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Frankreich dieselbe Kampagne zu «itsesseln. öte In Deutschland entfesselt worden sei. um seine Verantwortlichkeit aus andere abzuwälzen.

Briand erhebt sich und sagt, nicht nur der Versailler Vertrag beruhe auf diesem Grundsatz. Während der Verhandlungen von London habe Dr. Simons die Verantwort lichtettssragc aus- werfen wollen. Die Alliierten hätten Deutschland ein Ultimatum übermittelt, und nicht nur die deutschenäknterhändler, sondern auch, die Mitglieder der deutschen National- Versammlung hätten noch einmal mehr die Kriegsverantwortlichkeit übernvm- men. (Lebhafter 'Beifall.)

Poincare dankt Driand und erinnert daran, daß er 1912 keine persönliche Politik, auch feint kriegerische Politik betrieben habe. Er habe seine Kollegen im Ministerium ständig auf dem ßaiu senden über seine Handlungen gehalten. Damals sei, als er das Kabinett gebildet habe. Frank­reich noch erregt gewesen wegen der Abtretung eines Teiles von Kongo. Das von ihm gebildete Kabinett habe als erste Handlung einen Akt des Entgegenkommens gegen Deutschland vollzogen dadurch, daß es den Vertrag von 1911 habe rati­fizieren lassen. Man könne sich jetzt fragen, ob diese Geste zu früh getoefen sei, denn seitdem habe Marsc^ll Lhauteh in Marokko bereits ge­funden, dah Deutschland entschlossen gewesen sei, einen Krieg in Marokko zu entfesseln, wenn am Balkan der Krieg nicht ausgebrochen sei. Die Politik, die sein Ministerium 1912 verfolgt Hobe, sei eine Politik europäischer Entente gewesen.

Paris, 1. Juli. (Havas.) 3m weiteren Verlaufe seiner Rede in der gestrigen Kammer- fifeung erinnerte Ministerpräsident Poincare daran, dah die Weigerung, 1911 den französischen Finanz markt für Oesterreich zu eröffnen, nicht von ihm ausgegangen sei. Oesterreich habe da­mals die Ratifizierung des französisch-deutschen Abkommens von der Oeffnung dieses Marktes abhängig gemacht. Bezüglich der Behauptung Iswolskis sagte Poincare, das; dieser weiter keinen Einfluß auf öte Haltung Frankreichs ge­habt habe, welches immer eine Politik der An­näherung des ganzen Europas verfolgt habe. Frankreich habe sich 1912 damit begnügt, den Balkankvnflikt örtlich zu begrenzen irö ausz r° kalten. Freiherr von Schon habe fe'bft an- c.Icmnt, dah die Bemühungen Frankreichs sich denen Deutsch lcr.rds zur Wahromg des Frie- .üens angeschlossen hätten. 1914 habe die französische 'Regierung sv wenig an etnen Krieg gedacht, dah er, Poincarv, und

Viviani nach Ausland gereist seien.

Poincare verliest einen Bries anden König von England, in dem er die Ansicht aus­spricht. daß mit Rücksicht auf die intensiven Vor­bereitungen Deutschlands, wenn England. Frank­reich und Rußland den Eindruck einer starken Einigkeit gäben, große Aussicht vorhanden sei, daß der Frieden nicht gestört werde. Frankreich habe alles getan, um Europa und der Welt diese Katastrophe zu ersparen. Die Bedingungen, die Deutschland für die Neutralität Frankreichs auf- gestellt habe, nämlich die Auslieferung der fran- zösischen Festungen an der Ostgrenze, seien be­schämend für Frankreich gewesen. Aber Deutsch­land habe nicht einmal die Antwort abge­wartet, sondern Frankreich den Krieg er­klärt. Poincare rühmt die Antwort des Königs der Belgier und bed belgischen Volkes. (Aach ' dem Havasberichte jubelte bei diesen Worten die ganze Kammer dem belgischen Botschafter und , Belgien, zu.) Poincare erinnerte an die Einmütig­keit der Kammer einschließlich der Sozialisten, t welche der Botschaft des Präsidenten und der Rede Vivianis zugejubelt hätten, wonach Frank- F reich keine Schuld trage. Bezüglich der Beschul­digung, die Friedensmöglichkeiten * während des Krieges zurückgewiesen zu haben, erklärte Poincare, man habe die Vor­schläge Kaiser Karls von Oesterreich, die vom Prinzen Sixtus von Bourbon übermittelt wurden, nicht in Betracht ziehen können, da Oef erreich von deutschen Truppen beseht gewesen fei. Deutschland hübe diesen Vorschlägen, die es ---nicht gekannt habe, keineswegs zugestimmt; üb­rigens hätten diese Vorschläge durchaus keinen Vorteil für Italien enthalten und Frankreich hätte nicht gegen das Abkommen von 1915 ver­stoßen und an einen Frieden ohne Italien denken können. Die Kommunisten schweigen sich über das Protokoll der Zusammenkunft zwischen Lloyd George, Sonnino und Ribot am 19. April 1917 aus, in dem die Prüfung des Vorschlages eines Sonderfriedens mit Oesterreich erwähnt wurde. Damals habe man die Ansicht gehabt, dah die ''Beratung über diese Frage als besonders gefähr­lich für den Bund der Alliierten zu betrachten sei.

