Ausgabe 
7.2.1922
 
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gen unverzüglich der strafrechtlichen Qkrfolgung gemäb der Verordnung des Reichspräsidenten

vom 1. Februar d. 3- zugeführt werden.

Züge

Zug 504 GießenH

508 GießenG

an

Dillenburg

641 Dietzen

7.21 nachm.

an

5.20 vorm.

5.45 nachm.

Betzdorf Dietzen

9.37

3.38

jungen elnhausen

5.24 Dorm.

9.26 vorm.

11.25 vorm.

12.25 nachm.

3.48 nachm.

516 DietzenRidda

501 HungenGiehen

503 RiddaGiehen

513 RiddaGiehen

ab an ab an

ab

5.30

7.40 vorm.

9.33

9.36 nachm.

ab 5.40 vorm.

» 1.35 nachm.

Zug 631 GiehenDillenburg 646 BetzdorfGiehen .. 637 GietzenBetzdorf

632 DillenburgGiehen

Giehen ab 8.20vorm.

. 5.10 nachm.

. an 7.30 vorm.

, 237 nachm

Ts ist nötig, sich vor der Reise nochmals nach dem Fahrplan zu erkundigen, da jederzeit Aende- rungen eintreten können.

707 Bad-Rauh.-Marbg. anGieh. 5.32 nachm.

ab 5.49 nachm.

728 GiehenButzbach ab Gietzen 10.47 nachm. 729 GießenR.-Walgem abGieh.lO.47nachm. 5054 RVDalgernGiehen anGieh.!2.24nachm.

d) GietzenWetzlarBetzdorf.

b) DietzenFulda: Zug 5199 GietzenBg^R-Gemünd. ab . 561 .

Aus Stabt und Land.

Gietzen. den 7. Febr. 1922.

Die Streiklage in Gießen

ist noch wie gestern. Dis auf die Lokomotivführer ist fast alles zum Dienst erschienen. Der Deut­sche Sisenbahnerverband hat sich dem Streik nicht angefchlossen Die Dahnver- waltung warnt die Streikenden vor jeder Reizung und Störung Arbeitswilliger auf Bahngebiet und außerhalb desselben. Es ist dafür Vorsorge ge­troffen. daß bekannt werdende Zuwiderhandlung

Der Aotfahrplan.

Zn Giehen verkehren z. Zt. folgende werktäglich:

a) DietzenGelnhausen:

e) WetzlarLimburg:

3ug 408 WetzlarLimburg Wetzlar ab 10.43 vorm. » 4916 WetzlarWeilburg . . 12.26nachm.

426 WetzlarLimburg , 2.30

. 414 WetzlarLimburg . . 6.30

Don Richtung Limburg in Wetzlar an: 734 vorm., 1132 dorm, 1.45 nachm, 631 nachm

f) GietzenGrünberg über Lollar:

3ug 4340

. 4344

4341 ^^-®ic6en

,4337

Feuilleton.

Die Einsteins Theorie nachgeprüst wird.

Die Britische Sonnenfinsternis- Grpedition nach der Weihnachtsinsel im In­dischen Ozean, die während der 3y»4 Minuten dauernden Sonnenfinsternis im September Ein­steins Relativitätstheorie nachprüfen soll, hat so­eben England verlassen, um ihre Vorbereitungen auf der Insel zu treffen. Der Leiter des Unter­nehmens. H. Spencer IoneS vom Observa- torium in Greewich, hat sich vorher über die Ab­sichten und Aussichten des Unternehmens ge­äußert Gr erinnert daran, dah eine der Vorher­sagen der Ginsteinschen Theorie darin besteht dah ein Lichtstrahl. wenn er in der Rahe einer Materie vorbeigeht, von seiner Richtung abgelenkt wird Der Grad dieser Ablenkung ist so gering dah der emzige Körper mit dessen Hilfe diese Voraussage bewiesen werden kann, die Sonne ist, deren Masse 330 000 mal so grob ist wie unsere Erde Ein Licht- strabl von einem Stern der in der Rähe der Sonne vorbeigeht, wird abgelenkt, und diese Ablenkung enthüllt sich uns durch eine sichtbare Veränderung der Stellung des Sternes der Sonne gegenüber Aber das Licht der Sonne ist mit dem der Sterne vergllchen so intensiv dah es hoffnungslos wäre, Sterne in der Rahe der Sonne im vollen Tages­licht zu photographieren: dies ist nur möglich wenn das Licht der Sonne während einer Sonnen­finsternis vom Mond verdunkelt ist. Die Beobach­tungen, die bei der Sonnenfinsternis von 1919 ge­macht wurden bestätigten die Vorhersagen Ein­steins. Aber die Ergebnisse waren noch nicht s- eraft, dah sie alle Zweifel hätten verbannen kön­nen. »Die kommende Sonnenfinsternis", ertlärt Spencer IoneS, »ist für diesen Zweck nicht so gün- fttg, wie es die von 1919 a>ar, denn die Sterne in der Rähe der Sonne werden viel blasser sein, alS damals und sich daher viel schwieriger phow- graphieren lassen. Da wir uns aber jetzt die

