Ausgabe 
7.4.1922
 
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Nr. 83

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Erster Blatt <72. Jahrgang Aeltag,

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Slelndruckerei R. Lange. Schriflleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: §chnlstrahe 7.

7. April 1922 HnnaQuu oon Anzeigen für bie Tagesnummer big zum Nachmittag vorher ohnejebe Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen v 34 mmBreite örtlich 120 Ps .auswärts 150 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 450Ps. Bei Platz. Vorschrift 20Aufichlag Hauptschriftleitcr: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für ben übrigen Teil Karl Walther; für ben Anzeigenteil: HansBcth, sämtlich in Gießen

Dor der Konferenz von Genua.

Der englische Geduldsfaden in den Ter- Handlungen mit Frankreich, der oft zerrissen schien und dann immer wieder geknotet worden war. macht in der letzten Zeit Bewegungen, als wolle er eine Art von CinkreisungSpolitik vollsühren. Wie gestern berichtet worden ist, hat die englische Regierung ihre Alliierten wissen lassen, baß sie von ihren Kriegsschuld- nern künft g Zinszahlungen verlangen müsse, weil sie selbst auch Amerika gegenüber in diesem Punkte nicht mehr säumig sein dürfe. Ob die von England nach dem Beispiel Ame­rikas eingeleitete finanzielle Blockade in Paris die gewünschte Wirkung erreichen wird, ist eine andere Frage. Heute erhalten wir die etwas merkwürdige Meldung, daß bei einer Expresz- zugfahrt aus sranzös schem Boden das Archiv der Engländer für die Genueser Konferenz ge­stohlen worden seil

Ein Aktcndicbstnhl im Exprcßzug Paris Marseille.

B e r l i n. 6. April. (Wolff.) DerB. Z." zufolge sollen bei dem gestern früh verübten Eisenbahnraub im Paris Mar­seiller Expreßzug den Räubern wichtige diplomatische Aktenstücke in die Hände ge­fallen sein, darunter das ganze Archiv d e S englischen auswärtigen Amtes für die Delegation von Genua.

Die Befürchtungen Frankreichs.

Paris. 7. April. lWTB.) Der Parcker Berichterstatter desDai'y T.l g aph" schreibt: Trotz der Tlnterhaasrede Lloyd Georges seien in Frankreich nicht alle Befürchtungen behoben bezüglich der Politik, die der britische Prmier-- minister in Genua verfolgen wird. Man be­furchte, datz die Frage der Abrüstung zu Lande aufgeworfen werden wird. Deutsch- land werde, wir nun glaubt, sein Möglichstes tun, uni die R e p a i a t i o n s b e st i m m u n - gen neu erwägen zu lassen.

Die Sachverständigen der ncntralen Länder.

Bern, 7. Tlpril. (Schweiz. Dep.-Agent.) Die Sachverständigender neutralen Län­der haben sich am Donnerstag nachmittag ver­sammelt, um die Aussprach: über die Fragen, die auf der Genueser Konferenz bespro­chen werden sollen, zu eröffnen. Die Beratungen werden heute fortgesetzt.

Die Haltung Schwedens.

Stockholm, 6. April. (WTD.) Auf eine Interpellation im Reichstage, betreffend die Konferenz in Genua, erklärte der Minister- präsitent Br a n t i n g, di: schwed.sche Regierung wünsche, daß die Ausgabe der Konferenz zur Durchführung gelange im Geiste der V.rsöhnlich- kcit. Solidarität und Ausrichtjgi>.it. Tie schwedische Delegation erhalte nur a l l g e m e i n eI n st r u k - Nonen, ins.esondere hinsichtlich der Slabilisie- vung ter Valuten durch Rückkehr zum Goldzins- fuß, Abbau der Schranken des internationalen Handels und te.initiver allgemeiner Berständi- gung mit Rußland. Mit der Genua-Delegation reist heute Brant ing über Bern nach Genua ab.