Der frühere Ministerpräsident Painleve greift ein und erklärt, dah Sonnino auf die ernsten inneren Folgen hingewiesen habe, die daraus entständen, wenn Italien nur das er­halten würde, was Bülow schon im Falle seiner Neutralität geboten hatte. Auster dein würde Deutschland Oesterreich nicht gestattet haben, die elsah-lvthringische Frage aufzuwerfen. Oesterreich und Deutschland wären Verbündete geblieben, während das verratene Italien uns aufgegeben hätte. Painleve schließt. die Frie­densverhandlungen von 19 17 wür - den zu einem Unglück geführt haben, £nb verliest zum Schluß die von der französischen Kammer einschließlich Sembats und Cachins an­genommene Entschließung, in welcher der Wille Frankreichs zum Ausdruck gebracht wurde, Frank­reich und Italien unauflöslich miteinander ver­bunden zu halten. Poincare bestätigt die Erklärung Painleväs und fügt hinzu, er könne über die per­sönlichen Beleidigungen hinweggehen, er könne aber nicht die Wirkung dieser Angriffe bei den Alliierten außer Acht lassen. 16 Aationen hätten Frankreichs Gerechtigkeit wi­derfahrenlassen, ihm in dem Kampfe recht gegeben und den Frieden von Versail­les unterzeichnet, der nicht nur die teil­weise, sondern die ausschließliche Verant- . Wortung Deutschlands festgestellt. Diese Rationen hätten nicht aus dem Boden Frankreichs gekämpft, wenn Frankreichs auch nur einen geringen Teil der Schuld gehabt hätte. Die deutsche Campagne wolle den Glauben erwecken, dah Frankreichs seine Ver­bündeten hinters Licht führe. Poincare er­klärt es für beschämend und erbärmlich, daß einige irregeleitete Franzosen sie hierbei -.unterstützten. Das ganze Land betrachte bas in ;einem unerschütterlich gesunden Verstand als eine Verleumdung des Vaterlandes.

Die Kammer erhob sich und ja bette Poincare zu. Abgeordnete alter Parteien eilten auf die Regierungssitze zu. und beglückwünschten den Ministerpräsidenten.

Wir können kaum mit treffenderen Wor­ten diese oberflächliche und nichtssagende Art und Weise der Rechtfertigung Vivianis gei­ßeln, als es ein französisches Blatt, nämlich der sozialistischeP o p u l a i r c", tut. Dieses Blatt schreibt:

