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IHnrmt, eitert stärkeren Effekt tn Der dssenMchen Meinung zu machen. Es handle sich um praktische Maßnahmen, die bestimmt seien, Deutschland zu beeinflussen. Die ganze Angelegenheit hätte keine derartigen Sensationen verursacht, cvenn Deutschland nicht die ausgetauschten Schrift st ücke veröffentlicht hätte. Das für die Regelung der Frage der Privat- schulden gewählte System sei dasjenige des Aus­gleichs durch Vermittlung besonderer^ Aemter ge­wesen. Die französischen Gläubiger seien ver­pflichtet gewesen, auf dem Wege über die Aemter vorzugehen. Die Regierung müsse sich also an ihre Stelle setzen, um ihre Ansprüche zu wahren. Die deutsche Regierung habe den Versuch ge­macht, die Durchführung des Friedensvertrages in Bezug auf die Tätigkeit der Ausgleichsämter zu sabotieren, wie sie sich auch bemüht habe, sich den Reparationsbestimmungen zu entziehen. Iebesmal, wenn es sich um die Vereinigung der Konten handelte, habe die deutsche Regierung die Schwierigkeiten vermehrt. Dadurch sei die französische Regierung dazu gekommen, progressive Vergeltungsmaßnahmen in Betracht zu ziehen, die sich immer härter gestalten würden, wenn es bei dem Mangel an gutem Willen auf Seiten Deutsch­lands bleibe.

Paris, 5. Aug. (WTB.) DerTemps" erfährt aus Straßburg, daß der elsässische Ab­geordnete Karl Frey gestern Poineare in einem Briefe auf die Rachteile gewisser Sanktionen und die üblen Wirkungen hingewissen habe, die sie in Elsaß urck> Lothringen haben werden. Der Brief ist von zwei weiteren elsässischen Abgeordneten, Walter und Müller, die sich gegenwärtig .in Straßburg aushalten, gegengezeichnet.

DasJournal des Debats" schreibt zu den französischen Zwangsmaßnahmen im Zu­sammenhänge mit den Ausgleichszahlungen: Man darf feststellen, daß sie milde sind und daß es sich alles in allem darum handelt, den Deutschen die Ausgleichszahlungen zu entziehen, auf die sie ihrerseits Anspruch haben.

DerT e m p s" schreibt, die deutsche Ant­wort sei höflich gehalten und die französische Regierung habe dem Rechnung getragen. Sie sei aber dilatorisch und deshalb habe die französische Regierung die Pflicht gehabt, zu gewissen Maß­nahmen zu schreiten. Frankreich trete entschieden auf. aber es wünsche auch gerecht zu bleiben. Cs solle nicht verheimlicht werden, daß die Aufgabe der deutschen Regierung schwierig sei. Was sie verhindert habe, die völlige Zahlung zu ver­sprechen, sei wahrscheinlich nicht Mangel an Mit­teln. sondern die Haltung der verbündeten Re­gierungen gewesen, die einen der französischen AnschMiung gegensätzlichen Standvunll eingenom­men hätten. In der deutschen Oeffentlichkeit hätten sie auf diese Weise Illusionen und Widerstände bestärkt, denen die deutsche Regierung sich an- geschlossen habe. Wohlgemerkt schlage der Streit zum Schaden der Deutschen aus. Es sei immer die gleiche Geschichte: wenn Deutschland dieses Treiben satt habe, werde sein gesunder Menschenverstand es ihm vielleicht selbst sagen, daß es besser wäre, sich mit den Franzosen gut zu stellen.

