Ausgabe 
10.6.1922
 
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Vr. 134

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Samstag, 10. Zuni 1922

Erstes Blatt

1Z2. Jahrgang

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SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Sleindruckerei R. Lange. Zchnftlettung, Seschästrstelle und Druckerei: Zchulfttatze 7.

Wochenruck blick.

Das poltttsche Interesse der gesamten Hattonen der Erde konzentrierte sich m die­sen Tagen auf Paris, wo wieder einmal nicht nur über Deutschlands Schicksal und Zu­kunft beraten und gefeilscht, sondern letzten Endes darüber entschieden wurde, ob endlich sich wenigstens Anzeichen zu einer be­ginnenden Politik der Vernunft bemerkbar machen wollen, oder ob d i e P o l i- tik des blindwütigen Hasses fort­gesetzt werden soll bis zur Vernichtung nicht nur Deutschlands, sondern Europas. Angesichts der Wichtigkeit der schon gefallenen und noch ausstehenden Entscheidungen ist es notwendig, sich noch einmal im Zusammenhang zu ver­gegenwärtigen, was eigentlich sich an der Seine abspielt und abgespielt hat.

Am 24. Mai trat in Paris der sqge- nannte Morgan-Ausschvh zusammen, eine Konferenz privater europäischer und amerikanischer Finanzmanner. um die Mittel und Wege zu prüfen und zu finden, wie man Deutschland die finanzielle Hilfe schaffen könne, die es nach der nun allgemein in der Welt anerkannten Ansicht der Sachverständi­gen unbedingt braucht, um lebensfähig zu bleiben und auch um zu leisten, was man von ihm verlangt. Wie cs nicht anders sein konnte, kamen die Sachverständigen nach mehr­tägigen Beratungen zu dem Ergebnis, daß die ihnen gestellte Aufgabe nicht zu läsen sei, wenn man an dem uns auf erlegten Lon­doner Reparationsdiktat festhal­ten wolle. Der Finanzausschuß beschloß also, bei der RcparativnSkvmmission «offiziell anzuftagen, ob der in diesem Lon­doner Diktat festgelegte Zahlungsplan mit feinen von uns geforderten 132 Golvmilliarden nicht angerührt werden dürfe. Auf diese Frage erteilte die ReparationSkvmmission demKomitee derFinanzleu te freie Hand in der Begutachtung aller Mäglichkei- ten, die zu einer Anleihe führen könnten, dazu gehört vor allem aber auch die Mög­lichkeit einer Herabsetzung der Re­parationsforderung, wodurch wie­derum das Londoner Ultimatum und schließlich der Friedensvertrag von Versailles angetastet werden. Das ist also das Wichtige an diesem Beschluß der Reparationskommission, daß durch ihn unaus­bleiblich der Dau, auf den sich bisher die Rache -u nd Haßpolitik Frankreichs gründete, ins Danken gekommen ist.

Die Reparationskvmmisiion hat auch ihren Beschluß nicht etwa e i n st i m m i g, son­dern mit den Stimmen Großbritan­niens, Italiens und Belgiens ge­gen die Frankreichs gefaßt. Die Fran­zosen sind also zum ersten Mol vollkom­men isoliert gewesen. Auch Belgien, das bisher immer mit ihnen ging, hot sich diesmal auf die andere Seite geschlagen. Es ist verständlich, daß die französische Regierung und die Kreise, die hinter ihr stehen, arg ver­stimmt sind. Unabstreitbar deutlich ist ia auch fetzt erneut geworden, daß es allein Frank­reichs Imperialismus ist, der eine dauernde Gefahr für Europa und die Welt bedeutet. Die Vertreter der Hoch­finanz, die in dem Anleiheausschuß sitzen, kön nen wahrlich nicht in den Verdacht lammen, ihre Beschlüsse danach cinzustellen, ob sie für Deutschland vorteilhaft sind oder nicht. Sie behandeln die Anleihefrage lediglich von der rein geschäftlichen Seite. Deutschland braucht, wie schon gesagt, eine inter­nationale Anleihe, nicht nur, um di e fälligen Zahlungen zu leisten, son­dern auch, um Rohstoffe im Auslande kaufen zu können. Der internationale Geldmarkt wird aber für die Unterbringung einer Anleihe nur bann zu gewinnen sein wenn die Anleihe und die Zinsen unbedingt gesichert sind, und diese Sicherung wieder kann Deutschland nur aus sich selbst bieten. Dazu ist aber so lange nicht imstande, wie es in den würgenden Fesseln des Der- failler Vertrages bzw. des Loirdoner Ulti­matums liegt. Damit ist der Kreis der Ueber- legungen in sich geschlossen, und die Haltung Anleiheausschusses gegeben.

