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16. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Aus dem besetzten Gebiet.

Das WohnungSelend ht Duisburg.

Berlin, 5. Sept. (WTB.) DieTäg­liche Rundschau" berichtet Einzelheiten über das erschreckend große Wohnungselend zu Duisburg, das unter den gesetzwidri­gen Sanktionen am schu-ersten leidet. Tau­sende von deutschen Familien, meist Arbeiter­familien mit zahlreichen Kindern, leben zu­sammengepfercht in Mansarden und Kellern. Die Stadt ist mit 5000 Mann französischer Truppen mit ihren Familien belegt. Außer den Quart eren für die Truppen sind bei nicht weniger als 41 Familien 236 Einzelquartiere beschlagnahmt, sowie eine Billa mit 16 großen Räumen für den ledigen General CBeaurgii^ Für einen 80jährigen Greis, dem sein letztes Zimmer genommen, und der auf die Straße gesetzt wurde, hatte ein französischer Kapitän nur das Wortc* est la guerre".

klärend wirken. Schriftsteller Franz iS tus Häh - nel aus Hamburg sprach dann über:Ist Deutschlands Jugend noch Deutschlands Zu­kunft?" Redner gibt zuerst ein Bild von der

Baalsfempel.

Roman von Margarete v. Oerhen F ü n f g e l d.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 7. Sept. 1922.

Die richtige Benennung unserer Wehrmacht.

. 3n Unterhaltungen sowohl wie in öffent­lichen Ankündigungen von nichtamtlicher Seite wird bei der Erwähnung unserer Wehrmacht immer noch von derReichswehr" gespro­chen. Diese Bezeichnung ist falsch, sie existiert tm amtlichen Sprachgebrauch und auch in der Gesetzgebung seit dem 1. Januar 1921 nicht mehr. Tas Wehrmachtgeseh vom 23. 3. 21. sowie die übrigen Dienstvorschriften sprechen lediglich von einer deutschen Wehrmacht; diese teilt sich in das Reichs-Heer und die Reichs-Marine Das Deichswehrministerium ist ein Re ichs- ministerium für die gesamte Wehrmacht (Heer und Marine); die Bezeichnung ist ent­sprechend dem Rcichsfinanzminister-ium, Reichs- just.izministerium usw. gebildet und nicht etwa alsMinisterium für die Reichswehr" aufzu­fassen. Die Truppenteile werden als 3 n- fanterie-Regiment, Artillerie-Ab-

3ch bedaure, Herr Geheimrat ich habe nicht die Ehre!"

Der alte Herr reckte sich in feiner ganzen Höhe.

Ah Sie leugnen?"

Herr Geheimrat!"

Heinz war ausgesprungen, das zornige Blut schoß ihm zu Kopf. Doch sofort gewann er seine Ruhe wieder.

3ch kann nur sagen: ich habe nicht die Ehre. 3hr Fräulein Tochter zu kennen."

Die beiden Männer maßen einander mit festen Blicken. Dann atmete der alte Herr tief auf.

Man hat mir gesagt, Sie seien ein Ehren­mann. Wäre ich sonst gekommen? Ich besitze nur diese eine Tochter, mein Herr und sie hat keine Mutter mehr!"

Heinz fühlte, wie seine Hände zitterten. Er umklammerte fest die Stuhllene. Langsam, ganz langsam dämmerte ihm die Wahrheit.

3ch will 3hnen sagen, was mich hierher­führt," fuhr der Geheimrat freundlicher fort,und schon darin, daß ich mich persönlich zu Ihnen be­mühe, mögen Sie ein Zeichen des Vertrauens suchen. 3(6 wäre nicht zu jedem gegangen. Meim Herr! Meine Tochter hat Sie in Ihrer Wohnung besucht! Meine Tochter ist gesehen worden. Man hat mich davon in Kenntnis gesetzt"

Heinz schwieg.

Sie können und wollen die Dame nicht Preis­geben. Das ist brav von 3hnen. 3ch frage auch nicht. 3ch achte 3hre Diskretion. Aber . . ."

