Die Lausanner Konferenz.
Lausanne. 8. Dez. (WTB.) G« toirb gemeldet, daß die Konferenz wahrscheinlich am 2 3. Dezember ipre Arbeiten unterbrechen und sie am 2. oder 3. Januar wieder aufnehmen wird. Lord Curzon ist genötigt, sich pad) Loirdvn zu begeben. Während seiner Ab- h-clcnfxii sehen die Kommilitonen ihre Arbeiten fort, um die noch sch'oebenden Fragen zu regeln.
Lausanne, 8. Dez. (Wolfs.) Die Prüfung der Aieerengensrage wurde in der heutigen Sitzung des Ausschusses für territoriale Angelegenheiten fortgeseht. Ismet Paschal forderte:
1. daß Konstantinopel und das Marmarameer gegen jeden Angriff vom Meer her ynt) vom Lande her gesichert werden,
2. dah die L>eestreilkräfle, die sich in das Schwarze Meer begeben, derart beschränkt werden, dah sie nicht die entmilitarisierte Zone zwischen den beiden Meerengen und dem Schwarzen Meer gefährden. Diese dürfen nur aus leichten Kriegsschiffen bestehen, die zum Schuhe des inter- tialiDiialen Handels bestimmt sind, > 3. dah im Schwarzen Meer keine
Kriegsschiffe unterhalten werden.
4. die freie Durchfahrt der Handelsschiffe in Friedens- wie In Kriegszeiten. Für den 'Fall, dah die Türkei nicht neutral bleibt, wird sie sich mit der unentbehrlichen technischen Kontrolle begnügen.
Was die vier vor den Meerengen liegenden Inseln betreffe, so müsse über Jmbros, Tenedos und Samolhrake d^? türkische Souveränität anerkannt und Lemnos autonom werden. Ebenso müsse der Halbinsel Gallipoli ein Minimum an Verteidigungsmitteln' gegen Angriffe zugestanden werden.
Tschitscherin behält sich die Prüfung der türkischen Vorschläge vor, antwortete aber aus die alliierten Vorschläge, dah Ruhland aus seiner Aus- sassung beharren müsse, wonach dür Türkei eine Scheidewand zwischen Ruhland und ben anderen Mächten im Interesse des Friedens werden müsse. Ruhland schlage seinerseits für den Fall, dah ferne Auffassung durchdringe, eine Konferenz der Ufer- flauten dcä Schwarzen Meeres vor. die beraten solle, wie die Sicherheit der Küsten gewahrt werde. Tschitscherin warnt Rumänien auch davor, ein zweites Griechenland zu werden, wogegen sich Denizelos verwahrte. Tschitscherin er- wllrerte aber, dah er nur Tatsachen feststelle.
Lausann, 8. Dez. (WTV.) 3n der heutigen Rachmittagsiitzung über die Meerengenfrage erteilte Lord Eurzon im Ramen der Alliierten die Antwort auf die türkischen Vorschläge und stellte mit Befriedigung fest, dah die Türkei im Prinzip sowohl die Entmilitari- lie-ung als das Durch'ahrtsrecht der Hairdels- schiffe als auch die Bildung einer internationalen Kommission anerkannte. Indem er die einzelnen türkischen Forderungen und Einwände durchging, bemerkte er. dah in keinem Punkte unüberwindliche Hindernisse bestehen und dah nunmehr die Sachverständigen darangehen konnten, die Gegensätze auszugleichen.
Tschitscherin, der erklärte, dah er erst freute das türkisch? Projekt kennengelernt habe, bemerkte, dah der allgem faxe Teil der türkischen Antwort über die Enlmitltarisierung von der russisch-ukrainisch-georgischen Delegation geteilt werde. Die russische Delegation behalt« sich das Recht vor, unter Wahrung ihrer Ausfassung von bei .Rotwendiakeit der Sperrung der Meerengen füf Kriegsschiffe durch die souveräne Türkei und ^hre Befestigung zum Zwecke der Aufrechterhal- tung des Friedens im Schwarzen Meere, später noch genauere Erklärungen bei den Sack>verstän- dtzzen^ratungen abzugeben. Alle strittigen Punkte werden nunmehr von den Sachverständigen be- dfccitet werden, lieber die nächste Sitzung des Gesamtausschusses wurde noch nichts bestimmt.