®er ehemalige Mi 'iiterpiäfident Viviant hat die Haltung seiner 'Regierung im Jahre 1914 rechtfertigen toolten. Heute wird man den An­schlag dieser Rede beschließen. Das ist nicht die Debatte. Es handelt sich nicht nur um die un­mittelbare Verantwortlichkeit für den Kon­flikt. Aiemand von uns hat daran gedacht, die deutsche Regierung rein zu draschen, teurer hat mehr als mir die militärische Reaktion von Berlin verurteil!. Aber wenn man .ine Debatte über die wirkliche und vollkommene Verantwortlich­keit für den Krieg haben will, dann darf man sich nicht darauf beschränken, fcte b i b l o m a t i» schenDokumenteausdenletzten Stun­den vor dem Kriege heranzuziehen. Es ist unerläßlich, puf die Quellen z urückzu- gehen. Sic berühren das wahre Problem. Wir müssen in die verwickelten Verhältnis ,e aller alten Dinge hineinleuchten. Die un­parteiische Geschichte wird, wenn es geschehen soll, sagen, wer den Krieg mit mathematischer' Sicherheit herbeigcfuhrl hat Das Blatt nennte die äußere Polckck, die Kolonialpolitik, die Poli­tik der militärischen Allianzen, das wirtschaft­lichen und kriegerischen .'-imperialismus und spricht dabei von Rußland, Deutschland. England und Frankreich."

Auf Poincares Besch önigungen der französi- schsn Politik wird noch zurüchzukommen fein

«nmww---

Eine Debatte

im bayrischen Landtag.

München, 6. Juli. (Wolff.) Der ßan b t a g beschäftigte sich mit der Interpellation der ätnabhängigen wegen der kürzlich von dem Regierungspräsidenten Oberbayerns. Dr. von Kahr, in einer Versammlung gehaltenen R ede In der Interpellation wird gesagt, daß Kahr in seiner Rede unverblümt zur Wredereinsührung der Monarchie aufgefordert habe Minister des Frei­staates Bayern seien unter den Zuhörern gewesen und hätten gegen das monarchistische Bekenntnis des von der Republik besoldeten Kahr feinen Widerspruch erhoben. Die Regierung wird gefragt, ob sie gegen biefc monarchistische Propaganda et­was zu unternehmen geheute. Der Minister des Innern, Dr. Schweyer, erklärte, daß die Ver­sammlung, in der Kahr gesprochen habe, eine ge­schlossene Versammlung der Beamtenvereinigung und der Studentengruppen der Bayrischen Volks- Partei gewesen sei. Cs stehe jedem Deutschen nach der Reichs uttb Landesverfassung das Recht zur freien Meinungsäußerung zu. Ein Beamter, der aus seiner monarchistischen Gesinnnna kein Hehl mache, mache sich dadurch keiner ? feftung brr Dienstpflicht schuldig Für die Regierung bestehe daher keine Möglichkeit, Kahr wegen seiner Aeuße- rungen zur Verantwortung zu ziehen.

München, 6. Juli. (WTD.) In der heu­tigen Sitzung!des Landtages nannte der mehr- heitsfozialistische Abg Dill den früheren baye­rischen Ministerpräsidenten v. Kahr einen un­selbständigen und doppelzüngigen Katastrophen- politiker mit nichtpolitischen Ideen. Adg Hil­pert lMittelpartei) sagte, das Ausnahmegesetz gegen rechts werde ein neues Metternich-System brutalster Art in Deutschland eiwfühvM. Minister des Innern Schweyer verwahrt sich dagegen, daß Bayern die Geheimorganisationen beschütze. Die Organisation C werde weiter ver­so l g t: ihre Mitglieder seien aber zugcwandcrtc Roi-ddeutschc und andere Reichsdeutsche. Die bayerische Regierung habe es für ihre Pflicht ge­halten, gegen bai Gesetz zum Schutze der Republik zu stimmen, nicht um dem Reich die Mittel zu versagen, gegen die Verbrecher vorzugehen, son­dern weil dieses Gesetz über jedes zulässige Maß weit hinausgehe. Die bayerische Regierung habe auch darauf zu sehen, daß ihre Landeshoheit nicht in der Weise geschmälert werde, wie dies durch das Gesetz geschehe. Wegen dieser letzten Worte des Ministers entspinnt sich eine lebhafte Debatte zwischen dem Vizepräsidenten Auer und der Rechten.

BorlaufigerReichswirtschaftsrat

42. Sitzung, vormittags IO1/? TlHr.

Berlin, 6. Juli 1922.

Bei der Einzelberatung des Ha "sgc Hit­fengesetzentwurfes beim §12, der eine täglich: Arbeitsbereitschaft von 13 Stunden Vor­sicht, ergibt sich eine längere Aussprache. Schließ­lich wurde ein Arbeitg^erantvag mit 86 ^egen 77 Stimmen angenommen, wonach die Hausge- Hilfen nur auf eine ununterbrochene OLachtrrihe von neun Stunden Anspruch haben follen.

