Ausgabe 
7.2.1922
 
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m. 52

Der Girtzener Lnzeiaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feierlays. Monattichevezugxprc.se: Mk. 9.50 einschl. Träger- sohn, durch die Post Mk. 10.- einichl. Bestell- gelb, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt, ^ernsprech- Anschlüsse: für die Schrift le itung 112; für Druckerei, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siche«.

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Erstes Blatt

U2. Jahrgang

Dienstag, 7. Zevruar 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und $teinöruderei R. Lange. Zchrlstleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigern) 34 mmBreite örtlich 70 Pf., auswärts 90 Pf.; für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 300Pf. Bei Platz. Vorschrift 20" 0 Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen.

Kabinettswechsel in Italien.

Rom, 5. Febr. Der König konferierte nacheinander mit Sonninv, Luzzati, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Sa­la ndra und dem Führer der Fazisten Mus­solini. Nach dem Giornale d'Italia soll Giolitti dem König de Nicola als den Mann bezeichnet haben, der geeignet sei, das neue Ministerium zu bilden.

Paris, 7. Febr. (WTB.) Nach einer HavaSmeldung aus Nom ist der Kammer­präsident de Nicola mit der Bildung des Kabinetts betraut worden.

Zum Sturz des bisherigen Kabinetts Bo- nomi haben offenbar vielerlei Umstände äu» sammengewirkt. Wie weit die Mißerfolge Der italienischen auswärtigen Politik unter Mar­quis Della Tvrretta habet mitspielten, wissen wir nicht. Zweifellos war diese Politik recht unentschieden und schwankend. Man wagte kein entschlossenes Eingreifen in den französisch­englischen Streit und vernichtete infolgedessen auf einen großen Lett deS Einflusses, der einem Volke wie Italien zukvmmt. Beson­ders verschwommen sind die Linien, auf denen sich die italienische Politik im nahen Osten und im Mittelmeerbezirk bewegt. So ist es kein Wunder, daß das seit einem halben Jahre im Amte sitzende Kabinett zur Abwechslung einer anderen Regierung weicht.

Innerpolitische Gründe haben natürlich auch zu diesem Ergebnis mitgewirkt. Ein rö­mischer Brief in der heutigen Nummer der .,Frkf. Ztg." betont die Tatsache, daß die liberalen Demokraten unter Giolitti sich mit den sozialen, den Anhängern Nittis, ver­einigt hätten, und Laß in dieser Bereinigung sich die Opposition geltend mache. Borgänge wie die angeblich zu weitgehenden Beileids­bezeugungen des offiziösen Italien beim Lode des Papstes, der Zrohe Zusammenbruch der Banca di Sconto, bei dem die Regierung nutzlos bedeutende Mittel geopfert habe, so­wie die Derschleppung der Vereinfachung und Berbilligung des Beamtenapparates, hätten die allgemeine Unzufriedenheit genährt.

Der neue Papst.

Rom, 6. Febr. (WTB.) Nach einer Reutermeldung ist Kardinal R a t t i als Pius XI. zum Papst gewählt worden.

Der neue Papst Pius XL, ehemals Kar­dinal Rattt, ist Lombarde und war Ka­nonikus an der AmbrvfiuSkirche in Mailand, als er 1907 zum Hausprälaten des Papstes ernannt wurde. Als Kanonikus war er seit 1912 Prvfekt der Berühmten Ambrosius- Bibliothek und gleichzeitig auch Bizepräfekt ber Datikanischen Bibliothek, bis er später die Leitung der Dattkanischen Bibliothek als Präfekt übernahm. Nach dem Weltkrieg fand er kurze Zeit Verwendung im diplomattschen Dienst der Kurie, und zwar als Nuntius in Warschau. In Deutschland siel er damals durch seine Pattemahme für die Polen auf. Als dann bald der Stuhl des Erzbischofs von Mai­land frei wurde, erhielt ihn Ratti und bald danach auch die Kardinalswürde.

