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Donnerstag, 7. September 1922

vrvck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrahe 7.

verkenne nicht die entgegenstehenden Schwierig­keiten. Man wendet oft ein, daß eS sich.bi^um Kriegsfragen handle und daß. da sie Erben des Krieges sind, vom Völkerbünde, der für Friedensprobleme gegründet sei, nicht erörtert werden könnten. Das mag vielleicht richtig sein Aber

alle diese Fragen gehen eben auf den Krieg zurück!

Da kann man keine Grenzen ziehen Mischen diesen und solchen, die zum Bereiche des Völker- bundes gehören. Aach meiner Ansicht must der Völkerbund alle Fragen, ob sie aus dem Kriege stammen oder nicht, anpacken. Ebenso hielt Cecil den Einwand für hinfällig, Last der Völker­bund gewisse Probleme nicht behandeln dürfe, weil sie anderen Körperschaften unterstehen.Och protestiere gegen eine solche Auffassung," sagte er.Wir befinden uns gegenwärtig in einer Liebergangsperiode.

Wenn der Völkerbund etwas erreichen will, so mutz er alles sein oder nichts!

Er darf sich nicht nur mit untergeordneten fragen befassen. Wir müssen hier das Streben der Vol­ker wie es in Dem Pakte des Völkerbundes niedergelegt ist, verwirklichen. Früher oder spater müssen wir alle Verantwortung, die uns aus dem Pakte zukommt, auf uns nehmen!" Lord Robert Cecil erinnerte an das Wort Dantons:

Kühnheit, Kühnheit und nochmals Kühnheit!

,Wir dürfen nicht mehr vorsichtig sein, sondern müssen handeln und die Initiative er­greif e n, sonst werden wir nichts erreichen!

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postschealonto:

Zranksurt a. M. 11686.

Genf, 6. Sept. (WTB.) Der Präsi­dent der Völkerbundsversammlung erklärte den Pressevertretern gegenüber, dah der politische Einflust des Völkerbundes noch schwach sei. und dah es ein Irrtum wäre, von ihm mehr zu verlangen, als er geben könne. Wenn man seinen Einflust stärken wolle, sollte man kein Land zwingen, eine Entschei­dung gegen seinen Willen an5une 9 men, aber auch kein Land seinem Schicksal überlassen.

Die deutsch-belgischen Verhand­lungen in Berlin.

Berlin, 6. Sept. LautB. wurden die gestern hier eingetrvffenen belgischen De­legierten Delacroix, Demelmans und Philipp son heute vormittag vom Reichskanzler empfangen. Die Herren begaben sich nachher zum Reichsfinanz­minister. Man ist überzeugt, dah sich die Verhandlungen in rein geschäftlicher, forder­licher Richtung vollziehen werden. Deut- ch e r s e i t s ist man bereit, durch positive Vorschläge den Vertretern Belgiens die Auffindung eines Weges zu einem tat- ächlichen Ergebnis der Verhandlungen zu er­leichtern.

Der Lügenseidzug gegen Deutschland.

D e r l i n, 6. Sept. (WTB.) In gewissen Zeitungen des In- und Auslandes, u. a. in der BelgraderRvwoje Wremja", wurden deut­sche Friedensbedingungen verbrei­tet, die angeblich der frühere Botschafter in Washington, Graf Bernstor ff, 1914 mit­geteilt haben soll. Rach dieser Meldung sollte u. a. ein besiegtes Frankreich mehr als ein Viertel seines Gebietes und dazu sämlliche Kolonien an Deutschland abtreten. Die Ten­denz solcher Meldungen ist klar erkennbar. Bernstorff tat derartige Aeuherungen, wie sie ihm in den Mund gelegt werden, nie­mals. Auch der frühere deutsche Botschafter in Konstantinopel äußerte sich niemals, wie behauptet wurde, gegenüber dem früheren Vertreter der Vereinigten Staaten von Ame­rika in der Türkei in diesem oder einem ähn­lichen Sinne.