Herr Geheimrat, ich gebe Ihnen mein Ehren­wort, daß ich 3hr Fräulein Tochter nie ge­sehen wissentlich nie gesehen." verbesserte Gül- dewtn sich sofort.

So so. Die gesehen und nie gesprochen?"

Rein, Herr Geheimrat."

»Bun Wohl, dann kann ich nur annehmen, daß Sie zu der Zelt ;enes unbedachten Besuches nicht zu Hause anwesend waren!"

Heinz schwieg. Die Szene mit seiner Braut, diese häßliche Szene der Eifersucht spielte sich wieder vor ihm ab und dazwischen tobte eine urgebändigte Seligkeit: Sie war es! Run weißt du wenigstens, wie sie heißt!

Der Geheimrat erhob sich zögernd.

.Damit ist meine Mission hier eigentlich be-

vus dem Reiche

Die Tätigkeit der Notenpresse.

Berlin, 7. Sept. Einer sozialistischen Korrespondenz ist von der preußischen Finanz­verwaltung mitgeteilt worden, daß in den letz­ten 10Tagenfür23MilliardenZah- lungsmittel gedruckt und in Umlauf gesetzt worden sind. Das sind insgesamt 10 Prozent Des gesamten Notenumlaufs Deutschlands. Die Tagesleistung der Reichsdruckerei ist jetzt auf 2,6 Milliarden Papiermark gestiegen und wird noch im Laufe des Monats auf nahezu 4 Milliarden Papiermark täglich gesetzt, wo­durch man die Zahlungsmittelnot endgültig zu beheben hofft.

Gegen die Erhöhung der Krankev- dels'xherungsgrenze.

Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Die Ber­einigung der leitenden Angestellten hat, demLokal-Anz." zufolge, gegen die vom Sozial­politischen Ausschuß des Reichstags beschlossene Heraufsetzung der D e r s i ch e r u n g s - grenze In der Krankenversicherung und der Anges! elltenversicher-ung bei der Reichsregierung Protest eingelegt.

Der Oberkasseler Mörder ein Belgier?

Berlin. 7. Sept. (Priv.-Tel.) Die Bei­setzung der beiden in Oberkassel ermordeten belgi­schen Soldaten hat gestern stattgefunden. Für die Erm tt ung der Täte haben der Regierung: prüft- dent von Düsseldorf 100 000 Mark und der Ober­bürgermeister 50 000 Mark ausgesetzt. Wie die Morgenblätter erfahren, geht das Gerücht, und zwar auch unter dem belgischen Militär, daß der Mord von einem belgischen Soldaten ver- üßt sein soll.

endet. Ich glaube 3hnen Herr Güldewin. Mein kopfloses Krnd scheint einen ganz altmodischen Schutzengel gehabt zu haben es ist seltsam, daß ich es versuche, die junge Dame bei Ihnen gewissermaßen au rechtfertigen. Sie ist sehr impulsiv! Hochherzig! Es kommt ihr nicht in den Sinn, daß sie je mißverstanden werden könnte die jungen Herren ihres Bekanntenkreises be­handelt sie wie soll ich nur sagen mit souveräner, kühler Kameradschaftlichkeit, ja sie ist überhaupt eine sehr kühle Natur klug ~ un^ twn ganz modernem Forschungs­trieb beseelt. Sie steigt in die elendesten Arme- leutewohnungen hinab, um das Milieu zu stu- oieren aus Wissensdrang und Neugier, und Sie nehmen mir das nicht übel, verehrter Herr eine solche Neugier vor dem fremden ratselerfülllen Gebiet der Theaterwell gab wohl auch in diesem Fall den Ausschlag . . ."

Dem allen Herrn war heiß geworden.

3ch zweifle nicht daran" erwiderte Heinz verletzt.Wir sind es gewöhnt, von jenseits des Stromes nicht als Persönlichkeit, sondern als eine kompakte Masse, genanntTheater" betrachtet zu werden!"

Bon jenseits des Stromes?"

3a. Herr Geheimrat, des Stromes, der die bürgenllche Gesellschaft von unserer Kaste trennt . . . und ewig trennen wird!"