Also noch einmal: Frankreich hat derzeit nicht gerade günstig abgeschnitten; der Be­schluß der Reparationskommission stellt einen Lichtblick bar; aber und Darüber muß man sich unbebingt klar bleiben nur einen recht schwachen. Die jetzt in Paris gefallene Entscheidung ist bedeutsam, wenn man sie als Symptom ansieht, gering aber an prak­tischer Bedeutung. Wohl kann nun der Anleiheausschuh theoretisch einen Beschluß fassen und sich etwa dahin aus­sprechen, eine internationale An leihe könne nur zustandekvmmen, wenn die Reparotionslast herabgesetzt, wenn Deutschland die Möglichkeit Wiederaufbau gegeben wird.

3n der Praxis aber hätte ein solcher Beschluß erst bann Wirksamkeit, wenn dann die Re- parativnskommission ihrerseits die so zur Bedingung gemachte Herabsetzung der Reparationsforderungen beschlösse. Hier be­steht nun die Gefahr, daß Frankreich trotz allem, was vvrherging, auf seiner bisheri­gen Politik beharrt und einen solchen Beschluß, der einstimmig erfolgen müßte, hinter­treibt. Wie aus Pen letzten Nachrichten ersicht­lich ist, ist anzunehmen, daß sich der An- leiheausschuß vertagen wird, ohne einen bestimmten Beschluß zu fassen. Es ist eben tatsächlich nicht möglich, Deutschland und damit der gesamten Weltwirtschaft finanziell grundlegend zu helfen, solange nicht Frank­reich zur Vernunft gebracht wird, sei es durch den einstimmigen Willen der übrigen Natio­nen, sei es durch die eigene Not. Bis zu die­sem Zeitpunkt sind alle Versuche, Wege zum gerne infamen Wiederaufbau zu finden, müßig.

Man sieht also, daß sich z w a r A n s ä tz e zu einer Besserung bemerkbar gemacht haben, daß aber nach wie vor zu über­triebenem Optimismus keinGrund vorhanden ist. Nach den letzten Meldungen kann man damit rechnen, daß in der kom­menden Woche das Garantrekomi- tee nach Deutschland kommen wirb, um sich an Ort und Stelle über unsere wirt­schaftliche und finanzielle Lage zu unterrichten. Hier bietet sich der Reichsregierung und auch Dem Reichstage, Der ja in diesen Tagen wieder zusammentritl, eine Gelegenheit vielleicht, ja sogar wahrscheinlich, die letzte, durch eine geschickte, zielbewußte Haltung den Sachverständigen zu zeigen, daß wir nur leben können, wenn man uns von den würgenden Fesseln des Mord- vcrtrages von Versailles und sei­ner Ausläufer befreit, und daß un­ser Schicksal Europas, ja der ganzen Del- Zu­kunft bedeuten muß. Es ist unser LebenSinter- esse, über das in der kommenden Woche vor­aussichtlich entschieden wird. Möge diese Ent­scheidung so ausfallen, daß der schwache Licht­schimmer, Der jetzt in Paris aufgedämmert ist, zu einem erlösenden, die Wunden der gan­zen Welt hellenden Strahl wird.

Vertagung des Anleiheausschusses?

Paris, 10. Zunr. (WTB.) Die Mvrgen- blätter kündigen in mehr oder weniger bestinnn- ter Form an. daß der Anleiheausschuh heute mittag seine Arbeiten abschliehen und sich, tfcne seine Ausgabe als beendet zu be­trachten. im Prinzip auf dreiMonate ver­tagen werde.

DerPetit Parisi en" erklärt es für wahrscheinlich, daß der Bericht, den der Anleihe- ausschuh dec Reparatwnskonnnisiion übecacbcn

Die unerträgliche Last der Besatzung.

Die Kosten der Rheinlandbesetzung.

5,5 Milliarden Goldmark, 14 Milliarden Papiermark.

