Ausgabe 
7.6.1922
 
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Kongreh der Völkerbundsliga.

Prag, 6. (Zani. (Wolff.) 3n der Vollver­sammlung des Kongresses der Völkerbunds­liga wurde zunächst die Aufnahme neuer Gesell­schaften beraten. Die armenische, estlandische, dä­nische sowie ukrainische Gesellschaft wurden de- battelos ausgenommen. Die Anfrage des fran­zösischen Delegierten Rennessy, ob die östliche oder westliche ukrainische Gesellschaft aufgenom­men sei, rief eine erregte Debatte hervor. Die Frage wurde dahin beantwortet, daß die Ge­sellschaft der östlichen Hfraine ausgenommen sei. Die Frage der westlichen iltraine bleibe einstweilen offen. Gegen die Aufnahme der otto- manischen Gesellschaft sprach der Referent der (Kriechen, Seferiades. Sein ablehnender An­trag wurde mit 54 gegen 32 Stimmen verworfen. Nachdem der Referent mitgeteilt hatte, daß die Kommission die Aufnahme der bulgarischen Ge­sellschaft empfehle, erklärte der jugoslawische De- legierte Woynuwitsch, er sehe sich veranlaßt, dar­auf hinzuweisen, daß Bulgarien die im Sinne des .Friedensvertrages erledigte mazedonische Frage durch seine Wankelmütigkeit wieder auf» rolle. Er hoffe, daß Bulgarien sich einer fried­lichen und gerechten Gesinnung befleißigen werde. Die Versammlung .stimmte dem Kornissionsvor- schlag zu. Die Frage der Aufnahme der deut­schen bzw. ungarischen Gesellschaften in der 'Tschechoslowakei wurde dadurch geregelt daß die tschechoslowakische Gesellschaft ihren deu.schrn bzw. ungarischen Mitgliedern eine Anzahl Stimmen überwies. Sodann eröffnete der Prasrdent R u f - *fini die Behandlung der Minderheiten­frage und betonte ihre besondere Bebeutung. Die Frage werde hier nicht in ihrer Beziehung zur Tschechoslowakei, sondern zur ganzen Mell behandelr weroen. Sodann führte der Präsident deS Minderhfttenausschusses, Dickenson aus, sicher sei eine Anzahl von Beschwerden der Minderhei­ten gegenstandslos, Ri-^sdestvweniger erachte es die Kommission für ihre Pflicht, sie der Versamm­lung vorzulegen, umsomehr als die Kommission fest stellen müßte, daß in allen in Betracht kom­menden Ländern Minderhetten im Zustande äu­ßerster Unzufiedenrhell leben und daß diese Hn= Zufriedenheit für die Staaten selbst und den euro­päischen Frieden eine schwere Gefahr bilde. Ihn so wichtiger sei auch die gesamte Minderheiten­frage. als die 'hier in Betracht kommenden Unzu- friedenen die Zahl von 25 Millionen erreicht hätten. Daß diese Frage auf dem Boden der Tschechoslowakei zur Sprache komme, sei natür­lich nur Zufall. Die Tschechen und Slowaken hätten feit Erkämpfung der Freiheit ihren Staat auf der Grundlage der überaus liberalen demo­kratischen Verfassung, aufgebaut. Ihre Stactts- marmer hätten im europäischen Beratungskörper einen großen Ginfluß. Man könne ihnen daher volles Vertrauen entgegenbringen und zutrauen, daß sie diese schwere Frage in demselben Sinne und demselben Geiste internationaler Gerechtigkeit wie so viele andere zu lösen bereit und imstande seien. Der Delegierte M e b i n g e r (Deutsche Liga für die Slowakei) sagte zu dem über die Minori- tätenfrage vorliegenden Bericht Dickensons, daß er Wohl nicht alle Wünsche erfülle, die die Dell- schen hier hätten, daß seine Annahme aber einen Fortschritt bedeuten würde. Die Deutschen m der Tschechoslowakei wollten für die Erzielung eines dauerhaften Friedens in Europa tatkräftig Mitarbeiten. Sie wollten besonders Oesterreich helfen, aus seinem traurigen Schicksal herauszu- konunen. Der dcu sche Delegierte G af Bern­storfs ertlärte ir iter großem D.tfall, solange man die Regierungen bertetbige, gebe es kein Recht der Minderheiten. Man mfJff> vielmehr den Regierungem sagen, wie sie es besser machen sollten. Gegenüber den tschechi'chen und Polri» schen Delegierten erklärte Bernstorfs, daß sie sich nicht ganz loyal gegenüber der Mindrr- heitskommtssion, die den Bericht verfaßt habe, verhalten hätten, da sie selbst an dem einstim­migen D.schluß der Resolution Dickensons nicht beteiligt waren. Bernstorff wies darauf hin, daß zwischen Deutschland und Polen ein allerseits als mustergülftg anerkannter Mmderheitsschutz- herttog geschlossen worden sei

