Ausgabe 
7.3.1922
 
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für bfe Grundlage unv Höte Der 'Jtorauß«» Zahlungen benutzt werden? Welcher Zinsfuß soll vom 4. Jahre ab gewährt werden?

Das Programm RathenauS.

Berlin. 6. März. (WTB.) Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, wird der Reichsminister des Aeußern, Dr. Rat He­nau, morgen im Hauptausschuh oeS Reichs­tages sein außenpolitisches Pro­gramm entwickeln.

Verhandlungen über neue Gehaltserhöhungen der Beamten.

Berlin, Z. März. 2lm 3. März haben die fünf Spitzenorganisationen < Allgemeiner deutscher Gewerkschaftsbund, Afabund. Deutscher Beamtenbund, Deutscher Gewerkschaftsbund und Gewerkschaftsring) der Reichsregierung eine schriftliche Eingabe übermittelt, in der mit Rück- auf die g ew alti ge f o r tsch r e i te n d e Teuerung sofortige Verhandlungen über eine angemessene Erhöhung der Grundgehäl­ter und Grundlöhne des ' Personals der Reichs-, Staats- und Kommunalbetriebe ge­fordert wird. Wie derVorwärts" mitteilt, hat die Reichsregierung den Termin für die Verhandlungen mit den Organisationen auf Freitag, den 10. März, festgesetzt. Zur Zeit finden unter den beteiligten Verbänden Be­ratungen über die Höhe der zu stellenden For­derungen und das praktische Zusammenarbei­ten statt.

Strafanträge des Rittergutsbesitzers v. Kühne.

Berlin, 7. März. (Privattelegr.) Der ^Deutschen Lllgem. Zeitung" zufolge wird der Rittergutsbesitzer von Kähne jetzt, da die bisherigen gerichtlichen Untersuchungen seine Schuldlosigkeit ergeben haben, ge­gen diejenigen Blätter, die entstellende Nach­richten über die Vorfälle in Petzow verbreitet haben, Strafantrag fteUen, desgleichen gegen die Hauptredner in der Glindower Pro- testversammlung, einen Mehrheitssozialisten und einen Anabhängigen.

Aus dem besetzten Gebiet.

Die Saarbewohner gegen die Fremdherrschaft.

Ottweiler, 6. März. (WTD.lEbenso wie vor kurzem der Kreistag von St. Wendel und die Saarbrückener Stadtc«rordnetenversanunlung, bat heute der Kreistag von Ottweiler die Begutachtung der von der Regierungskom­mission vorgelegten neuen Gesetzentwürfe, darunter ein neues Lohnsteuergesetz ähnlich dem im Reiche ^bereits geltenden, abgelehnt. In der Begründung wird betont, daß bis jetzt von leiten Der Regierung noch keinerlei Schritte ge­troffen seien, Die dem dringenden Wunsche der Saarbevölkerung nach einer zeitgemäßen Demo­kratisierung der Verwaltung« Verhältnisse auch nut geringe Rechnung tragen. Der Kreistag sei nach wie vor zur Mitarbeit bereit, sobald die u n v e r - kennbaren Annexionsbestrebungen cer Regierungskommission und ihre planmäßigen Versucht der Loslösung der Saarbevvlkerung von Deutschland und dem Deutschtum aufhören und > der Saarbevölkerung ein -zeitgemäßes und ent» »scheidendes Bestimmungsrecht gewährleistet wird. " Der Kreistag erhebt erneut schärfsten Protest 1 gegen die anhaltende autokratische Re» gierunasform, die bis heute im Saargebiet geübt Wuw, um so mehr, als sich die Regierungs- kvmmission soeben anschickt, die letzten Reste des Selbstbesiimmungsrechtes der Gemeinden durch ihr neues Lohnsteuergesetz zu beseitigen. Bezüglich des Anspruches der Regierungskommission, die Befugnisse der Regierungen und gleich­zeitig der Volksvertretungen Preußens und Baherns auszuüben, heißt es, daß diese Bereini­gung von Regierungs- und Parlamentsrechten eine Maßnahme des Zwanges sei, was einen bis­her hierzulande nicht bekannten Absolutismus darslelle. Zu einer derartigen völligen politischen Entrechtung der Einwohnerschaft dürfe der Kreis­tag in keinem Falle feine Hand bieten. Die un­haltbar gewordenen politischen Verhältnisse des Saargebietes konnten nur durch ein maßgebendes Saarparlament auf rein demokratischer Grundlage beendet werden. Diese Begründung soll dem Völkerbünde im Wortlaut unterbreitet werden. Durch Verfügung an die Landräte hatte die Re­gierungskommission vor einiger Zeit bereits mit­teilen lassen daß sie die Befragung der Be­völkerung als tatsächlich erfolgt ansehen werde, auch wenn der Kreistag eine Begutachtung der ihm dorgelegten Gesetzentwürfe ablehnen sollte. Aster diese Verfügung ging der Kreistag zur Tagesordnung mit Der Begründung über, daß sie nut eine öffentliche dokumentarische Festlegung des bisher bereits praktisch von Der DegierungS- kommission geübten Verfahrens sei.

