Ausgabe 
7.12.1922
 
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Elne schwedische Samariterspende.

Berlin, 6. Dez. (WTB.) Die mitgeteilt wird, hat drr schwedische Bischof Soe- d e r b l o m eine großzügige Samariter- spende der schwedischen Kirche für das evan­gelische Deutschland angeregt, zu der die schw.chische Bijchosstonserenz die evangelischM Ge- meinde^r deS Landes aufgerufen hat.

Aus dem Reiche.

Die nenen SteuerplLne des Reichs stnanz- mmisters.

Berlin, 6. Dez. (Wolff.) 3m Steuer- auSfchuß des Reichstags machte der Reichs- f i n a n z m i n i st e r längere Ausführungen über die Pläne der Regierung zur An­passung Der Steuern an die Geldent­wertung sowie zur Erreichung der be- schleunigtenEin Zahlung der Steuern. Danach beabsichtigt der Reichsfinanzmini­ster diese Fragen in einem besonderen Gesetz zu regeln, das dem Aeichsrat und Reichstag sobald wie möglich zügehen soll. Die Abän­derung des Gesetzes über die Zwangsan­leihe müsse aber jetzt schon getrennt behan­delt werden. Die Begrenzung des durch die Zwangsanle he aufzubringenden (Betrages sei nach der Geldentwertung der letzten Monate unmöglich geworden. Die Anpassung der E i n- kommensteuer solle in einem bereits vor­liegenden Gesetzentwurf geschehen, die der Vermögens- und Erbschaftssteuer einem Ge­setzentwurf Vorbehalten bleiben, der im all­gemeinen die Auswirkung der Geldentwer­tung bei der Steuergesetzgebung berücksichtigen wird. Zur Beschleunigung Der Zahlung Der Einkommensteuer soll künftig in einer Weise verfahren werden, das) jeder Steuerpflichtige gleichzeitig mit der Steuererklärung den Be­trag einzuzahlen hat, den er nach seiner eige­nen Steuererklärung an Einkommensteuer schuldet, soweit er nicht durch Vorauszahlung oder Lohnabzug gedeckt ist. Falls die Entrich­tung der Steuer nicht zu dem vorgeschriebe­nen Zeitpunkt erfolgt, soll künftig für jeden angefangenen oder vollen Monat ein Zuschlag von 10 Prozent gezahlt werden müssen. Diese Maßnahme sei auch für die Körperschafts­steuer, Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer geplant. Schließlich teilte der Finanzminister mit, daß die auf Grund einer Reichstagsent- schlietzuna eingesetzte Kommission von ge­lehrten Wirtschaftlern zur Untersuchung Der Frage des Goldtarifs in Der überwiegenden Mehrheit Die Festsetzung des Goldtarifs für undurchführbar und volkswirtschaftlich schäd­lich erklärt hat.

Zunehmende Hungersnot.

D e r l i n, 6. Dez (Wolfs.) In der am 4. Dez. wie alljährlich abgehaltenen Besprechung der Re- gierungs- und Medizinal rate der preußischen Re- gierung wurde vor allem darüber verhandelt, welche gesundheitlichen Maßnahmen die augenblickliche Ernährungslage erforderlich mache. Die Berichte, wie die Aussprache be­urteilen dem amtlichen preußischen Pressedienst zufolge die gesundheitlichen Folgen der Srnäh- rungsläge als außerordentlich ernst. Die durch die Neuerung bedingte Ernährungsbeschränkung triffrf astdasganzeBolk. Dazu befindet sich ein ipcht unerheblicher Volksteil, besonders Rent­ner, Witwen usw. bereits in Hungersnot. Falle von .tatsächlich Verhungerten werden aus der letzten Zeit aufgeführt. Außerdem werden auch jetzt wieder Fälle von Hunger krankheiten im eigentlichen Sinne, wie 1917/18, beobachtet.

Der Dhraterftreik in Berlar.

Derli^n, 6. Dez. (Wolff.) Aach der »B. 8 ist die Lage im Theater streik unver­ändert. -Sämtliche streikenden Dühnenangchörigen sihielten in einem eingeschriebenen Briefe die Mitteilung von der fristlosen Entlassung wegen Dienstverweigerung.