Auf Winkelmanns-Spuren.

(Aus neuen Briefen Earl Just iS.)

Die Winckelmann-Bivgraphie Carl Zustis ist das klassische Meisterwerk wissenschaftlicher Le­bensdarstellung, und ihr Schöpfer, der große Kunstgelehrte Carl Zusti, steht neben dem Ent­decker des Griechentums als der geniale Nach- und Aeuschöpfer seines Wesens und seiner Zeit. So hohen Ruhm heute die Arbeiten Iustis als Höhepunkte kunstgeschichtlicher Forschung besitzen, so fehlte uns doch bisher der Einblick in seine Persönliche Entwicklung, da er immer vornehm im Hintergrund gestanden hat. Da ist es denn eine wichtige Gabe, die der deutschen Gelehrten- Geschichte und zugleich jedem Freunde Italiens gemacht wird, daß IustisBriefe aus Italien", die Schreiben, die er bei seinem ersten Aufent- hall in diesem Lande während des Studiums zum zweiten Band seinesWinckelmann" schrieb, so­eben im Verlag von Friedrich Cohen zu Bonn erschienen sind. Die Briefe enthalten wundervolle Schilderungen von der Kunst, dem Volk und dem Leben Italiens, besonders aus Rom, Florenz, Neapel und Venedig. Durch alle Erlebnisse aber leuchtet das geniale Schauen und die allseitige Bildung des Mannes, der hier auf Winckelmanns Spuren, aber mit eigenen Augen und Empfinden die Well der Antike aus der Vergangenheit em­porhebt und mll einer großartigen Beurteilung der Gegenwart verbindet. Iusti hatte als junger Marburger Dozent den ersten Band seines Winckelmann-Werkes vollendet und dafür das schäbige Honorar von 125 Talern" erholtem Nun muhte er wie sein Held und Vorbild nach Italien, um hort Stimmung und Stoff für den zwellen Band zu finden Aber das Honorar reichte nicht weit, und so entschloß er sich denn, seine Kunstschätze zu verkaufen, um die Reise zu ermöglichen, die für ihn Sein ober Nichtsein be­deute.Das Dürer-Album und den Golhischen Stich", schreibt er später an seine Schwester, ..habe ich mich damals, als ich die Vorberellungen nur 'Reise traf und keinerlei Unterstützung hoffen konnte, obwohl ungern, entschlossen, in Leipzig versteigern zu lassen, nebst noch anderen Sachen. Es war die Realisierung dieser Reise für mich eine Lebensfrage, der ich solchen Luxusbesih opfirn mußte." Die zwei Jahre, die er nun in Italien verbringen durste, boten diesem nach außen lo

gum Attentat auf Schewemann.

Berlin, 6. Juni. Wie die Blätter criis Gaffel melden, ist Staatsanwaltschaftsrat Dr. Schmitz vom Zustizminister mll der wei­teren Untersuchung deS Attentats auf Ober- bürgermeffter Scheidemann betrant wor­den. Er hat heute mll dem Kriminalkommis­sar Grvpengießer eine genauere Unter­suchung des Tatbestandes vorgenommen und ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Anschlag, der von dem Täter mit großer Dorsorgevorbereitet worden war,von einem Auswärtigen ausgeführt wurde. Alle Nachforschungen nach dem Täter sind bisher erfolglos geblieben. Nach einer Meldung des Vorwärts" ruht zum Protest gegen das Attentat am Mittwoch von 12 Uhr mittags bis 1 Uhr die Arbeit in sämtlichen Betrieben von Cassel. Um 4 Uhr findet eine große Pro­testkundgebung statt, nach der die Ar- beller vor das Rathaus ziehen werden, wo Scheidemann sprechen wird.

