Ausgabe 
9.6.1922
 
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Schanzer über Genua.

2 om. 7. Omni (Wolff.) 3*n der Ausspruchs über die äußere Politik erklärte der Minister des Äeuhern Schanzer gegenüber verschiede­nen 2ebnem, es werde einer gewissen Zeit de» dürfen, um ein endgültiges Urteil über die Genueser Konferenz fällen zu können. 'Die Auswirkungen der Konferenz auf die wirt­schaftliche und politische Lage Europas gehörten der.Zukunft an. Die Konferenz habe «ne Reihe von Ergebnissen von unleugbar gro­ßer Bedeutung auf dem Wege zur Hälrng der vom Kriege geschlagenen Wunden und z.i einem neuen Gleichgewicht gezeitigt. Die Auf­gabe in Genua habe darin bestanden, diese große Bölter verfammlang zu organisieren und ihr regelrech es Arbeiten sicherzuslellen sowie in aller Aufrich.igkeit und mit aller Energie z tr Erreichung der wesentlichen Ziele der Konferenz beizutragen. Der erste Teil dieser Aufgabe fei w llkr mmen gelöst worden. Die Organisation der Konferenz habe einstimmiges Lob gefunden. Hin­sichtlich der Lösung des zweiten Teiles der Auf­gabe wies der Minister darauf hm, daß die technischen Ergebnisse der Konferenz bemerkens- toert seien.' Die Frnanztommission und die Witt-- ichaftskommission hätten Fragen von höchster Be­deutung für den Wiederaufbau Europas studiert und hätten auf der Konferenz zahlreiche Ewt- »chlieHungen zur Annahme gebracht, die einer, bedeutsamen Beibag zur Gesundung der wiat- schastlichen and finanziellen Lage Europas br­ieten. Hinsichtlich des politischen Teiles der Ge­nueser Konferenz erinnerte er daran, daß öic Fragen über die Abrüstungsverträge und über die R e p a r a t i o n e n ausgeschlossen waren. Man habe diese Einschränkungen annehmen müs­sen, um die Konferenz zu retten. Eine be$c ©rxjibißeen fuJ>r der Minister fort dir uns beseelte, war die von dem besonderen Ehw :a±ter der Konferenz, von ihrer europäische* Universalität und der Gedanke, daß die Plötze Tatsache dieser Versammlung ein noch nicht nach dem Kriege dagewesenes politisches Ereignis war, das einen entscheidenden Einfluß auf die z u - künftige Äichtung der europäischen Politik haben würde. Von dieser 32>?e ließen, wir uns ständig während 'der erregten Wechsel­fälle der Konferenz leiten auf dem langen schwie-H eigen Wege, den wir durchmessen mußten, indem«, wir wiederholt riesige Anstrengungen machten, um einen Bruch zu vermeiden.

Dann behandelte Schanzer das r u f s i s ch e j Prob lem und erwähnte die verschiedenen $ Arten, es zu betrachten, wobei er von denen sprach, die an eine Interventionspolitik gegen das bolschewistische Regime dächten, die so bit­tere Früchte zeitigte, sowie von denjenigen, die wenigstens um Rußland eine Art politischen Sanitätskordon aufrechterhalten wollten. Wenn inan, sagte Schanzer, diese Ansichten nicht teilt, ist man logischerweise genötigt, eine Politik zu verfolgen, die unter Beiseitelassung von Vor­urteilen gegen die Verfassung und das innere Regime Rußlands danach strebt, das russische Voll in das europäische Geben toieber gurück- zuführen, damit es zur Befriedigung der Be° . aürfnisse Europas beitragen könne, indem es lerne Produkte im Austausch gegen Waren lie­fere, und baipit es ermöglicht werde, von neuem das Gefühl der Sicherheit und Beständigkeit in Europa hervorzurufen.