Ein Havasbericht über die englisch-französischen

Verhandlungen.

Paris, 5. Febr. (Wolff.) Havas ver­öffentlicht einen offiziösen Bericht über den Stand der Verhandlungen, die zwischen der englischen und der französischen Legierung geführt werden.

Die gestern abend in Daris eingetrvffenen Nachrichten ließen den Schluß zu, daß die äugens blicklich über die Wiederherstellung des Friedens im Orient geführten Verhandlungen zu einer be- friedigerrden Lösung führen würden. Die drei Hauptfragen: Smyrna, Thrazien und Schuh der Minderheiten, könnten in einer für Griechenland und die Türkei annehm» baren Weise gelöst werden. Auch die Frage der Meerengen werde keine Schwierigkeiten be­reiten. Vielleicht könne der Völkerbund ein Mandat erhalten und an die Stette der augen­blicklichen Kommission treten. Die Türkei ver­lange, daß keine fremde Garnison auf dem Süd- ufer der Meerengen stationiert werde. Vielleicht Lnne ein Kontrvllfhstem den Aliierten die er­forderlichen Garantien bieten.

Die Verhandlungen über den französisch-ong- lischen Schuhvertrag würden fortgesetzt. Frankreich wünsche, daß der Schutzverrrag nicht nur moralisches Gericht erlange, sondern daß er auch neue Garantien dringe, die Frank­reich veranlassen könnten, gewisse Anstrcmgungrn zu unterlassen, am seine Sicherheit und den Frie­den zu sichern. Also nicht in einem Geiste des Imperialismus, wie gewisse englische Blätter glauben machen wollten, führten die französischen Unterhändler die Verhandlungen, im Gegentell; sie hätten jedoch bemerkt, daß der Pakt, wenn er nicht vrrvrl kommnet werde, nur die Bestim­

mungen deS Friedensvertra^s von Versailles wiederholte, ohne Frankreich die Vorteile der Lage vor dem Zahre 1914 zu bieten, durch de Franko reich genau über den militärischen Beistand unter­richtet gewesen sei, den England (m Falle eines Angriffs auf sranzcs.sches G.biet zu leisten be­reit war. Der Vertrag müsse auch für einen ge­nügend langen Zeitraum gelte.., wenn er für Frankreich ein wirkliches Interesse bieten solle.

Die englische Presse scheine übrigens auch die französischen Roten über die Konferenz von Genua falsch gedeutet zu haben. Die Roren sollten keineswegs die Konferenz zum Scheitern bringen, sondern nur einen Mißerfolg verhüten, den (Snglanb wohl am ersten bedauern würde. Die Vorverhandlungen könnten ohne Schaden fortgesetzt werden, da ja die Konferenz selber infolge der italienischen Krise notwendigerweise vertagt werden müsse. Es gebe kein Land, das nicht ernste Sorgen hinsichtlich dieser Kon­ferenz hätte, namentlich wegen der Richtbeteili­gung des Völkerbundes, dem man so europäische Fragen entzogen habe, die er bereits studiert und zum Teil gelöst habe. Andererseits habe Ruß­land nicht nur in seinem Rumen, sondern auch im Namen anderer Republiken, wie Georgien und Kaukasus, zuge'agt, deren politische Lage ebenfalls zu diplomatischen Auseinandersetzungen Veranlassung gebe. Die französische Regierung könne das Eigentum ihrer Staatsangehörigen in Rußland nur dann als geschützt betrachten, wenn die innere Gesetzgebung Rußlands diesen Besitz anerkenne, oder wenn Rußland die Gesetzgebung des Staates anerkenne, dem der Besitzer angehöre. Die Konferenz von Genua werde zu keinem Er­gebnis führen, wenn man nicht an die Spitze der Tagesordnung den dritten Punkt stelle, der festtege, daß an den bestehenden Ver­trägen nichts geändert werden solle.

