Ausgabe 
8.4.1922
 
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no w, bei seiner Ankunft in Washington verhaftet worden. Es soll wegen Unter- schlagung von Pelzen und Wollwaren im Werte von 475 000 Dollar gegen ihn vorge-- gangen werden. Die Waren sind Eigentum einer augenblicklich bankerotten Handelsgesell­schaft. Änscheinend handelt es sich bei den gegen ihn erhobenen Vorwürfen um Dinge, die sich 1919 in Tschita abgespielt haben. General Semenvw hat jedoch noch gestern abend gegen eine Kaution von 25 000 Dollar leine Freilassung erwirkt.

Die Getreide- und Kartoffel- bewirtschastung.

Das Programm des neuen ErnährungSministcrs.

Berlin, 7. April. (WTB.) 3m Reichsmini­sterium für Ernährung und Landwirtschaft fand heute unter dem Vorsitz des Reichsministers Fehr eine Konferenz mit Vertretern der Landwirtschaft statt, die von zahl­reichen führenden landwirtschaftlichen Persönlich­keiten besucht war. Gegenstand der Verhand­lungen war die Getreidebewirtschaf- lung im kommenden Wirtschaftsjahr. 3n seinen Degrühungsworten sprach der Minister sein Be­dauern darüber aus, daß die Besprechung bis jetzt verschoben werden muhte, die für die Regelung der wichtigsten Ernährungsfragen des kommenden Wirtschaftsjahres von einschneidender Bedeutung sein werde. Es werde sein Bestreben sein, diese und die übrigen wichtigen Fragen in enger Fühlung­nahme mit der Landwirtschaft zu regeln. Die Konferenz mit den Ernährungs- und Landwirt- schaftsministern der Länder, die jüngst stattgefun­den habe, habe sich auf den Standpunk ge­stellt, dah eine vollkommen freie Getreidebewirt­schaftung im nächsten Jahre nicht möglich sei. Dieser Standpunkt stimme auch mit der Auffassung der Reichsregierung überein. Darüber hinaus habe jene Konferenz auch um Vorschläge und Ma­terial seitens des Ministeriums für die Regelung der Kartoffel Versorgung gebeten. Hin­sichtlich der Getreideversorgung hoffe er, in ein­gehenden sachlichen Verhandlungen mit der Landwirtschaft zu einem ersprießlichen Ziele zu kommen. Hingegen glaube er nicht, baß man bei den Kartoffeln mit der Um­lage oder einer sonstigen öffentlichen Dewirtschaf- tungsform zum Ziele komme, da hier weit gröbere technische Schwierigkeiten bestanden und die Kommunalverbände auch nicht in der Lage und bereit seien, das finanzielle Risiko der Kir- toffelbewirtschaftung zu übernehmen. Man werde an den Abschluß von Lieferungsverträ­gen und die direkte Verbindung von Produzenten- vrganisationen und Verbraucherorganisationen denken müssen. Die Degrühungsworte des Mi­nisters wurden von der Versammlung beifällig aufgenommen. Romens der Landwirtschaft be­grüßte der Vorsitzende des Reichsausschusses der deutschen Landwirtschaft, Edler v. Braun, be­sonders, dah der Minister, wie sein Vorgänger, im Einvernehmen und in Fühlungnahme mit der Landwirtschaft sein Amt zu führen gedenke. Die Landwirtschaft werde ihre Hilfe bei der Durch­führung der Aufgabe des Ministers nicht ver­sagen.

Die sachlichen Besprechungen wurden ein- geleitet durch ein Referat des Präsidenten der Reichsgetreidestelle, der eingehend darlegte, welche Wirkungen auf die Versorgung und auf die Preis­bildung die verschiedenen Möglichkeiten der Rege­lung der Versorgung mit Brotgetreide haben. Er machte darauf aufmerksam, dah die Zuschüsse des Reiches im fommenben Wirtschaftsjahr voll­kommen wegfallen und eine Verteuerung des Brotes schon hierdurch eintreten werde. Durch die gleichzeitige Beseitigung der Erfaffung be­stimmter Mengen zu Preisen, die unter dem Weltmarktpreise liegen, werde die Möglichkeit genommen, einen stabilen erträglichen Preis zu schaffen.