Die deutsche Antwort auf die Neparationsnote. Berlin. 7. April. Wie dieDeutsche All­gemeine Zeitung" mitteilt, Hot das Reichslabinett gestern den Wortlaut der Antwort aus die Rote der Reparationsnote fest- gelegt. Wie niedrere Blätter erfahren, hat der Borsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, Dr. Stresemann, d:n Ausschutz auf heute vormittag cinberufen, im ihm Ge­legenheit zu gcE :n, zu der Antwort Stellung zu nehmen. Infolge der verzögerten Fertig­stellung der Rote hat Reichskanzler Dr. Wirth, der gestern abend die Reise nach Genua antreten wollte, die Abfahrt in letzter Stunde verschoben. Er wird heute in der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses bei der Beratung der de.ltschen Ant­wortnote das Wort ergreifen.

Keynes über die Stabilisierung der europäischen Wechselkurse.

London, 6. April. (WTB.) ^Manchester Guardian" bringt unter der äleberschrift: ..Die Stabilisierung der europäischen Wechselkurse - ein Plan für Genna" einen ausführlichen Artikel von Kinnes, in dem der englische Wirtschaftler die Reihe von Aufsätzen über den Wiederaufbau Europas, den derMan­chester Guardian" aus Anlah der Genueser Kon­ferenz veröffentlicht, einleitet. Keynes schreibt darin, er sehe augenblicklich keine andere Lösung der Stabilisierung für durchführbar, als die Schaffung des Goldstandard in so vielen Ländern wie möglich. Zu der Frage, ob Stabilisierung ober Deflation vorzuziehen sei, führt Keynes aus. es gebe nicht ein einziges europäisches Land, dessen Regierung klargelegt habe, ob sie dir Politik ver­folge, den Wert der 'Währung des Landes zu heben oder die Währung zu stabilisieren. Es werde schwer sein, hier einen Fortschritt zu er­zielen, bevor die beiden Probleme voneinander geschieden worden seien. Augenblicklich sei die Stabilisierung der volkstümlichste Weg. Die Politik der Leiter der Staatsbanken Europas strebe jedo-ch nach Besserung des Wechfelkurfes.

Keynes ist der Ansicht, man müsse für jedes Land gesondert entscheiden, ob es besser sei, den Wechsel­kurs dieses Landes sobald wie möglich sestzuhal- ten, wo er am besten aufrechterhalten werden kann, oder ob man daraufhin zielen solle, all­mählich den Wert des Wechselkurses des Landee zu heben. Keynes schreibt, er persönlich sei bei Ansicht, cd sei wichtiger, die Wechselkurse fest zusetzen, als sie zu verbessern, unb fährt fort, bk Deflation fei nur bei Ländern angebracht, die hoffen könnten, ihre Dorkriegsparität bald wieder hcrzustellen. Dies könne gesagt werden von Groß- britannicn, Holland, Schweden, der Schweiz und Spanien, jedoch von keinem anderen europäischen Land. Für bas finanzielle Prestige Frankreichs würbe es nur einen geringen Unterschied aus» machen, ob der Franken auf 40 ober 50 für das Goldpfund und für Italien, ob die Lire zu 75 oder 100 für das Goldpfund stabilisiert werde. Keynes macht den Dorschlag, daß die Länder, deren gesetzliche Zahlungsmittel einen Goldwert haben, der um mehr als 20 Prozent im Dergleich mit ihrem Wert von 1914 gefallen ist, eine Wie­derherstellung ihrer Währung auf der Dorkriegs- golbwertbasis nicht versuchen sollten. Alle Wäh­rungen mühten sobald wie möglich gegen Gold zu einem festen Sah austauschbar sein. Die Gold- zirkulation müsse verringert werden, da Europa sein ganzes Gold als Reserve gegen Wcchelku^- schwankungen brauchen werde. Keynes schreibt, er sei der Ansicht, es werde schwer sein, die Wäh­rungen der zahlreichen Rachbarn Deutschlands wieder herzustellen, solange die beutscheMark Schwankungen ausgesetzt sei. Keynes glaubt auch nicht, dah bei einem Wiederaufleben des Handels der Franken und die Lire ihren augenblicklichen Wert behaupten können. Cs würde ratsam fein, den Versuch unverzüglicher Umsetzbarkeit in Gold auf folgende Länder zu beschränken: Großbritan- nien, Frankreich, Italien, Belgien, die skandinavi­schen Länder, Spanien, Holland, die Schweiz und die Tschechoslowakei. Die anderen Länder könnten mit der Zeit zur Teilnahme daran zugelassen werden. Die neuen Geldwerte in diesen Ländern mühten auf der Finanzlage des Landes fußen, damit das Risiko eines Zusammenbruches so ge­ring wie möglich fei.