Feuilleton.

WaS der Deutsche. Franzos und Engländer au.Steuern zahlt.

Wie ungerecht die besonders von den Fran­zosen aufgestellte Behauptung ist, wir Deutschen zahlten weniger Steuern als Franzosen und Eng­länder zeigt die Zusammenstellung eines briti­schen Finanzsachmannes, Die. dieser In dem Dalitz News veröffentlicht. Der Vergleich der Prozent­sätze der Einkommensteuer in Den drei Ländern ergibt, daß Deutschland sehr viel schwerer in jeder Hinsicht besteuert ist als Die beiden anderen Länder. Die indirekten Steuern sind in Frankreich größer als in England: überhaupt sind die englischen Steuern sür Leute mit kleinen Einkommen leichter zu tragen als die französischen und deutschen. Die Einkommen Der Wohlhabenden werden in Frankreich weniger stark mitgenommen als in England, aber bei Den ganz reichen Leuten ist die französische Steuer wieder viel schlimmer als die englische. Die deutschen Einkommen aber sind in allen Klassen härter besteuert als Die in Frankreich und England. Der Verfasser führt dann einige Beispiele an, wobei er als Wert­messer 1 Fr. 5 Mk. und 1 Pfund --- 220 Mk. zugrunde legt. Das war das Verhältnis der Kaufkraft des Geldes in Den Drei Ländern auf Grund Der Preisindex',iffern im September 1921. Seitdem ist Die Kaufkraft der Marl noch >chr gefallen, Die des Franken und des Pfundeü sehr gestiegen, so daß sich die Prozentsätze Der Be­steuerung noch beträchtlich zu Ungunften ter Deutschen verschieben. Ein Junggeselle von über

Die Schaffung von Kraftwagen- Linien in Hessen.

Auf die Anfrage der Abgg. Dr. Osann und Genossen, betreffend Schaffung von Kraftwagen­linien in verkehrsarmen Gegenden des Landes, hat das hessische Ministerium der Finanzen fol­gend« Antwort erteilt:

Die hessische Regierung hat sich schon vor Dem Kriege angelegen sein lassen, das dem öffent­lichen Verkehr dienende Kraftwagenwesen zu för­dern und zu unterstützen und hat zu diesem Zweck im Dezember 1913 einen Gesetzentwurf, Die För­derung von Kraftwagenlinten betreffend, Druck­sache Rr. 475, den beiden Kammern zur ver­fassungsmäßigen 'Beratung und Beschlußfassung überreicht. Diese Vorlage wurde von der Zweiten Kammer angenommen, Dagegen von Der Ersten Kammer abgelehnt.

Bis zum Ausbruch des Weltkrieges waren in Hessen mit ttnterstühung des Hessischen Staates Die Kraftwagenlinien BensheimLindenfels und WeinheimTrösel betrieben worden. Durch den Krieg wurde das (sich allmählich entwickelnde) Kraftverkehrswesen vollständig lahmgelegt, da das Personal zum Heeresdienst eingezogen und die Kraftwagen von der Heeresverwaltung beschlag­nahmt wurden.