Aus Hessen.

Anträge nn Landtag.

rm. Darmstadt, 6. Dez. Die Abg. Dr. Werner, Brauer und Gen. (Dn. Vpt. und Bbd.) haben dem Landtag u. a. folgende Anträge unter­breitet :Wir beantragen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die noch nicht oder noch nicht voll­ständig vollzogene Vereinfachung des Staatshaushaltes ins Auge faßt. Zur Abänderung des Ministerruhegehalts- gesetzes vom 16. Juli 1919 wird beantragt, Die Regierung zu ersuchen, dieses Gesetz unter Berück­sichtigung der Verhältnisse ähnlich gearteter Bun­desstaaten abzuändern und dem Landtage alsbald eine Vorlage zu machen. Weiter beantragen diese Abgeordneten: Der Landtag möge die Re­gierung ersuchen, dem Vorgehen der freien Schweiz

Giehener Sradttheater.

Der Dulkan.

Lustspiel in 4 Akten von Ludwig Fulda. Gießen, den 7.Dez. 1922.

Daß die hohen und schönen Definitionen vom Wesen der Che, die Denker und Dichter ihr gaben, nicht immer mit Der Wirklichkeit übereinstimmen, beweist das Leben zur Genüge. Diese Gegensätze zwischen Theorie und Praxis sind schon vielfach dramatisch ausgewertet und dabei Begriffsbestim­mungen gefunden worden, die eine ganze Skala von tiefster Tragik bis zu höchster Komik bilden. Ludwig Fulda hat im Rahmen eines Lust­spiels eine neue Formel aufgestellt: Die Ehe ist ein Vulkan. Auf diesem Vulkan, der beim ge­ringsten Anlaß und fast ununterbrochen Feuer spsit, befinden sich zwei Menschen, Die sich im Grunde nach wie vor in Liebe zugetan sind, die sich aber als rechte Kinder unserer Zeit in ihrer Rervosität nicht verstehen können oder, besser ge­sagt, nicht vertragen wollen. Selbst eine mehr­wöchige Kur imChesanatorium". der sich beide nacheinander unterziehen, ist nicht imstande, die nötige Besänftigung der Gemüter herbeizuführen. So bleibt denn kein anderer Ausweg als Die Flucht von demVulkan" Durch die Scheidung. Rach mancherlei Schwierigkeiten wird endlich ein eigens zu diesem Zwecke fonflruieriev Scheidungs- qrund gefunden, Der die beiderseits erwünschte Trennung ermöglicht. Diese wird mit Dem Rat und Beistand eines Hausfreundes, Der als Jurist Sachverständiger ist, auch wirklich durchgesührt.

zu folgen und das detäudungSlvse Töten Der Tiere zu verbieten. Zur Verbesserung der Wahlgesetze beantragt die Fraktion: Der ^Landtag möge die Regierung ersuchen, einen Ge­setzentwurf vorzulegen, der allen Erfahrungen der Parteien bei Den Landtagswahlen, Kreis- und Provinzialtagswahlen entspricht. Hierbei fei zu be­achten, daß Die Zahl Der Landtags - abgeordneten tm Vergleich mit anderen grö-- heren Staaten diel zu hoch erscheint.

Das Urteil

im Prozeß Scheidemann.

Leipzig, 6. Dez. (Wolfs ) 3m © d? e l D c » mann-Prozeh wurden die Angeklagten wegen gemeinsamen Mordversuchs zu je 1 0 Jahren Zuchthaus verurteilt. Oelschläger außer- Dcm noch zu einem Monat Zuchthaus wegen un­erlaubten Wallrntragens Den beiden Angellag- ten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre aberkannt und ihnen die Kosten des Ver­fahrens auferlegt.