Die deutsche Antwortnote in der Polizeifrage.

Berlin, 6. April. (Wolff.) Der Reichs­minister des Auswärtigen übermittelte am 5. April General Rollet folgendes Schrei- b c n in der Polizeifrage:

Herr General! Auf die Rote vom 23. März 1922 beehre ich mich, folgendes zu erwidern: Schon vor Eingang dieser Rote hat die deutsche (Regie­rung sich veranlaßt gesechen, die Frage der Ord- nungspolizei den Regierungen der alliierten Hauptmächte zu unterbreiten und an sie bie in Abschrift beiliegende Rote zu richten. In dieser (Rote werden die alliierten Mächte ersucht, bie in dem Schreiben der deutschen (Regierung vom 15. März 1922 dargelegten Gesichtspunkte auch ihrerseits einer nochmaligen Prüfung zu unter- ziehen und dabei die schweren inneren Ge­fahren zu berücksichtigen, die für Deutschland aus seiner Schwächung der Schutzpolizei in ihrem jetzigen Zustande entstehen müssen. Eine Stellungnahme der alliierten (Regierungen ist bis­her nicht erfolgt.

Inzwischen hat die Kommission das Schreiben Vorn 15. Marz mit der Rote vom 23. März beant­wortet, in der sie, ohne auf die von der deut­schen Regierung vorgetragenen Darlegungen ir­gendwie einzugehen, vor allem weiteren die An­erkennung des Prinzips der Rückkehr zur Organisation der Polizei von 1913 verlangt. Die deutsche Regierung wird auch diese Maßnahme unverzüglich zur Kenntnis der alli­ierten Regierungen bringen. Sie hasst nach wie Vor, dah diese sich bereitfinben werden, bie Ver­ständigung in der Frage der Ordnungspolizei auf der Grundlage der im Schreiben vorn 15. März gemachten Dorschläge zu suchen. Im Einver­ständnis mit be'.i (Regierungen der deutschen Län­der bin ich jedoch schon jetzt in der Lage. Ihnen, Herr General, in Beantwortung Ihrer Rote mit- zuteilen, dah die deutsche (Regierung von den in der Rote vom 23. März enthaltenen Erklärungen der Kommission Kenntnis nimmt, wonach auch diese für die Länder die Möglichkeit wahren will, im Rahmen der übernommenen Verpflichtungen die Organisation der Polizei den seit 1913 cinge- tretenen veränderten Verhältnissen anzupassen. Die deutsche Regierung geht davon aus, dah da­nach die für bie Aufrechterhaltung der öffent­lichen Ruhe und Ordnung und damit auch des Wirtschaftslebens in Deutschland unentbehrlichen polizeilichen Grundlagen garantiert werden. Sie nimmt an, bah bie Kontrollkommission unter der in ber Rote zum erstenmal gebrauchten Formel ..Rückkehr zur Organisation von 1913" die Erfül­lung der im FriÄensvertrag, in der Rote von Boulogne unb in den Pariser Beschlüssen fest­gesetzten Derpflichtungen Deutschlands versteht. Dies vorausgeschickt, crlcnnt die deutsche (Regie­rung für sämtliche deutschen Länder den Zustand von 1913 als Grundlage für die Organisation der Polizei an.

Genehmigen Sie usw.

Tagung des Deutschen Deamtenbundes.