Berlin, 9. Juni. (WTB.) Dem Reichstag ift eine neue Denkschrift des Reichsschatzministeriums über die Kosten > e r Rheiulandbesrtzung zugegangen. Aus einer früheren Denkschrift ist bekannt, daß sich die Kosten der Rheinlandbcsetzung bereits bis Ende März 19 2 1 auf rund vier Milliarden Goldmark- AuSgaben Der Besatzungsmächte, und auf etwa 7,3 Milliarden Papiermark-AuS- gaben beliefen. Die dem Deutschen Reiche durch direkte Leistungen für die interalliierte Rheinlandkommission und die Besatzung im Rheinland erwachsen waren. Diese Zahlen tehen hn Einklang mit der auch von der amerllanischen Presse im November 1921 ge­brachten Mitteilung, nach welcher laut der Schätzung einer damals von der Reparations­kommission in Paris eingesetzten Kommission die seit dem Waffenstillstand bis Ende 1921 entstandenen Kosten für den Unterhalt des Befatzungsheeres eine MilliardeDol - l a r betragen haben. Für die acht Monate vom 1. Mai 1921 bis 31. Dezember 1921 be­tragen Die Ausgaben der Besatzungsmächte unter Zugrundelegung der Aufstellung der Reparationskommission- rund eine Milliarde Goldmark, Die zu den oben genannten vier Milliarden Goldmark noch hinzuzurechnen sind.

An direkten Ausgaben hat das Deutsche Reich in jenem Zeitraum noch etwa 3,9 Mil­liarden Papiermark gehabt, die zu den oben

wand von 178 552 000 Mark verur­sacht. Die Kosten der französischen Abteilung der Kommission haben sich vom ersten Vier­teljahr 1920 bis zum vierten Vierteljahr 1922 beinahe versiebenfacht. Die Unterbringung des Vorsitzenden Der Rheinlandkvmmission erfor­derte einen Aufwand von l1 Millionen Mk. Für die Einrichtung von Bordel­len für die Besatzungstruppen hatte das Reich bis Ende Oktober 1921 rund 802 000 Mark zu bezahlen. Für Truppen­übungsplätze wurden landwtttschaftliche betriebe im Werte von rurtb 2,5 Millionen Mark und 167 Fabrikanlagen im Werte von 74 Millionen Mark beschlagnahmt. Während die deutsche Armee/ im besetzten Gebiet nur neun Flugplätze hatte, haben Die Entente­mächte bis 1. Januar 1921 24 neueFlug- plätze angelegt und Damit 1303 Hektar zum Teil besten AckerboDenS Der lanDwirtschaft- liehen Benutzung entzogen. Aehnlich liegt es mit Den Schieß- unD UebungSplätzen. Für Wohnungszwecke waren am 1. De­zember 1921 von Der Rheinlandbesatzung ins­gesamt 9700 Wohnungen und außerdem 13 000 Einzelzimmer beschlagnahmt. Weiter wurden 60 Schulen, in denen 16 450 Kinder unterrich­tet worden waren, mit Truppen belegt. Wäh­rend die deutschen Garnisonen im besetzten Gebiet eine Gesamtstärke von etwa 70 000 Köpfen hatten, betrug am 1. Dezember 1921 die alliierte Besatzungsstärke noch minde­stens 1 30 000 Köpfe. Die Schlußrech­nung der Denkschrift ergibt, daß seit dem Waffenstillstand bis Ende März 1922 eine Kostenrechnung von 5,5 Milliar­den Goldmark.und 14 Milliarden Pap ier mark zugelaufen ist. Nicht mit­gerechnet sind Dabei Die Kosten für die Trup­pen in Den neubesetzten, rechtsrheinischen Ge­bieten.

Die Berliner Reise des Garantiekomitees.

Paris, 9. Juni. (WTB.) Die Nachricht deS 3 du mal, daß bas (Sarantiefomttcc bereits am Dicntag seine Reise nach Berlin antreten werde, wirb nicht bestätigt. Der T e m p s" hält es indessen für wahrscheinlich, baß bas Komitee in der Tat nächste Woche zu längerem Aufenthalt nach Berlin übersiebeln werde. Heute nachmittag verhandelte bas Komitee in dieser Angelegenheit.

Eine Rede des Reichskanzlers.

Dr. Wirth und Ratheuau in Stuttgart.

Stuttgart, 9. Zuni. (WTB.) Anläßlich ihres Besuchs bei der württembergischrn Staats» regierung sprachen Reichskanzler Dr. Wirth und Reichsminister des Aeuhern Dr. Ratheuau vor einem großen Kreis geladener Gäste.