Reichstags-Beratungen über unsere Wirtschastsnot.

Berlin, 6. Sept. (Wolff.) Im Reichstags- ausschuß für Volkswirtschaft gab Reichswirt­schaftsminister Schmidt einen Lieberblick über die gegenwärtige wirtschaftliche L a g e.211s größtes Llnglück für unsere gegenwärtige Wirt­schaftslage bezeichnete er den schlechten Stano der Mark. Daneben dürfe uns die Schein­blüte unserer Wirtschaft nicht über ihre Rotlage Hinweg täuschen, die einmal auf der gro­ben Passivität unserer Handelsbilanz, sodann auf der katastrophalen K o h l e n l a g e beruhe. Dor allem befaßte sich der Minister so­dann mit der weiteren Erhöhung der Druck­papierpreise und den damit entstandenen neuen GesaHren für das Fortbestehen der Zei- ^Wg. Distmann (L1SP.) forderte rück­sichtslosen Kampf gegen die Prasserei und Schlem­merei und gnadenlose Schließung aller hierzu ver­helfenden Gaststätten, Dergnugungslokale Likor- stuben und Tanzdielen, sowie das Verbot der Dranntweinherstellung und des ©tarfbiereS.

Ein von den Mehrheitssozialdemokraten unterstützter unabhängiger Antrag, der davon ausgeht, daß die R o t läge der Presse durch die im Gesetz über die Maßnahmen gegen die wirtschaftliche Rotlage der Presse vom 21. Juni 1922 beschlossenen Rückvergütungen nicht

Kritik der Tätigkeit des Völkerbundes ein, indem er die Frage aufwarf, ob der Völker­bund tatsächlich vollkommen das Ziel verwirkliche, für das er geschaffen worden sei. Art. 4 des Paktes bestimme, daß die Versammlung für a l l e F r a - gen, die den Weltfrieden gefä 6 r pe n, zuständig sei. Der Art. 11 verleihe jedem Volker- bundsmitglied das Recht, Rat oder Versamm­lung auf alle Vorgänge aufmerksam zu machen, die den Frieden oder das gute Einvernehmen unter des Volkern gefährden könnten. Lord Robert Cecil glaubt nicht, dah der Völkerbund dieser Seite feiner Aufgabe gerecht geworden ist. Ein Beispiel dafür sei der griechisch- türkische Krieg. Außerdem hätten internatw- nale Verhandlungen stattgefunden, die so gut wie ergebnislos geblieben seien, ohne dah auf Grund der Art. 4 und 11 der Völkerbund sich an ihnen beteiligt hätte. Von besonderer Tragweite sei m diesem Zusammenhänge bi russische F r a g e, über die in Genua, Brüssel und im Haag beraten worden sei, ohne dah ein besonderer sachlicher Erfolg erzielt worden wäre. Lord Robert Cecil bedauerte lebhaft, dah der Völkerbund im vergangenen Jahre nicht energischer und entscheidender eingegriffen habe, a».s vor ihm die Frage der russischen Hu n- gersnot zur Beratung gestanden sei.Wenn damals," so erklärte Cecil mit erhobener Stimme, der Völkerbund entschiedener und tatkräftiger eingegriffen hätte, wäre das furchtbare Grauen, das über Ruhland hereingezogen ist, gemildert worden. Damit wäre auch der Wiederaufnahme der Beziehungen mit Rußland die Tür geöffnet worden, ohne dah politische und wirtschaftliche Fragen das Einvernehmen und die Regelung gestört hätten. Zweifellos kann der Völkerbund jetzt nicht mehr viel tun und wird sich mit der Llntersuchung der russischen Verhältnisse die der Rat angeordnet hat, begnügen müßen.Aber wenn wir" so erklärte Lord Robert Cecil nochmals feierlich,im letzten Jahre unsere Pflicht besser erfüllt hätten, hätten wir dem Geiste der Art. 4 und 11 Genüge getan.

