Ausgabe 
9.5.1922
 
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schrägt, meldet, Lloyd George habe gestern schon den Eindruck gemacht, als sei er zurückgetreten. Man erzähle sogar, daß er sich mit der Absicht trage, demnächst in Ferien zu gehen, und das) er das Angebot eines Verlegers angenom­men habe, der ihm 80000 Pfund für seine Memoiren bot. Das Werk führe, wie der Berichterstatter ironisch unter Hincocis auf die augenblickliche Lage in Genua bemerkt, den Titel Die tragischen Stunden". Diese Notiz wird von Havas weiter verbreitet.

Aeutzerungen Lloyd Georges.

Genua, 8. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTB.) Lloyd George erschien heute nachmittag um 6 Ulyr in einem Saale der Universität vor einer Versammlung englischer und amerikanischer Pressevertreter und beantwortete im Verlaufe einer Stunde eine große Reihe von Fragen, die an ihn gerichtet wurden. 3n den ersten Antworten führte er ungefähr folgendes aus:

Die russische Antwort werde vielleicht mor­gen abend, lvahrschei.nllch aber erst Mittwoch vormittag erfolgen. Aus die Frage, ob die Ant­wortJa" oderOlein lauten müsse, so tote es Barthou gefordert habe, erwidert Lloyd George, alles hänge von dem .Charakter der russischen Antwort ab. Wenn sie die Hoffnung Biete, hier­in Genua eine Lösung zu bieten, werde man sicher mit den Verhandlungen fortfahren. Bei seinen Besprechungen mit Tschitscher-in und Krassin habe es sich darum gehandelt, dah das Memorandum, welches von mancher Seite klar und eindeutig erachtet wurde, von den Russen in vielen Punkten unklar gefunden wurde. Auhenminister Schanzer habe der Vesprechung heute vormittag beigewohnt.

Auf die Frage, ob man bereit sein würde, den Russen von Regierung zu Regierung eine An­leihe zu gewähren, erwiderte Lloyd George mit einer Verneinung. Die internationalen Korpo­rationen genügten für diesen Zweck vollständig.

Auf eine Frage bezüglich der in London Über seine Besprechung mit Barthou veröffent­lichten Berichte erklärte Lloyd George, die Häuptling derTimes", er habe Barthou unter anderem erklärt, die Entente sei zu Ende, wäre eine absoluttolleErfindung. Kein Wort in dieser Erzählung fei wahr. Er, Lloyd George, habe nur gesagt, dah er nichts gegen die Ver­öffentlichung des Protokolls der Besprechung durch die französische Regierung habe.

Auf die Anfrage, welchen Standpunkt er bezüglich der Idee, die S i g nata r m ä ch t e des,Versailler Vertrages zu einer ge- Dieinfamen Beratung zusammenzubringen, ein­nähme, erwiderte der englische Premier, er hak^ niemals die Idee aufgegeben und er hoffe, dah eS noch zu dieser gemeinsamen Beratung kommen wurde. . ,,

Bezüglich des Durgfrredenspartes sagte er, dieser Pakt hänge durchaus von einer befriedigenden Regelung mit den Russen ab. Er wiederholte, die russische Antwort müsse nach ihrem Charakter beurteilt werden. Wenn diese Antwort zeige, dah man auf russischer Seite den auf­richtigen Wunsch zu einer Verständigung habe, 'dann werde auch eine Lösung möglich sein. Er Lloyd George, werde so lange in Genua bleiben, als die Möglichkeit bestehe, za einer Einigung zu gelangen. Auf die Frage, ob er glaube, dah Frankreich sich von der Kon­ferenz zurückziehen werde, erwiderte Lloyd Ge­orge mitRein. Frankreich werde wie bisher gemeinsam mit anderen Rationen handeln, wenn die russische Antwort befriedigender Natur sei.

