Ausgabe 
8.4.1922
 
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Erstes Blatt

172. zayrgang

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Nr. 84

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Samstag, 8. April 1922 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm hohe füi Anzeigen v 34 mm Breit,

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Wochenrückblick.

Die Konferenz von Genua, die Nächsten Montag beginnt, wird über 1200 Politiker und Wirtschaftssachverständige aus aller Herren Länder versammeln. Sie wird jedoch kein Forum sein, vor dem deutsche Interessen gerecht beurteilt werden könnten. Auch wenn Herr Poincarä mit seiner Pro- grammbeschneidung nicht durchgedrungen wäre, wäre diese Versammlung von Aus­ländern keine Hüterin der Humanität und Ge­rechtigkeit. Man will in Genua praktisch vvrankommen, ^jedeS der vertretenen Länder in seinem eigenen Interesse. Die 80 Personen unserer deutschen Abordnung bringen zweifellos bie größte Last bisher unerfüllter Wünsche und Forderungen. Die anderen Län­der und (Böller fühlen wirtschaftliche Schwie­rigkeiten und Spannungen, aus denen sie her- auSkvmmen mochten, sie grübeln nach über die Stabilisierung der Wechselkurse, die doch wie­der einmal kommen muß. Der englische Wirt­schaftssachverständige Keynes, dessen An­sichten wir gestern darlegten, stellt eine Tat­sache fest, die den Beginn der Genueser Kon­ferenz kennzeichnet: es gibt kein einziges euro­päisches Land, dessen Regierung klargelegt hat, ob sie die Politik verfolge, den Wert der Währung des Landes zu heben oder die Wäh­rung zu stabilisieren. Wirklich, man würde auch in Deutschland in Verlegenheit kommen, diese Frage für unser Land zu beantworten. Auch der gerissenste Geschäftemacher ist nicht in der Lage, diesen Schleier der Zukunft zu lüften; die harte Ruß wird nicht von Findigkeit, son­dern allein von dem schweren Stein des Schick­sals zerknackt. Keynes macht bcftimmte Vor­schläge, mit denen er jedoch den vorher er­forderlichen Aufräumungsarbeiten vorauseilt. Bevor man etwas Sicheres über die Währung eines Landes ausmachen kann, muß man doch seine Verpflichtungen, sein politisches Schicksal einigermaßen überblicken können. Ein politi­sches Reinemachen muß stattfinden; bisher hat die Diktatur der sogenannten Sieger nur den Krieg an Zerstörungen noch übertrumpft. Die Teillösungen, die Herr Keynes vvrschlägt, sind auch noch höchst problematisch. Er mochte nur acrnc einmal einen Anfang sehen und will Den Versuch unverzüglicher Stabilisie­rung der Goldwährung auf folgende Länder beschränken: Großbritannien, Frankreich, Ita­lien, Belgien, die skandinavischen Lander, . Spanien, Holland, die Schweiz Und die Tschechoslowakei. Für Frankreich und Italien macht der englische Gelehrte selbst ein Frage­zeichen dazu. Er glaubt nicht, daß bei einem Wiederaufleben des Handels der Franken und die Lire ihren augenblicklichen Wert be­haupten konnten. Was sollen solche Lock­mittel? Man sollte lieber gerade auf die Dinge zugehen: zuerst Wiederaufbau eines wirklichen Friedens, Regulierung der gegenseitigen Verpflichtungen im Rahmen einer vernünftigen Möglichkeit: dann wird das Währungsproblem von selbst und natur­gemäß schnell sich lösen. Wenn nicht Recht und Gerechtigkeit die Welt von heute lenken kön­nen, so sollte man wenigstens der V e r n u n f t endlich den Weg freigeben. Das ist freilich nur deshalb so schwer, weil die gesamte KriegS- inö Friedenspolitik der Entente sich mit Will­kür und Anrecht so stark verbunden hatte, daß man sie nur schwer noch trennen kann. Man wollte uns versklaven und vernichten und kann es nicht durchführen, ohne sich selbst dem Ver­derben zu weihen. Die Bande gemeinsamer Schuld verknüpfen Lloyd George und Poin- care. Lloyd George warb durch die Veröffent­lichung seiner Denkschrift aus dem Jahre 1919 um mildernde Umstände, aber sein Verhalten trägt heute wie damals den Stempel der Un­aufrichtigkeit. Skrupellosigkeit. Wider besseres Wissen verübte er die Untat von Versailles, und wider besseres Wissen faßt er auch die Probleme von Genua am falschen Ende an. Dem eingebildeten? Siegerrecht Frankreichs läßt er Gerechtigkeit widerfahren; das Recht der Völkerdemokratte wirft er in die Rumpel­kammer.