Der Geheimrat warf dem jungen Menschen fast mit freimütigem Entschluß die vornehme, wvhlgepstegte Hand entgegen.

3$ hege die größte Hochachtung vor Ihrer Kaste, wie Sie sie nennen. Und nun 3hre ganze Persönlichkeit bürgt mir dafür, daß diese Unterredung unter uns bleibt. Meiner Tochter habe ich natürlich von alledem nicht ge­sprochen. Ich dachte: das machen wir unter uns Männern ab."

Heinz konnte sich nur verbeugen. Es steckte ihm etwas in der Kehle, er konnte diese ganze Zeit das Gefühl nicht loswerden, daß er doch nicht ganx ehrlich gewesen, daß er den Händedruck nicht verdiente.

Der Geheimrat merkte es nicht, er war befrie­digt von seinem Besuch, der junge Mann war ihm sympathisch er seufzte leise. Schade! Aber es ging doch eben nicht.

An der Tür wandte er sich noch einmal um.

Ah, noch etwas, Herr Güldewin! Verargen Sie die Ditte einem Vater nicht können Sie mir Ihr Ehrenwort geben, daß Sie auch nie­mals versuchen werden, meine Tochter kennen zu lernen?"

Heinz stand in demütiger Haltung, aber sein Mund zeigte feste Linien, sein Auge Ent­schlossenheit.

Eine stumme, förmliche Verbeugung und es war vorüber.

Güldewin drückte beide Hände mit gespreizten Fingern gegen seine Schläfen Er lachte, warf sich auf das Sofa:Mädel, Mädel! Prachtvolles, kopfloses Mädel!"

Seine Gedanken rissen sie aus ihrem eigenen Hause hier zu ihm her, er rief sie, zwang sie mit seinem jauchzendenKomm, komm!"

Ganz sinnlos rannte er herum, die Recken- gestalt des Vaters, die sich ihm in den Weg stellte, zerrann in Schatten. Der Schatten war dunkel und lang und wuchs und wuchs ins Ungeheure, aber er zerrann, wurde eins mit dem dunklen Schneehimmel.

Hein; Güldewins Seele stand in voller Rosen- blüte. Das war wie ein Meer von lauter Glut und Duft, Töne mischten sich hinein, Fanfaren- rufe, schmetternd und hell.

Alter Mann, was hast du gemacht!" sagte er mit einem Male laut und mitleidig vor sich hin.

Es war alles anders geworden

In dem dunkelgetäufelten Eßzimmer ging lautlos der Bediente ab und zu.

Lily hatte ihrem Vater den Fisch noch einmal angeboten Zarte, in Butter und Kräuter ge­bratene Felchen sie hatte sie selbst zubereitet. Lily hatte'eine eigene Leidenschaft für dasDich­ten" von Speisen, die unter groben Köchinnen- fingern so gern mißrieten.

Der Geheimrat war heute sehr gütig mit seiner Tochter. Zum Fisch hatte er eine staubige Flasche aus dem Keller hokrn lassen und bewun- I derte den Gegensatz des goldgelben Weines in dem

Staatsministeriums soll den hessischen Staats­beamten das alte Recht zum Bezug von sogenann­tem Tanfholz aus den hessischen Staatswaldun­gen weiter gewährt werden, jedoch nicht wie bisher zu Tarifpreisen, sondern zu Durchschnitts- preffen, die sich aus den Brennholzversteigeruugen ergeben. Eine .Gewährung von Tarifholz aus den Staatswaldurgen an Kommunal undReichs- beamte findet in Zukunft nicht mehr statt, da em diesbezügliches Recht in Hessen bisher nicht bestand.

Post fracht stücke nach überseeischen Ländern. Mit Wirkung vom 5. September an werden für Postfracht stücke nach überseeischen Län­dern, deren Beförderung durch Sped.teure erfolgt, die gesamten Gebühren ab Bremen oder Hamburg sowie die Versicherungsgebühren bis Bremen oder Hamburg in Goldsrankcn erhoben. Nähere Aus­kunft erteilen die Postanstallen.