Berlin, 7. April. Die gestrige Aussvrache auf der Bu ndes tagung des Deutschen Beamienbunbes. ii: b.n programmatischen Erklärungen des ersten Dorsitzenden Flügel

folgte, drehte sich um die Frage des Beamten- st r e i k s. Der Vertreter des Reichsbundes der Kommunalbeamten, E h r m a n n, erk.ärte, die Be­amten feien Diener der Allgemeinheit. Sie mell­ten nicht in einen Klassenkampf hineingezogen werden. Der Streik sei in der Hand der Beamten eine Waffe, die unter Umständen sich auch gegen iie werde wenden können. Darauf hielt War­stein von der Reichsgewerkschaft deutscher Eisen- bahnbeamten eine Derteidigungsrede für die Hal­tung seiner Organisation während des Streiks der Eisenbahnbeamten. Rach Ausübungen Ka­nossas von der Sozialen Arbeitsgemeinschaft ergriff, von Beifall begiü'lt der zweiteDorsihende der Reichs everlschach Scharfschwerdt, das Wort. Er führte aus: Wir haben das Programm des Dorsitzenden nicht verstanden und können es auch nicht unterschreiben. Wir werden nicht eher den Saal verlassen, bis Klarheit über die Frage des Streikrechts der Beamten gescha fen ist. Zum Eisenbahnbeamtenstrcik bemerkte Scharfschwerdt, dah die Empörung aus der breiten Masse empor» gewachsen sei. ^.öenn man das Derufsbeamten» tum heute erhalten wolle, hätte man die Be­amten nicht unter die Arbeiter sinken lassen dürfen.

Scharfschwerdt schloh: Wir haben den ehr­lichen Willen, für die Gesamtheit der Beamten weiterzuarbeiten, aber nicht in einer Politik der Kompromisse unb der ilnterorbnung, sondern in einer Politik des Handelns. (Stürmischer Beifall.)

Dundesdirektor R e m m e r s rechtfertigte darauf die Haltung der Bundesleitung des Deut­schen Beamtenbundes während des Eisenbahn- beamtenstreiks und wies besonders daraÜf hin, baß die Reichsgewerkschaft die vom Deamtenbund angebotene Dermittlertätigkeit abgelehnt habe. Remmers stellte weiter fest, dah bas Einkommen der Beamten abhängig gemacht werde von den Löhnen der Arbeiterschaft, doch sei ein Zusam­mengehen zwischen Beamten- und Arbeiterge­werkschaften nicht möglich; die Wesensart des 'Be­amten und Arbeiters seien zu verschieden, als baß eine gemeinsame Zusammenfassung möglich würde. Um die geplanten Maßregelungen zu ver­ringern, sei eine geschlossene Aktion der gesamten Beamtenschaft notwendig. Rach einer längeren Geschäftsordnungsdebatte wurde gegen eine starke Minderheit beschlossen, baß außer den Ausfüh- rvngen des Do l-sitzenden auch die Rede Scharf - schwerdts gedruckt werden solle.

Eine monarchistische Kund­gebung in Wien.

Wien. 6. April. Rach einem heute morgen in der Stephanskirche zelebrierten Requiem für den Exkaiser Karl zogen tausend Per­sonen unter Absingen der Kaiserhymne vor das Parlament, in das sich eine Abordnung begab, um vom Präsidenten zu fordern, dah die Parlamentsflagge auf Halbmast ge­hißt werde. Unter Berufung darauf, dah die Mehrheit ber Qlbgeorbneten jeder Trauerkund- gebung für ben Exkaiser abgeneigt sei, wurde bas Verlangen abgclcßnt. Als im Publikum bie Drohung laut wurde, baß man bie Arbeiterschaft zur Gegemundgebung aufbictcn werbe, zerstreute berittene Polizei bie monarchistischen Gruppen, wobei einigt Verhaftungen vorgenommen würben.