Der württembergische Staatspräsident Dr. H i e b e r begrüßte beide im Namen der Staats­regierung auf das herzlichste und dankte ihnen für ihr Kommen.

Reichskaiczler Dr. Wirth (lebhaft begrüßt) behandelte einige Fragen der äußeren und der inneren Politik. Das Ziel seiner Politll sei immer die Wohlfahrt des deutschen Volkes und die Erhaltung der deutschen Einheit gewesen Die Gefahren einer Reichszcrstörung seien noch nicht gebannt. Es gäbe in Deutschland ein paar armselige Tröpfe, die den Plänen unserer Gegner in die Hände arbeiteten. Die über­wältigende Mehrheit öeß deutschen Volkes io allen Schichten gehe mit der Regierung zusammen in dem Bemühen, Deutschlands Einheit zu be­haupten. Wir streiten über die Methoden Der Politik, aber nicht über bag Ziel. Neben der Einheit habe die deutsche Mannigfaltigkeit Raum und Recht. Aber es fei notwendig gewesen, neue starke Klammern um die Länder und Stämme zu legen und daS Volk in demokratischem Sinne zusammenzubinden. 3n der äußeren Politik emp- finde es das ganze deutsche Volk als bitteres Unrecht, baß die Besetzung der drei Rhein st ädte noch nicht rückgängig gemacht worden fei. Durch die Polllik ehrlicher Derständi gung sei man jedoch über die Atmosphäre heraus gekommen, aus der die Politik der Sanktionen geboren fei. Genua habe gezeigt, daß

Deutschkaud wieder eigenen Boden

. unter den Füßen

habe. Der Vertrag von Rapallo be­deute den ersten Schritt Heber die Frage der deutschen Reparationen sei in Genua zwar nicht offiziell gesprochen worden, aber wo ernste 'Bien schen zuscmmengekommen feiert, habe sie im Vordergrund? ter Unterhaltung geftanben. Die Konferenz Der Finanzsachver st än- bigen in Paris bedeutet eine wirtschaftliche De Pachtung der Reparationsfrage. Die Dar.kfers würden finden, daß die Anleihe mindestens ebenso notwendig sei für Fra ckreich wie für die übrigen Ententeländer. An Dem UrteÜ der Bank von England zu Ende des letzten Zahres, daß Deutsch­land unter den ^ahlungsbedingungen des Ulti­matums nicht tredllfähig fei, könne man in Paris nicht Vorbeigehen. Amei ika muffe für die Mitarbeit an Den europäischen Problemen gr trennen werden Zu dieser Arbit fei Geduld unD opferfreudige Mi'.arbell nötig. Ein selb­ständiges r.nd unabhängiges, in feiner politischen unD wirischastlichen Wrrk7amkell aber freies Deutschland, das in den friedlichen Wiederauf­bau Europas seine große politische Aufgabe sehe, sei sein Ziel.

Reichsminister Dr. Ratheuau (ebenfalls lebhaft begrüßt, behandelte einige Abschnitte der äußeren Pvlllll des letzten Jahres. Man fei einen Schritt vorwärts gekommen auf dem Wege zur wirtschaftlichen Vernunft. Der Anfang war die Anerterrnung, daß nicht Gold unser Zahlungsmittel fein könne, sondern Waren In England habe man zuerst die schädlichen Wirkungen Der deutschen Gefängniswirtschaft er­kannt. Die weltwirtschaftliche Verflochtenheit wurde zum Erlebnis. Der Redner behandelte dann die Vorgänge in Cannes und Genua und die Erkenntnis der Völker, daß man aus Dem gegenseitigen Schuldverhältnis Der großen Na­tionen heraus müsse. 3m Haag würde sichDeutsch- (anb nicht aufbrängen, aber zu ehrlicher Vermitt­ler- und Mllarbell berell stehen. Dem russischen Wirtschaftssystem hätten wir uns nicht verschrie­ben. Die Politik des letzten Jahres sei nicht erfolglos gewesen. Eine Pvlllll des Widerstan­des hätte sich bitter gerächt und vor allem Die Einheit von Voll und Reich gefährdet. 2

Dor dem vierten Polenputsch in Oderschlesten?