Aach Kriegsende hat Die hessische Regierung bei Den Verhandlungen über die Verreichlichung Der S taa tseisenba hnen und Der Kraftwagm- betriebc den Standpunkt vertreten, daß Die Frage des öffentlichen Kraftwagenverkehrs allgemein ge­regelt werden müsse und zwar in Der Weile, daß Der gesamte Dem öffentlichen Verkehr die­nende Betrieb vom Reichsverkehrsrnrnr- sterium zu übernehmen sei. Es wurde hierbei von der Erwägung ausgegangen, daß der natür­liche Anschluß des öffentlichen Kraftwagenrerkehrs nur bei der Eisenbahn zu suchen fei, unbeschadet finanzieller Anterstützung und Regelung etwaiger Zuschüsse durch öffentlich-rechtliche Körperschaften, wie Länder, Provinzen, Ä reife und Gemeinden, denn die Kraftwagen-Linien mußten zunächst für das bestehende Eisenbahnnetz und als Ersah für Kleinbahnen in dem Maße an Bedeutung gewin­nen, als Die ungünstige Finanzlage Der Eisen­bahn, der Mangel an 'Bau- und Ausrüstungs- material und die ungewöhnlich hohen Baukosten zur äußersten Zurückhaltung bet Ausbau Des Kleinbahnnetzes nötigten. Die Reichreisenbahn- verwaltung hat die ttebernahme des privaten, dem öffentlichen Verkehr Dienenden Kraftwagen­betriebs abgelehnt, Der hessische Staat ist aber nicht in Der Lage, selbst Kraftwagen- linien zu betreiben, denn hierfür fehlen alle Voraussetzungen. Es konnte daher nur in Frage kommen, diesen Betrieb der R e i ch s p o st - Verwaltung oder Den nach Dem Kriege ins Leben gerufenen Kraftveickehrsg s l:schasten an­zugliedern. Wir waren der Ansicht. Daß in erster Linie eine Angliederung Des öffentlichen Kraft­wagenverkehrs an die Reichspostverwaltung zu erstreben sei. Eine Beteiligung bei der Grün­dung der Kraftverkehrsgesellschaft in. b. H. .Hessen" in Frankfurt a. M, die sich anfangs hauptsächlich mit der Beförderung von Gütern beschäftigte hat die hessische Regierung seiner­zeit abgeleynt, da ein Bedürfnis zur Beteiligung nicht anerkannt werden konnte. Es wurde vielmehr Den Interessenten überlassen, sich wegen etwaigen Beitritts unmittelbar mit der Gesellschaft in Ver­bindung zu sehen. Die staatliche Anterstützung von Liüien, die von dieser Gesellschaft betrieben werden, sollte damit nicht ausgeschlossen werden.

Die Regierung war bisher und ist auch heute noch grundsätzlich bereit, Kraftwagenlinien die dem öffentlichen Verkehr dienen, durch Beihil­fen zu unterstützen unter Der Voraussetzung, daß zunächst die an der Linie interessierten Gemein­den, Kreise, Provinzen unD sonstige öffentliche Körperschaften oder andere leistungsfähige Be­teiligte sich zur Heberna^nte entsprechender Zu­schüsse verpflichten. Die Staatszuschüsse können entweder in Form einer einmaligen Abfindungs­summe oder in jährlich zu leistenden Beiträgen zur Deckung der Fehlbeträge im Betrieb bereit- gestellt werden und sollen über diejenigen Der Interessenten nicht hinaus gehen. Der Landtag hat diesen Standpunkt bisher gebilligt.

Als äußerste Grenze der staatlichen Unter» stühuna wurde bisher derBetrag jährlich von 500 Mark für das Kilometer angenommen, der neuerdings, der Geldentwertung entsprechend, auf 1000 Mari für das Kilometer erhöht wurde.' An Stelle des Jahresbeitrages kann auch ein ein­maliger Zuschuß in Höhe des zwanzigsachen Be­trags treten.

