Ausgabe 
7.12.1922
 
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Donnerstag, I. Dezember 1922

Erstes Blatt

U2. Jahrgang

gleidjlautenDe eruaru Der Havasmeldung 5 seine politischen Glosst

en hinzugefügt.

kornmission durch ein

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m e n c e a ding, b. über den

Mi- von

mit denen Frankreich zu tun habe, in Erwägung gezogen worden sei.

Clemenceau hat den Pressevertretern

gleichlautende Erklärungen abgegeben und, wie ju entnehmen ist. natürlich

Eine Räuberbande in Tsingtau.

London, 7. Dez lWTD.) Sine Reutzorks Meldung aus Tientsin besagt, hiesige Räu­berbanden hätten den Ha^en von Tsingtau, der gestern an Edina zurückgegeoen werden sollte, beseht Die Bevöl'erung sei geflohen. Japa­nische Torpedojäger seien nach Tsingtau unterwegs, um die dortigen Japaner zu schützen.

halte sie sich eine Mitteilung vor.

Die französischen Süyneforderungen. Berlin, 7. Dez. Der bayerische nisterpräsident von Knilling ist gestern

Die Verfassung Irlands.

London, 7. Dez. (WTB.) Gestern wurde eine Sitzung des Kronrates abgehalten, m der der König die Prollamation unterzeichnete, durch welche die Verfassung te3 neuen i r i- | d>e n Freistaates Gesetzeskraft erhält und durch die die Ernennung Healys zum General- gcilverneur bekanntgegeben wird. Healy wird heute den Eid ablegen. Mit der Veröffentlichung der Proklamation tritt die Verfassung in Kraft. Irland nimmt damit die Stellung eines Domi­nions mit Selbstverwaltung innerhalb des britt- schen Reiches ein.'

Paris, 6. S«. (MTV.) Havas berichtet aus Washington über den Empfang Cle- us beim Präsidenten Har- r Präsident habe sich eine Aeußerung 'Besuch Clemenceaus Vorbehalten unb nur erklärt, baß dieser ein Höflichkeits­besuch gewesen sei. in dessen Verlauf keinerlei Staatsangelegenheiten ernstlich zur Sprache ge­kommen und keines der schwierigen Probleme,

Die Aussichten der Londoner Konferenz.

London, 7. Dez. (WTB.) Der Pariser Terich erstatter brrTimes" schreibt, das Er­gebnis der Londoner Zusammenkunft sei zweifel­haft. Es sei zu befürchten, dah Pvinca r6 sich trieb er zu übermäßiger Zurückhaltung ver­leiten lassen werbe unb er ebenso wie bei seinem früheren Besuch? in Lonbvn ben von ihm für ge­fährlich angesehenen Weg einer enbgültigen Stellungnahme zu ben Problemen ver­meiden werbe Die Gonboner Zusammenkunft d? daher verhältnismäßig wertlos sein. Die Mitteilung, bah Poincars seinen Plan für bie Brüsseler Konferenz Vorbehalten wolle, sei baher nicht ganz befriebigenb.

. .... militärtschas ©arantie- komitee ersetzt werden. Die einzige Frage, über

Regierungen zu handeln bereit seien, sei die Abänderung von Einzelheiten in Zusammensetzung des Darantiekomitees. gegen beabsichtigten die alliierten Regierungen mit der deutschen Regierung m keinerlei Verhand«

Die Konferenz von Lausanne.

Die zweite Verhandlung über die Mccrcnqcnfragc.

