Die kMMrs um s««.
Roman von Ernst Scheitel.
30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Jetzt brachten einige ®ienevtnntm ein schweres, btt,irgene8 RäucheSgefätz. in welchem Kohlen glühten. Eine andre trug ein Becken herber, das bis oben gefüllt war mit getrockneten Pflanzen. Bon dielen nahm der Priester rtliche und warf sie in die Glut der Räucherpfanne, worauf sich ein blauer Dampf von starkem narkotischem Geruch in der Halle verbreitete.
Schon voriger hatte Eduard diesen rnrriwür- btgen Duft wahrgenommen, ihm aber wenig Beachtung geschenkt. Jetzt aber, wo die breiten Schwaden zu ihm Herzogen, fühlte er seine Nerven von ungetrohnten Enipftnd.ingen ergriffen. Alles erschien ihm unendlich abgerückt, unwirklich traumhaft, und dennoch gewann jedes kleinst: Ding eine ungeahnte Bedeut ing. Die exotischen Bilder, die die Lande und Säulen bedeckten, glaubte er jetzt zu verstehen, und selbst der teilte, Gesang, der nun wieder anhub, schien ihm den Blick in unablehbare Tiefen der Welt, des Himmels und der Hölle zu eröffnen. Aber besonders Silly, die er soeben noch in körperhafter Nahe gefühlt hotte, schien jetzt durch -ine unüberbrückbare Kluft von ihm getrennt, so tote sie Götter von Menschen scheidet, und dennoch
Gerichtssaal.
Der Prozeß des früheren Kaisers mit dem Schriftsteller Emil Ludwig.
Berlin, 8. Aug. (WTB.) Bor dem Landgericht III fand heute der Verkündungstermin in der einstweiligen Verfügung gegen den Schriftsteller Dr. Ludwig statt. Das Gericht gab in dollem Umfange den Anträgen
Hessen-Nassau.
Dre Streiks m Frankfurt.
fpd. Frankfurt a. M., 8. Aug. Die Der- handlungen zur Beilegung des schon seit einer Woche dauernden Streiks der kaufmännischen Angestellten, die am Montagnachmittag ausgenommen wurden, nahmen heute früh ihren Fortgang, haben aber bis zur Stunde eine Klärung der ganzen Lage noch nicht gebracht. Inzwischen greift der Streik immer tiefer in das Wirtschaftsleben der Stadt ein. Die Schuhfabriken Goldschmidt & Loewenick und Herz sperrten heute früh 2000 Arbeiter aus, andere große Firmen muhten heute mittag zu den gleichen Maßnahmen schreiten, weitere Werke werden morgen folgen müssen. — Heute mittag zogen etwa 10 000 streikende Angestellte in einem Massenaufzug vorn Gewerkschaftshaus über die Zeil nach dem Hause in der Neuen Mainzer Straße, wo die Einigungsverhandlungen stattfinden, und brachten den Vertretern der Arbeitgeberverbände stürmische Mißfallskundgebungen dar. Den Angestellten in Frankfurt, die der Aufforderung zur Wiederaufnahme der Arbeit am Montag früh nicht Folge leisteten, ist heute vormittag gekündigt bzw. die Entlassung zugestellt worden. In verschiedenen Geschäften kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Arbeitswilligen und sogenannten Stoßtrupps, die die Leute gewaltsam aus den Bureaus entfernen wollten. Mittlerweile sind auch die Buchdrucker aller Betriebe in den Streik eingetreten. Auch die Transportarbeiter sind, mit neuen Lohnforderungen an die Arbeitgeber herangetreten und wollen sie gegebenenfalls im Wege eines umfassenden Streiks erzwingen.
Gießener SLadLLheaLer.
Der Raub der Sabinerinne».
Schwank von Franz und Paul v. Schönthan.
Gießen, den 9. Aug. 1922.