- Der Redner betrachtete darauf die Ergebnisse - der Konferenz im Zusammenhang mit der all­gemeinen Politik Italiens und wieder-

i Holle, daß Italien in einem allgemeinen Abkom- .. men mit Rußland eines der wesentlichsten Elemente zur Befriedung und zum Aufbau Europas erbltde, daß Italien deshalb für ein solches eintret und seine eigene politische. Linie verfolgte, ohne die Grundlagen der politischen Gruppe zu erschüttern, der es angehörü Es lag in der Ratur der Dinge selbst, daß England und Italien in der allgemeinen Politik dieselbe Linie e i n h i e l t e n. Sie sirrd zwei große Demokratien, welche keine Konfllltsgründe zwischen sich haben und durch wechschseittges Verständnis für ihre gegenseitigen Interessen verbunden sind. Wir freuen uns darüber, daß eine engere Solidarität zwischen England >/nd Italien aus dem Kampf hervorgeht, welchen die beiden Rationen zusammen in Genua lieferten, um einen neuen Geist und neue, für die W iederaufnähme der allgemeinen wirt- schafllichen Tätigkeit günstigere Bedingungen zu schaffen. Diese Solidarität überflüssig eigentlich, davon noch zu reden ist well davon entfernt, auch nur im geringsten in Widerspruch zu stehen zu den Interessen der anderen Rationen. In der Tat betrachten wir die Freundschaft Ita­liens zu Frankreich als einen der Grund­pfeiler i.jnscrer Politik und als wesentliche und unentbehrliche Bedingung für die Aufrechterhal­tung des Friedens in Europa.

Um Oberschlefien.

Besch?üssedespre»stischen Staatsrates. Abtransport der Alliierten am 11. Juli.

Berlin, 8. Juni. (WTB.) Im preußi­schen Staatsrate wurde ein Dringlich- - keitsantrag der Staatsratsmllglieder Trappe, Dr. Stephan und Genossen an­genommen Danach soll der Staatsrat bei den ^ständigen Stellen darauf hinwirken, daß den Terrorakten und dem Bandenunwesen n Oberschlefien Einhall getan wird; fer= ter sollen nach einem Zusatz antrage Mittel und Wege gesunden werden, um der vertriebenen ^berschlesischen Bevölkerung zu ge- * ernten und zu helfen. Ein Regierungs Ver­treter sagte diesem Anträge weitestgehende iln» rerflüßung seitens der Staatsregierung zu.

Paris, 8. Juni, lWolff.) Havas meldet: Die Botschafterkonferenz traf gestern die letzten Bestimmungen betreffend die Lieber- tragung der Verwaltung Oberschle- s i e n s an die deutschen und polnischen Behörden. Die Verständigung, von der an die Frist von cinctn Monat bis zur Beendigung der Befugnis der iirteraHtierten Kommission läuft, wird dem­nächst, wahrscheinlich am I. Juli, erfolgen. Die alliierten Truppen werden daher vom 1 1. Juli an aus Oberschlesien abberufen werden können.

Beuthen, 9. Juni. (WTB.) Der Tages­bericht der Fünfer-Kommission besagt unter anderem daß in den einzelnen Orten inf­olge des W ohmrngsterro rs ein Mafsenaus- / u q eingesetzt hat. Es ist fefigefteüt daß es i m allgemeinen überall'hrt, ohne daß 's bis xetzt zu meiferen ernsten Zwischenfällen 7tfmnmen ist. Zwischenfalle ereigneten sich bei den Beldonhütte. der Hugozwangsgrube und in Lipjrre. Die Belegschaften verurteilen, den Lerrvr

und fordern sofortige Besetzung durch betbc Re­gierungen. Den Beamten ist der Schutz der Belege sthasten zugesichert worden.

In Beuthen ist eine Fünfer-Kom- Mission gebildet worden, die sich aus deutschen und fcolnifdjen Gewerkschaftlern zusammensetzt. Sie verhandelten mit dem Kreiskmttrotteur, der zu­gesagt hat, daß für alle Fälle ein erhöhter Schuh bereit gestellt wird. In ihrem Aus­ruf gibt diese Kommission der Bevöllerung von Stadt und Land davon Kenntnis.

Die polnische Kabinettskrise.