Als alle anderen Anträge abgetönt worden waren, erklärte die Vertreterin der Hausange­stellten, Frau Köhler, daß die Arbeitnehmer nun kein Interesse an dem Gesetz mehr hätten, woraus diese sämtlich den Saal verlaßen.

Der Rest des Gesetzes wird nun nach dem Anträge der Arbeitgeber angenommen. Eine dritte Lesung soll nach den Feiten stattsinden.

Ein Antrag des finanzpolitischen Ausschusses auf Aendei ung des Einkvmmensteu erge - setz es dahin, daß entsprechend dem gefundenen Geldwert der abzugsfähige Betrag von 3000 Mark auf 6000 Mark erhöht wird, wird einstimmig angenommen.

Hierauf vertagt sich das Haus auf unbe­stimmte Zeit

Schluß 5 ili)r.

Aus Dem Stetoe.

Gin Aufruf der Reich sregierimg bezüglich OberMefiens.

Berlin. 6. Juli. (WTB.) Die Reichs- r c g i c r u n g erläßt folgenden Aufruf: In wenigen Tagen wird die Interalliierte Kom­mission Obeischlesien verlassen, und mit ihr zu­gleich räumen die fremden Truppen und Be­hörden das Land. £>er deutsch gebliebene Teil Oberschlesiens wird ^wieder mit dem Mutterlande vereint sein. Jeder, der durch gesetzwidrige und unbcfonnene Taten gegen die Angehörigen der fremden Mächte neue, unabsehbare Verwick­lungen heraufbcschwört, fügt Oberschlesien und dem ganzen Deutschen Reiche schweren Schaden zu. Ramens der 'Reichsregierung ermähne ich daher die gesamte Bevölkerung sowie insbesondere alle mit der Durchführung des Abtransportes der interalliierten Truppen beauftragten Beam­

ten dringend, die Ruhe zu bewahren und sich aller feindseligen Handlungen gegen die inter­alliierten Truppen und Behörden zu enthalten, und an einer schnellen und reibungslosen 'Durch­führung der Räumung mitzuarbeiten

Wirth, Reichskanzler.

Aus Hessen.

Der Landtag.

rm. Darmstadt, 6. Juli. Die Einla­dung zur 14. Sitzung des ßan b tagö ist soeben auf Dienstag, den 11. Juli, vormit­tags 10 Ahr. ergangen. Der erste Punkt der Tagesordnung heißt: Allgemeine politische Aussprache. 3n Verbindung damit: a) Antrag der Abgg. Dr. Osann und Gen. betr. den Erlaß des Staatspräsidenten wegen Ausfälle des Schulunterrichtes am 1. Mai. b) Antrag des Abg. Kindt u. Gen. in glei­cher Angelegenheit, c) Antrag des Abg." Dr. Osann und Gen. zur Ernennung des Abg. Borne mann zum Ministerialrat beim Staatspräs identen.

Ein Wunsch der Stadt Ridda.

cm. Darmstadt, 6. Juli. 3m Finanz­ausschuß des Landtags fand eine Vorstel­lung der Stadt Ridda, das Kreisamt von Büdingen wieder in die frühere Kreisstadt Ridda zu verlegen, Ablehnung, doch wurde die Regierung ersucht, den Wünschen Riddas bei anderer Ge­legenheit Rechnung zu tragen.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 7. Juli 1922

Beruf und Erkrankung.

(7. Vortrag.)