Auf die Frage, ob heute Me Lage besser sei als gestern, erwiderte Lloyd George, er könne darauf nicht antworten, bevor er die russische .Antwort gesehen habe. Bei ihrem Besuche hätten die Russen nur Fragen gestellt, aber nichts über Den Charakter ihrer Antwort verlauten lassen.

Hierauf wurde Lloyd George über die An­gelegenheit des Artikels 7 im Memorandum an die Russen befragt Er entgegnete, man müsse fich deutlich vor Augen ^halten, baBicä zwei Punkte in den Kammerresolutionen gäbe, die beide ihren besonderen Charakter Hütten. Die erste erkenne das absolute Recht Rußlands an, bezüglich seines Regierungs- und Eigentums-Systems nach Git- bünten zu handeln. Ruhlands Recht zur Ra­tionalisierung, sein eigenes Regierungssystem und fein System zu wählen, werde in Artikel 1 erklärt.

Artikel 3 der Resolution besage, dah die Russen allen vormaligen Besitzern beschlagnahmter Güter in Rußland ihr Eigentum zurückgeben oder eine Entschädigung daür leisten mühten.

Auf eine F'.age bezüglich der de jure-An- erkennuig der Sowjeircgicrung antwortete der englische Premierminister, er verweise auf den Wortlaut der Resolution von Canu^-und seine im Unterlaufe abgegebene Erklärung.

lieber den bereits oben erwähnten Artikel 7 führte Lloyd George noch das Folgende aus: Ar­tikel 7 ist von drei Juristen versaht worden, einem Franzosen u. einem Engländer, die bereits bet'bcm Versailler Vertrage gemeinsam gearbeitet hatten, sowie einem Belgier, der nicht nur Jurist, sondern auch Bankier und Geschäftsmann sei. Diese drei Personen haben einen Text redigiert, der von den englischen, französischen und allen anderen Ver­tretern der tu Genua anwesenden Ententemächte angenommen wurde, mit Ausnahme der Bel­gier, die protestiert hatten. Frankreich hat den Artikel mit einer Abänderung, die von Barthou vorgeschlagen war, und in der der Wortlaut der Kammerresolution zitiert wird, angenommen. Rach dieser Annahme ist Barthou abgereift. DerPro- test Fran kr eichs ist gekommen, nach­dem Barthou von Genua abgefahren war. Artikel 7 ist in dieser Fassung selbst von ben belgischen Sachverständigen als ein vollstän­diger Schuh der Privatrechte angesehen worden. Der Artikel 7 ist also durchaus nicht englischer Redaktion, wie mancherseits behauptet toi b, son­dern er ist von den drei Sachverständigen versaht toorden. Dies ist die wirtliche Geschichte des Ar­tikels 7.

Lfryd George fuhr fort: Man hat mir gesagt, Barthou habe gestern erklärt, er habe vor Schluß der Sitzung der Unterkommission feinen Vorbehalt ausgesprochen. Wenn Barthou sagt, dah er eine foldje Erklärung abgegeben habe, so habe ich nichts davon gehört. Wenn aber Barthou versichert, er habe diesen Vorbehalt gemacht, dann hat er es auch getan.

Zum Schlüsse des Interviews gab der eng­lische Premierminister auf die an ihn gerichteten Fragen nur kurze bündige Antworten.

Frage: Ob Lloyd George glaube, daß die Franzosen im Falle einer nicht befriedigenden Antwort der Rufsen abreifen würden?

Antwort: Rein. Wir haben bereits viele | Schwierigkeiten gehabt und sie besiegt, größere als die gegenwärtigen. Wirwerden sicher noch weitere Schwierigkeiten besiegen. Darum sind wir ja nach Genua gekommen. Wenn es ein Abkommen mit den Russen gibt, werden alle anderen Fragen sich von selbst lösen. Naiür- lich wird noch immer große Arbeit für die Sach­verständigen übrig bleiben.

Frage: Kann vor der Abreise Darthous nach Paris davon die Rede gewesen sein, die Frage der interalliierten Schulden aufzuwersen?