Aus dem Reiche.
Beschlüsse des Reichsrats.
Berlin, 8. Dez. (WTB.) Der Reichsrat setzte heute den Höchstbetrag der Dar- lehnskassenscheine auf 225 Milliard. Mk. fest. In Verbindung hiermit wurde ein 8. Rach- tragsetat für 1922 angenommen. Der Zwischenkredit für die Reichsgetreidestelle soll auf 300 Milliarden gesteigert werden. Ferner beschloß der Reichsrat aus Grund der Beratungen seiner Ausschüsse Abänderungen des Gesetzes über die Zwangsanleihe, wonach u. a. die Limitierung teS Crgebn sse; gestrichen werden soll. Ferner wurde das Gesetz üver Pie Gesellschaften mit beschränkter Haftung dahin abgeändert. dah das Mindeststammkapital auf 530000 Mark, die Mindeststammeinlage auf 10 000, die Mindesteinzahlung auf 5003 Mk. erhöht wurde. Angenommen wurde schließlich eine neue Verordnung, die die zeitweilige Befreiung von der Verpflichtung der Konkursanmeldung für Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung usw. auch dann zuläht, wenn seinerzeit eine Schuld in Goldeinzahlung ein-
Oberhesfischer Kunstverein.
Giehen. 9. Dez. 1922.
Es ist unmöglich, die derzeitige Ausstellung auch nur annähernd auf eine Formel zu bringen. Zuviel Verschiedenes nach Art und Gehalt, zuviel innerlich sich Widerstrebendes hat sich diesmal zusammengefunden. als dah dies gelingen könnte. Es bleibt nur, Einzelnes zu fassen und zu werten. Mahslab may die Art sein, wie das Einzelne slch gibt oder glaubt, sich geben zu müssen.
P. Wolhe-Weimar zeigt eine stattliche Reihe Aquarelle von Rang. Er bevorzugt architektonische Motive und weih ihnen viele Reize abzugewinnen in einer Technik, der nachzuspüren an sich schon eine Freude ist. „Wittumspalcus" und „Liszthaus" in Weimar, „Deilstem an der Mosel" „Tor" und „Gasse" in Beilstein. Motive aus Wetzlar („Klarer Sonntag") und Giehen („Stadt- kirche").
C. Fries-Giehen: Das unseres Erachtens zu unausgeglichene „Hirschhorn am Reckar" platzt doch etwas zu sehr aus der Reihe seiner übrigen Werke heraus. Hm so lieber verweilt man aber bei den feingefahten, eindringlichen landschaftlichen Stimmungen, die zweifellos seine starke Seite sind: „Fernsicht". „Abend an der Ridda". „Herbsttag", „Rovemberstimmung", „Mondauf- gang". Hier schaffen nachhaltiges Erleben und eigenwilliges Gestalten schönste Qualität.
W. Barthel-Giehen: Unter seinen Landschaften ist besonders die große „Winterlandschaft" hervorzuheben und angelegentlich zu empfehlen.
E. Eimer- Darmstadt: Das kleine Märchen- Lild „Hochzeitskutsche" und die Radierungen ^SLgMrganL". »Singende" und..Kirmes" sind
gegangen wurde und wenn die ausländische Währungsschuld oder eine Zahlung in Gold später in eine Markschuld ohne Goldklausel umgewandelt oder durch eine solch? Älarkschuld abgelöst wurde.
Die ZwangSanleihe.
Berlin. 8. Dez. (WLD.) Der Finanzpolitische Ausschuh des Reichswirtschaftsrats befahte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Entwurf eines Gesetzes über die Zwangsanleihe. Der Vertreter des Rcichsfinanz- ministeriums begründete den Entwurf, durch den ein Ertrag von ungefähr 1 4 0 Milli- arden Papiermark erwartet wird. Rach längerer Erörterung nahm der Ausschuh einstimmig folgende Entschließung an: Der Finanzpolitische Ausschuß des ReichswirtschaftS- ratS nimmt den Standpunkt ein, dah es keinen Zweck hat, sich mit Aenderungen des Gesetzes über die Zwangsanlethe zu befassen, weil es keine Aenderungen gibt, die das Gesetz in einer Weise praktisch brauchbar zu machen vermögen, die den Folgen der bisher eingetretenen und möglichen weiteren Geldentwertung Rechnung tragen könnte.