Die deutsche Regierung hat in den letzten Tagen zahlreiche Beratungen abgehalten, aber ob sie zu einem vernünftigen Schluß gekommen ist, wissen wir nicht. Eine Antwortnote ist noch nicht an die Reparationskommission abgegan- gen; sie wird aber wohl infolge inoffizieller englischer und italienischer Einflüsterungen in einem höheren Grade entgegenkommend und demgemäß matt ausfallen, als nach der ent­scheidenden Reichstagssitzung zu erwarten war. Es sind in den letzten Tagen Rachrichten durchgesickert über ein neues Verhalten der Reparationskommission. Sie soll sich mit dem Gedanken tragen, einen Ausschuß zu bilden, der die Aufgabe hätte, die Möglichkeiten einer internationalen , Anleihe Deutschlands zu untersuchen, und in diesem Ausschuß soll sogar in bescheidenem Maße deutsche und neutrale M (Wirkung zügelnden werden. Zer »TemPL" 1

redet davon, die deutschen Eisenbahnen könnten als Pfandobjekt für diese neue An­leihe ausersehen werden. Wie bekommt man diese Anleihe? Warum sollte man nicht auch in Genua über diese wichtige Frage reden dürfen? Sie würde freilich auch nur wieder die Brücke bilden können zu dem verbotenen Gelände, das in Genua kraft des französischen Willens nicht berührt werden darf. Soll sich nun die deutsche Politik einfach den englischen Tendenzen anpassen und von diesen hoffen, daß sie etwas, wenn auch nicht viel, Ver­nunft und Fortschritt aus der Genueser Kon­ferenz hervorzuholen vermöchte, oder soll die buntgewürfelte Schar der deutschen Vertreter festen Sinnes und unbeirrbaren Mutes auf ihr Ziel losgehen: die Abschuttelung der bis­herigen unmöglichen und sinnlosen Gewalt­politik? Uns deucht, Herr Wirth und seine Getreuen könnten und müßten in Genua etwas fester und lauter für die deutschen Interessen eintreten, als es die Engländer und Italiener wollen. Cs ist beinahe sicher, daß Lloyd Ge­orge selber dies von den Deutschen erwartet. Und Amerika? Es ist in Genua nicht offiziell bertreten, weil die innerpvlitischen Verhält­nisse der Vereinigten Staaten dies nicht ge­statten. Hat doch die Ratifikation Der Washingtoner Verträge sich lange hinausge­schleppt, wodurch die Stellung des Präsidenten Harding nicht gerade gefestigt worden ist. Aber für Deutschenhaß ist drüben kein Raum mehr. Das hat die Rede des für Berlin be­stimmten Botschafters Houghton klar bewiesen. Wir haben die moralische Unterstützung Amerikas in einem Augenblicke erhalten, der für uns durch die unverschämte Rote der Reparationskommission kritisch geworden war. Der amerikanische Botschafter spielte deutlich darauf an, eine sogroße und stolze Ration" müsse auf die Dauer eine unwürdige Be­handlung abschütteln. Das sanfte Harfenspiel der Erfüllungspolitik wird in Genua, wo Deutschland doch gleichberechtigt auf­treten soll, keinen Eindruck mehr machen. Es besteht keinerlei Redeverbot, sondern nur die Übereinkunft, keine Beschlüsse in den Fragen des Friedensvertrages und der Repa­rationen Zu fassen, keine Entscheidungen zu fällen. Wir denken uns das Verhalten unserer Delegation nicht so, daß überraschende Fan­farenstöße von ihr ausgehen sollen. Die Kunst der deutschen Staatsmänner mußte vielmehr auf.gute Vorbereitungen, ein wirksames Zu­sammenarbeiten mit anderen Geladenen, -Be­dacht nehmen. Das Fehlen einer groß an­gelegten, bei aller Höflichkeit rückhaltlosen Rede über die Lasten und Röte des deutschen Volkes, soweit sie uns zugleich eine Schmach bedeuten, würde uns von der Welt wahr­scheinlich direkt verübelt werden. Auch das Mittel dramatischer Steigerung darf nicht ver­schmäht werden, und das Beste der Leistun­gen muß sich in den Diskussionen hervortun. Dort muß immer wieder geschickt auf den Kern der Dinge hingelenkt werden, um den die andern wohl mehr oder weniger herum­gehen wollen. Und, was die Hauptsache ist, alle innerpolitischen Eitelkeiten können und müssen zu Hause gelassen werden. Jetzt hat der Reichskanzler Dr. Wirth, der bisherige Schiffer auf den Binnengewässern, erst zu be­weisen, ob er auf weitem Meer der rechte Fährmann ist. Er übernimmt in Genua eine ebenso bedeutsame Rolle, wie einst, in noch finstereren Tagen, Dr. Simons in London. Heute wird mit einem größeren Maßstabe der Erfolg oder der Mißerfolg gemessen wer­den, denn Herr Dr. Wirth steht als freier Deutscher vor den Völkern, während Dr. Si­mons beinahe wie ein Gefangener vorgeführt wurde. Der deutsche Kanzler soll in Genua den deutschen Schild hochhalten, soll Vertei­diger, aber zugleich auch leidenschaftlicher An­greifer und nur in verschwindendem Maße zuletzt auch der Erfüllungspolittker von gestern sein. Genua muß, wenn es auch nicht zur völligen Befreiung Deutschlands führen mag, ein Platz der großen Abrechnung werden, denn die Gewalttaten, Lügen und Irrtümer in der neuen Epoche des sogenannten Friedens sind grausamer, tückischer und ge­fährlicher als diejenigen, die den Weltkrieg Anleiteten. Das deutsche Volk ist frei von jeg­lichem Optimismus, aber es erwartet von den Genueser Tagen viel! Wir wollen hören die Hammerschläge der Wahrheit und spüren den Frühling einer praktischen Humanität, nachdem der Stern der falschen Propheten im Verlöschen begriffen ist.