3n der Aussprache betonten die meisten Redner, dah die Fortführung der Umlage für die Landwirtschaft unerträglich sei, wobei ins­besondere darauf verwiesen wurde, dah hier eine ganz einseitige Belastung eines Berufsstandes vvrliege, die einer Sondersteuer gleichkomme. Don verschiedenen Seiten wurde angeregt, in dieser Richtung Verbesserungen herbeizuführen; auch wurden einige andere Vorschläge gemacht, die einer §ingehenden Prüfung unterliegen ^sollen. 3m ganzen ergab die Aussprache trotz des im allgemeinen ablehnenden Standpunktes der Land­wirtschaft gegenüber der Umlage, daß die Ver­treter bereit sind, in E i nzel e r ö r t er u n g e n einzutreten und Vorschläge zu prüfen, sowie an den Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung der Devöllerung mit Brotgetreide mitzuarbeiten, deren Ausgestaltung in weiteren Verhandlungen beraten werden soll. Es wurde eine besondere Kommission eingesetzt, welcher führende Persönlichkeiten des Reichsausschusses der Land­wirtschaft sowie derjenigen Organisationen ange­hören, die im Reichsausschuh nicht vertreten sind. Die Kommission wird bereits in der nächsten Woche zu einer weiteren Aussprache zusammen- treterr.

Aus dem Reiche.

Empfangsabend beim Reichspräsidenten.

Berlin, 7. April. Auf dem gestrigen Empfangsabend beim Reichspräsi­denten hielt der Reichspräsident eine Ansprache ön die Gäste, in der er den Sinn der Be­deutung der Veranstaltung hervorhob. Er sagte, es sei sein inniger Wunsch, die führenden Pev- sönlichkeiten von Politik, Kunst. Wissenschaft und Wirtschaft in eine engere Fühlung miteinander SU bringen. Der Staat dürfe nie aufhören, mit wachsamem Auge die 3nteressen des gei­stigen Lebens zu pflegen, aber auch die Hüter des Geisteslebens sollten nicht vergessen enge Beziehungen zum staatlichen Leben aufrechtzu­erhalten, denn der Staat stehe vor uns als der Begriff und die Verkörperung des Volkstums aus dem auch die Wissenschaft und Kunst ihre immer wieder sich erneuernden treibenden Kräfte ziehen.

Tagung des Deutschen Dearnlenbunbes.

Berlin, 7. April. Auf dem Bundes­tage des Deutschen Beamtenbundes wurde heute die Debatte über die Frage des Streikrechtes der Beamten fortgesetzt. Rach- dem sich Vogel von der Reichspostgewerkschaft und Bente als Vertreter der Reichsjustiz- Beamten für das Streikrecht der Beamten aus- -gesprochen batten, erklärte der Dundesvorfttzende

Flügel, daß er den Lohnstreik nach wie vor ablehne. Der Lohnstreik sei mit der Stellung der Beamten im Volke und zum Volke unvereinbar. Darauf ergriff der Vorsitzende der Reichsgewerk­schaft deutscher Eifenbahnbeamten, Menne, das Wort. Er trat für die Solidarität der gesamten Beamtenschaft ein, jedoch müsse ein Trennungs­strich gezogen werden zwischen denen, die als Gewerllchaftler fühlen und denken, und denen, die das Recht wollen. Menne setzte sich dann weiter für die Gemaßregelten ein und bekämpfte die bisherige BundesleiLung. Er erflärte: Lassen Sie die Bundesleitung bestehen, so ist der Deutsche Beamtenbund für uns erledigt. Der Bundes- Vorsitzende Flügel ergriff darauf noch einmal das Wort und sagte, Menne habe keine Programm­rede gehalten, sondern er habe das Attions- programm der Reichsgewerkschaft entwickelt. Wäh­rend des Streiks habe er einen glatten Disziplin­bruch gegenüber dem Beamtenbunde begangen. Flügel schloß seine Ausführungen mit der Bitte, sein Programm anzunehmen.

(BegenfeiHg&eitsvertrag zwischen Oesterreich und

Deutschland.