Ein Enzyklika des Papstes k

Rvm, 5. Aug. lWTB.) Die Zeitungen veröffentlichen folgende Nachricht, die nur unter Vorbehalt aufzunehmen ist: On Vati- kankreisen sprach man dieser Tage viel von einer bevorstehenden Enzyklika des P a p st e S. Das Dokument soll im Laufe des Monats erscheinen und sehr wichtig vom reli- l giösen wie politischen Standpunkt sein. Es ».soll genau die Linien vorzeichnen, in denen e die Katholiken ihre soziale Tätigkeit beschrän- ken sollen, um eine Verwechslung zwischen Politik und Religion zu vermeiden. Die En­zyklika würde außerdem einen Aufruf an die ganze Welt enthalten, zur Wieder­herstellung eines wirllichen Friedens bei allen Regierungen und Völlern und zur Beendi­gung des Jagens nach dem wirtschaftlichen Ruin, der besonders Europa in ein ungeheures Feld des Elends und der Verwüstung ver­wandele.

Bayern »nd das Reich.

München, 5. Juni. (WTB.) Die Kor­respondenz Hoffmann meldet: Rach Eingang des bayerischen Antwortschreibens lieh der Reichspräsident im Benehmen mit dem Reichskanzler an die bayerische Regierung durch Vermittelung des Gesandten Preger eine mündliche Einladung zur Auf­nahme von Verhandlungen ergehen. Der bayerische Ministerpräsident regte daraufhin an, zunächst eine Besprech­ung in München über die schwebenden Fragen und die Richtpunkte für solche Ver­handlungen mit den Vertretern der Reichs- regierung zu veranstalten. Die ReichSregie- rung hat die Reichsminister Gehler und Fehr, die sich beide augenblicklich in Bayern befinden, veranlaht, sich nach München zu be­geben. Vormittags fand mit den beiden Reichsministern unter dem Vor­sitze des MinisterpräsidentenLer- che nfeld und u nter Teilnahme des Landtagspräsidenten, der beiden zuständigen Ressortminister, des Gesandten Reger und einzelner Ver­trauensleute der Koalitionspar­teien eine eingehende Besprechung statt, über deren Ergebnis die Reichsminister nach Berlin berichten werden. Es ist zu er­warten, dah sich eine Kommission der baye­rischen Regierung in den nächsten Tagen nach Berlin begeben wird, um die Verhandlungen weiterzuführen.

München, 4. Aug. Der Hauptschrift­leiter derM ünchener Reue st e Rach­richten" hatte in seinem Blatt einen offe­nen Brief an den Reichspräsidenten ^r-ttchwt und charin sehr deutlich den bekann­ten Standpunkt >Baherns betont. Gr erhielt daraufhin folgende Antwort:Der Herr Reichspräsident läßt den Eingang Ihres Schreibens vom 28. vorigen Monats mit freundlichem Dank bestätigen. Er hat von Ihres Ausführungen^ Kenntnis genommen und

I bttret Sie, davon überzeugt zu sein, dah es sein aufrichtiges Best reden ist, unter Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte des Reichs und seiner Länder einen Ausgleich der bestehenden Gegensätze herbeizuführen."

Aus dem Reiche.

Ein Protest gegen preußische Personalpolit'ck.

Düsseldorf, 6. Aug. lWTD.) Der Pro- vinzialausschuß hat in seiner Sitzung am Freitag den Anträgen auf Erklärung seines Einverneh­mens zur Ernennung des Regierungspräsidenten Fuchs zum Oberpräsidenten der Rhsinprovinz, des Referenten beim Reichskommissar für die be­setzten Gebiete B a u t n e ch t zum Regierungs­präsidenten in Koblenz, des Landrates Klaus­ner zum Regierungspräsidenten in Aachen und des Landrates Sassen zum Regierungspräsi­denten in Trier folgende Stellung genommen:

1. Der Provinzialausschuß vermag das bis­her hinsichtlich der Besetzung der Regierangs­präsidentenstellen in Aachen, Koblenz und Trier beobachtete Verfahren des Staatsministers als dem Geiste des Artikels 86 der Verfassung ent­sprechend nicht anzuerkennen und legt dagegen Qktttäfh.-ung ein. Trotzdem nimmt der Provinzial- ausschuß im Hinblick auf die gegenwärtige Lage zu den beabsichtigten Ernennungen Stellung.

2. Der Provinzialausschuß erklärt sein Ein­verständnis mit der Ernennung des Regierungs­präsidenten Fuchs zum Oberpräsidenten der RHeinprovinz.