Warschau, 7. Juni. (Wolff.) DieGa­zeta Pvranna" sieht als Arsache der Kabi­nettskrise PilfudskiS Streben nach neuen Kriegslorbeeren und seine Be­mühung, die Sejmwahlen zu beeinflussen, an. Die Demission des Kabinetts ohne Wissen des Sejm sei eine Vergewaltigung der Verfassung.Kurjer Warsza- to 6tiu schreibt: Die Bildung einer neuen Regierung wird erschwert durch den Streit um die Auslegung der Verfassung. Die einfachste Lösung wäre ein Vertrauens­votum der Sejm für die bisherige Regierung. Kurjer Polski" halt eine Krise für sehr bedenklich, zumal die Bildung eines stärkeren Kabinetts unwahrscheinlich sei.R z e c z- pospolita" sagt: Die ausschließlich dem Sejm verantwortliche Regierung handelte mit der Demission widerrechtlich.Kurjer Po- rauni)" bestreitet, daß die Gründe der Ka­binettskrise außenpolitischer Art seien. Die schwache Regierung mußte zurücktreten, als ihr auch der Staatschef Kritik entgegenbrachte. Robotnik" erklärt: Der Grund der Kabi­nettskrise war die Anzufriedenheit des Staats­chefs mit den vorgekegten Richtlinie des Ka­binetts für die innere und äußere Politik. Die Demission ohne Anhörung des Sejm bedeutet eine Mißachtung der Rechte desselben.

Aus dem Reiche

Die Einnahmeziffern deS Reiches.

Berlin, 9. Juni. DerVorwärts" veröffentlicht eine Zusammenstellung der steuerpflichtigen Einnahmen des Reiches im ersten Monat des laufenden Finanzjahres. Danach betragen die fortlaufen­den Besitz- und Verkehrssteuern insgesamt 8 792 395 822 Mk., die einmaligen Steuern 139 667 178 Mk., das Aufkommen an Zöllen und Verbrauchssteuern 3 373 757 721 Mk. Die sonstigen Abgaben beziffern sich auf ,887 315 091 Mark. Die gefatfite Summe an steuerlichen Einnahmen hat die Höhe von 13107125 812 Mk. überschritten. Die Reichs­post- und Telegraphenverwaltung hat 'A 327 176 589 Mk., die Verwaltung der deut­schen Reichseisenbahnen 8 997 291 000 Mk. ver- ,entnahmt. Der Stand der schwebenden Schuld wird mit 29 804 Milliarden Mark ausge- wtesen.

S»ie Verhandlungen über die Getreideumlage.

Berlin, 8. Juni. Die fett längerer Zeit Mischen dem Reichsernährungsministerium und den landwirtschaftlichen Organisationen schweben­den Verhandlungen über die Frage der Ge- tzreideumlage wurden gestern lautB.T." tin Ernährungsministerium fortgesetzt. Es wür­ben noch keine Beschlüsse in den gestrigen Beratungen gefaßt. Heute vormittag begannen erneut die Verhandlungen über die Vorschläge, die txirauf hinauslaufen, einen Weg zu suchen, um eventuell ohne Amlageverfahren mttszukoimnen. Im allgemeinen ist. wie das Blatt schreibt, die Frage der Getreideumlage im Augen­blick noch ungeklärt.

Die Aeberstunden im Ruhrbergbau.

Essen, 7. Juni. (WTB.) Heute waren hier Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern im Barg bau und den Arbeitern über die Heber» stmnden- und Lohnfrage. Man hofft aus eine Einigung, da im Mai allem etwa 600 000 bis 700'000 Tonnen englischer Kohle eingeführt tvvr- be'4 sind, diedurcheine Stunde täglicher pleberschicht im Ruhrgebiet hätten gefördert werden können, und da die Arbeiterführer in den Vorbesprechungen Reigung zur Einigung ge­zeigt haben.

Entschließungen der-deutschen Gewerkvereine.