Die ArteslsbeFrSndung

führt aus, daß Die Angeklagten schon vor ge­raumer Zeit den Entschluß gefaßt hatten, Scheide­mann zu beseitigen und iAn für seine frühere politische Tätigkeit zu bestrafen, also aus Rache, nicht um Ihn an der ferneren Ausübung seiner politischen Tätigkeit zu verh.ndern. Dieser wohl­überlegte feste Entschluß, an einer ge­meinsam von ihnen zu begehenden Tat teilzuneh- men, in Deren ..Rüh.n" sie sich dann teilen sollten, ist Darauf auch zur Ausführung gebracht worden, allerdings nicht mit dem erstrebter Erfolg, weil durch einen Zufall daS verderbliche 'Ergebnis Der Tat vor Mindert wordeN ist. Westn die Angeklagten in Kassel wochenlang Die Ausführung dar Tat aufgesetzt Haden, so haben sie Doch alle Vorberei­tungen dazu getroffen. GZ ist nicht angängig, daraus den Schuß zu zickheN, daß die Angeklagten nicht willens waren, alsbald zur Tat ?:d schreiten. Es ist vielmehr möglich, Daß die .Angeklagten sich erst andere TDaf fen verschaffest wollten, daß sie IT'.T. re W-eisungen ihrer Führer oder weitere Geldunterstützung abwarteten, ist aber auch möglich, daß noch andere Personen als Teilnehmer in Betracht kommen. Alle Diese Mögkichk.iten frnb aber gleichgültig für ?ei Grad Der Verantwortlichkeit. Es ist ein Gift ver­wendet worden, von dessen Beschaffenheit es nicht xweifelh°ast war, daß es zur Torung des aus­gesuchten Opfers genüg'e, und von dem man wußte, daß es auch am Tage Der Tat noch voll­ständig wirksam war. Völlig gleichgültig ist eS, ob Der eiste oder andere der Ang-ckkagten vor Der Tat vielleicht vorübergehend waickelmütig se- worden .ist: denn es ;st durch die Bei.Handlung klaraestellt worden, daß Die beiden Angeklagten an Dem Tage, an Dem sie den Anschlag verübten, durchaus entschlossen waren, ihn auszuführen. Wenn die Angeklagten sagen. Daß der Gummiball von ihnen Durch Verbrennung aus der Welt geschafft werden sollte, um Damit Die Tat end­gültig zu begraben, so ist Das eine von ihnen tm letzten Moment vorgebrach'« Ausrede. Sie kst dadurch widerlegt, daß man einen derartigen Giftball nicht an einen Ort schleppt, wo man per üleberraschung durch Menschen ausgesetzt kst.

Die Auffassung der Verteidigung, daß bei H u ft e r t ileberlegung ausgeschlossen fei. da er von Oehlschläger, Der zuerst für Die Ausführung des Attentats bestimmt war, erst durch den Zu- ruf:Da, geh hin, mach du'S!" aufgefarDect wurde, in Aktion zu treten, ist nicht zutreffend. Denn die Beweisaufnahme hat ergeben, daß Hustert schon mehrere Tage vorher in Die gleiche Lage versetzt worden war. indem ihm die aus- führende Rolle zufallen sollte. Aks am Tage des Anschlages von Oehlschläger das gleiche Astsinnen an ihn gestellt wurde, übernahm er Den Auftrag ohne innere Hemmungen und schritt mit Der Ent­schlossenheit, die sich aus feiner Person ohne wei­teres ergibt, an die Ausführung, wie sie ihm der überlegene Genosse zugedacht hatte. Wie um­sichtig Hustert handelte, ergibt sich daraus, daß er ohne jede Aufregung vorging, mit der borbereiteten Waffe den Oberbürgermeister noch eine Weile verfolgte und die Spritze gerade gegen Die Körperteile richtete, durch die das Gift in die inneren Organe gelangen tortnte. Dann hat er genau den Rückweg angetreten, den er sich vor­genommen hatte. Auch bei Oehlschläger kann nicht angenommen werden, daß er gegen Die Aus­führung war, weil er sie selbst nicht übernahm. Er wollte das Verbrechen Damit Nicht verhindern, sondern wünschte nur, daß der andere es vollzog. Die Angeklagten sind daher beide des versuchten Mordes schuldig.