Zu einem ununetrbrochenen Siegeszug stürmischer Heiterkeit hat sich die Wanderung des „Raub der Sabinerinnen" übet die deutschen Bühnen gestaltet. Bereits liegt der Tag der Uraufführung eine beträchtliche Zahl von Jahren zurück, und doch hat der unverwüstliche Schwank nichts von seiner ersten Frische eingebüht. Die Verfasser haben mit glücklichem Griffe ihrem Werke ein unversiegbares Lebenselexir eingeflöht in der Gestalt des unsterblichen „©triefe“. Sieben diesem köstlichen Original eines Schmierendirektors sinken alle anderen Personen zu untergeordneter Bedeutung herab. Sie bilden den unentbehrlichen Hintergrund und Rahmen, um das Schwankbild zu vervollständigen. Während mit Hilfe der Nebengestalten höchst wirkungsvolle Situationskomik geschaffen wird, bietet der Held des Schwankes ein Beispiel ausgeprägtester Charakterkomik. Unb in der glücklichen Vereinigung dieser beiden Begriffe sind die Ülrsachen für die anscheinend unbeschränkte Lebensdauer des Werkes zu erblicken.
Die Erkenntnis von dem waHren Wert und Wesen des Schwankes wurde bei der gestrigen Aufführung durch den Shnftanb erleichtert, daß es der Leitung des staatlichen Kurtheaters Bad- Nauheim gelungen war, für die Hauptperson des Stückes den bekannten „Striese"-Darsteller Karl William Büller zu gewinnen. Auf Grund außerordentlich 'häufigen Auftretens in dieser Rolle bot Büller eine überaus fein durchgearbeitete Leistung, die bis in die kleinsten Einzelheiten liebevollstes Einleben verriet. Jede Bewegung, edes Wort und vor allem das äußerst lebendige Mienenspiel diente dem Künstler, um das Charakterbild zu höchster Vollkommenheit auszumalen. So konnte es denn nicht ausbleiben, daß die Rolle der Hauptfigur in dieser Verkörperung auch der gesamten Aufführung ihr Gepräge gab und die übrigen Darsteller in den Hintergrund traten, älnb doch muß anerkannt werden, daß die Drehung der Rollen des Professors Gollwitz durch Karl Dolck, der Frau Professor durch A u g u st e M a r ck s, der Tochter Paula durch CläreTürk, des Dr. Neumeister durch Oskar F e i g c I und der Marianne durch Rose Rub - ner kaum passender hätte gewählt werden können. Heinz Dech stein zeigte als Karl Groß etwas zu grobe Manieren. Georg Heding als dessen Sohn Emil mühte das Tempo oft mäßigen, um natürlicher zu wirken. Die Rolle des "Dienstmädchen Rosa ist als übertrieben lächerliche Figur gedacht, die in L u i s e R a m m e l s Dar- tellung ihren Zweck nicht verfehlte. Den Schul- diener Meißner gab Hermann Stichel. Die Spielleitung Oskar Feigels lieh keinerlei Mängel erkennen.
DaS b inaHe cm-veri u te Haus er'reimt: des öfteren vom tosenden Beifall der Zuschauer, die ich zu nicht endenwollenden Heiterkeitsausbrüchen fortreihen liehen. tr.
Aus Stabt und Lanv.
Gießen, den 9. A ig. 1922.
Durchführung von Kuren für Krrcgsbcfchüdigte.