Antwort: Rein, ich bin stets der Ansicht gewesen, daß die Frage der Reparationen erst an dem Tage gelöst werden kann, an denz die Frage der Kriegs- und interalliierten Schul­den gelost ist. Aber England ist nicht die einzige Gläubigernation. Im gegenwärtigen Augenblick kann man also diese Frage nicht auftoerfen.

Frage: Welches ist der Gegenstand der Be­sprechungen mit Dr. Wirth und Dr. Rathenau gewesen?

Antwort: Cs hat sich um eine allgemeine Besprechung gehandelt, über die gesamte Frage sowohl als die Deutschlands, Rußlands und der Konferenz. Ich suche mit allen Delegationsführern in direkten Meinungsaustausch zu treten.

Frage: Was habe er, Lloyd George, auf die Frage Darthous, ob die Entente an einem Wendepunkt angelangt fei, erwidert?

Antwort: Ich habe niemals von dieser Sache gesprochen, aber ich kann sagen, daß Genua wohl der Wendepunkt in den Angelegenheiten Europas fein wird.

Auf die Frage, ob, wenn die Russennein sagen sollten, dies das Ende der Konferenz be­deute und die Engländer mit den Franzosen in Uebereinfiimmung bringe, antwortete Lloyd Ge­orge: Ja, das würde alle Welt einigen und die Konferenz beenden."

Eine Zurechtweisung der Times" im englischen Unterhause.

London, 8. Mai. (WTB.) 3m Unter­laufe erklärte Chamberlain auf die Frage, ob er irgendwelche Mitteilungen machen könne bezüglich der angeblichen Erllärungen Lloyd Georges in seiner Unterredung mit Barthou, der Premierminister habe ihn gebeten, mitzuteilen, daß der diesbezügliche Bericht derTime s" eine vorsätzliche und böswillige Er­findung sei und diesem Bericht unverzüglich zu widersprechen. Der Lord-Kanzler sei in dem Bericht derTimes" ebenfalls erwähnt und habe ihn bereits zurückgewiesen. Lord Robert Cecil fragte, ob es wahr sei, daß diese Meldung auch von der Agence Havas in Paris veröffent­licht wurde und ob Nachforschungen gemacht wer­den könnten. Die große Bedeutung einer solchen Veröffentlichung liege auf der Hand. Chamber­lain erwiderte: Wenn diese Meldung von der Havasagentur veröffentlicht wurde, so hoffe er, Safe diese Agentur auch die Antwort veröffent­lichen werde, die er abgegeben habe.

In Beantwortung weiterer Fragen erflärte Chamberlain, der Lord-Kanzler sei bereits nach London zurückgekehrt. Er sei von Lloyd George nach Genua berufen worden, da der Premierminister ihn über ge­wisse Verhandlungen befragen wollte. Ferner erklärte Chamberlain, er sei nicht in der Lage, mitzuteilen, wann Lloyd George lvieder auf seinen Posten im Unterhause zurück- fehren werde, um Fragen zu beantworten. Auf die Frage, ob für die Genueser Konferenz eine Zeitgrenze festgesetzt worden sei, erwiderte Cham- bertain:Nichts, was ich weiß!"

Viscount Curzon fragte, ob der Premier­minister wisse, daß im ganzen Lande große Be­unruhigung herrsche wegen der Gefährdung der Entente mit Frankreich infolge der in Genua stattfindenden Erörterungen. Chamber­lain erwiderte, er habe keinen Grund zur An­nahme, dab die Verhandlungen in Genua die Be­ziehungen der britischen Regierung zu Frankreich gefährden würden. Bezüglich der Durchführung der Bestimmungen des Versailler Vertrages habe keinerlei Veränderung in der britischen Regierung stattgefunden.

Frankreich und Italien.

Paris, 9. Mai. (WTB.) Der Sonder­berichterstatter desMatin" in Genua er­klärt, in den Unterhaltungen zwischen Italien und Frankreich beginne sich ein politischer Ge­danke durchzufetzen. Um die öffentliche Mei­nung in Frankreich zu beruhigen, wolle man sich eines englisch-französischen Schutzvertrages bedienen, in den Ita­lien eingeschlossen werde. Das sei ein Ge­danke, der bis auf das Jahr 1919 zurückgehe.