** Die Hessische Vereinigung für Volkskunde in Gietzen hielt ihre diesiährige ordenlliche Mitgliederversammlung ab, die im Ver­hältnis zu den vorhergehenden Versammlungen nach dem Kriege recht zahlreich besucht war. Der Vorsitzende, Studienral Dr. Faber, erstattete zu­nächst den Jahresbericht. 3m Laufe des Jahres mußte Pfarrer O. Schultein Srohen-Linden den Vorsitz infolge von Krankheit niederlegen. Der jetzige Vorsitzende würdigte seine Verdienste um die Förderung der Vereinigung und der Volks­kunde und sprach ihm tm Rainen der Vereinigung den herzlichsten Dank aus. Rach außen hin hat die Vereinigung durch die Veröffenllichung von nur einem Heft derHess. Blätter für Volks­kunde" von ihrer Tällgkeit Kunde gegeben; und dieses eine Heft mit nur vier Bogen (64 Selten) kostet die Vereinigung ein Vielfaches von dem Preis der stattlichen Bände früherer Zeit, die durchschnittlich den 45fachen Umfang hatten. Es wurde darauf hingewiesen, dah Vorstand und Ausschuh n i ch t in der Herausgabe der .Blätter" die Haupttätigkeit der Vereinigung sehen, sondern in der Vergröberung des Archivs, d. h. in der Sammlung von gewissenhaften Auszeichnungen, Darstellungen und Untersuchungen über Voll und Vollstum, welche die Vereinigung Zünftigen Ge­schlechtern aufbewahrt. Auch im letzten Jahre hat das Archiv wertvolle Bereicherungen erfahren. Die hessische Flumamensammlung nimmt einen er­freulichen Fortgang: im Kriege war sie sehr inS Stocken geraten. In den letzten drei Jahren aber find eingegangen: AuS Oberhessen 23, aus Star­kenburg 22 und aus Rheinhessen 14 Sammlungen. Es ist außerordentlich schade, dah die besten Sammlungen nicht gedruckt werden können: viel­leicht aber findet sich doch der eine oder andere Stifter, der den Druck der Sammlung eines Ortes, zu dem er in näherer Beziehung steht, ermögliche In nächster Zeit wird der 2. Band des Flurnamen­buches erscheinen, der die von Herrn L. Fleck gesammelten Flurnamen von Kohden und Salz­hausen enthält. Dah die Vereinigung diesen Band herausgeben kann, beruht auf einigen günstigen Umständen, so vor allem daraus, dah Herr S t a f- sel in Ridda das teure Papier ganz gestiftet und Herr C l o o s in Dietzen für den Druck eine nam­hafte Summe gespendet hat. Wit Kimen den Wunsch des Vorsitzenden lebhaft unterstützen: Möchte ihr Beispiel bei unseren hessischen geld- kräftigen Vvlksfreunden Rachahmung finden!" Heber die vom Vorsitzenden betonte Rotwendigkeit, eine n e u e, u m f assende Werbetätigkeit

** lieber die Zulassung zur Loko- motivführerlausbahn hat der Reichs- verkehrsminister folgende Anordnung getroffen: Den LvkomvtidvberHeizern. Lotomotchtzetz.rn und Anwärtern hierfür sowie den Aushilfsherzern, die zur Aufrechterhaltung eines Rotdetrie- beS den Dienst eines Lokomotivführers über­nehmen ist zu eröffnen, dah sie bei Be­wahrung zur Laufbahn eines Lokomotivführers zugelassen werden. Bei befriedigendem Ver­lauf dieses Versuches ist in Aussicht genom­men. einen angemessenen Teil der Lokomotiv- führerstellen dauernd mit Richthandwerkern zu besetzen. Die Maschinenämter, Werkstättenämter und Betriebswerkstätten sind um weitere Ver­anlassung ersucht. Mit dieser Anordnung ist also auch Dichthandwerkern Gelegenheit gegeben, in ben lwkomotivführerdienst zu kommen, was bisher von der Lokomotivführerorganisation mit allen Mitteln bekämpft worden ist.