Don grösster Bedeutung ist auch das öster­reichische Problem, von einer Bedeutung, die nicht unterschätzt werden kann. Ich bedauere es, dah der Völkerbund sich mit dieser wichtigen Frage nicht aus eigener Initiative beschäftigt, sondern auf Grund eines Beschlusses der Londoner Konferenz."

Hierauf schnitt Lord Robert Cecil unter wach­sender Aufmerksamkeit der Versammlung das

europä sch« Wirtschaftsproblem

und die Wirtschaftskrise an. Er erklärte wörtlich: Ich möchte noch einige Worte über die Wirt­schaftskrise, die gegenwärtig Europa be­droht, sagen. Sie ist ohne Zweifel von größter Dringlichkeit. Es ist vielleicht die wichtigste und dringendste Frage seit dem Waffenstillstands £ne ist außerordentlich ernst und tiefgehend, sach­verständige Beobachter erklären, daß die Art, wie ie sich äußert, nämlich im Sturze der Mark, wohl dazu führen könnte, dah es nur noch eine Fragevon Monaten ist, bis sich Deutsch­land fn derselben Lage befindet wie Oesterreich. Llm diese Frage gruppieren sich andere, die ebenso wichtig sind: Die Repara­tionsfrage und die Frage der inter­alliierten Schuldem, die gegenwärtig die Wrlt bewegen. Da muh man sich fragen, ob dieser Zustand fortdauern darf, und ob wir es zulassen können, dah er die internationale Atmosphäre vergiftet. Drei Jahre sind seit dem Friedens­schlüsse vergangen. Sind wir seitdem einer end­gültigen Regelung viel näher gekommen? In einer Rede eines bedeutenden Mannes, des schweizerischen Bundesrats Schultheh, heißt es dah diese Fragen nicht eine oder zwei Ra­tionen beschäftigen dürfen. Ich unterstütze diese Feststellung. Solange diese Krise andauert, inter­essiert sie nicht nur die eine oder andere Ration, nicht nur die Rationen Europas, sondern alle Völker der Welt. Der Völkerbund muh an ihrer Regelung teilnehmen. Ich beabsichtige nicht, eine Lösung dieser verwickelten Fragen Lorzuschlagen, die so schwierig und so heikel sind, dah sie die tüchtigsten Geister Europas verwirren. Es wäre vorlaut von mir, wenn ich versuchen würde, sie hier zu losen. Aber ich bitte den Volker- bund, dah er diese Probleme aufmerk­sam .prüfen möge, so dah er, bevor er aus­einandergeht, irgend etwas erzielt Hut. Denn wenn wir hier nichts erreichen könnten, würden wir die größte Enttäuschung heiworrufen, und alle Länder der Welt würden an dieser Ent­täuschung teilnehmen."

Lord Robert Cecil trat hierauf in eine kurze Besprechung des

Abrüstungsproblemes

ein, das vor verschiedenen Organisationen des Völkerbundes zur Verhandlung steht. Er meinte, daß, wenn die vorgeschlagene Losung auch nicht zu einer tatsächlichen Herabsetzung der Rüstun­gen führen werde, sie doch wenigstens den ein- zuschlagenden Weg zeigen könne. Als größtes Hindernis für die Lösung der Abrüstungs­frage bezeichnete er die gegenwärtige Verfas­sung des internet ionalen Geisies. Im Anschlüsse daran möchte Cecil an die Äuße­rung des französischen Delegierten Hoble» maire auf der letztjährigen Versammlung er­innern, der die moralische Abrüstung ge­ordert hätte.Diese Abrüstung," so fuhr Cecil ort,ist noch nicht erreicht, und das ift ein- ach eine Folge des gegenwärtigen w i r t - chaftlichen Durcheinanders."

Damit kehrte Lord Robert Cecil nochmals zu einer kurzen eindringlichen Besprechung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zurück. Diese Wirtschaftskrise versperrt alle Wege. Ich

oberschlesischen Frage.