Arbeiter- und Deamtenbesoldung.
Berlin. 8. Dez. Das Reichsfinanzministe- rkum hat, den Blättern zufolge, die Spitz norgcini- sationen der Beamten und Staatsaröeuer zu Besprechungen über die von den Organisationen geforderte Erhöhung derBezügefür Montag und Dienstag eingeladen. Bei der Ermittlung des Teperungsausschlages für Dezember wird man, tote dte Blätter fajreiben, im Reichsfinanzministerium diesmal nach einem anderen System arbeiten. Es sollen nämlich die Löhne der Qlrbeiler in einer Weise festgestellt werden, dah man einen Vergleich zieht zwischen den jetzt vom Reich gezahlten Entlohnungen und den in der ersten Dezemberwoche von der Industrie gezahlten Löhnen. Die Beamtengehälter sollen dann den Ac- beiterlöhnen entsprechend erhöht werden.
Der Berliner Schauspielerstreik beendet.
B e r l i n. 9. Dez. Die gestrigen Verhandlungen über die Beilegung des Streiks der Berliner Schauspieler führten zu einem beide Teile befriedigenden Ergebnis. Der Streik wurde für beendet erklärt. Heute abend kann wieder gespielt werden. Es wurden Mindestgagen von 55 000 Mk. für November und 90 000 Mk. für Dezember festgesetzt. Die Kündigungen und Maßregelungen aus Anlaß des Streiks sollen zurückgenommen werden.
Aus Hessen.
Aus dem F'manzcmSschntz.
rm. D a r m st a d t. 9. Dez. Im Finanzausschuß des Landtags wurde gestern die Vorstellung des Zentralverbandesder Invaliden und Witwen Deutschlands (Gauleitung Hessen) um Gewährung einer jährlichen Unterstützung von 50 000 Mk. zugunsten der Gaukasse abgelehnt. — Die Vorlage betr. die Erhöhung der Gebühren für die W a n d e r s ch e i n e auf den 50fachen Betrag fand Genehmigung. — Genehmigt wurden für die Lungenheilstätte in Gießen 150 000 Mark, für die innere Ausstattung deö Kurhauses Bad Salzhausen 2 300 000 Mk. ES werden dann noch 20 Mill. Mark für die Errichtung der Dermessungs- ämter in Grünberg, Gießen und Lauterbach bewilligt und die Vorlage für die Erweiterung der Bureauräume des Generaldirektors des LandeStheaterS genehmigt.
Aus Stadt und Land.
Dießen, den 9. Dezember 1922.
Der Drnrkpapierpreis für Dezember.
Die Zeitungsverleger sind wieder mal um eine Enttäuschung reicher. Seit langer Zeit schon fordern sie durch ihre Organisation, den Verein deutscher Zeitungsverleger, von der für die Festsetzung des Druchoaviervreises maßgebenden Kom- mliflon im Reichswiltschastsministerium, daß ihnen der Preis des Papiers rechtzeitig vor der Bestimmung des jeweiligen Abonnementspreises be- fanntgegeben werde, damit sie nach ordnungsgemäßer kausmännischer Regel kalkulieren können. Dieses Verlangen nach einer Selbstverständlichkeit blieb bis heute trotz gegenteiligen Versprechens unberücksichtigt.
In Unkenntnis des tatsächlichen Dezember- Papierpreises kalkulierten bre Verleger auf Grand eines Wahrscheinlichkeitssatzes von 300 Mark je Kilo Papier den De^emberbezugspreis der Zeitungen. Dieser Wahrscheinlichkeilssah hatte unter Berücksichtigung der obwaltenden Verhältnisse das
von bekannter innerer und äußerer Meisterlich keit.
