17. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
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für an
Beteiligung die 14. ordentl. sammlung des Fulda—La
hochwichtiges hoffentlich in wird.
Bienenzucht in ganz Oberhessen Unternehmen begonnen, das sich den kommenden Jahren bewähren
Hessen-Nassau.
Stegen, 6. Sept. Die Leitung der vom 15. bis 24. September stattfindenden Sieger- länder Ausstellung hat der Deutschen Kolonial
-i!olonialgesellschaft, Abt. Siegen, ent- gegenkommenöerweise Gelegenheit gegeben zur Ausstellung ethnographischer Gegenstände usw. aus unseren deutschen Ko -
Die westeuropäische Zeit im besetzten Gebiet.
3n der Nacht zum 8. Oktober 1922 wird die Eisenbahnen im besetzten Gebiet Stelle der jetzigen mit der m i t -
* 5 vtuderi umdschrei Deutschen weigerte Äudenter über Z5’ Dvrstanlx W übergc «ntrnscho Tau-lgcsc h Chai Derimer
Hauptversammlung des Fulda—Lahn-Kanal- vereins.
][ Q2Z a r 6u r g, 7. Sept. 3m groben Sitzungssaals des Rathauses tagte heule unter zahlreicher
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* 3 Diebe Verein s Diegenei spiel der ff 8e| technisch den Ein,
Schöffengericht.
Giehen, 7. Sept.
Ein mehrfach vorbestrafter Arbeiter von hier entwendete im April d. I. aus einem verschlossenen städt. Lagerplatz drei gußeiserne Straben- rinnen, die er später trotz inzwischen erfolgter Beschlagnahme durch die Kriminalpolizei an einen Allhändler weiterverkaufte. Weiter entwendete er feinem früheren Arbeitgeber ein Hemd und
Aus Stadt und Land.
©leben, den 8. Sept. 1922.
Wichtig für 'Vertriebene aus Posen, Oberschlesien, Oft- und Weftpreuffen.
Die Frist zur Anmeldung von Ver- drängungsschäden ist bis zum 31. Dezember 1922 verlängert. Um eine fachgemäbe Beratung der Vertriebenen zu bewerkstelligen, ist es geboten, nicht erst bis zum Fristablauf mit der Einreichung des Schadensantrages zu warten. Es wird seitens der Flüchtlinge irrtümlich angenommen. dah nach Einreichung des Schadensfalles Vorschüsse oder Darle^n usw. gezahlt werden können. Zur Aufklärung sei dagegen bekanntgegeben, dah nach Ginlauf des Schadensantroges bei der Vorprüfungsstelle erst geprüft werden muh, ob die im Antrag gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen bzw. richtig sind. Es müssen Beweiserhebungen, Vernehmung von Zeugen in manchen Fällen, vorgenommen werden usw. Erst dann kann ein Urteil abgegeben werden, ob ein Verdrängungsschaden vorliegt und kann Antragsteller evtl, ein Darlehen auf seinen angemeldeten Schaden haben. Da alle die angeführten Dinge Zeit in Anspruch nehmen und die Schadensanträge nach der Reihenfolge des Eingangs behandelt werden, ist es, wie gesagt, erforderlich, nicht erst den Ablauf der Meldefrist abzuwarten.
teleuropäischen Zeit, übereinstimmenden westeuropäischen Sommerzeit die eine Stunde später liegende w e st - europäische Zeit (W. E. Z.) wieder eingeführt. Die Eisenbahnuhren werden daher im besetzten Gebiet in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober 1922 von 12 Uhr auf 11 Uhr zurückgestellt. Die Stunde von 11 Uhr bis 12 Uhr nachts erscheint demnach doppelt. Für das bürgerliche Leben bleibt die mittel-
* 6 ist eine i anders ®enm ! Srtebigt i «Wit heimlet«
Bacilsfempel
Roman von Margarete v. Oerhen- F ü n f g e l d.
fpd. Frankfurt a. M., 7. Sept. Dom nächsten Montag ab wird der Preis für ein 1500 Gramm schweres Brot von 27 auf 34 Mk. erhöht, der Preis für ein 50-Gramm-Weihbrötchen von .1,25 auf 1.50 Mk. und ein 100-Gramm- Brötchen auf 3.00 Mk. festgesetzt. Für Anfang Oktober ist mit der Wahrscheinlichkeit einer wetteren hundertprozentigen Erhöhung zu rechnen. — Bei den am Mittwoch stattgefundenen Verhandlungen zw schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der FrankfurterWetallindustrie konnte über die Septemberlöhne eine Einigung nicht erzielt werden. Am Freitag wird der Schlichtungsausschuh die Angelegenheit entscheiden.