Berlin. 6. Juni. (Wolff.) Der Reichspräsident hat nachstehendesTele­gramm an den Oberbürgermeister Scheide­mann gerichtet:Zum Mißlingen des bübi­schen Attentats beglückwünsche ich Dich herz­lich."

Aus vem Reiche.

Tagung der kathoMchen Gesellenvereine.

Köln, 6. Zuni. (Wolff.) Zur Teilnahme an dem hier während der Pfingsttage abgehobenen ersten internationalen katholischen Gesellentag hatten ca. 700 Gesellenvereine aus allen Teilen Deutschlands und des Aus­landes, darunter auch Amerika, Abordnungen entsandt. Nach einem feierlichen Pontesikolamt, das am Pfingstmontagmorgen Kardinal-Erzbischof Dr.Sch u lz im Dom selbst zelebrierte, versammel­ten sich die Gesellen später in der Bürgergesell­schaft und in der Lesegesellschaft, wo in öirjen Reden die Ziele der katholischen Gesellenvereine besprochen wurden. Im Anschluß daran fanfc eine stark besuchte Dertreterversammlung im weihen Saale der Bürgergesellschaft statt, in der General-, sekretär Natter mann über die hohen Ziele der katholischen Gesellenvereine referierte. In tret Aussprache fand ein Antrag des Leipziger Ver­eins, die bayrische Regierung zu bitten, die Düste des Gesellenvaters K o l p i n g in der Wal­halla aufzustellen, lebhafte Zustimmung, ebenso die Anregung zur Schaffung eines eigenen Ver- bandshauses in Rom. Hinsichtlich der Stellung­nahme der Gesellenvereine zu den sogenannten freien Gewerkschaften wurde einheitlich und einhellig bekundet, daß lein Mitglied diesen Gewerkschaften angehören dürfe. Nur im Zwangsfalle soll der Änschluh an eine der Gewerkschaften gestattet sein.

Nach einer Generalkommunion der Gesellen sand am Pfingstmontagnachmittag im großen Saale des Gürzenich unter dem Vorsitz des Präsi­denten Schiffer (Ungarn) und in Anwesenheit des Kardinal-Erzbischofs eine große Kund­gebung für die Aufgaben und Ziele der katho­lischen Gesellenvereine statt. Parallelverfammlun- gen wurden zu gleicher Zeit auch in andere» großen Sälen unter überaus starker Beteiligung abgebalten. Nachmittags versammelten sich die Teilnehmer, ungefähr 15 000 an der Zahl mll mehr als 100 Fahnen, zu einem Festzuge mit einer Jundgebung für den Kölner Kardinal am erzbischöflichen Palais in den Strahen der Stadt.

Hirsch-Dunckerscher DerbandStag.

Berlin, 6. Juni. (Wolff.) Unter zahlreicher Beteiligung der Delegierten aus allen Teilen des Reiches begann der Verband der deutschen Ge­werkvereine Hirsch-Duncker seinen 21. or­dentlichen Verbandstag. An der Tagung nahmen u. a. teil: Reichs Wirtschaftsminister Schmidt, der Preußische Handelsminister S i e- r i n g, Staatssekretär Dr. Gelb vom Reichs­arbeitsministerium und Vertreter des Ministe­riums für Ernährung und Landwirtschaft. Vom allgemeinen niederländischen Fachverband waren mehrere Vertreter erschienen.

verschlossenen, innerlich so unendlich reich empfin­denden Manne das entscheidende Erlebnis seines Daseins, und wir fühlen die Seligkell mit, mit der er den Blick über das Forum von Rom schweifen läßt, die Kunstschätze von Venedig und Florenz genießt oder den Tempel von Pästum bewundert.