Es wurde zunächst der Gewinnung des Queck­silbers im Alberti'schen Flammofen und im Schachtofen von Idria sowie mittels dos Aludel verfahrens von Almaden gedacht. Eine Schilderung der Gedächtnisabnahme, der Haluzinationen und Delirien sowie lichtbildliche Darstellungen der Stomatitis mercurialis und der besonders in der Handschrift deutlich zum Ausdruck kommenden Tremors gaben Aufschluß über die schwere chro­nische Vergiftung, welche die Arbeiter bei de«' Quecksilber gewinnung befällt. - Der Vortragende soiien, die durch jähen Temperatur-Wechsel ent­stehenden Erkältungskrankheiten, die Lu'igenafsek- Honen infolge der Einatmung von Metallstaub unö Rauch, die Reizung der Luftwege durch ätzende Oase und Säuredämpfe, die bei der Walzenstecherei und der Ausführung von Metallüberzügen auf galvanischem Wege entstehen, sowie die Maß­nahmen zur Fernhaltung der genannten Erkran­kungen. Zuletzt wurde noch auf die wenig bekann­ten Ursachen des Gießfiebers hingewiesen, das Arbeiter in Zinkhütte :>nd GelbgiZwi manchm H befällt. (Aachster Vortrag: 11. Juli: Berufs- crtcantungen in der chemischen Industrie, der Glas- und Tonwarenindustrie, sowie in der Tabak­industrie.) behändste alsdann unter Benutzung zahlreicher Lichtbilder die Verhüttung des Effsns: Den Hoch- ofenprvzeß, das Puddel-, 'Bessemer-, Thomas- und Martin-Swmensv erfahren, gab eine Heberfidjt über die verschiedenen Eisen- und Stahlsorten un­ter Hinweis auf ihren Gehalt an Kohlenstoff und anderen Beimengungen und kennzeichnete die dem Eifen dadurch verliehenen Eigenschaften. Es folgte eine Beschreibung des Umschmelzens der Roheisen- masseln im Kupolofen und der Verarbeitung *u Guhwaren. Lichtbilder verdeutlichten den gesamten Gießereibetrieb. Des weiteren kam die Behand­lung des Eisens unter dem Dampfhammer, in Duo- unt Triowalzwerfen unter besonderer Berücksich- sichtigung der Krupp- und Mannesmannwerke zur bildlichen Darstellung. Auch der Elektrostahkgewin nung nach Stassano, Kjellin .u. a. wurde gedacht. Darauf besprach der Vortragende die Veraiwei- tung des Metalles durch Schmiedc, Schlvffer, Dreher, Schleifer, Feilenhauer, Drahtzieher, Rad­ler und Klempner mit Erläuterungen der Arbeits­methoden durch Lichtbilder. Dann wurden die Be- rusStrankheiten der Arbeiter in den einzelnen Be­trieben geschildert. Besonders eingehend behandelte der Vortragende die Vergiftung mit Kohlenoxyd durch Gichtgas und bei anderen Entstehungsweisen desselben, bie von den Arbeitern als Hühnerplwz bezeichnete Hemeralopie, die durch ultraviolette Strahlen glühender Metallmassen Terror gerufenen entzündlichen Zustande der Horn- und Bindehaut des Auges, die in Skotomen sich äußernden Bleu- dungscrscheinunge«, den Lichtftar, die Schädigung des Eortifchen Organes bei Kesselschmieden und anderen m lärmenden Betrieben beschäftigten Pcr- Me neue Derfkcherungsgreuze bei bet Orts­krankenkasse.

Mit Wirkung vvm l.Iali ab ist die Ein» kommensgrenze für diezwangsweise Zuge-' hörig leit zur Ortslrankenkasse vvn 40 000 MI auf 72000 Mt. Hera afgesetzt worden. Zur Vermeidung von Weiterungen sei diese Er- höhirng noch einmal in (Srinnetung gebracht. Im Anschluß hieran verweisen wir auf die heutige Be­kanntmachung der Allgemeinen Ortskrankenkasse.

Wettervoraussage

für Samstag.

OKeift beiter, wärmer, trocken.

Dor Tiefdruckwirbel, der geftecn Sturni und Abkühlung brachte, ist mit sehr großer Geschwin- bigfeif nordwärts abgezogen. Hoher Druck ist von Frankreich nachgedrungen und bringt wieder Aufklärung. Gestrige Temperaturen: Gießen Wapimurn 28, Minimum 12; in Deutschland Maximum 33. Minimum 9 Grad.