3. Der Prv'oinzialausschuh lehnt die Erklä­rung des Einverständnisses mit der Ernennung des Referenten beim Reichstommissar für die besetzten Gebiete Bauknecht zum Regierungspräsi­denten von Koblenz ab.

4. Der Provinzialausschuß erklärt sein Ein­verständnis mit lder Ernennung des Landrates Dr. Sassen zum Regierungspräsidenten in Trier.

5. Der Provinzialausschuß lehnt die Er­klärung des Einverständnisses mit der Ernennung des Landrates Klausner zum Regierungspräsi­denten in Aachen ab.

Dazu gibt die Zentrumsfrakiion des Provin­zialausschusses und die Fraktion der Arbeits­gemeinschaft des Provinzialausschusses Ettärun- gen ab. Das Stimmenverhältnis bei der 2lb- stimmung im Provinzialausschusse zu den ein­zelnen Anträgen war folgendes:

Zu 1.: 8 Stimmen für, 4 Stimmen gegen, 1 Stimmenthaltung.

3us 2.: 9 Stimmen für, 4 Stimmen gegen.

Zu 3.: 9 Stimmen für Ablehnung der Ein­verständniserklärung, dagegen 4 (Stimmen.

Zu 4.: 9 Stimmen für, 4 Stimmen gegen. Zu 5.: einstimmige' Ablehnung.

Die wachsende Teuerung.

Berlin, 6. Aug. (WTB.) Die Groh- handelstndexziffer des Statistischen Reichsamts ist im Durchschnitt im Juli 1922 <nif 9957 gestiegen und zeigt damit beinahe eine lOOfache Verteuerung der Großhandels­preise. Es ist gegen Juni 19 22 eine Preissteigerung von 41,6 v. H. ein­getreten; gegenüber dem Juli des Vorjahres um 598,7 v. H., d. i. eine siebenfache. Diese starke Erhöhung geht unmittelbar von der Va­lutaentwicklung aus, wobei allerdings das An­steigen des Dollarkurses von 317,44 Mk. im Durchschnitt des Juni auf 493,22 Mk. im Durchschnitt des Juli, d. h. um 55,4 v. H. noch nicht zur vollen Auswirkung gelangt ist. Der Index der Einfuhrwaren stteg von 9479 auf 13 854, d. h. um 46,2 v. H.; der Index der Inlandwaren von 6540 auf 9168, d. h. um 40,2 v. H. Im einzelnen sttegen die Gruppen­indexziffern für: 1. Getreide und Kartoffeln von 6052 auf 9332, 2. Fette, Zucker, Fleisch und Fische von 6613 auf 8013, 3. Kolonial­waren und Hopfen von 9254 auf 13 076, für Lebensmittel zusammen von 6405 auf 9287; dagegen 4. für Häute und Leder von 8011 auf 12 667, 5. Textilien von 11 851 auf 17 002, 6. Metalle und Petroleum von 7029 auf 10 842, 7. Kohlen und Eisen von 7469 auf 9646, für Industriestoffe zusammen von 8197 auf 11 211.

Slresemann

im Wahlkreis Oberbahern-Schwaben.

Wie derLokalanzeiger" aus München berichtet, hat der Reichstagsabgevrdnete Dr. Stresemann auf einem Vertretertag der Deutschen DvllSpartei des Wahlkreises Oberbahern-Schwaben Bericht er­stattet über die Vorgänge bei den Verhand­lungen über das R e i ch s s ch u tz g e s e tz. Im Gegensatz zu der bisherigen Haltung des Lan­desverbandes sprach der Verttetertag dem Abgeordneten Sttesemann seinen Dank und volles Vertrauen für die staatsmännische Lei­tung der Partei und für die erfolgreiche Ver­tretung der bayerischen Belange bei der Ver­abschiedung des Reichsschutzgesetzes aus. Die Bildung der Arbeitsgemeinschaft der Mitte wurde geprüft. Rach eingehender Aussprache nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der die Einmütigkeit der Reichsregie­rung und der deutschen 'Parteien für die Zu­rückweisung der französischen Drohungen ge­fordert und der Erwartung Ausdruck gegeben wurde, dah das deutsche Volk einmütig und unbeugsam bleibe zur Verteidigung der un­veräußerlichen Rechte und des Fortbestandes eines selbständigen Deutschlands.