Mll einem gewissen Grauen denkt er, als sich die schöne Zell dem Ende zuneigt, an die Rückkehr in die Enge der kleinen Universitätsstadt Marburg und schreibt:Manchmal erscheint mir der Ab­schied wie ein Abschied vom Geben oder wie eine Rückkehr in ein altes Gefängnis. Wie wird mir das Aufgeben dieser Freiheit in jeder Hinsicht schwer werden. Wie eng und öde wird mir das Geben scheinen nach zweijähriger Gewohnhei'. mehr in einer großen Außenwelt als mit Menschen zu leben." Ader er weih, dah neues Schaffen feiner harrt:Ich werde zwar nie eine philosophische Leuchte meiner Nation werden, hoffe aber doch so viel von Philosophie gelernt zu haben, um die Erdengüter richtig nach ihrem Wert zu klassifizie­ren und zu wissen, dah die Muße für ein mit Liebe gepflegtes Werk ober die Entdeckung einer über die unendliche Mehrzahl gewöhnlicher Men­schen erhabenen Seele, wie es mir in diesem Winter in Rom begegnete besorge nichts, es ist keine weibliche Seele ober das Wasser am Golf von Neapel mit sonntäglichem Besuch bei ben alten Pompejanern, ober ba, wo man zu jeder Zell zu der Kuppel von St. Peter hinaufschauen und mit Michelangelos Propheten Zwiesprach halten kann, endlich gesunde Augen, gesundes Hirn und Lun­gen, unendlich wertvollere Dinge sind, als die frei­lich wenigen zutell werdenden hohe -Ehre, den Aktenkästen des Senats offnen zu dürfen, über das annod) durch den Erfolg eines Examens bestimmte Lebensglück armer Bursche mitzuentscheiden u'w." Auch von der Bekanntschaft mit berühmten Män­nern spricht Zusti in diesen Briefen. Sv erzählt er von einem Besuch bei dem alten Nazarener Over­beck:Er ist etwas gebeugt, aber von sehr frischer Farbe, obwohl hager. In blauem Samtkäppchen, in ein Plaid gehüllt, in Filzstiefeln wandert er durch die Besucher und sitzt in ihrer Mitte, das in Worten auseinandersehend, was er in so schönen Linien auf ben Kartons niedergeschrieben; er hat e-was wie ein alter Heiliger." Bon einem Zu- lammentreffen mit Liszt heißt eS:L's Erschei- rcung hatte ich mir bedeutender gedacht, seine Un-

Aus 5zabt und Land.

Gießen, den 7. Juni 1922.

. Sommersonderzüge.

AnttlicherseitS wird uns mitaetettt:

Unter der Voraussetzung, daß die Koh- lenversorgung gesichert bleibt, beabsichtigt die Eisenbahnverwoltung, während der Monate Juni bis August dieses JahresSommer- svnderzüge" zu ermäßigten Prei­sen zu fahren. Die Züge führen nur die 3. W a g e n k 1 a s s e. Es werden in diesem Jahre Rückfahrkarten 3. Klasse mit einer Gül­tigkeit von 60 Tagen ausgegeben, die bei der Mckfahrt zur Benutzung aller fahrplanmäßi­gen Züge sowie geeigneter Sommersonder- züge berechtigen. Für Schnellzüge ist der tarifmäßige Zuschlag zu zahlen. Die Ermäßi­gung beträgt für die Hin- und Rückfahrt je 25 v. H. des tarffmäßigen Fahrgeldes.

Für den Bezirk der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. kommen nachstehende Son- derzügc in Betracht:

1. Von Frankfurt (Main) nach Ba­sel Konstanz am 8. und 15. Juli 1922. Ab­fahrt in Frankfurt (M.) Hbf. 8.00 Uhr vorm., Ankunft in Basel, Bob. Bf. 2.10 nachm, in Konstanz 4J39 nachm. Einsteigstationen sind Frankfurt (M.). Darmstadt und Bensheim. ES werden Karten ausgegeben nach: Offen­burg, Freiburg (Breisgau), Müllheim (Ba­den),Bafel, Wehr oder Zell (Wiesental), Triberg, Donaueschingen und Konstanz.

2. Von Frankfurt (M.) Hbf. nach Nord­deich (Nvrdseebäder) am 8. Juli 1922. Ab­fahrt in Frankfurt (M.) Hbf. 6.13 Uhr vorm., Ankunft in Norddeich 5.05 Uhr nachm. Ein­ste igstatio neu sind Frankfurt (M.), Friedberg, Gießen und Dlllenburg. Es werden Karten ausgegeben nach Emden, Emden Außenhafen, Borkum, Juist, Norderney und Langeoog.