Das englische Königspaar in Brüssel.

Brüssel, 8. Mai. (Havas.) Das eng­lische Königspaar ist in Begleitung des Admirals Beatty und des Marschalls Haig in Brüssel angekommen.

Beschlüsse des Landespartei­tages der deutschen Volkspartei

Nachstehend geben wir den Wortlaut der von uns bereits erwähnten Entschließungen wieder, die auf dem Gießener Parteitage der Deutschen Volkspartei am Sonntag gefaßt wurden:

1. Der Parteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen legt erneut schärfste Verwahrung gegen den sogenannten Frieden von Versailles und insbesondere gegen die Lüge von unserer Schuld am Kriege ein. Er erwartet, daß die Reichsregierung den Kampf gegen diese Lüge, die einzige Grundlage für das Fliedensdiktat, nicht nur mit allen Mit­teln unterstützt, sondern ihn selbst in die Hand nimmt und damit die Aenderung des sogenannten Vertrages herbeiführt.

Der Parteitag grüßt alle deutschen Volks­genossen in Ost und West, in den uns entrissenen Gebieten und versichert sie seiner unwandelbaren Treue. Er erwartet, daß dem Deutschen Reiche seine Kolonien, die deutsche Geiftestrast entwickelt und deutsches Blut mit dem deutschen Reiche un­löslich verbunden haben, znrückgegeben werden.

Die Deutsche Volkspartei Hessens bekennt sich auf ihrem 4. Parteitag zu Gießen erneut in steter Treue z u unseren schwer leidenden Volksgenossen im besetzten Gebiet. Wir senden diesen Allen herzliche Grüße mit dem festen Gelöbnis, daß wir in geschlossener Ein­heitsfront mit allen national empfindenden Deat- chen, jedem Versuch, er möge kommen, woher auch immer, irgend ein Stück deutschen Landes aus dem Gefüge des deutschen Reiches herauszubrechen oder abzusondern, den entschlossensten Widerstand entgegensetzen werden Wir von der Deutschen Volkspartei, die wir treu unserer Vergangenheit und unserer nationalen Aufgabe die Einheit und Einigkeit des deutschen Reiches wahren, verspre­chen und erwarten im Blick auf das besetzte Gebiet mit freudiger Gewißheit, daß das Wort unseres Landgrafen Philipp des Großmütigen in aller Zukunft bestehen bleibt: In Treue fest!

3. Der 4. Parteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen dankt dem R e i ch s ta g s a b g e- ordneten Dr. Decker (Hessen) für seine füh­rende, unermüdliche und erfolgreiche Arbeit im Reichstag. Er spricht ihm seine volle Anerken­nung und sein uneingeschränktes Vertrauen aus.

4. Der 4. Parteitag der Deutschen Volkspartei, Landesverband Hessen, bedauert die Haltung der Reichsregierung und der Mehrheit des Reichs­tages in der Flaggenfrage. Die Fahne chwarz-weih-rvt war, ist und bleibt das äußere Sinnbild der Reichseinheit: für sie haben Millionen guter Deutscher Gut und Blut geopfert. Wir begrüben es, daß die Reichstagsfraktion in dem Kampf um die Erhaltung der alten Reichs- arben an vorderster Stelle gestanden hat und vissen uns eins mit ihr in der Ueberzeugung, daß ie den Kampf fortfehen wird bis zum siegreichen Ende.

5. Der 4. Landesparteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen billigt in vollem Um» ange d i e Haltung feiner Landtags- raftion bet der Regierungsbildung in Hessen. Er dankt ihr für die eifrige und ersprießliche Arbeit im Landtage und ist überzeugt, daß der nationale Gedanke, die kulturellen und wirtschast- jllchen Belange des Hessenlandes sich bei der Land­tagsfraktion der Deutschen Volkspartei in den besten Händen befinden.