Ich will nicht." so sagte Lord Robert Cecil, tn die Frage selbst eintreten. Die vom Völker­bunde vorgeschsagene Lösung ist k illsiert worden. Sie hat zahlreiche Ankläger gesunden, aber ich gestatte mir, doch die Art zu bewundern, die dank der Mitarbeit der deutschen und polnischen Vertreter unter der geschickten und hervorragen­den Leitung Calonders das schwierige Abkom­men geregelt Hat. Auch die sachliche Atmosphäre von Gens hat zu der Lösung einer der schwierig­sten Fragen, die dem Völlerbunde übertragen worden find, beigetragen."

Lord Robert Cecil sprach hierauf seine Be­friedigung über die Lösung der den Balkan be­treffenden Fragen aus. Er wies darauf hin, daß früher die D a l k a n st r e i t f r a g e n die gefähr­lichsten für den europäischen Frieden waren. Wer Hätte noch vor 20 Jahren geglaubt, daß derartige Konflikte friedlich durch eine Völkerbundsver­sammlung gelost werden könnten?

Don großer Bedeutung für die Völkerbunds­tätigkeit seien auch die Verwaltungs-Angelegen­heiten im Saargebiet und in Danzig. Im Saargebiet," so führte er aus,befindet sich eine Regierungskommission, die sich aus fünf Mitgliedern zusammenseht, von denen eines die Interessen der Bewohner des Saarlandes ver­tritt. Ich will nichts über die Persönlichkeiten sagen, aber ich frage mich, ob es nicht wünnschens- wert gewesen wäre, daß der Völkerbundsrat erst nach Befragen des im Saarbecken bestehenden Landesrates gehandelt hätte, und ich frage mich ebenfalls, ob nicht für den Völkerbundsrat der Moment gekommen ist, mit diesem Verwal­tungsorgan eine Zusammenarbeit zu errichten und mit ihm das saarländische Mitglied zu ernennen Außerdem muß man über die einzelnen Schwie­rigkeiten erstaunt sein, die der Ratsbericht in btt Saarfrage erwähnt. Was Danzig angehl, wird der Völkerbundsrat gut tun, sich die Zweckmäßig­keit eines neuen Komitees zu überlegen, das sich mit den Schwierigkeiten der Danziger Angelegenheit zu befassen hätte."

Ein kurzer Lieberblick über die technischen Or- anisationen, vor allem die hygienischen des Völ­kerbundsrats führte den Redner zu einigen Aus­führungen über die Epidemienkonferenz von Warschau.Auf dieser Konferenz," so er- klärte er,waren nicht nur die Völkerbunds­mitglieder, sondern auch Vertreter Deutsch­lands und Rußlands zugegen, und das gab uns einen Vorgeschmack dessen, was einst der Völkerbund leisten könnte, wenn er wirklich alle Doller der Erde vereinigen und über die Geschicke aller dieser Länder wachen würde.

Rach einer mit lebhaftem Beifall aufgenom­menen Anecfeimung des Rcmsenschen Hilfswerks für die Kriegsgefangenen und die russischen Flüchtlinge trat Cecil in die eigentliche

Eine treffliche Kritik am Völkerbund.