Lausanne, 6. Dez. (WTB) In der heu­tigen zweiten Sitzung über bie Meer­engenfrage machte Curzon Tschitscherin darauf aufmerksam, dah Rußland die Rollen heute vertauscht habe und eine Haltung ein» nehme, bie früher andere Mächte eingenommen hätten. Ruhland habe nickt das Recht, namenS aller ilfeiftaaten zu sprechen, denn außer Ruß­land, der Ukraine und Georgien seien auch noch Bulgarien und Rumänien zu berücksichtigen. Auch die Türkei sei ein ilferftaat, und wenn Ismet Pascha erklärte, baß der türkische Sianbp mit sich am meisten bem russischen nähere, so sei es für ihn zweifelhaft, ob die türkischen Interessen wirklich den russischen entsprechen. Auf jeden Fall könne Rußland keine bevorzugte Rolle bean­spruchen. Hierauf gab Curzon die allgemeinen Linien des alliierten Projektes bekannt, denen folgendes zu entnehmen ist: 1. Freiheit der Handelsschiffahrt ohne irgendwelche Beschränkung der Tonnage in Friedenszeiten, wie in Kriegszeiten, falls die Türkei neutral bleibt. Wenn die Türkei nicht neutral ist, bleibt bie Freiheit der Durchfahrt nur für die neutralen Schiffe, sofern sie keine Konterbande führen. 2. Die Zahl der Kriegsschiffe einer Macht darf im Schwarzen Meere niemals diejenige der stärksten Seemacht eines ilferftaated überschreiten Ist die Türkei nicht neutral, so besteht bie Mög­lichkeit nur für bie neutralen Kriegsschiffe. 3. Zwecks Entmilitarisierung einer ge­nau zu bestimmenden Zone soll eine aus, je einem Vertreter der Uferftaaten des Schwär.en Meeres, Frankreichs, Englands, Italiens unb Griechen­lands sowie der Vereinigten Staaten bestehende Kommission ernannt werden. 4. Gewähr­leistung des Schutzes Konstantinopels nach später festzusetzenben Modalitäten.

Die Vertreter Frankreichs unb Ita­liens stimmten den Ausführungen Curzons zu. Der amerikanische Vertreter erklärte sich als Anhänger ber völligen Freiheit bes Han­delsverkehrs. Der jugoslawische Vertreter schloß sich ebenfalls ber Auffassung ber Alliierten an. Tschitscherin wies sehr lebhaft Curzons Aus­führungen zurück. Die nächste Sitzung würbe auf Freitag vormittag festgesetzt.

Ur. 288

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Schwierigkeiten stets bas Wohl bes Tanzen zu berücksichtigen. Weitere B?sprechungen werden fol­gen. In der Zwischenzeit wirb enge Fühlung mit Den Ländern unb ihren Vertretern im Reichsrat genommen werden.

Frage der

der

Die Schuld am Kriegsausbruch.

* Berli n, 6. Dez. (Wolff ) In einem Kapitel auS ben Betrachtungen unb Erinnerungen M o l t- keS, bas dieDeutsch? Allgemeine Zeitung" ver­öffentlicht, betont der ehemalige Generalstabschef neuerlich, baß es für feinen Unbefangenen einem Zwcisel unterliegen kann, baß Rußland es war, welches den Ärieg entfacht hat. In einer Schil­derung der Ereignisse vom 2. August 1914 kommt Mcltke bann auf die Depesche 'm nick, bie der da­malige Botschafter am englischen Hof, Lich- n o w s k y, gesandt habe, in ber bitfer mitteilte. England wolle bie Verpflichtung übernehmen, daß Frankreich nicht in ben Krieg gegen uns ein­treten werde, wenn Deutschland sich seinerseits verpflichte, keine feindselige Handlung gegen F-ankrcich zu unternehmen. Darauf ließ der Kaiser Moltke rufen unb erklärte ihm, nun könne man einfach mit ber ganzen Armee im Osten aufmarschieren. Moltke ertriberte, daß es ganz unmöglich sei, den Aufmarsch eines Mil - lionenheeres zu improvisieren, worauf der Kaiser sagte:Ihr Onkel würde mir eine andere Antwort gegeben haben." Moltke erklärte, baß ihn diese Antwort schwer gekränkt habe. Als es sich aber desselben Tages spät abends auf Grund ber Devesch? des Königs von England an ben Kaiser herausstellte, daß LichnowskyZ Telegramm aus einem Irrtum beruhe, und baß von einer Garantie Englands nicht die Rebe sei, sagte ber Kaiser, der bereits zu Bett gegangen, aber wieder aufgcflanben war und Moltke holen «ließ, jetzt fön.nnc Moltke machen, was er wolle, worauf Moltke den erneuten Befehl gab, mit dem Ein­marsch der 16. Division in Luxemburg zu beginnen.