Aus Hessen.

Koalition über alles.

Man schreibt uns aus Darmstadt:

Die Z entrurnspartei in Hessen hat ihrer Politik derUmfälle in der letzten Sitzung des Landtags die Krone aufgesetzt. Wenn man sich auch in den vergangenen Monaten und Wochen daran gewöhnt hat, die Politik der Zentrums­fraktion mit besonderen Augen zu betrachten und wenn man allmählich auch schon wußte, dah das Zentrum seine Stellungnahme zu politischen Fragen bald darauf zugunsten einer entgegen­gesetzten Auffassung preisgibt, so hat doch das Verhalten der Zentrumsfraktion tn der Land- tagssitzung vom 1. August alles bisherige weit übertroffen. Der Sprecher der Zentrumspartei, Abg. Hoffmann- Alzey, hatte die Verhältnisse

bet derD armstädter Zeitung" berührt und als die Meinung seiner Fraktion die Ansicht vertreten, dieDarmstäoter Zeitung" müsse in ein einfaches amtliches Publikationsorgan umgewandelt werden. Bei der Verbreitung zahl­reicher politischer Zeitungen aller Richtungen brauche die Regierung nicht ein besonderes politi­sches Organ zu unterhalten. Aus ähnlichen Erwä­gungen heraus hatte die Deutsche Volkspartei im Landtag beantragt, die Ausgaben für die Darmstädter Zeitung im Etat zu streichen, auch unter Berücksichtigung der Am stände, dah der Ton und die Schreibweise der Darmstädter Zeitung in weitesten Kreisen des Landes verstimmt hat. Der Herr Staatspräsident selbst hat ja auch in der Sitzung vom 1. August zugegeben, daß in der Darmstädter Zeitung öfters Artikel gestanden hätten, die besser nicht geschrieben worden wären. Für den Fall nun, daß der vorstehend erwähnte Antrag der Deutschen Volkspartei abgelehnt würde, hat sie noch einen Eventualantrag ein­gebracht, die Darmstädter Zeitung in ein ein­faches Verkündigungsblatt für die amtlichen Be­kanntmachungen ohne redaktionellen Teil umzu­wandeln. Einen ähnlichen, wenn auch lange nicht so weitgehenden Antrag brachte die Zentrums­partei im Verlaufe der Sitzung vom 1. August ein, der ungefähr besagte, die Regierung möge in Erwägungen darüber eintreten, wann und in welcher Weise die Darmstädter Zeitung in ein einfaches Pub Nation Morgan um gewandelt werden könne. Daraufhin zog die Fraktion der Deutschen Volkspartei ihren Antrag zugunsten des Zen- trumsantrags vorläufig zurück. Aberesergab sich das fast schon erwartete Bild, dah die Zentrumsfraktivn ihren An­trag schon n,a ch kurzer Zeit wieder zurückzog, weil von demokratischer und sozialdemokratischer Seite ein Druck auf sie ausgeübt wurde. Selbst­verständlich nahm hierauf die Deutsche Volks­pattei Veranlassung, ihren Eventualantrag wieder hervorzuholen und nun stimmte d i e Zen­trumsfraktion mit der ganzen Linken gegen beide Anträg c der Deuts chen Volkspartei. Das ist um so bemerkenswerter, als der Zentrumsredner bei seinen Klagen über die Darmstädter Zeitung mit berechtigter Ent­rüstung darauf hingewiesen hatte, dah die Darm­städter Leitung zwar Artikel aus anderen Ge­werkschaftskreisen aufnimmt, solche aus Kreisen der christlichen Gewerkschaften trotz verschiedener Ersuchen aber nicht gebracht habe. Bei jedem, der in den letzten Wochen die Landtagsverhand­lungen aufmerksam verfolgt hat, muß sich die Erkenntnis Dahn brechen, daß diese Politik der llmfälle beim Zentrum nicht ohne Eindruck auf die Anhängerschaft der Partei im Lande und auf manche unentschlossene und laue Elemente in der Wählerschaft bleiben kann.