Absatz-Genossenschaft Wetterauer Bienenzüchter gegründet wurde. Da die Zuckerbeli^erung in diesem Jahre gänzlich versagte, sowie auch der Honigmarkt bei den stets steigenden Preisen sehr unsicher war, hofft man durch die einstimmig erfolgte Gründung Oer Genossenschaft für die Zuluft Abhilfe zu schaffen. Oberkontrolleur Lehr von der Zentralstelle der landwirtschaftlichen Genossenschaft in Friedberg legte die Vorteile einer 3mkergenossenschaft auseinander und zerstreute in der Aussprache manche Zweifel. Damit auch Bienenzüchter anderer Imkervereine sich die Vorteile der gegründeten Genossenschaft zu eigen machen können, wurde das Recht der Mitgliedschaft auf alle Bienenzüchter der Provinz Oberbesse n, soweit sie einem Blenenzüchterverein angehören, ausgedehnt. Mit dieser Gründung hat der Wetterauer Blenenzüchterverein unter seinem rührigen Vorsitzenden, Lehrer R u n k, ein zur Förderung der
verband Wiesbaden 100 000 Mk. gegeben. KassÄ steht noch aus. Es sei deshalb dringend erforderlich, für weitere Mittel zu sorgen, sonst würde die Linie ausgeschaltet. Direktor D a n s a -Limburg hielt anschließend einen Vortrag über „Die Kanalverbindung Frankfurt—Kassel—Bremen". Er schilderte zunächst den Lauf, den der Kanal F r a n k f u r t—G i e h e n nehmen soll. Die ganze Länge beträgt, geographisch gemessen, 58 Kilometer. Es kommen insbesondere der K l e e b a ch und die Wetter in Frage. Rach der Geheimrat Contaschen Berechnung stellten sich die Vorkriegskosten der Strecke Frankfurt—Giehen auf 61500 000 Mk. und die Gesamtkvsten der 214 Kilometer mit dem Abzweig über Wetzlar auf 153 Millionen Mark, das seien a/3 Millionen pro Kilometer. Von den Projekten der Kanalverbindung der Weser mit dem Main verdiene dasjenige der Lahn nach den Lympherschen Berechnungen in jeder Hinsicht, besonders mit Rücksicht auf die Bodenschätze, die Devölkerungsdich- tigkeit usw. entschieden den Vorzug. Selbstredend müsse die Finanzierung nicht alleick" durch die Schiffahrt, sondern auch durch die Gewinnung von Wasserkräften unterstützt werden. An die Ausführungen, in denen auch die Projekte der Wasserstraßen von Süddeutschland nach Nord- deutschland gestreift wurden, schloß sich eine rege Aussprache. Man erledigte dann noch einige geschäftliche Angelegenheiten und beschlvh, den wetteren Ausschuh auf etwa 150 Mitglieder aus allen Kreisen und den engeren Ausschuß auf 15 Mitglieder zu verstärken. Als Ort der nächsten Hauptversammlung wurde Kassel gewählt.
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atmet sie hoch auf: Es ist nicht Spiel! Tiefgründiger Ernst ist's!
„Lilh." murmelte er immerfort, _Lilh!"
„Ich muh gehen."
„Wann — morgen?“
„Um diese Zeit — im Park — wie Sie mich damals vergeblich warten liehen —"
„O, ich Narr!“
Ihre trockenen Lippen fiebern.
Sie küssen sich nicht. Das Kinderhaste trt beiden ist noch zu machtvoll.