Heber die Versorgung und Fürsorge, die Kriegsopfer in Deutschland und Oesterreich be­treffend, ist zwischen beiden Ländern ein Gegen- seitigkeitsvertrag entstanden. Der Vertrag ent­hält drei Vereinbarungen.

Die erste Vereinbarung betrifft Kriegsbeschä­digte, ihre Angehörigen und Hinterbliebenen solcher Kriegsteilnehmer, die in der Wehrmacht des anderen Staates gedient haben. Hiernach gewährt das Deutsche Reich österreichischenStaats- angehörigen, die in der deutschen Wehrmacht gedient haben, Versorgung nach dem Reichs- Versorgungsgesetz, während die Republik Oester­reich deutschen Staatsangehörigen, die in der österreichisch-ungarischen Wehrmacht gedient ha­ben, Versorgung nach dem österreichischen 3nva- lidenentschädigungsgefetz gewährt.

Die zweite Vereinbarung betrifft die unehe­lichen Kriegswaifen, die im Gebiet eines der beiden Staaken wohnen. Oesterreich gewährt den in Oesterreich oder in Deutschland wohnenden unehelichen Kriegswaisen, deren Mütter im Zeit­punkt des Todes des Erzeugers die deutsche Staatsangehörigkeit besessen und deren Väter während des Krieges in der österreichisch-ungari­schen Wehrmacht gedient haben, die Versorgung nach dem Invalidenentschädigungsgeseh. Hierbei ist zu beachten, dah den im Deutschen Reiche wohnenden unehelichen Kriegerwaisen die Ver­sorgung nur dann gewährt wird, wenn der Vater in einer österreichischen Gemeinde heimatberech­tigt war oder gewohnt hat. Das Deutsche Reich gewährt den in Deutschland oder Oesterreich woh­nenden unehelichen Kriegerwaisen die Versorgung nach dem Reichsversorgungsgeseh, deren Mütter im Zeitpunkt des Todes des Vaters in einer österreichischen Gemeinde heimatberechtigt waren, und die in der deutschen Wehrmacht Kriegsdienst geleistet haben.

Die dritte Vereinbarung besagt, daß jeder der beiden Staaten den in seinen Gebieten woh­nenden Kriegsbeschädigten und Kriegshinterblie­benen des anderen Staates die gleichen Be­günstigungen wie den eigenen einräumt auf den Gebieten der sozialen Fürsorge und der Heil- behairdlung. Die Fürsorgestellen beider Staaten leisten sich gegenfeittg die notwendige organi­satorische und verwaltungsmäßige Hilfe (Aus­kunft, Zustellung von Ladungen und anderen Schriftstücken usw.). Soweit in Angelegenheiten der Versorgung und Fürsorge Stempel- und Ge­bührenfreiheit besteht, gilt dies gegenseitig für beide Telle.

Die weibliche Berufswahl.

3n Ergänzung der in Rr. 56 desGie­ßener Anzeigers" veröffentlichten Ausfüh­rungen über Möglichkeiten einer Erwerbs­tätigkeit für Frauen geben wir auf Grund von eingezogenen Erkundigungen an den unter­richteten Stellen nachstehend eine Uebersicht über weiterhin in Frage kommende Berufsmöglich- keiten:

Hebamme (Gemeinde- oder Privat- hebamme; ein verantwortungsvoller Beruf, dessen Ergreifung deshalb gerade auch von Mädchen mit besserer Vorbildung besonders wünschenswert erscheint): Alter: mindestens 20, höchstens 30 Jahre. Ausbildungszeit: 9 Monate (alle Halb­jahre Lehrgänge in Gießen). Kosten: Werden bei GemeindehÄammen, die in Hessen nur aus der eigenen Gemeinde für diese genommen werden, von der Gemeinde getragen; privat etwa 5000 Mk.

Krankenschwester (während der Schul­zeit Besuch eines Samariterkurses empfehlens­wert): Ausbildungszeit: l1/» Jahre nach drei­monatlicher Probezeit, dann staatliche Anstellung. Kosten: ICO Mk. Kaution für Probezeit; Ver­gütung 1800 Mk.