Eine 'BefiehltgtingSreife.

Darmstadt, 5. Aug. Gestern vormittag vereinigte den Landtag, dessen Frattionen säst vollzählig erschienen waren, mit zahlreichen Ver­tretern der Regierung und der Presse eine Be­sichtigungsreise. die zuerst nach Rüsselsheim führte. Hier wurden den Teilnehmern in verschiedenen Gruppen die Opel-, Automobil- und Fahrrad­werke gezeigt. Rach einem kurzen Frühstück ging es weiter nach Bingen, von dott aus mit der Straßenbahn nach Der Weinbaudomäne. Die Teilnehmer besichtigten dann die Burg Klopp, die von der Stadt Bingen angekauft ist und als Rathaus dient, wohl das schönstgelegene Rat­haus in deutschen Landen. Als Abschluß der Besichtigungsfahrt fanden sich alle noch zu einem Essen im HotelZum goldenen Pflug" in Dingen zusammen.

Ein Ausruf für das Deutschtum im Ausland.

Kulmbach, 5. Aug. Den Höhepunkt der Tagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland bildete die Hauptversammlung der Mit­glieder im Vereinshaus. Rach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Orts­gruppe Kulmbach erstattete der stellvertretende Vorsitzende, Konteradmiral a. D. Seebohm- Derlin. den Geschäftsbettcht, der in dem folgen­den Appell an das gesamte deutsche Volk aus­klang:Die vom 3. bis 6. August in Kulmbach zur 41. Hauptversammlung des Vereins für das Deutschtum im Ausland versammelten Vertreter der 330 000 Mitglieder rufen das deutsche Volk Mr Hilfe für die Kultureinrichtungen der deutschen Minderheiten imAus- l a n d auf. Der Vorstoß der chau- vinistischLN Elemente in den verschiedenen Ländern richtet sich mit ungeheurer Wucht gegen die deutschen Schulen, Vereine, Bü­chereien und Zeitungen, die an erster Stelle dazu berufen sind, die heimische Sprache und Kultur zu erhalten und zu pflegen. Tausende von deut­schen Schulklassen wurden im Laufe der letzten Jahre unter völliger Mißachtung der Bestim­mungen über den Minderheitenschutz der Deut­schen im Ausland, besonders in den neuen Staa­ten des europäischen Ostens, entzogen. Weitere Hunderte von deutschen Schulen sind in ständiger Gefahr, 30 Millionen Deutscher jenseits Der Reichsgrenzen ringen um ihr Volkstum und die Erhaltung ihrer kulturellen Güter. 30 Mil­lionen Deutscher jenseits der Reichsgrenzen sind aber auch bereit, durch opferwillige Pionier­tätigkeit dem Ansehen des friedlichen deutschen Volkes und seinem Recht auf den Wiederaufstieg erneut Geltung zu verschaffen.

Deutsche im Reich, Angehöttge aller Stände, erkennt die Bedeutung des Auslandsdeutschtums für die eigene Zukunft! Helft, daß der Verein für das Deutschtum im Ausland, der unpolitisch und von allen Parteien und Konfessionen unabhängig und der Vermittler zwischen Auslandsdeutschtum und Heimat ist, dessen demokratische Verfassung allen die Mitarbeit und Mitbesttmmungsrecht ermöglicht, zu einem großen Volksverein wird, der den Deutschen allüberall auf dem Boden der Kulturgemeinschaft zu den Taten der Gegenseitig- keck Hilfe bringt. Rur die direkte Teilnahme der Heimat kann das Auslandsdeutschtum, den starken Rückenpfeiler deutscher Kultur, und die Wirtschaft vor Zerfall und Vernichtung bewahren.