Die Einrichtung von Kraftwagenlinien stößt gerade in Den verkehrsarmen Gegenden Hessens infolge der außerordentlich hohen Anschaffungs­kosten für Die Kraftwagen, sowie wegen Der teueren Betriebs- unD Personalkosten auf große Schwie­rigkeiten. Der Betrieb dieser Linien würde vielfach so hohe Kosten verursachen, daß sie selbst mit finan­zieller Anterstützung des hessischen Staates in der oben angegebenen Begrenzung nicht aufgebracht

30 Zähren mit einem Arbeitseinkommen von 20 000 Mk., 4000 Fr., und 90 Pfund jährlich be­zahlt in Deutschland 8,8 Pcoz. vom Einkommen, in Frankreich 3.25 Proz., in England nichts. Bei einem Mann mit Frau und zwei Kindern werden bei einem Arbeitseinkommen von 50 000 Mark oder 10 000 Fr., oder 225 Pfund jährlich in Deutschland 6,52 Prvz. weggesteuert, in Frank­reich 1,53 Proz., in England nichts. Ein Mann mit Frau und vier Kindern mit einem Arbeits­einkommen von 100 000 Mk., ober 20 000 Fr., oder 450 Pfund zahlt in Deutschland 14,6 Droz, seines Einkommens als Steuer, in Frankreich 3 Proz., in England 2,1 Prvz. Ein Mann mit Frau und zwei Kindern gibt bei einem Arbeits­einkommen von 250 000 Mk., oder 50 000 Fr., ober 1125 Pfund in Deutschland 25,2 Proz. seines Einkommens als Steuer, in Frankreich 7,8 Proz., in England 16,3 Proz. Ein Junggeselle mit einem Arbeitseinkommen von 250 000 Mk., oder 50 000 Franks, oder 1125 Pfund gibt in Deutschland 31,7 Proz. seines Einkommens als Steuer, in Frankreich 14 2 Proz., in England 23,4 Proz. Ein Junggeselle mit einem Arbeitseinkommen von einer Million Mark, ober 200 000 Fr., ober 4500 Psunb gibt in Deutschland 44,05 Proz. von seinem Einkommen ab, in Frankreich 26,8 Proz., in England 34,7 Proz. Der Verfasser betont, daß die alle anbeten Länder so weit übersteigenden Steuerlasten Der Deutschen noch Durch Die bestän­dige Markentwertung sehr erhöht werden.

Der neue Papst als Kunst- forscher. Monsignore Achille R a t t i, Der jetzt

Werden können. Als weiteres Erschwernis kommt hinzu, Daß die Reichspostverwaltung von vorn­herein, abgesehen von den Zuschüssen zum Betrieb, die Bereitstellung oder Herstellung von Kraft­wagenhallen verlangt. Diese Hallen sollen feuer­sicher gebaut, heizbar, beleuchtbar und mit Werk- stätts und Benzolraum versehen fein. Hierdurch er­höhen sich bei den heutigen Materialpreisen und Arbeitslöhnen die Kosten derart, daß solche Unter­nehmungen nicht leicht finanziert werden können. Auch haben die G e m e i n D en Der verkehrsarmen Gegenden bisher wenig Neigung gezeigt, sich in entsprechender Weise an den Betriebszufchüssen, die von der Reichspostperwaltung für von ihr ge­plante Linien verlangt wurden, zu beteiligen.

Eine Förderung des öffentlichen Kraftwagen» verkehrs ist aber nur Dann mit Erfolg möglich, wenn Die Hauptinterefsenten. nämlich Die in Be­tracht kommenden Gemeinden in angemessener Höhe an den Betriebszuschüssen teilnehmen. Der hessische Staat kann unmöglich das Defizit allein tragen; er geht mit der Gewährung von Zu­schüssen im Vergleich zu anderen Staaten, wie Bayern, Baden und Württemberg, Die private Kraftwagenltmen für Den öffentlichen Verkehr überhaupt nicht finanziell unterstützen, schon recht weit.

So wurden beispielsweise für Die Äraftmaaen» Itnie Mück eA 11ichstei nS chotten r- liche Zuschüsse von 7800 Mark zur Verzinsung der von der Reichspostverwaltung verlangten Kraflwagenhalle in Alirchstem, Drren Kosten sich auf 250 000 Mark belaufen, bewilligt, unD zur Unterstützung Der Kraftwagenlinie Weinheim- Trösel eine einmalige Abfindungssumme von 60 000 Mark zur Verfügung gestellt.

Im Staatsvoranschlag für 1922 ist wiederum zur Unterstützung und Förderung des öffentlichen Kraftwagenverkehrs ein Betrag diesmal 200 000 Mark als einmalige Beihilfe und ein solcher von 60 000 Mark für jährliche Zuschüsse eingestellt worben.