DerTernps" über die sogenannte Wicderherstellnngsfragc.

Paris, 7. Febr. (WTB - D<rT e m p s" bespricht in seinem heutigen Leitartikel einen Be­richt des Pariser Korrespondenten herSundah Times", der nach dem Blatt ohne Zweifel die Ansichten einer gut unterrichteten Persönlichkeit wiedergibt, und in dem ber Berichterstatter den Standpunkt vertritt, die Reparationskommission werde, falls sie mit der Deschlußfa sang über die letzte deutsche Rote beauftragt werde, wahrschein­lich auf die in Cannes tns Auge gefaßten Forderungen von 72 0 Millionen Gvldmark zurückgreifen. Reben dem Vorteil, Teutschland nicht in neue finanzielle Schwierig­keiten zu stürzen, würde diese Regelung die bel­gischen re^e befned'gen und eine

Atempause fRaffen, wäh.cnd w lher dann nach die französische öffentliche Meinung zu einer praktischeren Politik zu erziehen wäre, die darm besiehe, weniger zu verlangen und mehr 51 er­halten. DerTenchs" weist allerdings dieses Vorurteil über die französische Politik zurück.

Von der Washingtoner Konferenz.

Washington, 5. Febr. (WTB.) Der chinesisch-japanische Vertrag über die Regelung der Schantungfragewurde unterzeichnet. Die britischen Delegierten der Abrüstungskonferenz statteten dem Präsiden­ten Harding im Weihen Hause einen Ab­schiedsbesuch ab. Balfour erklärte dem Präsidenten; daß er nach England mit der größten Befriedigung über den -großen Er­folg der Konferenz zurückkehre, die die Durch­führbarkeit der Methode gezeigt habe, inter­nationale Fragen durch Konferenzen zu er­ledigen.

Eine neue internationale Sozialisten« konserenz in Frankfurt a. M-?

Paris, 5. Febr. Die heutige Sitzung der internationalen sozialistischen Konferenz beschäftigte sich mit der Ein­heitsfront der Sozialisten. Ein Beschluß ist nicht gefaßt worden. Morgen vormittag treten die Mitglieder der Exekuttvausschüssr von Wien und London zu einer Beratung der Angelegenheit zusammen. Am Schlüsse der Sitzung wurde an die deutsche sozta- listische Partei ein Telegramm ge­richtet, in dem gesagt wird, daß, falls die deutschen Delegietten durch den Stteik der Eisenbahner verhindert werden, nach Paris zu kommen, eine neue Konferenz zur Weiterberatung und Beschlußfassung in aller Kürze nach Frankfurt a. M. einberufen würde. In diesem Falle würde die Pariser Konferenz morgen mittag 2 Ahr geschlossen werden.

General Dewet

Dloemfontaine, 6. Febr. General De­wet ist gestorben.

21m 7. Oktober 1854 geboren, biente de Wet als Feldkornet in dem Kriege, den Transvaal 1581 gegen England führte. 1885 bis 1897 gehörte er dem Volksrat des Oranje-Freistaats an. Im Burenkrieg war er Oberbefehlshaber der Truppen des Oranje-Freistaats. Seine mutige und geschickte Führung wie die Schnelligkeit, mit der er militärische Bewegungen vollzog, erwarben ihm Weltruhm. Mit dem Declust der ünatbängig- feit konnte er sich nicht abfinden, obwohl er sich dazu verstand, im Fahre 1937 das Ministerium für Ackerbau in der Oranje-River-Kolonie zu übernehmen. Den englischen Einmarsch in Deutsch-Südwestafrika zu Beginn des