Pflegerin: Alter: mindestens 20 Zahre. (Gutes Abgangszeugnis einer höheren oder Volksschule.) Ausbildungszeit: allgemein zwei Jahre, Wochenpflegerin 5 Monate. Säuglings- Pflegerin 1 Jahr, Kinderpflegerin 2 Jahre. Die Aussichten in diesen Berufen werden als gut bezeichnet.

Laborantin (technische Assistentin bei medizinischen 3nstituten): Ausbildungszeit: in Hessen 1 Hahr (genügt zur Ausbildung in einem praktischen Fach, Röntgen, Bakteriologie, Mikro­chemie, Mikrophotographie usw.). Die Aussichten werden als gut bezeichnet.

Kindergärtnerin: Vorbildung: neun» klassige Mädchenschule oder gleichwertige Schule. Ausbildungszeit: P/s Jahre. Nachfrage ist groß.

Gartenbaulehrerin Derufs- gärtnerin: Vorbildung: Lyzeum oder gleich­wertige Ausbildung bzw. Volksschule. Ausbil­dungszeit: je 2 Hahre. Die Kosten für die Lehrerin betragen im Hahre etwa 300 Mk. 3n Verbin­dung mit anderen technischen Fächern sind die Aussichten gut. Auskunft wird in Gießen, Senckenbergstraße 15 A, erteilt.

Kaufmännische Berufe: Ein von jun­gen Mädchen gern gewählter Berus ist der einer Stenotypistin. Man versteht darunter die stenographische Aufnahme von Diktaten und deren Wiedergabe auf der Schreibmaschine. Mm den ge­stellten Anforderungen gewachsen zu sein, bedarf es einer viertel- bis halbjährigen Ausbildungs­zeit in einem Fachinstitut. Die Kosten der Aus­bildung belaufen sich auf etwa 1200 Mk. für ein halbes Hahr gerechnet. 3n der gleichen Zeit können sich jüngere Damen auch als Kon­toristinnen ausbilden. Außer der Beherr­schung der Stenographie und Schreibmaschine

werden hier Kenntnisse in Handelskorrespondenz, kaufmännischem Rechnen und Buchführung ver­langt. Obwohl diese Fächer nur in der Praxis selbst voll ersaht werden können, ist eine vor- henge wissenschaftliche Ausbildung an einer Han- delslehranstalr von unschätzbarem Werte und wird in der Regel sogar gefordert, weil dem Ge­schäftsherrn und seinen Angestellten die Zeit und die Geduld mangelt, um einen gänzlich Ahnungslosen in die Einzelheiten des Geschäfts­lebens einzuführen. Die Kosten der Ausbildung für einen derartigen Kurs belaufen sich samt Lehrmittel auf etwa 1800 Mk. bei einer halb­jährigen Mnterrichtszeit. Als Vorbildung reicht bei diesen beiden genannten Berufen eine gute Elementarschulbildung aus, jedoch sind Schü­lerinnen aus Mittel- und höheren Schulen ent­schieden im Vorteil und erreichen das Ziel in der Regel bedeutend leichter. Sehr gut be­gabte Schülerinnen mit höherer Schulbildung, Sprachkenntnissen und guter Allgemeinbildung können auch Anstellung als Privatsekre­tärin finden. Der Ausbildungsgang ist derselbe wie bei den Kontoristinnen. Doch schließt sich daran entweder sofort oder nach einiger prak­tischen Tätigkeit ein Fortbildungskursus an. Die Aussichten in diesen Berufen können gegen­wärtig durchaus günstig genannt werden. Gut ausgebildete und korrekt arbeitende Kräfte fin­den verhältnismäßig leicht Anstellung, während bei mangelhafter und leichtfertiger Ausführung der Probeschriftarbeiten nur sehr schwer unter­zukommen ist. Darum soll nur die beste Ausbil­dungsmöglichkeit ohne Rücksicht auf etwa höhere Kosten gewählt werden.

Vor dem Ergreifen einer Laufbahn als Be­amtin im Post- und Eisenbahndienst wird ab­geraten, da die Aussichten hier ungünstig sind. Wir sind gern bereit, weitere Anregungen aus unserem Leserkreise zu veröffentlichen.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 8. April 1922.

Wettervoraussage

für Sonntag:

Mnbeftänbig, etwas kühler, wechselnde Winde.