Nach dem Jeichsversorgungsgesetz kann das Reich unter gewissen Voraussetzungen Kuren i n Da deorten und Lungen heil st . i 11n gaüahren. Zu diesem Zwecke hat es Plätze in 54 bekann ten Kurorten und 72 Lungenheil stäkt :n zur Verfügung und kann somit allen Anforderungen genügen. Auch ist Vorsorge getroffen, daß den Kuranträgen in kurzer Zeit entsprochen 'werden kann. Der Kriegsbeschädigte muh sich, wenn er eine Kur beantragen will, an sein Versorgungsamt wenden: denn nur auf diesem Wege fann er eine kostenfreie Kur erhalten. Für Kuren, die öhne Genehmigung der Ver- sorgAngsbehörden durchgesührt werden, wird kein Kostenersah geleistet. Erfahrungsgemäß ist hauptsächlich im Sommer der Andrang zu den Bädern und Heilstätten sehr stark, während in den übrigen Jahreszeiten die Kurgelegenheiten in viel geringerem Grade benutzt werden, obwohl in vielen Badeorten und besonders in den Lungenheilstätten außerhalb der Sommerzeit die gleichen Erfolge erzielt werden formen; es ist daher dringend zu empfehlen, die Kuranträge auch zu anderen Zeiten zu stellen. Eine Badekur kann nur dann von den Dersorgungsbshörden gewährt werden, wenn die Erkrankung des Kriegsbeschädigten den Gebrauch bestimmter Kurmittel erfordert und ihre Anwendung ständig ärztlich überwacht werden muh. Sin gewöhnlicher Erholungsaufenthalt (Landaufenthalt, Aufenthalt in einem Luftkurort. Aufnahme in ein Erholungsheim) ist einer Badekur nicht gleichzuachten. Er kann erforderlichenfalls bei der zuständigen amtlichen Fürsorgestelle beantragt werden.
•• Wech selin derOberpvstdirek- tion. Der Präsident der Ober-Postdirektion in Darmstadt, Geheimer Ober-Postrat Wilkau, tritt aus Gesundheitsrücksichten zum 1. Oktober in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger ist der Präsident der Ober-Pvstdirek- tion in Oppeln, Stroh, der geborener Hesse ist, bestimmt worden.
*• Schulfeiertag ist am 11. August, dem Verfassungstage. In den Gemeinden, die keine Ferien haben, wird nach einem kurzen Festakt die Schule geschlossen.
- Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum 8. d. Mts. wurden in zwei Wohnungen in der Keplerstraße dahier Einbrüche verübt, wobei den Tatern Wasche, Pelz- und Silberwaren von sehr Hohem Werte in die Hände fielen. Die Wäsche trägt ein eingewebtes Wappen L. H. mit einer Krone. Die Silberwaren sind zum Tell gezeichnet M. I. mit siebenperliger Krone, teils Z. v. H., und tragen zum Tell den englischen Stempel ohne sonstige Zeichen. Vor Ankauf wird dringend gewarnt. Sachdienliche Mtttellung nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen. Für die Wiederbeschaffung der Sachen oder die Ermittelung der Täter ist eine Belohnung von 10 000 Mk. ausgesetzt.
Vornotizen.
— Experimentalvvrtrag. Wir verweisen noch einmal auf den morgen abend nm E a f e Ü e i b stattfindenden Vortrag des Physikers Larsen. Der Vortragende wird das umfangreiche und so heiß umstrittene Gebiet 5 des Spiritismus krittsch beleuchten und mit zahlreichen Experimenten seine Thevretik be- ' weisen. Da die Berliner Blätter Larsen als guten Vortragenden und sachlichen Wissenschaftler preisen, ist zu hoffen, daß man nicht nur einen interessanten Vorttag zu hören bekommt, sondern auch wesentliche Aufschlüsse über das Gebiet, auf dem die Forschung noch wenig vorgedrungen ist, erhält. Der Vortrag dürfte aus diesen Gründen allgemeinem Interesse begegnen.
— Eine Pilz-Ausstellung veranstaltet der Naturheilverein »am kommenden Samstag und Sonntag im Saale des Hotels „Felsenkeller", Bahnhofstraße. Dieses Unternehmen wttd sicher von vielen Freunden der Natur begrüßt, bietet sich doch die Gelegenheit, seine Kenntnisse über Pilze zu bereichern. Die Leitung der Ausstellung liegt in den Händen des Herrn Universitäts-Garteninspek- wrs Rehnelt.
Wettervoraussage
für Donnerstag:
Aufheiternd, sttichweise leichte Niederschläge, mäßig warm.