Französischer Millionenvorschutz für Oesterreich.

Paris, 7. April. (Havas.) Die Kammer nahm heute einen Gesetzentwurf an, durch den Oesterreich ein Vorschuß von 55 Millionen Frank gewährt wird. ,

Dor der Eröffnung der Konferenz.

Ans der Fahrt nach Genna.

Berlin, 7. April. (WTB.) Der Reichs- tangier reiste heute abend um 8 Uhr 32 Min. vom Anhalter Bahnhof aus zu einem kurzen Aufenthalt nach Freiburg ab. Er begibt sich von dort nach Genua.

Wien, 7. April. (WTB.) Bundeskanzler Schober und Dundesminister Grünberger ind heute abend nach Genua abgereift.

Wien, 7. April. (WTB.) Bundeskanzler Dr. Schober äußerte sich vor seiner Abreise nach Genua gegenüber dem Herausgeber der Korrespondenz Herzog folgendermaßen: Ich habe die begründete Hoffnung, durch'persönliche Aus- prache mit den leitenden Männern der Entente eine günstige Stimmung für Oester­reich zu erzielen, zumal da wir auf Grund der durch den Friedensvertrag geschaffenen Ver- hältnisse berechtigten Anspruch auf die tätige Hilfe des Auslandes beim Ausbau unserer Bun­desstaaten haben. Es wird unsere Ausgabe fein, weniger in dem Konferenzsaal selbst, als vielmehr in Unterredungen mit den führenden Staats­männern der Entente und den in Genua versam­melten Vertretern der Presse der Welt usw. für Oesterreich eine lebhafte Propaganda zu be­treiben.

Budapest, 7. April. (WTB.) Heute vor­mittag reiften die Mitglieder der ungarischen Delegation für Genua unter Führung des Ministerpräsidenten D e t h l e n ab.

Die deutsche Delegation.

Berlin, 8. April. Zu den bereits ge­nannten Sachverständigen für Genua tritt noch der frühere Reichsschatzminister Dr. von Raumer. Die deutsche Delegation für Ge­nua, die heute Berlin verlassen wird, nimmt lautDerl. Lokalanz." zwei Weißbücher mit, die den Titel:Material zur Vorberei­tung für die Konferenz von Genua" führen. Die beiden Weißbücher dienen der Delegatton als Unterlagen und enthalten Zufammenstel- lungen über wirtschaftliche Fragen.