Lilh ist fort
Heinz beiht sich die geballte Faust wund vor lauter Glückseligkeit
Dies Kind! Dies wundervolle Kind! *
Der Geheimrat wunderte sich nicht, daß die Fertigstellung von Lilhs Toiletten gar so lange 3eit in Anspruch nahm, und dah die Anproben — besonders in den späten Rachmittagsstunden — sich oft bis zum Abend ausdehnten. Lilh schien ganz voll davon, wie „entzückend" die Krauhmann arbeite, ihr ganzes Wesen tänzelte gleichsam heiter auf der Oberfläche dahin. Doch nicht mit der duftigen Leichtigkeit eines Schmetterlings — mit dem lockenden Flackern eines Irrlichts. — —
Und einmal nahm Heinz Güldewin ihre Hand, umschloh fest die feinen Finger und fragte ohne jede Einleitung: „Warum hast du mir damals ®rieben? Warum bist du zu mir gekommen?
zog dich gerade zu mir hin?"
Sie lächelte, er konnte es mehr hören als sehen, denn im Park lastete das Dunkel.
Und sie antwortete:
„Wer kennt seine Beweggründe? Sie sind dunkel wie dieser Garten — warum zu dir? Weih ich's?"
„LUh, du zitterst ja!"
Da warf sie den Kopf zurück und sagte ehrlich: „Das Theater war's! Wir kennen es nicht — und kennen euch nicht — aber es ist ein steter Trieb in uns nach seinen Rätseln — und dann . . . du bist mir immer unter den Händen fortgeglitten . . . ich dir nach — ja, gerade dir! Warum, weih ich selbst nicht! Alles, was geschehen ist, geschah ohne meinen bestimmten Willen unter einem Zwang, den ich nicht begreife — Heinz, wenn du später einmal meinen Namen in dein Lebensbuch vermerkst, so schreibe; Lilh, die Nachtwandlerin!"
.Später einmal!" wiederholte er traurig.
(Fortsetzung folgt j
europäische Zeit bestehen". Die Wiedereinführung der roeusteurvpäischen Zeit für die Eisenbahn ist somit eine betriebstechnische Maßnahme, die zwar in den zu veröffentlichenden Fahrplänen äußerlich zum Ausdruck kommt, durch die aber das Berkehrsleben im Nahverkehr im allgemeinen nicht berührt wird.
•
* Amtliche Personalnachrichten. Zu Obersteuersekretären wurden ernannt: die Steuerpraktikanten Jakob Müller und Hans R e i b o l d, beide beim Landesfinanzamt Darmstadt, Friedrich Eugen Grüll zu Vilbel (Finanzkasse), Konrad Hillesheimer zu Mainz (Finanzamt I), Johann Adam Kerz zu Mainz (Finanzamt III), Heinrich Naumann zu Offenbach (Finanzkasse), Karl Ruppel zu Worms (Finanzamt Stadt), Georg Schnellbächer zu Worms (Finanzamt Land), Ernst.Schmitt zu Hungen (Finanzamt). — Am 31. März 1922 wurde der VermessungspraktiLrnt Peter Andres zu Darmstadt vom 1. April 1922 ab zum Obervermessungssekretär und der Finanzpraktikant Jakob Muth aus Crainfeld vom 1. Npril 1922 ab zum Verwaltungsobersekretär bei, dem Hessischen Landestheater zu Darmstadt ernannt. Am gleichen Tage wurde der Frhrl. »pn Rabenausche Forstwart der Frhrl. Forst- Wartei Londorf, Oberförsterei Rabenau, Ludwig W i h n e r zu Londorf unter der Amtsbezeichnung „Forster" vom 1. Oktober 1921 ab in den Staats- Äensl übernommen.
** Soziale Hilfsmaßnahmen für Kleinrentner, Minderbemittelte usw., denen man den Lebensunterhalt im kommenden Winter erleichtern,will, werden zur Zeit von der Stadtverwaltung vorbereitet. Entsprechende Vorlagen sollen der nächsten Stadtverordnetensitzung zur-Genehmigung unterbreitet werden.