Otto I u n g • Stuttgart bringt Landschaften von manchem Reiz. („Sonniger Hügel")
R. D ü n n i n g s-Gießen ist mit einigen seiner geschmackvollen Aquarelle vertreten („Gleiberg", „ Dergwerkswald").
H. E. Steinbach -Giehen: Hier ist viel lebendige Freude am Experiment zu spüren, die auch Manches, das doch wohl nicht ausstell ings- reif ist, interessant macht. Einiges aber ist famos und mehr als nur Anfang: „Pfingstrosen", „Landschaft I" und „II". Auf dieser Seite scheint der Schwerpunkt seiner Begabung zu liegen.
H. Müller-Leutert -Gießen: Vornehm sind drei fleine „Landschaften" in Aquarell, besonders Rr. 1. „Das rote Haus" ist farblich bedeutsam, das Bildnis „Meine Frau" sehr gut komponiert. Die große „Landschaft" wirkt zwiespältig. Sie ist nicht mehr nur naturalistisch und noch nicht „übersetzt" genug. Von seinen Plastiken scheint das „Orpingtonhuhn" am eigensten zu sein.
H. H e ck r o t h-Gichen bringt zwei flott gegebene „Jägerinnen" und ein „Bildnis in Schwarz" von gelungener farbiger Charakteristik.
W. Willgervdt-Dillenburg bleibt zu äußerlich, ebenso H. Kober st ein-Berlin. Toni Beith-Fritzel -Darmstadt wünscht man reinere Farbigkeit. Von E. Schaumann- Gießen sind einige Bleistiftzeichnungen aus „Alt- Gießen" zu nennen.
G. Jahn- Dresden, kein Fremder hier, erfreut durch feine bekannte glückliche Hand
W. D ie t r ich-Dresden bietet Holzschnitte von starker Konzentration.
G. Walther- Giehen: Eindrucksvoll und vielversprechend lind seine lebendigen, sicher ge»
bisherige StetgerungStempv de« PapierpreifeS als Grundlage. Rachdem der Zeitungsbezugspreis für den Dezember bekanntgegeben und zum Teil schon einkassiert war, kam endlich von Berlin aus die amtliche Papier Preisbestimmung heraus. Sie brachte den Zeitungsderlegern eine starke Ueber- raschung und Enttäuschung. Statt der angenommenen 300 Mark war der Preis auf 4 4 5 Mark je Kilogramm festgesetzt worden. Mll Recht haben daraufhin die Zeitungsverleger diesen Preis als unerträglich bezeichnet, weil er zu hoch bemessen erscheint und alle ihre Kalkulationen über den Haufen wirft. Er fügt ihnen Verluste zu, die trotz des erhöhten Dezemberbezugspreises bei mittleren Zeitungen Hunderttausende, bei größeren einige Millionen Mark allein für den Dezember ausmachen Wer den Par ierpreis von 445 Mk. je Kilo in Vergleich stellt mit dem Zeitungsbezugs- preis, kann sich mit Leichtigkeit selbst ausrechnen, wieviel die Kosten für das unbedruckte Papier allein vom Abonnementspreis verschlingen. Wie denkt man sich da im Reichswirtschaftsmini- fterium die Deckung der übrigen hohen Herstellungskosten der Zeitung? Anscheinend macht man sich darüber gar keine Gedanken. 'Nachdrücklicher denn je muß nach dieser verhängnisvollen Rücksichtslosigkeit die Forderung erhoben werden, dah man nun endlich den Zeitungsverlegem rechtzeitig im Vormonat, d. h. etwa 14 Tage vor der neuen Dezugspreisfestsetzung den jeweiligen Papiergestehungspreis mitte i 11, damit sie eine gesunde Selbstkostenberechnung aufstellen und danach den Abonnementspreis bestimmen können. Heute schon kostet e i n Wag gon Druckpapier weit über vier Mi111onen Mark, treibt man die Verleger weiter auf der Dahn der Preiswurstelei, dann wird es in absehbarer Zeit keine selbständige deutsche Presse mehr geben. Zur Behebung des Hebel« müssen Mittel und Wege gefunden werden, die man nun wohl von der neuen Regierung erwarten darf.
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Die Ausweise im besetzten Gebiet.