Lloyd George bei Poincar6.

Paris, 7. April. (WB.) Lloyd George ist im Extrazuge in Begleitung von S i R o b e r t Home am 4.17 am Rordbahnhof in Paris angekommen. Ministerpräsident Pomcare und Iastizminster Bart hon, begleitet von einem Dolmetscher and "bem englischen Botschafter Lord H a r d i n g e, haben Den Wagen Lloyd Georges bestiegen. Der Ektrazag wurde alsdann auf der Ringbahn nach dem Lyoner Bahnhof umgeleitet. Währeich der Fahrt fand eine Unterredung zwi­schen den vier Ministern statt, die am 5.20 Uhr ihr Ende erreichte. Um 5 Uhr 35 Minuten hat der Extrazug Lloyd Georges die Reise nach Genua fortgesetzt.

Paris, 8. April. (WTB.) Die Mitteilungen der Morgenblätter über den Inhalt der Unter­redung zwischen Lloyd George, Poin- care und dem ersten ftanzösischen Delegierten, Zustizminister Bar t h o u, lauten verschieden. Ein offizielles (Sommunique ist über diese Ver­handlungen nicht ausgegeben worden. Weder Poincare nochBartbou haben, als sie den Sonder­zug Lloyd Georges verließen, der Presse irgend­welche Erklärungen abgegeben.

Rach demPetit P a r i s i e n" hat Lloyd George alles das bestätigt, was in Boulogne verabredet wurde. Beide Regierungschefs hätten also ihr vollkommenstes Einvernehmen über fol­gende 3 Punkte ausgesprochen: 1. Die Verträge dürfen nicht in Frage gestellt werden. 2. Das Reparationsproblem darf nicht berührt werden. 3. Selbst die Frage der Entwaffnung des russischen Heeres kann unter keinen Umständen die Frage der allgemeinen Einschränkung der Rüstungen nach sich ziehen. Cs sei verabredet worden, daß tn der vorbereitenden Sitzung die Führer der einladenden Staaten, auch Belgien, sich ver­einigen sollen. Sobald die Chefs der 5 großen Länder sich geeinigt hätten, könnten auch die Ver­treter der anderen Staaten zugezogen werden. Cs verstehe sich aber von selbst, daß die Vertre­ter Deutschlands nicht an allen Be­ratungen teilnehmen können. Das sei selbstverständlich, wenn man sich daran erinnere, daß die alliierten Mächte augenblicklich mit den Deutschen in der Reparation^ kommission in Dis­kussion seien, und daß diese Diskussion mit einem Bruch enden könne, wenn der Standpunkt der Al­liierten nicht angenommen würde.

Dach demOeuvre" ist die Unterredung delikat geworden, als die Frage der Organisation der Konferenz angeschnitten wurde und als der englische Premierminister feinen Plan entwickelte, einen beständigen Rat der Großmächte einschließlich Deutschlands emzusehm, der die Debatte leiten soll. Poincare habe erklärt, es scheine ihm unmöglich, den Ver- treter seines Landes mit den Delegierten der Staaten auf Fußgleichheit verhandeln zu lassen, denen gegenüber die Entente vielleicht bald gezwungen fein könnte, Zwangsmaßnahmen zu er­greifen Lloyd George habe jedes Besprechen über diesen Gegenstand vermieden, und zwar in einer so offenkundigen Art. daß daraus eine ge­wisse Verlegenheit entstanden fei Eine zweite Schwierigkeit habe fich anläßlich der Frage der Einschränkung der Rüstungen ergeben. Der eng­lische Premierminister habe erklärt, er wolle vor allen Dingen die Abrüstung des Sowjetheeres verlangen. Aber als man ihn gebeten habe, seine

Gedanken weiter zu entwickeln, habe er geantwor­tet und mehrmals wiederholt: Man muß in Genua zu einem Ergebnis gelangen. Wir gehen nicht nach Genua, um nichts zu erzielen,

Poincar^s Anweisungen

für die französischen Delegierten.

Paris, 7. April. (WTB.) Heute vormittag hat der Kabinetts rat die schriftlichen Anweisungen genehmigt, die Ministerpräsi­dent P v i n c a r 6 für die französische Delegation auf der Konferenz von Genua ausgearbeitet hat. Den Anweisungen liegt das Memorandum Poin« caräs vom 31. Ianuar zugrunde, in dessen Rah­men die Delegation ihre Vollmachten ausübei, soll.