Aus nachstehender Zusammenstellung ergibt sich ein Bild über Den Stand Des Kraftwagen­verkehrs in Hessen am Ende des Jahres 1921.

Es waren im Betrieb: a) mit staatlicher Un­terstützung. Die Linien: 1. Weinheim- Trösel, 2. MückeAfrichsieinSchotten, 3. Bad-Nau- heim -UsingenRpD a. D. Weil;

b) ohne staatliche Unterstützung, Die Linien: 1. BensheimLinDenfels. 2. FürthLindenfels, 3. Bad-NauheimButzbach:

c) es beänten sich in Vorbereitung, worüber noch VerhanDlungen schweben. Die Linien. 1. Fürth Erbach, 2 Ob.-RamstabtBranDau, 3. König Viclbrunn 1. Wald-MlchelbachHirschhorn, 5. Reckar-Steinach Heilig-Krcuz-Steinach, 6. Rau­heim-GinsheimGuüavsburg, 7. Darmstadt Groß-GerauOptienheim unter Anschtuß Der Bei gaemeInden, 8. FriedbergRanst not, 9. Wetz­larButzbach. 10. Büdingen Ostheim. 11. Bü­dingen Merkenfritz;

d) Protebetrieb fand statt durch die Kraft- verkehrsgefetlschasi Hessen in Frankfurt am Main ohne staatliche Unterstützung auf den Linien: l. 'AlzeyWöllstein; 2. Stein-Bockrnheim Alzey Monzernheim; 3. WonsheimKreuznach.

Ser Betrieb auf den beiden ersten Strecken wurde wieder eingestellt.

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ALLS Stakt und Land.

Gießen, Den 7. März 1922.

Wettervoraussage für Mittwoch:

Wolkig, strichweise leichte Riederschläge, mild, südwestliche Winde.

Die Wetterlage hat sich nicht verändert. ¥

" Deinen 8 0. Geburtstag begeht heute Dr. jur. Phil, et rer pol. Georg Friedrich Knapp, Wirk!. Geheimer Rat und ehemaliger ordentlicher Professor zu Vtraßburg i. Els. Er ist in unserer Stadt am 7. März 1842 geboren. Sein Vater war der bekannte Technologe und Dozent an unserer Landeäunwersität, seineMutter eine Schwester unseres großen Zustus von Liebig. Von 2874 bis zum Herbst 1918 wirkte Georg Friedrich Knapp als einer ihrer bedeutendsten Lehrer an Der Kcttser-Wilhelm-Aniversttät im Reichslande. Als Statistiker, Wirtschaftshistori­ker und Theoretiker- nimmt er den ersten Rang ein unter den deutschen Rationalökonomen, deren Restor er ist. Tie Stadt Gießen hat ihres großen Sohnes durch ein Glückwunschschreiden gedacht.

** Das Lehrgeld in Der Universi­täts-Frauenklinik an Der Laridesuniverfi- tät Ist mit Wirkung vom 1. August d. Z. wie folgt erhöht worden: Für Hebammenschü­lerinnen (Lehrdauer 9 Monate) für solche, die auf Gemeintekosten lernen. 4000 Mark: für solche, die aus eigene Kosten lernen, 4500 Mark, für solche, die nicht in Dem allgemeinen Tchlaf- saal schlafen, 5000 Mark; für Privathebammen- schüserinnen, Die nicht die hessische ©taatäange» wPirawnKinnTi in mrai i ittwwwwaw als Papst Pius XI. Den Thron Petri bestiegen hat, Ist in seiner langjährigen Tätigkeit als Assi­stent und Dann als Vorsteher Der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand auch deutschen Kunst- sorschern, die das altberühmte Institut aufsuch­ten. näher bekannt geworden. (Sr hat auch selbst tiefgründige kunstgeschichtliche Forschungen be­trieben, und über dieses Arbeitsgebiet des neuen Papstes berichtet ein Kunsthistoriker Im neuesten Heft DerKunstchronik". Der jetzige Papst nahm lebhaften Anteil an der vortrefflichen Neyauf- stellung Des BilDerbesitzes der Ambrosianer. unD man Darf in ihn wohl Den Verfasser Des 1907 anonym erschienenen Führers Der Sammlungen sehen. Während seines Wirkens an dec Mai­länder Bibliothek hat ec in Der führenden kunst- geschichtlichen Zeitschrift Italien;. DerRassegna d'arte " einige Aufsätze veröffentlicht. Die sich alle mit Den ihm anvertrauten Schätzen beschäftigten. So zog er 1902 ein wichtiges Zeugnis über Den GolDallar In S. Ambrogio ans Licht und erbrachte Den Nachweis, bah die Drei Dort fehlenden Tafeln Ende des 17. Jahrhunderts erneuert wurden. 1907 machte er ein frühes Bildnis Petrarcas bekannt und wies 1910 nach, daß eine von Bceughel und Rubens gemalte Madonna im Blumenkranz, die für den Kardinal Borromeo bestimmt war, mit einem Gemälde Des PraDo identisch ist. 1912 behanDelte er Den Zusammen­hang Der schönenheiligen Familie" von Luini mit Dem LonDonec Karton Leonardos, unD Der LeonarDo-Forschung hat er überhaupt besondere Aufmerksamkeit zugewentet. Der 1904 begrün­detenRaccolta Vlnciana" war er ein eifriger Förderer und hat in ihren Veröffentlichungen