*

** Tvtengedenkfeier. 3n Darmstadt hat sich ein Festausschuß gebildet, der am Sonn­tag, den 14. Mai, in Darmstadt eine Toten- gebenffeier für das Leib-Dragoner-Re- giment Rr. 2 4, Reserve-Dragoner- Regiment Rr. 4, die 4. Landwehr-, die 4. Landsturm-Eskadron des 18. A.-K. und die Rachrichten- (bzw. Fernsprech-) Abteilung Rr. 5 veranstaltet. -Die Teilnahme zahlreicher Mitglie­der des Leib-Dragoner-Bundes und seiner Kreis­vereine verbürgt ein allgemeines Wiedersehen von Offizieren, Sanitätsoffizieren, Veterinären, Beamten, Mnteroffixieren und Mannschaften. Es gilt am 14. Mai die Toten zu ehren und die Mittel zu Ehrentafeln für die Opfer des Welt­krieges zu sammeln.

Die Ortsgruppe Gießen des Hilfsbundes für vertriebene Elsaß- Lothringer. die sich nach Kriegsende hier gebildet hat, hielt ihre Monatsversammlung im Aquarium ab. 3n Abwesenheit des ersten Vor­sitzenden, Bürgermeister a. D. H a ck h a u s e n, lei­tete der zweite Vorsitzende, Dr. L i st, Biblio­thekar der hiesigen Universitätsbibliothek, die Der- sammlung. Zunächst wurde der geschäftliche Teil der Tagesordnung erledigt, 'wobei es sich noch hauptsächlich um die Entschädigung der Verdräng­ten handelte. Eine freubige Ueberraschung be­reitete sodann der VereinMandolinenklub Rea- polita", der von seinem 1. Vorsitzenden und Diri­genten, Herrn Sonntag, geleitet, es sich nicht nehmen ließ, den vertriebenen Elsaß-Lothringern durch seine Darbietungen einige genußreiche frohe Stunden zu bereiten. Lokomotivführer Quantel erfreute die Anwesenden weiterhin mit dem Liede Das Heidegrab", das die Versamnllung mitO, Straßburg" beantwortete. Cs zeigte sich auch hier wieder, daß Elsaß-Lothringen nicht so leicht zu vergessen ist. Die vertriebenen Elsaß-Lothrin­ger wollen den Gedanken lebendig erhalten, dah cs.Deutsche sind, die noch drüben wohnen und daß es keine schönere Aufgabe gibt, als das Deutsch­tum in Elsaß-Lothringen zu stützen und wach­zuhalten. Der Bund für vertriebene Elsaß-Lo­thringer hat in seinen Satzungen, in der Erwar­tung, daß sich zahlreiche Freunde und Gönner der Elsaß-Lothringischen Sache einstellen werden, den Beitritt auchRichtvertriebener" vorgesehen. Wer somit der Deutschen Sache dienen will, dem steht der Beitritt bei einer Ortsgruppe des Hilfs- bundes jederzeit offen.