In ber heutigen Sitzung des Rationalrats machten, wie wir einem Bericht der F. Z. ent­nehmen, die Sozialdemokraten die Teil­nahme des Bundeskanzlers und von Regierungs­mitgliedern an dem (Requiem zum Gegenstand einer dringlichen Anfrage, die Abg. Leuthner begründete, indem er darauf hinwies, dah die Regierung wissen müßte, dah es sich um eine monarchistische Demonstration handelt. Es fei ein unhaltbarer Zustand, daß bie obersten D.amten ber Republik sich an einer solchen Demonstration beteiligen. Die Christlichsozialen unterbrachen wie­derholt durch stürmische Zwischenrufe, in denen sie ihrer Auffassung Ausdruck gaben, daß dem Requiem keine politische Bedeutung zukomme, sondern dah es sich lediglich um eine Trauerfeier gehandelt habe. Bundeskanzler Schober, der sofort erwiderte, unterschied zwischen dem (Requiem und den Demonstrationen unb berief sich daraus, dah er und einzelne Kabinettömit- glicber als Privatpersonen dem (Requiem bei­gewohnt hätten. Er verwies darauf, daß er der Republik seit ihrem Bestände auf schwierigem Posten und unter schwierigsten Verhältnissen treu gedient habe und nicht annehmen konnte, dah seine Teilnahme an einer Seelenmesse für den ehemalige,' Herrscher, der ihn zum Polizeipräsi­dent ernannt und ihm persönlich nur Gutes er­wiesen habe, irgendwie geeignet wäre, seine Treue zur Staatsform in Frage zu stellen. Die Demon­strationen verurteilte der Bundeskanzler. Ramens der Christlichsozialen sprach Fink, der gleich­falls die Demonstranten verurteilte, die der Sache, der sie dienen wollten, den größten Schaden zugefügt hätten. Es wäre aber um die Republik schlecht bestellt, trenn es einem Regierangsmit­glied nicht freiftänbe, für bie S e e.iweihe bes Dahingeschiedenen zu beten. Der frühere Staats­kanzler Renner nahm scharf gegen Schober Stellung unb erklärte, der feine Tlnterschied zwi­schen Bundeskanzler und Privatperson werde von der Bevölkerung nicht verstanden werden. Damit war bie Anfrage erlebigt.

Errichtung einer polnischen (tzrostfnnkenstation.

Wie berBerl. Lokalanz." berichtet, wirb auf bem alten Festungsgelänbe ber Festung Thorn demnächst eine polnische Militär-Groß- Zunkenstation errichtet werben, bie auch dem

öffentlichen Verkehr bienen soll. Sie ist vor. Frankreich geliefert worben unb soll eint besonders große Reichweite haben.

Aus dem Reiche,

Deutsche Kulturträger beim ReichSprüsider.tcU.

B c r l i n, 7. Apr I. (WTB.) Der Reichs - p r ä f i b c n t hatte heute abenb bie Reprüse n- tanten bes deutschen Kulturlebens zu einem gcs Iligcn Zu ammensein geladen Reben ben Ministern unb Abgeordne cr e schienen alle Vertreter der Wissenschaft, die R.'kioren urd Senate der Unixrfität und an'c er h c iger Hoch­schulen, die Leiter der großen Forschungsinstitute und Museen, die Mitglieder der Akademie ber Wissenscha ten und andere he vvrragnde Gelehrte aller Fakultäten. Von den Sch i tfidle n begrüßte der Reichspräsident u. a. Hermann Sude.mann, Ludwig Fulda. Arno Holz und Herbert Eulen­burg. Die bildenden Künste waren durch Louis Corinth, Max Pechstein. Heckel, Fritz Klinisch, Hugo Lederer und Kolbe vertreten. Don den Musikern waren gekommen Konrad An'o gc, Du- foni. Heinrich Grünseld und Adolf Busch. Die Schauspielkunst vertrat Paul Wegener. Adolf von Harnack hielt einen feinsinnigen Dortrag über die sozialen Bewegungen des Tlrch istenlums, während Konrad A n s o r g c schöne Gaden seines meisterhaften Klavierspieles spe id.te. Der Alenb nahm für alle einen befriedigenden, harmonischen Derlauf.

Der Urlaub der ReichSbramten für 1922.

(Berlin, 7. April. (Priv.-Tel.) Einer Korre» spondenzmeldung zufolge hat das Reichslabinett gestern den .Urlaub der Reichs beamten f ü * 1 9 2 2 in demselben Umfange wie für 192J festgesetzt.

Beschlüsse des Reichswirtschaftsrats.