* _ *

(Beide Züge haben Anschlutz nach Alsfeld und Salzschlirf)

. 552 Bg.°R.-Gemünb.Gietzen an 7.58 vorm.

564 9.16 nachm.

(Beide Züge haben Anschlutz nach Alsfeld)

c) GietzenFrankfurtMarburg:

Zug 5042 GietzenButzbach ab 3.47 vorm.

792 DietzenBonames ab 6.15 ,,

726 GiehenBad-Rauheim ab 3.05 nachm. 791 ButzbachMarbg. an Gietzen 5.25 vorm.

ab 5.33

777 Bad-Rauh.Gietzen an Sieh. 8.07

ernzuleiten, entspinnt sich eine längere Aussprache. Es fei Unbedingt notwendig, in allen gröberen Orten Hessens Ortsgruppen zu gründen, um in weiteren Kreisen Anteilnahme an tea D str dün­gen der Vereinigung erwart zu Wecken. Weiterhin sollen Fragebogen ausgesandt werden, wie vor 20 Jahren: denn die neuen Verhällnisse, in denen wir leben, werden vieles untergehen lassen, was sic?, durch Jahrhunderte bewahrt hat, und dessen Kenntnis der Rachwelt erhalten bleiben muh. Die Hessischen Blätter für Volkskunde" sollen, wenn irgend möglich, wieder öfter als einmal im Jahre erscheinen; fesselnde Aufsätze liegen zum Druck be­reit, und die Vereinigung gibt sich der Hoffnung hin, dah staatliche und persönliche Unterstützung den Druck ermöglichen. Rotwendig aber sei, dah alle Mitglieder eifrig neue werben, sonst sei nicht nur nicht eine mehrmalige Ausgabe der Dlät- ter unmöglich, sondern auch die einmalige stark gefährdet. In der Vorstandswahl wurde der seitherige Vorstand wiedergewählt: Geheime- rat Dr. H. Haupt lehnte die Wiederwahl mit Rücksicht auf sein Alter und anderweitige Arbeit ab; für ihn wurde der Direktor der Univ.-Biblio­thek, Prof Dr. Ebel, als stellv. Vorsitzender ge­wählt. Der Vorstand schlug eine Erhöhung der Mindestbeiträge auf 8 und 10 Mk. vor: aus der Versammlung heraus wurden aber 10 und 12 Mk. beantragt; nach langer Aussprache, in der alle Gegengründe gewürdigt wurden, nahm die Ver­sammlung mit allen gegen zwei Stimmen diesen Antrag an. Die Mitglieder der Vereinigung in beiden Hessen, in Rassau und im Kreise Wetzlar bezahlen also 10 Mk. Mindestbeitrag, die Mit­glieder im übrigen Deutschland 12 Mk. Die Ver­einigung hofft, dah sich niemand ihrer Mitglieder der Rotwendigkeit dieser Erhöhung verschließen wird, und dah auch jetzt noch alle Mitglieder, für die ein höherer Beitrag fein allzugrohes Opfer bedeutet, über diesen Mindestsatz hinausgehen. Förderer der Vereinigung zahlen mindestens 150 Mark Jahresbeitrag, und wer sich den Ehren­namenStifter" erwerben will, kann dies mit einem einmaligen Beitrag von mindestens 2000 Mark erreichen. Die Vereinigung hofft, dah sich alle Vvlksfreunde ihr anschliehcn, besonders in der jetzigen Zeit, damit eines ihrer Ziele nicht verfehlt werde: nämlich unser Vollstum gegen die drohende Gefahr von Westen her zu stärken und gegen jede Verderbnis zu schützen und zu behaup­ten. Der angekündigte Vortrag von Professor D. Dr. Diehl aus Friedberg über ..Volkskund­liches aus alten Pfarrbesoldungsnoten" muhte lei­der infolge der Zeitverhältnisse ausfallen. Er wird in nächster Zeit nachgeholl werden.