Berlin, 7. (Zuni. (WTB.) Der Verbands­tag der deutschen Gewerkvereine nahm heute gegai wenige Stimmen eine Entschließung an, wonach er grundsätzlich am Acht­stundentag fest hält und die Vertreter des Gemrrkschaftsringes in den Parlamenten ersucht, dahin zu wirken, daß die in dem Entwurf eines Gesekes über die Arbeitszeit gewerblicher Ar­beiter vorgesehenen Ausnahmen nicht gesetzlich, sondern im Wege der tariflichen Regelung zwi« scheu den Organisationen der Arbeitgeber und Arbejitnchmer' festgelegt würden. Angenommen wuidi: ferner eine Entschließung, die allen in den pon der deutschen Heimat abge­trennten Gebieten und in den adzutretem den (Gebieten Oberschlesiens wohnenden Ver­bandskollegen lebhafte Sympathie aus- sprichrl, sie trotz aller Gewaltmaßnahmen der Treue des Verbandes versichert und dir llebeMeugung ausspricht, daß auch sie niemals vergeben würden, daß sie deutsche Arbeiter seien In eia ter weiteren Entschließung zur Frage der Schaffung eines Einhettsverbandes stellte der Verbcmdstag sich auf den Standpunkt, daß im Hinblick auf die immer stärkere Konzentration der chatternehmerschaft ein festerer Zusam­menschluß beruf sverwandter ®e» toe tf.be reine zur wirlsamen Vertretung be­achtlich sei, daß aber die Art einer solchen Zu- sammcpfassung Gegenstand weiterer Beratungen auf ben einzelnen Tagungen bleiben solle.

Reichsdeutscher Mittelstand Stag.

Braunschweig, 8.Juni. Der erste feit 1912 stattfindende Reichsdeutsche Mittelstandstag am 11. (stini in Braunschweig wird in jeder Hin­sicht von größter Wichtigkeit für die Standes- beweguqg des selbständigen Mittelstandes in Han­del und Gewerbe sein Bekannte Führer werden auf der Tagung das Wort ergreifen, so u.a.: DürgerrLieister a D. Dr. Eberle, M d. L., Bors, des Reichsdeutschen Mlltelstandsverbandes, Dres­den, Staidtrat Humar, M. d. R. W. R , München, Bäckervbsameister Rieseberg. M. d. R., Ouedlin-

burg, Freiherr von Richthofen, M. d. R. W R, Bors, des Schlesischen Landbundes, Derlagsbuch- händler H. Wessel, M. d. L Wvlfenbüttel, und Dir. Lamersdorf vom Reichsverband deutscher Ko­lonialwaren- und Lebensmittelhändler, Duisburg. Der mit dem Reichsdeutschen Mittelstandstag ver­bundene 19. Verbandstag des Reichs- Schuhverbandes für Handel und Ge­werbe e. B. verzeichnet diesmal auf seinem Pro­gramm außer den geschlossenen Verbandssitzungen auch' öffenlliche Verhandlungen über äußerst wichtige Standesfragen:Fachliche Deruss- ücrtretungen. Der Handwerkerbund, die Einzel­handelsbewegung und der Reichs-Schutzverband." »Warenhäuser und Konsumvereine. Pfusch­arbeiten und heimlicher Warenhandel."Abwehr der Lieferungs- und Zahlungsbedingungen der Syndikate und Kartelle."Der gerechtfertigte Preis und die Wuchergesetzgebung."Die un­gerechte Steuergesetzgebung und ihre Reform­bedürftigkeit."Kreditgenossenschaften und Wittel- siandsbanken."Kranken- und Altersversorgungs­kassen für den selbständigen Mittelstand."

DaS Präsidium der braunschweigischen Landesversammlung.

Braunschweig, 8. Juni. (WTB.) In der nachmittags abgebaltenen Sitzung der Landesversammlnng ist die W o h l d e s P r ä- f tb turne vollzogen worden. Zum Präsiden­ten gewählt wurde der Abgeordnete G e n - zen Unabhängig), zum 1. Vizepräsidenten der Abgeordnete Wessel voit der Deutschen Vollspartei, zum 2. Vizepräsidenten der Ab- geordnete Scholz von der Sozialdemo­kratischen Partei, zttm 3. Vizepräsidenteit der Abgeordnete Müller von der Bürgerlichen Ar^itsgemeinschaft.

- .wTrrOTxnBU^."