Der Tiefdruckwirbel liegt mit seinem Minimum heute über Jütland und zieht weiter ostwärts. Wir werden auch morgen noch nicht ganz aus seinem Bereich kommen, obwohl hoher Druck von Frankreich her nachdrängt und bessere Witterung verspricht.
der Krager, des ftüyeren Karsers Wllyelm und der Erben v. Bvetttchers statt. Damit hat das Gericht sowohl den Vertrieb des Buches wie auch das Aufführungsrecht des Werkes von Emil Ludwig verboten. Das Verbot der Veröffentlichung erftredt sich weiterhin auf die Veröffentlichung einzelner Stellen des Stückes „Me Entlassung" in Zeitungen oder Zeitschriften, insoweit, als hierbei die Person des Klägers handelnd auftritt. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Beklagten auferlegt. Der nächste Termin im Haupwerfahren ist auf Mitte September vor dem gleichen Landgericht anbe- raumt worden.
Vermischtes.
Raubüberfall.
Berlin, 9. Aug. Gestern überfielen laut „Lok.-Anz." in Neukölln zwei junge Burschen den 68jährigen Kassenboten einer Treptower Firma, der 100 000 Mk. Bargeld und 10 000 Mk. in Steuermarken von einer Bank nach dem Geschäft bringen sollte. Die Räuber schlugen den Kassenboten mit Schlagringen nieder und versuchten, ihm das Geld zu entreißen. Der Lieberfallene setzte sich heftig zur Wehr und rief um Hllfe. Herbei- geeilten Passanten gelang es, einen der Täter, einen 18jährigen Burschen, festzunehmen. Hie Ermittelungen ergaben, daß fünf Personen, von denen zwei in der Treptower Firma tätig sind, an dem Raubüberfall beteiligt sind.
Handel.
Berlin, 8. August. Börsenstimmungsbild. Nach der wochenlangen Stag- natton scheint in die Börse ein frischer Zug kommen zu wollen. Die politischen Erörterungen spielten heute nur eine untergeordnete Rolle. In Montanwerten engagierte sich die vom Auslandsrentenmarkt abgewanderte Spekulation in größerem Umfange. Hier stiegen infolge anhaltender Auslandskäufe die führenden westdeutschen Mvntanpapiere mit Rheinstahl, Phönix, Gelsenkirchener, Deutsch- Luxemburger und Mannesmann an der Spitze um 100—500 Proz., Rheinstahl sogar um 900 Proz. In Rückwirkung von dieser aufsehenerregenden Aufwärtsbewegung, die der 'Börse heute ihr Gepräge gab, belebte sich das Geschäft auch auf anderen Märkten bet Kurssteigerungen von 20—50 Proz., für einzelne Werte von 75—100 Prvz., wobei auch eine regere Beteiligung des Publikums erstmals sett längerer Zeit zu bemerken war. Unter diesen Amständen ist auch mtt einer festen Haltung für die zu Einheitskursen gehandelten Industriewerte zu rechnen, wofür auch bereits vermehrte Kaufaufträge des Publikums vorliegen. Ausländische Rentenwerte sind in den Hintergrund getreten. Mexikaner und Oesterreicher notierten zwar höhere Kurse, Lln- gam und Türken waren dagegen schwächer. Das Geschäft hierin reicht lange nicht mehr an den Umfang der vergangenen Tage heran. Heimische Rentenwerte sind fest, besonders Preuß. Konsol. Oesterreichische Bankaktien wurden nach den gestrigen Steigerungen )eute realisiert. Am Devisenmärkte waren die Llmsatze bei schwankenden Preisen gering.
Frankfurt a. M., 8. Aug. Dorsen- stimmungsbild. Die heutige Effektenbörse zeigte einen freundlicheren Grundton, doch hiellen sich die Zinssätze in engen Grenzen. Der Dollar wurde im Vormittagsverkehr 760—765—770 genannt und schwankte an der Börse zwischen 755 und 770. Infolge dieser Bewegung waren Valutapapiere unregelmäßig. Im freien Verkehr wurden Benz 530, Decker-Stahl 550, Hansa Lloyd 285, Ufa 215 genannt Am Montanaktienmarit, wo sich das Hauptgeschäft entwickelte, zeigte sich lebhafte Nachfrage für rheinische Stahlwerke. Geringe Veränderungen zeigten Elektro- und chemische Werte. Am Kassamarkt blieb der Verkehr ruhig. Der Schluß gestaltete sich unregelmäßig. Aus- landspapiere blieben vernachlässigt. Privatdiskont 6 Prozent.