Bezüglich DeS Strafniahes ist zu berück­sichtigen, daß bei Den Angeklagten keine Spur von Sistficht zu beobachten gewesen ist. Sie ver­harren in einer Stimmung Des Ungehorsams und Des Widerstandes, die sie mitgebracht haben aus einem Milieu, dem sie bisher angehörten und das sie bestimmte, rücksichtslos Das zu vernichten, was ihnen politisch falsch erschien. Ob mit Recht oder Unrecht, das interessiert hier weiter nicht: denn der Gerichtshof ist sticht dazu Da, Die poli-

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Allein wie es nicht weiter überraschen kann nach mehreren Monaten finden sich Die beiden Gatten wieder, um Den Bund fürs Leben zu erneuern. Die Liebe war eben noch Nicht erkaltet, aber DerVulkan" auch nicht erloschen. Prompt öffnet er wieder seinen feuerspeienden Schlund und verjagt Den Freund und Berater, der sich mit der Bitte flüchtet bei Der nächsten Scheidung einen anderen Anwalt zu wählen. Das Stück, als Ganzes betrachtet, ist recht geschickt aufgebaut und ermangelt in der ülebertragung Des Motives aus modernste Verhältnisse nicht Der Originalität. Freilich setzen zahlreiche Einzelheiten etten sehr toleranten Zuhörer voraus, Der auch etwas kräf­tige Eindeutigkeiten unbedenklich hinnmnnt. Bei guter Besetzung der Rollen wird das Lustspiel trotz verschiedener Langen und Wiederholungen, die zwar im Leben Vorkommen können, aber auf der Bühne besser vermieden werden, Dem Autor starken Beifall erringen.

Diese Voraussetzung war bei Der gestrigen Aufführung, die unter ÄdolfTelektzs sicherer Obhut stand, erfüllt. Die beiden Gatten, Architekt Hennings und seine Frau Sabine, wurden von Georg Heding und Kitty Franke in vortrefflicher Uebereknftimmung verkörpert. Die Gleichartigkeit der Charaktere in ihrer Reizbarkeit und Empfindlichkeit, und dann wieder in dem Durchbruch Der Zuneigung bei längerer Trennung wurde sehr anerkennenswert herborgehoben. Köst­lich war auch Oskar Feigel als 3ufti$rat Blohm, der seine Ratschläge mit trockenem Humor gab und oft schon durch sein gelungenes Mienen­

tische Tätigkeit Scheidemanns in Schutz zu nehmen, sondern dazu, den Mordversuch an ihm psycholo­gisch zu erklären. Ob die Angeklagten von einer Ulten *pe o i a g:> i.tet tror.e t in', (ann Dali .- gestellt bleiben. (Ls kann aber nid)! verkamst wer­den, daß höchstwahrscheinlich aud) Ein-lüfse von außen Vorlagen. '"£<n.i irgend etwas geeignet ist, diese Wahischeintt^teit zu erhöhen, so war es das charakteristische Verhalten der Angeklagten in der ganzen Untersuchung, wo sie sich auch hartnäckig ablehnend verhielten. Für die Schuldfrage ist txid jedoch gleichgültig; denn es ist sicher, daß die Angeklagten nach ihrer Persönlichkeit und Er­ziehung wohl geeignet waren, selbständig zu prü­fen, ob Da*, was ihnen von dritter Seite zu- gemutet wurde. Recht oder Unrecht war, daß sie sich klar sein mußten, daß sie sich eines feigen Meuchelmordes schuldig machten Es gibt Fäll«, bei Denen eine Straftat nicht ehrlos zu sein braucht, wenn dabei politische Ziele verfolgt wer­den. Aber wer aus Dem Hinterhalt einen friedlich gesinnten Bürger überfällt, wer mag er selbst von politischen Motiven geleitet fein sich Die Befugnis und das Recht anmaht. einen Menschen, zumal in Gegenwart seiner Tochter und seines Enkelkindes, zu töten, der handelt unter allen Umständen ehrlos und ist deshalb auch der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 7. Dezember 1922.

D!c Gründe der Brotpreiscrhöhnng.