Die Anfdrinqlichkeit Clemenceaus.

lungen über bie in der Rote vom 29. September angeführten fünf Hauptbebingungen einzutreten. Für diese Fragen sei einzig die Kontrollkommission zuständig. Die alliierten Regierungen würden es daher künftig ableßien, von der deutschen Regie­rung, außer durch Vermittlung der Kontrollkom­mission, irgendeine Mitteilung über die Aus-

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohnejede'Derdrndlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigern) 27 mm 'Breite örlUch 12 Mk, auswärt» 15 Mk ; für 'Behl amt« Anzeigen von 70 mm Brette 40 Mk. Ber Platz- oor|d)nft20v «Austchlag. Hauprfchristleittr: Aug. (boelj. Beraittwortlich fürPolitik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein; für ben Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

Der Umlagepreis für (Betreibe,

Berlin, 6. Dez. (WTB.) In Durchführung der Entschließung des Reichstags, bei ber Er­höhung der Abgabepreise der Reichsgetteide- stelle beüwrntzumachen, welcher Anteil an dem neuen Brotpreis auf die deutsche Landwirtschaft entfällt, wird bekanntgegeben: 1. Für die Zeit ab 30. Oktober wurde der Verkaufspreis der R.'ichs- getreibeftelle auf 30 000 Mark für bie Tonne Roggen erhöht, ber Umlagepreis für die Tonne Roggen für das erste Ablieferung sbrittel beträgt 28 300 Mark, wozu als Anteil des im besetzten Ge­biete und im besetzt gewesenen Tcile Ob rschlcsienS unb in Ostp-eußen gzahlten Zuschlia's von 1200 Mark pro Tonne brr Betrag von 120 Mark hin u- zurechnen ist. Die Landwirtschaft eroäU also für das erste Allie e urgsdrittel für die Tonnc Rog. en durchschnittlich 28 420 LRark, der Timlagepreis für die Tonne Roggen beträgt also 94.75 Prozent deS Abgabepreises ber Reich^getreibestette. Rach bet Preiserhöhug vom 30. Oktober war ein Preis von durchschnittlich etwa 90 Mark für ein 1920-®; amm- Drot zu verzeichnen. Der Anteil des Umlage- preises für Roggen am Brotpreis beträgt unter Zugrundelegung ber Dackausbeut' von 135 Kilo­gramm Brot aus 100 Kilogramm Me l 52.?0 Proz. des Drotpreises, das ist einige Prozent niedriger als vor dem Kriege, wo auf den Preis für Ge­treide 57 Prozent des Drotpreises entfielen. 2. Für die Zeit ab 4. Dezember wurde der Ver­kaufspreis ber Reichsgrtreidefte.lle auf 90 000 Mark für die Tonne Roggen erhöht. Der Umlage« preis für das dritte Ablieferunvssechstel ist noch nicht festgestelll. Will man jedoch, obschon damit wenig vergleichbare Faktoren in Dezie'ung gesetzt werden, der älmlagepreis für das erste Abliese- iungsdrittel, also 28 420 Mark pro Tonne Roggen dem genannten Verkaufspreise gegen überstellen, s« ergibt sich, baß der Umlagepreis für das erste Ablieferungsdrittel rund 31.60 Prozent des Ver- kaufspreises beträgt

führunz ber fünf Bedingung n cntee-enzunehmen. Sic müßieu somit bie deutsch? Antwortnote vom 27. Oktober alS gegenstandslos ansehen unb er­warteten spätestens dis 10. D^ember eine voll­ständige und endgültige Antwort auf die Kollek­tivnote vom 29 September

Di? Antwort ber deutsch ? n Regie­rung vom 27. QloDcmber Hedi y^roor, daß bie deutsch? Regierung keineswegs beabftdßtige, bie fünf Puntt? zu ignorieren Sie sei sich auch dessen bctoußr, daß bie vorherige Erledigung dieser Frage die Voraussetzung für die Einsetzung des voraeschlagene!' Garantiekomitees bilde. 5>a di? Prüfung ber Erledigung der fünf Punkte jedoch längere Zeit beanspruch?, habe bie deutsch? Re­gierung geglaubt, vorweg ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen über das in Aussicht genom­mene Garantiekomitee aussprechrn zu wollen. Rach bem Wortlaut ber beutschrn Rote vom 27. Ok­tober sollten b" Derhanblungen sich nicht auf bie fünf Punkte, sondern nur auf das Garantie­komitee beziehen. Bezüglich der fünf Punkte, mit denen sich bie deutsch? Regierung beschäftige, be-