Die Interalliierte Rheinlandkommission hat mit Rückwirkung vom 1. d. M. eine neue Ver- orbnung erlassen, die die bisherigen Bestimmungen über den Verkehr im besetzten Gebiet zusammenfaßt und teilweise ergänzt. Die bisher darüber geltenden Bestimmungen werden damit aufgehoben. Die wesentlichsten Bestimmungen find jetzt folgende: Jede über 16 Jahre alte Person, aleichgültig welcher Staatsangehörigkeit, die ihren dauernden Wohnsitz im besetzten Gebiet hat, muh mit einem Ausweis mit Lichtbild versehen sein, das von der zuständigen deutschen Behörde beglaubigt ist. Kein Deutscher über 16 Jahre, der seinen Wohnsitz im unbesetzten. Gebiet hat, darf das besetzte Gebiet ohne Ausweis oder Pah betreten. Angehörige der Staaten, deren Truppen an der Besetzung teilnehmen, dürfen das besetzte Gebiet erst betreten oder sich dort aufhalten, wenn sie eiyen Ausweis oder Pah besitzen, der entsprechend dm von den beteiligten Regie ungen erles enen Vorschriften ausgestellt und visiert ist. Sie sind dann zur Meldung bei dem Kreisdelegierten verpflichtet. Diese Meldung ist ned) drei Monaten zu wiederholen, sie sind ferner verpflichtet, in den Gasthöfen oder bei den Quartierwirten die übliche Auskunft über ihre Person, ihren Stand, den Ort. von welchem sie kommen, und den Ort, tmihin sie reifen wollen, zu geben. Sodann sind sie verpflichtet, die deutschen gesetzlichen Vorschriften für Reifende einzuhalten. Wenn diese Personen sich in einem Zeiträume von 12 aufeinanderfolgenden Monaten wenigstens sechs Monate im besetzten Gebiet aufhalten, müssen sie einen von den deutschen Behörden ausgestelllen Personalau sweis besitz n. A u s l a n d d e u t s ch e und Ausländer aus Landern, die nicht an der Besetzung des Rheinlandes teilnehmen, müssen sich allen deutschen gesetzlichen Reisebestimmun- gen unterwerfen. Ihre Pässe müssen innerhalb zwei Tagen den deutschen Behörden zur Visierung vorgelegt werden. Die hierüber geführten deutschen Listen müssen den Besetzungsbehörden auf Verlangen vorgelegt werden. Die Gast- und Quartierwirte müssen sich genau an die deutschen Vorschriften über den Fremdenverkehr halten, soweit die Gäste nicht zu den Desetzungstruppen gehören. *
Vornotizen.
— Tageskalender für Samstag: Saal des Gesellschaftsvereins. 71/2 ilfor: Familienabend des Vereins. — Großer Hörsaal der stlniversität, 8V2 Uhr: Vortrag der Gießener Hoch- schulgesellschast, — Astoria-Lichtspiele, heute und morgen: „Seepiraten" und „Im Hafen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen: /-Ion der Großstadt verschlungen", „Hier wird 'n Ding gedreht" und „Brasiliens Kampf gegen die Schlange".
— Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 31/« Uhr: „Der' letzte Walzer": 71/. ilbr: „Wallensteins Lager" und „Die Gefaßten Holzschnitte und Lithographien: „Dorf in Schwaben", „Erkenntnis". „Aaturstudien", „Mt".
Das neue Landesmuseum in Weimar.