** Ermäßigung der Gebühren im Paket- usw. Verkehr nach dem Aus- land. Der deutsche Gegenwert ^eL..Goldfranken bei der Gebührenerhebung im Auslands-Paket- und Telegrammverkehr ist mit Wirkung vom 4. September an auf 250 Mk. herabgesetzt worden. Dieses Umrechnungöverhältnis ist auch für die Wertangabe auf Paketen und Briesen sotvie auf Kästchen mit Wertangabe nach dem Ausland maßgebend. Für Ferngespräche nach dem Aus­land werden entsprechend ermäßigte Gebühren erhoben werden. Nähere Auskünfte erteilen die Postanstalten.

" D i e b stahl. Am 28. August l. IS. wurde in hiesiger Stadt eine Wagenschere tm Werte von 1000 Mart gestohlen. Vor Ankauf wird ge­warnt.

Z König Ferdinand, der frühere Zar vo «Bulgarien, ist heute morgen mit Z>em Hamburger O-Zug eingetroffen und hat sich im Auto nach Schloß Braunfels begeben.

♦♦ Eine leere Postkarte 20 P s. Für die Postkarte ohne Marke nimmt die Retchspost jetzt 20 Pf., ebensoviel für eine Paketkarte. Post­auftragskarte und Postanweisung Postkarten mit eingedrucktem niedrigeren Papierpreiszuschlag werden weiter zu diesem Preis abgegeben. Doppelkarten kosten 50 Pf. Dieselben Sähe gelten im allgemeinen für den Postscheckverkehr. Cjn Scheckheft und ein Ueberweisungshest mit 50 Blät­tern kostet aber 30 Mk., ebensoviel 100 Zahlungs- antoeifu gen und Er atzüberwei ungen Der Scheck­briefumschlag stellt sich auf 40 Pf. Eine einzige Ueberweisung Bann somit 1 Mk. Kosten verur­sachen, so daß der gebührenfreie Ueberweisungs- verkehr längst der Vergangenheit angehört. Mit den höheren Papierpreisen steigen auch die zins­freien Guthaben der Postfcheckkunden, so daß die vermehrten Kosten für die Beschaffung der Vordrucke durch den Zinsgenuh des Reiches sicher nach wie vor ausgeglichen werden.

Wettervoraussage

für Freitag:

Wolkig bis Heller, trockenes, nachts kühles Herbstwetter.

Die Wetterlage hat sich nicht verändert. Das trockene herbslliche Wetter wird anhalten.

Vornotizen.

T a g eska l e n d e r für Donners­tag Astoria-Lichtspiele, ab hemte:Maciste und die Javanerin" undFatty in der Garage" Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:3m Schatten des Geldes" undData ns ketten". Palast-Lichtspiele:Va banaue" undEharlv Chaplin als Auswanderer".

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg. 5. Sept. Die heutige Stadtverordnetenversammung trat an Stelle der wegen Beschlußunfä igtclt aus­gefallenen vom Donnerstag, den 31. August. Der Hauptpunkt der Tagesordnung betraf die Be­ratung des Voranschlages. Dieser ist von der Finanzkommisslox' einge. end geprüft wor­den und wurde auf Vorschlag des Stadtv. 3hl im ganzen genehmigt, mit verschiedenen Vor­behalten, die der Bürgermeister begründete. So wurden z. D. die Dewllligungen für das Mu»