** Der Volksliederabend des Evangelischen Arbeitervereins war sehr gut besucht, ein Beweis, welcher Wert­schätzung sich das Volkslied jetzt in allen Kreisen erfreut. Es ist das um so begrühenswerier, als der Verein, der infolge Erkrankung beider vorge­sehenen Solisten keine Mühe gescheut hat. voll­wertigen Ersatz zu bekommen, diese Mühe bestens belohnt sah. Fräulein Gustel Pfass, im An­fang Wohl etwas befangen, entwickelte ihre an­mutigen Stimmittel von Lied zu Lied freier und schöner und erntete reichen, wohlverdienten Bei­fall. Herr Doller, der sich gelegentlich der seinerzeitigen Liebhaber-Aufführung von0Rv;arts »Bastien und Bastienne" bestens eingefuhrt hatte, fang ernste und heitere gute alle Volkslieder mit schöner, wohlgeschuller Stimme und vielem Er­folg. Beide Solisten verdienten für ihr Ein­springen in letzter Stunde und durch die gediegene Anpassung in den Rahmen deS Abends den besonderen Dank der Zuhörer und des Vereins. Ihre Geltungen waren gleichzeitig ein schöner Erfolg der beiden Gießener Gesangschulen von Frl. Stammler und Frl. Kübel. Chorlieder bot neben dem Gemischten Chor des Vereins das »ErsteGießener Doppelguartet t, dem eS gelang (ganz besonders nach dem Ende des Programms zu) sich in die Herzen der Hörer einzusingen und damit wieder einmal eine Lanze für unfern schönen deutschen Männergesang zu brechen. Einzelleistungen hervorzuheben, ist bei der Fülle des Gebotenen schwer. Besonders er­wähnt möge werden vom Doppelguartett:©in rheinisch Mädchen" und ..Die Mühle im Tale", vom Gemischten Chor: »Mallüfterl" und _ Rosen - stock, Holderblüt". Bei den Solisten fällt eine Auswahl der Höhepunkte noch schwerer. »Mutter, sing mich zur Ruh" undMein und Dein" des Frl. Gustel Pfaff, sowieÄein fchonrer Tod" und »Je höher der Kirchturm" von Herrn Boller verdienen unbedingt besondere Erwäh­nung. Den Beschluß deS Abends bildetenLe­bende Lieder". denen tm zweiten Teil eine mimische Darstellung des »Heiderösleins" vorauf- ging. Um die Darstellung des Goetheschen Ge­dichts machte sich das Ehepaar Geilfus sehr verdient, während der Vereinschor das Lied hinter der Szene in der bekannten Wernerschen

Die Werkstatt der Briefmarkcttfälscher.

Das Briefmarkenfälschen ist eine Kunst, die so alt ist, wie das Briefmarkensammeln. Aber mit dem gewaltigen Aufschwung, den dieser Sport in unserer Zeit der Hochflut neuer Marken genom­men hat. hat sich auch die Zunft der Brief- markenfälscher autzerordenllich vermehrt, und man muh jetzt sehr viel mehr wie früher auf der Hut fein. Wenn die gefälschten Marken einen sehr hohen Wert besitzen, dann ist es außerordentlich schwierig, sie unterzubringen, denn jeder Händler und Kenner beobachtet die größte Vorsicht, Unb trotzdem sind selbst Fälschungen der Mauritius von 1847 vorgekommen, die nur in etwa zehn Exemplaren existiert und deren Wert eine fünf­stellige Ziffer darstellt. Am meisten gefälscht wer­den die südamerikanischen Marken: es gibt in Paris und in Montevideo Falscher Werkstätten, die die frühen Ausgaben der Marken von Para­guay, Peru und Uruguay in großen Mengen neu Herstellen. Die geschickteste Art des Fälschens von Briefmarken geschieht auf die Weife, daß eine alte, aber nicht sehr wertvolle Marke in ein chemisches Bad gelegt wird, wodurch Farbe und Zeichnung vollkommen entfernt werden. Die gefälschte Zeichnung wird dann entweder mit Hilfe der Photographie oder mit der Hand auf dem Originalpapier angebracht. Dem Sammler bieten sich bei einer solchen Fälschung die we­nigsten Argwohnsmomente. Das Papier ist zwei­fellos alt, die Perforierung durchaus echt, und auch an dem Wasserzeichen ist nichts Verdäch­tiges zu bemerken. Rur durch sorgfällige Ver­gleichung der Zeichnung mit derjenigen einer echten Marke kann die Fälschung entdeckt werden. In vielen Fällen erziell eine durch die Post ent­wertete Marke einen viel höheren Preis als eine ungestempelte. Das gibt dem Fälscher eine leichte Möglichkeit, den Wert eines Stückes zu erhöhen. Kürzlich wurde eine ungestempelte Marke auf einen alten Briefumschlag, der aus der Zeit der Marke stammte, geklebt und der Poststempel sorgfältig gefälscht. So schien eine Entdeckung unmöglich, aber der Fälscher hatte einen schweren Fehler begangen, er hatte die Adresse mit einer modernen Stahlfeder geschrieben, und diese Tat­sache führte einen aufmerksamen Sammler zur Entdeckung der Fälschung.

