Turnen, Sport und Sprek.
Der Segelflug.
Gersfeld, 4. August.
Vom 9. bis 24. August wird auf den Hängen der Wasserkuppe der dritte Rhön-Segel- flug--Wettbewerb stattsinden, zu dem etwa 45 Flugzeuge erwartet werden. Vachdem die vorjährigen deutschen Erfolge auf diesem Gebiet des Segelsports mit dem Weltrekord des Regierungsbaumeisters Hardt (21* Minuten Flugzeit mit und gegen den Wind bis 150 Meter Er- EHebung über den Startpunkt) zum Abschluh gekommen waren, ist in diesem Hcchr ein weiterer Erfolg mit interessanten Flügen zu erwarten.
Die ersten wissenschaftlich und zwecklich brauchbaren Ergebnisse auf diesem Gebiet erzielte bekanntlich der Ingenieur O. L i l i e n t h> a l, der in mehr als 30jähriger mühevoller Arbeit die deute noch brauchbaren Grundlagen der Flugkunst schuf und alä erster frei fliegender Mensch leider mitten aus seinen Erfolgen vor 26 Jahren durch einen Todessturz gerissen wurde. Die Weiterentwicklung wurde nun besonders von Amerikanern gefördert, unter denen die Gebr. Wright am bekanntesten geworden sind, nachdem sie durchs Einbau eines zunächst kleinen Hilfsmotors ihr Gleitflugzeug zu einem brauchbaren Motorslieger umgestaltet Chatten. Da aber in der Folge die Militärverwaltungen als einzig zahlungsfähige Interessenten auftraten, schlug man mit der Entwicklung der Leichtmvtoren bald den Weg ein, der zur schnelleren Erreichung praktischer Ergebnisse zur Airwendung immer stärkeren Motoren führte, um ohne Rücksicht auf die Vetriebs-
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kosten die Luft zu meistern, ohne die vorhandenen' Energiequellen auszunutzen. So fand auch die erste Gleitflug-Spvrlveranstaltung Darmstädter Studenten im Jahre 1911 auf der Rhön kein allgemeines Interesse, obgleich dort schon der Student Guthermut einen Gleitflug von 832 Meter ausführte. Erst 1920 wurde die Idee einer solchen Sportveranstaltung von dem Frankfurter Ingenieur Ursenus in Verbindung mit Gleit- und Segelflugvereinen aufgegriffen und der erste Rhön-Segelflug-Wettbewerb brachte trotz des sehr schlechten Wetters schon mit einem Flug von beinahe 2 Km. Länge einen merkenswerten Achtungserfolg. Dies gab der durch die Veranstaltung der Prinz-Heinrich-Flüge bekannten Südwestgruppe des deutschen Lustsahrtverbandes Veranlassung, gemeinsam mit dem Deutschen Modellund Segelflugverband 1921 den zweiten Rhön- Segelslug-Wettbewerb zu veranstalten, bei dem dir- Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt den Ehrenschutz übernahm. Die vorjährigen Erfolge gingen weit über die kühnsten Erwartungen h naus und Flüge von 2—8 Kilometern Länge mit Flugzeiten von 5—13 Minuten Dauer wurden nicht nur als Ausnahmen, sondern bei verschiedener Wetterlage erreicht, wobei volle Kreise und Achter mit und gegen den Wind auch öfters mit Höhengewinn geflogen wurden.
Diese natürlich auch im Ausland gebührend beachteten Erfolge deutscher natürlicher Fliegekunst beweisen den Wert solcher Bestrebungen auch denen, die seither diesen Sportversuchen skeptisch gegenübergestanden 'fyatten und nur die leider bei solchen Proben unvermeidlichen Verluste an Menschenleben kritisiert hatten, so dah jetzt der Segelflugsport als praktisches Vorstudium
wirklicher Flugkünst anerkannt ist. Wenn es auch wohl nie erreicht wird, dah sich der Mensch ohne motorische Veihilfe bei jeder Wetterlage wird in die Luft erheben können, so ist es doch schon des Sch-weihes der Edlen wert, wenn es in absehbarer Zeit gelingt, ein brauchbares Verkehrsflugzeug auszubilden, das vielleicht nur 1/5 bis 1/io der heute nötigen Pferdestärken gebraucht. Denn ein wirtschaftlicher Flugverkehr ist unmöglich, so lange man zur Beförderung einiger Personen Hunderte von Pferdestärken benötigt bei einer irgend schnellen Abnutzung der Maschine, wie denn £ec heutige Luftverkehr überall nur mit hohen Staatszuschüssen durchführbar ist. D.-
Radsport. „Germania"-Gießen gewinnt die Sanmeister- schaft im 100-Kilotneter-Mannschaftsfahren.