Aus S'töbt und Land.

Gießen, den 9. Juni 1922

- Amtliche Personalnachricht en. Durch Entschließung des Landesamts für das Dil- dungswesen wurde der Studienreferendar Dr. Karl Karst ien zu Gießen mit Wirkung vom 1. April 1922 ab zum Studienassessor ernannt. Ernannt wurde am 31. Mai der Lehrer Wilhelm Hebeis zu Rieder-Roden zum Lehrer an der Volksschule zu Jügesheim, Kreis Offenbach a. M. - Ernannt wurde am 6. Juni der Privatdozent an der Landesuniversität Dr. Hubert E: tzard aus Gießen zum außerplanmäßigen außerordent­lichen Professor an der Landesuniversllät.

Eine Sitzung des Gießener Schwurgerichts findet am kommenden Mon­tag (vormittags 9> Ahr) statt. Verhandelt wird gegen Wilhelm Gelzenleuchter von Muders­bach wegen Raubes. Die Anklage vertritt Staatsanwalt W e i b e m a n n, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Fischer.

Frühzeitigere Z u fi c 11 u n g der Berliner P o st. Die bisher erst nachmittags bestellten mit dem Schnellzug 180 morgens hier eintreffenten Briefschaften anb Tageszeitungen werden infolge frühzeitigeren Eintreffens dieses Zuges seit dem 1. Juni schon mit der ersten Ortsbriefbestellung abgetragen, die jeßt, wie bis por einigen Monaten, wieder um 8 11 tjr beginnt.

** Das Hilfswerk unserer deutschen Stammesverwändten in Amerika zu Gunsten der notleidenden Bevölkerung Deutsch­lands hat durch das Zentralkomitee für Linderung der Rot in Deutschland und Deutschösterreich (Cen­tral Relief Committee) schon viel Elend gelindert. Reuerdings ist in G i e ß e n durch Vermittlung des Deutschen Roten Kreuzes als amerikanische Liebesspende ein Sack Weizenmehl an das Kath. Schwesternheim-Hospital verteilt worden.

** Ein zweischneidiges Schwert. Ein Paragraph, über den sich wohl jeder Schriftleiter einer Zeitung gelegentlich einmal geärgert hat, fft der 8 11 des Preßgesetzes. Er besagt, daß eine Zeitung, die über irgend einen Vorgang berichtet hat, verpflichtet ist, eine Berichtigung aufzunehmen, die ihr von betelligter" Seite zugestellt wird. Die Be­richtigung muß ausgenommen werden, wenn sie formell richtig gefaßt ist. Ob sie den Tat­sachen entspricht oder nicht, tut nichts zur Sache. Run hatte sich der Geschäftsführer des Hauptverbandes deutscher Ortskranken­kassen zu Dresden über eine Rotiz geärgert, die in derDeutschen HandelSwacht", dem Hauptorgan des Deutschnationalen Hand- lungSgehilfenverbandes, erschienen war. Er schickte dem Schriftleiter auf Grund des Preß­gesetzes eine Berichtigung. DieHandels- Wacht druckte sie pflichtgemäß ab und schickte dem Herrn in Dresden eine Rechnung über mehr als 2000 Mark. Dieser, darob sehr erstaunt, mußte auf den Absatz 3 des § 11 des PrehgesetzeS hingewiesen werden, der nämlich besagt, daß Berichtigungen, die räumlich über die zu berichtigende Rotiz hinausgehen, für den überschießenden Teil nach dem Anzeigen­tarif der Zeitung bezahlt werden müssen. Der unglückliche Berichtiger suchte vergebens nach einem Ausweg es half ihm nichts, er mußte den geforderten Betrag bezahlen. Zur Lehre und Warnung für manche Leute, die die Zei­tungen oft mit langen, aber wenig belangrei­chen. und sachlich gänzlich unberechtigten Be­richtigungen" belästigen,- sei dieser Fall hier mitgeteilt.