Kreislehrerversammlung. 3n der Wirtschaft zum Philosophenwald versammel- sich gestern vormittag sämtliche Lehrerinnnen und Lehrer des Kreises Gießen zu einer Tagung. Rach kurzen Degrüßungsworten des Kreisschulinspek­tors Prof. Dr. Alles hielt Studienrat Wecker- l i n g - Friedberg einen Vortrag überDie Deut­schen im Auslande Grundsätzliches und Metho­disches". Der Redner berichtete über die Ver­sammlung der Deutschen Rumäniens im Jahre 1921. Die Deutschen Rumäniens waren aus allen Teilen des Landes zusammengeströmt. Durch Opfer und zähe Beharrlichkeit haben sie sich ihr Deutschtum und ihre Deutschen Schulen erhalten und gedenken diese auch fernerhin zu wahren. Die Pioniere des Deutschtums müssen vom Mutter- lande kräftig unterstützt werden, woran es vor dem Kriege vielfach gefehlt hat. Besonders die deutschen Schulen im Auslande müssen erhalten bleiben. Der Redner hat im Auftrag des V. d. A. bereits in mehreren Orten Oberhessens gesprochen und überall lebhaftes Verständnis für die Er­haltung und Förderung der Deutschen im Aus­lande gesunden. Er schildert die>rängnis der deutschen Schulen in Polen und fordert zur Samm­lung von entbehrlichen gebrauchten Schulbüchern, Märchenbüchern,/Unterhaltungsschriften u. dergl. auf für die Auslandsschulen. Zum Schlüsse emp­fiehlt er die Zeitschriften für Erhaltung der deut­schen Schulen und des Deutschtums im Auslände. Rach lebhaftem langanhallendem Beifall, erklärt der Vorsitzende des Kreislehrervereins. dah der gesamte Kreisverem als korporatives Mitglied dem Verein für das Deutschtum im Auslande bei­tritt. Einen weiteren Punkt der Verhandlungen bildet die ländliche Fortbildungsschule. Rach Ostern findet in Gießen ein Kursus für Lehrer an Fortbildungsschulen statt; die Teilnehmerzahl ist auf 25 festgesetzt. Es werden dann noch Mit­teilungen gemacht über Beschaffung von Licht­bill, crapparate für die Volksschulen, über die Krankenkasse und Beschaffung von Lehrmitteln für die Schulen. Vom 6. bis 12. August findet in Gießen eine Heirnatwochs statt, für die mehrere Vorträge und Ausflüge vorgesehen sind. Aus Grund des Artikels 58. Ziffer 5. sind drei Lehrer

auf drei Jahre in das Kreisschulamt zu wählen. Es werden gewählt: Reul- Gießen, Rausch- Reiskirchen und Zöller- Hausen. Als Ersatz­männer werden gewählt: Adam-Gießen Sprengel- - Bellersheim und Schmidt- Kes- elbach.

** Die Höch st preise für Kohlen und Koks werden in einer amtlichen Be- . anntmachung im heuttgen Anzeigentelle neu geregelt.

** Von der Dezirkssparkasse Gio- 3 e n. 3m ersten Vierteljahr 1922 betragen die i Einlagen im Sparverkehr 8 022 800 Mk., im Scheck- und äleberweisungsverkehr 20 158 600 Mk., zusammen 28 181 400 Mk. Rückzahlungen im Sparverkehr 4 952 400 Mk im Scheck- und -lieber- weisungsverkehr 18 211 700 Mk., zusammen 23 164 100 Mk. Mithin E i n l ag e^ü b e r s ch u h 5017300 Mk., Einlagenbestand Ende März 1922 64 500 000 Mk.

** Einem Aprilscherz zum Opfer gefallen ist der Einsender eines kleinen Leit­artikels, der uns mit der äleberschriftVer­gnügungslokale oder Heimstätten" zuging. Der Verfasser fordert die Stadtverordneten auf, sich wegen ihrer Maßnahmen zur Ausgestaltung der Liebishöhe zu rechtfertigen. 3n vollstem Ernst wendet er sich bann gegen die in unserer Rr. vom 1. April angekündigtefeierliche Uebern ahme der Liebigshöhe durch die Stadtverwaltung". Wir halten es für unsere Pflicht, diese auch uns mit ganzer Schwere treffende Kritik wörtlich wieder­zugeben:Der Berichterstatter versuchte in seinem Artikel die Sache der Oeffentlichkeit recht schmack­haft zu machen, zumal auch die Gießener Bürger und Bürgerinnen, allerdings etwas ver­spätet, eingeladen wurden. Von der verschiedene Male angeführten Rvtwendigkeit eines Vergnü­gungslokales können die schönsten Worte die Mehrzahl der Gießener Einwohnerschaft nicht überzeugen. Haben wir doch Dergnügungslokale genug in unserer Stadt, und zur Abhaltung von Konzerten kann während der spielfreien Abende doch auch das Stadttheater benutzt werden." 3m Bewußtsein unserer Schuld stellen uXr uns nunmehr" ii»n allgemeinen auf den Standpunkt des Einsenders unb betonen, daß eine Redaktion niemals eine solche feierliche Uebernahme und prächtige Ausgestaltung eines Vergnügungs­lokales befürworten darf, wenn im Kalender nicht gerade der erste April verzeichnet ist.

Vornot^cn.