Weltkrieges empfand er als schweres Unrecht. Er beteiligte sich an dem Burenaufstand deS Zahres 1914 und wurde gefangen genommen. Wegen Hochverrats wurde er zu sechs Jahren Gefäng­nis und 200 Pfund Sterling Geldstrafe ver­urteilt, im Dezember 1915 mit 118 anderen Ge­fangenen aber wieder freigelaffen. Die Weg­nahme der deutschen Kolonien in Afrika verurteilte er, als Zustizminister trat er für die Rückgabe des beschlagnahmten deut­schen Eigentums in der Südasrikanischen Union ein. Mit General Hertzog sollte er auf Beschluß des Rationalkongresses nach Europa reifen, um auf der Friedenskonferenz für die Unabhängig­keit Südafrikas einzutreten, aber Botha ver­weigerte den beiden Delegierten die Pässe. Mit de Wet verliert die Rationalistenpartei einen ihrer angesehensten Führer.

Der Eisenbahnerstreik.

Berlin, 6. Febr. (WTB.) Die L a g e i m Eisenbahner st reikist nach den im Reichs- verkehrSministerium vorliegenden Rachrichten im großen und ganzen unverändert. Entgegen ver­schiedenen anders lautenden Meldungen ist in Württemberg kein Streik ausgebrochen. In Baden wird der Streik der Lokomotivführer von den übrigen Eisenbahnern nicht gebilligt. In Dresden ist eine Zunahme des Streiks zu vermerken. In Berlin macht der Streik -der städtischen Arbeiter die Durchführung des Rot­betriebes besonders schwierig.

In der heutigen Besprechung der Spihen- verbände der Beamten, Angestellten und Ar­beiter mit der Reichsregierung erklärte der Reichsminister der Finanzen, daß er bereit sei, baldmöglichst in eine eingehende Aussprache über die Besoldungsfrage einzutreten. Zur Frage des Arbeitszeitgesetzes erklärte der Reichsver- kehrsminister sich bereit, wie mit den Eisenbahn­beamten so auch mit den Maschinistenverbänden über den Referentenentwurs des Eisenbahner- stteikgesetzes zu beraten. Bei dieser Gelegenheit kann, so erklärte der Minister, auch die Frage nochmals geprüft werden, ob dir Möglichkeit be­steht, das Eisenbahnerpersonal in das künftige allgemeine Arbettszeitgeseh einzubeziehen. Bei Schluß der Verhandlungen mit den gewerkschaft­lichen Spitzenorganifationen, und dem Deutschen Beamtenbund bezeichneten sowohl die CBertretet der Gewerkschaften wie auch die des Beamten­bundes die Erklärungen der Regierung als eine Grundlage für den Abbruch des Streiks. In den späten Abendstunden haben bereits Verhandlungen zwischen den Gewerk­schaften, dem Deutschen Beamtenbund und der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten über die Zurückziehung des Stteikaufrufs statt- gefunden. Schwierigkeiten bestehen nur noch über die Frage der Maßregelung von Streiken­den. Die Reichsgewerkschaft hält an der Forde­rung fest, daß keinerlei Maßregelungen vorgenom­men werden dürfen.

Die Lage in Berlin.

Berlin, 7. Febr. (WTB) Rach einer Mit­teilung derVossischen Zeitung" wird dir Streik le-.tung der Berliner städtischen Ar bet ter heute darüber beschließen, ob eine älrabstimmuvg über die Fortsetzung oder Beendigung des Stteiks entscheiden soll.

Der .Freiheit" zufolge hat der R eichs- verband deutscher Post- und Tele­graphenbeamten, De,irL" vrrrin B rl n, ge­stern in einer Versammlung beschlossen, daß £>u Post- und Telegrap henbewnten Berlins heute mittag um 12 Üf>r in den Streik treten wer­den, falls die Forderungen der Reichsgewerkschatt deutscher Ei'erbahnbeamten nicht inzwischen bc* willigt werden.