Marken zu 10 000 Mark Der- sicherungssumme werden jetzt für die verschiedenen Gebührensätze von Reisegepäck und Expreßgut eingeführt. Die neuen Marken zu 10 000 Mark werden aber nur von den Ge­päckabfertigungen verwendet, bei denen öfter Versicherungen über 20 000 Mark abgeschlossen werden. Alle übrigen Gepäckabfertigungen verwenden nach wie vor mir Marken zu 1000 Mark.

** Prcuß. -Süddeutsche Klassen- l v 11 c r i c. Mit der soeben beendeten Schluß- klaffc der 19. (245., Lotterie beginnt sofort wieder die Ausgabe der neuen Lose für die am 27. und 28. Juni ds. Is. stattfindenden 1. Klasse der 20. (246.) Lotterie. Die außerordentlich starke und dauernde Rachfrage nach Losen konnte das letzte­mal nicht mehr genügend befriedigt werden, und die General-Lotterie-Direktton sah sich daher ver­anlaßt, eine abermalige Vermehrung um wei­tere 120000 Lose vorzunehmen, wodurch die Preuh.-Süddeutschc Klaffenlotterie nunmehr ins­

gesamt 120 000 Lose mit 325 000 Gewennen und 4 Prämien umfaßt. Es werden jetzt insgesamt über 306 Millionen Mark airägefhielt, was eine bedeutende Vermehrung und Erhöhung aller Ge- trinnbeträge bedeutet, wobei auch diesmal tote der besonderer Wert auf die Vermehrung und Verstärkung der außervrdenllich beliebten Mittel - gewinne von 1500 Mark aufwärts bis 100 000 Mark gelegt wurde. Aber auch die großen Ge­winne sind bei der Umgestaltung des Spiel­planes ganz wesentlich erhöht worden, nämlich die 4 Hauptgewinne von bisher je 500 000 Mark auf je eine Million Mark, ebenso die 2 Haupt Prämien von bisher je 750 000 Mark auf je eine Million Marl und die bisherigen zwei wetteren Prämien von je 250 000 Mark auf je 500 000 Mart, wodurch sich die Möglichkeit bietet, im günstigsten Falle 2 Hauptgewinne mit zusam­men , fünf Millionen Mart zu erzielen.

' Müllersche Bade an st alt.--Waff«-' trärmc der Lahn am 9. Juni: 18 Grad R

Wettervoraussage

für Sams ta g.

Wollig b-,5 beiter, trocken, warm, wechselnd» Winde, heute Gewitterneigung.

Die Luftdruckverteilung hat sich nicht wesent­lich verändert.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag: Astoria-Lichtspiele, ab heute: , .Macifters Aben- teuer, 2. Teil.

Aus dem Stadttheater- Bureau. Am Dienstag, 13. Juni, wird wie­derum ein Gastspiel des Staall. Kurtheaters Bad-Rauheim stattfinden, und zwar mit bem neuen LustspielScampvlv (Gassen - madel)" von Dario Ricodemi. Die Vorstel­lung kann in keinem Fall im Winter wieder-« holt werden, da einige Hauptrollen in Hän­den von Mitgliedern liegen, die nur für den Sommer ans Bad-Rauheimer Kurtheater ver-^ pflichtet sind. Die Titelrolle wird von Frl. Marianne Sahling gespielt, die vom Intimen Theater Nürnberg nach 'Bad-Nauheim gekom-- men ist. Mit der Bonvivantrvlle, Rolle des Tito Tonti, wird sich Herr Karl Lambertm einführen. Weiter sind in Hauptrollen beschaf- tiigt Fräulein Odette Orczh, die neulich tms Tenor der Herzogin" einen so starken Er­folg buchen konnte, 'Frl. Koop, Herr Feigel,' und Herr Mehnert.

Der Reichsbund der Kriegs­beschädigten und Hinterbliebenen-' (Ortsgruppe Gießen) hält am Samstag in- der Turnhalle (Oswaldsgarten) eine öffenlliche Ver­sammlung ab, in der Gausekretär Eichinger und Frau P r ö s ch e l sprechen werden. (Siehe Anzeige.)

Die Altersvereinrgang 187 2 19 2 2 unternimmt morgen (Samstag) ancnD einen Gang nach dem. Forstgarten (s. Anz ).