Der Gau 9a V. D. R. veranstaltete gestern auf-der Strecke Giehen—Marburg—Kirchhain und zurück sein 100 Klm.-Meisterschaftsmannschafts- fahren. Dem Starter Gaufahrwart M a r x - Giehen stellten sich' 5 Mannschaften aus Marburg, Kirchhain und Giehen. Am 7.20 Ahr wurden die Konkurrenten in Abständen von 5 Minuten entlassen. Die favorisierten Mannschaften von 1885 Giehen hatten Start Rr. 2, Kirchhain 1904 Rr. 4, und „Germania"-Giehen Rr. 5. Gleich vom Start aus wurde ein sehr scharfes Tempo gefahren. Dis Marburg hatte der Radf.°V. 1891 Marburg schon zwei Defekte zu beheben und war infolgedessen aus dem Rennen geworfen. Giehen 1885 hatte bereits „ Einigkeit"-Kirchhain überholt und am Wendepunkt standen die Mann-
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schäften noch' ziemlich gleich. Die Entscheidung fiel auf der Rückfahrt. Bis Marburg hatte „Germania"-Giehen 1 Minute Vorsprung, welchen sie bis zum Ziel hielt und als Sieger über das Band ging.
Ergebnis: 1. „G e r ma n i a" - G i e h e n (Rödiger, Muhl, Reitberger, Sehrt, Mandler. 'Faber) in 3 Std. 20 Min.
2. 1885 Giehen (Deibel, Kehler, Reuning, Zinher I, Zinher ll, Heh) in 3 Std. 21.35 Min.
3. 1904 Kirchhain in 3 Std. 32 Min.
4. „Einigkeit"-Kirchhain in 4 Std. 16 Min.
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Anrechnung überzahlter Neichsnotopfer- beträgs auf die Zrvangsanleihe.
Nach § 36 des Vermögenssteuergesetzes ist das Ncichsnotopfer nur in Höhe von 10 vom Hundert des abgabepflichtigen Ykrmögens, mindestens aber in Höhe von 33'/3 vom Hundert des gesamten Notopfers und bei Vermögen über 1027 000 Mark in Höhe von 40 vom Hundert des gesamten Notopfers zu entrichten. Die hierüber hinaus bereits entrichteten Notopferbeträge sind auf Antrag entweder zurückzuerstatten oder nach § 11 des Gesetzes über die Zwangsanleihe auf die geschuldete Zwangsanleihe anzurechnen. Wer von dem letzteren Recht Gebrauch machen will, hat den Antrag gleichzeitig mit der Ab- • gäbe der Vermögensteuererklärung, die im Januar 1923 stattfinden soll, zu stellen. Als Ieichnungskurs wird, jba sich die überzahlten Beträge bereits jetzt schon im Besitz des Fiskus befinden, der Fuli-Zeichnungskurs, t also 94 vom Hundert, angerechnet. Wer also 3. B. durch Hingabe selbstgezeichneter Kriegsanleihe oder F in bar sein Notopser in Höhe von 200 000 Mark entrichtet hatte, hierauf aber 80 000 Mark zurück- ' zuerhalten und an Iwangsanleihe 90 000 Mark zu zeichnen hat, erhält bei einem entsprechenden Antrag 80 000 Mark unter Zugrundelegung eines Zeichnungskurses von 94 Prozent, also 85 100 Mark angerechnet, sodah er nur noch 4 900 Mark Iwangsanleihe zu zeichnen hat. Hiernach ist es zwecklos, schon jetzt solche Anträge auf Anrechnung bei den Finanzämtern M stellen. Insoweit jemand Anrechnung überzahlter Reichsnotopferbettäge auf Zwangsanleihe beanttagen will, hat er zur Zeit nichts zu tun, es genügt, wenn der Antrag bei Abgabe der Dermögensteuererklärung gestellt wird, der günstige Iuli-Ieichnungskurs von 94 vom Hundert ist dann auf jeden Fall gesichert.
Die Finanzämter (73158 Giehen, Butzbach, Grünberg und Hungen.
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