Lloyd Georges Abrüstungspläne..

London, 7.2lpril. (WTB.)Evening Standard" zufolge besteht Grund zu der Annahme, daß Lloyd George die Ver­minderung der Landrüstungen zu einem der hauptsächlichsten Punkte seiner Ge­nueser Politik machen wird. Der Premier­minister sehe nicht ein, weshalb nicht eine zehnjährige militärische Ruhepause in der Art, wie sie in Washington beschlossen worden ist, festgesetzt werden könne.

Die Stellung der Schweiz.

Bern, 7. April. (WTB.) Schweizerische Depeschenagentur. In Erledigung einer Inter­pellation im schweizerischen Rattonalrat er­klärte Bundesrat Motta über die Stel­lung der Schweiz zur Konferenz von Genua folgendes: In die Friedensver­träge mischen wiruns nicht ein. Wir wurden es begrüßen, wenn dem Döllerbund die Durchführung der Beschlüsse übertragen würde. der russischen Frage werden wir eine kluge und loyale Haltung einnehmen. Der Bundesrat wünscht, daß die Konferenz von Genua eine neue Aera des Friedens und der Gerechtigkeit einleite.

Amerikas Forderungen an Russland.

ßonbon, 7. April. (WTB) DieTimes" meldet aus W a f ß i n g t o n: Don offizieller ame­rikanischer Seite verlautet, daß, wenn irgendwelche Pläne von den Alliierten in ®enua ausgestellt werden bezüglich der Fundierung der russi­schen äußeren Schuld, die Vereinigten Staaten auf der Beteiligung unter den gleichen Rechten bestehen werden ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß sie auf der Konferenz nicht offiziell vertreten sind. Rußland schulde der amerikani­schen Regierung und den amerikanischen Banken etwa 400 Millionen Dollars, und wenn den Vereinigten Staaten irgendeine Lösung, die in Genua gefunden würde, keine gleiche Behandlung zuteil werden lasse, dann würden sie Schritte tun, ihre Rechte ohne Rücksicht auf die anderen Mächte zufchützen.

Die russischen Verpflichtungen an Japan.

London, 6. April. (Wolff.) Die ..Times" berichtet aus Tokio, daß der lavanische diplo­matische Rat mit Bezug auf die Teilnahme an der Konferenz von Genua beschlossen habe, der Am erlennu->g der Sotojetregierung richt zu- zustimmen, bevor die russischen Verpflichtungen cm Zapan in Höhe von 200 Millionen an­erkannt fei

Die deutsche Antwort auf dieNote der Reparationskommission.

Berlin, 7. Apttl. Die deutsche Ant­wort auf die Rote der ReparationSkommis- sion wird lautDeutscher Allg. Ztg." endgültig ferüggestellt und so bald wie mög­lich dem Berliner Vertreter der ReparationS- kommission Haguenin übergeben werden. Die Veröffentlichung des Inhalts kann ent­sprechend dem diplomatischen Brauch erst nach der Ueberreichunq erfolgen. Mitteilungen, die namentlich in Pattser Blättern über ihren Inhalt verbreitet werden, können nur als Kombinatton angesehen werden. Zu der Korrefpondenzgneldung, daß sich der Ham­burger Bantter M e l ch i o r zu Besprechungen mit der Reparationskommission über finan­zielle Fragen nach Paris begeben habe, er­fährt dieDeutsche Allg. Ztg.", daß Mel­chior eine solche Reise jedenfalls nicht im amtlichen Auftrag angetteten habe.

Berlin, 7. April. (Wolff.) Der Aus­wärtige Ausschuß des Reichstages trat heute zusammen, um die Richtlinien der Antwort auf die Reparationsnote zu erörtern. Der Reichs­kanzler und der Außenminister sowie der Staats­sekretär v. S im f o n gaben Erklärungen ab. Cs äußerten sich dann Helf f erich (Dntl.), S t re» femann (D. Bp.), Sernbutg (Dem.), Got - Hein (Dem.). Dauch (D. Bp.) und Stinnes (D. Dp.). Don der Reichsregierung waren außer­dem anwesend Vizekanzler Dauer und der Reichs- wirtschaftsminisler.

General Scmenow in Washington verhaftet.

Paris, 7. April. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aus Reuyork ist gester» abend der Kosakenfützrer. General Seme?