Für die erste P f v st e n s ch a u de r Ortsgruppe Gießen und Amgegend des Vereins jur deutsche Schäferhunde stehen die Ehrenpreise im Zigarrengeschäft Petersen (Marktplatz) aus­gestellt.

Kreis Büdingen.

)( Lißberg, 7. Juni. Die Arbeiten an der Talsperre nehmen einen guten Fort­gang. Die beiden Sperrmauern im Hillersbach- und Riddertal sind fast fertiggstellt, z. Z. wird eifrig an der Durchgrabung des Bergrückens zwischen den beiden Tälern gearbeitet, die durch einen Stollen miteinander verbunden werden. In einem Jahr soll die ganze Anlage in Betrieb genommen werden.

Kreis Schotten.

a. Ober-Lais, 8. Juni. Anter großer Beteiligung wurde am ersten Pfingstseiertag Alt­bürgermeister Friedrich Schauer mann zu Grabe getragen. Im Jäh re 1893 zum ersten Male zum Bürgermeister gewählt, hat er bis zum Jahre 1919 ununterbrochen an der Spitze der Gemeinde gestanden. Ern schweres 2eibcn, an dein er nun nach langem Krankenlager ge­storben ist, nötigte ihn, bei den allgemeinen Neu­wahlen auf eine Wiederwahl zu verzichten. Der Ortsgeistliche gedachte am Grabe der selbstlosen und uneigennützigen Arbeit, mit der der Ver­storbene in seiner langen Amtszeit der Gemeinde gedient 'fjat. Für diese legte mit ehrenden Worten, in benen die allseitige Wertschätzung des Alt­bürgermeisters zum Ausdruck tarn, Bürgermeister Karl Schauer mann einen Kranz nieder. Für die Kirchengemeinde, deren Rechner und fang* jähriger Vertreter in der Tesonotssinode der I»er- fl c rbene war, wurde von Kirchenrechner Otto Schauermann ein Kranz niebergelcgt. Auch der Kriegerverein ehrte sein Ehrenmttglred durch Niederlegung eines Kranzes durch feinen Präsi­denten Otto Ries.

Starkenburg und Rheinhessen.

Darmstadt, 7. Juni. Tot auf- gefunden wurde tn dem Tunnel zwischen Heigenbrücten und Aschaffenburg der Eisen- bahnfchafsner Gg. SchneHbächer aus lieberau. Er versuchte anscheinend in dem dunklen Abteil das Fenster zu schließen und fiel durch die schlecht verschlossene Türe aus dem Zuge, ohne daß die anderen Reisenden' den Vorfall beachteten. Sch. fft den erlittenen Verletzungen alsbald erlegen.

Hessen-Nassau.

Die Zwötfhundertjahrfeier in Amöneburg.

js Amöneburg, 7. Iunj. In diesen Tagen begeht unsere Stadt die Feier ihrer vor 1200 Jahren gefolgten Gründung durch den heiligen Bonifatius. Seit Sonngbend hat Amöneburg sein Festlleid angelegt und eine festesfroh gestimmte Menge durchwogte täglich die Straßen. Ein H e i- nt a t f b i e I, versaßt von dem kürzlich infolge eines Anglücksfalls verstorbenen Haupllehrer Schick, ist bis jetzt schon viermal unter gewaltigem Astdrang bei der Schloßruine aufgeführt worden und soll am 10. und 11. Juni wiederholt werden. Es schll- dert zwei bedeutende Ereignisse aus der Geschichte der Stadt, nämlich die Gründung durch Bonifatius im Jahre 722 und den Verrat der Festung durch ein Weib im Jahre 1646. Die Darsteller sind Män­ner. Frauen und Kinder aus Amöneburg. Außer den Festgottesdiensten am ersten und zweiten Psingfttag fanden auch Umzüge durch die Stadt statt und in verschiedenen Lolchen wurden Tanzbelust tgungen abgehalten. Am gestrigen drit­ten Feiertag trafen eine Menge Prozessionen ein, da die Kirche die Andächtigen nicht alle faffen konnte, fanden die Gottesdienste tm Freien statt

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