Sodann wurden noch verschiedene Vorträge über die Organisation, die Jugendarbeit und über das Deutschtum in den Vereinigten Staaten ge­halten. Ein deutscher Abend im Vereinshaus und Die Aufführung des Schauspiels Kolberg von Paul Heyse im Saalbau Wittelsbach beendeten die Tagung.

AUS Stadt UNO Land.

Gießen, den 7. Aug. 1922.

Versorgungsgebührnisfe.

Die für den Beginn des Ruhens Der Versorgungsgebührnisfe maßgebende Iahreseintommensgrenze ist vom 1. April 1922 ab von 7000 auf 18 000 Mark erhöht worden. Bei dieser neuen Einkvmmens- grenze sind neben Der Ermäßigung entsprechend Der Veranlagung zur Einkommensteuer für Den Verfügungsberechtigten im Betrage von 2400 TKarf Die Abzüge des Einkommensteuergesetzes für Werbungskosten usw. bis zur Höhe von 5400 Mk. bereits berücksichtigt, und zwar gleich­mäßig für alle Versorgungsberechtigten ohne Rücksicht darauf, ob sie im Erwerbsleben stehen oder nicht. Der llnterschied zwischen Den für das Äuben der Versorgungsgebührnisse maßgebenden einzelnen Einlommensstufen beträgt jetzt nicht mehr 1000 Mk., sondern 2000 Mk. Unter Zu­grundelegung Der neuen Einkommensgrenzen be- ginnt demnach ein Ruhen der Versorgungsgebühr- nisse mit Vio, wenn ein verheirateter Dersorgungs- berechtigter ohne Kinder 20 400, mit Kindern 27 600, mit 4 Kindern 34 800 Mk. Jahreseinkom­men besitzt. Die gesamten Versorgungsgebührnisse abgesehen von Der Schwerbeschädigtenzulage mit der entsprechenden Ausgleichs- und Otts- zulage und der Pflegezulage sowie den Unter- haltskosten für den Blindenführerhund ruhen bei denselben Dersvrgungsberechtigten bei einem Jahreseinkommen von 38 400, 45 600 und 52 800 Mark.

Die freuen Einkommensgrenzen finden jedoch nur dann Anwendung, wenn der Berechnung für das Ruhen der Verforgungsgebühmisse das mut­maßliche Jahreseinkommen von 1922 zu Grunde gelegt und dies von Dem Dersorgungsberechtigten ausdrücklich beantragt wird. Im allgemeinen wird die Anwendung Der neuen Einkvmmensgren- zen nur dann Vorteile bringen, wenn sich das Einkommen der Deisorgungsberechtigten seit 1920 nicht oder nur mäßig erhöht hat. Ist ein Antrag aus Zugrundelegung des mutmaßlichen Jahres­einkommens für 1922 gestellt, so wird die neue Ruhensberechnung Durchgeführt ohne Rücksicht darauf, ob der Versorgungsberechtigte gegenüber Der früheren Ruhensberechnung Vorteile hat ober nicht. Wenn der Antrag vor dem 1. Juli 1922 gestellt worden ist, werden die neuen Einkommensgrenzen vom 1. April 1922 ab angewendet, bei später gestellten Anträgen aber erst vom ersten Tage des Anttagsmonats ab. Die Versorgungsämter, an welche die An­träge auf eine neue Ruhensberechnung zu richten sind, sind angewiesen, diejenigen Fälle beschleu­nigt zu bearbeiten, tn denen der Dersorgungs- berechtigte bei Zugrundelegung der neuen Einkom­mensgrenzen wesentlich günstiger steht. Alle an­deren Anträge werden bis nach erfolgter Durch­führung der Umanerfennungen zurückgestellt.

Wettervoraussage,

für Dienstag:

Wollig, einzelne Regenschauer, vorwiegend Westwind.