Berlin nach München zurückgereist. Lieber das Ergebnis der Berliner Verhandlungen be­treffend die Antwortnote der deutschen Re­gierung auf die Sühneforderung der Entente für die Vorfälle in Ingolstadt und Passau will eine Korrespondenz wissen, daß an Stelle der bayerischen Regierung di'.ReichS- Mgierung die in der Ententenote verlangten moral', en Genugtuungen geben werde. Be- AÜQÜcb der den beiden Städten auferlegten finanziellen Bußen werde dis deutsche Ant­wortnote Vorschlägen, die Entscheidung eines internationalen S^ieds^erichts anzurufen. Wie die Blätter mitteilen, wird die diesbezügliche Rote vorauSsichllich am Frei­tag übergeben werden.

Ein Protest des preußischen Staatsrates gegen Frankreich,.

Berlin, 7. Dez. (WTB.) Der preußische St aatsrat hielt am Mittwoch nachmittag eine Vollsitzung ab. Zu Beginn ber Sitzung gab Dize- pväfibent Graes namens aller Fraktionen fol­gende Erklärung ab: Unter Mißachtung der Grund­lage des Derfailler Friedens und völliger Ver­kennung ber Deutschland gegebenen Erfüllungs- Möglichkeiten erstrebt bie Gewaltpolitik der fran­zösischen Machthaber nach offen ausgesprochenen Drohungen die Loslösung rheinischen Landes vom Reich und eine weitere militärische Besetzung des Industriegebietes. Als verfassungsmäßig berufene Q3.rtre.uni"; b?r bedroh­ten Provinzen ergebt brr preußisch: Staatsrat ein­mütig Einspruch gegen solch? Absichten und Dro­hungen. Mit großer Genugtuung stellt r S aats- iat fest, baß alle Lockungen und Einschüchterung-- versuche am Rhein entrüsteter Ableh­nung begegnen. Er vertraut darauf, baß bie Treue ber Rheinländer und ihr unerschütterlicher Wille, deutsch zu sein und deutsch zu bie. c en, durch eine entschlossene Regierungspolitik gestützt wird. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker muß auch für bie Rhein lande gelten.

Berlin, 7. Dez. (WTB.) Ohne Einspruch erteilte der preußische Staatsrat seine Zustimmung zu dem Gesetzentwurf wegen Aenderung ber Lanbesgerichtvbezirke Wiesbaden, Frankfurt a. M. und Limburg.

Die Besprechung mit den Ministern der deutschen Länder.

Berlin, 6. Dez. (WTB.) Die gestrige Be­sprechung mit ben präsibierenden Ministern ber heutigen Länder wurde heute vormittag beim Reichskanzler fortgesetzt. Einen breiten Raum nahm in der Aussprache bie Ernährungsfrage ein, wobei bie Sicherung ber Ernährung in biefem und bie Vorsorge jrür das nächste Erntejahr eingehend erörtert wurden. IilS- befonbere wurde die Möglichkeit einer Steigerung ber lanbwirtschaftlichen Produktion beraten. Die Erörterung einschlägiger technischer Einzellragen wurde am Rachmittag im Reichsemähruugsmini- sterium unter dem Vorsitz des Reichsministers Dr. Luther fortgesetzt, ber für bie nächsten Tage eine weitere Besprechung mit den Ernährungsministern der Länder Dorgefeßen hat. In außenpoli­tischer Hinsicht beflanb volles Einverständ­nis darüber, daß bie Rote an bie Reparations­kommission vom 13. Rovember die Grundlage für die zu befolgende Politik bilben soll, und baß seitens der Reichsregierung nichts unterlassen wer­den dürfe, um in der Durchführung ber Rote za einem positiven Ergebnis zu gelangen. In ber Frage des Ahe Inlandes unb der besetzten Gebiete stimmten bie Vertreter der Länder ben in ben Reden des Reichskanzlers vom 25. Rovem­ber und 3. Dezember abgegebenen Erklärungen ein­mütig zu. Im übrigen wurden die gestern erstat­teten Berichte ber Ressortminister des Reiches durchgesprochen unb zu ihnen wertvolle An­regungen gegeben, beren weitere Bearbeitung von ben Ressortministern ausgenommen worben ist. Der Reichskanzler stellte den einheiilichen OBUlen sämt­licher Vertreter ber Länder fest, in gemeinsamer Arbeit an der Besserung ber äußeren unb inneren Lage mitzuwirken unb auch bei auftauchenden