6. Der 4. Parteitag der Deutschen Volks­partei Hessens erhebt mit der Mehrheit des hesst- chen Volles schärfsten Einspruch gegen d i e letztenWillküraktederhessischenRe- glerung. Er sieht in der Tatsache, daß dte verantwortliche Regierung in mehreren Fällen den klar ausgesprochenen Willen des Landtages zu- toidergehandelt hat, eine Herausforderung der Volksvertretung. Der Partei ag erblit bc= anders in dem Erlaß desMimsterpräsi-- benten Ulrich, der eigenmächtig den 1. Mat als Schulfeiertag erklärt hat, nicht nur eine Ver­letzung des Rechts, sondern auch einen Verstoß gegen die Grundsätze der Demokratie. Der Partei­tag erwartet, daß der hessische Landtag aus diesen Vorkommnissen die gebotenen Folgerungen zieht

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 9. Mai 1922.

** Amtliche Personalnachrichten. Am 22. April wurde der Derwaltungspraktikant Johann Müller zu Darmstadt zum Verwal- tungsvbersekretär bei der Hessischen Hauptfür­sorgestelle der Kriegsbeschädigten- und Kriegs­hinterbliebenenfürsorge mit Wirkung vom 1. April 1922 an ernannt. Ernannt wurden am 28. April die Polizeiwachtmeister auf Probe Kilian G l - sesser aus Wiesen (Unterfranken), Heinrich Kreß aus Frankfurt a. M., Emil ©teurer aus Straßburg i. Els. mit Wirkung vom 16. Mai 1922 an zu Polizeitoachtmeistem. In den Ruhestand versetzt wurde am 1. Mai 1922 der Polizeiwachtmeister Hermann Handke in Darm­stadt mit Wirkung vom 1. Juni 1922 an.

* Eine Kraftwagen-Personen- post ist auf der Strecke Wetzlar Butz­bach versuchsweise eingerichtet wvrden. Sie verkehrt vorläufig ab Wetzlar 5.40 und 3.10 Uhr; an Butzbach Bahnhof 7.15 und 4.50 Uhr; ab Butzbach Bahnhof 7.42 und 5.25; an Wetz­lar 9.15 und 7 Uhr.

** Alle aus Polen Ausgewan­derten werden aufgefordert, sich alsbald bei den Kreisämtern oder Polizeiämtern zu mel­den und anzugeben, welche Steuersicher­heiten sie in Polen haben zurücklassen müssen. Diese Erhebung dient lediglich vor­bereitenden Maßnahmen.

** Diebstähle. Gestern wurde in hie­siger Stadt ein vor der Mitteldeutschen Cre- ditbank aufgestelltes Fahrrad, MarkeOpel", entwendet. Bor einigen Tagen erschwin­delte sich ein Unbekannter bei einem hiesigen Metzger einen Wendepflug aus Eisen, im Werte von 600700 Mark, unter der Bor­gabe, für einen bekannten Geschäftsmann Kar­toffeln setzen zu wollen. Als der Pflug nicht wieder zurückgebracht wurde, zog der Geschä­digte Erkundigungen ein, wobei er die unan­genehme Entdeckung machen muhte, einem Schwindler in die Hände gefallen zu sein.