Berlin, 6. April. (WTD.) Im vorläufiger Reichswirtschafts rat wurden zumGesetzentwurs über die Autonomie der Rcichsbank bie Anträge des finanzpolitischen Ausschusses angenommen, durch die bie durch die Regierungsvorlage der Reichsbankleitung eingeräumten weitgehenden Be­fugnisse etwas eingeengt werden.

Dem Gesetzentwurf über die Versicherungs­grenzen unb Rentenbemessung in ber Unfallver­sicherung stimmte der Reichswirtschaftsrat unter Ablehnung des Arbeitgeberantrages auf Wieder­herstellung der Regierungsvorlage mit der Maß­gabe zu, baß auf Antrag des sozialistischen Aus­schusses die Versicherungsgrenze der Betriebs­beamten und selbstversichernden Arbeitgeber aus 100 000 resp. 60 000 Mark und das Mindest­sterbegeld auf 1000 Mark erhöht wird.

Der 1. Mai als Feiertag in Thüringen.

'Berlin, 7. April. (Priv.°Tel.) Rach ehun (Blättcrmelbung aus Jena ist dem Thüringer Landtag eine Gesetzesvorlage unterbreitet wor­den, nach welcher der 1. Mai zum gesetz­lichen Feiertag erhoben werden soll. Bei der Zusammensetzung des Landtages ist die An­nahme der Vorlage gesichert.

Deutscher Reichstag.

204. Sitzung vom 6. April, mittags 1 Uhr Berlin, 6. April

3m Reichstag wurde heute ein Gesetz über die Regelung der Einfuhr in allen drei Le­sungen angenommen, wonach an Stelle ber bis­herigen Reichsbevvllmächtigten bie Zollverwal­tung mit den Befugnissen ber Ueberwachung der Ein- unb Ausfuhr gesetzt werden soll. Desgleichen wurde in allen drei Lesungen angenommen ein Gesetzentwurf, wonach die Sozial,« e>gebung des Saargebiets auf dem Derordnulzgswege durchgesührt werben soll.

Der Gesetzentwurf zur Aenberung ber Ver- orbnung, betreffenb Sicherung ber Fleisch' Versorgung, wonach die Beseitigung her Schlußschrine im Diehhandel vorgesehen wird, wird in zweiter unb brittcr Lesung angenommen, ebenso ein .Gesetz, nach welchem die Verhältnis­wahl für bie Krankenversicherung vor­gesehen wirb. ,

Cs folgt bie zweite Beratung bes Gesetz­entwurfes für bic Heranziehung der

Frauen zum Schöffen- und Geschworenenamt

Abg. Frau Agnes (UCP.) stimmt bem Gesche zu, da es immerhin einen Fortschritt be­deute.

Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) erklärt für sich und einen Teil feiner Freunde, die Vorlage ab» lehnen zu müßen. Hierin liege nicht Mißachtung der Frauen. Die ganze Bewegung sei aber nicht im Interesse der Rechtsprechung, sondern aus poli­tischen Momenten entsprungen.

Abg. Dr. Düringer (Dntl.) erklärt, baß die Ansicht auch seiner Parteifreunde in dieser Frage geteilt sei. Er selbst glaube, daß die Recht­sprechung unter ber Mitwirkung der Frauen nicht leiben werde.

Reichs;ustizrninister Dr. Radbruch: Wir wollen den Frauen bas Recht der Ablehnung geben, aber nur in begrenzter Form, sonst er­schüttern wir bic neue Einrichtung von vornherein. Ich sehe bas Gesetz nicht unter dem Gesichtspunkte des Frauenrechts an, sondern unter dem der Rechtspflege.

Abg. Marx (Zentr.) spricht sich gegen einer» Antrag der Deutschnationaler auf Wiederherstel­lung der Regierungsvorlage aus. wonach^ von zwölf Geschworenen mindestens sieben Männer sein müssen unb den Frauen das unbedingte Ab­lehnungsrecht gegeben werden solle.

Rach zustimmenden (Srfläruneen eines fom- I munistischen Abgeordneten zu b..n Gesetz wird der deutschnationale Antrag abgelehnt und ein 1 Antrag angenommen, baß mindestens ein Schöffe