3. Von Frankfurt (M.) nach München am 17. Juni, 8. Juli, 15. Iuli und 5. August 1922. Abfahrt in Frankfurt (M.) Hbf. 9.18 Uhr nachm., am 15. Juli 8.25 Uhr vorm. An­kunft in München 6.13 Uhr vorm., am 15. Juli 5.26 Uhr nachm. Einsteigstativnen sind Frank­furt (M.), Offsenbach, Hanau Ost. ES wer­den Karten ausgegeben nach Augsburg und München, sowie nach Berchtesgaden, Gar­misch-Partenkirchen und Oberstdorf.

4. Von Basel über Franffurt (Main) nach Berlin am 6. Juli und 2. August 1922. Ab­fahrt in Frankfurt (M.) Hbf. 6.53 Uhr nachm., Ankunft in Berlin 6.13 Uhr vorm. ES werden Karten von Frankfurt nach Berlin veraus­gabt.

5. Von SaarbrückenTrier über Gie­ßen nach Berlin am 9. August 1922. Ab­fahrt in Gießen 12.50 Uhr nachm., Ankunft in Berlin 6.10 Uhr vorm. In Gießen wer­den Karten nach Berlin ausgegeben.

6. Von Basel über Frankfurt (M.) nach Hamburg/Bremen am 9. und 31. Juli 1922. Abfahrt m Frcurkfurt (M.) Hbf. 6.53 Uhr nach­mittags, Ankunft in Hamburg Hbf. 5.50 vorm., tn Bremen Hbf. 6.58 vorm. Einsteigstativnen sind Frankfurt (M.), Offenbach und Hanau Ost. ES werden Karten nach Hamburg und Bre­men verabfolgt. In Hamburg und Bremen sind gegen Vorzeigung der Sonderzugkarten Anschlußkarten zu ermäßigten Preisen nach den Nordseebädern erhältlich. Der Vorverkauf der Karten erfolgt an den Fahrkartenschaltern der Einfteigebahnhöfe 18 Tage vor Abfahrt des Sonderzuges und dauert im allgemeinen 14 Tage, wenn die Karten zu den einzelnen Svnderzügen nicht schon vorher verkauft sind. Alles nähere ist aus den auf den Bahnhöfen angebrachten Aushängen ersichtlich.

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* Gestohlen wurde in der Nacht zum 6. 3uni aus einem Hühnerfl all am Wißmarer

terhattung ist trivial. Ich sah ihn zum ersten Mal in einem Konzert, im Dezember. Er hat ein seines, obgleich nicht edles Profil, in seinen Be­wegungen und Gebärden hat er etwas von dem schleichenden Wesen angenommen, fein Minen- spiel aber ist übertrieben bis zur Karikatur, unter dem geistlichen Firnis scheint der frühere Löwe des «Salons durch. Komisch war es, wie er, kaum in den Saal emgetreten, zur Serie der schönsten jungen Dame war, auf die er noch immer einen faszinierenden Sinbrurf machen soll." In all der Seligkeit Italiens aber vergißt Iusti nicht die Hei­mat.Das Land, daS am festesten an unser Herz gefettet ist." schreibt er an die Mutter,ist stets bas, wo wir unsere größten Lebenserfahrungen durchgemacht, die Kämpfe, in denen man zum Mann geworden, wo man die Erkenntnis sich er­rungen pat, die die einzige dauernde Frucht des Lebens ist. Dies schöne Land wird auch ein Heim­weh zurücklassen, aber es ist nur für die Sonne, ein Heimweh für die Phantasie."