Am 4. Dezember ist ein neuer Preis für das Markenbrot in Kraft getreten, der in den Haus- haktungen sehr fühlbar ist und darum naturgemäß vielfach besprochen wird. Die Gründe für die Heraufsetzung des Preises liegen allgemein in der zunehmenden Entwertung des Geldes. 3m einzelnen regelt sich der Brvtpreis folgendermaßen: Die Grundlage bildet der Preis, zu dem die Reichsgetreidestelle das Brotgetreide an die Kommunen abgibt. Dieser Preis betrug bisher, den Durchschnitt der verschiedenen Ge­treidearten gerechnet, ca. 30 000 Mart. Der Preis reichte zur Deckung für die Auslagen der Reichs- ?etreidestelle nickt mehr au 3, in erster Linie, weil ie Preise für das Ausland ge kreide ganz außerordentlich gestiegM waren. Zur Versorgung der Bevölkern ig mit Martenbrot wird bekanntlich Getreide aus dem Auslande und dem Inlands im annähernd gleichen Verhältnis verwandt. 3m September betrugen die Preise für das Ausland- getreide noch ca. 53 000 Mark für Roggen und 68 000 Mark für Weizen. 3m Oktober waren diese Preise bereits auf 122 00D und 135 000 Mark gestiegen, um dann im Rovember aus 224 000 Mark für Roggen und 303 000 Mark für Weizen zu steigen, ja. der Weizenpreis flieg auf über 400 000 Mark. angesichts Dieser enormen: Steigerung der Abgabepreis der Rercksgetreide- stelle von 30 000 Mark nicht mehr beibehalten: werden konnte und auch dann nicht hätte bei­behalten werden können, wenn der Umlage­preis nicht erhöht worden wäre, kann nicht bezweifelt werden. Der Umlagepreis spielt geg-n- über Den starken Preiserhöhungen des Ausland- aerreiDes eine untergeor dnete Rolle. Das Reichskabinell hat dieser Entwicklung Rechnung getragen und in seiner Sitzung vom 9. Rovember Die Erhöhung der Umlagepreife auf 90 000 Mark Pro Tonne beschlossen. Wenn diese Erhöhung auch erheblich zu rückb leibt hinter den Erhöhungen anderer Preise, und wenn man auch anerkennen muh daß durch die Umlage es Noch möglich ist, den Preis im Verhältnis niedriger zu hallen als die übrigen Preise, fo ist nicht zu verkennen, daß die Erhöhung in Den Familien, schmerzlich empfunden wird. Sie ist aber eine unvermeidliche Folge der Markentwertung.

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** Amtliche Perfonaknachrichten. Ernannt wurden am 29. Rovember Der Ober- ftuDienDrrcttor an Der Realschule und Dem Pro- rcalgymnasium zu Laubach Friedrich Henk mit Wirkung vom 16. Dezember 1922 ab zum Ober- studiendirektor an Dem Realgymnasium in Gießen, Der Oberstudkendirellor an Der höheren unD erweiterten Mädchenschule in ©ie&en Dr. Karl Roller mit Wirkung vom 16. Dezember 1922 ab zum Oberstubiendirektor an Der 06er- realschuke in Gießen, Der Studien rat an Dem Realgymnasium in Gießen Hans Seiler mit Wirkung vom 16. Deeember 1922 ab zum Studien­direktor an Der Realschule und dem Prorealgym- nafium in Laubach, Der PokizeioberMachimeifter Heinrich Varschdorf aus Afsekn zum Pokizei- kommissar mit Wirkung vom 1. Dezember 1922 an, am 4. Dezember der Steuerwachtmeister Peter Spielmann beim Finanzamt Gießen zum Steueroberwachtmeister. Durch Entschließung vom 29. Rovember 1922 ist die Ernennung des Oberstudiendirektors Karl H e st s i n g in Offen­bach zum Oberstudiendirektor an dem Realgym­nasium in Gießen zurückgenommen worden.

** Verlängerter Geschästsver- kehr dor WeihNachterl. An den Drei letz­ten Sonntagen vor Weihnachten (10., 17. und 24. Dezember) fff für alle Geschäftszweige

veS Handelsgewerbes der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen und die Beschäftigung von Geh lfen, Lehrlingen und Arbeitern von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags ge­stattet. Ferner Dürfen an den beiden Sams­tagen (16. und 23.) die offenen Verkaufs­stellen bis 8 Uhr abends für den geschäftlichen Verkehr geöffnet sein.

** D i e Kohlenpreise sind, wie auS einer Bekanntmachung des heutigen Anzei­genteils zu ersehen ist, mit Wirkung vom 7. Dezember ab wiederum beträchtlicher­höht worden.