Hörigkeit besitzen. 500 Mark mehr, also 5000 und 5500 Mars. Für Wochenpflegescdü- lerinnen (Lshrdauer 5 TILonaie), für Schüler­innen mit Berpflegung 3. Klasse 15 Mark, 2. Kl. 20 Mark täglich; mit Verpflegung 2. Klasse, wenn Die Schülerinnen außerhalb der Anstalt wohnen 17.50 Mark täglich.

** Zur Bekämpfung der Papier - geldfälschung. Allgemeine Beachtung in der Bevölkerung verdient die Tatsache, daß nach einer Mitteilung des Reichsbankdirek- tvrrums in 'Berlin eine Ersatzleistung an gut­gläubige Einzahler falscher Reichsbanknöten und DarlehnSkassenscheine nicht mehr erfolgt. Es heißt also jetzt erst recht beim Verkehr mit dem Papiergeld Vorsicht anzuwenden, da nach wie vor in nicht germgre Zahl ge­fälschte Banknoten in Umlauf sind.

Schadenersatz für die Oft fluch tlinge. Alle deutschen ReiAsange- hörigen, die aus den an Posen und an Däne­mark abgetretenen Gebieten vertrieben wor­den oder abgewandert sind und die im Sinn? des Verdrängungsschädengesetzes vom 28. Juli 1921 als verdrängt gelten, haben Anspruch auf den durch dieses Gesetz geregelten Schaden­ersatz. Die Vorprüfung dieser Anträge ist durch Verordnung der Reichsregierung dem Deut­schen Ostbunde in Berlin, Potsdamerstrahe 14. übertragen, der zu diesem Zweck tm ganzen Reich eine Anzahl Dorprüfungsstellen errich­tet hat. Bei diesen sind die Schadenersatz- anträge einzureichen. Dazu sind amtlich vor- geschriebene Vordrucke zu benutzen, die zu be ziehen sind von den Ortsgruppen des Seut< sehen Ostbundes. Die Anschrift der Ortsgruppe in Darmstadt lautet: Geschäftsstelle des Deut­schen Ostbundes, Dreibrunnensttatze 9II.

** Kraftwagenlinien in ver kehrsarmen Gegenden. Auf eine An frage des Abg. Dr. Osann und Gen. teilte die Regierung u. a. mit, daß in Oberhessen für 1921 folgende Kraftwagenlinien in Be­trieb waren: a) mit staatlicher ^Unterstützung: MückeHlrichsteinScholten und Bad-Aaü- heimAsingenRod; b) ohne staatliche iln terstützung: Bad-NauheimBußbach. Es be srnden sich in Vorbereitung: NauheimGins­heim Gustavsburg, Friedberg Ranstadt, WetzlarButzbach, BüdingenOstheim, Bü­dingen Merkenfritz.