** Staatliche Unterstützung von Krippen. Zur Unterstützung bestehender Krippen, Kleinkinderschulen (Kindergärten) und Horte
können aus Staatsmitteln Zuwendungen gemacht werden. Ebenso besteht bei der Schaffung neuer Anstalten dieser Art die Möglichkeit einer staatlichen Beihilfe. Anträge sind durch die Bürgermeistereien dem Kreisamt bis zum 25. d. Mts. einzureichen.
**. Gegen das Aufkäufen von Waren durch Ausländer hat das Ministerium des Innern die strengste Handhabung der für die Ausländer geltenden Pah- und Mcldebestimmungen angCoronet. Unter Hinweis auf diese Anordnung hat das Kreisamt die Ortspolizeibehörden der Landgemeinden und die Gendarmerie des Kreises angewiesen, die ministerielle Anordnung strengstens durchzuführen. Alle Zuwiderhandlungen sind zur Anzeige zu bringen. Lbisländer, die sich nicht im Besitz ordnungsmäßiger Ausweispapiere befinden, sollen i>em Kreisamt zwecks Durchführung des Auswei - sungsverfahrens vorgeführt werden. Das Kreisamt fügt seiner an die Polizeibehörden gerichteten öffentlichen Bekanntmachung die folgende beherzigenswerte Mahnung an das Publikum an: „Es wird nicht ausbleiben, daß bei Ausübung der hiernach erforderlichen Kontrolle an Bahnhöfen, auf Straßen oder an sonstigen öffentlichen Orten gelegentlich auch einmal Inländer oder im Besitze gehöriger Pässe befindliche Ausländer durch die Polizei angehalten werden. Es darf aber angenommen werden, daß die Bevölterung lm allgemeinen die Notwendigkeit genauer Kontrolle anerkennen und im Interesse der Sache unvermeidliche Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen wird."
** Fluggebühr für Post nach Rußland. Infolge bedeutender Erhöhung der Betriebskosten bei der Deutsch-Russischen Luftverkehrsgesellschaft werden die Zuschläge für Flugpostsendungen nach Rußland, die neben den gewöhnlichen Auslandsgebühren erhoben werden, vom 10. September an auf 25 Mark für Postkarten und für jede 20 Gramm eines Briefes festgesetzt. Es kosten also dann eine Flugpostkarte nach Rußland 3.50 Mk. gewöhnliche Gebühr + 25 Mk. Zuschlag, zusammen 28.50 Mk., ein Brief bis 20 Gramm 6 Mk. -s- 25 Mk., zusammen 31 Mk., ein Brief über 20 bis 40 Gramm 9 Mk. 4- 50 Mk., zusammen 59 Mk., ein Brief über 40 bis 60 Gramm 12 Mk. + 75 Mk., zusammen 87 Mk., u. s. f.
"* Astoria-Lichtspiele. In beiden Tellen des seit gestern laufenden Programms spiell der Humor eine Hauptrolle. Wenn auch der Film „Maciste und die Javanerin" eine abenteuer- und spannungsreiche Derfolgungsge- schichte darstellt, so ist doch mit jeder Situation ein solches Maß von Komik verbunden, dah auch hier die Heiterkeitsausbrüche nicht selten sind, die dann in dem nachfolgenden Film „Fatty in der Garage" fast ununterbrochen anhalten.
Landkreis Gießen.
gck. Grohen-Bufeck. 7. Sept. Am nächsten Sonntag findet hier der Verbandstag der freiwilligen Feuerwehren desKreises Giehen statt. Nach den bisher vorliegenden Anmeldungen darf mit einer großen Beteiligung der auswärtigen Wehren gerechnet werden. Da das seitherige Spritzenhaus den gestellten Anforderungen nicht mehr genügte, hat die Gemeinde in der sog. Schulfcheuer einen Raum Zur Aufstellung der Geräte sehr zweckmäßig Herstellen lassen. Nach Erledigung der Tagesordnung ist für 1 Uhr ein Drandangriff vorgesehen. Hierauf soll ein Festzug veranstaltet werden, an dem sich zur Ehrung der gemeinnützigen Wehren die übrigen Vereine des Dorfes beteiligen werden. Bei der darauf stattfindenden festlichen Veranstaltung haben auch die vier Gesangvereine ihre Mitwirkung zugefagt.