A Zum 30jährigen Stiftungsfeste des Marinevereins versammelten sich am Samstagabend in der Turnhalle die Mitglieder mit ihren Angehörigen in so großer Anzahl, daß der Saal überfüllt war. Als Ehrengäste nahmen an der Feier teil Hauptmann v. Kais er vom hiesigen Reichswehrregiment, Korvettenkapitän S ch m e h l und der bekannte Seemann v. Forst- ner. Die Brudervereme aus Butzbach und Siegen hatten eine Vertretung gesandt. Für efne aus­gezeichnete Festmusik sorgte die hiesige Regiments- !apelle. Frl. Wagner sprach das Festgedicht Aus dem Seemannsleben. Kamerad R ö d i g e r schilderte nach kurzen Begrüßungstoorten die Ge­schichte des Vereins, dessen Ziel und Zweck Pflege der Kameradschaft und der Liebs $u Heimat und Vaterland sei. Der Verein ehemaliger 116er, der Kavallerieverein und der Artillerieverein über­reichten Festgeschenke. Kamerad Rödiger verteilte an sechs Mitglieder des Marinevereins für 26jährige Mitgliedschaft Ehrentafeln, nämlich an die Kameraden Schweitzer, Henß, Koch, L i e b a u, Müller und Handloser. Es ent­wickelte sich bann bei theatralischen Vorführungen und Konzertstücken eine echt kameradschaftliche Unterhaltung. Am Sonntag fand das 30. Stif­tungsfest durch einen Ausflug nach derKacks- ruhe" seinen Abschluß.

A Ein Land sturm tag wurde in Gie­ßen unter guter Beteiligung abgehalten. Es

waren die Angehörigen des ehemaligen L a n b ft u r m - Infanterie- Ersah - Batail­lons 18/32, die sich ein Stelldichein gaben. Be­reits am Samstagabend wurde eine Begrüßungs­feier im Cafe Leib veranstaltet. Der Leiter der Zusammenkunft Karl Walther begrüßte die Kameraden und Professor Enget- Gießen, ehe­mals Hauptmann der 3. Kompagnie, gedachte des Zweckes der Zusammenkunft. Musikalische Dar­bietungen und humoristische Vorträge wirkten mit zur Unterhaltung der Kameraden. Von 8 Uhr ab fand Empfang der auswärtigen Gäste am Bahnhof statt und um 10y3 Uhr begann in der Stadtkirche eine Gedenkfeier zu Ehren der Ge- allenen und Verstorbenen des Bataillons. Pfarr- affiftent Becker sprach in der Festpredigt über das Klagelied Davids: «Wie sind die Helden ge­ulten und die Streitbaren umgekommen. Man­ches Auge der alten Landstürmer wurde feucht. Unter den zahlreichen Besuchern befand sich auch Exzellenz K l i n g e l h ö f e r. Die Hauptfeier wurde nachmittags im Cafe Leib abgehalten. Ka­merad K. Walther sprach den Willkommen- gruh und Rechtsanwalt S ch l i n k - Gießen hielt die Festrede, in der er die Pflege der Kamerad- chaft und des vaterländischen Gefühls als Zweck der Zusammenkunft hervorhob. Zum Schlüsse wurde das Lied der Deutschen gesungen.

* Der Babelsberger Stenvgra» phen-Derein von 1861 Gießen hielt seine diesjährige Hauptversammlung ab. In ben Vorstand wurden einstimmig wiedergewahll als: 1. Vorsitzender: Rich. Hasenkrug, 1. Schrift­führer: Karl Hammel, Rechner: Wilh. Iull- ma nn. Außerdem wurde Rechnungsrat Ed Schiffnie in Anbetracht seiner großen Ver­dienste um den Verein zum Ehrenvorsitzen­den ernannt und ihm die entsprechende Urkunde vom Vorstände überreicht.

N^rnotizen,

Tageskalender für Dienstag. Aquarium: Mitgliederabend der Demokratischen Partei. Astoria-Lichtspiele:Die Liebschaften des Hektor Dalmore" undSklaven der Rach».

Ast oria-Licht spiele. Um Irr­tümer zu vermeiden, sei hier nochmals erwähnt, das der FilmD a s P a n z e r g e s ch o ß, 3. Teil, Des Leides kein Ende, schon vom Mitt­woch, den 10. Mai, bis einschließlich Donners­tag, den 11. Mai, neben dem anderen Programm spielt. Der vorangezeigte Harry Piel-Film Das verschwundene Haus", 7 Akte, spielt vom Freitag, den 12. bis ein sch 1. Montag, den 15. Mai. Wie uns mitgeteilt wird, müssen bei diesem Film die Eintrittspreise wegen der hohen Unkosten (tu. a. eigens für den Film kombinierte Musik, wodurch ein noch­mals verstärktes Orchester erforderlich ist) um 50 Prozent erhöht werden.