deutschen Jugend, wie sie nicht sein sollte, und geißelt die erschreckende Zunahme der Trunken­bolde besonders unter den Jugendlichen. Rachitis. Furunkulose, Tuberkulose, Irrsinn breiteten sich unmer mehr aus und der Dolkskörper sei be­reits durch Unterernährung und Wohnrngsnot geschwächt. Eine solche Jugend müsse den Zer­fall eines Volles herbeiführen. Zum Glück habe aber Deutschland auch eine andere Jugend, die ihre Pflicht gegen das Volkttum kenne. Diese Iugendbunde feien in gewaltigem Anwachsen be­griffen. 1V2 Millionen Jungens und Mädels gehören bereits dazu, von denen 2Z0 000 fest organisiert sind. Sie haben sich um die Wende des Jahrhunderts aus der Wandervogelbewegung allmählich herausgebildst und auf Studenten- und Arbeiterkreife übergegriffen. Von dieser Ju­gend erhoffen wir die Gesundung unseres Volles. Alle Vollstelle, ohne Unterschied der Partei, der Bekenntnisse und Klassen seien in der Ju­gendbewegung vertreten Auch In Gießen würde in Kürze eine Wehrloge des Guttempler­ordens errichtet werden. Unter lebhaftem Bei- fall schloß der Redner mit dem LleblingsliÄ) der deutschen Jugend:Es muß gelingen". 3n der Aussprache fand der Redner allgemeine An­erkennung für seine warmempfundenen Aus­führungen.

*

Amtliche Perfonalnachrichten. Ernannt wurde am 28. August 1922 der Ge- fangenauffeber auf Probe Willi I o h l in Darm­stadt zum Strafanstaltsober wachtmeister am Land- gerichtsgefängnls in Darmstadt mit Wirkung vom 26. September 1922. Ernannt wurde am 30. August der Schulamtsanwärter Peter Neu» m e r aus Fc-iesenheim zum Lehrer an der Volks­schule zu Kleinhausen, Kreis Bensheim. Er­nannt wurde am 31. August 1922 der Aufseher Valentin Sturm zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1922 an zum Hauswarten bei der Landwir.slaftlihen Versuchsstation zu Darmstadt. An 1. September 1922 wurden die Recnerungs- baumeister F itz G e t b e t au 3 Der 11, Jose, @er- l? ch aus Heldenbergen, Wilhelm Haas aus Rohdorf, Emil Hofmann aus Hattenheim, Alfr-ed Kessel aus Darmstadt, Georg L e i n e r t ttus Reinheim i. O., Karl Rumpfaus Darmstadt und Heinrich Wa g n e r aus Wiesbaden zu Dau- amtmännern mit der Amtsbe eichnungRcgie- rungsbaurat" vom 1. April 1922 an ernannt. 2lm 2. September 1922 wurde der Kanzleigehilfe Otto Schöffel zu Budenheim vom 1. April 1922 ab zum Kanzleiassistenten bei der Weinbau- domänenverwaltung zu Mainz ernannt Er­nannt wurde am 2. September 1922 der Hilfs­arbeiter Dr. Otto Hehler zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1922 an zum Amtmann bei der Haupstürsorgestellr derKrleg'beschädigten- und Krieg.hint? baeoenrnsürsorge mll der Amts­bezeichnungRegierungsrat". Durch Entschlie­ßung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft vom 2. September 1922 wurden nachfolgende Landwirtschaftsreferendare zu LandwlrtschaftS- afsessoren ernannt: 1. Dr. Philipp Ruppzu Gau- Algesheim mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 ab, 2 Fritz Strack zu Groh-Umsladt, 3. Georg Schnitzler zu Darmstadt 4. Fritz Dienst zu Grünberg. 5. Georg Leonhard zu Alzey mll Wirkung vom '9. November 1921. Ernannt wurde am 4. September der Regierungsassessor Michel Oppenheim aus Mainz zum Kreis- amtmann mit der Amtsbezeichnung Regierungs- rat Durch Entschließung des Minisleriums des 3nnem vom 4. September d. I wurde der Refe­rendar Adolf G ü n g e r i ch von Hof Oppels­hausen zum Reglerungsasiessor ernannt

Forstwesen. Erledigt: Die Stellen der Vorstände der Oberförstereien Offen­bach und Dieburg. Bewerbungen sind bis zum 25. b. 22L bei der Ministerialabtellung für Forst- und Kamercllverwaltung einzu­reichen.

** Tarif Holz für hessische Staats- beamte. Nach einem Beschlüsse des hessischen

Heinz richtete sich stramm auf.

Nein, Herr Geheimrat da- kann ich nicht."

Der alte Herr wechselte Farbe. Seine Augen­brauen spickten ein seltsames Spiel, zogen sich hoch hinauf und wieder herab. Er rang nach Worten.