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_ Wre Dürer gegen die Kopisten kämpfte. Wohl kern anderer Künstler ist so viel nachgeahmt worden wie Dürer, in dessen graphischen Arbeiten man mit Recht schon früh einen Höhepunkt der Kunst erkannte: schon zu Lebzeiten hat er sich gegen seine Nachahmer und Kopisten wehren müssen. Wie der Direktor der Wiener Albertina Ivseph Meder in einem Auf­satz desKunstwanderers" ausführt, kann man berechnen, dah wohl eine halbe Million solcher Abzüge Dürerscher Werke von Kopisten in Um­lauf waren. Die Zahl der von Dürer-Kopisten gefloßenen und zum geringeren Teil geschnittenen Platten beläuft sich, so weit sie bekannt ist, auf etwa 990, und nimmt man von jeder Platte nur 10 Auslagen und von jeder Auflage nur 50 Ab­züge art so ergäbe sich daraus schon fast eine halbe Million. Schon 1502 muhte sich Dürer gegen einen gewissen Hieronymus Greff, genannt Hieronymus von Frankfurt, weh.en, der in Straß­burg eine Kopie seiner Apokalypse herausgegeben hatte. Er fügte daher den Ausgaben des Marien- lebens und der Kleinen Passion eine lateinische Warnung für solche Diebe in geharnischten Wor­ten bei. Als er 1506 nach Venedig kam, hatte er eine größere Menge seiner Graphik mitgenom­men, uni sie dort als Andachtsblcttter verkaufen zu lasten. Er hatte sogar einen Aaenten in Rom,

nimmt die Krimminalabteilung entgegen.

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Weg ein weißer WharcdvtteS-Hahn und vier ebensolche Hühner. Es handelt sich um Aus­

Gieße ®ont*e. i In d Brahii

Musikfolge ist: 1. Deutschlands Ruhmestage! Marsch, R. Wagner. 2. Ouvertüre zur Opew. Oberon", K. M. v. Weber. 3. Eiazug der Götter^ in Walhall aus dem Musikdrama:Das Rhein- gold", R. Wagner. 4. Wiener Blut, Walzer, Ioh. Strauß. 5. 2 Märsche für Hervldtronrpe.enr a) Kreuzritter- Fanfare, b) Fehrbelliner Retter- marsch, A. Heuickon.

Das Fest ihrer Silbernen Hoch­zeit feiern am 8. Zuni der Fabrikant Karl Malkomesius und seine Ehefrau Marie geb.1 Habermehl, Kaiserallee 14.

Bornotizen.

Tageskal ender für ^Mittwoch: Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Ihr Kammer­diener" and »Richte nicht!"

Konzertverein. Dor einem Viertel- jahrhundert im Iahre 1897, verschied Johan- n e s Brahms (geb. 1833). Zu seinem>ächt- nis werden zur Zell in ganz Deutsa-land, zum Tell großzügige Feiern, so w Kassel, Bremen, München, Wiesbaden, veranstaltet, bei denen seine Symphonien oder Chorwerke zur Auffüh­rung kommen. In anderen Städten, wie tn Frank­furt a. M., beschränkt man sich auf eine AuSwaA seiner Kammermusikwerke ober Lieder. Auch der Kcnzertv-erein hat schon vor Monaten die Absicht einer solchen Gedächtnisfeier gefaßt und dafür das Wendling-Quartett aus Stutt­gart gewonnen. GS wird des großen Weisters berühmte zwei SlreichquartetteinO und ^-Moll vortragen, sowie unter Mitwirkung des ausgezeichneten Solv-Klarinettisten. HermD r e y s b a ch von der Stuttgarter Oper, das hier noch nicht zur Aufführung gelangte und fetten gespielte, herrliche Klarinetten- Quintett, op. 115. Auf die eben genannten Werke wird noch kurz zurückgekommen werden. Heute fei nur daraus hingewiesen, daß die Ver­anstaltung als Sonderkvnzert des Kon­zertvereins amMontagdem 1 2. 3 u n t in der großen Aula der Universität stattfindet.

Bühnenvolksbund. Man bittet uns schon jetzt darauf hinzuweisen, dah am Donners­tag, 29. Juni, für die Theater gemeinde im Philo­sophenwald ein Konzert flattfinbet mit anschlie­ßendem gemütlichen Zusammensein. Für diesen Abend ist der bekannte Lautensänger v. Hunyady- Detmold gewonnen worden, so daß epi genuß­reicher Abend bevorsteht. Wettere Anmeldungen zur Theatergemeinde werden vorher und am Abend selbst angenommen.