Neue Nachrichten aus Oberfdüefien beweisen, bah das Wüten des polnischen Ter­rors sein Cnbe bei weitem nicht er­reicht hat. Zwar spricht man von einem ge­wissen Abflauen der deutschfeindlichen Ausschrei­tungen in den großen Städten, aber hier, wo die deutsche Bevölkerung stets konchakter saß unD Der Einfluß englischer und italienischer Trappen sich nicht stärker als auf dem flachen Lande geltend machen kann, war schon in früheren älnrubtaqen die Bedrohung des Deutschtums, wenn auch im­merhin groß, fv doch nicht so umrrittelbar wie auf den Dörfern und den dazwischen liegenden Znduftriewerlen. Daß man auch diesmal pol­nische rfells noch nicht Daran denkt, die neu ent sachte, planmäßig vorbereitete Gegenrevolution zu liquidieren, zeigt u. a. auch Der MmftanD, daß

aufgeführten 7,3 Milliarden Papiermark hru- zuzurechnen sind. Die Rheinlandkom- misfion allein hat in Den letzten acht Mo­naten Des Jahres 1921 einen Kostenauf-

werdc, feststelle. Daß unter den gegenwärtigen Umständen eine große internationale Anleihe, durch die die Reparationsfrage in ihrem gesamten Umfange geregelt würde, nicht möglich sei. Der Anleiheausschuß werde eine Reiche von Vorschlägen in Bezug auf die Lasten Deutschlands, ja sogar auf Die interalliier­ten Schulden machen, obwohl Die Prüfung Der letzteren nicht zu seinen Zuständigkeiten gehöre. Vor allem werde er darauf Hinweisen, wie wichtig für die Erleichterung der nächsten deutschen Teil­zahlung eine sofortige Verbesserung der deutschen Finanzlage sei. 3n dieser Beziehung werde der Ausschuß, wenn nicht eine Heine Anleihe, so mindestens doch die Entwick- luna der Handelst redite airraten, die Deutschland von den reichen Ländern gewährt werden könnten. Alles in allem habe der An- leiheauKschuß eingesehen, daß es im Augen­blick unmöglich sei, eine praktische Lösung der europäischen Schwierigkellen herbeizusühren. Aber er gebe die Hoffnung nicht aus, zum Ziele zu gelangen in Dem Maße, wie die Ereignisse sich entwickelten.

Heftiger Meiuungszusammeuftosi. Augenblicklich jede finanzielle Arbeit nutzlos".

Oeuvre" erklärt, der Bericht des Aus­schusses werde negativ sein. 3m Lause Der gestri­gen Sitzung seien die gegensätzlichen Mei­nungen heftig aufeinander gestoßen. Der englische Delegierte Kindersley und der holländ. Delegierte Vissering hätten daraus bestanden, daß trotz des Widerstandes Frankreichs ein Plan für Die Flüssigmachung der deutschen Schulden aufgestellt werde. Anderersells sei Morgan im Einvernehmen mit dem deutschen Vertreter Bergmann dabei geblieben, daß die politische llncinigfeit der Gläubiger­mächte jede finanzielle Arbeit nutzlos mache. Dies sei der Standpunkt des amerikanischen Delegierten, der die Oberhand behalten habe Jeder Plan zu einer Anleihe, ob groß oder klein, sei also auszuschalten. Der Bericht Der Bankiers werde nicht besagen, wie die deutschen Schulden flüssig zu machen seien. Er werde nur auseinander- sehen, daß unter den gegenwärtigen Umftänbeu eine umfassende internationale Kreditoperation unmöglich fei

Das .Echo de Paris" sagt, der Bericht des Ausschußes werde wahrscheinlich nicht er­wähnen, daß es als Voraussetzung jedes deut­schen Appells an den internationalen Kredit von Wichtigkeit sei. Den Londoner Zahlungs­plan z u revidieren. Das Blatt verlangt unter diesen Umständen von der französischen Re­gierung folgenbe3 Programm: Finanzielle Sa­nierung Deutschlands und Konzentration seiner ausländischen Devisen in den Händen der Re­gierung. Frankreich müsse mit einem Wort, um das deutsche Finanzsystem zu sanieren undDeutlch- land in den Stand zu setzen, den Reparationsver- pslichtungen Genüge zu tun, mit derselben Kraft eingreifen und seine Kontrolle ausüben, die die verhältnismäßige Enrwaffnung Deutschlands her­beigeführt habe. Für heute aber gelte es noch einmal die Notwendigkeit zu betonen, daß ö i e Sachlicserungen so stark wie möglich entwickelt werden müßten.