Die Eröffnung des Landesmuseums in Weimar, die vor kurzem stattfand, bedeutet ben ersten Sch ilt in dem vollständigen Neubau der Weimarer Kunstsammlungen. Diese älmgeflaltung ist in Wrirnar später erfolgt als in anderen Ländern, weil die Auseinandersetzung mit dem früheren Landesherrn sehr lange Zeit in Anspruch nahm. Wie Schenk zu Schweinsberg in einem Bericht der Seemannschen „Kunstchronik" hervvrhebt, ist das neue Landesmuseum getois ermaßen nur ein Rebenergebnis des Gesamtplanes. Hier sind die Gemälde des späteren 19. Jahrhunderts vereinigt, die sich früher in verschiedenen Sammlungen und Depots verstreut befanden. Die Bilder waren derartig durcheinandergemischt, daß z. B. Werke von Friedrich Preller dem Aelteren und seiner Schule mit Holländern und Flamen des 17. und Deutschen des 18. Jahrhunderts ^usammenhingen. Runmehr ist die ganze Kupferstcch- und Hand- zcichnung-Sammlung, sind die Bestände der Galerie und des Kunstgewerbes vom Mittelaller bis xur Romantik einschließlich in das ehemalige Resi- denzschloh übersührt worden. Damit wurde das Gebäude be£ Museums für Kunst und Kunstgewerbe frei, das jetzt für staatliche Verwaltungszwecke beansprucht wird, und die ältere Malerei kam aus dem OanbeSmufeum heraus. In dem völlig neurenovierten und neugeorbneten Museum hat nun die Malerei aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert- ihren Platz erhalten, wobei die
Tomtnt“. — Reue Aula, 5 5IT)r: Drittes Konzert des Gießener Konzertvereins. — Iohanneskirche, 8 Ähr: Dortrag des Evangelischen Bundes.
— Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei nochmals auf die morgen um 3'/2 Ähr beginnende Aufführung von „Der letzte Walzer" und die auf 71/2 Ähr angesetzte Wiederholung von „W a 11 e n ft e i n 8 Lage r" und „D i e Piccolomini" hingewiesen. — In der am Dienstag erstmalig zur Aufführung kommenden Operette „F rü h l l n g s l u s t" von Josef Strauß sind in Hauptrollen beschäftigt die Damen Wifsendorff, Rammel, Türk, Jüngling, Wander sowie die Herren R i ch- t e r, Goll, Jacob, Feigel, Hellborn und L e u t h e i s e r. Die Spielleitung liegt In Händen von Rrrdolf Goll.
— Gießener Hochschulaefellschaft. Herr Prof. A. Messer hält heute Samstag, 9. Dezember, abends um 8‘/s Uhr, im Großen Hörsaal der Äniversität einen Vortrag über „Oswald Spengler als Philosoph". Prof. Messer hat sich mit dem Tu he Spei g er s vom -Unter jang des Abendlandes eingehend beschäftigt uab kürzlich ein eigenes Buch über Spengler -veröffentlicht. Zu dem Vortrag haben Gäste Zutritt. (Siehe Anzeige.) $
ßvSettervorauSsage
für Sonntag:
Wollig, leichter Schnee, vorwiegend nördliche Winde, falt. — Durch kleine TeiltiefS der Depression im Aorden, welck)e über Deutschland hinwegziehett, bleibt das Wetter weiterhin unruhig. *
•• Ernannt wurden: Der Kanzllst Ludwig Höhn am Kreisamt in Büdingen mit Wirkung vom 1. Rovern der 1921 ab zum Kanzleiassistenten: am 6. Dezember die Zollpraktilanten Ludwig Staudt zli Darmstadt (Hauptzollamt) und Paul K r e i s zu Offenbach (Hauptzollamt) zu Oberzoll- fefrelären. — Durch Entschließung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft vom 6. Dez. 1922 sind zu Landwirtschaftsassessoren ernannt worden die Landwirtschaftsreferendare: Hans Bläßer zu Sprendlingen in Rheinh., Dr. Kurt Kl au er zu Reichelsheim i. Odw., Hellmuth Rau zu Gau- Algesheim, Dr. Friedrich Wilhelm Schneider zu Lich, Ernst Werner zu Groß-Gerau.
** Oberhesfischer Kunst verein. Die Gemälde-Ausstellung hat diese Woche eine durchgreifende Aenderung erfuhren, indem 32 Werke von dem bekannten Aquarellisten Professor W 01 tz e -Weimar zur Ausstellung gelangten. Diese interessante Kollektion, deren Motive aus dem Lahntal, Limburg, Weilburg, Wetzlar, Gießen und Umgebung entnommen sind, wird wohl allseitiges Interesse finden. Auch die Sammlung G. Jahn -Dresden wurde erneuert. Zu den bereits ausgestellten Werken der Gießener Künstler Mueller-Leutert und Steinbach sind noch Werke von Vartel, Heck- roth, Hebermehl und Schaumann hinzugekommen. Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 1 Ahr geöffnet.
