnte vor Zorn nicht fingen Ich kann Ihnen aufrichtig gestehen, daß mir felbfl habet ganz unwohl war unb ich viel habet litt." Marsch ncr schildert dann das Verhalfen des Publikums trähtenb des dritten Atfes und bemerft, baß nur das Lied an ben Abendstern mit großem Applaus ausgenommen wurde.Der Kaiser, ben Wit von unserer Loge aus genau sehen konnten, und der ganze Hof die Kaiserin war nicht z,-gegen iw ersten Rang lachten mit dem

übrigen Publikum ovn Herz-n." berichtet er schließlich,unb es war komi ch, zu sehm, tote der Kaiser stets, wenn gelacht mürbe' sich aus seiner *i3ogc legte und zu Metternich wendete, als wollte er sagen:Siehst Du, was Du uns für eine deutsche Suppe angerichtet hast?"