»Ich danke 3hnen für Ihre Offenheit," sagte er dann heiser.Ich hatte wohl nach alledem eine andere Antwort erwartet er brach ab und sagte wie für sich:So wäre dieser Weg umsonst gewesen"

Binnen einer Sekunde hatte er sich selbst wieder in der Gewalt Gin langer, zürnender Blick traf den jungen Mann, ein Blick voll Befremden, gekränktem Stolz.

feingeschlisfenen Kristall zu Lilys blauem Samt­kleid. Er nannte dies BlauRabenflügel"; er wußte, sie hatte die halbe Provinz und ganz Berlin in Bewegung gesetzt, bis sie die Farbe endlich erhalten hatte.

An ihren Schläfen schlängelten sich die feinen Aederchen unter der durchsichtigen Haut. Eine leise Ungeduld war in ihren Fingern; sie zer­krümelten Brot, spielten auf dem Damasttuch, wie auf den Tasten eines alten Spinetts.

Nach Tisch wurde der Kaffee in der Bibliothek genommen. Es war die einzige Stunde, die der Geheimrat seiner Familie, das ist seiner einzigen Tochter, gönnte. Und sie verlief einen Tag wie beu andern. Lily war dann ganz Same. So, wie es in diese großen, vornehm eingerichteten Räume paßte, alles stilvoll, reich war und von großer Well zeugte. Die Möbel glichen Denk­mälern. es gab keine Schmollwinkel und Träumer­eckchen hier; alles Form, auf Form gestimmt.

Und eines tat not: Das Intime. Jener ge­heimnisvolle Reiz, der sogar aus den Wohnungen der Armen Heimstätten macht, der aus einem Arbeitskorb, einem Töpfchen mit Veilchen schaut; der an einem altmodischen Kachelofen ruht und um eine beschirmte Petroleumlampe seinen Schein breitet jener Reiz, der stärker ist als alle Pracht und aller Reichtum der Erde.

Lily war ohne ihn aufgewachsen. Aber in ihr lebte unbewußt die Sehnsucht nach diesem in sich Geschlossenen, Heimischen, Kleinen, den großen Maßstäben Abholden.

Mein Kind," unterbrach ihr Vater die Stille, während deren sie unentwegt einen schwarzen Ebenhel stuhl mit Intarsien von Elfenbein ange- starrt hatte,ich hätte dir einen Vorschlag zu machen."

Lily horchte artig auf. Die griechische Tän­zerin hatte sie zu Tode gelangweilt. Just hatte sie sich darüber gewundert^ daß das Klassische ihr höchstens ein Gähnen abringen konnte gerade wie bie_ Jungfrau von Orleans und Iphigenie da rührte der Papa in feiner Tasse und redete sie an.

...... 3ch habe heute an Tante Kordula geschrieben. Das ganze Leben hier ist doch etwas sehr einseitig für ein junges Ding wie dich ja, ich möchte sagen, man verbauert geradezu dein ganzer Verkehr, die Mädels, die dich da manchmal besuchen sind ja ganz nett aber doch nicht so recht unser Fall die Begriffe verschieben sich."

Er hustete und nahm einen Schluck, (Fortsetzung folgt}

Versammlung des Hausbesitzervereins.