Frankfurt a. M., b August 1922. Züricher Devisenmarkt.
8. 8. 9. 8
Wechsel auf Schweizer Franken
Holland 100 FI. ---- 203.80 203.75 Deutschland 100 Mk. --- 0.72 0.47
Wien 100 Kr. ----- 0.01 0.01
Prag 100 Är. = 12.85 12.875
Paris 100 Fr. = 42.90 42.70
London ....... 1 £ --- 23.48 23.44
Italien 100 2. ---- 24.15 24.-
Brüffel 100 Fr. = 40.65 40.35
Budapest 100 Kr. — 0.29 0.35
Neuyork 100 $ — 625.75 520.75
Agram 100 Kr. ---- 1.60 1.625
Warschau 100 Kr. - 0,085 0,085
DArsenkurse.
Frankfurt BeriM
Schluß- Schluß- Schluß- Schluß- KurS Kurs Kurs Kurs
892.
790,
759, 940, 820,
Datum:
57, Dtsch. Kriegsanl. 47c>Dtsch. Reichsanl. 3°/„ Dtsch. Reichsanl. 4% Preuß. KonsolS Hamburg-Pakets.. . Norddeutscher Lloyd Comm.u.Privatbank Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Discvnto-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Mitteld. Creditbank.
8.8.
77,50
117,-
243 - 73,-
500,-
360,- 279,-
264,- 492,50
387.- 278,- 238,-
268 -
1786 -
880 -
2770 -
Höchster Farbwerke. Allg. Elektr.-Ges. . . Felten & Guilleaume Schuckert-Werke. . .
865 -
2325,- 900,- 798,- 730,- 960,- 940,-
7.8
77,50 117,- 243,-
73,25 510.- 370,- 286,- 264,- »87,50 387,- 280,- 235, -
272 -
Aationalbank f. D. . Boch. Gußstahlwerke 1580, Dud.- Eisenw.-Akt.. 760, D.-Luxemb. Bergw.. 1435, Gelsenkirch. Dergw.. 1550,- 2000, Harpener Bergbau. 4300, - 4925, Oberschl. Eisenb.-B. 955,- 1080, Oberschles. Msenind. 807 Phönir-Bergb.°Akt. 1610, Bad.Anilin-u. Soda 892,
7.8.
ir<*-
240,- 70,50
520,-
359,- 283,-
266,- 503,-
390,— 284,—
236,- 269,-
72“:-
1425,- 1550,- 4405,-
974,—
895,- 159'5,-
875,- 789,- 735,- 824, -
815,*
Adlerwerke 495,- 500,- 495,-
Daimler 430,— 430,- 416, — 4°/° Hess. Staatsanl. 67,- 70,50
Electron Griesheim 885#- 900,® 895,-
Dtsche. Bereinsbank 17t#.- 179,- —
8.8.
77,50 119,— 265 —
73- o90,- 350,— 282,- 266,- 495 - 390,- 284 - 238,- 269,- 1800,-
890,- 1775,- 1900,- 5100,-
995,— 835,-
2500, -
790,- 800,- 735,- 950,- 915,- 502,- 440,-
71,-
920,-
Derliner Devisenmarkt.
Geld Dries Geld Dries
Datum: 7. August. 8. August.
Amstd -Rotterd 30262,10 30337,90 29563, - 29637, - Brüffel-Antw. 5817 70 5882,30 5847,65 5862,35 Christicmia. . 13333,20 13366,80 13058,65 13091,35 Kopenhagen .. 16604,29 16645,80 16329,65 x6370,45 Stockholm. 20074,85 20125,15 19875,16 19924.90 Helsingfors. . . 1624,95 1629,05 1609,95 1614,05 Italien 3455,40 3464,60 3475,65 3484,35 London 3440,65 3447,35 3400,70 34ü9,3u Neuyork 761,55 753,45 762,04 763,96 Paris 6117,35 6132,65 6182,25 6197,75 Schweiz 14181,25 14217,7514431,90 14168,10 Spanien 11460,65 11489,35 11755,80 11764,79
Deutsch.Oesterr. 1,53 1,57 1^5 1,49
Prag 1872,65 1877,35 1875,65 1880,35
Budapest.... 42,9* 43/16 4fr,43 48,57
Buenos AireS . 277,dC 278,60 275,90 276,60
Bulgarien . . . 460*40 461,66 451,40 452,60
Japan
Rio de Janeiro 10337,- 10367,-
Marknotterungen.
Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:
Datum: 1.7.14. 7.8. 8.6
Zürich Fr. 125.40 -,70 -,69
Amsterdam ..... Fl. 59.20 - -,34
Kopenhagen Kr. 88.80 -,62 -,63
Stockholm Kr. 88.80 -,52 -,52
Wien Kr. 117.80 6685,-
Prag Kr. 117.80 5,42 5,60
London . . . Sh. 97.80
Neuyork I 23.80 -,- —,13
Paris Fr. 125.40 —,- 1,62
(3n einem Tell der Auflage wiederholt.)
Französische Blatterstimme» Über die erste Sitzung in London.
Paris, 8. Aug. (WTB.) Nach dem Berichterstatter des ,,P e t i t Parisien" können die Meinungsverschiedenheiten auf der Konferenz in London wie folgt gekennzeichnet werden: Die Engländer glauben, die beste Art, Deutschland zum Zahlen zu bringen, sei, daß man ihm Zeit lasse, sich zu verschnaufen. Die Franzosen jedoch glaubten im Gegenteil, daß, je Länger man warte, desto mehr Deutschland geneigtsei,sichzu entziehen. Mair müsse deshalb unverzüglich wirkungsvolle Zwangsmaßnahmen gegenüber diesem Schuldner ergreifen, der weniger zahlungsfähig als widerspenstig sei. Es sei noch nicht sicher, daß es gelingen werde, eine Drücke zwischen diesen beiden Auffassungen zu schlagen.
Der Sonderberichterstatter des „Petit (Journal“ will andererseits den Eindruck fest- gestellt haben, daß die Meinungsverschiedenheiten ernst genug seien, und daß dieAussichtenauf eine Verständigung ungewiß bleiben. Weder die englischen Minister noch die Finanzkreise von London hätten Vertrauen zu den vorgeschlagenen Hilssmttteln. Man befürchte, sie kämen zu spät. Man hätte sie besser während der Konferenz von Cannes Vorschlägen sollen, als der Markkurs noch elastisch genug gewesen fei. Man frage sich ob diese Maßnahmen helfen könnten, das große Problem zu lösen, das darin bestehe, ungeheure Summen aus einem Land mit mdteigem Geldstand in ein Land mit höherem Geldstand überzuführen. Da man außerdem von der Wirkung der vorgeschlagenen Maßnahmen überzeugt sei, schwanke man, sie Deutschland aufzuzwingen, weil man als Konsequenz befürchte den heftigen Widerstand Deutschlands, den Stillstand der Industrie und die Verminderung der Kaufkraft Deutschlands.
empfand er eine magische Beziehung zu ihr, ein Verschmolzen sein mit ihrer ganzen Wesenheit, tote es ihm vorher in der kurzen Zeit feiner Liebe aud) in den Augenblicken stärkster Erregung nicht vergönnt gewesen war.
Doch alö die narkotische Wolke an ihm vorübergezogen war unb von irgendwoher ein frischerer Lufthauch ihn umwehte. stürzte er nir umso schmerzhafter in die echte Wnklich'eit h.rab. er wand sich wieder in zweckloser Anstrengung,' um seine R teuren zu sprengen, und blickte qialvoli zu dem Doktor hin. ob dieser keinen Weg zur Befreiung wußte.
Perzelius lag ruhig, nur seine Augen suchten unruhevoll in dem Raum umher.