Tageskalender für Samstag. Stadttheater, 7 Mr:Wilhelm Teil." Turnhalle (Oswgldsgarten), 8 Uhr: Protest- Versammlung des Naturheilvereins. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen: Das Abenteuer des Dr. Kirchrisen" undDas Ende der Falschmünzer".

TageSkalender für Sonntag. Stadttheater, 7 Uhr:Die versunkene Glocke".

Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei darauf hingewiesen, daß nach den für den Rest der Spielzeit getroffenen Dispositionen, dic Versunkene Glocke", die morgen (Palm­sonntag) einmal in Szene geht, auf keinen Fall wiederholt werden kann.

Oberhessischer Kun st verein. Die Ausstellung von Werken des K a r l s r u h er Künstlerbundes wird wegen verspätete,' Eintreffens einiger Kunstwerke erst am 1. Öfter- feiertag eröffnet.

D i e Dolkskirchliche Arbeitsge­meinschaft hält am Montag im Restaurant Cchipkapaß eine Versammlung ab, in welcher Prof. Weißgerber über die neue Kirchenver- sassung und den Ausbau der Volks­kirche sprechen wird. Der Vortrag, der kurz nach der Verabschiedung der neuen Kirchmder- fassung für weite Kreise besonderes 3nteresse haben dürfte, ist allgemein zugänglich. (Siehe Anzeige.)

Kreis Büdingen.

bs. O b e r - W i d d e r s h e i m, 7. April Leb­hafte Tätigkeit herrscht gegenwärtig an den beiden hiesigen Dasaltsteinbrüchsn. 3n langen Reihen fassen die Fuhrwerke Klopfsteine zur Beschotte­rung der Kreisstrahen und auch Pflastersteine sind sehr gefragt.

Kreis Friedberg.

ff. Friedberg. 7. April. 3n der gestri­gen Stadtverordnetensitzung wurde das Gesuch des Schützenvereins um Ueber- lasfung der städtischen Seewiese zur Abhal­tung eines Schützenfestes im Sommer geneh­migt. Bei der -Vergebung der Faselvieh- Unterhaltung wurde bestimmt, dah das Deck­geld aus der Gemeindekasfe bezahlt werden soll. .Der Schule in Fauerbach wird ein Schulgarten von 500 Quadratmeter für Unter­richtszwecke überlassen unter der Bedingung, daß die Erträgnisse dem Bürgerhvspital zu­gute kommen sollen. Die Tagegelder sollen auf den vierfachen Betrag von 1919, also auf 64 Mark anstatt 16 Mark erhöht werden. Betr. Erhebung von Zuschlägen zur staatlichen Wohnungsabgabe wird beschlossen, daß die Stadt je 30 Pf. von 100 Mark des Brandver- sicherungswertes erheben soll (gegenüber 10 Pf., die der Staat erhebt). Es wird dabei festgestellt, dah eine Erhebung vom Nutzwerte der Wohnungen richtiger sei, als die Erhebung vom Brandversicherungswert. Das Wasser­geld wird für den Kubikmeter auf 2Mk. fest­gesetzt. Für die Ergänzung von Lehrmitteln für die Oberrealschule werden 28 000 Mk. be­willigt. Das Oktroi für Aepfelwein wird auf 2,18 Mark pro Hektoliter festgesetzt, bei Ausfuhr wird 1 Mk. zurückvergütet.

Hessen-Nassau.

Don der Frankfurter Messr.

fpd. Frankfurt a. M., 7. April. Die Frankfurter Frühjahrsmesse neigt sich ihrem Ende zu. Der Fremdenstrom verebbt langsam. Die Stände in den einzelnen Messehallen weisen seit heute vormittag bereits bedenkliche Lücken auf. äleberall ist man mit dem Ausgang der Messe geschäftlich durchaus zufrieden. Viele Aussteller sahen ihre Erwartungen weit übertroffen. Ledig­lich die Tabakindustrie litt etwas unter dem Druck der hohen Steuern und Zölle, womit das edle Tabaktraat belastet wird und noch mehr be­lastet werden dürfte. Die weitaus größte Mehrz ihl der Aussteller hat nach unferen Erkundungen für die Messe im Herbst wieder Plätze und Stände angemeldet. Die Zahl der Besucher während der Messewoche dürfte mit 130 000 nicht zu gering bemessen sein.