Kreis Friedberg.
am. Friedberg, 7. Sept. Der Wetterauer Dienenzüchterverein hielt gestern im Ratskeller eine außerordentliche Hauptversammlung ab, in der eine Einkaufs- und
nieru Die Ausstellungsgegenstände sind von Herren des Kreises Siegen zur Verfügung gestellt. Sie dürften, insbesondere die reichhaltig« Trophäen- und Waffensammlung, Interesse für jeden Hervorrufen. Der hiesigen Abteilung ist es gelungen, den bekannten Afrikaforscher Schom- bürgt zu gewinnen, der an drei Ausstellungstagen hervorragende Lichtbilder aus unseren ehemaligen Ueberfeegebieten zeigen wird. Mit der Ausstellung ist auch eine große Sonderausstellung der Siegerländer Industrie verbunden, die einen breiten Raum in der gewaltigen Industrie- und Gewerbehalle einnehmen wird. Dem Besucher der Ausstellung werden die Leistungen der weitverzweigten Siegerländer Industrie vom Rohstoff bis zu den mannigfachsten Fertigerzeugnissen vor Augen geführt werden. Auch die Schwerindustrie wird vertreten fein. Der Raum, den diese Abteilung einnimmt, wird einheitlich hergerichtet werden und sicher ein Hauptanziehungspunkt des ganzen Unternehmens werden.
„Du befindest dich in einer Uebergangszeit. Da eignet man sich so ganz falsche Anschauungen vom Leben an. Eine gewisse Romantik greift Platz. Man wird — man wird — ein bißchen überspannt. Ja, wie soll ich nur gleich sagen? Man begeht törichte Handlungen, für die man nicht verantwortlich zu machen ist — da ist es oft ausgezeichnet, andere Menschen, andere Verhältnisse kennen zu lernen. Da regelt sich das alles ganz von selbst. Neue Eindrücke finb die besten Heilfaktoren bei etwas angekränkelter Phantasie. Tante Kordula ist beliebt bei Hofe Der Britzer Hof, selbst klein — aber entzückend — mit anderen Worten: Ich habe dich für nächste Woche bei Tante Kordula angemeldet. Die Herzogin soll sich schon des öfteren sehr gnädig nach dir erkundigt haben."
Der Geheimrat schwieg und blickte in seine Tasse. Gr wollte es seiner Tochter ersparen, vor ihm zu erröten.
Doch Llly errötete nicht. Sie hatte schon so viel gelernt von ihrer auf Form gestimmten Umgebung, dah sie jeden Zug, jeden Blutstropfen in ihrer Gewalt hatte — so lange sie sich in dieser Umgebung befand.
Ihr erster und einziger Gedanke war: Er weiß alles! Ein guter Freund muh den Spion gespielt haben.
„Wie du befiehlst. Papa," sagte sie gleichmütig. „Da werd' ich mir wohl ein paar neue Toiletten machen lassen müssen."
Gr blickte auf, verwundert und befriebigt. Sie schien sich das nicht besonders zu Herzen za nehmen.
„Es wird ja lehr einsam werden für mich," sagte er wärmer.
„Llch, Papa —“ hier lächelte fte mit gutmütigem Spott — „ob du deine Tasse Kaffee allein hier trinkst, oder ob ich dabei die gedrehten Fühe dieses Douleiisches bewundere —"
Er war hellhörig für den Vorwurf.
„Du muht unter Jagend. Ich bin ein alter Wann, Llly — war schon alt, als du geboren wurdest — und deine Mutter nahm den letzten Rest meiner Jugend mit — es war verkehrt, dich so allein für mich behalten zu wollen!"
„Ach, Jugend! Was am Ho? von Britz schon grob Jugend ist! Lauter untertänigste and ge-
hvrsamste Jugend — das ist gar keine, Papa —“ sie lächelte wieder. „Dah ich so eine schreckliche Demokratin bin, weiht du wohl gar nicht? Es ist jetzt Mode so. Papa: nächstens fliege ich auch noch aus lauter Verzweiflung! Bei Hofe werd' ich mich nicht jünger fühlen als bei dir."