** Die Abhaltung von Vieh- m ä r k t e n in Gießen ist wegen des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Lang-Göns verboten worden; der für morgen angelegte Ferkelmarkt findet also nicht statt.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 7 Ahr:Donna Diana". Ho­tel Grvhherzog, 8A Ahr: OefsentUche Der sammlung der Demokratischen Partei. Post- kesler, S1^ Ahr: Zusammenkunft der Deutsch nationalen Zugendgrappe. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße, heute bis eiirscht. Donners^ tag, 4!A Ahr nachmittags:Die Geschlechts- kcankheiren und ihre Folgen"; ab 6 Ahr:Der gelbe Diplomat" undDer Katzenkopf".

Aus Dem Stadttheaterbureav. -Die Neueinstudierung von Moretos graziösem LustspielDonna Diana" wird von Direktor Steingvetfer geleitet und bringt in Hauptrollen auf Die Bühne Die Damen: Franke, Koop, Keller und Türk, sowie die Herren Juhnke, Telety, Brandes uni) Heding.

Der Gießener Kvnzertvercin vecanslnltet am fommenben Sonntag in Der Aula Der Auiversltüt sein 9. Konzert. Johanna Hesse und Alexis af Enehjelm vom LanDestheaterDarm-- flaDt fingen LieDer unD Duette von Schubert; am Klavier Gustav Deck.

Ast o r ia » L ich ts p iele. Der Lei­tung Der Astoria-Lichtsptele, Seltersweg, ift es gelungen, das ehemalige Mitglleb unfered Stabt theatecs. Ich Margot Wernerjür heut? unD morgen zu verpflichten. Frl. Werner wird neben neuen Vortragsstücken Lieber aus Den neuesten Operetten fingen. Das übrige Programm bleibt vollständig auf Dem Spietplan. (Näheres siehe Anzeige.)

Der HandwerkerbunD labt seine Mitglieder zu einer Versammlung am Frei-ag Den 10. März, 8'/s Ahr, ins Gewett>ehaus. Dr. Kraust wird über Die FrageArbeitgeber unD Arbeitnehmer im Handwerk' referieren. Damit wird die gerate jetzt bei Den Dauernden Lohnver-- änberungen so wichtige Frage zur Aussprache gestellt.

Gefährdete Jugend. Wir weisen auch an dieser Stelle auf tert von Den Gießener Srauenoereinen angefünDigien Vortrag über gc- verschiedene Beiträge gehabt, so z. V. einen, ter sich mit ter Frage beschäftigt, ob Qeonarbo ter Erfinder Des AhrenpenDels ist.Alle Diese Arbeiten," sagt ter Verfasser,zeigen bei voll« fommener Beherrschung Des Stosses eine sachliche Kritik ter Quellen unD zeichnen sich durch leb­hafte und anmutige Sprache au«. Noch nie­mals ist em neuer Gebieter im Vatikan «eingezogci'. ter gleich Papst Pius XI. Die Gewähr bietet, daß Die unvergleichlichen Schätze des Palastes unter ihm sich ter sichersten Obhut erfreuen, Die Stu­dien tatkräftige Forderung erfahren werben."

300 000 Pfunb für eine Blblio thek. Die Versteigerling DeS letzten Telles DeL berühmten Huth-Bücherei, bie dieser Tage bet Sotheby in London ftattfanD, brachte Die Gesamtsumme von 4121 Pfund. Für einen Früh« druck derCanterbury-Geschichten" von Chauber aus Dem Jahre 1478 warben 650 Psunb gezahlt, für einen Band englischer Stücke aus ber Privat- blbliothek Karls I. 300 Pfund. Mit dieser Schluß- nuktivn ist nun die ganze Bibliothek, Die zu Den großartigsten Sammlungen ihrer Art gehörte, in alle Winde verstreut.. Der gesamte Ertrag, ter Durch bie Versteigerung ber Bücher erzielt wurde, beläuft sich auf 283 000 Pfund. In dieser Sunu"' sind aber nicht einbegriffen bie verschiedenen SHakespeace-ErsatzausgavEn, bie unter ber Hand vorher verkauft würben usnd eine Summe zwischen 20 000 und 30 000 Pfund ergeben haben. Außer­dem halte Huth einige f besondere Kostbarkeiten seiner Sammlung Dem 7Zritischen Museum ver­macht, so daß Der Gesamtwert Dieser Bibliothek sich auf weit über 300 0(1)0 Pfund beläuft

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