warme Aufnahme gefunden, gibt in der »Deutscher, Rundschau" ein farbenreiches Bild von seinen Wanderungen in Ithaka. Die uralte Streitfrage, welche der jonischen Inseln daS ho­merische Ithaka war, besteht für ihn nicht: »Ich wurde zu vielwochenlangem Aufenthalt auf die Insel östlich von Kepbalonia, die auch jetzt Ithaka heißt, eingeladen und fühlte mich sofort in der Heimat des homerischen Inselkönigs. Das ist mein dichterisches Ja! Hub ein strahlMides Erlebnis." Besonders empfand er die Rähe des odhfseischen GeisteS bei einem Ausflug nach Pilikata. »Viel­leicht stand hier der Palast deS Odvsseus!" schreibt er. »Entscheidende Grabungen sind ja noch nicht vorgenommen worden! Ich kenne Wohl keinen ergreifenderen Fleck Erde: vollster Inhalt der Vorstellung Hellas. Eigentlich ein von fruchtbaren Mulden umwogter Hügel in kahlem, bedrückendem Gebirgsrund. Aber es stehen drei herrliche Fenster offen: bai eine wellet sich aufs tiefe Meer, und dahinter im Rordosten blaut die Insel Lefkas ins Wvllenlvse 'Dort das Kap, von dem sich Dappho aus Liebesgram in die ewig Umfassung suchenden Klippen umhalsenden Fluten stürzte. Das zweite Fenster gegen Süden senkt den Blick zu buchten- reichen Meerbusen: blaue Dreiecke Meer stehen flar vor dem Sinnenden. Hinter all dem Blau aber die Zacken Akarnaniens: beinahe schon eine lila Ferne. Durch das drille kommt uns schon westliche Rachmittagskühle über gekräuseltes Meer zwischen Ithaka und Kcphalonia: Dort auf der größeren Rachbarinsel tagt ein starrer Riese oder er mag nur, beschwert von seines Hauptes Ge- birgskranz, schlafen. Sin Kap ist seine Rase: zu ge­wissen Stunden mag er herüberblicken! An dieser Stelle dachte die Kaiserin Elisabeth, vor ihrem Entschluß zum Achilleion auf Korfu, ihr Schloß zu Bauen. Glücklicherweise geschah es nicht: dieichlichte Verborgenheit Pilickatas verträgt keinen Prunk: der Hügel ist von Erdbeben besonders heimgesucht: wir stehen eigentlich zwischen jüngsten Lulneirl t

in Brasilien gewonnenen Erfahrungen zunutze machen können und ein größeres Instrument ver­wenden, so ist zu hoffen, daß diesmal viel genauere Ergebnisse erlangt werden. Das wäre auch sehr zu wünschen, denn viele Jahre hindurch wird keine Sonnenfinsternis für diesen Zweck mehr so günstig fein wie die vom 21. September. Es muß jedoch beachtet werden, dah der zu meßende Effell außerordentlich geringfügig ist. Deshalb werden nur Beobachtungen von größter Genauig­keit und mit den feinsten Methoden von Wert sein. Die Veränderung in der Lage der Stern­bilder wird festgestellt durch den Vergleich der während der Sonnenfinsternis ausgenommenen Photographien mit anderen Photographien, die drei oder vier Monate früher deS Rachts von demselben HimmelSgebiet ausgenommen wurden. Die Bilder der Sterne in der Rähe der Sonne in den Sonnenfinsternis-Photographien werden um den etwa Vaooo Teil eines Zolls in ihrer Lage verändert fein, verglichen mit ihrer Lage aus den früheren Platten. Mit der Messung so win­diger Veränderungen steht unb fällt die Eiv.stein- sche Theorie. Aber die Methoden der modernen astronomischen Messungskunst sind dieser Aufgabe gewachsen. Gefährlicher könnte ein anderes Hin­dernis werden. Auf der Weihnachtsinsel beträgt die Tagestemperatur über 90 Grad Fahrenhell, und die Rachttemperatur mindestens 70 Grad' Die Entwicklung der photographischen Platten unter solchen Bedingungen ist sehr schwierig, denn wenn nicht die größte Vorsicht angewandt ist, so wird der Gelatinefilm durch die Wärme weich, und das würde den Wert der Photographien voll­kommen vernichten können."