Erfolgreiche Prüfung. Der tm Rovember abgehaltenen 1. Prüfung (Sekretär- Prüfung) für den städtischen Verwaltungsdienst haben sich aus der hiesigen ftäiytifdjcn Verwaltung folgende Deamten-Anwärter mit Erfolg unter­zogen: Otto Schenk, Karl Hammel, Karl Ragel, Karl Drückel, Karl Wendelin Rothermel, Karl Pfaff, Peter Schirmbeck. Ernst ÄLuttig, Arthur Weirich, Willi Leitner und Heinrich dann.

** Fe st genommen wurde eine gewervs- mäßige Schuhdiebin, die es verstanden hat, tu Be­gleitung einer anderen Frauensperson in Schuh­geschäften unbemerkt Schuhe zu cntnxnben. Die Geschäftsinhaber waren sehr eityaunt, als ihnen die gestohlenen Schuhe zugestellt wurden. Wei­ter wurde ein jugenDlicher Taugenichts von Wetz­lar festgenommen, der dort allerlei Diebstähle ausgeführt hatte.

** Der Alice- Frauen-Verein txn> anstaltet, wie man uns schreibt, am 14. Dezember zugunsten der AbteilungBienenkorb" einen Wohltätigkeitsbasar In den Räumen des Gesell­schaftsvereins. 3mBienenkorb" gefertigte Hand­arbeiten sollen zum Verkauf gelangen, insbeson­dere Kindergarderobe, Damenwäsche, Schurzen und Jumpers, Spielzeug sowie allerhand sonstige praktische Weihnachtsgeschenke. Daneben werden Erfrischungen geboten. unD ein reichhaltiges Pro­gramm soll zur Unterhaltung der Gäste dienen. Die Stunden von 4 %7 Uhr nachmittags sind in erster Linie den Kindern gewidmet, für die Kasperle bereits eine Theatervorstellung zugesagt hat. Rutschbahn und andere Spiele sowie 'ein Kindertanz sollen die Kinderherzen erfreuen; auch ein Weihnachtsbaum samt Knusperhäuschen ist vorgesehen. Rach 7 Uhr abends haben nur Er­wachsene Zutritt. Theaterstücke, Tänze und sonstige Aufführungen werden zur Unterhaltung beitragen und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Die Ausstattung liegt in den HänDen bewährter Künstler. Durch hochherzige Spenden werden die Unkosten auf ein geringes Maß beschränkt werden können. Es ist zu hoffen, daß Der 'Reinertrag des Abends die Aufrechterhaltung der Bienenkorbs­arbeit für die nächste Zeit sichert. Man beachte die Anzeige im/heutigen Blatte.

Wettervoraussage

Veränderliches, wolkiges Wetter, trocken, kühl, nördliche Winde.

Der Sturmwirbel, der gestern über der Ostsee lag, ist nordostwärts weitergezogen, fo daß wir allmählich aus feinem Bereich kommen.

Bornotizen.

Tageskalender für DonnerStag: Reue Aula, S Uhr: Lichtbilder-Dortvag der Vor­tragsverein igung. Realgymnasium, 8l/< Uhr: Vortrag des Republ. Lshrerbundes. Astoria- Lichtspiele, ab heule:Seepiralen", letzter Teil: Erkämpftes Glück". Lichtspielhaus, Bahnhof- stvahe:Das Kind der Straße". Palast-Licht­spiele, ab heute:Die Lüge eines Sommers" und Irrwege".

Landkreis Gießen.

~ Steinheim, 6. Dez. Am Samstag ver­unglückte der Bergmann Hugo Salle in der Grube FriÄnnch bei Trais-Horloff. Kaum war er mittags zur zweiten Schicht eingefahren, als ihn nieder ft ürzende Kohlen verschüt­teten und töteten. Er war der einzige Sohn einer armen Witwe und erst seit vier Monaten im Bergwerk beschäftigt. Die Grube Friedrich beteiligte sich geschlossen an dem Leichenbegängnis.