Der Hausbesiherverein hiell anläßlich des hier stattgefundenen Delegiertentages des Ver­bandes der hess.-nassauischen Haus- und Grund­besitzervereine am vergangenen Sonntag abend im großen Saale des Gesellschaftsvereins eine aut besuchte Versammlung ab. Der Vorsitzende, Malermeister Launspach, begrüßte die An­wesenden, insbesondere die Vertreter der Ver­bandsvereine Hessen-Nassaus und betonte, daß die staatlichen Grenzen fein Hindernis bildeten, wenn es gelten würde, gemeinschafllich notwen­dige 3ntereffen zu vertreten. Er führte weiter aus, daß die heutigen Mieten vollständig unzuläng­lich und unhaltbar seien. Das Reichsmietengeseh bringe wohl hierin eine 'Besserung, jedoch sei zu befürchten, daß seitens der Gemeinden bei Festsetzung der Hundertsätze der heutigen Geld­entwertung nicht genügend Rechnung getragen würde. Auch brächte das Reichsmietengeseh einen solchen Wirrwarr, daß sich dabei die Gesetzgeber selbst nicht mehr auskennen würden. Syndikus Raabe, Frankfurt a. M., sprach dann über die seitherige Wohnungspolllik, welche zum größten Teil die Ursache der jetzigen Wohnungsnot sei. Mit der Verschärfung der Zwangswirtschaft hätte man dem Privatunternehmer die Lust zum Bauen genommen. Durch diese falsche Wohnungspolitll seien die Wohnungslosen am. härtesten betroffen, denn der größte Teil derselben würde auf Jahre hinaus noch wohnungslos bleiben. Er beleuchtete das Reichsmietengeseh mit seiner praktischen Un- durchführbarkeit und zog hieraus den Schluß, daß dieses durch reine Parteipvlitlk hervorge­rufen sei, um auf diesem Wege den Sozialisie­rungsgedanken durchzuführen. Es sei nun Sache aller bürgerlich Gesinnten, Industriellen. Kauf­leute, Gewerbetreibenden, Landwirtschaft, wie überhaupt aller, die für Erhaltung der Privat­wirtschaft ein tret en wollen, sich zu regen und in der Masse aufklärend zu wirken und zu zeigen, wohin es führen würde, wenn die Privatwirtschaft beseitigt werde. Die Durchführung dieses So- zialifierungSgedankens am Hausbesih würde alle Gewerbetreibende, besonders die kleinen Hand- wrn-ker, am allermeisten schädigen, denn die mit bem Wohnungsbau verbundenen zahlreichen Ar­beiten, würden in die Hände der Bauhütten ge­langen. Wenn sich diese Pläne verwirklichen soll­ten, dann würden die Mieten ins Unermeßliche steigen, da der Staat nicht In der Lage fein wl d, die Verteuerung im Wohnungs- wesen, die die Sozialisierung mit sich bringen wird, zu tragen. Zum Schlüsse ermahnte er, daß alle noch Fernstehenden sich organisieren sollten, damit die Organisation durch Geldmittel mehr ge­stärkt werde und ihre Aufgaben erfüllen könne An der Aussprache beteiligten sich noch die Her­ren Hartmann, Wiesbaden und Dietrich, Marburg. Der Vorsitzende, Herr Launspach' dankte allen Rednern für ihre Ausführungen und schloß mit dem Wunsche, daß sich in Zukunft wehr wie seither Gelegenheit bieten möge, gemein­schaftliche Arbeit zu leisten.

Deutschlands Jugend.

3m Katholischen Dereinshaus fand gestern abend eine öffentliche Versammlung statt, welche von der Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung des Alkohols einberufen worden war. Der Versamm­lungsleiter gab Auskunft über die Arbeits­gemeinschaft. die sich die Bekämpfung des 211'0- bolä und der Trunksucht zum Ziele gesetzt hat. Wie sehr der Alkohol dem Volke Nahrungs­mittel entziehe, gehe aus der Tatsache hervor, bau 1921 22 Millionen Zentner Getreide in Brauereien, 26 Millionen Zentner Kartoffeln in Brennereien und 3i/2 Millionen Zentner Zucker m Likorfabriken verarbeitet worden seien. Durch Vorträge, Ausstellungen, Fllme, Qlufrufe und

tetlung usw. bezeichnet, der einzelne Wehr- i Flugschriften wolle die Arbeitsgemeinschaft auf- machtSangehörige heißt, ohne Rücksicht auf seinen v ~ --- - - - -

Dienstgrad, Soldat. 3n unserer Stadt stehen z. B. Der Stab des 15. 3n f anterle-Reg i- ments und das I. (H es s.) Bataillon des 15. 3nfanterie-Regiments (nicht In­fanterie-Regiment 15). Die fälschlich angewandte BezeichnungReichswehr" sollte nun verschwin­den und Der oben bar gelegten richtigen Be­nennung Platz machen.