Theodor Däubler am Palast des OdyfseuS.

Der Dichter Theodor D ä u b [ e r, der sich auf Einladung der griechischen Regierung zum längeren Ausentkall nach G icchen'a d begeben hat unb In den kunstliebenden Kreisen überall eine

Betzdorf

" Dillenburg

S-barafter bestimmen feine Inseln, Eilande und Halbinseln: die Mee ces flächen, mögen Tie auch viel ausgedehnter fein, bleibet» nur Ein­fassung. großartige Ergänzung. Es gibt Meere mit Inseln, das sind Inseln mll Meer. Wir sind eben weder Vögel, noch dahinschwebende 'Engel: durch unsere Aufrechterhaltung treten wir in Wettkamps mit der Aufgerecktheit der Berge: sie vollenden sich in unserer Schau, Meece hingegen schrumpfen, unS zu Füßen, zu­sammen." Der Dichter betritt dann die Stelle, wo der Vollsmund die Burg des Odhsseus vermutet. »Wir steigen noch etwas hinan und gelangen zu Häusern, winziger alS sie dazwischen ein Kirchlein, dem Ajon Athanasion geineibt Im Innern er­kennen wir, daß es wie ein Rest In zyklopischem Gemäuer eingeklemmt sitzt. Unb ringsum dort, überraschend in Wänden, plötzlich unter Bäumen, behauene Blocke, rauhe Stufen, die Armeskraft gewälzt: auch mancher Brunnen, eine künstliche Grotte mit Wasser, in dem sich Schlangen berunv knäulen, das Bad der Rymphe genannt! Dann Felsen als Pforte steif gereckt, ein in den Stein gehauenes Rund, mll Rischen zum Hineinsetzen von Tafeln oder Gefäßen, Stufen zum Drauf- lagern und Lauschen, ungleichmäßig von einem Steinthrvn erhöht: die Schule Homers! Unb der Volksmund sagt jetzt wieder: »Vielleicht lag noch früher die Burg Odysseus' hier. Sure Reuglerd? mag in Felsenwinkeln, unter Oelbäumen herum' wittern, ihr findet Brunnen und Gräber!" Ich suhle mich hier, mehr als in Pilikata, unter Hel­den: viel waren mir gleich die unheimlich alten Steineichen: ich dachte an tapfere Männer! Statt Erlen, wie tm Gesang, traf ich bei 'der Burg un­terer Vermutungen schlankgipfUge Mandelbäumse mir siel Penelope ein. And ich sand auch ein UeberaU bon Feigenbäumen, in übermütloer Lustigkeit ihren Riesenreigen durch die Trümmer wiegerrd: für mich die Freier!"

774 MarburgGießen

Vertonung vortrug. Auch das gelungene, mk wenig Mitteln geschickt ausgestattete Bühnenbild sei lobend erwähnt. Die von Marcellus zu- sammengestellten »Lebenden Lieder" boten eine durch Handlung lose verknüpfte in drei Abteilun­gen gegliederte Anreihung größtenteils bekannter beliebter Volkslieder.Abschied",Fremde", »Heimkehr". Hm diese drei Begriffe gruppierten sich die Lieder, die damit bald eine Szene besonders wi k ings o l gehalten halfen, bald selbst durch die Handlung gehoben, in oft für den Zuhörer gan- neue Beleuchtung traten, gewissermaßen geradezu plastisch wirkten. Alle Mitwirkenden verdienen uneingeschränktes Lob für die Ausführung dieser sicher mit viel Mühe und Arbell in der Vor­bereitung verbundenen Aufgabe.