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mögen bekommen." Eine gewisse Genugtuung, aber auch großen Aerger bereitete es ihm, daß der berühmte llalienische Stecher Marccnllon sich der Blätter des Marienlebens, die Dürer mll nach Venedig gebracht hatte, bemächtigte und Nach­stiche lieferte. Zwei dieser Kopien tragen wirk­lich die Jahreszahl 1506. Auf DürerS Beschwerde hin verboten die venezianischen Behörden dem Nachahmer das fremde Monogramm zu miß­brauchen. Die Kopien MarcantonS tragen tat­sächlich nur leere Täfelchen. Eine solche Entschei­dung erscheint uns heute als sonderbar, denn gerade das Monogramm wies ja die Blätter alS Dürers geistiges Eigentum auf. Aber das Mono­gramm galt damals als gesctzlich igeschützteMeifler- marke, mit der kein Unfug getrieben werden durfte. Auch der Nürnberger Magistrat nahm sich auf Dürers Beschwerde seiner an und erließ am 3. Ianuar 1512 eine scharfe Warnung an die Dürer-Kopisten:Item einem fremden Mann, so unter dem Rathaus Kunstblätter feil hat und unter denselben etliche, so Albrecht Dürers Hand^ i zeichen haben, die ihm betrüglich nachgebruckt' finb, soll man in Pflicht nehmen, dieselben Zeichen alle abzutun und deren keins hier fett zu haben. Ober wo er sich dessen weigern würde, soll man ihm diese Blätter alle als Fälschung aufheben und zu des Rates Händen nehmen." Aber all I das half nicht viel: im Norden und Süden beutete \ man weiter den großen Meister aus und nach ; seinem Tode flieg die Flut der Nächstiche noch ! höher. Obwohl sich seine Witwe, Frau Agnes, i im August 1528 einen Schuh ihrer Privilegien erwirkt hatte, schnitt H. Guldenmund 1532 den Triumphwagen Maximilians" nach, und der Nürnberger Rat riet ihr nur, die Holzstöcke um ; 10 Gulden zu erwerben, und ersetzte ihr die 1 Hälfte der Summe. Im Oktober dessellben Iahres beschwerte sie sich wiederum, und der Rat lleß alle Händler in Nürnberg verwarnen, sowie auch die von Straßburg/ Frankfurt, Leipzig und Ant­werpen davon verständigen.

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Kreis Alsfeld.

* Alsfeld, 6. Juni. Im Zusammenhaatz mll einer Diebstahlsaffäre (es wurden vor kurzem aus dem Cahnschen Getreidelager in der Schellen^ gaffe etwa 20 der Firma P. F. Kirchner Wwe. gehörige Zentner Weizen nächtlicherweile ge­stohlen) wurden hier in den letzten Sagen durch die Staatsanwaltschaft eine Anzahl Ver­haftungen vorgenommen.

Starkenburg und Mheinhessen.

rm. Darmstadt, 6. Juni. Mit Schwe­felsäure übergossen Hal beute früh dis 31 Fahre alte QL H. Ehefrau aus Dolen den 36 Iahre alten Heizer Karl L. dahier in der Mansarde des Hauses Dleichstrahe 91. Sie stürzte sich dann durch das Fenster über das Dach in den Hof und trug mehrere Knochenbrüche unb Ver­letzungen davon. Es wird befürchtet, daß L. in­folge der starken Brandwunden das Augmrlicht verliert. L. war früher Bureauvvrsteher bei einem hiesigen Anwalt, kam aber in feinen Verhältnissen zurück und lebte von seiner Frau getrennt Er ver­anlaßte dann die ebenfalls verheiratete H., gleich­falls ihren Mann zu verlassen und ihm den Haushalt zu führen. Beide lebten aber auch nicht sehr einig. Die Frau scheint schon einige Zett diese Mordgedan^n gehabt zu haben, benn wie aus einem an ihren in Polmi im Kreise Rybni? lebenden Bruder geschriebenen, allerdings un­bestellbar zurückgekommenen Briefe hervorgeht, J hat sie dort Schwefelsäure für diese Zwecke bestellt.

rm. Goddelau, 6. Zuni. Schwer miß­handelt wurde in der Nacht zum Pfingst»

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der seine Kunst fachen dort verkaufte, unb be­richtet Pirkheimer, daß er durch den Tod dieses Mannes großen Schaden erlitten habe, ihn so unangenehmer muhte es ihm sein, daß zahlreiche Kopisten ihm ins Handwerk pfuschten.Auch sind mit ihrer viele feind," schreibt er am Z. Fe­bruar 1506 an den Nürnberger Freund,unb machen mein Ding in Kirchen ab und wo sie eS