Hessen-Nassan.

fpd. Frankfurt a. M., 6. Dez. Als belgischer Gesandter, Mitglied der Reparationskommission und Der Militärkommission, trat hier im Herbst ein Herr auf, Der sich Andre D e V o ß nannte unD dank seines hochklingenden Titels überall Zu­tritt erlangte. Dieser de Voß schwindelte nun einer hiesigen Dame einen Zobelpelz hn Wert von 600 000 Mark und 100 000 Mk. in bar ab und verschwand dann. Später hat man ihn im v - Z u g B e r l i N D r ü s s e l ge­sehen. Rach soeben eingettoffenen Meldungen arbeitete" der Gauner in diesen Tagen unter

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 8225, Frankfurt a. M. 8300 8400.

spiel zur Heiterkeit zwang. Die Maske war viel­leicht etwas zu jugendlich. Luise Rarnmel als Amme CreszeNz wirkte Durch ihr stummes Spiel oft geraDezu überwäkttgenD komisch. Die Kokotte Vera Verena mit ihren erheuchelten Enip- ftnDungert wurde von Karla Keller sehr treffend gegeben, wenn auch das Berechnende im Wesen solcher Gestalten nicht ganz scharf genua hervortrat. Sodann ist es kaum anzunehmen, daß eine solcheDame" anspruchslos genug ist, um nach Drei Monaten rwch in gleichem Kostüm und Hut zu erfchernen. In kleineren Aufgaben beftie- Dtglen Karl Holl (Bauführer Kruse), Elsa Enget (Betty) und Lore Schatte (Toni).

Der starke Beifall deS Publikums galt wohl in gleicher Weife dem Werke wie Den Darstellern.

Frankfurter Uraufführung.

Impekoven und Mathern:Mohren- w ä f ch e".

Frankfurt a. M., 2. Dez.

Der oft bewährten Zusammenarbeit Der beiden Frankfurter Schwanklustspielautoren Toni Impe­koven und Earl M a t h e r n Hal Das Frankfurter Schauspielhaus einen Neuen starken Bühnenerfolg zu bautet, UND ihreMohrenwäsche" wird sicher noch oft vor Dem Ranipenllchk aüsgebrellei werden. Es ist ein lustiges luiD anspruchsloses Stücklein, Das in Mklieil und Zeichnung Der Figuren leicht an DieDrei Zwillinge" seiner geistigen Väter ge­mahnt. Elli im heiteren Genre noch nicht über Ge­

bühr -abgebrauchter Gebaute bilbel Den Angelpunkt Der, von allem Zweideutigen erfreulicherweise frei- gehaltenen. Handlung: Der Gentleman-Meister- Detektiv, von Den jung geadelten Herren v. Klotz herbeigerufen, überschaut gar bald Die Verhältnisse im Hause, wirD zum Mitwisser aller möglichen ge­heimen Herzens- und Steuerangetegenheiten unD bringt am Schluß alles toieDer zu gutem EnDe, Die beiDen BiüDer zur Versöhnung und so will es Die gute TraDrtion zwei Liebespaare tn Den sicheren Shehafen. An komischer Wirkung, Die teils Den (Situationen entstammt, teils auch aus Den Charakteren fließ! übertrifft Der Mittelakt noch Die Exposition, und Die Lösung Der Schwierigkeiten er­folgt zur wohlgefätliaen ZufrieDenheit aller Teil­nehmer, wobei Den Autoren eine sehr gewanDle Mise en sedne zu DefunDen ist. Sie haben glücklich Den Typ Des neuen Reichen getroffen, ohne Durch bissige Satire Den Eindruck Des Behaglichen schwin Den zu kafsen.

Die Uraufführung Des ergötzlichen Stückes, Die Impekoven in Den Gleisen guter Unterhaltungs- Dramatik laufen lieh, gab vor allem Georg Lang, bad) als Detektiv mit Dem großen Geiste unD Dem eDlen Harzen eine dankbare, von ihm famos be­wältigte Aufgabe, und daneben war besonders die Ahne des Geschlechts der Klötze durch die prächtige Darstellung der Frau Einzig in den Vorder­grund gerückt. Es gab sehr viel Beifall, Erfolg fetbff bei offener Szene, und die beiden Verfasser wurden mit den Künstlern oftmals gerufen.

Dr. Georg Schott.