Berlin, 7. Febr. (WTB.) Der Allgem. Deutsche Gewerkschaftsbund, der Ver­band 'der Gemeinde- und Staats­arbeiter, der Deutsche Metallarbeiter­verband, der Zentralverband derMa- schinisten und Heizer, der Verband der Transportarbeiter, der Zentralverband der Angestellten, die Gewerkschafts­verbände Berlins und Umgebung und der Allgemeine Freie Angestelltenbund (Ortskartell Groß-Berlin) erlassen einen Aus­ruf an die städtischen Arbeiter und Angestellten zur sofortigen, unverzüglichen Wiederaufnahme der Arbeit. Der Aufruf weist darauf bin, daß die durch den Streik über die ge­samte Brvvllerung verhängten Leiden und äln- bilden nicht gerechtfertigt erscheinen

Aus dem Frankfurter DircktionSbezirk.

Frankfurt a. M., 6. Febr. (WTB.) Die Eisenbahndircftion teilt mit: Die Streiklage im Bezirk Frankfurt a. M. ist im wesentlichen unverändert. Der Parlamentszug ist heute früh sahrplanmähig um 7,40 llhr vom Hauptbahnhvs abgefahren und hat inzwischen Bebra durchlaufen.

Frankfurt a. M., 7. Febr (WTB.) Wie die hiesige Eisenbahndirektton mitteilt, hat das übrige Mannheimer Eisenbahnpersonal gedroht, ebenfalls in den Streik erneu treten, falls dte Technische Rothilfe nicht Zurückgezogen werde. Weiter teilt die Eisendahndirektioa mit, daß heute morgen verschiedene Personenzüge. die den Bahnhof verlassen wollten, von den Strei- lenden daran gehindert wurden.

Verbrecherische Anschläge.

Frankfurt a. M, 6. Febr. (WTB.) In! der Racktt ;um 3. Februar wurde, wie der Polizer- bericht meldet, \n der DeLriebswerkstatt 1 eine]

Lokomotive von der Technischen Rothilfe unter dem Schutz von Dicherhettspolizcibeamten angeheizt. Die Eisenbahnarbeiter dec We-kstatte, welche nicht in den Streik getreten sind, aber mii den Streikenden sympathisieren, juxten das Anheizen zu verhindern und leisteten ter Ab­hilfe keinerlei Unterftütjung. Troydem g lang es, die Lokomotive anzuheizen. Als sie unter eigenem Tampf den Schuppen verließ, eiblobierten einige Sprengkörper, welche von unbe­kannter Hand vor dem Schuppen angebracht wor­den waren. Turch die Ecplosion wurde c 1 n Beamter der Schutzpolizei am Deine verletzt.

Frankfurt a. M., 5. Febr. Gestern nach­mittag zogen in Hanau nach einer Versamm­lung ungefähr 1500 Streikende nach dem 'Bahn­hof und drangen troh des Widerstandes der Polizeimannschaften in das Bahnhofsg.b.iude ein. Sie entfernten die Arbeitswilligen mit Gewalt von ihren Posten und mißhandelten die Rothilfe schwer. Die Polizei hat teil Bahn- Hof zwar wieder besetzt, ist aber außerstande, die Dahnhvfsanlagen von den Streikenden za säubern.

In Frankfurts. M. selbst waren Sonn­tag früh die Zugänge zum Dircl^ionsgebä tbc eine Zeit lang durch Streikende abgefperrt, bis Schupo eingriff.

Limburg a. L, 5. Febr. Gestern abend wurde der von Westerdirg kommende Per­son e n z u g um 8.35 iltyr kurz hinter der Lahn­brücke durch Heben des Haltesignals mit einer Handlaterne und Hnttrufen zum Halten gebracht. Eine zweite Person brachte darauf sofort bie Luftdruckbremsen In Einordnung Die Attentäter sind entkommen.

Ein Ausruf der Techniker.