Ein Notenwechsel zwischen Deutschland und den alliierten

Mächten über die Militär- Kontrolle.

Sin neuer Beleg dafür, welcher Act derFriedensgeist" ist, in dem die Botschaft er- kvnferenz, besonders deren Bors tzendcr Pvin- car6, mit der deutschen Regierung zu ver­handeln pflegt, ist in den nachstehenden Ver- öffentlichungen enthalten. Die deutsche Re­gierung sucht der Oeffentlichkeit damit wohl zu erklären, wie sich der französische Kvntrvlleifer in die Siedehitze der bekannten Sühnenote hineingesteigert hat. Mit sich verhandeln lassen will Herr Poincar6 nicht, er will nur diktieren! Untere Regierung handelt gleichwohl vernünftig, wenn sie der nervösen Litanei der Franzosen eine ruhige und feste Besonnenheit entgegensetzt.

Berlin, 6. Dez. (WTB.) In der Frage der von derDotschafterkonserenz In ber Rote vom 14 April 1922 über bie inter­alliierten Luftfahrt- unb Kontroll­kommissionen vorgeschlagenen Er'etzung ber Militär-Kontrollkommission durch ein nach bem Muster des Lu'tfcrhrt-Garantie-Komitces gebil­detes Militär-Garantiekornitec hat zwischen ben alliierten Mächten unb ber deutschen Regierung ein Roten wechsel ftattcerunben, ber jetzt ver­öffentlicht wirb. In ber Kollektivnote ber belgischen, französischen, großbritannischen, japanischen und italienischen Regierung vorn 2$. September wird eine Reihe von Bestimmungen auf gezählt, bene.i nach Ansicht der alliierten Regierungen von selten ber beutldxm Regierung noch nicht entsprochen worden und auf die besonderer Wert zu legen fei. nämlich R.-Organisation ber Polizei, Umstellung ber Fabriken, Ausliefening de; Restes bes nich' >ugdaMenen Materials, Auslieferung ber auf bic Bestände an Kriegsmaterial zur Zeit des Waffenstillstandes unb aus bie Tätigkeit ter Fabriken während des Krieges bezüglichen Schriftstücke, Veröffentlichung von ge'etzlichen Be­stimmungen, durch die die Gin- unb Ausfuhr von Kriegsmaterial wirksam verboten und die Rekrutierung und Organisation bes Heeres mit den mstitänschen Bestimmungen deS Friedens- Vertrags in Einklang gebracht werden soll. Gleich­zeitig mit dem Hin.vel-s auf diese Bestimmungen betonen die alliierten Regierungen ihren Wunsch, bie von ber interalliierten Militär»Kontroll­kommission Deutschland auferlegten 2a ft en au erleichtern, indem sie diese Kommission sobald als möglich zurückzicchen. Eine derartige Erleichterung könne aber nur durchgeführt wer­ben, wenn die enbgültige Erledigung ber in ber Rote aufgestellten Forderungen sichärgestellt sei.

Die Antwortnote des Reichskanz­lers vom 27. Oktober nimmt von bem Vorschlag ber alliierten Regierungen, bie in erallüerts Mili- tärkontrollkommisfion durch ein Militär-Garantic­komitee zu ersetzen und dadurch die Deutschland auferlegten Lasten zu erleichtern, Kenntnis und begrüßt mit Genugtuung den dieser Absicht zu- grunbe liegenden Wunsch, in ben Beziehungen zur deutschen Regierung möglichst bald zu normalen Verhältnissen zurückzukehren Die deutsch? Regie­rung erklärt sich bereit, mit den alliierten Mäch­ten über ben obigen Vorschlag alsbald in Ver­handlungen einzutreten, wobei sie von der Vor­aussetzung ausgeht, daß durch diese VerhanL-lungen eine Beschränkung der Kontrolle auf das im Art. 213 des Versailler Vertrages vorgesehene Maß vorbereitet werden soll.