** Anlagenkonzert am Donnerstag, mittags 12 Ahr, am Liebig-Denkmal (nut bei günstiger Witterung): I. Krönungsmarsch aus der OperDer Prophet" von G. Meyer- beer; 2. Ouvertüre zur OperZar Und Zim­mermann" von A. Lortzing: 3. Walthers Preislied aus der OperDie Meistersinger von Nürnberg" von N. Wagner; 4. Große Fantasie aus der OperTiefland" von E. d'Albert; 5. Germanen-Marsch von H. Kell,

Bornorizen.

Tageskalender für Dienstag Stadttheater, 7 Uhr:Die Tür ins Freie". - Cafs Leib, 8älhr: Oeffentlicher Lichtblldervor trag der Liga zum Schutze der deutschen Kul­tur. Astoria-Lichtspiele:Die fremde Frau- undGoliath Armstrong", 6. Teil. Licht spielhaus, Bahnhofstraße:Die Dergkatze^ undDer Bagnvssträfling". ,

D i e Bortrag.s-Vereinigung, der der Bund zur Pflege von Musik und Literatur, der Kaufmännische Verein und der Gewerbe- Verein angefchlossen sind, hat für ihren nächsten Vortrags-Abend ein sehr zeitgemäßes Thema ge- wählt: Der Rhein, seine Burgen unb Dome. Der Vortrag wird in großen Zügen dir geschichlliche Bedeutung dec Rheiillande schildern und dabei auch der vielen Sagen und Legenden, die unseren deutschen Strom verherrlichen, ge­denken. Eine große Reihe von Lichtbildern werden die herrlichen Dome von Worms. Mainz, Speyer, Straßburg, Köln zeigen und einen Einblick in die Blütezeit des romanischen und gotischen Stlles geben. Ferner werden die sagenumfponnenen Burgen und Ruinen unseres schönen Rhein. stromeS und seine landschafllichen Schönheiten gezeigt. (S. heutige Anzeige.)

Kreis Schotten.

B. Burkhards, 6. Febr. Die ehe­maligen Gemeindeglieder Otto Schmollinger in Reuhork, John Lisin- g e r in Chikago, John Groth in Rew-Bri- tain, Henry Hainh 'm Horth-Hvrt erfreuter, die Gemeinde mit mehreren Dollar zur Ver­wendung für kirchliche Zwecke. Ihre Gabe sichert vor allem das 'Bestehen des durch die Teuerung gefährdeten Gemeindeblattes des Kirchspiels Burkhards.

Kreis Friedberg.

Bad-Rauheim, 5. Febr. Der Ver * kehr auf der Main-Wejer-Bahn ruht hier vollständig. Die Folge davon ist, daß der Bahnhof, trotzdem fidp die hieitgen Eisenbahner am Streik nicht beteiligen, vollkommei verödet beilegt. Um so regeres Leben herrscht an der Hallestelle der nach Butzbach und Lich führen» den Kleinbahn, die äutzerst stark benutzt Ml cd Rach Frankfurt und Gießen besteht keine direkte Verbindung mehr. Wer dringend dort zu trn hat, nutzt alle möglichen sich sonst bietenden Ver­kehrsmöglich leiten aus. So läßt das hiesige Post­amt täglich um 8 Uhr morgens ein Auto nach Frankfurt abgehen. Las abends wieder zurückfährt. Die Hin- und Rückfahrt kostet 100 Qilarf, das ist daS mehr als vierfache deS neuen Fahrpreises 4. Klasse. Leute, die )i<r, diesen Luxus nistch erlauben tonnen, gehen in 3 Stunden von hier nach Hornburg v. d. H.. im von dort mit der Elektrischen Frankfurt zu er­reichen. Um nach ©ie'-en zu gelangen, fahren die Reisenden mit der Wette'talbahn nach Butz­dach oder Lich. von wo aus die Reise zu Faß fortgesetzt wird, wenn sich auf der Staatsbahn nicht gerade eine Deförde'.-ungsmoglich^eit bietet Die Zeitungen kommen fett Donnerstag sehr un­regelmäßig. besonders von Frankfurt, von wo sie zum Teil ganz ausgeblieben sind. Dagegen hat sich der ^Gießener Anzeiger" mit nut geringer Verspätung bis letzt täglich etngefunben. Die Postautoverbindung nach Frankfurt wird a ich von außerhalb schon rege benutzt, besonders von Butzbach, von wo aus die Kleinbahn gite An­schlüsse vermittelt. Es sei darauf aufmerksam