Berlin, 6. Febr. Die unterzeichneten Tech- nilerbereinigungen erlassen folgenden Ausruf:

Deutschland leidet unter dem Druck des Eisen­bahnerstreiks. Dun schneidet man dazu der Reichs­hauptstadt durch den Kommunalstreik den Lebens­nerv ab. Licht, Gas und Wasser fehlen. Die Technik, sonst die Wohlfahrt eines Volkes, wird in der Hand von älnzufriedenen zur Geisel der unbeteiligten Bevölkerung. Ingenieure! Tech­nikers Schützt die lebenswichtigen Be­triebe, die wiederum gegen alle gewerkschaft­lichen Grundsätze und trotz früherer Versprechun­gen ohne Ausführung genügender Rotstands­arbeiten stillgelegt sind. Bannt die Gefahr deS Elends und der Verkümmerung für die Kranken und Schwachen! Helft mit eurem Sachwissen die Rotversorgung sichern! Ihr könnt helfen, wenn ihr wollt! Ihr könnt das Räderwerk des täg­lichen Lebens wieder in Gang bringen für die Allgemeinheit, der bitterste Rot droht!

Berliner Technikerverein. Berliner Bezirksverein Deutscher Ingenieure. Glektrvtechnikerverein Ber­lin. Märkischer Verein von Gas-, Elettrizitäts- und Wasserfachmännern. Verband technisch- wissenschaftlicher Vereine. Reichsbund deutscher Techniker und deutscher Zivilingenieure. Deutsche Gesellschaft für Bauingenieurwesen. Verein deut­scher Gießereifachleute.

Vom Oberkommandierenden im besetzten Gebiet ist besohlen worden:

Sämtliches Personal der Eiserrbahn hat an Ort und Stelle seinen Dienst aufrechtzuer­halten und alle Befehle auszu führen, die chm von der Interalliierten Feldeisenbahnkvmmis- sion und deren untergeordnete Stellen erteilt werden. Gemäß Verordnung 16 der Hohen Interalliierten Kommission werden Vergehen aller Art gegen den vorliegenden Befehl kriegsgerichtlich bestraft.

Der Streik

in den anderen Reichsgebieten.

Erfurt, 6. Febr. (WTB.) Von der Eisen- dahndirettwn wird mitgeteUt, daß die Lage im Erfurter Bezirk günstig ist. Ter Verkehr wird in beschränktem Umfange auf rechter hatten. Sie Lage in den Rachbarbezir ken ist teil­te i f e besser, als an den Tagen vorher. Der von den radikalen Eisenbahnern erwartete Ge­neralstreik wurde gestern abgelehnt.

Im Bezirk Kassel hat die Wiederauf­nahme der Arbeit Fortschritte ge­macht. In Paderborn sind 60 Lokomo­tivführer zum Dienst zurückgekehrt. Auch in Soest besieht Reigung zur Wieder­aufnahme des Dienstes.

In Bayern haben die Lokomotivführer und der Deutsche Eisenbahnerverband auch in neuer Abstimmung mit überwältigender Mehrheit den Streik abgelehnt. Bayern war am gestri­gen Sonntag vollkommen streikfrei.

Karlsruhe, 5. Febr. Zur Streiklage in Baden teilt die badische Regierung amtlich mit: Tas Ministerium des Innern hat folgen Je Bekanntmachung erlassen, die in den größeren Städten angeschlagen wird: Ein Tett der ba­dischen Eisenbahner hat sich dem Stteik der Reichs­gewerkschaft der deutschen (Si'enbabnbeamten und Anwärter angeschlossen. Tamtt ist der regel­mäßige Verkehr der Eisenbahn auch in Baden unterbunden. Aasgabe der Staatsverwaltung i't es, dafür Sorge zu tragen, daß die lebenswich­tigen Transporte, wie Milch, Lebensmittel irö Kohlen durch geführt werden können. Zu dies-nr Zweck werden die großen Bahnhöfe des Landes 1 für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Es wird ersucht, sich den Anordnungen der Polizet z fügen.