Hierauf folgte am 27. Rovember eine Rote beS Vorsitzenden ber Botschafter- konserenz, in ber darauf hingewiesen wird, baß die a(liierten Regierungen erst dann, wenn sie betreffs ber in ihrer Role vom 29. September aufgeführten Punkte zufriedengestellt feun, die Möglichkeit ins Auge fassen könnten, Deutsch­land die ihm von der interalliierten Militär-Kon­trollkommission auferlegten Lasten zu erleichtern. Die Rote erhebt gegen die deutsche Regierung den Vorwurf, daß sie in ihrer Antwortnote vom 27. Oktober auf die Forderungen ber alliier­ten Rote vom 27. September nicht eingegangen fei. Sie erblickt darin den Ausdruck der Absicht ber brutschen Regierung, in der Ausführung ber militärischen Bestimmungen bes VersaMer Ver­trages nicht weiter zu gehen. Dre Rote sieht in ben Zwischenfällen in Stettin und Passau am 17. September und 24 Oktober den Beweis dafür, baß der den amtlichen Organen ber Kon­trollkommission geleistete W.berstand, anstatt auf­zuhören, ein Gepräge von unerträglichem Ernst angenommen habe, unb erklärt, daß die inter­alliierte militärische Kontrollkommission in ihrem jetzigen Personalbestände in Tätigkeit bleiben werbe, bis die in der Kollektivnote vom 29. Sep­tember festgesetzten Bedingungen völlig erfüllt worden seien. Erst bann könnte biefe KoMroll-

Ein neuer Reparationsplan der Regierung?

Berlin, 6. Dez. DieVoss. Ztg." teilt mit, baß innerhalb bes Reichskabinetts ein Plan beraten worden fei, ber barauf hinaus­laufe, mit ben Alliiertem zu einer umfassenden Regelung üler die gefamteiiReparationsv-erpflich- tungen Deutschlands zu gelangen. Mit hervor­ragenden Vertretern der deutschen Wirtschaft fei nach dem Blatt Fühlwrg genommen worden, um die Mitwirkung ber Industrie bei dem neuen Reparationsplan zu gewinnen. Die Ver­handlungen über den Plan seien noch nicht ab­geschlossen. Sein Hauptgedanke fei, auf bem Wege Der Verhandlungen mit den Alliierten zu einer Begrenzung und Reufest setzung der Reparationsverpflichtungen D?atsch- lands zu gelangen und ferner, wie es in der Mrt- teUung einer Korrespondenz heißt, sofort eine in­ternationale Anleihe aufjuneßmen, von der ein Teil Frankreich zugute Zorn men soll, während mit bem anderen Teil die S abilisierung der Mark an­gestrebt werden soll. Während dieVoss. Ztg." es noch als unentschieden bezeichnet, ob der neue Vorschlag der deutschen Regierung den Alliierten vor ber Londoner ober erst vor der Brüsseler Kon­ferenz, übermittelt werden wird, meldet dieDeut­sche Dllgem. Zeitung", baß nach Verlautbarungen aus parlamentarischen Kreisen bie deutsche Re­gierung noch vor Montag, d. h. vor bem Beginn ber Londoner Brratungen, mit dem positiven Vor­schlag an bie Reparationskommission herantreten w.-rde Di? ..Voll. Ztg." 'hält es für wahrscheinlich, daß der Reichskanzler in ber für Samstag an­beraumten Sitzu-ig des Auswärtigen Aus­schusses ausführlichere Erklärungen über den Reparationsplan abgeber werde. Laut dem -Lo­kal-Anzeiger" srnb zu Freitag bie Parteiführer zum Reichskanzler gebeten worben.

GietzenerAnMer

General-Anzeiger für Oberheffen

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