•• Weitere Ausdehnung des Blih- s u n k t e l e g r a m m v e r k e h r s. Der versuchsweise eingeführte Dlitzsunktelegrammverkehr, dec sich steigender Benutzung erfreut, ist neuerdings auf Anregungen aus der Geschäfts- und Handelswelt auf eine Reihe weiterer Orte aueSgebebnt worden. Er ist jetzt von und nach folgenden Orten zugelassen: Aachen, Barmen, Berlin,- Dieleseid, Bochum, Bottrop, Bremen, Breslau, Eastrop. Chemnitz, Cleve, Creseld, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Duisburg-Rord, Duisburg-Süd, Düsseldorf, Elberfeld, Elbing, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt a. M., Friedrichshafen, Geb senkirchen, Goch, Hagen (Wests.), Hamborn, Hamburg, Hannover, Harburg (Elbe), Hattingen (Ruhr), Herne, Hörde, Horst (Emscher), Kamen, Kiel, Königsberg (Pr ), Köln, Konstanz, Kapser- dreh, Leipzig, Lübeck, Lünen, Lütgendortmund, Mannheim, Mengede, Mülheim (Ruhr), München, Oberhausen (Rhld.), Recklinghausen, Remscheid, Schwerte (Ruhr), Sterkrade, Stettin, Stuttgart, Trier, Unna, Werden (Ruhr), Wetter (Ruhr), Wickede-Asseln, Witten.
** D i e Dauer der WeihnachtS- ferien ist vom Landesamt für das Dil- dungswesen wie folgt festgesetzt worden: Beginn: Donnerstag, 21. Dezember (erster Ferientag), Ende: Mittwoch, 3. Januar (letzter Ferientag). Soweit im Herbst aus Anlaß der Erntearbeiten eine Verlängerung der dama-
Heuttger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 8100, Frankfurt a. M. 8200,
mit der Wand verbundenen Odyssee-Bilder des älteren Friedrich Preller den naturgemäßen Auftakt boten. Um eine größere Hängeslache zu schaffen, wurden die acht Eckräume des zweigeschossigen Gebäudes umgestaltet, indem je eine Fcnsterwand verlleidet unb die ursprünglich für Gipse bestimmten Rischen zugemauert wurden. Besonders eindrucksvoll ist die Srncuerung des Wandanstrichcs, bei dem die Gliederung des Bauwertes zum Ausgangspunkt genommen wurde. Mit Hilfe eines vortrefflichen jungen Meisters der Dekorationsmalerei, Hinuerk Sche- per, wurde eine ganz neuartige Anstrichtechnik durchgcfuhrt. Die reicher gegliederten Eckräume sind auch farbig stärker betont, die dazwischen liegenden Säle und Galerien meist in leichteren Tönen gehalten. Zwisch?n farbigen und Ton» Wirkungen wurde streng unterscheden. Die verwendeten Töne sind reine Helldunüelstusen ins Wärmere oder Kühlere: die Farben sind nirgends in ihrer ursprünglichen Wirkung abgeschwächt. Zur Aufteilung einer grünen 'Wand sind z. B. graue Pfeiler verwendet. Um den einfachen Leim- und Kasrinfalbenanstrich zu beleben, wurde die Fläche durch Glasuren aufgelockert. Den Charakter der Sammlung bestimmen jetzt hervorragende Meister, die durch ihr Wirien mit Weimar verknüpft sind, nämlich Preller, Leabach, Buchholz, Theodor Hagen und Christian Rohlss Don den leb mden Wetmacer Meistern tritt besonders Otto F öhlich hervor. Gingesprengt find einige auswärtige Gruppen, so die schottischm Landschafter der 90er Jahve, ein Monet, eine Plastik und Zeichnungen von Rodin. Den Anschluß an die Gegenwart sollen die Wechselausstellungen vermitteln, die in einem Oberlichtsaal und einer Anzahl von Rebenräumen fortlaufend veranstaltet werden.