Der Geheimrat überhörte geflissentlich Lilhs Ton. Er zog die Brauen hoch und sah nach seiner Uhr. Für Lilh das Zeichen, aufzuspringen und den Diener zu klingeln.
„Es ist also abgemacht," sprach der Geheimrat freundlich. „Triff deine Anordnungen. Du weiht, was du für Britz brauchst. Ich wünsche, dah du mit allem tadellos vorgesehen bist."
„Danke, Papa. Kann ich den Wagen haben? Ich fahre dann gleich nachher zur Krauhmann. Auf Wiedersehen, Papa!"
Er fußte ihre Stirn, sie streifte seine Wange mit ihren Lippen.
Die kühlen, dunllen Räume des Hauses in der Marzellenstrahe lagen in Grabesschweigen; die schweren Vorhänge fanfien in reichen Falten über bie Perser-Teppiche, deren Muster so traurig über die weiten Flächen liefen, halb verwischt — tote von den Tränen der dunklen Frauen, die sie geknüpft hatten.
Das Silber auf den pompösen Büffets glänzte kaum. Die Blätter der Fächerpalmen am Fenster rührten sich nicht, starr und gespreizt strectten sie ihre spitzen Finger in die ruhende Lust
Lilh sprang in den Wagen, ihr schwarzer Hut wippte, am Jackett trug sie einen ganzen Busch von weihem Flieder.
„Zur Krauhmann!"
Vor dem Modesalon raschelte sie aus dem Wagen wie ein schönes, schillerndes Reptil.
„Es kann hier sehr lange dauern. Fahren Sie voraus zu Braun. Sie erwarten mich dort."
Der starre Pelzkragen ihres Kutschers verschwand langsam im rieselnden Nebel. Mit ihm der schmale, funkelnd schwarze Wagen, die schlanke Silhouette des kleinen, nervösen Fuchses.
Ein früher Abend setzte ein. Lilhs Auge folgte dem Gefährt, bis sie nichts mehr sah als Regen, Regen und Dampf — Schneereste zu ihren Füßen, hählicher, verwaschener Schnee
Dann lieh sie den Modesalon der Krauhmann links liegen, bog in die nächste Seitengasse ein, bestieg eine der dort hallenden Droschken, nannte eine Straße, eine Nummer.
Und wieder vorwärts in Nebel und Dampf, erleuchtete Schaufenster ziehen vorüber, immer weniger, zuletzt nur noch schwarze Mauern, Büsche und Bäume, das Nichts — sie wankt mit
Vereins. Der Vorsitzende, Landeshauptmann Dr. W o e l l - Wiesbaden, erstattete zunächst einen eingehenden Bericht über das letzte Geschäftsjahr und verband darntt einen Hinweis auf die großen Verdienste des mittlerweile verstorbenen Ministerialdirektors Shmpher - granffurt a. Main, als eifrigen Förderer der Erschließung Deutschlands und unseres engeren Heimatlandes durch den Dau von Wasserstraßen Er gab dann einen Rückblick auf die Bestrebungen, die Lahn schiffbar zu machen, und wies darauf hin, dah diese schon 100 Jahre all feien. So wurde im Jahre 1844 ein Staatsvertrag zwischen dem damaligen Herzogtum Nassau, dem Königreich Preußen für feinen zur Rheinprovinz gehörigen Kreis Wetzlar und Dem Grvßherzogtum Hessen geschlossen, um die Lahn von der Mündung. Koblenz bis Giehen schiffbar zu machen. Ungefähr im Jahre 1900 schlossen sich die Interessenten zunächst za einein Komitee und im Jahre 1903 zu einem Verein zusammen. Vier Jahre später wurde von der Regierung die Strecke Mündung bis Gießen ausgebaggert uiid damit zu jeder Zeit, auch bei niedrigem Wasser, schiffbar gemacht. Im Jahre 1920 wurde die Lahnkanalisation auf einen Ueberlandkanal Koblenz—Gi her—Kassel, Weft-Ost-Derbindung zwischen Rhein und Weser, ausgedehnt und später die Strecke Frankfurt—Gießen hinzugenommen. Es wurde klar