* Am tl iche Personalnachrichten. Am 1. Juli wurde der Bauinspektor Georg S ch ä - s e r zu Friedberg auf sein Rachsuchen unter An­erkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Oktober ds. Is. an in den Ruhestand versetzt. Erledigt ist die Stelle eines mittleren Baubeamten (BauinsVektors ober Oberbausekre­tärs) bei dem Hessischen Hochbauamt Friedberg.

f pd. D i e Au sbreitung des Wucher- unwesens. Im IaHre 1921 tarnen nicht weni­ger als 19 938 Personen vor die deutschen Wucher­gerichte. 2839 wurden freigesp-rvchen, 9511 er­hielten Geldstrafen, und zwar 6084 eine solche bis zu 1000 Mark, 3112'bis 20 000 Marl, 194 bis zu 50 000 Mark, 91 von mefrr als 50 000 Mart. 5497 erhielten Freiheitsstrafen. 910 von diesen hatten so großen Wucher getrieben, daß fte mit Zuchthaus bestraft warben. Der Rest wurde bm ordentlichen Gerichten überliefert.

* * Ast o ria- Lichtspiele. Der zweite Teil des großen FilmwerkesTarzan" versetzt

den Urwakdbewvhnm- in die ziviliHerte Welt. Dieser schroffe Wechsel ruft eine Rerhe von Konflikten hervor zwischen dem Rninrmenfchen und feiner Umgebung, die ihm 'cilw.-or n-ch noch feindlich gesinnt ist. Enttäusch! such» Tarzan wieder die Stätte seiner Kindheit auf, aber der kurze Aufenthalt unter den kultivierten Merkchen bat ihn schon so verändert, daß ihn feine einstigen Freunde, die Tiere des Urwaldes, v-chl oiede«' erkennen. Mit der völligen Vereinsamung Tarzans schließt der zweite Teil.

^rnofueiL

Tagestalender für Freitag Licht­spielhaus Bahnhofstraße: Ad heuteÄw Rzrj)t her Einbrecher" undMariechens Heimkehr".

Fe st Vorstellung des Goethe- bundes im Stadttheater. Wan schcerot uns: Wie bekannt, muhten die Aufführungen des'Deutschen VoWliedes" durch den Goethe- Bund und S ckrgerkranz im hiesigen Stadtthoater infolge technischer Schwierigteiteu verlegt wer­den. Runmehr sind die Verhandlungen mit der Direktion des Kurtheaters Bad-Rauheirn beendet und die Auffühlmngen auf Dienstag,-Den 18. und Mittwoch, den 19. Juli festgelegt worden. Wie im vorigen Sommerhalbjahr der Goethebund mit einer größeren Veranstaltung im StadttHeater cs waren damals die Festspiele dei Haeß Berkow-Spiele aus Jena an die Oesfentlich- fett trat, so wird auch für diesen Sommer wiederum im Rahmen einer WohltätigteitSver- anltaltung eine größere Festvorstellung, die Aus­führung des Liederspiels ..Das deutsche Volks' lieb" gebracht Die Spielleitung des Werkes, das im Laufe der Jahre eine größere Zahl von Auf fübrimgen im Hofthoater zu Dessau, im Hof- theater in Schwerin, int StadttHeater zu ßwne- burg und anderen Städten unter großem Beifall erlebt hat, liegt in den Händen des Herrn Spiel­leiters K. V o l ck vom Kurtheater Bad-Rauheim, der das Werk in Szene gesetzt und 6 wirkungs­volle Bühnenbilder geschaffen hat. Die Massst- chtzre und die Solisten sind zusammengestellt aus Mitgliedern des Sängertranzes und des Goethe- tzundes, während bas Orchester durch eine größere Zahl hiesiger Musikfreunde gebildet wird. Für die Leitung des musikalischen Teils ist Herr Musik­lehrer Kasten gewonnen worden. Das Werk, wie jedes Bild, wird durch einen Vorspruch, der uns die Bedeutung des deutschen Volksliedes für unsere deutsche Volksseele zeigen will, eingeleitet. Die Dorsprüche werden von Frl. Karla Keller vvm Kurtheater Vab-Rauheim gesprochen. Der Dv'spruch für das 3. Bild, das in Gießen mit dem Blick auf den Gleiberg vielt, ist von einer bekannten und geehrten hiesigen Perfönli<^eit eigens für das Gießener Bild und die Gießener Heimat verfaßt worben Für die mit großem Effet und Müchewaltung durchgeführtc Einstudie- rung des Werkes ist es nur zu wünschen, daß alle Vereine unserer Büraerschast O.-rch allseitigen Besuch Hessen, der RuffüDv^ng des Werkes, das unsere deutschen D^>lksgebräuchc irnd Brstssitten verherrlichen will, den vcrdi:>cken Erfolg zu bringen. iS. heutige Anzeige.)