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Wettervoraussage

für Mittwoch.

Zunehmende Bewölkung, etwas kühler, trocken, westliche Winde.

Das barometrische Maximum liegt heute über England. Der Druck im Norden und Osten fällt allgemein. Wir haben mit westlichen und nord­westlichen Winden und zunehmender Bewölkung zu rechnen.

Landkreis Gießen.

A Klein-Linden, 8. Mai. Die Liga zum Schutze deutscher Kultur veranstaltete un Saale derDeutschen Eiche" einen Märchen­abend. Begleitet wurden die Erzählungen durch Vorführung von entsprechenden Lichtbildern nach Gemäfden und Scherenschnitten deutscher Künstler. Die humorvollen Bilder ausHans im Glück" und dieHeinzelmännchen" namentlich schufen überall fröhlich lachende Gesichter. Leider waren die Erwachsenen nicht sehr zahlreich Vertreten. Die Mütter sollten doch bei solchen Abenden nicht, fehlen.

Kreis Büdingen.

* Büdingen, 8. Mai. Die Trauer« f e i e r 1 i ch k e i t e n anläßlich des Ablebens des Fürsten Alfredzu Isenburg und Bü­dingen fanden gestern ihren programmäßigen Abschluß. 4 Uhr nachmittags erfolgte die erste Einsegnung der irdischen Hülle des Entschlafenen in der Schloßkapelle. Fürst Carl mit Gemahlin, die Witwe des Heimgegangenen, Prinz Diether und Prinzessin Annämarie, sowie Angehörige und Vertreter des Hochadels, der standesherr- lichen, staatlichen und Gemeindebeamten mit Frauen, endlich eine große Anzahl geladener Herren und Damen hatten sich eingefunden. Nach Absingen des ersten Verses des LiedesJesus meine Zuversicht setzte sich der Trauerzug unter Glockengeläute nach dem Friedhof in Bewegung. Dort angelangt, schilderte Hofprediger Schäfer Leben, Wirken und Eiide des Heimgegangenen. Während der Sarg von den Fahnen der Vereine salutiert in die Gruft sank, erwiesen Veteranen durch Gewehrsalven dem Verstorbenen die letzten militärischen Ehren.

Starkenburg und Rheinhessen.

* Darmstadt, 8. Mai. Die Perso­nalien des seit zwei Monaten in der Für­sorge des Jugendamtes Darmstadt befind­lichen aufgefundenen Knaben, über den wir in den letzten Tagen berichteten, konn­ten auf Grund der durch die Presse gegange­nen Notiz ermittelt werden. Er ist der Sohn eines Rheinschiffers und stammt aus Biebrich a. Rh. Dort ist er seinen Pflegeeltern ent­laufen.

* Offenbach, a. M., 8. Mai. Am Frei-» tag Spätnachmittag befand sich eine Mann­schaft des RudervereinsHellas" beim Trai­ning auf dem Main. Bon einem plötzlich ein­setzenden Sturmwind wurde ein Segelbvt zum Kentern gebracht und seine Insassen, ein Mann und zwei junge Mädchen, befanden sich in Gefahr des Ertrinkens. Die wackeren Ru­derer sprangen den Gefährdeten nach und brachten sie unter eigener Lebensgefahr: in Sicherheit.

* S t v ck st a d 1 a. R h., 8. Mai. Erstickt ist ein Kind, dem die Mutter eine Wurm­pille eingeben wollte, die jedoch in die Luft­röhre geriet, was den Tod des Kindes zur Folge hatte.

* Worms, 8. Mai. Aufgefunden wurde in der verflossenen Nacht an einer Haustüre in der Gvethestraße ein etwa fünf bis sechs Wochen altes Mädchen, das dort ausgesetzt wvrden war. Bon der Mutter ist noch nichts bekannt. y <