ausgesprochen, daß der Groh- fchifsahrtsweg Frankfurt—Gießen—Kassel lausen müsse. Im Jahre 1921 trat der Main—Fulda— See-Kanal neu auf. Dieser Kanal ist ein Kompromiß zwischen den beiden groben Projekten Werra—Main über Meiningen und Bamberg und Main—Weser über Frankfurt—Gießen— Kassel. Mit dem l^erra—Main-Kanalverein geht der Fulda—Lahn-Kanalverein Hand in Hand. Alle drei gehören dem Weserbund an, der nur eine großzügige Schiffbarmachung der Weser herbeiführen will, ohne welches keines dieser drei Projekte zur Verbindung von Main und Weser praktische Bedeutung haben würde. Die Kosten für Die Prüfung eines Projektes betragen heute etwa 1,25 Millionen: davon gibt das Reich 8/s, während die Interessenten s/5, also heute rund 750 000 Mk. selbst beibringen müssen. Der Werra- Main-Kanalverein hat die Mittel schon vor Jahren zusammengebracht und sein Projekt ist von Eisenach annähernd fertiggestellt. Der Mam— Fulda—See-Kanalverein hat angeblich die Mittel jetzt zusammen und die Prüfung seines Projektes wird etwa bis 1925 dauern. Für das Lahnkanalprojekt sind bis jetzt rund 200000 Mk. sichergestelll. Cs muß nun nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die alle Main—Weferlinie der technisch und volkswirtschaftlich gegebene Weg ist. Wie der Redner ferner mitteilte, hat der Bezirks-
dem klappernden, lärmenden Kasten, fühll jede Veränderung des Strahenpflasters in ihrem empfindlichen Körper, atmet den Dust ein von altem Lack und alten Polstern und alten Pferdedecken.
Der Wagen hall. Lilh reicht dem Mann auf dem Bock ein Geldstück, rennt in den Hausflur — der Wagen klappert fort
Oben ist Licht! Gott fei Dank! Gott fei Dank!
Sie fliegt die Treppen hinauf, ihre Füße, ihre Hände, Hirn und Herz, alles ist nur eine Bewegung. Gin ZuihmhinstrebenI
Die Eingangstür ist nur angelehnt. Man braucht nicht zu öingeln, nur schnell hineinz a- wischen — im Flur noch dunkel — aber hinter jener Tür Licht.
Sie klopft. Klopft tote in wilder Verzweiflung, als seien ihr alle Schrecken der Well auf den Fersen.
Jemand öffnet.
In der erleuchteten Tür steht Heinz Güldewin, in der Hand hält er einen Kragen, den er soeben abgeknöpft hat er achtet es nicht.
Er starrt Lilh an, und Lilh starrt ihn an.
Von einer unwiderstehlichen Macht getrieben, hebt sie beide Hände, und er faßt sie — zaghaft, scheu, mit einer zitternden Glut — mit einer ©lut, die so weit entfernt ist von jeder sinnlichen Beimischung. tote der Vjond vom heißen Mittag.
Er geht und zieht sanft die Tür ins Schloh, und feine entzückten Augen tauchen in die des weißen, schweigenden Mädchens.
Der schwarze Hut fenfte seinen Rabenschatten über ihn und sie —.
Plötzlich fährt sie auf:
„Ihre Braut!"
Ich habe feine Braut mehr."
M - -
Sie können nicht reden. Das Wunder ist zu groß. _
Eines vertiefte sich in die Züge des andern.
Endlich zittert ein seltsam kindisches Lächeln über Lilhs Gesicht.
„Er schickt mich fort — ganz fort — aber vorher — mußte ich zu Ihnen kommen!"
Er kniet vor ihr und umfängt ihre Gestalt mit feinen Armen. Er vergißt, wie jung, wie furchtbar jung sie ist.
„Lilh!" flüstert er versonnen.
Sie streicht leise und zärtlich mü ihren feinen Fingern über fein Haar, das ihr vertraut ist wie das eines Bruders. Sie liest in feinen Augen wie in einem Buch.
Etwas tote Reue zuckt durch ihr Him, dann