Gens 6. Sept. (Wolfs.) Rach zwei sehr lang- 'weiligen und enttäuschenden Dersammlungstagep erlebte die Völkerbunds Versammlung heute dank des Eingreifens Lord Robert Ce­cils in der Generaldebatte über den Ratsbericht ihren ersten großen Tag. Lord Robert Cecil, dessen Erscheinen in der Versammlung mit CBei- fallSfunbgebungen begrüßt wurde, berührte in seiner langen Rede, die oft den Eindruck einer parlamentarischen Interpella tion andenVölkerbund machte, alle gegenwärtig schwebenden großen internationalen Fragen, und zcoar nicht nur, soweit sie in den bisherigen Amtsbereich des Völlerbundes hineingehören, son­dern auch nach seiner Ansicht Hineingehören muß­ten Mit der Geschmeidigkeit, die Lord Robert Cecil kennzeichnet, rühmte er bei fast jedem der angeschlagenen Themen die Tätigkeit des '-Bolter* bundsrats, um dann aber um so energischer und nachhaltiger auf die zahlreichen Lücken hinzu- weisen Großen Eindruck, aber mehr auf die Tri­bünenbesucher als auf die Delegierten, machte es, als Lord Robert Cecil dem Völlerbunde vor­warf nicht im Sinne des Pattes zu Handeln, vor allem der Artikel 4 und 11, die ihm vorschreiben, bei irgendwelcher Gefährdung des Weltfriedens einzugreifen, und auf die große Verantwortung hinwies, die der Völlerbund dem hungernden Rußland gegenüber im letzten Jähre auf sich nahm als er die damals notwendigen Schritte nichtm ergreifen wagte. Den Höhepunkt erreichte die Rede, als Lord Robert Cecil, wenn auch vorsichtig, so doch mit großem Ernst das öster­reichische und deutsche Wirtschafts­problem anpackte und den Vollerbund vor den schweren Folgen warnte, die 'frier entstehen müßten, falls die Welt untätig bleibt.

Lord Robert Cecils Rede fand starken Beifall, vor allem bei dem englisch sprechen­den Teile der Versammlung. Einige besonders markante Sätze, in denen er namentlich von der Llniversalität des Völkerbundes sprach, wurden bei seinem englischen Vortrage durch Beifallskundgebungen unterbrochen, wäh­rend bei der französischen Llebersetzung sich keine Hand rührte. w t

Lieber den Inhalt dieser bedeutsamen Rede unterrichtet der nachstehende Auszug:

Lord Robert Cecil rühmte zunächst die bewundernswerte Arbeit des Völkerbundsrates, wie sie in dem Rechenschaftsbericht niedergelegt sei, bemängelte aber, daß viele kleine Details zu sehr hervorträten und forderte auch im In­teresse der öffentlichen Meinung ein stärkeres Herausarbeiten der großen Linien derArbeits- methodedes Völkerbundes. Unter seinen Erfolgen sei besonders die bedeutsame Leistung des Abschlusses des Aalands-Insel-Ab- kommens hervorzuheben, ebenso die Lösung der

wirksambekämpft werden könne, fordert die Festsetzung von Höchstpreisen für Holz, Heiz st off, Zellstoff und Druckpapier owie den Zusammenschluß der Erzeuger zu Ver­einigungen zum Zweck der Festsetzung von Ein­heitspreisen, ferner einen Preisaus - gleich unter behördlicher Mitwirkung, erträg­liche Zahlungsbedingungen und Kreditbedingun­gen für die Presse, Sicherstellung der zur Papier- erzeugung notwendigen Rohstoffe sowie der Druck­papiere.

Ein Antrag der Bayerischen Vollspartei for­dert u. a. wenigstens auf ein Vierteljahr das VerbotallerHerstellungvonZucker- gebäd und Räschereien, einen Zusatz von 15 Vo Kartoffeln zum Brot und den Verkauf von Weiß­brot nur gegen Kranken karten.

Reichsemährungsminisler Fehr erklärte im Hinblick auf die Getreide Umlage, er werde sich bemühen, soweit wie möglich die sich im allgemeinen an die Zwangswirtschaft knüpfen­den Schäden möglichst zu beseitigen ober we­nigstens zu mildern. Die im Gesetz festgelegten Preise für das erste Drittel der Getreide-LIm- lage stellten heute gewiß keine angemessene Ent­schädigung mehr dar. Für die reibungslose Ein­treibung des ersten Drittels sei es. notwendig, den Preis in irgendeiner Weste, die sich selbst­verständlich mit dem Gesetz vertragen müsse, zu revidieren. Vielleicht fei aus formalen Gründen der im Gesetz festgelegte Preis un­verändert zu lassen und statt dessen der noch nicht fixierte Preis für das zweite Drittel entspre­chend zu erhöhen. Daß die Landwirtschaft die im Gesetz vorgeschriebene Menge Getreide aufbringen könne, sei außer Zweifel, sonst würde sie ja noch schlechter produzieren als je im Kriege. Aber es sei ebenso unzweifelhaft, daß das dies­jährige Ablieferu ngssoll für die Landwirtschaft eine stärkere Belastung darstelle als im Vor­jahre, weil die Ernte ungünstiger ausgefallen sei.

172. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Die Vereinigung der sozialistischen Parteien.

Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Am Mittwoch abend hat, wie eine sozialistische Korrespondenz berichtet, eine Llnterkommif- sion der S.P.D. und der U.S.P.D. getagt, die über die Fragen der organisato­rischen Verschmelzung der beiden Parteien beraten soll. Die Beratungen ha­ben noch zu keinem Abschluß geführt.

Der Völkerbund und Oesterreichs Rot.

Genf, 6. Sept. (WTB.) Rach Entgegen» nähme der Srklärung des Bundeskanzlers S e ipe l in einer offiziellen Sitzung des Völkerbunds­rats stellten die Mitglieder des Rates in ge- « Reimer Sitzung an den Bundeskanzler und den fZu .enminifter Grünberger verschiedene Fra­gen, worauf sich der Rat Über das einzuschlagende LlntersuHungsverfah-ren einigte. Er sagte zu, daß das Problem sowohl unter politischen wie auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprüft werden solle. Zu diesem Zweck wurde ein Ausschuß gebildet, dem Vertreter Oesterreichs, Englands Frankreichs. Italiens und der Tschcho- llowak.-i angeboren. Dieser Aul schuß feil verpflich­tet sein, auch die Vertreter anderer Staaten zu Hören soweft sie an der zu behandelnden Frage interessiert sind. Der Ausschuß wird am Freitag zu einer Sitzung zusammentreten.

Der grieckisch-türkische Krieg.

Paris, 6. Sept. (WTB.) Rach einer Havas- Meldung aus A b a n b bestätigt sich die Nach­richt von dem Falle Drussas sowie Ala-

6. Sept. (WTB.) Havas meldet, aus Konstantinopel, es verlaute gerücht­weise daß der neue griechische Ober­befehlshaber General Tricrupis von den kemalistischen Truppen gefangen genommen sei. Von zuständiger Seite wirb erklärt, daß em grie­chischer Armeesührer, zwei Kommandie eme Gene­räle und vier Obersten bei Guschak gefangen ge­nommen wurden, ferner 400 andere O f ziere und 10 000 Soldaten. Die kemalistischen truppen haben Waselli Aidin und Sema beseht und marschieren auf Dergame. Rach einer weiteren Havas-Mel- bung aus Konstantinopel fraben tie Olach- richten von den türkischen Siegen in Konstan­tinopel große Begeisterung hervor- gerufen. Die Bevölkerung strömt in den Moscheen zusammen, um für den Sieg der turttschenWaffen dU r i 8. 9. Sept. (WTB.) Rach einer Havas- Meldung aus Athen hat General. ®u8- manis feilen Posten als Generalstabschef über­nommen und sich gestern abend mit dem Kriegs­minister nach Smyma begeben.

London, 6. Sept. (WTB.)Daily Rews" schreibt es stehe eine große Schlacht zwischen ben Griechen und ben Türken in Kleinasien bevor die über das Schicksal Smyrnas ent­scheiden werde. Die letzten in London eingetroffe­nen Beriete besagen, daß die Türken immer noch langsam, vorrücken, daß sich die Griechen jedoch von der Demoralisation, die auf den großen türkischen Angriff folgte, erholt haben. Die grie­chischen Truppen hätten eine neue stark befestigte Linie eingenommen Es sei indessen zweifelhaft, ob sie den Fall Smyrnas verhindern könnten D r u s s a sei von den Türken nach furchtbaren Kämpfen durch Bajonettangriff genommen worden.

Heutiger Stand des Dollars

10 Uhr vormittags:

Berlin 1310, Frankfurt cu M. 1310