(Sirre Depression, die heute über Frankreich und Südengland liegt, scheint nordostwärts zu ziehen. Wir werden auf ihrer Rückseite mit Rie- derschlägen und kühlem Wetter rechnen müssen

* * Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 31. Juli der Prof. Dr Arthur Looh zu Gießen zum ordentlichen Honorarprofessor für tierische Parasitologie an der Landesuniversität Gießen. Ernannt wurde am 27. Juli 1922 zum Polizeiwachtmeister der Polizeiwachtmeister auf Probe bei dem Polizei­amt Offenbach Hermann1 ÄI in g er aus Darm­stadt mit Wirkung vom 1. August 1922.- Am 20. Juli 1922 wurde Der Forstwart der Kommunalforstwattei Hering, Oberförsterei Leng­feld, Wilhelm Weih zu Hering, und am 22. Juli 1922 Der Forstwart der Kommunalfvrstwattet Bleichenbach, Oberförsterei Konradsdorf, Otto E m r i ch zu Dleichenbach, unter der Amtsbezeich­nung Förster" vom 1. Juli 1922 ab in bat Staatsdienst übernommen. Am 22. Juli 1922 wurde der Forstwart der Kommunalforstwattei Allendorf II, Oberförsterei Treis, Hch Franz zu Allendorf a. Lda., unter der Amtsbezeichnung Förster" vom 1. Mai 1922 ab in den Staats­dienst übernommen. Am 28. Juli 1922 wurde Der Forstwart der Kommunalforstwattei Riedev- Mockstadt, unter der Amtsbezeichnung Förster" vom 1. Juli 1922 ab in den Staatsdienst über­nommen. Aus Dem Staatsdienst entlassen wui.De am 31. Juli der Polizeiwachtmeister Ru- dolf Schultze aus Offenbach auf sein Rach- suchen mit Wirkung vom 1. Juni 1922.

Heber Die Anrechnung über­zahlter Reichsnotopferbeträge aus die Zwangsanleihe gibt eine Bekannt­machung im heutigen Anzeigenteil die notwendi­gen Erklärungen und Anweisungen.

* 2 5 0 0 Mark für ein Zwanz ig­ln a r k st ü ck, 1250 Mark für ein Zehnmarkstück, werben von ber Reichspost in dieser Woche be­zahlt. Reichssilbermünzen werden bis auf wei­teres zum 60fachen Betrage des Renn Wettes an­gekauft.

* Die heutigen Preise Der Ber­liner Zeitungen. Alle deutschen Blätter Haben für den Monat August wiederum eine Er­höhung der Bezugspreise tromebmen müssen, um einen, wenn auch nur teilweisen Ausgleich für Die letzthin wieder gewaltig geftiegenen Mehrkosten aller Art zu finden. Es wird für unsere Leser sicher von Interesse sein, daß beispielsweise Das Berliner Tageblatt" 100 Mark, derBerliner Lokalanzeigett 85 Matt, DieTägliche Rundschau" 100 Mark, berVorwärts" 90 Matt, DieVossi- sche Zeitung" 80 Matt, dieDeutsche Allgemeine Zeitung" 100 Matt und DieDeutsche Tages­zeitung" 100 Matt für Den Monat August kosten.

* * Der Kampf gegen den Alkohol. Der hessische Gauverband gegen Den Alloholismus und der Ausschuß für Alkoholverbot in Deutsch­land hatten am Samstag abend zu einem Vortrag des Amerikanischen Pfarrers (Seemann ein- geladen. Der Vortragende, ber selbst in ber Pro­hibitionsbewegung des llnivnstaates Minnesota eine führende Rolle gespielt hat und auch die Ver­hältnisse im übrigen Nordamerika sowie den meisten europäischen Staaten aus eigener An­schauung ftnnt, gab zunächst einen Bericht über die Entwicklung ber amerikanischen Abstinenz­bewegung. Rachdem vor etwa 30 Jahren ber Zusammenschluß der vielen lokalen Mäßigkeits­organisationen zu Staatenorganisationen und Wecker zu einerProhibitionspattei" gelange' war, erstarkte der von der Kirche kräfttg unter- [tübte Abstinenzgedanke mit ber Zeit so, Da