Erschöpft ließ Eduard den Kopf finten. Der Lärm schwoll um ihn, und mit der Stimme von Tausenden von Mannern, Weibern und Kindern vermischte sich das Trompeten tei der Elefanten und das Dellen und Heulen von Hunden und Schakalen. Der wirre Schrei von Vögeln gellte dvzteischen. und monströse PaukAl, aus ganzen Baumstämmen glimmert, donner e’.t d_n Takt. Mit der Wucht entfesselter Elementargewalten blauste die Orgie dahin.
Ein wahnsinniger Tanz Ixgann sich zu entwickeln. Erst eia langsames rhtzthmi'ches Treten, allein oder zu zweien, tann ein Drehcn und! Winden, schließlich ein Wirbeln ganzer Horden, i von denen keiner mehr seiner selbst bewußt war, j
sondern blind dahinstürntte, Schaum vor dem Mund, den Brand der Ekstase in den Augen, wühlend, stürzend und in entsetzlichen Verkrümmungen sich wiegend, bis alle in eins verschmolzen in ein Meer von Gliedmaßen, die sich verflochten und umkrallten, währeird der Orkan einer teüflen Leidenschaft ihr Blut durchtobte.
Eduard vermochte von Si ly nichts mehr wahrzunehmen. denn alles um ihn herum drehte, drängte und stieß sich, stürzte nieder 'und wälzte sich in lebendigen Knäueln über den Boden, ineinander verbissen gleich wütenden Tieren und triefend von Schureitz, Speichel uiub Blut.
Silly, verstrickt in diesen Aufruhr der Leusei und schutzlos preisg.g?den den wilden Instmt- ten der Ülrzeit und keine Rettung, kein ferner Strahl der Hosf.rung — das war der einzige Gedanke, der in rasender, endloser Wiederholung Eduards Gehirn durchzitterte.
Aber da war es ihm, als hörte er mitten durch den Taumel ehre Stimme mit ausländischem Ak-,ent dicht an seinem Ohre flüstern. Er verstand erst nicht recht, nur daß sie ihn hastig auf forderte zu einer Lat, zu der- ihm jetzt jede Möglichkeit fehlte, wurde ihm bewußt. Dann fühlte er, daß jemand feinen Körper berührte, sich an den Riemen zu schaffen machte, die ihn umwanden. Hetzt lockerten sie sich. Er empfand deutlich das Reißen eines scharfen Messers, das eines dec Bänder nach dem andern durchschnitt.
Bald konnte er feine Arme bewegen und sich halb aufrichten. Er sah vor sich hin und ge- tr-ahrte, umhüllt von Schatten, die über ihn hin- wogten, aber von Zeit zu Zeit grell beleuchtet von einer Lichtgarbe, einen Knaben, der eifrig bemüht war. den Rest der Fesseln zu losen.
„Ismais!" durchzuckte es ihn. „Knabe, welcher gütige Geist hat dich gefanbt zu unsrer Befreiung?"
„Flieht, flieht!" keuchte Ifnrais. ängstlich um sich blickend, ob niemand aus der wilden Versammlung sein Dun bemerite. Aber keiner kümmerte sich um die beiden Gefangenen. Man glaubte sie in sicherem Gewahrsam, und die tterifche Trunkenheit, die alle ergriffen hatte, verhinderte jede Besonnenheit und Vorsicht.
„Flieht!" rief Ismais nochmals, „ihr werdet getötet, sobald das Fest vorüber ist. Dann ist keine Rettung mehr möglich!"
Eduard empfand die wiederkehirende Freiheit feiner Glieder wie ein unerwartetes Geschenk und er brauchte Zeit, um sich zu fassen.
Dann aber trieb es ihn vorwärts, zwarugS- mätzig, irrsinnig, ohne der greifbaren Gefahr zu achten, hin zum Altar, wo immer noch der Körper Slllys schlief. Mit den Fäusten "ind Ellbogen arbeitete sich Eduard vorwärts durch das Chaos. Wo es ihm nicht gelang durchzukommen, trat er über die Leiber hinweg, immer den Blick auf das eine Ziel gerichtet. (Fortsetzung folgt).
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