Aus dem 6 t a b 11 b c a i c r b u r c a u. Am kommenden Dienstag bringt ^as Bad-Rau Heimer Knrtheater mit seinem Gastspiel die. Erst­ausführung des neuen LustspielesDas Jubi­läum" von Bach und Arnold. Die beiden Verfasser sind bekannt durch die erfolggekrönten SchwankeDie spanifchc Fliege", ..Zwaogsein- guartieniug und ..Der keusche Leben: an»". Auch das neue rlösen.

Da zahlreiches Personal für die Besetzung des Stückes erforderlich ist, mutz mehr beim je aji De^ung der Unkosten mit gutem Besuch gerechnet werden.

Leibesübungen an der Landes-- ii n iversitä t. Der schtzuc ^nin.-ch'.täi>.--Spiel- und Sportplatz' hinter beut Schühenhaus iEnd­punkt der roten Elektrischen) ist eine Zierde für Gießen geworden Die prächtige Lage <ind nie durch eine Aufforstung rervrllständigte Anord­nung wird manchen überraschen. Es lvchit sich, die studentffche Kvrpere^iel,ung auf diesem Platze zu beobachten. BesoiÄcrs geeignet ist dazu der nächste Sonntag, 9. Juli. Da iiaden die Se­mesterwett kämpfe der Universität statt, vorinitrngs die Äusschcidiingskämpse, nachmittags die En<- fcheidungsk'-mHse. Am Samstag nachmittag finden in der Mütlerschen Badeanstalt die Wettkämpfe im Schwimmen und im Sp3mgen statt. Die '5\ru trittsgklbe' .für alle Veranstaltungen finb_ für den Ausbii >' Anzeige.)

Gießener Hochs chulgeselkscha f f. Auf der Hanptversammlu m Gefellfchaft am Sonntag. 0 Juli, vormittag- um 1 Uhr rünkt- liefe, tut großen Hörsaal her Universit t hält Pros. Dr. Iesi o n ek einen Vortrag überD i e wissenschaftlichen Grundlägeu der Hautpflege". Zu dem Vortrag haben Gäste freien Zutritt.

Landkreis Rieften.

* Rvdheim a. b. Horloff. 7.. Juli. Die Eheleute Adolf Hofmann dahier feiern brate am 7. Juli in voller Rüstigkeit und Frische ihre a n I fe c n c Hochzeit.

ii. Holzheim, 6. Juli. Eine ta is-irdtäpfige Menge hatte sich zum di jarnqen Bibel Missivnsfest eingesunden, das jetzt 60 Jahre lang besteht. Das Fest fand auf hem geräumigen Grasplatz hinter der Kirch? statt. Der Posaunen- chor »ad bei gemischt? Ehor wirkten mit. Den drei Festprcdigern Pfarrev P e t s ch c r aus Ebs­dorf. Stistsdechant Lenz aus Lich und Vlissionar Dassel aus Reuguinea hörte die Menge mit andauernder Aufmerlsamteit zu Die Bewodner Holzheims ließen cs sich nicht nehmen, in ga» freundlicher Weise die zahlreichen auswärtigen Festgäste zu bewirten.

Kreis Friedberq.

* Vad-R anheim. 6. Juli Bis zum 6. Juli betrug der Gesamt besuch 19 247 Personen. .

spd Bo d-Rau he im. 6. Juli. E.n a m e- r i t a n i) d; c r Kurgast spendcie für dm Kriegsbeschädigten in der hw'iaei R?r- forgungdanftolt 100 Dollar.

Kreis Alsfeld

spd. Alsfeld, 5. Juli. Der Pferdeknecht H ö l l f ch e r in Eifa wollte während der Fahrt vom Wagen aus das Pferd besteigen. Er kam zu Fall, wurde überfahren und getötet.

Kreis Lauterbach.

>' Ilbeshausen, 7. Juli. Eine emp> s i n d l i ch c Strafe erhielt die Ehefrau ein.^ Streckenarbeiters aus einem Rachbarborfe, weck sic der Milch, welche sie dem Molkereibefitzer